GßechM IMllg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain itttb den Beilagen: „Literarischer Ameiaer", „Landwirtschaftliche Beilage" und „Illustrierte- Ssrnttagsblatt«.
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Marburg
Sonntag, 19. Juli 1908.
Die Insertionsgebübr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Universttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
Zweites Blatt.
Ein dänischer Pädagoge Wer deutsche Volksschulen.
Wenn Vergleiche zwischen den Volksschulen 'der verschiedenen Länder gezogen werden, so 'werden uns immer die skandinavischen Schulen Als Muster vorgehalten, und vor allem ist das »Lob Dänemarks wegen seiner Volkshochschulen In aller Munde. Da ist es denn besonders lehr- -reich, einmal das Urteil eines dänischen Schulmannes. Oberlehrer Lützhöft, über deutsches Dolksschulwesen zu hören, der von seiner Regierung mit einem Stipendium zum Studium fremder Schuleinrichtungen ausgesandt wurde und jetzt seine Beobachtungen veröffentlicht. Da nach seinen eigenen Angaben weder in Frankreich noch in England die Volksschulen die hervorragende und angesehene Stellung einnehmen, und weil es weder dort noch in Nordamerika einen so vorzüglichen Lehrerstand gebe wie in Deutschland, habe er hier seine Studien gemacht. Seine Eindrücke aus den von ihm besuchten deutschen Schulen faßt Oberlehrer Lützhöft dahin zusammen, daß im ganzen Unterricht viel mehr Methode herrsche r.k« in Dänemark; während hier jeder Lehrer ” igenem Ermessen seinen Unterrichtsplan er und willkürlich durchführe, sei in den ...Uschen Volksschulen eine ganz bestimmte Lehrmethode bis ins kleinste Detail vorgeschrieben, die dem Lehrer seine Aufgabe sehr erleichterte, allerdings auch die Gefahr in sich berge, daß der Lehrer die Lust an eigener selbständiger Arbeit verliere. Doch sei es nur mit Hilfe dieser Methode möglich, so große Klassen, wie es die deutschen durchschnittlich seien, erfolgreich zu unterrichten. Hier möchten wir einwenden, daß die methodische Art des deutschen Unterrichts in dem stark methodisch ausgeprägten deutschen Charakter begründet ist, und daß es doch wohl eine andere Aufgabe ist, die Kinder eines 62 Millionenvolkes zu unterrichten, als die Kinder der ungefähr Milli- vnen zählenden Dänen. Ein Vergleich zwischen den Einrichtungen so verschiedenartiger Staatswesen wird immer ein schiefer sein und müßte inbezug auf das Schulwesen doch eigentlich naturgemäß für das kleinere Staatswesen günstiger ausfallen, da dieses sich ihm mehr widmen kann als ein großer Staat, wie Deutschland, der durch andere Fragen der inneren und äußeren Politik viel stärker in Anspruch genommen ist. Wenn trotzdem der Vergleich zugunsten der deutschen Schulen ausfällt, so ist er desto ehrenvoller für diese.
Interessant ist ferner zu hören, daß die dänischen Schulklassen allerdings durchschnittlich kleiner sind als die deutschen, daß aber die dänischen Lehrer keinen Tag unter 6 Stunden zu unterrichten haben, während die Stundenzahl der deutschen Lehrer täglich 4 (Das stimmt nicht. D. Red.) beträgt, wozu noch weiter konimt, daß diese die Stunden meist zusammen-
gg lNachdruck verboten.),
Liselottes Heirat.
Von H. Courths-Mahler«
(Fortsetzung.)
„Diese Huldigung scheint mir aber die Grenze des Erlaubten bereits überschritten zu haben. Ich möchte sie darauf aufmerksam machen, daß ein sehr geringes Mehr meine Frau kompromit- licren könnte. Das darf nicht fein. Ich bitte Sie, diese — ich will annehmen — harmlosen Huldigungen auf das tunlichste zu beschränken, und erwarte von Ihnen, daß Sie diesen meinen Wunsch streng respektieren. Der Ruf einer Frau ist heilig, das möchte ich Ihnen ins Gedächtnis zurückrufen."
Senden klopfte mit der Fußspitze leise den Boden und sah Römer eigentümlich lauernd an.
„Herr von Römer," sagte er langsam und kehr deutlich, „es würde besser sein. Sie richteten diese wohlgemeinte Warnung an einen andern."
Römer sah ihn etwas erstaunt an.
„Wie meinen Sie das?"
„Ich meine, daß sie sich an die falsche Adresse richteten mit Ihrer — Eifersucht. Ihre Frau Gemahlin hat mich nur ein wenig als Spielzeug und Blitzableiter benutzt. Es dürfte besser sein, Sie richteten sich mit Ihren Vorwürfen an Herrn Wolf Gernrode."
Römer fuhr auf.
„Was wollen Sie damit sagen?"
Senden sah ihn stechend an.
„Daß Ihre Gattin sich nicht eines Unwohlseins halber zurückgezogen hat, wie Sie mir mitteilten, sondern daß sie sich eben mit Herrn von Gernrode ein verschwiegenes Stelldichein in dem kleinen roten Salon neben dem Winter- aorten aibt,"
hängend geben können während in Dänemark die Schulstunden sich über den ganzen Tag verteilen. Schließlich kommt der Verfasser auch auf die deutschen Fortbildungsschulen zu sprechen, deren Einrichtungen er für musterhaft hält, meint aber, daß die militärische Ausbildung erst den eigentlichen, normalen Abschluß der öffentlichen Erziehung in Deutschland bilde. Das sehr richtige Ziel aller Volkserziehung in Deutschland sei die Entwicklung und der Schutz der deutschen Ration sowohl int Kampfe gegen auflösende Tendenzen im innerpolitischen Leben als auch auf dem Gebiete der Konkurrenz mit den Nachbarvölkern in kultureller und materieller Beziehung und während eines Krieges. Der öffentliche Unterricht in Deutschland sei von starkem Nationalitätsbewußtsein und von glühendem Patriotismus durchsetzt und jeder Ausländer, der deutsches Unterrichtswesen kennen lerne, gelange zu dem Ergebnis, daß man sich gegenüber einer starken, in zielbewußtem Vorwärtsschreiten begriffenen Nation befinde.
v Deutsches Retch.
— Die deutsch« Luftschifflotille und England. Der jetzt nicht mehr zu bestreitende Erfolg des Grafen Zeppelin hat Londoner Nachrichten zufolge die Engländer rein aus dem Häuschen gebracht. Nachdem man sich durch ungeheuerliche Anstrengungen kaum vor dem drohenden Einfall der deutschen Flotte gesichert wähnt, steigt jetzt das Schreckgespenst der Beherrschung der Luft durch eine deutsche Luftschiffarmada am Horizont auf und macht die vor kurzem noch so hochgemut auf ihre Allianzen und ihre Flotte stolzen Engländer nervös und verzagt. Man kann diese Unruhe wohl begreifen, wenn man sich vergegenwärtigt, was England sich alles uns gegenüber herauszunehmen wagte, so lange es sich auf feinen Inseln durch eine starke Flotte und gute Freunde vor uns sicher fühlte. Das eigene schlechte Gewissen schlägt ihm jetzt und es befürchtet die deutsche Quittung. In diesem Sinne äußern sich die großen englischen Zeitungen, und in der „Daily Mail" fordert der aus dem Vurenkriege bekannte General Baden-Po- well, Großbritannien solle zu Studienzwecken zwei Millionen Mark bereitstellen. In Kriegszeiten sei England bei fortschreitender Entwicklung der deutschen Luftschifflotille keine Insel mehr, und die englische Flotte würde aufhören, feine erste Verteidigungskraft zu fein. Ein Dutzend großer „Dreadnoughts" würde gegen eine Flotille schnellfliegender Luftschiffe hilflos fein. Da England eine mit den Heeren des Festlandes zu vergleichende Armee nicht besitzt und sich eine solche nicht aus dem Boden stampfen läßt, fühlen die Engländer nur zu gut, daß ihre, auf ihre insulare Lage und ihre Flotte gestützten politischen Uebcrlegenheit Tage gezählt sind. Man fordert daher, daß auch England Luftschiffe baue, die aber schneller fein sollen als die deutschen, und Kriegssekretär Hal- dane dürfte jetzt wohl mit seiner Propaganda für die allgemeine Wehrpflicht mehr Erfolg
„Mein Herr, für diese Behauptung müssen Sie eintreten."
„Das werde ich tun. Bitte, wollen Sie sich sofort an den bezeichneten Ort begeben, um sich zu überzeugen. Ich werde Sie begleiten."
Römer sah erbleichend in Sendens unbewegliches Gesicht und wandte sich zum Gehen.
„Kommen Sie," rief er rauh.
Kaum hatten die beiden das Gemach verlassen, da teilte sich der Vorhang am Fenster. Liselotte flog, wie gejagt durch die andere Tür hinaus, durchstürmte in wilder Hast einige Zimmer und erreichte an allen Gliedern zitternd den Wintergarten von der anderen Seite.
Das hatte sie gewollt. — Als sie das Gespräch der Herren belauschte, war ihr von allem nur eins klar: Wolf war in Gefahr, und sie mußte ihn zu retten suchen. — Alles andere fiel in dieser Stunde als wesenlos von ihr ab. Nur die Angst um ihn trieb sie fast instinkttv zum Handeln. Mit bebender Hand klopfte sie an die verschlossene Tür des Salons. „Oeffne, Wolf — um Gottes willen, öffne sofort, es ist Gefahr im Anzug. Schnell, schnell!" tief sie heiser zu den. Türspalt hinein.
Wolf, der gar nicht beachtet hatte, daß Sibylle die Tür hinter sich verschlossen hatte, öffnete sofort als er Liselottes vor Aufregung heisere Stimme hörte.
„Was gibt es, Liselotte?" fragte er mehr erstaunt als erschreckt.
Die junge Frau faßte mit zitternden Händen Sibylles Arm und zog sie mit sich auf den Divan nieder.
„Ihr Gatte und Herr von Senden folgen mir auf dem Fuß. Senden hat Ihrem Manne verraten, daß Sie mit Wolf hier ein Rendezvous haben. Ich kam ihnen gottlob zuvor, um die Gefahr abzuwenden. Man kommt; um Gottes willen Ruhe, sonst ist alles verlöre«."
haben. Trotzdem bleibt England uns gegenüber im Nachteil, denn die Neueinrichtung eines Volksheeres erfordert Jahrzehnte, und der Engländer ist feinem ganzen Charakter nach trotz körperlicher Vorzüge ein minderwertiger Soldat und wird es bleiben. Wir aber können froheren Muts wieder in die Zukunft sehen und im festen Vertrauen auf unsere vorbildliche Heeresverwaltung darauf bauen, daß dieser gewaltige Vorsprung Deutschlands gehörig ausgenutzt wird.
— Zur Lag« des Weltmarktes und der Seeschiffahrt. Hamburg, 16. Juli. Der soeben erschienene Bericht des Vereins Hamburger Reeder spricht sich über die allgemeine Lage der Seeschiffahrt aus. Es heißt u. a. in demselben: „Der in der zweiten Hälfte 1907 erfolgte völlige Zusammenbruch der Weltkonjunktur übte seine Wirkung in erster Linie auf die Seeschiffahrt aus. Die außerordentliche Geldteuerung und die scharfe Wirtschaftskrisis, besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika, führten nicht nur einen erheblichen Rückgang der Beschäftigung in allen Industrieländern herbei, sondern lähmte auch die Unternehmungslust des Handels. Die Folge hiervon machte sich sehr bald in einem Minderangebot an Ladung und dem Nachgeben der Frachten bemerkbar. Die ungünstigen Verhältnisse wurden für die in regelmäßiger Fahrt beschäftigten Reedereien umso fühlbarer, als die vorangegangene Hochkonjunktur mit ihren erhöhten Anforderungen an Handel und Verkehr sie gezwungen hatte, ihr Betriebsmaterial in raschem Tempo unter Aufwendung bedeutender Kapitalien zu vermehren. Da mit Eintritt schlechterer Verhältnisse dieser stark vermehrten Tonnage nur unzureichendes Angebot von Ladung gegenüberstand, so ergab sich für die Seeschiffahrt hieraus die Folge, daß in allen in Betracht kommenden Häfen wegen des unlohnenden Beschäftigungsgrades eine große Anzahl von Schiffen aufgelegt werden mußte. , Neben diesen betrieblichen Gründen beeinträchtigte das Gefchäftsresultat der Schiffahrtsunternehmungen noch in Sonderheit die hohen Kohlenpreise, in denen auch heute noch kein genügender, den verschlechterten Zeitverhältnissen entsprechender Rückgang eingetreten ist, sowie die erheblichen Lasten, welche aus den vorjährigen Arbeiteraus- ständen und dauernd aus den zunehmenden sozialpolitischen Pflichten der Unternehmer sich ergaben.
— DKG. Diamantfunde an der Lüderitzbah« Der „Kreuzzeitung" ist von ihr nahestehender Seite ein vor kurzem in Südwestafrika aufgefundener Rohdiamant vorgelegt worden, im Längsdurchmesser von 4 mm, von leicht bräunlichem Farbenton. Interessant ist der Fundort, nämlich 10 bis 12 km von Lüderitzbucht, dicht an der Bahn, wo ein Mann acht solche Steine in einer Stunde aufgelesen hat. Die Fundstätte liegt also mitten im Dünengebiet (mag auch vielleicht in großer Tiefe unter dem Dünensand Blaugrund gelagert sein), und es kann sich wohl nut um zerstreute Funde handeln, denen schwerlich größere Bedeutung beizumessen ist. Größere
Wolf sah fassungslos auf seine Frau. Am Beben ihrer Stimme, am Glanz ihrer Augen erkannte er ihre Aufregung. Er war nicht imstande, die Situation so blitzschnell zu Lber- fehen wie Sibylle, die sofort begriff, um was es sich handelte. Während r stumm und betroffen in einen Stuhl glitt und sich erst nach und nach den Zusammenhang erklärte, hatten die beiden Frauen schon ein gleichgültiges Gespräch angefangen, und als gleich darauf Römer an der noch offenstehenden Tür erschien und hinter ihm Senden, sahen die beiden auf eine äußerst harmlose Gruppe.
Sibylle lächelte ihrem Mann schelmisch zu, wohl mit etwas blassem Gesicht, aber ganz unbefangen.
„Ah, hast Du mich gefunden, Kurl? Frau von Gernrode überredete mich, meine Kopfschmerzen hier in dies ruhige Zimmer zu tragen, und die feuchte Lust tut mir sehr wohl. Es ist mir schon viel besser. Da ist ja auch Herr von Senden, mein getreuer Vasall. Kommen Sie, meine Herren, hier ist es köstlich, still und friedlich. Plaudern Sie ein wenig mit uns."
Römer hatte einen tiefen Atemzug getan und küßte seiner Frau die Hand. Dann wandte er sich mit drohendem Blick an Senden zurück und sagte:
„Herr von Senden wünscht sich Dir zn etrpfehlen, Sibylle."
Sibylle sah scheinbar erstaunt in Sendens Gesicht, das mit einem undefinierbaren Ausdruck ihr zugewandt war.
„Sie wollen schon nach Hause?"
„Sie gestatten, daß ich mich empfehle, ich fühle mich auch nicht recht wohl."
Mit einigen bedauernden Worten verabschiedete Sibylle Senden, der sich mit einer stummen Verneigung gegen eie übrigen langsam entfernte.
Geländestrecken um den Fundort sind bereits vo« der deutschen Firma Lenz & Co. durch Schürfscheine belegt. Kommerzienrat Alfred Sy, Inhaber der bekannten Firma Sy & Wagen«, Kgl. Hofgoldschmiede, Berlin, schreibt dem genannten Blatte zu dem obigen Funde folgendes: „Nach genauer Prüfung des spezifischen Gewichts, de: Härte und des Glanzes des Steines bestand schon bei mir kein Zweifel mehr daran, daß der Stein ein echter afrikanischer Diamant sei. Trotzdem habe ich denselben noch bei der hiesigen Bergakademie vorgelegt, und erklärte auch der dortige Derzenent mit absoluter Sicherheit den Stein für einen echten Diamanten und fügte hinzu, daß derselbe auch die charakteristischen Formen der Kristallbildung des Diamants deutlich an sich trage, ein Merkmal, welches sich meiner Kenntnis entzieht, weil ich zu wenig mit ungeschliffenen Diamanten zu tun habe. Der Stein ist von keiner besonders guten Qualität; natürlich schließt dies nicht aus, daß die anderen Steine besser sind. Immerhin würde es wohl verfrüht fein, schon jetzt unsere Hoffnungen allzu hoch zu spannen. Denn es kommt nicht nur auf (vielleicht vereinzeltes) Vorkommen von Diamanten an, sondern auf die Qualität und die Reichhaltigkeit der Ausbeute, ob die letztere auch einen im Großen betriebene!- Abbau lohnt, ob Wasser ir der Nähe ist zu dem Betriebe (ist dort jedenfalls nicht der Fall, Red. d. „K. Zig ") usw. Man denke nur an die vor einigen Jahren entdeckte Premier-Mine, von der man glaubte, sie würde die Weltmarktpreise der Diamanten wesentlich beeinflussen, und nach einiger Zeit stellte sich heraus, daß die Qualität eine so minderwertige sei, daß die Steine zum größten Teil nut zu technischen Zwecken Verwendung finden, di« wenigen guten Steine aber schließlich ebenso teuer zu stehen kommen, wie die Diamanten aus Kimberley."
Pfändung des Einkommens.
Besonders in den Kreisen der kleineren und mittleren Geschäftsleute, die zumeist auf Arbeiterkundschaft angewiesen sind, wird darüber geklagt, daß das bestehende Recht eine Pfändung bei Einkommen bis 1500 -K gänzlich ausschließt, und andererseits fühlen sich weite Kreise der Privatbeamten dadurch über Gebühr beschwert, daß dagegen von 1500 M an das ganze diese Summe überschreitende Gehalt unbeschräntt gepfändet werden kann. Es ist daher schon ost aus Mittelstandskreisen heraus die Forderung ge« stellt worden, alle Einkommen einem Pfändungsrecht zu unterwerfen, das insofern aus ihren verschiedenen Umfang Rücksicht nimmt, als die kleineren Einkommen nur zu einem geringeren Prozentsatz pfändbar sind, und daß dieser Prozentsatz progressiv mit den Einkommen steigt. So sollen z. B. von einem Einkommen bis 1500 eAl 5 v. H. pfändbar sein, von einem Einkommen bis 3000 M 7 v. H., bis 6000 M 10 v. H. usw. Wer int wirtschaftlichen Leben steht und weiß, mit welcher Routine viele unsichere Elemente es verstehen, ihr Einkommen die Summe von 1500
„Du'bleibst aber doch ein wenig hier, Kurt?"
„Einen Augenblick entschuldige mich ich komme sofort zurück," sagte er und ging schnell hinter Senden her.
Draußen, int Wintergarten, blieb er mit strengen Blicken vor ihm stehen.
„Sie haben sich überzeugt,, daß Ihre Anklage eine Verleumdung war, Herr von Senden, ich muß bitten, daß Sie dieselbe zurücknehmen und sich in aller Form entschuldigen."
„Ich sprach nach bestem Wissen und Gewissen, da ich sah, wie Herr von Gernrode und Ihr« Gattin jenes Zimmer betraten, und ganz deutlich hörte, daß von innen der Schlüssel umge- dreht wurde. Wie Frau von Gernrode dazu kam, entzieht sich meiner Beurteilung. Jedenfalls bitte ich um Verzeihung, wenn ich voreilig war im Bestreben, Sie zu überzeugen, daß Ihre Eifersucht auf mich grundlos war."
„Davon bin ich jetzt allerdings überzeugt und will mir deshalb an Ihrer Bitte um Verzeihung genügen lassen. Sie werden aber verstehen, daß Gernrode in Zukunft darauf verzichten muß Sie als East zu beherbergen. Wenn Sie sich jetzt zur Nachhausefahrt meines Wagen, bedienen wollen, et steht Ihnen zur Verfügung."
Darauf verabschiedeten sich di« beiden Herren durch eine steife formelle Verbeugung. ,
Römer ging in den roten Salon zurück, w» die drei im bangen Schweigen zurückgeblieben waren. Er trat ernst vor Wolf hin. —
„Herr von Gernrode, man bat Sie und meine Krau zusammen bei mir verdächttgt. Könne« Sie mir versichert:, daß Sie zu meiner Fra« keine unerlaubten Beziehungen haben? Ich mut um Ihr Ehrenwort bitten, daß Sie mein« Eh« in keiner Weise yi nahe getreten find."
(Forschung solgtZ