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AusdehnuugderRelchserbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten.
Immer wieder wird in der Presse die Andeutung wiederholt, daß die verbündeten Negierungen dem Reichstage vorschlagen werden, die Reichserbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten auszudehnen. Wir nehmen vorläufig an, daß bei diesen Andeutungen der Wunsch der Bater des Gedankens ist und daß sie nicht mir den Abfichten der Reichsregierung übereinstimmen oder gar von ihr ausgehen. Sollten jedoch die verbündeten Regierungen sich wirklich mit diesem Steuerprojekt tragen, so müßten wir dies aufs äußerste beklagen. Wir haben damals, als vor zwei Jahren die Reichserbschaftssteuer im Reichstage zur Verhandlung stand, immer wieder darauf hingewiesen, daß eine Besteuerung des Erbanfalls an Kinder und Ehegatten der deutschen Auffassung von dem Wesen der Familie aufs schärfste widerspricht. Dieser Widerspruch wird am schwersten und tiefsten in den landwirtschaftlichen Kreisen empfunden, die auch unter den unmittelbaren Folgen der Besteuerung am meisten leiden würden. Es wäre ungerecht, wenn die Kinder für den Anfall eines Vermögens besteuert würden, das sie selbst — wie es doch auf unseren Bauernhöfen Gott sei Pank noch recht vielfach der Fall ist — durch jahrelange Arbeit auf dem elterlichen Hofe miterwerben halfen, an dem sie also an sich schon teilhaben. Was von den Kindern gilt, trifft auch auf die Ehegatten zu, von denen der Ueber- lebende doch auch mitgeholfen hat, das gemeinsame Vermögen zusammenzusparen. Einer Witwe, die ja meist nur die Verwalterin des vom Ehemann hinterlassenen Vermögens ist, eine besondere Steuer aufzuerlegen, wäre moralisch unberechtigt. Reben der Lockerung des Familienzusammenhanges wäre eine weitere Mobilisierung des Grundbesitzes zu befürchten. Man stelle sich vor, ein leidlich situierter Bauer stirbt und hinterläßt seinen Kindern den Hof. Derjenige, welcher das väterliche Anwesen übernimmt, muß, um die Geschwister auszahlen zu können, Hypotheken aufnehmen. Run können die mit barem Gelds abgefündenen Geschwister freilich die Erbschaftssteuer aus dem erhaltenen Kapital bezahlen; aber der Erbe des Hofes, der den Besitz, aber kein bares Geld hat, muß wieder Geld aufnehmen, um des Erbschaftsteuer bezah-
(Nachdruck verboten.)
Aus der Chronik eines Badeortes.
Skizze von Rudolf Retty (Leipzig).
Früher hieß der Ort Bodersen, und es wurde, wenn auch nur von Kindern, dort hin und wieder gebadet. Jetzt heißt's „Bad Ersen", und kein Mensch nimmt ein Bad.
Und das ist so gekommen.
Das Dorf liegt in einer Ebene, dis um ihrer durch keinerlei Erhebung unterbrochenen Glätte wegen den Reid jeder Heidelandschaft erregen würde. Run ist die letztere doch in gewissem Sinne malerisch, was man von der Umgebung Bodersens nicht behaupten kann. Aeüer und Wiesen, von keinerlei Busch oder Wald, immer nur von ihresgleichen begrenzt. Und auch die Lodenerzeugnisse rauben der Gegend nicht den Charakter der leicht übersehbaren Plattheit. Wo andernorts Aehrenfelder wogen mit den roten" und blauen Pünktchen ihrer Korn- un Mohnblumen, hier kriecht das grüngraue Kartoffelkraut bescheiden über die Schollen, und die Zeit der Erdäpfelblüte kann als Fest gelten für ein farbenduftiges Auge. Pittoreske Felspartien gibt es natürlich auch nicht, aber reichlich Torfboden, und wer das Auge der Landschaft, einen See, nicht entbehren zu können glaubt, der siedle sich wo anders an. Außer einigen, im Gegenteil zu dem sandigen Kartoffelboden, sumpfigen Wiesen trifft man nichts Feuchtes, wenn man's im Eemeindewirtshaus such». Bricht mal ein Feuer aus, so fehlt es leider an dem nötigen Raß für di« rührend alt- wcoische Handspritze, uni? es soll »orgekommen
len zu können. Ihn trifft also die Steuer zweifellos hart, und der Staat, der ihm seine ohnehin schwere Situation nach Möglichkeit erleichtern sollte, erschwert ihm das Fortkommen ganz erheblich gerade in einem Augenblick, wo er am dringendsten der Schonung bedarf. Auch wenn ihm die Steuerbehörde gestattet, die Steuer ratenweise zu zahlen, so werden ihm doch gerade in den an sich schweren ersten Jahren die Hände noch mehr gebunden und die Erhaltung der ererbten Wirtschaft womöglich in Frage gestellt.
Aehnlich liegen die Verhältnisse beim städtischen Mittelstände, bei der Vererbung der kleineren und mittleren geschäftlichen Anlagen und gewerblichen Anwesen, ja bis hinauf zu industriellen Unternehmungen, die heute noch in den Händen von Einzelexistenzen ruhen. Die Aktien- und ähnlichen Gesellschaften erleben keine Vererbungsfälle und unterliegen also der Erbschaftssteuer nicht, so daß es eine ausgesprochen einseitige Belastung gerade der Unternehmungen wäre, die sich in Einzelhänden befinden. Schon Miquel führte im Jahre 1893 im Reichstage aus, daß in mindestens 80 oder 90 Prozent die Lage der Kinder schlechter wird, wenn sie die Eltern verlieren. Er führte das besonders an den deutschen Mittelklassen aus. Wenn man nur die hohen Erbschaften besteuert, kommt wenig dabei heraus, wie alle Steuern, die nur die Spitze treffen, verhältnismäßig belanglos bleiben. Wohl wäre es denkbar, daß man nur die wirklich großen mobilen Vermögen träfe. Diese aber sind stets in der Lage, sich einerseits einer solchen Erbschaftssteuer mehr zu entziehen, andererseits würde es nicht möglich sein, eine so beschränkte Erbschaftssteuer durchzuführen.
Die Feststellung der Wertgrenze, von der ab die Steuer erhoben werden soll, ist dabei eine höchst fragliche Aufgabe, um so mehr, als das mobile Kapital auch bei geringerer Höhe viel eher Einschränkungen ertragen kann, als die geschäftlichen und gewerblichen Anlagewerte des Mittelstandes. Denn diese alle haben stets mehr oder weniger einen nur schwer zu realisierenden Wert, dessen Belastung durch eine Steuer beim Erbanfall an die Kinoer und Ehegatten besonders erschwerend wirken würde. Es kommt hinzu, daß die Steuerbehörde sich in vielen Fällen nicht begnügen würde, den Wert anzunehmen, zu dem nach testamentarischer Bestimmung oder nach den Beschlüssen der Erben beim Üeber- gang des Besitzes an einen der Deszendenten der Besitz übernommen werden soll. Wie soll zu all diesen Fragen die'Lösung gefunden werden? Der Hinweis auf andere Länder, besonders auf England und Frankreich, verfängt hier nicht. Englands Landwirtschaft kann und soll mit der unsrigen nicht in Vergleich gezogen werden, und in der Bauernschaft Frankreichs ist der Kinderreichtum der deutschen Bauernfamilien nicht vorhanden. Uederdies gibt es weder in England noch bis jetzt in Frankreich eine Einkommensteuer.
All diesen Gründen und Bedenken haben sich ja die verbündeten Regierungen, als 1906 über die Reichserb schaftssteuer im Reichstage verhandelt wurde, nicht verschließen können, so daß die schon damals geplante Ausdehnung der Steuer auf Kinder und Ehegatten unterblieb. Sollte die Reichsregierung in dieser kurzen Zeitspanne anderen Sinnes und anderer Ueber-
sein. daß die Bewohner Bodersens nicht allein einen Brand in der Kehle, sondern auch einen im Schulhaus mit Bier gelöscht haben. Man sieht daraus, die Leutchen wußten sich zu helfen, und dies zu zeigen, war notwendig für das nun folgende:
Eines Tages waren nämlich Kinder auf dem Heimweg, nachdem sie ihren pflügenden Angehörigen den Vespertrunk gebracht hatten und das umfangreiche Butterbrot. Da erblickten welche von den Kleinen ein gelbliches Gerinnsel aus dem Boden fließen. Sie bohrten mit einem Stecken, mit Steinen, und siehe! der Quell floß reichlicher; sie tranken aus hohler Hand davon — es schmeckte nicht viel schlechter als der Ziehbrunnen im Hochsommer, aber anders. Die Neugier ließ die kleinen Entdecker verschwenderischer genießen, als für die sonst recht widerstandsfähigen Mägen gut war, und einige der Trinker mußten sich, anstatt im Dorftüppel mit Gekreisch Halbbäder zu nehmen, ins Bett legen, wo Eingießungen von Huflattich-, Salbei- und Pfefferminztee das geschwächte Jnnenorgan stärken sollten.
Am nächsten Tage war alles dies so ziemlich vergessen. Nur der Ortsbader, dessen reger Fleiß in der Beschäftigung der samstägigen Bartkratzens und gelegentlichen Blutegelsetzens sich nicht erschöpfen konnte, meinte, wenn ein Produtt, im Uebermaß genossen, üble Wirkung habe, so müsse es, in der Einschränkung angewendet von heilttäfttgen Folgen sein; und weiter, ob man die Quelle nicht ausnützen könne. Unterstützt wurde er vorn Dorfvorsteher, der im vergangenen Jahre seines ^Reißens" wegen ein kleine» Bad besucht hatte.
zeugung geworden sein? Wir können es nicht glauben. Vor allem aber hoffen wir, daß alle Parteien die in ausgedehntem Maße und mit Nachdruck der Vernichtung der selbständigen Existenzen im Mittelstände entgegentreten wollen, einer solchen Ausdehnung der Erbschaftssteuer, noch dazu im Reich, nicht zustimmen werden.
v Deutsches Reich.
— Bon der Rordlandreise des Kaisers. Molde, 24. Juli. Die „Hohenzollern" mit dem Kaiser ist heute früh von hier weitergegangen. Das Wetter ist schön. — Gestern fand bei schönem Wetter das alljährliche Wettrudern der einzelnen Bootsklassen der vor Molde liegenden Kriegsschiffe statt. Der Kaiser händigte den Siegern die Preise aus. Am Nachmittag fand ein Ausflug nach Molde-Höhe statt, wo der Tee eingenommen wurde. Nach der Abendtafel stattete der König von Sachsen, welchem am Nachmittag auf dem Dampfer „Kronprinzessin Cäcilie" eingetroffen war, mit den zwei Prinzensöhnen auf der „Hohenzollern" einen Besuch ab. — Ein Telegramm aus Merok meldet: Der Kaiser ist um 5 Uhr nachmittags hier eingetroffen. Es herrscht herrlichstes Wetter. An Bord ist alles wohl.
— Eine Rationalspende für Zeppelin. Die Spandauer Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich dieser Tage mit einem Anträge wonach dem Grafen Zeppelin vom deutschen Volk eine Nationalspende in Höhe von etwa 6y2 Millionen Mark dargebracht werden soll. Aus Spandau selbst würden nach der Einwohnerzahl 7500 <M Anteil entfallen. Die Antragsteller schlagen vor, daß der Spandauer Magistrat auf dem Brandenburgischen Städtetag und auf dem Deutschen Städtetag diese Spende in der Weise befürworten solle, daß in allen deutschen Gemeinden pro Kopf der Bevölkerung 10 Pfg. angebracht werden, was zusammen rund 6% Millionen Mark ergeben würde. Motiviert wurde der Antrag mit der nationaldeutschen und kulturellen Bedeutung der Erfindung des Grafen Zeppelin. Die Spende soll den Bau weiterer Luftschiffe und die Fortsetzung der Versuche mit lenkbaren Ballons in großem Maßstabe ermöglichen. Der Antrag, der bereits von der Mehrheit der Stadtverordneten unterschrieben ist, wurde dem Magistrat zur weiteren Behandlung überwiesen, und man erwartet hierüber eine Vorlage an die Stadtverordneten.
— Herr Harden läßt sich in der neuesten Nummer seiner „Zukunft" wieder einmal eingehend über den Eulenburgprozeß in seiner Weise aus und verteidigt sich vor allem gegen den Vorwurf der Skandalsucht. Gleichzeitig greift das führende Zentrumsblatt Süddeuischlands, die „Augsburger Postzeitung", eine starke Gegnerin Eulenburgs, Harden ebendeswegen aufs heftigste an. Der Spektator-Mitarbeiter des Blattes meint, er empfinde nicht die geringste Sympathie für Eulenburg, müsse aber von Harden innerlich immer mehr abrücken, je weiter dieser Prozeß fortschreite. Harden verwechsele die
„Was die da in Bad Kraupen können, das können wir auch!" hieß es, und zu: näheren Besprechung der Angelegenheit wurde eine Gemeinderatssitzung anberaumt.
„Dat Water hebben wi, und bat et dorch- sleiht (durchschlägt) dat hebben wi an unsere Kinn er seh'n! Nu brüten wi man blot noch —“
„Kurtax!" tief einer.
„Dja, bat kömmt, wenn bie Badegäst' ba sind, aber erst möten wi düchiig Reklame hebben!"
Rübenbauer Körttn, der sich darunter wer weiß was dachte, sagte kopfnickend: „Ick glöbe, min Ollsch hett noch welle up'm Böden, de geb' ick billig af."
Der wissenschaftlich angelegte Tierarzt — die hohe Schule hatte er freilich nicht besucht — aus dem Nachbarort, den man als Sachverständigen hinzugezogen hatte, dämpfte das Erfolg- bcwußffein ein wenig, indem er sagte: „Kin- bers, die Hauptsache ist doch, daß man bas Wasser erst mal untersuchen läßt, ob seine Einzelteile —“
„Wat gisst et da veel to unnerlöten?“ wendete der Gastwirt kräftig ein. „Wi roeeten Beschert? damit!"
Der Vorsteher, der vorhin so kurz und bündig für die Kurtaxe eingetreten war, sagte nun weitläufiger: „Mein Haus nenne ich Filla Stine, weilen daß meine Frau so heißen tut; denn Fillas müssen da fein sor den Gästen."
„Un ein Kurshaus müssen wir bauen, un einen Lesezahlon, bet gehört dazu," belehrte der Vorsteher.
„Wit können auch ein Attienunternehmen bilden mit Verwaltungsräten!" schlug bet Leh-! $«I vor, _ ■ _u, .
Aufgaben des Publizisten mit denjenigen des Polizeispitzels, der in unglaublichen Größenwahn verfallen sei und dessen persönliche Rachsucht immer mehr in der häßlichsten Weise zum Durchbruch komme, so besonders in dem Interview, in dem sich Harden über eine allzu glimpfliche Behandlung Eulenburgs beschwere. (Seht richtig!) Das sei doppelt unschön von einem Mann der für sich selbst vor Gericht jede Schonung heischte und auch erreichte. Der vor Gericht stets kranke und larmoyante Herr Maximilian Harden hätte am allerwenigsten so sprechen dürfen. Er sei in der ganzen Sache nut der Geschobene mächtiger, höchst skrupelloser Hintermänner. Das Grüppchen, das jetzt gegen Eulenburg wirke, sei zwar nicht physisch, wohl aber moralisch auch recht pervers, denn es gehöre eine fast namenlose Feigheit dazu, einen Menschen, über den im Eerichtssaal der Stab gebrochen werden soll, in dem Augenblicke, wo et endgültig unterlegen sei, durch Aufzählung ungezählter häßlicher Privatgeschichten, die mit dem Prozeß gar nichts zu tun hätten, vor Gericht schädigen zu wollen. So handle kein Ehrenmann .... Jemanden, der vernichtet am Boden liege, trete man nicht noch obendrein. Das sei eine feige Brutalität sondergleichen. Auch das müsse einmal in aller Oeffentlichkeit derb und deutlich ausgesprochen werden. — In der Tat stößt bas Auftreten Harbens allmählich auch seine Freunbe ab. Eulenburg ist vernichtet, mit Recht vernichtet, wirb man sagen können, Halben aber macht sich allmählich auch unmöglich.
Penstonsverficherung der Privatbeamten.
Der Staatssekretär im Reichsamte des Innern Dr. v. Bethmann-Hollweg hat dem Reichstage eine neue Denkschrift, betreffend die Pen« sions- und Hinterbliebenenversicherung der Privatangestellten zugehen lassen. Zu der wirtschaftlich und politisch gleich bedeutungsvollen Frage, ob, in welcher Form und in welchem Umfang eine reichsgesetzliche Privatangeftellten- Versicherung alsbald eingeführt werden soll, nimmt die Denkschrift einstweilen keine bindende Stellung. . mmerhin äußert sie sich kritisch über bie gemachten Vorschläge, lehnt die Erweiterung des geltenden Jnvalidenversicherungs- gefetzes durch Einführung neuer Lohnklassen ab und ebenso die Befreiung der Privatangestellten von der reichsgesetzlichen Invalidenversicherung und Errichtung einer besonderen Versicherungsanstalt für Privatangestellte. Sie denkt an eine Zusatzverficherunz neben der reichsgesetzlichen Invalidenversicherung. Die Rentabilitäts-Berechnungen sind erneut geprüft. Bei einem Betrage (halb zu Lasten des Arbeitgebers, halb zu Lasten des Angestellten) von 8 Prozeß des je- weiligen Gehaltes wird die Mögli.gfeit eröffnet, den Privatangestelltcn mit Einschlm der Beiträge und Bezüge aus der reichsgesetzlichen Invalidenversicherung ähnliche Pensionsbezüge, wenn auch etwas geringer, zuzuwenden, wie sie
„Ja, ober eine Gesellschaft mit beschränkter — Hoffnung!" spöttelte der Tierarzt,
Nachdem nun das Nötige und noch mehr Unnötiges besprochen war, gelangte man zu der Ueberzeugung, daß zuvörderst viele Kosten entstehen und die ersten Einnahmen noch lange auf sich warten lassen würden; aber der nächste Sommer sah wirklich bie schmucklos eingefaßte Quelle von bescheidensten Gebüschanlagen umgeben und etwas, das dreiviertel wie ein Schuppen und den kleineren Bruchteil wie ein Babehaus an« mutete. Die „Administration" war beimOrts- vorsteher, die Lesehalle — 4 Journale — im Wirtshaus untergebracht, nachdem bie behördlichen Lizenzen mit Ach und Krach erlangt waren. An allen Häusern prangten Inschriften „Logis“, auch wohl deutlicher „Loschieh" und in der Nähe des sogenannten Badehauses prangte ein ungedecktes Rondell für die Bade- kapelle, zu der man fünf Musiker, Lehrlinge des Stadtpfeifers in Lutzenfelde „verpflichtet" hatte, wie s oft so schon heißt an den Sonntagen zu spielen. Alles recht bescheiden. Weniger bescheiden nahmen sich die Inserate in einigen Provinzblättern aus. Der Lehrer wollte nämlich entdeckt haben, daß — ba man bort „Baden" wie „Boden" aussprach nach niederdeutscher Art, Bodersen eigentlich Badersen heiße, durch Trennung also, so las man's gedruckt:
Bad Ersen i. K. Idyllisch-romantische Lage. Elaubersalzhaltige Quellen und Bäder. Aerztlich empfohlen (vor- läufig nur durch den Tierarzt). Kein groh- städtischer Komfort, aber vornehme Ruhe. B« vorzugt von Geistlichen, Beamten «nd Künst-