Zeppelins Dauerfahrt.
Es liegen über die gestrige Dauerfahrt fol- fende Meldungen vor, die wir zum Teil gestern urch Extrablatt verbreiteten.
Friedrichshafen, 14. Juli. Dav Luftschiff wurde um 2 Uhr aus der Halle geholt und ist kurze Zeit danach aufgestiegen. Es hat zunächst die Richtung nach Konstanz eingeschlagen. Das rürttembergische Königvpaar ist in der Jacht »Kondwirarnur" erschienen, nachdem es Graf Zeppelin telegraphisch benachrichtigt hatte, daß der Aufstieg stattfinden werde. Kurz vor 3 Uhr hat Graf Zeppelin in der Richtung auf Stein am Rhein die Insel Reichenau passiert.
Friedrichshafen, 14. Juli. Bei frischem Südwinde verließ der Ballon des Grafen Zeppelin um 2 Uhr die Ballonhütte, u.nschärmt von zahlreichen Dampfbooten,Gondeln und Motorbooten. Der König war in der Jacht „Kondwiramur" zur Ballonhalle gekommen. Um 2 Uhr 15 Min. erfolgte der Aufstieg. Langsam bewegte sich der Ballon zuerst einige Minuten auf der Seefläche und stieg dann auf mit dem Kurse nach Konstanz, gefolgt von dem Drachenboote „Ena" und dem Sonderschiff „Königin Charlotte", auf welchem sich die Tochter des Grafen Zeppelin, dis Frau seines Neffen, sowie eingeladene Gäste, Offiziere, darunter Generalmajor v. Ruh, der Kommandeur der bayerischen Luftschifferabteil- ung, und Vertreter der Presie befanden. Um 2% Uhr schwebte der Ballon über Konstanz und umkreiste in großem Bogen die Rheinbrücke der Stadt, in zirka 200 Meter Höhe verschiedene Manöver ausführend. Er schlug die Richtung wieder nach Friedrichshafen ein Um 3 Uhr 2 Minuten ließ sich der Ballon auf der Höhe von Meersburg auf das Wasser nieder, um sich neuerdings stolz zu erheben. Auf der Höhe von Jm- rnenstadt fuhr er dem Ufer entlang bis zur Halle, wo er um 3 Uhr 45 Minuten einige Meter seewärts landete. Von der Dampfbarkasse „Buchhorn" in Schlepptau genommen, war der Ballon um 4 Uhr 15 Min. wieder in der Halle zurück.
Stuttgart, 14. Juli. Dem „Schwäb. Merkur" zufolge ist in Ulm durch Brieftauben folgende amtliche Nachricht vom Luftschiff des Grafen Zeppelin eingetroffen: „Westlich von Konstanz brach der Flügel des Wasserkühlers *m 2 Uhr 50 Min. Jetzt ist der Schaden vrovisorisch behoben, doch wurde Rückkehr beschlossen. Morgen wird die Dauerfahrt voraussichtlich wieder angetreten werden können. Graf Zeppelin. Aufgegeben im Ballon. 14 Juli."
Stuttgart, 14. Juli. Nach einem Telegramm aus Ueberlingen ist Graf Zeppelin umgekehrt. Diese Meldung wird bestätigt durch ein Telegramm aus Friedrichshafen, wonach das Luftschiff des Grafen Zeppelin kurz vor 4 Uhr wieder vor Friedrichshafen kreuzt.
Friedrichshafen, 14. Juli. Gegen 4 Uhr nachmittags traf Graf Zeppelin wieder in Manzell ein. An dem vorderen Motor war di« Kühlwasserschraube gebrochen. Der Schaden ist vorläufig behoben. Graf Zeppelin hofft morgen wieder aufzufteigen.
Ueber das militärische Luftschiff schreibt btc „Köln. Ztg.":
Berlin, 13. Juli. Die Erfolge, die sowohl das Riesenluftschiff des Grafen Zeppelin, als auch die kleineren Luftschiffe des Luftschiffer-
12 iNachdruck verboten.)
Liselottes Heirat.
Von H. Eourths-Mahler.
< Fortsetzung.)
Sollte das nun immer so weitergehen zwischen ihnen, konnte nichts ihren herben Trotz biechen? Aber war es denn nur Trotz, was sie in so kalter Abwehr verharren ließ? Hatte Sibylle nicht vielleicht teuflische Worte gebraucht, um das leichtgläubige Kind zu verwirren? Mußte er unbedingt darauf bestehen, daß sie das schmachvolle Wort zurücknahm, ehe er sich rechtfertigte? Sollte sie ihm wirklich die schänd- I'che Beleidigung zugefügt, ihm alles Vertrauen entzogen haben, nur weil er ihr verschwiegen hatte, daß es Sibylle war, die er geliebt hatte? Daz sie im Glauben war, er liebe Sibylle noch, glaubte er aus ihrem Verhalten entnehmen zu mugen. Aber durfte sie das glauben, all seinen Liebesworten zum Trotz, die er ihr gegeben, als ste noch seine Liselotte war, durste sie auf
Vermutung hin ihm eine so scheußliche Heuchelei zutrauen? Oder hatte Sibylle wohl- berechnend diesen Verdacht in ihm geweckt, schien die rabiate Frau nrcht selbst noch an seine Liebe zu glauben? War da der Grund zu suchen für Liselottes beleidigendes Verhalten ihm gegenüber. dann mußte er Mittel und Wege finden, ihr diesen Wahn zu nehmen.
Aber wo erhielt er Klarheit? Liselotte hüllte sich in eisiges Schweigen und würde ihm keine Auskunft geben. Er sann und sann, und endlich
Bataillons und des Majors v. Parseval bisher aufzuweisen hatten, lassen bereits erkennen, in welcher Weise die militärische Verwendung im Kriege stattfinden kann. Wenn der Zeppelin IV volle 24 Stunden mit Zwischenladungen in Fahrt bleiben kann, so besitzt er einen Aktionsradius, der allen kriegerischen Anforderungen entsprechen dürfte und dieses Luftschiff für die oberste Heeresleitung zuur Zwecke der strategischen Aufklärung besonders wertvoll erscheinen läßt. Während die Strategie bisher die Forderung aufstellte: Kavallerie weit voraus, wird sie in Zukunft lauten' Luftschiffe weit voraus! Denn es kann kaum noch einem Zweifel unterliegen, daß in absehbarer Zeit der Bau einer Flotille Zeppelinscher Luftschiffe zur Ausführung gelangen wird. Welche Erwartungen an dieses neueste Aufklärungsmittel mit vollem Recht geknüpft werden, geht aus den Aeußerungen des englischen Generals Baden- Powell, des Verteidigers von Mafeking, hervor, der, selbst Luftschiffer, ein fachmännisches Urteil abzugeben vermag; er hält die Sicherheit Großbritanniens als Jnselreich für gefährdet, wenn nton nicht sofort zum Bau einer Luftflotille von Dreadnoughts nach Zeppelinschem Muster geschritten wird. Der neueste Typ des Zeppelin wird also vorwiegend für die strategische Aufklärung von Nutzen sein, und diese gibt die Grundlage ab für alle auf die Kriegführung zu fassenden Beschlüsse; dieses Luftschiff wird also seine vornehmlichste Verwendung im Feldkriege finden. Aber auch im Festungskriege wird sein großer Aktionsradius von hohem Vorteil sein, wenn zwei weit voneinander gelegene und vom Feinde eingeschlossene feste Plätze in Verbindung nriteinander treten sollen. Die kleineren Luftschiffe, der Militärballon und der Parseval, werden aber im Feldkriege ebenfalls mit Nutzen zur Nahaufklärung vor und im Gefecht, also zu taktischen Zwecken zu verwenden sein .während dem starren Luftschiffs des Grafen Zeppelin die Fernaufklärung zu fallen wird. Den größten Vorteil werden die kleineren Luftschiffe jä>och im Festungskriege, namentlich für die Verteidigung, bringen, weil hierbei ein großer Aktionsradius nicht erfordert wird, und so weiden in erster Linie die Grenzfestungen mit solchen kleineren Luftschiffen auszurüsten sein, womit die Franzosen bereits den Anfang gemacht haben. Das deutsche Militärluftschiff hat nach seinem letzten Unfall die Versuchsfahrten mit Erfolg wieder ausgenommen, und es kann bereits jetzt als einwandfrei dargetan gelten, daß alle drei bei uns versuchten Systeme eine militärische Verwendung zulassen. Wird der Zeppelin Nr. IV nack Erfüllung der vcrgeschriebenen Bedingungen vom Deutschen Reich erworben, so wird sich auch eine Vermehrung der Luftschiffertruppen als unabweis- lich Herausstellen, denn mit dem einen jetzt vorhandenen Bataillon wird sich eine genügende Ausbildung des kriegsmäßig geschulten Personals nicht erreichen lassen. Somit liegt zur Zeit ein Teil der militärischen Zukunft tatsächlich in der Luft.
Ueber die Gründung eines Deutschen Luft- Flottenvereins erfährt die „Verl. Univ.-Korr." von gut unterrichteter Seite noch folgendes: Die Vorarbeiten zu der Vereinigung, die einen neuen politisch-praktischen Volksverein bilden soll, sind bereits im Gange. Die Tendenz des
schien er einen Ausweg gefunden zu haben. Er sah entschlossen vor sich hin und schritt energischer voran. So mußte es gehen.
Sibylle hatte die Teufelei ausgeführt, hatte ihm Liselotte entfremdet. Nur von ihr konnte die Lösung ausgehen, sie mußte ihm Rede und Antwort stehen und ihm beichten, was sie mit seinem jungen Weibe angefangen hatte. Nur wenn er volle Klarheit erlangt hatte, wüyde er wissen, ob Liselotte ihn mit einem Scheib des Rechtes Mitgiftjäger nennen durfte, ob sie wirklich Veranlassung haben konnte, ihm zu mißtrauen. Fand er heraus, daß Sibylle durch Entstellung der Tatsachen oder absichtliche Lügen in seiner Frau die Ueberzeugung geweckt hatte, daß sie das Opfer eines Mitgiftjägers geworden war, dann wollte er Liselotte seine Rechtfertigung aufzwingen, auch gegen ihren Willen, und wenn sie dann nicht ohne Zögern die Beleidigung zurücknahm, dann freilich konnte sie ihn nie mit der rechten Liebe geliebt haben, dann war es besser, er machte ein Ende und verließ Schönburg. Ein Leben wie das jetzige vermochte er nicht weiter zu führen, dazu liebte er seine Frau zu sehr.
Während all diese Erwägungen seine Gedanken beschäftigten, waren die jungen Leute zu Hause angelangt. Liselotte begab sich sofort in ihr Zimmer, und Wolf ging zu seinem Vater, der noch immer vom Rheumatismus geplagt war.
„Wie geht es Dir, Vater?"
„Danke, recht schlecht. Aber man wird das Zwicken mit der Zeit gewöhnt. Wenn man nur
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Vereins wird sowohl polltischer als auch wirtschaftlicher Natur sein. Politisch soll er die Agitation für Schaffung einet großen Reichs-Luft- ?flotte betreiben; wirtschaftlich will er selbst enkbare Luftschiffe erwerben und lenkbare Luftschiffe einrichten. Doch sind diese eigenen Luftschiffe im wesentlichen deshalb vorgesehen, um durch sie eine praktische Agitation zu betreiben und zugleich eine Luftflotte zu bilden, die dem Reich für den Kriegsfall zur Verfügung gestellt werden soll (nach der Art der als Hilfskreuzer gebauten Schnelldampfer der Handelsmarine) Die Vorbereitungen für die neue Organisation sind gegenwärtig so weit vorgeschritten, daß man schon in diesem Herbst zur endgültigen Gründung wird schreiten können. Das Vorbild für die Organisation wird nicht der „Deutsche Flottenverein", sondern der „Bund der Landwirte" bilden, der bekanntlich keine Protektoren hat und bei den Reichs- und Landtagswahlen seine Unterstützung davon abhängig macht, wie sich die Kandidaten zu seinen Forderungen stellen. Uebrigens wird sich die Propaganda nicht nur auf lenkbare Luftschiffe, sondern auch auf Flugmaschinen erstrecken.
Lettisches Mich.
— Die Krisis im Flottenverein. Der Vorsitzende des Landesverbandes für die Rheinprovinz hat in einer in Köln abgehaltenen Verbandsversammlung sein Amt niedergelegt. Die Versammlung bedauerte mit dem Ausdruck herzlichen Dankes das Ausscheiden des Vorsitzenden und nahm eine Erklärung an, in der das Festhalten an dem „alten Kurse" im Flottenverein ausgesprochen wurde. Der Vorstand der Geschäftsstelle Leipzig hat in seiner Sitzung vom 13. Juli eine Resolution gefaßt, in der es heißt: "Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß es für jeden, dem es am Herzen liegt, an den Zielen des Deutschen Flottenvereins mitzuarbeiten, gerade jetzt zur Pflicht wird, treu auszuharren und das Präsidium zu unterstützen, sind wir entschlossen, die Traditionen des Vereins hochzuhalten und wie bisher mit voller Unabhängigkeit für das große nationale Ziel: Die möglichst schnelle Verstärkung unserer Wehrmacht zur See, einzutreten." — Selbst General Keim erklärt es in der „Tägl. Rundschau" für „verfrüht, von einer Auflösung des Vereins zu sprechen. Formal trifft das jedenfalls noch nicht zu, denn auch die meisten Vorstände derjenigen Verbände, welche bis vor kurzem entschlossen schienen, den Verein aus den oben erörterten Gründen zu verlassen, haben davon Abstand genommen. Sie gehen wohl von der Ansicht aus, daß das neue Präsidium, an dessen Spitze jedenfalls ein vortrefflicher, willensstarket Mann steht in der Person des Herrn Großadmirals von Köster, gesonnen sei, den alten Kurs einzuhal- tee.. Das unterliegt auch für mich keinem Zweifel. Aber der Wille genügt hier nicht, da können nut Tatsachen helfen."
— Zum Fall Bernhard erfährt die „Köln. Ztg." anscheinend offiziös, daß der Kultusminister Bernhard wegen feines ohne jedes Vorwissen des Ministeriums an die philosophische Fakultät in Berlin gerichteten Schreibens ernsteste Vorhaltungen gemacht und ihm fein lebhaftes Befremden ausgesprochen hat. Zugleich hat der Minister Professor Bernhard mit«
nicht so still sitzen müßte, das ist ja scheußlich. Da bleibt einem so viel Zeit zum Erillenfangen, Es ist jetzt verdammt ung-mütlich in Schönburg. Weißt Du, was ich wünschte? Ich wünschte dieser Frau von Römer meinen Rheumatismus auf den Hals. Der wäre das sehr gut — und uns auch."
Wolf ging unruhig im Zimmer auf und ab und blieb dann vor feinem Vater stehen.
- „Es muß anders werden zwischen Liselotte und mir, und zwar bald. So geht es nicht weiter."
Der alte Herr nickte sehr energisch. „Ganz meine Meinung. Ihr reibt Euch beide auf in diesem Stadium, und mir ist auch gar nicht wohl dabei. Was willst Du aber tun, um Liselotte zur Raison zu bringen?"
„Ich muß mit Frau von Römer sprechen und sie zwingen, mir zu beichten, was sie Liselotte angetan hat."
„Sehr richtig. Das hättest Du längst tun sollen, gleich am Tage nach Eurem Zerwürfnis."
„Ich dachte ja nicht, daß dieser Zustand so lange anhalten würde und hoffte, Liselotte würde bald von selbst ihr Unrecht einsehen. Aber es kann nicht nur Trotz fein, was sie so herb und verschlossen macht, wie ich annahm, cs muß noch eine andere Teufelei dahinter stecken."
„Davon war ich gleich überzeugt. Wenn Du klug bist, wartest Du nun nicht länger mehr. Dir Aufklärung zu verschaffen."
„Nicht länger, als unbedingt notwendig ist.
„Ich muß natürlich Sibylle Römer allein sprechen, und ßeie tue ich da» nicht. Man weiß
geteilt, daß er Anstand nehmen müsse, fein ihn» vorgelegtes Entlassungsgesuch an allerhöchste» Stelle zur Vorlage zu bringen. Unter diesen Umständen hat Professor Bernhard den Kultusminister gebeten, ihm vom 1. Oktober d. I. ab einen sechsmonatigen Urlaub zu erteilen. De» Minister hat dieser Bitte Bernhards Folge gegeben. Die Berliner philosophische Fakultät ist entsprechend beschieden worden. — Das Blatt bemerkt dazu: Dieser Entscheidung des Kultusministers wird zugestimmt werden können. De» Schritt Bernhards, gegenüber seiner ministeriellen Ernennung zum Mttglied der Berliner philosophischen Fakultät die Entscheidung der dem Minister unterstellten Fakultät anzurufen, ist gewiß edeln Beweggründen zuzuschreiben, ober dem Wesen der Disziplin, die jeder im Staatsdienst Befindliche anzuerkennen hat, entspricht dieser Schritt nicht. Durch fein wohl nicht genügend überlegtes Vorgehen hat Bernhard den Minister, die Fakultät und sich selbst in eine Zwangslage gebracht. Die Fakultät hat dann, obwohl der Schritt des Ministers, wie wir schon früher auseinandergefetzt haben, formell gerechtfertigt ist, in der vermeintlichen Wahrung ihres Interesses gegen den sich ihr laudabiliter unterwerfenden Professor Bernhard entschieden. Der Minister hat nun, wie es für ihn nach Lage der Dinge im Interesse des Ansehens der höchsten Kultusbehörde gar nicht anders möglich war, der Fakultät gegenüber an feiner Entscheidung festgehalten und hat sich ge- t'jeigert, das Entlassungsgesuch Bernhards dem Kaffer vorzulegen und gleichzeitig Bernhard für seinen Verstoß gegen die Veamtendisziplm einen Verweis erteilt. Da außerdem an sich Bernhards wissenschaftliche Befähigung von der Berliner Fakultät nicht in Zweifel gezogen ist, da in der Erteilung eines längeren Urlaubs an Bernhard der Minister den gekränkten Gefühlen der Fakultät in gewisser Weise Rechnung getragen hat, und da für Professor Bernhard es auf diese Weise vermieden wird, alsbald rn der Fakultät tätig zu werden, die gegen ihn Stellung genommen hat, so wird die in so erregter Weis« verhandelte Angelegenheit nun wohl in das Stadium der allmählichen Ausgleichung der Gegensätze gelangt fein.
— Gebühren für eingeführtes Fleisch. Der Bundesrat hat, wie bereits gemeldet,, die Gebühren für die Untersuchung des in das Zoll- inland eingehenden Fleisches mit Geltung vom 1. August d. I. abgeändett. Nach den bisherigen Bestimmungen ist für die biologische oder chemische Untersuchung von zubereitetem Fleische auf das Vorhandensein von Pferdefleisch, wenn der Verdacht durch die Untersuchung bestätigt wird, eine Gebühr von M 0,15 für jedes Kilogramm der Sendung zu erheben. Unter der gleichen Bedingung soll nun 1. für die Untersuchung von Schinken in Postsendungen bis zu 3 Stück, von anderen Postsendungen zubereiteten Fleisches im Gewicht bis zu 2 Kilogramm, von Speck und von Därmen, sowie von solchen Sendungen, die nachweislich als Umzugsgut von Ansiedlern und Arbeitern eingeführt werdeil, desgleichen von frischem Fleische auf die Anwesenheit bestimmter Stoffe, 2. für die chemische Untersuchung von zubereitetem Fette bei Postsendungen und bei Warenproben im Gewichte bis zu 2 Kilogramm, ferner bei solchen Sendungen, die nachweislich als Umzugsgut von Ansiedlern
bei ihr nie, welche Tollheiten sie begeht. Aber es muß sein. Ich will mir in Ruhe überlegen, wie ich es am besten einrichten kann."
Als man bei Tische saß, kam ein Bote von Gernrode und brachte einen Brief für Wolf.
Liselotte sah angelegentlich auf ihren Teller, während Wolf den Brief eine Weile unschlüssig in der Hand drehte, ehe er ihn öffnete. Er erkannte Sibylles Handschrift. Als er das Kuvert geöffnet hatte, fand er darinnen eine Einladung zu einem am übernächsten Tage statt- finbenben Souper in Gernrode und einen Zettel folgenden Inhalts:
„Lieber Wolf! Ich muß Dich unter allen Umständen sprechen. Du mußt übermorgen un« bedingt kommen. Um 10 Uhr erwarte ich Dich in dem kleinen Salon neben dem Wintergarten. Sibylle."
Wolf las diesen Bttef mit Widerwillen. Unter anderen Umständen würde er ihn unberücksichtigt gelassen haben, aber jetzt kam ihm die Gelegenheit sehr zu statten. Da hatte er, war er brauchte, eine Unterredung ohne Zeugen mit Sibylle. Ohne langes Besinnen gab er dem Boten eine Zusage mit, und erst, als dieser abgefertigt war, reichte er seiner Frau die Einladungskarte über den Tisch hinüber.
„Ich habe zugesagt, es ist Dir doch recht?* fragte er ruhig, «ls fei es die einfachste Sache von der Welt.
'(Fortsetzung folgt.) :