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Aus dem Ansiedlungsgebiet.

Tie Tätigkeit der Ansiedlungskommission in den ehemals polnischen Landesteilen Preußens har wieder erfreuliche Fortschritte aufzuweisen. Besonders ist der Zuwachs aus kleinbäuerlichen Kreisen wieder stark vertreten, und das Erfreu­lichste ist, daß er aus sölchen westdeutschen Ge- xenden stammt, aus denen schon seit Jahr und Tag eine lebhafte Abwanderung in die Ost­mark stattfindet. Ein Beweis dafür, daß die bereits angesiedelten Familien an ihren neuen Wohnsitzen sich wohl fühlen und Verwandte und Freunde nach sich ziehen. Auch im Interesse der Germanisierung ist diese Erscheinung freudig zu begrüßen, da sich der Deutsche bekanntlich im Kreise seiner Sippe am sichersten fühlt und da­durch gerade bei katholischen Ansiedlern der Ge­fahr vorgebeugt wird, daß sie ihr Volkstum ver­lieren und als Katholiken polonisiert werden. Diese Erfahrung bestätigt sich besonders bei der Kluslegung solcher Güter, die guten Boden und oute Verkehrslage haben. So war in diesem Jahre das Ansiedlungsgut Pogorzela im Kreise Koschmin, unweit der schlesischen Grenze, das In 34 Wirtschaften ausgelegt wurde, kaum zur Vuftcilung freigegeben, als sich auch schon An- stedlungslustige aus dem Westen meldeten die Verwandte und Bekannte in der Nachbarschaft haben. Sämtliche Stellen waren in kurzer Zeit vergriffen. In derselben günstigen Weise haben sich eine Anzahl anderer Güter, z. B. Pierschütz bei Krotoschin, Luisenstein bei Borek, Daleschin und Vrzesie bei Gostyn, Radomitz, Wulsch und Zirpe bei Alt-Boyen besiedeln lasten, die alle im südlichen Teile der Provinz Posen liegen. In den Kreiser, der dortigen Ansiedler, welche die Vorzüge der Ansiedlung bereits kennen ge­lernt haben, rechnet man mit Sicherheit darauf, daß es der Ansiedlungskommission gelingen wird, neue Güter in diesem fruchtbaren Teile der Provinz Posen in nächster Zeit zur Be­siedlung zu bringen. Nicht am wenigsten wür­den dadurch die kleinen Landstädte in der Ost­mark gewinnen, denn die Städte, die man bisher mit einem Kranz deutscher Siedlungen umgeben konnte, haben einen in die Augen fallenden wirtschaftlichen Aufschwung genommen. Man schaue sich die Städte Wreschen, Enesen, Schwer- senz, Pudewitz, Mogilno, Kletzko, Witkowo, Obvrnik, Wongrowitz, Tremessen, Bortschin, Mrctschen, Briesen-Westpr., Eollub, Strasburg,

I lPachdcuck verboten.),

Elfe Hohenbach.

Original-Novelle von E. Wald.

t Fortsetzung.)

Mein armer Mann, der schon seit Jahren gelähmt ist," sagte Frau von Lohin rasch. Das junge Mädchen eilte auf den Kranken zu und drückte die abgemagerte Hand, die er ihr reichte, an ihre Lippen.

Willkommen, mein liebes Kind," sagte jetzt auch der Kranke mit leiser Stimme,die lange Fahrt war Ihnen gewiß recht langweilig?"

O, durchaus nicht, die Gegend ist ja herrlich hier und bietet so viel Abwechslung."

Weiter hin nach Westen wird sie noch schöner, da fangen die Klippen und Schluchten aitz. Sie werden das ja später auch noch sehen) fino Sie gut zu Fuß?"

Ein paar Stunden halte ich gut aus, bei unseren langen Spaziergängen in der Pension war ich immer die beste Fußgängerin."

Nun, das freut mich, da werden Sie hier doch etwas Zerstreuung haben, sonst ist es ja recht einsam bei uns, und unsere kleine Ada, Ihre Schülerin, soll auch mal spazieren gehen und in der Luft sein."

Das Kind ist leider sehr schwächlich, ein trauriges Erbteil unserer früh verstorbenen Tochter," warf die alte Dame ein,sie bedarf vieler Schonung und Pflege, wir hoffen aber, daß sie hier erstarken wird."

Der Vater der Kleinen lebt noch?" wagte Olga eine Frage.

Ja, er ist Kapitän zur See, und das Kind hat jetzt, wo die Mutter tot, keine rechte Hei­mat mehr, da unser Schwiegersohn Jahre lang unterwegs ist, deswegen nahmen wir sie auch zu,

Bestellungen

für die Monate August und September auf die

^Oberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition lMarkt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstatten und Landbriefträgern ent» gegengenommcn.

Kulmsee u. a. m. an. Das Eegenbild bilden diejenigen Städte, die von der Ansiedlung unbe­rührt blieben. Auch in anderen Teilen der Pro­vinz Posen und in der Provinz Westpreutzen ist die Nachfrage nach Ansiedlerstellen lebhaft.« ter mit gutem Acker und in lebhafter Verkehrs­lage werden schon als vergeben bezeichnet, die noch gar nicht vermesten werden konnten, wie das Ansiedlungslustigen auf ihre Anfragen mit« geteilt worden ist.

Herr Maximilian Harden kann sich in Interviews nicht genug tun. So hat et sich auch jetzt wieder über seinen Prozeß vernehmen lasten.

Auf die Frage eines Vertreters derBerl. Univ. Korr.", was er an dem Verfahren gegen Eulenburg auszusetzen habe, meint er:

Hätte man gewartet, bis der Fürst gesund wäre so wären dem Gericht die Prozessionen und die Mätzchen des durchlauchtig- ten Schauspielers erspart geblieben und die Verhandlung wäre zu Ende geführt worden, ohne daß der Angeklagte den. Zeitpunkt wählen konnte wie es ihm beliebte die unbe­queme'und gefährliche Vorstellung abzubrechen.

Frage: Aber der Fürst tat doch, als wäre ihm der Abbruch der Verhandlung höchst unange­nehm? _

Harden: Wirklich. Das gehörte zum Pro­gramm der Komödie. Die Verteidigung für den Angeklagten gegen die Vertagung. Ganz nett inszeniert. Das wirkt aber doch kaum auf die reifere Jugend. Stattmit dröhnender Stimme" zu schreien, auf den Tisch zu schlagen und sichder Aufregung aus­zusetzen, die ein Hypnotisierter vorher als für den Angeklagten lebensgefährlich bezeichnet hatte, konnte er ruhig sagen, er fühle sich im Besitz der zur Fortsetzung der Verhandlung nötigen Kräfte und bitte, in nicht zu langen Sitzungen, eventl. mit 2 Ruhetagen in der Woche, die Sache zu Ende zu bringen." .

Wie sich der pseudonyme Herr Maximilian denkt daß ein Schwerkranker nach dem Urteil sämtlicher Aerzte! auf den Tisch schlägt, mit dröhnender Stimme schreit usw. bleibt schleier­haft. Die Wut hat ihm offenbar alle Be­sinnung geraubt. ~ ,

Für seine Verfehlungen wird Fürst Eulen­burg der wohlverdienten Strafe nicht entgehen, auch ohne daß Herr Harden ihm jetzt noch fort­gesetzt derartig seine Fußtritte während eines noch schwebenden Verfahrens versetzt. Das ist doch um so unnötiger und muß um so mehr gegen Harden aufbringen als Harden selbst mit voller Bestimmtheit auszusagen weiß:

Alle tendenziösen Bemühungen können die Tatsachen nicht verdunkeln daß schon jetzt die Ueberführung des Angeklagten tn einem Umfang gelungen ist, wie er nur in ganz seltenen Fällen er­reich t w i r d. Ich verhehle nicht, daß neben diesem Manne noch Grete Beier mir

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

He> j,e Qiagen;Literarischer Aa,rigrr«,Landwirtschaftliche K-itage« naiIllustrierte» Hmmtagsdlatt".

gespaltene Zeile 30 Pfennig.

43. Jahrg.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitätsbuchdrucken' Inhaber Dr. E. Hrtzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 56.

v Deutsches Relch.

Gelegentlich der Zusammenkunft des Kai­sers und des Königs Eduard in Schloß Fried- richshof findet nach derTägl. Rdsch." in Hom­burg v. d. H. die Enthüllung des von Mitglie­dern des deutschen und des englischen Herrscher­hauses gestifteten Denkmals der Landgräfin Elisabeth statt. Der Feier werden beide Mon­archen beiwohnen.

Marburg

Donnerstag. 30. Juli 1908.

Reichskanzler Fürst Bülow wird in den nächsten Tagen mit dem Kaiser in Swinemiinde zusammentreffen, um dort Vortrag zu halten.

Antrittsbesuch de, Eroßherzogs »en Baden in München. Karlsruhe, 28. Juli. Wie der Hofbericht derKarlsruher Zeitung" meldet, begeben sich der Eroßherzog und die Großher­zogin von Baden morgen früh 5 Uhr 9 Min. von hier nach München, um dem Prinzregenten von Bayern einen offiziellen Besuch abzustatten. Das Eroßherzogspaar gedenkt bis Donnerstag, den 30. Juli, abends, in München zu verweilen.

Auszeichnung. Stuttgart, 28. Juli. Der König hat dem Oberpräsidenten der Provinz Schlesien, Staatsminister Dr. Grafen v. Zedlitz und Trützschler das Eroßkreuz des Ordens der Württembergischen Krone, ferner dem Landes­forstmeister Werner v. Freier, Vortragenden Rar im königlichen preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, das Komthurkreuz zweiter Klaste des Friedrichs- ordens und dem Landrat des Kreises Namslau, von Maröes, das Ritterkreuz erster Klaste des­selben Ordens verliehen.

Reichstagsersatzwahl in Braunschweig. Braunschweig, 28. Juli. In der gestern Nach- mittag in WolfeMüttel abgehaltenen Vcr- trauensmännersttzung der nationalen Parteien wurde gegen die Stimmen der Landesrechts­partei der Kandidat des Bundes der Landwirte, Landtagsabgeordneter Kleye-Jerxheim als Kan« didat der bürgerlichen Parteien für die bevor­stehende Reichstagsersatzwahl im zweiten braun« schweigischen Wahlkreis bestimmt. Die Landes­rechtspartei hat ihrerseits den Notar Dedekind- Braunschweig als Kandidaten normiert, wäh. rend die Sozialdemokraten erst am kommenden Sonntag auf der Kreiskonferenz zu der Frage Stellung nehmen werden.

Kein Verkauf der Telefunkenstation Rauen. Die Nachricht von dem Verkaufe der Tele- funkenstation an eine fremde Macht wird jetzt von der GesellschaftTelefunken" dementiert.

Ein weiterer Eulenburg-Prozeß. Berlin. 28. Juli. Der Redatteur derGroßen Glocke'' Felix Wolf ist heute von der X. Strafkammer des Landgerichts Berlin I wegen Beleidigung des Fürsten Eulenburg zu 100 cAl Geldstrafe eventuell 10 Tagen Gefängnis verurteilt wor­den . Der Staatsanwalt beantragte 150 J4 Geldstrafe. Die Verhandlung fand wegenEefähr. düng der öffentlichen Sicherheit unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt.

Pfarrer Mansuy. Metz, 28. Juli. Pfarrer Mansuy in Ars an der Mosel, der wegen seiner am Sonntag, den 26. Januar, in der Pfarrkirche zu Ars gehaltenen Predigt von der Strafkam­mer des Landgerichts Metz zu zwei Wochen Festungshaft verurteilt worden war, ist vom Bischof Benzler mit Wirkung vom 6. August d. I. vom Dienst enthoben worden.

Die Bezeichnung Sozialdemokrat eine Beleidigung. Das Kölner Schöffengericht hatte kürzlich zu entscheiden, ob die Aeutzerung:Du bist der größte Sozialdemokrat, den es gibt" eine Beleidigung sei. Der Rechtsanwalt U»

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als eine menschlicher Sympathie würdige Gestalt erscheint und daß ich jedes Vertrauen zu der deutschen Rechts­pflege verlieren würde, wenn solche Verbre­chen in Preußen ungesühnt bleiben könnten."

Die preußische Justiz wird wisten, was sie zu tun hat, ohne die widerwärtige Bevormundung durch Herrn Harden, wie sie sich in folgendem darstellt. Er meint auf die Frage, wie der Pro­zeß weitergehen soll:

Wie es weitergehen muß: wenn der Glaube an die Pflichttreue und Gerechtigkeit preußischer Justiz nicht einen tödlichen Streich erhalten soll. Zwar ist ja schon ein ballon dessai aufgeflo­gen, aus dem die Nachricht kam, der Fürst brauche Luftveränderung und werde nächstens nach Liebenberg transporftert werden. Schon der Gedanke ist eine schwere Beleidigung der preußischen Rechtspflege, und ich bin e r st a u n t darüber, daß man dieser Ente nicht sofort von Amts wegen den Hals umgedreht hat. Was geschehen muß, ist einfach. In 14 Tagen etwa ist ein Gutachten darüber ein« zuholen, ob der Zustand des Angeklagten die Ueberführung in die Krankenabteilung des Untersuchungsgefängnisies gestattet. Geht das nicht, so ist der Versuch nach je acht Tagen zu wiederholen und festzustellen, ob der Angeklagte verhandlungsfähig ist. Das muß nach mensch­lichem Ermeßen bis zur nächsten Schwurgerichts­periode m ö g l i ch s e i n , da die objektiven ärztlichen Feststellungen ja nichts irgend­wie Gefährliches andeuten. Jsts früher möglich, um so bester für den Angeklag­ten. Dann kann entweder eine Schwurgerichts­tagung eingeschoben oder die Verleitung zum Meineid abgetrennt und als besondere Strafsache vor die zuständige Kammer gebracht werden. In jedem Falle wäre der Angeklagte wie ein anderer aus dem Untersuchungsgefäng­nis vorzuführen und zu behandeln, wie jeder unter der Anklage zweier schwerer Verbrechen stehender Mann. Unter normalen Umständen kann, bei täglich etwa sechsstündiger Ver­handlung. die Sache in drei, vier Tagen zu Ende geführt werden. Jede andere Verfah­re i> s a r t wäre ungesetzlich, eine SchandepreußischerJustiz und ist des­halb also ganz undenkbar.

Der Mann eignet sich entschieden zum Vor­sitzenden des Reichsgerichts. Im allgemeinen ist es freilich nicht üblich, in dieser Weise in schwe­bende Verfahren einzugreifen, zumal wenn man, wie Herr Harden, s e l b st beteiligt ist.

Kann ich die Kleine heut' noch sehen?"

Sie werden müde und angegriffen sein, und auch Ada geht bald zu Bett, also fangen Sie nur morgen Ihre Bekanntschaft an aber wenn es Ihnen recht ist, zeige ich Ihnen jetzt Ihr Zimmer." . v

Olga empfahl sich von dem Kranken und folgte ihrer Begleiterin,, die _ sie die Treppe hinaufführte und oben eine Tür öffnete.

So, mein Kind hier ist Ihr kleines Reich, ich hoffe, daß es Ihnen bei uns gefallen wird, und Sie sich recht behaglich fühlen, Gott segne Ihren Eingang," sie drückte Olga warm die Hand und ließ sie allein.

Das junge Mädchen sah entzückt um sich) tm Vergleich zu den kahlen Pensionsräumen erschien ihr das freundliche Zimmerchen mit den hellen Möbeln und blendend weißen Spitzenvorhängen vor den Fenstern wie ein reines Paradies: unendliches Dankgefühl stieg in ihrem Herzen auf und unwillkürlich faltete sie die Hände zu einem stummen Gebet. Sie hatte so lange kein Familienleben gekannt) in Fräulein Bartels Pensionat gab es Arbeit und nut Arbeit ohne Rast und Ruh, jede Stunde streng eingeteilt und selbst die Vergnügungen vorgeschrieben) auch diese Erholung hatte sie sich selten gegönnt. Zum ersten Mal stand sie Menschen gegenüber, die ihr persönliches Empfinden berücksichtigten. Wie eine im Schatten gezogene Blume, die ver­kümmert und traurig geblieben, trifft sie aber die Sonne, sich rasch entfaltet und erblüht, so öffnete sich das Herz des jungen Mädchens den neuen Freunden und der neuen Heimat.

* *

Für Else Hohenbach verflossen indes die Tage im ungetrübten Sonnenschein, sie fuhr und ritt spazieren oder durchstreifte, gefolgt von ihrem großen Neufundländer, Park und Wald; in

vollen Zügen atmete sie das Glück, wieder in ihrem Bergwitz zu sein, und sie begriff jetzt überhaupt nicht, wie sie drei Jahre in der Pen­sion hatte aushalten können. Nur eins machte ihr Sorge, ihr Vater. Der alte Herr war stets heiter und fröhlichen Humors gewesen, Else hatte auf seiner Stirne noch nie eine Sorgen­falte gesehen, im Kreise der Seinen gab er sich auch jetzt noch ungezwungen und liebenswürdig wie immer, aber es schien dem liebenden Auge der Tochter doch, als wäre er zerstreuter und stiller geworden. Als sie gestern, wie es ihre Gewohnheit war, ohne anzuklopfen, in sein Ar­beitszimmer schlüpfte, fand sie den Vater vor dem Schreibtisch sitzen, den Kopf wie im schweren Kummer in beide Hände gestützt, unablässig auf ein mit Zahlen beschriebenes Blatt blickend, das er hastig verbarg, als sie näher trat und am Abend hörte sie ihn noch lange in seinem Zim­mer auf und ab gehen, als die anderen schon längst zur Ruhe Etwa acht Tage nach

Elsens Heimkebr saß die kleine Familie auf der breiten Terrasse, die die Eiebelseite des Schlosses einnahm, beim Frühstück, Herr von Hohenbach lehnte schweigsam in seinem Sessel, er hatte eben sein Frühstück beendet und sich ew Zigarre an- gcraucht, neben ihm saß die verwitwet Krau von Klaren, seine Schwester, eine noch stattliche Tarne mit klugen energischen Zügen und drüben wiegte sich Else in einem Schaukelstuhl, in der einen Hand eine Tasse Schokolade balanzierend, während die andere Zwieback zum Munde führte. Sie hatte gestern in Begleitung des Vaters und der Tante Leontine br ersten Vi­siten in der Nachbarschaft gemacht und sprach nun über die Eindrücke des vergangenen Tages.

Papcr wer war der starke Herr mit dem roten Gesicht, mit dem Du Dich gestern so viel unterhieltest, ich habe ihn doch früher nicht ge­sehen?"

Du meinst jedenfalls den Baron von Stammlet, den jetzigen Besitzet von Güstow."

Besitzet von Güstow!" tief Else, sich über- tuscht auftichtend.Ja, mein Gott, sind denn Bernings nicht rneht da?"

Nein, seit einem Iahte ist Güstow in an« dere Hände übergegangen," erwiderte Herr von Hohenbach, die Asche von seiner Zigarre stäubend.

Die armen Bernings," warf Tante Leontine ein,es wurde ihnen recht schwer, fortzugehen."

Nun, warum taten sie es denn da?"

Sie mußten wohl, das Gut war überschuldet und die Familie ruiniert, da muß das Gefühl schweigen, wenn die bittere Notwendigkeit ein* tritt."

Else sah rasch auf, ihr Vater sprach so schlep- penb und langsam, und wieder trat jene Sorgen­falte auf seine Stirn.

Wo sind sie jetzt?"

Sie leben in einer kleinen Stadt einfach und zurückgezogen, und der Sohn mußte den Abschied nehmen."

Mein Gott, wie schrecklich," seufzte da, junge Mädchen leise,und dieser dicke Herr ist ihr Nachfolget. Weißt Du, Papa, hättest Du mit nicht gesagt, daß et Baron, ich wäre ver­sucht gewesen, ihn für einen reichen Schlächter­meister zu halten."

Der Adel soll auch noch sehr jung sein," bemertte Frau von Klaren, in ihrer Schokolade rührend.

Verkehrt Ihr denn mit den Leuten?"

Gewiß," sagte Herr von Hohenbach rasch, sie sind vollkommen salonfähig und sogar bet Hofe vorgestellt; dabei ist et vermöge seines Reichtums und seiner weitverzweigten Verbind* ungen immerhin eine einflußreiche Persönlich­keit, übrigens soll fein Sohn Gustav das Gut Übernehmen und er selbst will sich noch wo ae* bete antaufe«, (Forts, folgt.) 4