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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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v _ Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (obne Bestellgeld), bei unser« Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Mittwoch. 22. Juli 1908.

Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gespalt«ne Zelle oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. L. Hrtzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 56.

43. Jahrg.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 58.

Schuldentilgung- und Anleihkurse.

Es ist in letzter Zeit, wo man angefangen hat. über die deutsche Finanzwirtschaft gründ­licher nachzudenken, viel über die großen Unter­schiede gesprochen und geschrieben worden, welche zwischen den deutschen Anleihekursen und den- ytnigen fremder geringer verzinster oder weni­ger sichere, Anleihen bestehen. Es gibt da einige Zahlen, welche deutlicher reden als ganze Bücher. Die 2^prozentige englische Rente steht höher als die Zprozentige des Deutschen Reiches, ja die 3^prozentige Italiener notieren 103, »ährend die 4prozentige Anleihe des Reiches 9ti notiert Wenn das so weiter geht, werden iie Kurse der Türkischen Renten, die jetzt schon a«f 96 stehen, bald höher sein als die deutschen. Ein netter Zustand, der unter allen Umständen sich ändern muß. Ehe man aber was dagegen tun will, muß man eine genaue Untersuchung über die Gründe, auf denen diese Erscheinung beruht, anstellen. Greift man nach falschen Gründen, so wird man verfehlte Maßregeln treffen, die schlechter sind als gar keine. Solche Maßregeln sind schon vorgeschlagen worden. Man sprach von einer Veränderung des Anleihe­typus, von Einführung von Rentenbriefen und Aehnlichem. Wer meint, damit etwas zu nützen, beweist, daß er die Ursachen des tiefen Kursstan­des unserer Anleihe nicht kennt.

England hatte vor Jahrzehnten 20 Milliar- den Schulden. Es ist durch eine systematische Schuldentilgung den Engländern gelungen, diese Schuldenlast um ein volles Viertel herabzu- mindern. Durch den Burenkrieg wurde man freilich gezwungen, sie durch Kriegsanleihen abermals von 15 Milliarden auf 18 Milliarden zu bringen. Heute ist man bereits so weit, diese 3 Milliarden abermals getilgt zu haben. Sehen wir auf Frankreich. Frankreich hat trotz einer enormen Steigerung seiner Ausgaben seit 10 Jahren keine neue Anleihe ausgenommen. Dagegen ist die deutsche Schuld im schnellsten Tempo von 139 Millionen im Jahre 79 auf 41/, Milliarden im Jahre 1908 gestiegen. Anleihe folgte auf Anleihe und noch ist kein Ende abzu­sehen. Getilgt wurde nichts. Die Summe von 4 Milliarden rechtfertigt freilich an und für sich den tiefen Kursstand unserer Anleihe nicht. Das deutsche Volk ist reich genug, eine weit größere Summe von Staatsanleihen zu halten, ohne daß zu viel Material in Logenhänden sich befinden, den Martt drücken und die Kursbe­wegung großen Schwankungen unterwerfen wür­den. Aber die unsichere und planlose Begehung immer neuer Anleihen hat die deutschen Staats­renten mit der Zeit den deutschen Sparern sehr unbeliebt gemacht. Das neue nicht unterge­brachte Material drückte auf den Kursstand der alten Anleihen und da niemand wußte, ob nicht bald wieder eine neue Anleihe kommen würde, und neuen Kursverlust mit sich brächte, hat sich der deutsche Sparer durch die Schwank­ungen der Staatsanleihen verärgert, und un­sicher gemacht, anderen Werten von steterer Kursbewegung, Stadtanleihen, industriellen

t>8 iRaddruck verboten.)

Liselottes Heirat.

Von H. E'ourths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Liselotte wollte sich aus Wolfs Armen auf- richten, aber er hielt sie fest, und sie hatte nicht die Kraft, sich loszureißen. So lag sie still, mit geschloffenen Augen an seiner Brust und hörte seinen starken gleichmäßigen Herzschlag.

Sie versuchte, die Ereigniffe der letzten Stunde zu überdenken. Um Wolf vor einer Gefahr zu schützen, war sie aus dem Lesezimmer hierher gestürmt. Im Augenblick, da sie er­kannte, daß ihm Unheil drohte, war alles ver- geffen gewesen, was sie um ihn gelitten.

Nichts, als der Wunsch, ihn zu retten, war lebendig geblieben in ihr. Und schon hatte sie gehofft, daß es ihr gelungen sei, schon fing sie an, aufzuatmen, als Römer mit Senden hinaus ging. Da kehrte er zurück und verlangte das un­selige Ehrenwort. Und Wolf hatte es ge­geben, um die geliebte Frau vor Schmach zu schützen. Was es hieß sein Ehrenwort zu ver­pfänden, das wußte Liselotte, und da sie glaubte, Wolf habe es fälschlich gegeben, so war sie ge­wiß, daß er damit dem Verderben preisgege- ben war, es war gleichbedeutend mit völliger Vernichtung. Sie wußte nur zu gut, was nun kommen würde. Irgend ein Unfall auf der Jagd, eine Unvorsichtigkeit mit dem Gewehr würde den Vorwand geben zu dem Schrecklichen, was nach ihrer Meinung geschehen mußte. Man müth» ihr. ihn brinaeu. bleich, kalt, starr, mit

Obligationen usw. zugewandt. Es ist möglich, daß die börsentechnische Führung der staatlichen Finanzgeschäfte hie und da hätte vorbeugen können. Im wesentlichen aber ist dieser absurde Tiefstand der Kurse die Schuld fortgesetzter und plötzlicher Anleihen. Daher heißt der Weg zur Besserung: die Finanzwirtschaft des Deutschen Reiches so zu regeln, daß nicht jedes Jahr so und so viel Anleihen ausgenommen werden müssen, daß reichlich Mittel zu einer großzügigen Schul­dentilgung erübrigt werden. Rur dann wird dieser für uns beschämende Vergleich der deut­schen Kurse mit italienischen und türkischen nicht mehr angestellt werden können.

Lettisches Reich.

Reisedispofitionen des Kaisers. Der Kaiser wird nach derR. Pol. Korr." nack seiner RüÄehr von der Nordlandsreise wie alljährlich dem Schießen des in Swinemünde garnisonie- renden Fußartilleriebataillons beiwohnen, dem schwedischen Königspaar einen Gegenbesuch ma­chen, nach der RüÄehr nach Deutschland (8. Aug.) die Kavallerieübungen der Garde-Kavall.-Divi- fion unter Generalmajor Graf Dohna in Alten- Erabow und der Kavallerie-Division C unter Generalmajor von Stangen in der Senne be­sichtigen und sich sodann nach Wilhelmshöhe be­geben, wo am 18. August der Geburtstag des Kaisers von Oesterreich gefeiert und die Weihe neuer Fahnen des 15. und 16. Ar­meekorps vorgenommen wird. Von Eassel geht der Kaiser zur Abhaltung der Kaiser - Paraden nach Straßburg i. Els. und Metz, nimmt für einige Zeit Wohnung in Ur- ville und wohnt schließlich Len lothringischen Kaisermanövern bei. Außerdem erhält sich hart­näckig das Gerücht, daß am 11. oder 12. Aug. bei der Durchreise König Eduards nach Marien- bad eine Zusammenkunft der beider; Herrscher in Wilhelmshöhe oder Kronberg stattfinden werde.

Der Kaiser beauftragte nach Empfang der Nachricht von dem Unglück aus dem Steinkohlen­bergwerkeCarolus Magnus" den Minister für Handel und Gewerbe, der Gemeinde Borbeck und den Angehörigen der bei der Ausübung ihres Berufes Verunglückten feine Teilnahme aus­sprechen zu lassen.

Prinz August Wilhelm von Preußen be­sichtigte gestern in Friedrichshafen unter Führ­ung des Grafen Zeppelin das Flugschiff und die Drachenstation. Später wurde er vom König von Württemberg empfangen.

Vom badischen Hofe. Karlsruhe, 20. Juli. Der Hofbericht derKarlsruher Zeitung" mel­det: Am Samstag abend um 9 Uhr traf Prin­zessin Feodora von Schleswig-Holstein, die Schwester der Kaiserin, und gleichzeitig Prinz August Wilhelm von Preußen, »um Besuch der Eroßherzoglichen Herrschaften und der Großher­zogin Luise auf Schloß Mainau ein. Prinz August Wilhelm reiste am gestrigen Sonntage nachmittags nach Friedrichshafen weiter, wäh­rend die Prinzessin noch einige Tage auf Schloß Mainau zu bleiben gedenkt.

Die Lebenserinnerungen des Grafen Haefeler. Wie disN. Pol. Korr." wissen will, soll es nunmehr feststehen, daß Eeneralfewmar- schall Graf Haeseler an seinen Lebenserinner-

einem winzig roten Fleck an der Schläfe, auf der Brust. Und das junge, starke Herz, das so gleich­mäßig gegen ihr Ohr schlug, es würde still stehen, ganz still und ruhig. Und dann war das Letzte aus ihrem Leben geschwunden, was es ihr noch lebenswert machte die heimliche, stille Freude an seinem Anblick, die trotz allem ihr Herz wieder und wieder höher schlagen ließ. Man würde ihn in die kalte, starre Erde senke» und mit ihm ihren letzten Lebensmut.

Sie sprang plötzlich auf und streckte die Hände von sich abwehrend. Was konnte sie tun, um das Furchtbare abzuwenden?

Laß uns gehen, der Wagen wird bereit sein!" sagte sie tonlos.

Er reichte ihr den Arm und führte sie hinaus. Wie sie es fertig gebracht hatte, sich zu verab­schieden und gleichgültige Reden anzuhören und wiederzugeben, das wußte sie später nicht mehr.

Still ließ sie sich von Wolf in den Witzen heben und saß dann stumm und starr zwischen den beiden Herren. Die abenteuerlichsten Pläne kreuzten ihr Hirn, wie sie Wolf retten könnte not der sicheren Vernichtung. Sie kam aber zu keinem tröstlichen Schluß. Wie geistesabwesend stieg sie daheim aus dem Wagen und sagte dxn beiden Herren gute Nacht. Wolf wollte sie zu- rückhalten, aber sie wehrte ihn ab.

Ich muß Ruhe haben, nichts als Ruhe," sagte sie und schritt die Treppe zu ihrem Zimmer hinan. Ruhe brauchte sie. Ruhe, um klar» Gedanken fassen zu können. Sie sah immer Wolf vor sich, bleich und kalt, mit einem kleinen roten Fleck auf der Stirn. Darüber kam' sie nicht hinaus, , . u )

ungen arbeitet und besonders auch die jetzige Zeit seines Aufenthaltes auf feinet Besitzung Plappevill» hierzu benutzt. Bekanntlich sind vor nicht langer Zeit vom Grafen Haeseler seine Erinnerungen an den Prinzen Friedrich Karl von Preußen herausgegeben worden, lleber die Fertigstellung und Herausgabe der Lebenserinnerungen" verlautet naturgemäß nichts. Daß sie ein allgemeines Interesse bean­spruchen werden, erklärt schon der Umstand, daß Graf Haeseler die drei Feldzüge in verantwor­tungsreicher und gut unterrichteter Stellung mitgemacht hat. Eeneralfeldmarschall Haeseler wohnt demnächst sowohl der Casseler Fahnen­weihe, als auch den großen Paraden unkt den Kaisermanövern bei.

Ei« Vertret« für Lucanus. Mit der Vertretung des erkrankten Chefs des geheimen Zivilkabinetts ist Regierungspräsident von Va- lentini in Franffurt a. d. Oder vom Kaiser be­auftragt worden.

Veränderungen im diplomatischen Korps. DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: Dem Ver­nehmen nach ist der Legationssekretär der- kaiser­lichen Gesandtschaft in Bukarest, Dr. v. Verdy du Vernois, für den Posten des Legationssekre­tärs in Stockholm in Aussicht genommen. An seine Stelle soll der erste Setretär der kaiser­lichen Gesandtschaft in Bern, Legationsrat von Busch, treten. Der Posten des ersten Sekretär» in Bern soll der gegenwärtig im Auswärtigen Amt beschäftigte Legationssekretär der kaiser­lichen Gesandtschaft in Tanger, Legationsrat Dr. Frhr. Langwerth v. Simmern übernehmen. Der erste Sekretär der kaiserlicheii Botschaft in Washington, Botschaftsrat Graf Hatzfeld- Wildenburg, soll in gleicher Eigenschaft an die kaiserliche Botschaft in Konstantinopel über­gehen. An seine Stelle soll der zweite Sekretär der kaiserlichen Botschaft in Rom, Legationsrat Graf Georg v. Wedel, treten.

Admiral Roshestwenski in Rauheim ge­storben. Aus Bad Nauheim wird vom 20. Juli gemeldet: Admiral Roshestwenski, der Führer der russischen Flotte in der Schlacht von Tschu- stma, welcher hier Genesung von einem schweren Herzleiden, das er sich infolge seiner Verwun­dung zugezogen hatte, suchte, ist gestern nacht gestorben.

Bei d« Besichtigung der Zeppelinsche« Ballonhülle durch die Thüringer Studenten, über die wir schon kurz berichteten, hat sich ein allerdings mehr humoristischer als tragischer Unfall zugetragen. Ein Teil des Bodens der Ballonhalle brach, wie dasBerl. Tgbl." be­richtet, durch, und sechzig Studenten fielen ins Wasser. Sie konnten aber alle gerettet werden und ihre Reise fortsetzen, ohne Schaden genom­men zu haben.

200jährige Zugehörigkeitsfeier Lauen- burgs. Lauenburg, 20. Juli. Der Kreis Lauen­burg feierte das Fest feiner 200jährigen Zuge­hörigkeit zum brandenburgisch-preußischen Staat. Vormittags traf Prinz Eitel Friedrich ein. Nach dem Festgottesdienst fuhr der Prinz zum Rat­hause, wo ihm Bürgermeister Dr. Mietenzwey den Ehrentrunk kredenzte. Später fand auf dem

Wolf ging mit seinem Vater in dessen Zkm- mer, um dem alten Herrn alles zu erklären. Fritz Gernrode hatte seine Zimmer im Erdgeschoß, wegen seines Rheuma, während die Wolfs in der ersten Etage lagen, neben denen Liselottes. Als die junge Frau an ihres Mannes Zimmer vorbeischreiten wollte, blieb sie plötzlich nach­denklich stehen. Dann öffnete sie leise die Tür. Dort drinnen stand der Eewehrschrank.

Sie flog darauf zu und faßte im Dunkeln nach dem Schloß. Der Schlüssel steckte. Sie zog ihn ab und barg ihn in ihrem Kleide. Dann eilte sie in ihr Zimmer, ließ sich schnell von der Jungfer ein warmes, bequemes Morgenkleid überwerfen, und schickte dann das Mädchen zur Ruhe. Darauf löschte sie in ihrem Zimmer das Licht und setzte sich lauschend an die Tür.

Wenn Wolf heraufkam, mußte sie ihn hören.

Es dauerte über eine Stunde, bis die Treppe leise unter seinen "Tritten knarrte. Sie hörte ganz deutlich, wie er bis zu ihrer Tür kam und lauschte. Er wollte sich wohl überzeugen, ob sie zur Ruhe gegangen sei. Dann ging er zurück und betrat sein Zimmer.

Liselotte öffnete nun leise die Tür und huschte über den langen Korridor, bis sie vor Wolfs Arbeitszimmer still stand. Da drinnen war Licht, es fiel durch das Schlüsselloch und die Türspalten. Er ging also noch nicht zu Bett.

Sie lauschte mit angehaltenem Atem und sah durchs Schlüsselloch. Da sah sie ihren Mann an feinem Schreibtisch sitzen. Das Licht fiel hell auf fein Eestchst. Es war sehr bleich und trug einen entschlossenen Ausdruck. Sie sah, wie et sich Papier zurechtlegt» und zu schreibe« begann.

Marktplatz die Enthüllung des Denkmals de» Großen Kurfürsten statt, einer von Professor Schaper-Berlin geschaffenen Kopie des in Ber­lin in der Siegesallee befindlichen Denkmals. Die Festrede hielt der Vorsitzende des Denkmals­ausschusses, Landrat a. D. von Semnitz. Dr. Mietenzwey übernahm das Denkmal namens der Stadt. Ein Parademarsch sämtlicher Krie­gervereine des Kreises schloß die Enthüllung»- feier.

Tod eines Reichslagsabgeordneten. Mann­heim, 20. Juli. Wie dieNeue Badische Landes­zeitung" aus Ludwigshafen meldet, ist der Reichstagsabgeordnete Ehrhart um 1 Uhr ge­storben.

Eine bemerkenswerte Verfügung de» Kriegsministers macht dieFrkf. Ztg." bekannt. Der Kriegsminister hat angeordnet, daß die Be­zirkskommandos in ihren Ersuchen an die Poli­zeibehörden um Auskunft über Unteroffizier- Aspiranten usw. zum Ausdruck bringen, daß die Auskunft als Grundlage zur Beurteilung der außerdienstlichen Würdigkeit des Bewerbers zur Beförderung dienen soll. Ist eine Erläuterung der Anfrage notwendig, so hat sie sich nicht auf die Ermittelung der politischen Gesinnung des Aspiranten im allgemeinen, sondern nur auf die Feststellung etwaiger Zugehörigkeit zur Sozial­demokratie oder zur anarchistischen Partei zu erstrecken. Es wird empfohlen, diese Anfragen nicht alsvertraulich" odergeheim" zu behan­deln, da hierdurch der Anschein erweckt wird, al» scheuten sie die Oefsentlichkeit, während jeder­mann wissen könne und solle, -^ bestrafte Per­sönlichkeiten und Anhänger der Sozialdemo­kratie ober der anarchistischen Partei grundsätz­lich von jeder Beförderung ausgeschlossen sind.

Ehrung unserer Südwestaftikanrr. Der Reichsanz." gibt die Verleihung einer Reihe von Auszeichnungen an Offiziere und Mann­schaften der Schutztruppe für Südwestafrika be­kannt, darunter der königlichen Krone zum Roten Adlerorden 3. Klasse mit Schleife und Schwertern an den Kommandeur der Schutz- truppe Oberstleutnant v. Estorfs.

Saatenstand in Preußen. Berlin, 18. Juli. Nach dem Saatenstandsbericht in Preußen Mitte Juli ist, wenn 2 gut, 3 mittel, 4 gering bedeu­tet: Winterweizen 2,4, Sommerweizen, 2,7, Winterspelz 2,2, Winterroggen 2,5, Sommer­roggen 2,9, Sommergerste 2,8, Hafer 2,9, Erbsen 2,7, Ackerbohnen, 2,7, Wicken 2,7, Kartoffeln 2,8, Zuckerrüben 2,8, Winterraps Rübsen 2,6, Flach» 2,8. In den Bemerkungen derStatistischen Korrespondenz" heißt es: Der Bericht beklage einstimmig die ungewöhnliche Trockenheit, die in manchen Gegenden schon bis zu sechs Wochen angehalten haben soll. So sehr die große Regen­losigkeit in der zweiten Hälfte des Juni der ge­samten Pflanzenwelt nicht günstig gewesen. Eine weitere ungünstige Beeinflussung der Pflanzenentwicklung habe um die Monats­wende ein Wettersturz gebracht, der in den Pro­vinzen Ost- und Westpreußen, sowie im Regie­rungsbezirk Köslin die Temperatur dermaßen abgekühlt hat, daß hier in der Nacht zum 1. Juli das Thermometer bis unter den Gefrierpunkt sank. Die Heftigkeit der Regengüsse hat das

Was hatte er jetzt mitten in der Nacht noch zu schreiben? Waren es Abschiedsbriese? Wollte er vielleicht schon diese Nacht die Schuld bezah­len, die er mit einem falschen Ehrenwort auf sich genommen hatte.

Sie hielt sich am Türpfosten fest, um nicht umzusinken vor Schmerz und Herzeleid.

Eins wußte sie nun gewiß. Sie würde nicht von seiner Schwelle weichen diese Nacht und ihn um jeden Preis hindern, das Schreckliche zu tun. Wenn es fein mußte, wollte sie mit ihm um fein Leben ringen. Er durfte nicht sterben so lange sie Atem in der Brust hatte, und konnte sie ihn nicht mehr zurückhalten, bann wollte sie wenigstens mit ihm gehen in bas buntle Nichts.

Ihn nur nicht aus ben Augen lassen. Sie hatte ja ben Eewehrschrankschlüssel abgezogen, das beruhigte sie ein wenig. Er konnte ben Schrank nicht öffnen, wenn er nicht einen Nach­schlüssel hatte ober Gewalt anwandte. In bei- den Fällen würde sie das hier draußen, hören. So stand sie und lauschte in der kalten, dunkle« Winternacht, und währenddessen saß Wolf drin­nen an feinem Schreibtisch und schrieb an sein Weib. Er wußte jetzt, wie lieb sie ihn hatte, das hatte ihn der heutige Abend gelehrt. Gr wallte alle Rücksichten beiseite lassen und chr alles sagen, wa» er zu sagen hatte. Es muM klar zwischen ihnen wecken, auf seinem g«ram,^ ten Stolz durste er nicht länger bestehen, roeW et nicht mit ansehen wollte, wie sich Liselotte t* Gram verzehrte. < i:

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