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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und de« KrUageur .Literarischer Adriger«. „Kaudmirtschaftliche Keilage" «ud „zvustkLMss KssrrL^rbrsÄ^
179 RWW-WWWL Marburg
— Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. lohne 1 Slllflllft 190R UI^ ®et^l9: 3®$- Aug. Koch, UntversttätSbuchdruckere' v®W*
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1 /Nachdruck verboten.)
Else Hohenbach.
Original-Novelle von E. Wald.
(Fortsetzung.)
Else verbeugte sich, angenehm überrascht vor der Hausfrau, welche eine sympathische Erscheinung war, Frau von Kammler, aber wie wenig patzte sie zu dem Gatten. Und nun erhob sich auch ein junger, sehr großer, blasiert aus- sehender Herr aus einem Schaukelstuhl unb Tarn auf die Gruppe zu. Mit einer gewissen vornehmen Nonchalance begrühte er den Freiherrn, verbeugte sich tadellos vor Tante Leontine und wandte sich dann zu dem jungen Mädchen.
„Mein Sohn Bodo, Fräulein von Hohen- 'bach "
_ ,®Ue neigte leicht den Kopf, während die Bucke des jungen Mannes bewundernd an der hohen blühenden Mädchengestalt herabglitten, die in ihrem leichten blauen Kleide, durch das die rosigen Schultern hindurchschimmerten in der Tat bildschön aussah. Man gruppierte sich um den Kaffeetisch, Frau von Kammler leitete lercht und.gewandt eine anregende Unterhaltung ein, dabei ruhten auch ihre Augen mit unverkennbarem Wohlgefallen auf Else.
„Sie waren lange fort, Fräulein von Hohen- oach," wandte sie sich jetzt an das junge Mäd- chen, ^.gefällt Ihnen die Heimat wieder oder .vermissen Sie die jungen Gefährtinnen?" > *£■» ich bin froh und glücklich, wieder zu
Hause zu sein, wenn ich auch manch liebe Freundin in der Pension zurücklietz, aber es ist doch nirgends schöner, als daheim."
„Da haben Sie Recht, liebes Kind, und auch ich habe in der ersten Zeit meines Hierseins viel mit Heimweh gekämpft, trotzdem ich doch eine alte Frau bin."
.Gnädige Frau sind Ausländerin?" warf Else fragend ein.
„Ja, ich bin Wienerin, wir waren fünf Schwestern, aber keine blieb im Vater lande, meine jüngste Schwester ist in der Nähe von Dresden verheiratet."
„In der Nähe von Dresden, dahin geht jetzt meine liebste Freundin, als Erzieherin aufs Land zu einem Boron von Lohnin oder dergleichen!" lief Else lebhaft.
„Lohnin grenzt unmittelbar an Drosien, die Besitzung meines Schwagers, jedoch verkehren die beiden Familien, so viel ich weiß, nicht zusammen, es hat einmal eine kleine Mißstimmung gegeben, die noch nicht gehoben ist."
„O, wie schade, ich hätte Sie, gnädige Frau, sonst gleich um eine Fürsprache für meine Freundin gebeten; sie steht ganz allein in der Welt und geht zum ersten Mal in Stellung."
„Nun, so weit ich früher gehört habe, ist das alte Ehepaar in Lohnin nett und freundlich und wird Ihre Freundin sich dort gewiß wohl fühlen." I
„Konntest Du bei Fräulein Barthels keinen I anderen intimen Umgang finden, als «ine Gou- I
Deutsches Reich.
— Der Kaiser in Swinemünde. Swine- münde, 30. Juli. Der Kaiser unternahm gegen Mittag eine Segelpartie auf der „Iduna", wo I auch das Frühstück stattfand. Die Segelfahrt dehnte sich bis zum späten Nachmittag aus. — Der Reichskanzler traf auf Bahnhof Swine» I münde um 4 Uhr 24 Min. «in und wurde vom I Gesandten v. Treutler empfangen. Der Salonwagen des Fürsten wurde bis zum Zollschuppen geführt. Der Fürst nahm auf der „Hohenzollern" Wohnung. Zur Abendtafel an Bord ist der Oberprästdent geladen.
— Promotion des Prinzen August Wilhelm. Straßburg, 30. Juli. Prinz August Wilhelm von Preußen, der gestern Nachmittag „rite" zum Doktor der Staatswisienschaften promoviert worden ist, hat eine Dissertation über das Thema geschrieben: ^Die Entwickelung der Kommissariatsbehörden in Brandenburg-Preußen bis zum Regierungsantritt Friedrich Wilhelms I“. I Die Arbeit ist von der rechts- und staatswiffen- schaftlichen Fakultät angenommen worden, worauf das mündliche Examen stattfand. Examinatoren waren die Professoren: Freiherr v. Wal- tershausen, Laband, Rehm und Sartorius. Den Vorsitz führte der Dekan der Fakultät Professor v. Tuhr.
— Der Erotzherzog von Baden in München. München, 30. Juli. Um zwei Uhr fand im Ballsaale der Residenz große Hoftafel zu Ehren der badischen Gäste statt. Es nahmen an der Tafel noch Teil sämtliche Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses, der Herzog von Kalabrien, HerzogErnstAugustzu Braun- s ch w e i g, die Obersten Hofchargen, die Staatsminister usw. — Der Eroßherzog und die Großherzogin von Baden statteten heute Vormittag in Gesellschaft des Prinzen und der Prinzessin Ludwig der Ausstellung einen längeren Besuch ab. Zur Begrüßung waren u. a. auch Staatsminister v. Podewils und der Stadtkommandant erschienen. Nach einem Rundgange brachten die Mitglieder der badischen Kolonie dem Großher- zog und der Großherzogin eine sinnige Huldigung in den heimatlichen Kostümen dar: auch Kinder wirkten mit. Der Vorstand des badischen Hilfsvereins gab der Versicherung Ausdruck, daß die Badener in Bayern ihre Liebe zur Heimat nicht vergäßen. Der Eroßherzog dankte auch namens der Großherzogin. Bei der Abfahrt vom Ausstellungsplatz spielte die österreichische Deutschmeisterkapelle die Nationalhymne. Nach dem Frühstück besichtigten der Erotzherzog und die Großherzogin die Reiche Kapelle und die Schatzkammer in der Residenz.
— Z«m 10. Todestage Bismarcks. Berlin, 30. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Fürst v. Bülow ließ heute in Friedrichsruh durch Geheimrat Wahnschaffe am Sarge des Fürsten Bismarck einen Kranz niederlegen. — Heidelberg, 30. Juli. Anläßlich des 10jährigen Todestages des Fürsten v. Bismarck veranstaltete die hiesige Studentenschaft heute Nachmittag 5 Uhr im reichgeschmückten großen Hörsaale der Universität eine akademische Gedächtnisfeier, zu
I welcher an den Lehrkörper der Universität und alle Behörden Einladungen ergangen waren. Professor Herrn. Oncken hielt die Gedächtnisrede, die der Orchesterverein mit dem Vortrag der Eg« mont-Ouvertüre eingeleitet hatte. Den Schluß der Feier bildete der Pilgerchor aus „Tannhäuser".
l — Eine Ehrung Zeppelins. Karlsruhe, 30. Juli. Der Eroßherzog hat dem Grafen Zeppelin die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft am Bande des Ordens Bertholds I. verliehen.
— Landtagsersatzwahl. Für die Landtags» | ersatzwahl in Tandem wollen die Freisinnigen wieder Bürgermeister Dr. Schücking-Husum auf« stellen, während die Nationalliberalen Dr. Schifferer-Kiel aufstellen wollen.
— Aus dem Flottenverein. Straßburg, 30. Juli. Der kaiserliche Statthalter von Elsaß- Lothringen, Graf Wedel, hat das ihm von der Hauptversammlung des elsaß - lothringischen Landesverbandes des Deutschen Flottenvereins angetragene Protettorat angenommen, indem er der Erwartung Ausdruck gab, daß der Verband es allzeit verstehen werde, sich bei der Verfolgung seiner patriotischen Aufgaben frei von allen parteipolitischen und konfessionellen Gegensätzen zu halten.
— Lohnstatistik. Wie sehr der Lohn der Arbeiterschaft gestiegen ist, geht aus der im letzten Jahresbericht der Handelskammer Essen enthaltenen Mitteilung hervor, daß bei der Firma Krupp die prozentuale Steigerung des Arbeitslohnes vom Jahre 1907 gegenüber demjenigen von 1879 nicht weniger als 77 Proz. betrug. Auch in den letzten Jahren ist die Steigerung zu beobachten gewesen. So belief sich der Durchschnitt der auf der Eußstahlfabrik pro Kopf und Tag bezahlten Löhne 1902 auf 4,52 M, 1903 auf 4,50 eü, 1904 au f4,88 M, 1905 auf 5,12 <K, 1906 auf 5,35 M und 1907 gleichfalls auf 5,35 M. Also mit Ausnahme des allerletzten Jahres, in dem, wie bekannt die weniger günstige Konjunktur einsetzte, ist bei Krupp auch in den Jahren fest 1902 eine stetige Steigung der Arbeiterlöhne zu beobachten gewesen. Wenn aber in den letzten drei Dezennien die Arbeiterlöhne um 77 Proz. gestiegen sind, so ist damit noch nicht der Gesamtvorteil dargestellt, den die Arbeiterschaft gehabt hat. Man wird auch bedenken müssen, daß in den letzten dreißig Jahren die Arbeitszeit beträchtlich gekürzt ist. Dieser Vorteil läßt sich nicht in Geld umrechnen, daß er aber neben der Lohnerhöhung vorhanden ist, wird niemand leugnen können. Auch wird man nicht bestreite« können, daß die Arbeiterversicherung für die Versicherten recht großen materiellen Nutzen im Gefolge hat. Die Arbeiterbevölkerung hat unstreitig an der Kulturentwicklung, wie sie während der letzten drei Jahrzehnte in Deutschland zu beobachten gewesen ist, einen ganz bedeutenden Anteil gehabt. Bekanntlich ist ja dir Sozialdemokratie außer Stande, diese Tatsacht wegzuleugnen und ihren früher mit Eifer verteidigten Grundsatz von der Verelendung bei Massen aufrecht zu halten.
— Zum Fall Schücking ergreift jetzt auch bi« „Norbb. Allg. Ztg." offiziös das Wort. Das Blatt erklärt, daß im Falle des Bürgermeisters Dr. Schücking in Husum die in den Schriften des genannten zum Ausdruck gekommene polt«
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 61.
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Bismarck in der Kunst.
In einer Studie zum 10. Todestage, den 30. Juli, des eisernen Kanzlers schreibt Theodor Lamprecht über die künstlerische Verarbeitung der Persönlichkeit Bismarcks u. a. folgendes:
Zuerst war es die Karikatur, die sich mit Bismarck beschäftigte. In den sechziger Jahren tauchte sein Gesicht als ständiger East in den Nummern des „Kladderadatsch" auf. Hier war es der alte Wilhelm Scholz, der zuerst die Aufgabe erfaßt hat, sich mit Bismarcks Zügen künstlerisch auseinanderzusetzen.- Er war es gewesen, der den inzwischen, man kann wohl sagen, weltgeschichtlich gewordenen Bismarck-Typ, den bekannten Bismarck mit den drei Haaren, erfunden hat. Heute will uns das vielleicht nicht mehr viel bedünken; aber betrachtet man die Sache recht, so war es nicht mehr und nicht weniger als eine künstlerische Großtat. Der alte Scholz ist der Erste gewesen, der es vermocht hat, Bismarcks Züge typisch zu fassen und zu gestalten. Sein Bismarck-Typus ist nicht abschließend, aber es ist hochinteressant und sehr anziehend zu beobachten, wie sich der Zeichner, je bedeutsamer sein Held sich entwickelt, um so mehr in seinen Charakter vertieft, ihn um so reicher und bestimmter aufsaßt. Zuerst, und recht lange noch, hat seine ganze Darstellung Bismarcks etwas Feindseliges: allmählich aber, je mehr er feinen Helden versteht, um so mehr heroisiert er ihn. Doch merkt man seinem Bismarck-Typus immer an, wie er entstanden ist: eine abschließende Auffassung hat der bescheidene Karikaturenzeichner des „Kladderadatsch" begreiflicherweise noch nicht finden können.
Und Bismarck wächst, unb mit ihm wächst bie Kunst seiner Darstellung. In biesem Zusammenhänge ist ein Künstler anzuführen, bei heute nicht mehr hoch im Kurse steht, aber bennoch seinen Platz in bet Geschichte der künstlerischen Darstellung Bismarcks behaupten wirb. Das ist Anton von Werner. Wir lassen bie rein künstlerischen Fragen hier beiseite unb stellen nur fest, daß Werners ganze Kunst im Guten unb im Uebeln einen entschieben preußischen Zug hat. unb in biesem Sinne hat er es auch vermocht, Bismarck zu schilbern. Wenn man ein Bilb be- i trachtet, wie bas, bas Bismarck nach ber Schlacht bei Sedan auf dem Wege nach Donchöry zu dem gefangenen Kaiser Napoleon zeigt, so kann man nicht in Abrede stellen, daß in dieser Gestalt entroas ganz Eigentümliches zum Ausdruck kommt. Etwas Strenges, Unerbittliches, Statu
arisches. Es ist, als ob das Schicksal mit diesem Manne ritte. Die ungeheuere, strenge und nüchterne Macht des Preußentums: etwas davon klingt, das ist nicht zu bestreiten, in Werners besten Bismarckbildern an. Aber Bismarck blieb eben nicht nut Preuße, et ward „der Deutsche". Und so ist es auch für bie Geschichte seiner Darstellung in ber Kunst bezeichnend, daß schließlich die beste Schilderung seiner Person, die zu seinen Lebzeiten geleistet wurde, nicht von einem Preußen, sondern von einem Süddeutschen her- rührt. Es ist natürlich Lenbach, von dem wir reden. Lenbach hat Bismarck Hunderte von Malen geschildert: in ausgeführten Gemälden, in Skizzen und in Studien: in Zivil und in Uniform: stehend und sitzend. Der Wert dieser Arbeiten ist ungemein verschieden. So mag es sein, daß schließlich von allen den vielen Bismarck-Bildnissen Lenbachs vielleicht nur zehn oder zwanzig ber Probe Stich halten, aber biese sind auch etwas. Zum ersten Male hat hier ein genialer Geist das Genie erfaßt. Zum ersten Male ist die ungeheuer« Wölbung dieses Schädels, der ja oft mit einem Dorne verglichen worden ist, in feiner ganzen Pracht gezeigt worden; zum ersten Male ward durch Lenbach das fast Übermenschliche Leben der Augen Bismarcks zum Ausdruck gebracht. Bismarcks-Bildnisse von Lenbachs Hand sind sozusagen alle Augenbildnisse: in den Augen steckt ihr Zauber, ihr Leben, ihre Größe. Sie fesseln, sie zwingen, sie folgen uns. In ihnen hat Lenbach das Höchste geleistet, was er für Bismarcks Darstellung in der Kunst überhaupt geleistet hat.
Inzwischen hatte schon bei Bismarcks Lebzeiten auch die Bildhauerkunst begonnen, sein Bild zu formen. Vegas hat in feiner Bisrnatckbüste, die heut in der Nationalgalerie zu Berlin ist, eine vorzügliche Vildnisbüste geliefert. Auf der Nheinbrücke zu Köln erhob sich, noch während Bismarck lebte, fein erstes Standbild, und inzwischen hat sich die Zahl der Bismarck-Monumente vervielfältigt. Bekanntlich ist die Geschichte der künstlerischen Darstellung Bismarcks in der Plastik im allgemeinen nicht erfreulich. Das umfassendste Werk, das ihm gewidmet ward, das Berliner Bismarck-Denkmal von Begas, ist durchaus mißglückt, einerseits, weil es einen Stil des dekorativen Pompes hat, der Bismarcks schlichtem und herbem Tat- und Sachengeist innerlich fremd ist, anbernteils, weil Vegas nicht über das Bildnis hinausgekommen ist und es nicht vermocht hat, statt eines Bildnisses Bismarcks ein plastisches Bismarck-Symbol zu schaffen. Denn nur in der symbolischen Gestalt lebt der Held in der Kunst ewig fort. Es ist das unbestreitbare Verdienst des Hamburger Vis- I marck-Denkmals von Lederer, diesen Gedanken erfaßt zu haben. Wenn dieses Denkmal so schnell in ganz Deutschland volkstümlich geworden ist, so verdankt es dies dem in ihm lebenden symbolischen Gedanken. Roland-Bismarck ist ein Gedanke, der das Volk packt, der ihm verständlich ist. Die Schwäche des Werkes liegt nun freilich in dem Kopfe selbst. Nur ein Gigant könnte einen Kopf schaffen, ber den ungeheuer- massigen Formen dieser Bismarck-Rolandssäule gewachsen wäre, der nicht vor ihr zurückträte, I sondern diese Riesenmasse beherrschte, krönte. I Tas ist Lederer nicht gelungen. Aber sein Werk I stellt doch einen großen Fortschritt dar, indem I es die Aufgabe präzisiert, die der Bismarck-Dar- I stellung in der Kunst gestellt ist: die Schaffung I eines Symboles „Bismarck". I
I mat. So soll mein Sohn Güstow übernehmen, I und ich kaufe mich vielleicht drüben wieder an. I wenn nicht," setzte er mit eigentümlichem I Lächeln hinzu, „sich hier noch etwas Passende« I findet."
I „Herr von Hohenbach zuckte unmerklich zu« I summen und seufzte tief auf. „Fühlt Ihr Sohn i denn Beruf zum Landwirt?"
I „Nun, vor der Hand kann ich das fteilich I noch nicht sagen, indes ich denke, wenn ich ihn auf das schöne Gut setze, wird ihm bie Sach« schon gefallen. Güstow ist arg vernachlässigt, aber ein schöner Besitz, ich bin, trotzbem es mich ein schönes Stück Gelb kostet, boch sehr zufrie- ben mit bem Kaufe, unb bie jetzigen bösen Zei« ten müssen auch balb anbers werden."
! „Glauben Sie das, glauben Sie das wir« lich," rief der Freiherr lebhaft, „ich muß gt» stehen, mich überläuft ein Schauer, wenn matz so täglich in ber Zeitung bie Subhastationen lieft, überhaupt unter ben kleinen Besitzern ist es wie Epibemie."
„Nun, ich will nicht leugnen, daß wohl noch mancher fallen wirb, ehe es besser kommt, aber wer es übersteht, hat gewonnen, und wir 6eÜ><L Herr Baron, gehören boch wohl zu benen, btt es abwarten können, meinen Sie das nicht auch?"
Der alte Freiherr warf einen kurzen, scheue» Blick auf sein Gegenüber, bann stand er auf unp bat Herrn von Kammler, ihm doch die neue» Pferde vorführen zu lassen, bie dieser kürzlich gekauft, lSortleüuno folat.1
I oernante?“ fragte Frau von Klaren, zu ihrer I Nichte gewandt.
I „Tantchen, Olga Wilburg ist die Tochter I eines Majors, aus guter Familie, dafür daß sie I arm ist, kann sie doch nichts, sie ist ein goldenes I liebes Herz und die Gediegenste, Beste aus der ganzen Pension."
„O, lassen Sie der Jugend ihre Ideale, liebste Frau von Klaren," warf Frau von Kammler lächelnd ein, „später trennt das harte Leben so bald manche dieser stürmischen Freundschaftsbündnisse. Uebrigens, mein liebes Kind, können Sie durch meinen Sohn einen persönlichen Gruß an Ihre Freundin bestellen lassen, er gebt
Zagd nach Drossen, und trifft die junge Dame dann gewiß irgendwo in der Bekanntschaft."
Der alte Freiherr war indes mit Herrn von Kammler in ein wirtschaftliches Gespräch verliest.
„Unb Sie wollen in der Tat Güstow Ihrem Sohn übergeben und sich wieder anderweittg an- kaufen?" fragte er, zu seinem Wirt gewandt.
„Ich muß gestehen, bei den jetzigen landwirt- fchaftttchen Verhältnissen behalte ich mein Geld doch lieber im Arnheim und arbeite mit der Kouponschere, anstatt mit dem Pfluge."
Herr von Kammler trank einen Schluck Wein und meinte dann:
„Mein werter Herr Nachbar, Sie haben Recht, indes ich muß meinen Sohn endlich platteren, unb meine Frau als Oesterreicherin fühlt doch «in« ewige Sehnsucht nach der Hei.
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