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MchjW Zeilmg mH dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und de« Beilage«:Literarischer A«,einer". ..Landwirtschaftliche Beilage" ««dJUuKrierte« Sa««tagsbla1t".

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Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), Btt unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Sonnabend, 18. Juli 1908.

Die JnsertionSgebübr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklame« 30 Pfennig. Druck und Derlag: Joh. ?lug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H itz «r o th, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg.

Der heutigen Auflage für den Kreis Kirchhain liegt Kreisblatt Nr. 57» bei.

Die Reichsftnanzreform und die Verteuerung des Lebens.

i Man arbeitet vielfach gegen die Finanzre­form mit dem Argumente, daß, nachdem die Le- tenskosten sich in den letzten Jahren schon so '«norm verteuert haben, eine weitere Belastung mit indirekten Steuern ungerecht wäre und vom Volke nicht mehr getragen werden würde. Der Cteuerplan der Regierung ist noch nicht bekannt. Sicher scheint indes allerdings zu sein, daß, wenn die Regierung auch nicht plante, den not­wendigen Bedarf zu belasten, sie eine Belastung bet Genusses, der den meisten aus Gewohnheit Bedarf geworden ist, nicht wird vermeiden können. Falsch ist es indes, gegen diese Steuer- (lläne das Argument der Teuerung, die so wie o schon herrscht, zu verwerten.

Es ist sicher richtig, datz die Kosten der Le­benshaltung stark gestiegen find.

Gewisse Anhaltspunkte dafür gibt die Preis- fiotistik, aber nur, wenn man einen Normalbe­dorf an Waren verschiedener Art konstruiert und danach die zur Bezahlung erforderliche .Geldmenge berechnet. Derartige Berechnungen 'stellt Jastrow in der ZeitschriftArbeitsmarkt" an. indem er als Bedarf an Lebensmitteln für .eine typische Arbeiterfamilie von Mann, Frau und vier Kindern die vierfache Normalration des deutschen Marinesoldaten annimmt. Er kommt dann auf Er nd der Durchschnittspreise von Danzig, Berlin. Dresden, Chemnitz, Leipzig, Stuttgart und München zu folgenden Ergeo- «isien:

Die Ernährungskosten betrugen pro Woche pro Jahr 1900 20,44 M 1062,68 <M.

1904 21,29 1106,98

1905 21,98 1142,96

1906 23,01 1196,52

Es feien noch einige Zahlen den Ermittelun­gen des Tarifamts der deutschen Buchdrucker entnommen, die als Unterlage für die Revision des Lohntarifs der deutschen Buchdrucker im Jahre 1906 durch Befragung der Kommunal­behörden aller Orte mit Buchdruckereien ange­stellt worden sind. Neben den Preisen der wich­tigsten Lebensmittel wurde hierbei auch der Preis für volle Pension in bürgerlichem Hause erfragt. Dieser schwankte in bett Jahren 1901 und 1902 im allgemeinen zwischen 400 und 600 Ml jährlich, doch gibt es eine ganze Reihe skleiner Orte in Deutschland, wo er nur 300 bis .400 M, ja. unter 300 Jt beträgt, während er in Grotzstädten, deren Vororten, Industriezent­ren, Rentnerstädten, Badeorten und dergl. viel­fach 600 M übersteigt. Von 1901 bis 1905 ist ec in 429 Orten gestiegen, in 4 herabgegangen, in 138 gleich geblieben.

Hieraus wie aus den Ziffern von Jastrow gehl hervor, datz in den letzten Jahren eine nicht unerhebliche Steigerung der Lebenskosten einge­treten ist.

35

lNachdruck verboten.)

Liselottes Heirat.

Von H. Ccurths-Mahler.

(Fortsetzung.)

,Was hat er Dir zuleide getan?"

.Siehst Du, schon wirst Du wütend."

.Nein, ich bin ganz ruhig."

.Wirklich?"

,3«.

Dann will ich Dir offen sagen, daß ich gar- nichts mehr dagegen habe, wenn Du mal Senden in aller Ruhe den Standpunkt klar machst. Brauchst ja nicht zu sagen, daß Du es auf meine Veranlassung tust. Er hat mich heute bei Tisch wiederSibylle" genannt. Wenn er das auch nur in harmloser Neckerei tut, so gefällt mir seine Art nicht. Ich hätte Dich schon lange ver- anlaht, ihm einmal entgegenzutreten, aber Deine blinde Eifersucht macht mich bange, Du könntest Dich hinreihen lasten, ihn zu fordern. Versprich mir, datz Du dies nicht tust, ich käme um aus Angst um Dich."

Römer sah seine Gattin zärtlich an.

Liebes, süßes Herz, sei unbesorgt. Deine Worte haben mir endlich fiat gezeigt, datz Dir Senden nichts gilt, und datz ich ihn niH zu fürchten habe. Geh und ruhe Dich aus, inzwi­schen spreche ich mit ihm."

Sie sah ihn dankbar lächelnd an und ging kangsam, hie und da mit jemand einige Worte wechselnd, hinaus.

Senden hatte sie beobachtet, und als Römer letzt direkt auf ihn lossteuerte, bestärkte ihn das tn seinem Argwohn.

»Her, von Senden, ich möchte einige Worte

Dieser Steigerung der Lebenskosten steht aber gegenüber eine Steigerung der Einnahmen. Ja, diese Steigerung der Einnahmen, das Wach­sen des Konsums hat die Besteuerung der Le­benskosten sogar in erster Linie veranlaßt. Es würde zu weit führen, die Steigerung der Ein­künfte im einzelnen nachzuweisen. Ein Bei­spiel mag für viele genügen. Nach den Erheb­ungen des Zentralverbandes der Maurer Deutschlands betrugen die durchschnittlichen Stundenlöhne der Maurer im Deutschen Reiche 1885 : 28i/> Pfg., 1890: 33A Pfg., 1895: 34-/,. Pfg., 1900: 41-/, Pfg., 1905 : 46 Pfg.

Dieser Steigerung des Einkommens, die sich natürlich nicht nur auf die Maurer, sondern auf das ganze Volk erstreckt, weil sie der Aus­druck des wirtschaftlichen Aufschwungs ist, geht die Steigerung des Verbrauchs parallel. Auch hier soll aus vielen Beispielen nur eins heraus­gegriffen werden. Trotzdem die Steigerung der Preise bei den Wohnungen besonders bedeutend und fühlbar war, haben sich die Wohnungsver- hältniste gebestert, d. h. das deutsche Volk hat trotz der steigenden Mieten im großen und ganzen sich bestere Wohnungen mieten können. Die Wohnungen mit nur einem heizbaren Zim­mer treten zurück zugunsten der zwei-, drei- und vierzimmerigen Wohnungen. Dies zeigt die folgende Zusammenstellung für einige der größ­ten deutschen Städte ganz deutlich: npn 1000 Einwohnern wohnten in Wohnungen mit heiz­baren Zimmern:

Großstädte

Iabr der Zädlunz

1

2 3

Zimmer

4

Berlin

1890

442

289

119

55

1900

430

307

122

54

Hamburg

1890

241

316

216

95

1900

192

312

251

117

Breslau

1890

484

263

127

50

1900

408

325

141

52

Frankfurt a. M.

1890

130

213

224

145

,,

1900

60

247

330

153

Diese Ziffern beweisen eine bedeutende Besterstellung der unteren Klasten in ihren Wohnungsverhältnisten. Daß gleichzeitig die Mietpreise fast überall eine steigende Tendenz aufweisen, ist erwähnt; wenn sich trotzdem di« unteren Klassen bestere Wohnungen leisten konn­ten, so ist das ein deutliches Zeichen, daß ihre gesamte Lebenslage sich bedeutend gehoben hat.

Mit diesen Zahlen wird sich gegen eine Be­steuerung von Zigarren, Bier und Branntwein wenig ausrichten lasten. Auch deren Konsum ist trotz der Besteuerung der Lebenshaltung ge­stiegen. Die Leistungsfähigkeit des Volkes kann nicht gut bestritten werden auch von denen nicht, die den Konsum von Bier und Zigarren für absolut notwendig halten. Aber ganz auf­geben soll man es, die Teuerung in die Debatten über die Finanzreform zu bringen. Werden ihre Gründe richtig aufgefaßt, so sprechen sie eher für solche Steuern, gerade, weil sie die Leistungsfähigkeit beweisen.

Dcrch'cheS Resch.

Des Kaisers Rordlandsreise. Ein Tele­gramm aus Bergen vom 16. Juli meldet: Die Hohenzollern" ist nach guter Fahrt bei herrlich­

ungestört mit Ihnen sprechen. Wollen Sie mich bitte in einer Viertelstunde im Lesezimmer er­warten, ich will nur nachsehen, ob es meinen Gästen an nichts fehlt, da sich meine Frau wegen Kopfweh auf ein Stündchen zurückgezogen hat."

Senden verneigte sich.

Ich stehe zu Diensten," sagte er und glaubte nun ganz bestimmt zu wisten, daß Sibylle ihn unschädlich machen wollte.

Als Wolf sah, daß Sibylle verschwand, trat er zu seinem Vater, der am Spieltisch saß.

Ich gehe jetzt, Vater. Falls Liselotte nach mir fragen sollte, suche sie abzulenken," sagte er leise.

Ja, gehe nur unbesorgt, mein Junge," ant­wortete dieser leise.

Wolf sah, daß Liselotte mit dem jungen Langenaus am Flügel stand. Sie war also vor­läufig beschäftigt. Er bemerkte nicht, daß sie ihm einen langen Blick nachwarf, und ebenso­wenig sah er, datz Senden ihn scharf beobachtete und ihm folgte .

Er ging mit ruhigen festen Schritten durch die wohlbekannten Räume, in denen er seine Kindheit, seine Jugend verlebt, und betrat nach kurzer Zeit den Wintergarten.

Dieser war durch üppige kostbare Pflanzen­gruppen in eine kleine Wildnis verwandelt. Wolf erkannte ihn kaum wieder, denn als Gern­rode noch ihm und dem Vater gehörte, hatte man kein Geld übrig gehabt, diesen dem Luxus geweihten Raum so herrlich zu dekorieren. Er war aber nicht in der Stimmung, sich durch den Anblick der seltenen Pflanzen ablenken zu lasten von dem Zweck seines Hierseins, und durchschritt ohne Säumen den Mittelgang^ um dann, recht» adbiegend, den Heinen roten Salon aufzusuchen.

ftetn Sonnenschein vor Bergen eingetroffen. An Bord ist alles wohl.

Antrittsbesuch des Erotzherzog» von Ba­den beim König von Württemberg. Friedrichs­hafen, 16. Juli. Der Erotzherzog und die Groß­herzogin von Baden sind heute Vormittag 11 Uhr 30 Min. auf dem Eonderschiff von der Insel Mainau als Gäste des württembergischen Kö­nigspaares in Friedrichshafen eingetroffen und dort von dem König und der Königin nebst Ge­folge herzlich empfangen worden. Bei der Ein­fahrt des Schiffes erwies eine Kompanie des Weingartener Regiments die üblichen Ehren­bezeugungen. Nachdem sich die hohen Herrschaf­ten begrüßt hatten, schritten sie die Front der Ehrenkompanie ab und nahmen sodann ihren Vorbeimarsch entgegen. Stadtschultheiß Meyer entbot dem Erotzherzogspaar den Gruß der Stadt Friedrichshafen, worauf drei weitzgeklei- dete Mädchen der Großherzogin ein Bukett von gelbroten Nelken überreichten. Dann bestiegen die hohenHerrschaften die bereitstehenden Wagen und fuhren, von einer zahlreichen Menschen­menge freudig begrüßt, zum Schloste. Auf dem Wege dorthin bildete die Schuljugend Spalier. Nach der Ankunft im Schloste fand eine Früh­stückstafel statt. Der König hat den Eroßherzog von Baden anläßlich seines Antrittbesuches in Friedrichshafen zum Chef des 8. Infanterie-Re­giments Nr. 126, das bisher sein Vater inne hatte, ernannt.

Bayerische Kohlenpolitik. Im Gegensatz zu Preußen, wo sich die Regierung leider immer noch nicht zu einem tatkräftigen Vorgehen gegen das die Kohlen verteuernde Verhalten der Kohlensyndikate aufraffen kann, ist Bayern jetzt in der glücklichen Lage, für den geringen Preis von 2y2 Millionen Mark das einzige im rechts­rheinischen Bayern vorhandene Steinkchlenberg- werk zu erwerben. Es handelt sich um den bis­her v. Swaineschen Bergwerksbesitz bei Stock­heim und Neuhaus, der 1358,9 Hektar in Bayern und 326,2 Hektar in Sachsen-Meiningen umfaßt, und desten Steinkohle die Eigenschaft besonderer Verwertbarkeit für die Eisenerzeugung zuge- sprcchen wird. Man hat bei der Erwerbung des Kohlenbergwerks vor allem die Selbstgewinn­ung von Steinkohlenkoks im Auge, der neben den Erzen das wichtigste Rohprodukt für die Eisenerzeugung ist und bisher stets von außer- bayerischen Werken bezogen werden mußte und wegen der hohen Frachtkosten den Bayern teuer zu stehen kam. Man hat die Kostenersparnis für die Jahresproduktion eines Hochofens von 36000 Tonnen des Staats-Hüttenwerks in Amberg auf 252 000 Mark veranschlagt. Wenn wir in Preu­ßen auch nicht in der Lage sind, auf so einfache Weise in den Besitz von Kohlenbergwerken zu gelangen, so wüsten wir doch alle Hebel in Be­wegung setzen, um der Regierung den ihr ge­bührenden Einfluß auf die Gestaltung des Kchlenmarktes zu verschaffen. Vorläufig be­herrscht ihn noch das Kohlensyndikat kraft seiner Monopolstellung und mißbraucht seine Gewalt in der unumschränktesten Weise. In der Zeit einer so stark sinkenden Konjunttur, wie die, in

den ihm Sibylle als Rendezvousplatz angegeben hatte. Senden war ihm unbemertt gefolgt und sah. hinter einer üppigen Palmenpruppe ver­borgen, wie Wolf den Salon betrat.

Schon wollte er sich vorsichtig näher heran­schleichen, als er vernahm, wie die an der gegen­überliegenden Seite befindliche Tür leise geöff­net wurde. Er trat wieder in fein Versteck zurück, und er kannte trotz bet matten Beleucht­ung des Raumes Sibylle, die mit hastigen leisen Schritten den Wintergarten durchquerte und ebenfalls in dem roten Salon verschwand. Ganz deutlich hörte er, daß sie hinter sich die Türe abschloß. Ein widerliches Lächeln verzerrte seit: Gesicht. Sein unedler Charakter verlangte nach Rache dafür, daß Sibylle einen anderen ihm vorgezogen hatte. Schnell ging er zurück, um tüit Römer im Lesezimmer zusammenzu­treffen.

Liselotte hatte mit ihren durch Eifersucht ge­schärften Augen sehr wohl bemerkt, daß sich erst Sibylle, dann Wolf von bet Gesellschaft entfeint hatte. War Wolf auch nach dem Wintergarten zu hinausgegangen und die Herrin des Hauses nach der entgegengesetzten Seite, so wußte sie doch sehr gut Bescheid in Gernrode und zweifelte keinen Augenblick, daß sich die beiden durch die gegenüberliegende Zimmerreihe entgegenkom­men würden, um sich ungestört zu sprechen.

Ein würgendes Gefühl preßte ihr die Kehle zusammen. Sie war nicht imstande, den jungen Mädchen länger Rede und Antwort zu stehen, und zog sich von ihnen zurück, um ein Fleckchen zu suchen, wo sie sich mit ihrer Verzweiflung verbergen konnte.

Sie betrat da» einsame Lesezimmer und setz«

bet rott jetzt stehen, hält es künstlich den Preis für sein lediglich okkupatorisch gewonnenes Pro« bukt aufrecht und zwingt seine sich selbst sträu­benden Pretztrabanten, diese Preispolitik al» gut und nützlich hinzustellen.

Die Lebenshaltung englischer und deut­scher Arbeiter. Mit besonder r Befriedigung hatte die liberale deutsche Preste, die nach wie vor freihändlerischen Tendenzen huldigt, eine englische Statistik zitiert, in der genau ausge­rechnet war, um wie viel bester die im freihänd­lerischen England lebenden Arbeiter ihr Leben genösten als die des schutzzöllnerischen Deutsch­lands. Jetzt kommt die überraschende Nachricht aus London, daß die statistische Abteilung de» britischen Handelsamts dieses als Machwerk ein­ziehen mutzte, weil sich herausgestellt hat, daß die ganze Statistik auf falschen Unterlagen be­ruht. natürlich hat die freihändlerischc liberale Negierung es nicht aus freiem Antriebe getan, sondern von englischer schutzzöllnerischer Seite sind so hanebüchene Irrtümer aufgedeckl worden, daß das amtliche Werk wieder eingezogen wer­den mutzte. Trotz dieser Blamage für den gan­zen Freihandel der Welt stellt unsere freisinnige Preste, dasBerliner Tageblatt" an bet Spitze, den Potgang so bar, als ob es sich nur um formale Fehler gehanbelt und als ob materiell das Buch doch recht gehabt habe. Sich darüber noch mit unserer freihändlerischen Preste zu streiten, ist nicht der Mühe wert. Für sie steht s ein für allemal fest, der Deutsche seufzt unter bet Last bet Zölle, von benen der Englänber fast ganz frei ist. Doch wie verhält es sich benn in Wirklickkeit? Der Engländer hat 50 v. H. mehr an Zöllen zu zahlen als der Deuische, und zwar kamen in Deutschland auf den Kopf bet Bevölkerung int Jahre 1905 10,60 M und nach bet Einführung bes neuen Zolltarifs 10,90 J(, währenb in England 15,40 M jährlich auf ben Kopf berechnet worden find. Dazu kommen noch, daß Deutschland feinen Zoll auf viele Waren verteilt, während England nur wenige Waren mit Zöllen geradezu überlastet. In England ist es selbst dem bester gestellten Manne nicht möglich, eine Zigarre zu rauchen, er mutz sich mit einer Pfeife Tabak begnügen. In anderen freihändlerischen" Staaten ist es ebenso, Däne­mark erhebt 15,93 M, Norwegen 15,97 M und die Schweiz 14,82 M jährlich Zoll auf den Kops. Mögen diese Zahlen als Wegweiser bei bet Reichsfinanzreform dienen.

Prozeß Eulenburg.

Berlin, 16. Juli, Dem Angeklagten Fürsten Eulenburg geht es dem Vernehmen nach heute etwas bester. Er ist heute vormittag von sei­nem Krankenzimmer in den gegenüberliegenden, eine Treppe hoch gelegenen Konferenzsaal trans­portiert worden. Die Sitzung soll mit Rücksicht auf den Zustand des Angeklagten nut kurze Zeit in Anspruch nehmen. Der Vorsitzende teilt mit, er habe einen Brief des Journalisten Oskar Thiele erhalten, in dem dieser um Zu- lastung bittet, da doch das Prinzip der Nicht- öffentlichkeit durch die Zulastnng der als Zeugen vernommenen zwei Journalisten durchbrochen sei. Der Oberstaatsanwalt bemerkt, er habe

sich mit zitternden Knien in eine der tiefen Fen- sternischen. Um ganz ungestört zu fein, zog sie ben schweren Tuchvorhang zu, fobatz sie abge- schlosten in bet Nische saß und nicht bemerkt werden konnte.

In starrem Schmerz faß sie da. ohne sich z, rühren, ein Opfer widerstreitendstet Empfind­ungen.

Nicht lange danach hörte sie, wie das Zim­mer betreten wurde. Durch einen Spalt im Vorhang erkannte sie Senden und Römer. In de< Hoffnung, daß die beiden Herten sich bald wieder entfernen würden, blieb sie fitzen, ahn- ungslos, daß fie so zum Zeugen eines sehr ernsten Gesprächs wurde. Gegen ihren Willen vernahm sie, was die Herten sprachen, und mit einem Male kam Leben in ihre statte Haltung, und fie lauschte mit angehaltenem Atem.

Römer war mit Senden zu gleicher Zeit ein- getreten. Ohne Platz zu nehmen, blieb er vor ihm stehen.

Herr von Senden, Sie werden sich denken können, daß ich eine besondere Veranlassung hatte, Sie hierher zu bitten."

Allerdings."

Sie werden auch nicht so ganz ahnungslos sein .daß ich übet meine Frau mit Ihnen }« sprechen wünsche."

Senden verneigte sich nur stumm.

Römer fuhr fort:

Es ist mir wiederholt unangenehm ausge­fallen, daß Sie sich meiner Frau in einer Weis« nähern, die mir nicht gefällt."

(Eine harmlose Huldigung bet SchönheL Herr von Römer," ,

'(Fortsetzung fotyQ /