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Verantwortlich für die Redaktion:

St. phil. Carl Hitzeroth in Marburg«

Oeffentlicher Wetterdienst.

Dienststelle Weilburg (Landwirtschaftsschule). Witterungsaussichten für Sonntag, den 26. Zull 1908. Strichweise Gewitter, sonst trocken.

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Butter p. Pfd. 125130 Pf. Hühnereier 2 Et. 1500Pf. Handkäse p. St. 12-13 Pf. Käschen v. Et. 4 Pfg.

Kochkäse v- Pfd. 40 Pfg. Käsemane v. Et. 5 Pfg. Blumenkohl Et. 50-60 Pf. Oberkohlrabi 6L 510Pf. MrfingP.Kopf20-40Pf. Kartoffeln p. Pfd. 0 Pf.

v. Ztr. 0.00-0.00 Mk Weißkraut KopfSb-50 Pf. kottraut p- Kopf 00VOPf. Sellerie 1 Et. 20 - 80Pfg. Porree 1 Stück 0- 00 Psg. Knoblauch p. Pack 5 Pfg. Spargel Pfd. 00-03 Df. Bohnen Pfd. 1500 Pf. Erbsen Pfd. 80 Psg. Spinat p. Pfd. 00-00 Pfg. Salat p. Kopf 6-8 Pf.

Geschäftliche Mitteilung.

Ein knappes Jahr ist erst verflossen, seitdem eine geniale Erfindung den Hausfrauen das' neue Wasch- und BleichmittelPerfil" bescheerte. Wenn heute trotz dieser kurzen Spanne Zeit der NamePerfil" nicht nur allgemein bekannt, son­dern in den beteiligten Kreisen damit gleich­zeitig der Begriff müheloser Wäsche und blen­dender Reinheit verbunden ist, so geht daraus am besten die epochemachende Bedeutung diese» einzig dastehenden modernen Waschmittels her­vor. Aber auch abgesehen von seiner ganz enormen Wasch- und Reinigungskraft, durch die die schmutzigste Wäsche in fabelhaft kurzer Zeit fich gewissermaßen von selbst blendend weih wäscht, sowie alle Obst-, Wein-, Blut-, Cacao» und Tintenflecken spielend entfernt, wird beim Persil" vor allem seine absolute Unschädlichkeit und Ungefährlichkeit rühmend anerkannt.Per­fil" besitzt eben keine ätzenden Stoffe, wie Chlor od-r Chlorverbindungen irgend welcher Ar^ noch greift es sonst irgendwie das Gewebe an« Dadurch, daß bei Anwendung vonPersil" weder Waschbrett, noch Reiben oder Bürste« erforderlich ist, wird die Wäsche begreiflicher­weise bedeutend mehr geschont, wie bei anderen Waschmethoden, sodaß sie viel länger hält, was fich besonders auch für feine Damenwäsche, Blu­sen, Unterröcke, Spitzen usw. angenehm bemerk­bar nacht. Dieses haben die Hausfrauen er­kannt und schwören aufPersil" sobald sie es einmal gebraucht haben, zumal dessen Anwend­ung äußerst einfach ist und für jede Wasch­methode paht. Erwähnt fei noch, daß die Fa­brikanten Henkel u. Co. Düsseldorf, die auch die weltbekannte Henkel s Bleichsoda fabrizieren, für absulute Unschädlichkeit desPerfil" selbst bei falscher Anwendung volle Garantie leisten.

Eigene Drahtmeldungen der Oberhefs. Zeitung Mittag» 1 Uhr.

W. Lissabon, 25. Juli. Das Kriegsge­richt verhandelte gestern gegen den Jnfaaterie- leutnant Teseira und den Sergeanten Eardose, die in das Komplot verwickelt waren, da» vor der Ermordung des Königs Don Carlos im Januar entdeckt morde« war. Teseira wurde zu 4 Jahren und Cardose zu 8 Jahre» Deportation verurteilt.

Letzte Nachrichten. '

Merok, 24. Juli. Auf der Fahrt von Molde nach Merok nahm Se. Majestät einen etwa ein­stündigen Aufenthalt in Aalesund, der zu einer Wagenfahrt durch die aus der Asche neu erstan­dene Stadt benutzt wurde. Bei dieser Gelegen­heit versprach Se. Majestät für die neu erbaute Kirche die Stiftung eines dreiteiligen Kirchen­fensters. Die zahlreich herbeigeströmte dankbare Bevölkerung brachte ihrem hchen Wohltäter be­geisterte Ovationen dar. Die Ankunft in Merok erfolgte um 5y2 Uhr nachmittags. Unmittelbar nach derselben machte Se. Majestät mit den Her­ren des Gefolges einen längeren Spaziergang an Land. Das Wetter ist schön und warm.

Berlin, 24. Juli. Den Morgenblättern zu­folge stieg gestern Abend 8 Uhr das alte Mili­tärluftschiff, in dessen Gondel eine vollständige Telefunkenstation eingebaut war, unter Füh­rung des Majors Sperling auf und manöveriette in einer Höhe von 250 Mtr. über dem Tegeler Schießplätze. Bon der Funkenspruchstatton des Luftschifferbataillons wurden mehrere Tele­gramme zu dem Luftschiffe gesandt und von die­sem empfangen. Die Versuche find vorzüglich ge­lungen. Das Luftschiff landete nach einstündigem Manövrieren.

Breslau, 24. Juli. In Ottmachau hat eine Zigeunerschlacht stattgefunden. Eine Zigeuner­truppe von etwa 60 Köpfen war hier eingetrof- fen und hatte dem Alkohol reichlich zugesprochen. Dabei gerieten sie in Streit, in dessen Verlaufe die Zigeuner mit Mestern und Knüppeln auf einander einschlugen. Die Polizei war machtlos. Erst als die herbeigerufene Feuerwehr gegen die Kämpfenden mit den Wasterstrahlen zweier Spritzen vorging, stellte man den Kamps ein und zerstreute fich. Die Verletzungen find zum- teil schwerer Natur.

Haag, 24. Juli. DasAmtsblatt" veröffent­licht ein Telegramm des Gouverneurs von Ca­racas, wonach einer Meldung desEenstitutio- nal" in Caracas zufolge, dem Niederländischen Gesandten seine Päste zugesteckt worden seien. Die Maßnahme werde mit dem im Mai in der NiederländischenRevu" erschienenen, von dem Gesandten verfaßten Artikel begründet. Der Gouverneur fügt hinzu, der Kommandant des PanzersEelderland", der sich zur Zeit in Aruba befinde, werde auf das Ersuchen des Ge­sandten am Sonnabend in Lagueira eintreften. Der ausgewiesene Gesandte hat in dem betref­fenden Artikel das System Castros als diktato­risch gekennzeichnet und seinen Landsleuten da­von abgeraten, den Versuch zu machen, fich in Venezuela eine Stellung zu verschaffen. Ein solcher Versuch habe im übrigen in Süd- »bei Mittelamerika mehr Aussicht auf Erfolg.

Paris, 24. Juli. Der Khedive von Aegypten ist heute Abend von Divonne les Deine hier ein­getroffen.

London, 24. Juli. Kriegsminister Haldane erklärte in einer Rede, auf dem Festesten der südafttkanischen Zivilärzte, wenn die Engländer ihren Ruhm aufrechterhalten wollten, müßten sie aufmerksam darauf achten, wasdieDeut- s ch e n täten.

Farnborough, 24. Juli. Das lenkbare Mili­tärluftschiffNulli Sekundus" unternahm heute einen gelungenen Aufstieg, nachdem infolge Versagens des Motors zwei Versuche, aufzustei­gen, fehlgeschlagen waren. Das Luftschiff machte eine Fahrt von zehn Meilen in der Runde und landete wohlbehalten in unmittelbarer Nähe der Ballonhalle.

Hochschulnaämchten.

X Eießen, 24. Juli. Zum Rektor der Uni­versität Gießen für die Zeit vom 1. Oktober 1908 bis dahin 1909 wurde der Profestor des Sanskrit und der vergleichenden Sprachwiffen- fchaft Dr. phil. Christian Bartholomae ernannt.

X Berlin, 24. Juli. Nach den Mitteilungen der Deutschen Kolonialgesellschaft hat fich Prof. Dr. Karl Uhlig an der Berliner Universität mit einer Vorlesung überDie Oberflächen­formen Ostafrikas" habilitiert. Prof. Uhlig wird im kommenden Wintersemester u. a.Geo­graphie der Schutzgebiete" zweistündig vor- tragen.

Bis 11 Uhr »ormittag» wurden rin« Leiche, ft« Kopf und zwei Hände gefunden. Der Tunnelstollen ist auf eine Strecke von 1200 Me­tern zurück mit Schlamm und Master angefüllt. Die Hoffnung, von den 25 Perungglückten noch einzelne retten zu können, ist äußerst gering, da die Räumung des Stollens sehr viel Zeit bean­sprucht. Im Easterental, unterhalb besten die Einbruchsstelle liegt, ist eine Senkung de» Kanderbettes konstatiert worden, was auf einen Einbruch von Kanderwaster schließen läßt.

Unpolitische Taqesnachrichten.

Wien, 24. Juli. Der deutsche Botschafter hat einen ausführlichen Bericht über die Untersuch­ung in der Affäre der Winkelbanken vom Bu­dapester Generalkonsul verlangt. Der General­konsul sandte das gestrige Communique der Bu­dapester Polizei, das die Namen der Winkel- banquiers und der Geschädigten, sowie die ver­lorenen Beträge enthält, welche die letzteren an­meldeten. Diesen Bericht wird der deutsche Botschafter in Deutschland drucken und in den Städten, wo die Winkelbanquiere rnanöverier- ten, anschlagen lassen.

Paris, 24. Juli. Wie aus Lyon gemeldet wird, hat das dort wohnende Ehepaar Gold­schmidt unerwartet eine Summe von drei Milli­onen geerbt. Seit 17 Jahren war ein Onkel der Frau Goldschmidt verstorben unter Hinter- lastung eines Vermögens von W2 Millionen. Seitdem waren vergeblich die Erben gesucht worden, und jetzt war die Erbschaft mit Zinsen und Zinseszins auf drei Millionen angewachsen.

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Marburg, 18. Juli. Rüben, rote, v Pfb. 10 Pf. Möhren v. Pack 10-00 Pf. Gurken t> St. 1050 Bf. Radieschen p. Pack 10 Bf. Rettig p. St. 1015 Pf. Schwarzwurzel Pfd. 80 Pf. Zwiebeln Md. 1012 Pf. Tomaten Pid. 6000 Bf. Aepfel p. Pfd. 0000 Pf. Erdbeeren Pfd. 70120 Pf, Himbeeren Md. 50 Pfg. Heidelbeeren Ltr. 20 Pfg. ZohonniSb eerenPfd. 20 Pf. Kirschen Pfd. 30-40 Pfg. Stachelbeeren Pfd. 20-00P f Reh Pfd. 70CO Pfg.

Tauben p. St. 4000 Pfg. Hähne p. Et. 7080 Pf.

Hühner Et. 1.500.00 Mk. Enten p. St. 20.00 Mk.

der Freiheit lebende Kolonie dieser Tiere in Europa genießen seit langer Zeit den strengen Schutz der englischen Behörden. Sie leben auf den höheren und weniger zugänglichen Stellen de» Felsenberge» und haben sich in der letzten Zeit erheblich vermehrt. Ihre Kopfzahl mag jetzt 150 Stück erreichen. Bei Abendritten nach der Signalstation auf dem Gipfel bekommt man oft kleine Herden zu Gesicht, die den Reiter zahm und furchtlos bis auf wenige Schritte heran­kommen lasten. Meist leben sie in Gruppen von 15 bi» zu 29 Köpfen; größere Herden find nie beobachtet worden. Es find dies Familien^ die au, einem älteren Männchen, mehreren Weib­chen und Jungen verschiedenen Alters bestehen. Die Jungen erscheinen im Frühsommer und wer­den von den Müttern einige Wochen an der Brust und dann auf dem Rücken getragen. Die Affen stellen beim Aesen und Wurzelgraben eine Schildwache aus, die durch eine Att Gebell vor nahender Gefahr warnt. Gelegentlich bre­chen sie auch in die Obstgärten am Meeresufer ein, wo ste dann arge Verwüstungen anrichten. Menschen werden'von den Affen selten angegrif­fen, wenn auch die alten Männchen gelegentlich nahe herankommen und die Zähne fletschen. Hunde dagegen werden nicht selten von ihnen belästigt.

Unterschied. Ein Musiklexikon hat folgend^ Erklärung für das Wortschreien":Es ist ein unangenehmes Geräusch, hervorgerufen durch eine Ueberanstrengung der Kehle, wofür große Sänger gut bezahlt und kleine Kinder bestraft werden."

Bücherschau.

** Reue» von Wilhelm Busch. Di» zahlreichen Verehrer des im Januar diese» Jahres verstorbenen Dichters werden fich freuen, zu vernehmen daß von ihm noch unveröffent­lichte und unbekannte Arbeiten existieren. Al» erste derselben wird, wie uns aus München gemeldet wird, ein dort neugegründeter Verlag im September d. I. ein Buch herausgeben, das zeichnerisch wohl das Reiffte und Feinste enthält, was Wilhlem Busch geschaffen hat. E» find 95 z. Thl. farbige Zeichnungen zumeist mit den charatteristischen Versen versehen. Da» ( Buch führt den bezeichnenden Titel .Her« < n a ch". E» ist in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden und von Wilhelm Busch zur Veröffentlichung nach seinem Tode be«. stimmt worden. Es werden davon zwei Aus»: gaben erscheinen, eine facsimilierte Liebhaber« < und eine gewöhnliche Ausgabe. '

Vilbel, 24. Juli. Mit der Erbauuna de» seit Mchren geplanten neuen Bahnhofs ist jetzt end. Fch begonnen worden. Zahlreiche Arbeiter sind den Erdarbeiten beschäftigt. Der Bahnhof kommt etwa 1200 Meter nördlich vom jetzigen Bahnhof an der Sttaße VilbelMassenheim. In etwa zwei Jahren wird et fertiggestellt sein.

Rordhausen, 24. Juli. Die Ferienkammer »erhandelte vorgestern lautTaff. Allg. Ztg." tn umfangreicher Sitzung gegen den Brennerei­befitzer August Törpe von hier, dem zur Last ge­legt wird, fich in zahlreichen Fällen dadurch de» Betrugs schuldig gemacht zu haben, daß er seit 1903 bei Branntweinlieferungen seinen Kunden bas Taragewicht der Fäffer zu niedrig, das Bruttogewicht zu hoch angegeben und mehr Prozentgehalt Alkohol berechnet, als er in Wirk­lichkeit geliefert habe. Zu der Verhandlung waren 20 Zeugen und 6 Sachverständige ge­laden. Das Urteil lautete wegen Betrugs auf 1 Jahr Gefängnis und 3000 M Geldstrafe; strafverschärfend fiel ins Gewicht, daß Törpe die Betrügereien jahrelang und ohne Not ver­übt und der hiesigen Brennerei-Jndufttis einen furchtbaren Schlag ins Gesicht versetzt hat.

Paderborn, 24. Juli. In einem Kornfeld bei Paderborn wurde die Leiche eines schlicht gekleideten, jungen Mannes aufgefunden, die schwere Hieb- und Stichwunden aufwies. Pa­piere und Geld fehlten. Anscheinend liegt ein Raubmord vor.

Dnderstadt, 24. Juli. Wie manche Knaben gern tun, so hatte sich auch der achtjährige Sohn eines Arbeiters leichtsinnigerweise unter einen mit Malz beladenen Fruchtwagen geschlichen, um in das dort hängende Behältnis hinein­kriechend alsblinder Passagier" mitfahren gu können. Als jedoch der Junge aussteigen wollte, kam er zu Fall und wurde von einem Rade überfahren. Ein Kind, das ihn nach Haufe trug, bat er, nicht zu verratem daß er überfahren worden sei. Die inneren Verletzun­gen mußten jedoch furchtbarer Natur sein, denn wenige Minuten nach seiner Rückkunft in» El­ternhaus verschied der kleine Kerl.

Waldurg, 24. Juli. An Schierlingvergistung eingegangen sind mehrere Rinder, junge kräftige Tiere, auf dem Rittergute Hambach. Eine weitere Anzahl Rinder mußte alsbald geschlach­tet werden, weil sie von Vergiftungserschein­ungen befallen wurden.

M Vermischtes. .

64 Sadelforderungen! Mit einem Maffen- prozeß wegen Herausforderung zum Zweikampf hatte sich, nach den .Lripz. R. Rachr.", die Sttaf- karnmer Göttingen in fünfstündiger Verhand­lung zu beschäfttgen. Angeklagt waren 20 Berg­akademiker aus Klausthal und 2 Beamte (ein Assessor und ein Referendar) de» dortigen Oderbergamtes. Da die Anglagebank nut 10 Personen fassen konnte, mußten 12 der Ange­klagten auf den Eeschworenenbänken Platz neh­men. Die Mehrzahl der Angeklagten bat sich der Herausforderung zum Zweikampf schuldig gemacht, die übrigen teils der Annahme dieser Forderungen und des Kartelltragens, außerdem find zwei der Beteiligten wegen Beleidigung an- geklagt. Die Veranlassung zu diesen Massenfor­derungen gab eine Reiberei auf dem am 2. März d. I. stattgehabten Sportfest der Bergakademie in Klausthal. Als auf diesem Feste in vorge­rückter Morgenstunde der Vergreferendar Loh­mann eine Rede hielt und von dem Studiosus Kortmann unterbrochen wurde, wies er diesen zurecht mit den Worten:Ein Fuchs bat nicht dazwischen zu reden". Kortmann fühlte sich darob beleidigt und ließ am anderen Tage durch seinen Kommilitonen Hagen demBeleidiger eine Forderung auf Säbel überbringen. Der Kartell- träger machte jedoch den Vorbehalt, daß ein Ehrengericht darüber entscheiden werde, ob das Duell ausgefochten werden solle. Im vorliegen­den Falle sollte das Ehrengericht aus je 3 Beam, ten des Oberbergamts (Referendaren und Asses­soren) und 3 Bergakademikern bestehen. Die drei in das Ehrengericht berufenen Bergbeamten erklärten jedoch, gemeinsam mit den Studenten kein Ehrengericht bilden zu wollen, daß ihrerAn- stchl nach nicht die Urteilsfähigkeit habe, wie ste nötig sei, um einen Bergreferendar als Beam­ten zu beurteilen. Durch diesen Bescheid geriet die gesamte Klaustaler Studentenschaft in hoch­gradige Erregung; ste faßte es so auf, als wür­den die Studenten von den Bergbeamten als Kavaliere zweiter Klaffe betrachtet. Die Frage ob ein Student fich vom Ehrengericht müsse aus­schließen lassen, wurde zur Prinzipienfrage er­hoben und die Folge mar eine Massenforderung an die Bergbeamten, um diese zum Zweikampf zu zwingen. Im Auftrag des Studentenaus­schusses wurde ein Student zu dem Referendar Lohmann geschickt, der diesem die Erklärung ab­gab:Die Klausthaler Studentenschaft bricht hiermit jeden kavaliermäßigen Verkehr mit Ihnen (dem Beamten) ab, da Sie sich anschei­nend der kavaliermäßigen Erledigung dieser Angelegenheit entziehen." Dem lleber- bringer dieser Erklärung wurde die Tür ge­wiesen .worauf dieser den Referendar Lohmann, als einfeines Herrchen" bezeichnete. Run hagelte es nur so von Forderungen. Die Char­gierten sämtlicher schlagenden Verbindungen der Bergakademie Klausthal schickten an die betei­ligten Referendare und Assessoren ihre Kartell- träger, so daß schließlich 64 Säbelforderungen zustande kamen. Die Bergbeamten ließen fich jedoch zum Zweikampf nicht herbei, sondern übergaben die Angelegenheit der Göttinger Staatsanwaltschaft. Der am meisten beteiligte Studiosus Hagen wurde zu 5 Wochen, Referen­dar Lohmann zu 18 Tagen, Studiosus Kort­mann zu 25 Tagen Festungshaft verurteilt; je 2 Angeklagte, die in nicht weniger als 30 Fällen Kartell trugen, erhielten 10 Tage, die übrigen Festungshaft von 1 bis 2 Wochen. Zwei Angeklagte wurden wegen Beleidigung zu 120 bezw. 30 Mark Geldstrafe verurteilt.

Postbeamte al» Wettschwindler. Vier Ber­liner Postbeamte kamen auf einen raffinierten Wettschwindel. Sie setzten sich mit einem hol­ländischen Wettburau in Verbindung und gin­gen namentlich französische Weiten ein. Mit der Zeit fiel ihr Glück auf. Nachforschungen und der Verrat eines sich benachteiligt glaubenden Genossen ergaben, daß ste bereits den Ausgang her Rennen wußten, wenn sie ihre Aufträge er­teilten. Um den Betrug ausführen zu können, versahen ste die Briefe mit den Aufttägen ein­fach mit einem früheren Aufgabestempel. Das Gericht verurteilte die vier Schuldigen, die in­zwischen von der Postbehörde entlassen worden find, zu Gefängnisstrafen von einem bis zu neun Monaten.

Der Sommergast. Ein niedliches Eeschichtchen von einemSommergast" macht in den Berliner Vororten die Runde. Es zeigt, daß man auch heute noch leicht zu Geld kommen kann. Man braucht nur einen guten Einfall zu haben. Und den hatte derSommergast". Ein Herr aus Berlin mietete einem Eigentümer, der in einem Vororte unweit Friedrichshagens mehrere Grundstücke besitzt, für den Sommer eine ganze Villa ab. Dem Hauswirt war das besonders angenehm, daß er es jetzt nur mit einem Mieter zu tun habe. Als er später kam, um seine Miete zu holen, wunderte et sich, so viele Leute in feinem Hause zu finden. Die Familienver- chältniffe seines Mieters schienen hiernach doch etwas verwickelter, als er gedacht hatte. Noch mehr aber nahm es ihn wunder, daß er den Mann selbst gar nicht zu Gesicht bekam. Die Aufklärung ließ indessen nicht lange auf fich warten. Sobaw der Wirt von der Miete sprach, erstaunten die anderen. Miete? die hatten sie ja längst bezahlt! An wen denn? Ra, an wen sonst als an den Eigentümer, den Herrn Soundso in Berlin. Herr Soundso aber war derSom­mergast".

Die Affen von Gibraltar. Im Sammlet» daheim Nr. 38 de»Daheim" finden wir eine höchst ergötzliche Notiz über die Affen von Gib­raltar: Die Affen von Gibraltar, einzige in

Auszug auS den Standcöbüchem des Königlichen Preußischen StandesamtsbezirkS Marburg« -< Vom 18. biS 25. Juli 1908.

Standesamt werktäglich geöffnet 1012 Uhr. verehelichte.

1. Bäcker Heinrich Fuchs von hier mit Auguste Ebel von Neustadt. 2. Prakt. Arzt Dr. med. Ernst Julius Neumann von Buer i. Wests, mit Anna Meline Euker von hier. 8. Kgl. Forst» sekretär Karl Friedrich Wilhelm Ernst von Han» nover mit Anna Juliane Ottilie Bürger, gen. Fischer, von hier. 4. Metzgergeselle Andrea» Konrad Andres von hier mit Köchin Elisabeth Sophie Lotz von hier. 5. Redakteur Gustav Otto Nuschle von hier mit Gertrude Katharine Elisa, heth Matthaef von hier.

Gebotene.

1. Anna Katharina, T. d. Pflegers Johann Heinrich Althaus in Cappel. 2. Karl, S. d. Post, fchaffners Heinrich Dauzenroth hier. 3. Louise Martha Elfriede, T. d. Kutschers Heinrich Wag­ner hier. 4. Wilhelm, S. d. Wirts Heinrich Christtan Friedrich Backhaus in Ockershausen. 5. Johann Friedrich, S. d. Schlossers Johann Pfeffer hier. 1. Louise Maria, T. d. Bildhauers Theophil Bosch hier. 7. Helena Anna Mar» garethe, T. d. Maurers Friedrich Grölz. 8. Ka. tharina Magdalena, T. d. Eisenbahn-Wagen, meisters Johannes Rüdiger hier.

verstorbene.

1. Jnstitutsdiener Johannes Seip von Ockershausen, 38 I. alt. 2. Arbeitet Karl Bertsch- rnann von hier, 56 I. alt. 3. Totg., Kind de» Fabrikarbeiter Julius Schneidet von Hanau. 4. Witwe Lina Braun, geb. Friedrich, von Wein« hach, 31 I. alt. 5. Dienstmagd Katharine Lau. terbäch von Duisburg, 20 I. alt. 6. Steinbreche, Anton Schlosser von Marbach, 42 I. alt.

Ein Unglück beim Tunnelbau.

Kindersteg (Schweiz), 24. Juli. Heute morgen lösten sich bei den Arbeiten im Lötsch- berg-Tunnel durch Sprengschüsse beträchtliche Mengen GerM los, wodurch der Tunnel auf tausend Meter verschüttet wurde. Es scheint so« gar, daß das Wasser des Kauder in den Tunnel eingebrungen ist. Wie verlautet,' find 20 Per­sonen getötet, zahlreiche verletzt worden.

Zu dem Unglück im Lötschberg-Tunnel wird weiter gemeldet: Der Sohlenstollen des Tun­nels hat auf der Rordfeite eine Länge von 2675 Metern erreicht. Die mechanischen Bohrungen nahmen ihren normalen Fortgang; es waten keine Anzeichen für einen vermehrten Wasser- zufluß ober eine Veränderung im Gestein wahr­zunehmen. Die letzten Bohrlöcher waren in festem Felsen. Heute morgen um 3 Uhr erfolgte die Sprengung. Die Arbeiter hatten fich, wie gewohnt, 50100 Meter zurü^ezogen. Nach der Abbrennung des Bohtschusse» drang eine gewaltige Menge Wasser, mit Sand und Schlamm vermischt, in den Stollen rin. Die meisten Arbeiter konnten fich durch schnelle Flucht retten. Vermißt werden 25 Arbeiter; ob diese alle tot find, ist noch nicht fstegestellt. Ein Schwerverletzter routbe ins Krankenhaus ge­bracht. Es ist noch unbekannt, ob das Flüßchen Kauder in den Stollen eingebrochen, oder ob nur ritte Mulde angeschnitten ist. Mit dem Sohlen­stollen befindet man fich gegenwärtig unter dem SafterentaL Da» über dem Stollen liegende Kandetbett ist bereits überschritten. Da» Stollenende liegt ettoa 150 Meter weiter über das Kanderbett hinaus, und zwar en derjenigen Stelle, wo die Verttkaldistanz zwischen dem Tunnel und dem Easterental am geringsten und tu etwa 180 Meter hoch ist.