t mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
«ud den Beilagen: .Literarischer ..LEdivirtsckaftiiche Beilage" und „JUnKriertes Sountagsblatt".
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Marburg
Freitag 17. Juli 1908.
Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — in Cfcrtfirfl Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unioersttätsbuchdruckerei
Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 65.
Der Eulenburgprozeß.
Heber die neue Wendung im (Eulen« Lurg-Prozeß schreibt die Eerichtskorrespon- denz Thiele: Diese Entwicklung der Dinge stellt wohl ein Unikum in der Rechtspflege dar. Die Nachricht, daß Fürst Eulenburg erkrankt sei und nicht im Schwurgerichtssaal erscheinen könne, wurde schon vor der festgesetzten Terminsstunde unter den Zeugen lebhaft erörtert und die Frage aufgeworfen, was nun geschehen solle wenn diese Transportunfähigkeit längere Zeit andauern sollte. Nach Paragraph 228 der Strafprozeßordnung muß eine unterbrochene Haupt- verhandlung spätestens am vierten Tage nach der Unterbrechung fortgesetzt werden, widrigenfalls mit dem Verfahren von neuem zu beginnen ist. Eine auf diese Weise unterbrochene und dann fortgesetzte Hauptverhandlung muß, wie es im Daude heißt, mit der abgebrochenen Verhandlung ein organisches Ganzes bilden, so daß die zum ersten Termine vorgeladenen und erschienenen Zeugen und Sachverständigen, auf deren Vernehmung der Angeklagte nach Paragraph 244 Absatz 1 des Strafgesetzbuches ein Recht erworben hatte, das ihm durch die erfolgende Unterbrechung nicht wieder entzogen werden kann, vernommen werden müssen. Man stritt sich nun über die Frage, ob die Verhandlung auch in Abwesenheit des Angeklagten wei- tergeführt werden könne. Paragraph 230 der Strafprozeßordnung sagt hierüber: Entfernt sich der Angeklagte, oder bleibt er bei der Fortsetzung der unterbrochenen Hauptverhandlung aus, so könne diese in seiner Abwesenheit zu Ende geführt werden, wenn seine Vernehmung über die Anklage schon erfolgt war und das Gericht seine fernere Anwesenheit nicht für erforderlich erachtet. Diese Bestimmung ist aber nicht in Anwendung zu bringen gegen einen Angeklagten. der sich in Haft befindet und zum Termin nicht vorgeführt ist; desgleichen auch gegen einen Angeklagten, dessen Entfernung durch eine plötzlich eingetretene Krankheit bedingt wird.
Eine andere Frage, nämlich die nach der Berichterstattung über die unter Ausschluß der Öffentlichkeit geführten Verhandlungen beschäftigt zur Zeit gleichfalls die Gemüter. An sich ist es ja wunderbar, daß gewisse Blätter, namentlich solche, die seit langer Zeit als Hat- denpreffe angesprochen werden, Einzelheiten über die Verhandlungen bringen. Meistens darf man es mit diesen Berichten freilich nicht so genau nehmen. Ihre Sicherheit wird zu wünschen übrig laßen. So schreiben die „Münch. N. Nacht.", übrigens ein Harden freundlich gesinntes Blatt:
„Von einer Persönlichkeit, die, ohne in den Reihen des Richterkollegiums, der Staatsanwaltschaft, der Verteidiger, der Geschworenen und der Zeugen zu stehen, über die inneren Vorgänge des Eulenburg-Prozesses sehr genau und zuverlässig unterrichtet ist, erfahren wir, daß die meisten Berichte der Presse ein ganz falsches oder doch zum mindesten sehr schiefes Bild geben. Wie das nicht auf eigenem Hören
84 lNnchVruä verboten.),
Liselottes Heirat.
Von H. Eourths -Mahler. ""
(Fortsetzung.)
Sie nahm die Karte und legte sie vor sich hin. Zuerst wollte sie protestieren, aber dann sagte sie sich, daß ja doch alles einerlei sei, was geschah. Ging sie nicht mit, so ging er allein, dann sprach man darüber, und das wenigstens wollte sie vermeiden. Zum Gespött der Menschen wollte sie nicht noch werden.
Wolf hatte sie scharf beobachtet. Er hatte angenommen, daß sie ablehnen würde, deshalb hatte er die Entscheidung vorweg genommen. Als sie nun ruhig und gleichgültig sagte, es sei ihr recht, so wie er es bestimmt, war et doch etwas erstaunt.
Liselotte hatte wohl bemertt, daß das Kuvett noch ein anderes Schreiben enthalten hatte, und ein bitteres, verächtliches Lächeln umspielte ihren Mund, als et es nach dem Durchlesen in kleine Stücke zerrissen hatte.
Soweit war es schon gekommen, daß die beiden Briefe miteinander wechselten, -hne daß sie das verbieten konnte. Gab es nun noch eine Demütigung, die größer war, würde ihre törichte Liebe auch daran nicht zu Grunde gehen, daß sie mit ihrem Gatten das Haus feiner Geliebten besuchen mußte. O, Liselotte, welche Schmach ist dann groß genug, um Dich von dieser Liebe zu befreien?
Ohne Freude ließ sich Liselotte für das Supee in Gernrode ankleiden. Sie hatte ihrer Jungfer die Wahl ihres Kostüms treffen lassen und sah kaum in den Spiegel, als sie fertig wat. Wozu auch? Es wat ja einerlei, wie sie aussah, denn »egen die schöne Sibylle konnte sie doch nicht aufkommen.
und Sehen beruhende, sondern auf Aussagen Dritter gestützte Mitteilungen begreiflich machen. Während in einigen Blättern, namentlich in einer durch Straßenverkauf viel verbreiteten Mittagszeitung, gegen den Angeklagten wahre Berge von Beschuldigungen gewälzt werden, so daß man meinen sollte, Fürst Eulenburg sei von der Last dieser Beweise schon völlig erdrückt, ist die Stimmung im Gerichtssaal für den Angeklagten wesentlich günstiger, so daß ein überraschender Ausgang des Prozeßes keineswegs undenkbar erscheint. Wir geben diese Ansicht unseres durchaus vertrauenswürdigen Gewährsmannes so, wie wir sie erhalten, wieder, da wir nicht in der Lage sind, sie zu widerlegen. Das aber können wir aus eigener Wahrnehmung bestätigen, daß die einseitige Art der Berichterstattung mancher Blätter auch int Publikum fast eine Reaktion zugunsten Eulenburgs hervorruft."
Unter die falschen Meldungen wird man auch die rechnen, daß Eulenburg zu einem an den Vorsitzenden gerichteten Brief aus einem österreichischen Städtchen, in dem behauptet wurde, die Zeugen Riedel und Ernst seien von klerikaler Seite beeinflußt, bemerkt haben soll: Ich hatte in München Preußen nicht nur politisch, sondern auch kirchlich zu vertreten. Mein Leben lang bin ich ein Verfechter des protestantischen Kaisertums gewesen. Das hat mit namentlich im Süden viele Feinde gemacht. Wir haben nicht in Berlin, sondern in München den Nuntius des Papstes. Dort sind also wichtige Verhandlungen zu führen, und ich habe sie im Sinne der protestantischen, der norddeutschen Kaiserreichsidee geführt. Dadurch bin ich dem Klerikalismus ebenso wie dem bayerischen Partikularismus verhaßt geworden. Vielleicht bin ich jetzt eines der Opfer dieser großen Idee. Ich kann nichts Bestimmtes behaupten, aber aus diesem Milieu heraus können diese infamen Verdächtigungen entstanden sein. Der Vorsitzende unterbrach den Angeklagten mit der Frage, ob er behaupten wolle, daß solche Strömungen den frommen Katholiken Jakob Ernst zum Meineid getrieben hätten. Fürst Eulenburg antwortete „Nein" und setzte dann seine Rede fort. Der Klerikalismus habe ihm nie verziehen, daß er ihn mit der ganzen Energie eines norddeutschen Protestanten bekämpft habe. Auf die Frage des Vorsitzenden: „Wollen Sie etwa hier die Behauptung aufstellen, der Klerikalismus habe die Briefe veranlaßt, die Sie selbst an Ernst geschrieben haben und aus denen die Art Ihrer Beziehungen zu Ernst hervorgeht?" gab der Angeklagte keine Antwort. —
Bedauerlicherweise scheint dieser angebliche Versuch Eulenburgs, sich rein zu waschen, von der Zentrumspresie in der Tat ernst genommen zu werden.
x Deutsches Resch.
— Keine Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem Zaren und Präsidenten Falliöres. Die Meldung der „Nowoje Wremja",daß der deutsche
Sie fühlte sich so müde und unlustig, so einsam und gebemütigt, daß sie am liebsten nicht' von der Stelle gegangen wäre. Das Uebermaß der Leiden, das sie in der letzten Zeit zu tragen gehabt hatte, stumpfte sie ab gegen alles, was an sie herantrat.
Als sie fertig zur Abfahrt hinunterkam, warteten die beiden Herren in der Halle bereits auf sie. Wolf sah besorgt in ihr blaßes Gesicht. War es nicht zu viel, was er ihr heute zumutete?"
Aber es sollte nun ein Ende gemacht werden mit diesem haltlosen Zustand. Er hatte seinen Vater gebeten, mit nach Gernrode zu fahren, trotz feines Rheumas, und dieser hatte sich sofort dazu bereit erklärt. Es war ja nicht abzusehen, wie die Unterredung mit Sibylle verlief, und Fritz Gernrodes Anwesenheit konnte nur von Nutzen sein. Es wurde nicht gesprochen zwischen den dreien während der Fahrt. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.
Als sie in Gernrode ankamen, fanden sie die Gesellschaft fast vollzählig versammelt. Sibylle begrüßte sie mit strahlendem Gesicht und fieberhaft glänzenden Augen. Sie trug eine entzückende Toilette aus schwarzem Chiffon mit reicher Pailettenstickerei, und die blaße Liselotte sah sehr unvorteilhaft aus gegen die sieghaft schöne Frau.
Sibylle preßte Wolfs Hand zwischen der ihren bei der Begrüßung und sah ihn bedeutungsvoll an. Er erwiderte diesen Blick mit ernstem Gesicht.
Sibylle war in einem unbeschreiblichen Zustand der Aufregung. Unfähig, Wolfs Zurückhaltung länger zu ertragen, hatte sie in jenem Bries geschrieben. Sie mußte ihn allein sprechen, ihm allein gegenüberstehen, um zu sehen, wie weit sie ihre Macht über ihn verloren hatte, was Pt noch zu hoffen hatte. In den letzten
Militärbevollmächtigte in Petersburg, Generalleutnant von Jakobi, ein eigenhändiges Schreiben Kaiser Wilhelms zur Uebergabe an den Zaren erhalten habe und daß dieser Brief ein sehr wichtiges politisches Dokument sei, ist, wie die „Neue Pol. Corr." erfährt, nicht zutreffend. Was die Frage einer angeblich bevorstehenden Begegnung des Kaisers mit dem Zaren angeht, die von russischen und französischen Zeitungen immer wieder aufs Tapet gebracht wird, so ist bereits vor einigen Wochen zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren festgestellt worden, daß in diesem Jahre eine Zusammenkunft nicht statt- findet. Ebenso ist in den von französischer Seite kommenden Ausstreungen U.-et eine Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem Präsidenten Falliöres kein wahres Wort.
— De, Kanzle, im Königreich Preußen. Die dem Oberlandesgerichtsprästdenten von Dr v. Plehwe verliehene Würde des Kanzlers im Königreich Preußen gehört zu den vier großen Landesämtern des Königreichs. Die Würde knüpft ausschließlich an dasAmt des Oberlandesgerichtspräsidenten in Königsberg ar. und wird auf Lebenszeit verliehen. Da der bisherige Inhaber dieser Würde, Dr. v. Holleben, in diesem Frühjahr gestorben ist, mußte die Kanzlerwürde auf Dr. v. Plehwe übergehen. Er hat schon im Jahre 1897 Herrn v. Holleben als Oberlandesgerichtspräsidenten in Königsberg ersetzt. Er steht int 74. Lebensjahre und gehört dem Justizdienst nahezu 52 Jahre an.
— Eine neue Militär Vorlage? Berlin, 15. Juli. Die „Märkische Volts-Ztg." behauptet, die Regierung wolle schon im nächsten oder doch im übernächsten Winter eine Militärvorlage mit „ganz ungeheuren" Mehrftrderungen einbringen. die man mit der auswärtigen Lage be- günden werde. In den Reihen des General« stabes wolle man nicht länger märten; ein Wechsel im Kriegsministerium sei bereits in Aussicht genommen. Die „Deutsche Tagesztg." weiß zu sagen, daß diese Behauptung von A bis Z aus der blauen Luft gegriffen ist.
— Wahlproteste. Nach der „Nati. Kotresp." ist gegen die Wahl von 52 Abgeordneten des Landtages Protest erhoben worden. Beteiligt sind daran alle Parteien des Abgeordnetenhauses. In der Provinz Heßen-Naßau sind es 7 Abgeordnete, gegen deren Wahl protestiert wurde: Türke (fteiks.) Rotenburg-Hersfeld, Dr. Wendlandt (natl.) Efchwege-Schmal- kalden; von Stockhausen (tonf.) Caßel- Witzenhausen; von Regele in (tonf.) Marburg ; Dr. Lohmann (natl.) Wiesbaden 2; Dr. Beckmann (tonf.) Wiesbaden 6; von Klöden (B. d. L.) Wiesbaden 7.
— Vom deutsche« Flottenverein. Darmstadt, 15. Juli. Der Landesausschuß des deutschen Flottenvereins für das Großherzogtum Hessen versendet ein Rundschreiben an seine Mitglieder, in welchem der engere Ausschuß erklärt, daß er auf dem Boden der Danziger Resolutionen stehe und dabei entschloßen sei, den alten Kurs bkizubehalten. Es wird der Zuversicht Ausdruck gegeben, daß keine weiteren Austritte der Ee- finnungsgenoßen erfolgen und die Bitte an alle
Tagen war ein würgender Zweifel in ihr auf« gestiegen, ob es gelingen würde, den Mann zu gewinnen.
Sie mußte Gewißheit darüber haben, mußte retten, was noch zu retten war, wenn sie nicht den Verstand verlieren sollte.
Mit ihrem Manne hatte sie, Senden wegen, nach der Heimkehr von der Wartburg eine Szene gehabt, die damit endete, daß er daraus verzichtete, Senden zur Rede zu stellen, wenn dieser ihm durch sein Verhalten nicht erneut Anlaß dazu gebe. Senden kam nach wie vor nach Gernrode, wurde den einen Tag liebenswürdig von Sibylle empfangen, den anderen spottschlecht behandelt und hatte dabei das etwas unbequem« liche Gefühl, daß ihn der Hausherr sehr mißtrauisch beobachtete. Sibylle hatte jedoch auf sein Herz einen so starken Eindruck gemacht, daß et sie nicht aufzugeben vermochte.
Auch heute abend war er natürlich zugegen, und Sibylle hatte mit großem Geschick manö« votiert und ihres Gatten Eifersucht benutzt, um diese beiden für denAbend unschädlich zu machen. Sie wußte, ihr Mann würde Senden nicht aus den Augen laßen.
Mit doppelter Liebenswürdigkeit kam sie Senden entgegen. Et war ihr Tischnachbar und fühlte sich durch diese Auszeichnung in sehr animierter Stimmung.
Nachdem die Tafel aufgehoben war, zerstreuten sich die Gäste in zwanglosen Gruppen in die Nebenzimmer. Die älteren Herren unternahmen ein Spielchen, einige jüngere Damen und Herren musizierten oder fanden sich zu einem harmlosen Flirt zusammen.
Sibylle sah nach der Uhr.
Es mar zehn Minuten vor zehn Uhr. Sie hatte sich absichtlich nicht mehr um Wolf gekümmert und sah sich nun nach ihm um. Er stand an einem Tischchen und blätterte in einet Mappe
Gruppen und Mitglieder gerichtet, mit neuem Mut für die großen Ziele einzutreten. die sich der deutsche Flottenverein gestellt habe. Wie die „Verl. N. Nachr." hören, hat der ehemalige zweite Vizepräsident, Generalleutnant v. Bat« wey, seinen Austritt aus dem Vereine vollzogen.
— Som Grafen Zeppelin. Stuttgart, 15. Juli. Laut „Schwäb. Merkur" erhielt Graf Zeppelin anläßlich seines Geburtstages ein höchst liebenswürdiges Schreiben vom Kriegsminister von Einem. — Mannheim, 15. Juli. Vom Siegtet« ungskommissar Geh. Rat Lewald, ist der „Neuen Bad. Landesztg." zufolge in Mannheim folgend« Depesche eingegangen: „Luftschiff durch Bruch des Schleppseiles des Schleppbootes gegen Halle getrieben und leicht havariert. Fahrt daher einstweilen aufgeschoben, gez. Geh. Rat Lewald." — Heber den gestrigen Unfall wird geschrieben: Der vordere Teil des Luftschiffes schwebte um 11 Hhr beim Herausbringen aus der Halle bereits in der Luft, als plötzlich ein Tat riß. Dadurch wurde der Ballon mit seinem orderen Teil gegen die Halle geschleudert. Auf der linken Seite wurde ein Schraubenflügel, das Höhensteuer und das Gerüst, an dem die vordere Gondel befestigt ist, schwer beschädigt. Auch die Umhüllung hat erheblichen Schaden gelitten. Das Dampfboot „Königin Charlotte" wurde requiriert, um die Ballonhülle weiter in den See < hinauszuziehen und so die Bergung des Luftschiffes zu erleichtern. Hm 12 Uhr war das Luftschiff wieder in der Halle geborgen. Ein Aufstieg ist vorläufig unmöglich, da die Reparatur voraussichtlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird. Nach der „Franks. Ztg" ist das linke Vordersteuer, sowie das Gehänge am linken vorderen Propeller geknickt, die äußere Umhüllung und ein Gasballon zerrißen. Als das Luftschiff aus der Halle herausgeschoben war. sollte das neue, soeben von Zürich eingetroffene Motorschleppboot bas Fahrzeug seitlich von der Halle weg und auf den See hinaus« ziehen. Das Luftschiff wurde in einet falschen Richtung und zwar auf die Kante der Halle zu in Gang gebracht. Gleichzeitig kam ein seitlicher Windstoß, der das Schiff auf die Halle warf und die Zerstörungen anrichtete.
— Der Fall Bernhard. Die Nachricht der „Köln. Ztg." über die Beilegung des Zwistes wird jetzt bestätigt. Profeßor Schmollet soll bei dem Ausgleich mitgewirkt haben. Man erwartet, daß Bernhard im Sommersemester 1909 seine Lehrtätigkeit in Berlin wird aufnehmen können.
— Ein Weltwechselrecht. Dem im September in Prag zusammentretenden internationalen Handelskammerkongreß wird eine vom Kammergerichtsrat Dr. F. Meyer verfaßte Denkschrift übet das Problem eines Weltwechselrechts vorgelegt werden, in der die geltenden Wechselrechte miteinander verglichen und Vorschläge zu ihrer Vereinheitlichung gemacht werden. Inzwischen haben die Nettesten der Kaufmannschaft von Berlin, in deren Auftrag Dr. Meyer das Werk verfaßt hat, bereits den Reichskanzler ersucht, die Reichsregierung möge die Regierungen des Auslandes zu einer internationalen Konfernz
herum. Als et aufblickte, ging Sibylle an ihm vorüber und flüsterte ihm zu:
„Es ist gleich zehn Uhr."
Et neigte nur flüchtig den Kopf. Niemand als Senden hatte das beobachtet. In feinen Blick trat ein böses Leuchten und et ließ Sibylle nicht aus den Augen. Er sah, daß sie zu ihrem Manne herantrat, und daß dieser gleich darauf mit zornigem Blick herübersah zu ihm.
„Aha, jetzt soll ich wieder mit Rübenbau beschäftigt werden, mit scheint, die schöne Sibylle möchte mich ein wenig kalt stellen, um Wolf Gernrode mit ihrer Huld beglücken zu können. Diesmal werde ich schlauer sein," sagte et zu sich selbst.
Sibylle sprach indeßen mit ihrem Manne.
„Mir ist gar nicht wohl, Kurt, ich habe starkes Kopfweh und möchte mich ein Stündchen zutückziehen. Du sorgst wohl dafür, daß es nicht auffällt."
Romer sah sie besorgt an.
„Was fehlt Dir, Sibylle, Du wirst doch nicht krank?"
Sie sah ihn wie zögernd an.
„Ich habe mich geärgert, und Du weißt davon bekomme ich immer meine scheußlichen Kopfschmerzen."
„Worüber hast Du Dich geärgert?"
Sie sah wie unschlüssig auf ihre Fingerspitzen hinab.
„Ach — ich möchte es Dir gerne sagen, ich fürchte nur, Du wirst roieber jo aufgeregt. Willst, Du mir versprechen, ruhig und vernünftig zu fein, dann will ich es Dir anvertrauen."
»Ich verspreche es Dir." •
„Nun gut. Ich muß mich übet Senden bei
Dir beklagen."
Römer suchte diesen mit zornigem Blick.
(Forts^ung folgt)