rmt dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain
Hub her B-Uaaen: „Literarischer Ameiaer". ..<»rdwirtschaftliche Beilage" mrd „Allnkriertes Kouutagsblatt«.
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Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische Zeitung- bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Kirchh ain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unser» Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Somabend, 25. Juli 1908.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7aespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Äug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. L. H i tz e r o th, Marburg, Markt 21. — Telephon 65.
43. Jahrg.
Der heutigen stummer Liegt bei Kreisblatt Nr. 59.
BmeMmen
fiir die Monate August und September aus die
^Oberhessische Zeitung- nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch« Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstatten und Landbriesträgern ent« gegengenommcn.
Wer ist nervös?
Es ist seltsam, daß die europäische Presse, und vielfach auch die Diplomaten und Parlamentarier in diesem Jahre eine gewisse Unruhe über die politische Lage nicht anbringt. Auch aus den Börsenberichten dec europäischen Börsen verschwinden die „politischen Befürchtungen" dieses Jahr nicht. Man ist nervös. Die ausländische Presse wirft uns vor, diese Nervosität sei von uns ausgegangen, die deutsche Presse sei in erster Linie nervös und von da habe sich die Nervosität auch auf die anderen Länder übergetragen. Das ist ein Irrtum. Tatsächlich ist man in Deutschland am ruhigsten. Die Vorwürfe sind ja auch nur dazu da, um tatsächliche Besorgnisse, die man in England zu haben scheint, hinter supponierten, fremden Besorgnissen zu verstecken. Wenn man die Stimmung der einzelnen Länder aufmerksam verfolgt, so erhält man mit leichter Mühe, daß der Herd dieser eigentümlichen Nervosität, für die in der politischen Situation trotz Mazedonien und Marokko ein realer ausreichender Grund nicht aufzufinden ist, nicht Deutschland, sondern England ist. Es kommen uns jetzt jede Woche Nachrichten über neue Ausbrüche dieser Nervosität, über neue Formen ihres Ausdrucks. Jetzt entdeckt man auf einmal überall deutsche Spione. Wenn irgendwo in der Nähe einer Küstenbefestigung Deutsche spazieren gehen oder wohnen, so fragen die Zeitungen, ob diese Deutschen auch bewaffnet wären, ohne sich des Lächerlichen und Unwürdigen dieser Empfindlichkeit tm geringsten bewußt zu sein. Als jüngst der Graf Zeppelin in die Schweiz fuhr., da waren alle englischen Zeitungen voll von einem Schmerzensschrei: nun ist England keine Insel mehr! Schon sah man das Luftschiff über London erscheinen, Bomben werfen und Armeen landen. Die englische Flotte manövriert gegenwärtig in voller Stärke in der Nordsee; bei dieser Gelegenheit halten englische Zeitungen es für nötig, deutschen
1 «Nachdruck verboten.),
Else Hohenbach.
Original-Novelle von E. Wald.
Der Winter war vergangen, der Frühling trieb seine jungen Knospen, in den Gärten blühten Primel und Aurikel; Frühling wurde e« auch in dem großen Garten, der Fräulein Bartels Anstalt umgab und das Reich ihrer Schülerinnen bildete. Die warme Märzsonne schien auf Büsche und Plätze, sie weckte das junge Leben, das noch im Schoß der Erde schlummerte und ließ die Schneeglöckchen und Veilchen schüchtern ihre Köpfchen hervorbringen in dem Hellen Sonnenschein. Der Nachmittagsunterricht siel heute des schönen Wetters wögen aus und die jungen Mädchen befanden sich alle im Garten; lachend und plaudernd schritten sie durch die gewundenen Gänge und freuten sich des wiederkehrenden Frühlings und des eigenen Frühlings. Die meisten aus der jungen Schar waren Töchter reicher vornehmer Eltern, die aus dem Pensionat in den Schoß glücklicher Familien und eines glänzenden Lebens zurückkehrten, denn die Anstalt von Fräulein Bartels erfreute sich namentlich unter der vornehmen Welt eines hervorragend guten Rufes.
Etwas abseits von den anderen gingen zwei junge Mädchen langsam Arm in Arm auf und ab, die eine, eine große, üppige Blondine mit rosigem Teint und strahlenden blauen Augen, blickte frisch und fröhlich um sich, sonnige Heiterkeit lag auf den hübschen Zügen, sie gab ein reifendes Bild von Jugend und Frische; die andere kaum mittelgroß, zierlich wie eine Elfe, das dunkle Haar in Flechten um den Kopf gelegt, ^it sinnenden, träumerischen Augen und feinen Zügen, über denen es jedoch wie ein Hauch teichter Müdigkeit und eines außergewöhnlichen
Nordseefischerdooten, die eventuell die Manöver beobachten können, ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Zudem hatte noch ein kleines deutsches Kanonenboot das Glück, auf einer Uebungsfahrt einen .englischen Fischerhafen anzulaufen und deshalb englische Zeitungen in Aufregung zu versetzen. Ein englischer Oberst schreibt an die „Times", wie sein deutscher Bardier plötzlich verschwunden wäre und sieht darin ein höchst beängstigendes Symptom eines baldigen Krieges usw. In gleicher Zeit hat die gesamte deutsche Flotte eine Uebungsfahrt nach den Kanarischen Inseln angetreten und sind die deutschen Häfen gänzlich von Schiffen entblößt, während die mächtigste Armada, die England je versammelt hatte, in der Nordsee kreuzt. Wer ist also nervös? Einen größeren Beweis ruhiger Sicherheit, als unsere Flottenfahrt, und unruhigere Nervosität als die Spionenfurcht englischer Zeitungen, kann es nicht geben. Deutschland ist also gewiß nicht nervös; und nenn die Welt unruhig ist, sind wir nicht schuld. Die Schuld liegt vielmehr auf englischer Seite. Hier ist es indes nicht nur die Aengstlichkeit der Zeitungen gegenüber deutschen Spionen, Luftschiffen, Fischerbooten und verschwundenen Barbieren, sondern die eigentümliche Vielgeschäftigkeit der englischen Politik, die von einem Gefühl der Unsicherheit geleitet scheint und deshalb Unsicherheit hervorruft. Es sind nicht die Reifen König Eduards allein, auch nicht die sogenannten Ententen, sondern die Art, wie diese Begegnungen und Verständigungen als diplomatische Erfolge, als Wendepunkt der Geschichte, als Ereignisse ersten Ranges inszeniert werden. Was bei diesen Ententen und Begegnungen bis jetzt herausgekommen ist, ist so wcltumwälzend nicht; und das Positive rechtfertigt die Inszenierung keineswegs. So wird natürlich der Glaube an etwas Geheimnisvolles, Großes und Unbekanntes, was vorgefallen ist oder vorfallen wird, erweckt. Und dieser Glaube, zusammen mit dem Eindruck der Vielgeschäftigkeit, den die Politik des Königs macht, ist die hauptsächlichste Quelle der Unruhe.
- ' Deutsches Reich.
— Die Nordlandsreise des Kaisers. Berlin, 23. Juli. Ein Telegramm aus Molde meldet: Gegen Mittag klärte sich das Wetter auf, sodaß der Kaiser einen Spaziergang auf die Höhe bei Molde mit Tee im Freien unternehmen konnte. Der Aufstieg war recht schwül, lohnte sich aber durch eine Aussicht auf sämtliche, meist mit Schnee bedeckten Berge. An Bord ist alles wohl.
— Aus dem Reichs- und Staatsanzeiger. Berlin, 23. Juli. Der „Staatsanzeiger" meldet: DerKönig verlieh dem Geschlecht derer von Veltheim aus Anlaß der Feier ihres 600jährigen Besitzes des Ritterguts Harbke das Präsentati-
Ernstes lag. Fast mißmutig blickte ihre Begleiterin denn auch auf sie nieder, als sie jetzt aus- rief:
„Aber Olga, sei doch heut wenigstens einmal lustig und vergnügt, Du hast gestern Dein Examen glänzend bestanden hast als die Beste und trotzdem bist Du heute noch ebenso still und ernst wie immer, freust Du Dich denn garnicht, daß das Arbeiten und Lernen nun ein Ende hat und Du frei bist?"
„Frei," wiederholte das junge Mädchen mit trübem Lächeln, „jawohl, ich bin jetzt frei, Else, das heißt, ich kann dieses Haus dort," sie deutete mit der Hand nach dem grauen Gemäuer der Anstalt, das drüben durch die Bäume schimmerte, „jetzt verlassen und doch, ich habe eine wahre Angst vot dem Augenblick, wo ich den Fuß zum letzten Male über seine Schwelle setzen werde, troll aller Mühe und Arbeit war es mir doch eine Heimat, wo werde ich jetzt eine finden, ich habe nicht Vater, nicht Mutter, keine Seele auf der ganzen Welt."
Auf dieses Wort schien die ander« nur gewartet zu haben.
„Komm mit mir nach Bergwitz," sagte sie, die Freundin zärtlich umschlingend, „Papa und Tante Leontine würden Dich so gern, ach so gern aufnehmen, für lange Zeit, für immer, wenn Du wolltest und wir blieben dann auch zusammen."
Olga drückte warm und innig die Hand der Freundin.
„Du bist unendlich gut, meine süße Else und ich glaube auch gern, daß ich um Deinetwillen bei Deiner Familie freundlichst aufgenommen würde, aber ich kann nicht mit Dir kommen; sobald wir aufhören Pensionärinnen der diesigen Anstalt zu sein, gehen unsere Wege wett aus
einander, Du bist die Tochter eines vor-
onsrecht für das Herrenhaus. — Nach dem „Reichsanzeiger" wurde dem Direktor im Reichspostamt Presse, anläßlich seines Uebertritts in den Ruhestand der Charakter als wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz verliehen.
— Herr Stolypin bei Bülow. Der russische Ministerpräsident Stolypin ist nach einer Meldung des „Hamburger Fremdenblattes" an Bord des russischen Kreuzers „Almas" im Hamburger Hafen eingetroffen. Dem Vernehmen nach wird Stolypin den Fürsten Bülow in Norderney besuchen.
— Eisenbahn-Bertrag zwischen Deutschland und den Niederlanden. Berlin, 23. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Am 23. Juli ist im Auswärtigen Amt von den dazu ernannten beiderseitigen Bevollmächtigten ein Staatsoer- trag zwischen dem Reich und den Niederlanden betreffend den Bau einer Eisenbahn von Neuenhaus nach Koeworden abgeschlossen worden.
— Bon der Handelsschiffahrt. Berlin, 23. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Laut Meldung eines Hamburger Blattes sollte sich die Reichsmarineverwaltung mit der Absicht tragen, die freie Einfahrt in deutsche Flutz- Mündung und Häfen unter Umständen zu sperren. Vorsicht beim Ansteuern deutscher Küstengewässer sei deshalb für alle Handelsschiffe eventuell notwendig. Diese Nachricht betrifft den unter Umständen eintreienden Aufsichtsdienst in deutschen Flußmündungen und ist ein Abdruck der Bekanntmachung für Schiffahrtslreise aus den „Nachrichten für Seefahrer", wie sie von Zeit zu Zeit veröffentlicht «erden, um Handelsschiffe bei Uebungen und Manövern der Marine auf bestehende Hindernisse der Schiffahrt aufmerksam zu machen.
— Cambon und die deutsch-französischen Beziehungen. Der Berliner Korrespondent der „Liberty" versichert, daß die Worte die der Botschafter Cambon zu dem Journalisten Maurice Sarraut über die deutsch-französischen Beziehungen gesagt haben soll, völlig unrichtig wiedergegeben wären. — Cambon war in Frankreich wegen seiner friedliebenden Worte heftig angegriffen worden.
— „Spezialärzte". Gegen einen Beschluß bet Aerztekammer für Westfalen, in die Standes- ordnung den Satz aufzunehmen: „Als „Spezialarzt" darf sich nur der Arzt bezeichnen, der feine ärztliche Tätigkeit auf das Spezialgebiet beschränkt", wurde von 10 Aerzten Beschwerde beim Kultusminister erhoben, der jetzt darauf erwidert: „Die Frage der Bezeichnung eines Arztes als Spezialarzt und der daraus für die Ausübung der Praxis zu ziehenden Folgen ist seit geraumer Zeit Gegenstand nicht nur des Meinungsaustausches innerhalb des Aerztestan- des, sondern auch der Erwägung seitens der Staatsregierung. Die Verhandlungen hierzu sind noch nicht abgeschloffen. Eine materielle Stellungnahme zu der von der Aerztekammer der Provinz Westfalen in dem angefochtenen Beschlüsse erörterten Frage ist daher zurzeit nicht angängig."
nehmen Hauses und ich die arme Gouvernante, die sich ihr Brot verdienen muß."
„Ich kann es nicht glauben, daß Du wirklich in Stellung gehen sollst, Du bist zu schade zur Erzieherin, Du so fein und zart wie eine Prinzessin, sollst Dich mit ungezogenen Kindern herumärgern, warum gehst Du da nicht lieber zu Deinem Vormund?"
„Mein Vormund hat mich von jeher nur als eine Last betrachtet, ich habe Dir schon erzählt, daß ich gleich nach dem Tode meines guten Vaters, der pensionierter Major war, hier in diese Anstalt kam und es mir gleich gesagt wurde, ich möchte nur recht fleißig lernen, um das Examen zu bestehen. Mein Vormund hat es niemals für nötig gefunden, auch nur einmal persönlich nach mir zu sehen, er schickte das Erziehungsgeld, das war alles und zu ihm sollte ich gehen, nein, nein, lieber unter ganz fremde Menschen."
Das Gespräch wurde unterbrochen, ein Stubenmädchen kam vom Hause her auf die jungen Mädchen zu.
„Fräulein Olga, Sie möchten gleich zu Fräulein Bartels kommen^" meldete sie. Olga wendete sich sofort um und folgte ihr, die blonde Else blieb ihr zur Seite, erst im Hausflur zog sie ihre Hand aus dem Arm der Freundin: „Komm dann herauf in unser Zimmer und erzähle was es gegeben," flüsterte sie ihr rasch zu, dann flog ste, ein Liedchen trällernd, die Treppe hinauf.
Else von Hohenbach war die einzige Tochter einer altadeligen Familie, ihre Mutter starb als ste noch im zartesten Alter stand, und Else erinnerte sich kaum noch der jungen bleichenFrau, die ste Mutter genannt, dann kam eine verwit-
Schwester ihres Vaters ins Haus und nahm die Zugel der Wirtschaft in die Hand; Else wuchs fröhlich auf, aber Tante Leontine schüt- telte ost den Kopf, wenn die Nichte das größte 1 Vergnügen fand, stundenlang mit ihrem Bruder 1
— Der Berbandstag der polnischen Erwerbs« und Wirtschaftsgenoffenschaften für Posen und Wesipreußen findet vom 22. bis 24. September d. I. in Posen statt. Am ersten Tage werden geschäftliche Angelegenheiten erledigt und bet Bericht bes Kurators Pfarrers Wawrzyniak ent» gegengenommen. Nach der Tagesordnung sollen an den beiden nächsten Tagen u. a. folgend« Themata erörtert werden: „Die Kreditverhält« niffe zwischen der Verbandsbank und den Genossenschaften. Scheck- und Eiroverband. Die Angelegenheit der Erhöhung des Aktienkapitals der Verbandsbank. — Die Notwendigkeit eines Reglements für den Vorstand, den Aufsichtsrat und die Kommission. — Die Angelegenheit der „Kupiec"-Eenoffenschaften. Die Angelegenheit der Parzellierungsgenoffenschaften. — Vom übermäßigen Kredit. — Die Angelegenheit der Rolniks. — Ueber die Beamten in den 6 en offen« schäften. — lleber Filialen und Vertrauensmänner. — lleber Provisionen. — Ueber Diskontierung von Wechseln und Ansprüche von Handwerkern, Gewerbetreibenden und Kaufleuten. — Den Beschluß machen Referate der Revisoren und Delegierten. An der Berichterstattung und den einleitenden Vorträgen sind neben dem Kurator Pfarrer Wawrzyniak zahlreiche andere Mitglieder der polnischen Geistlichkeit beteiligt.
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“ König Eduards Badeaufenthalt. London, 23. Juli. Der „Standard" erfährt, daß der König während seines Aufenthaltes in Marienbad verschiedene Besuche von politisch hervorragenden Persönlichkeiten empfangen werde. Zunächst wird der österreichische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand, nach Marienbad kommen, um den Jschler Besuch des Königs im Namen des Kaisers Franz Josef zu erwidern. Dann steht eine Audienz Clemenceaus in Aussicht, der zur selben Zeit wie der König sich einer Kur in Karlsbad unterziehe. Auch der russische Ministerpräsident Stolypin wird König Eduard seine Aufwartung machen. Die Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm soll in Cronberg am 11. Aug. stattfinden.
** Präsident Castro. Newyork, 22. Juli. Ein Telegramm aus Caracas meldet: Präsident Castro wies den niederländischen Gesandten de Reus aus. Der venezolanische Minister des Aeußeren sandte dem Gesandten die Päffe mit einer Note des Inhaltes, daß im Hinblick auf die Anschauungen, die de Reus in einem am 9. April an den Präsidenten Castro gerichteten Schreiben zum Ausdruck brachte, dieser ihn für ungeeignet erachte, in freundschaftlichem Sinne als Mittelsperson für di« Beziehungen zwischen Venezuela und den Niederlanden zu wirken. — Wie aus Caracas weiter gemeldet wird, ist das von dem niederländischen Gesandten de Reus am 9. April an den Präsidenten Castro gesandte Schreiben wahrscheinlich die Antwort aus die Aufforderung Castros, in Holland ein wachsameres Auge auf die holländischen Schiffe zu haben, die zwischen Lagueira und Caracas verkehren
Rudolf zu Pferde herumzuschweifen, während die Bücher liegen blieben, und endlich setzte sie es denn auch bei dem Vater durch, daß er sein Herzblatt der Schule von Fräulein Bartels für einige Jahre anvertraute. Dem verwöhnte« Mädchen, das nie einen anderen Willen als den eigenen gekannt, fiel es freilich anfangs sehr schwer, sich in die strenge Disziplin zu finden, die in der Anstalt herrschte. Allmählich gewann ihr sonniges Temperament doch wieder die Oberhand, so wie daheim war sie auch bald hier der Liebling des ganzen Hauses und besonders der Vorsteherin selbst, die ihr manches nachsah, was anderen nicht gestattet war. Mit schwärmerischer Freundschaft schloß Else sich bald an Olga Will- bürg an, trotzdem das ernste verschloffene Mädchen von allen anderen Schülerinnen eher gemieden als gesucht wurde. Die jungen Dame« waren fast sämtlich Töchter hochgestellter Eltern, Olga die einzige unter ihnen, die lernte, um ihr Brot zu verdienen; die anderen begriffen daher auch den Eifer nicht, mit dem sie Tag und Nacht über ihren Büchern saß, ste nahm nur gezwungen an den täglichen Spaziergängen teil und gönnte sich keine andere Erholungsstunde. Co nahm das junge Mädchen von Anfang an eine Sonderstellung ein, die sie von den anderen isolierte, nur Effa von Hohenbach fühlte sich trotz ihres heiteren, immer lustigen Temperamentes zu dem ernsten Mädchen hingezogen, vielleicht gerade, weil ste so einen entschiedenen Gegensatz zu ihr selbst bildete; mit eben solch großer Freude wie Olga selbst, vernahm ste auch jetzt die Botschaft, daß ste ihr Examen glänzend bestanden hatte, nut ein Wermutstropfen fiel in den Becher der Freude, daß die beiden llnzer« trennlichen nun scheiden sollten, denn auch bei Else war die Zeit ihres Aufenthaltes in be* Pensionat um, und sie kehrte in wenigen Tageck «ach Hause zurück. ____lFortl. fototj 1