MchM Beifang
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und dr« Beilagen: „Literarischer Ameiarr". „ßaudwirlschaftliche Beilage« «nd „JUustriertrs K-mttag-blatt«.
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessisch« e/, . Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen m
JWO 11)4- Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unser« Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Mittwoch, 15. Juli 1908.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeil, ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — ,Q n, r I Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätSbuchbruckerei «JGyTfl* Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 57.
Die Bagdadbahn.
Im Juni wurde in Konstantinopel von den Vertretern des Sultans auf der einen und denen der Bagdadbahngesellschaft und der Deutschen Bank auf der anderen Seite eine Konvention unterzeichnet, welche den Weiterbau der Bagdad- bahn um 840 Kilometer sicherstem. Bisher waren von der Bahn, die ganz Vorderasien durchqueren und Mesopotamien mit dem Bosporus verbinden soll, nur 200 Kilometer, nämlich die Strecke von der kleinaflatischen Stadt Konto, dem Endpunkte der anatolischen Eisenbahn, bis zu dem Flecken Vulgadu gebaut gewesen. Die neue Strecke soll zuerst das Oilajet Adana durchziehen, das Taurusgebirge auf einem Patz von beträchtlicher Höhe überschreiten, den Anschluß an die kleine Bahn Adano-Mer- fina und damit das Mittelländische Meer errei- ch-cn. Nach dem Eintritt in Syrien wird die neue Linie durch eine Zweigbahn mit Aleppo, der beinahe 200 000 Einwohner zählenden Hauptstadt des gleichnamigen Oilaje, verbunden. Von Aleppo nimmt bekanntlich das syrische Eisenbahnsystem seinen Anfang, das seinerseits wieder mit der sogenannten Hedschasbahn verbunden ist, die zu den heiligen Stätten des Islams führt und in einer Gesamtlänge von 2000 Kilometer mit türkischem Geld von türkischen Händen aus türkischer Initiative gebaut wird. Die Hauptlinie der Bagdadbahn führt dann «och Osten und endet einstweilen in Obermesopotamien bei dem Flecken El-Helif, 200 Kilometer vor Mossul. Es ist nun neun Jahre her, feit die anatolische Eisenbahngesellschaft eine Konzession zum Bau einer Eisenbahn nach Bagdad und dem Persischen Golf erhielt. An der Möglichkeit der Fortführung dieses Werkes ist lange gezweifelt worden. Man hat vielfach hinter der deutschen Finanzgruppe, die den Plan vertrat, politische Aspirationen des deutschen Reichs vermutet und daher vielfach seiner Verwirklichung Widerstand entgegengesetzt, der bei der Schwierigkeit, von der Türkei die notwendigen finanziellen Garantien für die Verzinsung des Anlagekapitals zu erhalten, während der ersten unrentablen Jahre eine Zeit lang nicht ohne Erfolg war. Indessen hat die deutsche Regierung wiederholt energisch betont, datz ihr alle politischen Gedanken fernliegen. Und eigentlich, wenn man die Dinge objektiv behandelt, hindert nichts, diesen Versicherungen Glauben zu schenken. Es handelt sich um ein hervorragendes Werk von weittragender zivilisatorischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Wenn die Dahn erst vollendet ist, werden immense Gebiete, welche heute, weil von jedem Verkehr abgeschlossen, gleichsam tot und erstarrt, dem Leben der Zivilisation und der arbeitenden Menschheit wiedergewonnen werden. Dem Handel aller Nationen wird dieses Werk in gleicher Weise zugute kommen. So ist denn auch telegraphischen Nachrichten zufolge die Kunde von dem Weiterbau von allen in Bagdad lebenden und wirken
den Europäern, von Engländern sogut wie von Deutschen, mit Jubel ausgenommen worden. Ein ebenso starkes Interesse wie der Handel hat die Zivilisation. Die Gegenden, welche die Bahn durchquert, sind heute schlecht verwaltet und wenig kultiviert. Die arabischen und kurdischen Stämme sind halbwild und die von jedem Verkehr abgeschnittenen Beamten und Militärposten des Sultans können ihnen gegenüber nicht viel ausrichten. Andererseits hat der Beamte für seine Willkürakte auf so isolierten Posten freies Spiel. Mit der Bahn wird das anders. Es ist ein alter Satz, datz Eisenbahnen die letzten Reformen sind.
Freilich wird es noch ein Jahrzehnt dauern, bis die Bahn Bagdad erreicht. Ob französisches Kapital sich wie bisher an dem Werk beteiligen wird, ist noch nicht sicher. Wenn nicht, so wird, wie nach den deutschen Aeutzerungen vollkommen sicher ist, die Bahn ganz mit deutschem Selbe gebaut werden.
Zeppelin und die Sozialdemokratie.
Als im letzten Jahre der Reichstag um Bewilligung einer nicht geringen Summe zur Unterstützung der Zeppelinschen Bestrebungen angegangen wurde, erhob sich auch ein Redner der Sozialdemokratie und stimmte namens seiner Partei der Forderung zu, indem er mit warmen Worten anerkannte, datz Zeppelin der Kultur und dem deutschen Namen Ehre mache.
Das war hübsch und es berührt um so angenehmer, als man solche Loyalität bei den Sozialdemokratie sonst leider eben nicht häufig findet. Nun hat Zeppelin einen großen Erfolg errungen und man sollte meinen, daß die Sozialdemokratie jetzt an dem allgemeinen Jubel über diesen Erfolg teilnehmen würde. Aber nein, der „Vorwärts" nörgelt: „Schon die Entwickelung des Automobilismus beweist ja, wie wenig eine an sich glorreiche Erfindung der Masse des Volkes zugute kommt. Von den Motoromni ussen und Motordroschken der Großstädte abgesehen, dient der Automobilismus heute noch fast ausschließlich dem Sport der Reichen, die ebensoviel Ueberflutz an freier Zeit haben, wie die frondende Masse Mangel daran. Das Automobil ist gewiß ein wunderbares Verkehrsmittel. Statt dem Schienenstrange folgen zu müssen, kann der sich seiner bedienende Tourist und Reisende seinen Weg durch die landschaftlich reizvollsten Gegenden nehmen, kann halten, wo er will, kann alle Annehmlichkeiten dieser neuen Touristik nach Herzenslust auskosten. Aber was hat die große Masse des Volkes von dem Automobilismus? Nichts als den Staub und den Venzingestank, den die häufig im tollwütigsten Tempo vorbeikutschie- rtnben oberen Zehntausende den auf Schusters Rappen wandernden Nichtbesttzenden zurücklassen!
Noch weniger wird die Erfindung Zeppelins und feiner Nachfolger dem Volke zugute kommen, solange das kapitalistischeSystei i die Herrschaft behauptet! Sie wird ein Mittel des Militarismus sein, sie wird bestenfalls ein Sport für die oberen Zehntausende werden! Das ar
beitende Volk wird aber nach wie vor die Vögel um ihre Schwingen beneiden können."
Die Sozialdemokratie hat sich also wieder auf sich selbst besonnen. Nur um Eotteswillen keine Stimmung der Freude und der Erhebung im Volke groß werden zu lassen! Denn das Gefühl der Freude und der Erhebung über das Alltägliche erzeugen die Zufriedenheit und die Zufriedenheit ist der Todfeind der sozialdemokratischen Agitatton.
Die größten Erfindungen des letzten Jahrhunderts find die Eisenbahnen, die Telegraphie, die Telephonie und nicht zuletzt die großen Erfindungen und Entdeckungen auf dem Gebiete der Medizin und der Hygiene. Alle diese großartigen Erfindungen kommen der Masse des Volkes genau so zugute wie den oberen Schichten.
Und das Zeppelinsche Luftschiff? Es soll nicht den Massen zugute kommen, sondern dem „Militarismus". Wenn wir durch das Zeppelinsche Luftschifi eine Ueberlegenheit über etwaige künftige Feinde erlangen sollten, so würden wir dadurch in die Lage gebracht werden, einen Krieg schneller, erfolgreicher und mit geringeren Opfern an Blut und Geld auf unserer Seite durchzuführen. Da unser Heer nun einmal ein Volksheer ist, so kommt jede Beschleunigung und Erleichterung der Kriegführung auch den breiten Massen des Volkes zugute.
So hat also auch das deutsche Volk vom Kaiser bis zum Geringsten hinab allen Anlaß, sich der Zeppelinschen Errungenschaft zu freuen. Daß neben diesem praktischen Werke auch das Ansehen des deutschen Namens gewinnt, hat zwar in einem Momente einer gewissen idealen Wallung der sozialdemokratischen Redner im Reichstage zugegeben, wir wollen aber dem „Vorwärts" mit diesem Argumente nicht kommen, denn darauf pfeift er.
x Deutsches Reich.
— Der Kaiser und der Sieg der deutschen Automobilindustrie. Wie die „Inf." erfährt, hat der Kaiser seiner Freude über den Sieg der deutschen Automobile, besonders der Mercedes- Automobil-Eesellschaft, die den ersten Platz besetzte, dadurch Ausdruck gegeben, daß er der Firma ein Glückwunschtelegramm übersandte. Darin spricht der Monarch seine Genugtuung darüber aus, daß die deutsche Motorwagenindustrie sich so hervorragend auf dem Rennen zu Dieppe bewährt hat.
— Dresden, 13. Juli. Der König von Sachsen, der Kronprinz und Prinz Friedrich Christian werden am Freitag den 17. Juli vormittags von hier nach Hamburg reifen, an Bord des Dampfers „Kronprinzessin Cäcilie" der Ham- burg-Amerika-Linie übernachten und am 18. Juli inkognito an Bord dieses Dampfers eine Nordlandreise nach Schweden usw. antreten.
— Born Reichsanzeiger. Der „Reichsanzeiger" veröffentlcht eine Bekanntmachung über die Einlösung der Zinsscheine und den Bezug neuer Zinsscheinbogen der preußischen Staats
anleihen und Reichsschuldverschreibungen. Weiter gibt der „Reichsanzeiger" die jetzige A» sammensetzung der Berufungskammer in 188» senehrengerichtssachen bekannt. Vorsitzender P Unterstaatssekretär im Reichsamt des Inner» Wermuth. — Dem „Reichsanzeiger" zufolge legt der Königliche Hof auf 5 Tage Trauer für di« Herzogin Johann Albrecht zu Mecklenburg an.
— Dampfersubvention auf Kosten bet Steuerzahler. Mit der Begründung, daß deutsch« und andere fremde Linien den Schiffsverkehr mit Ostafrika ganz an sich gerissen hätten, »et« langten mehrere Unionisten int englischen Unterhause die Bewilligung einer Subvention zu« Errichtung einer diretten englischen Dampfer» linie nach Britisch-Ostafrika. Den Antragstellern wurde vom Regierungstisch aus erwidert, daß eine solche Subvention sehr hoch sein müsse, und daß, wenn englische Waren auf deutschen Schiffen billiger befördert würden als auf den englischen Linien, die deutschen Steuerzahler die Kosten zu tragen hätten. Diese Antwort des englischen Regierungsvertteters trifft durchaus zu, denn wie bereits bei den Reichstagsverhandlungen über Dampfersubventionen festgestellk wurde, berechnet die Deutsche Ostafrikalinie nach den englischen und portugiesischen Häfen Ost« afrikas billigere Frachtsätze als nach den näheren deutschen Häfen, trotzdem die Linie eine Subvention von rund 1% Millionen Mark bezieht.
— Die Krisis im Flottenverein. Die Meldung vom Austritt der evangelischen Arbeitervereine bestätigt sich nicht; dagegen wird au« Darmstadt gemeldet, daß neun hessische und fünf nassauische Ortsgruppen des Flottenvereins sich gestern für Austritt aus dem Eesamtverbande ausgesprochen haben. — Der elsaß-loth» ringischeBerband sandte ein Huldigungstelegramm an den Kaiser und ein Glückwunschtelegramm an den Präsidenten Großadmiral von Köster. Dem früheren Protettor, dem Fürsten Hohenlohe, wurde das Ehrenpräsidium und dem Statthalter Graf Wedel das Protektorat angeboten. Der Verband stimmte der auf der Danziger Tagung angenommenen Resolution einstimmig zu. — Weiter wird gemeldet, daß der frühere Präsident Fürst Salm jetzt aus dem Flottenverein ausgetreten ist. Fürst Salm hat mit feinem Austritt wenigstens bis nach der Entscheidung der Prüft» bentenfrage gewartet.
— Die neue juristische Prüfungsordnnn» Die, wie schon erwähnt, am 1. August in Ärdj tretende Verfügung des Justizministers über dm juristischen Prüfungen behandelt die erst« juristische Prüfung. Es wird vorgeschrieben, dich Bei der schriftlichen Prüfung vier Arbeiten, d» von drei unter Aufsicht, anzufertigen find, di« Anfertigung der unter Aufsicht anzufertigende» Arbeiten wird besonders geregelt, es wird Nt stimmt, daß, wenn die vier schriftlichen Arbeite» den Anforderungen nicht genügen die Prüfnng nicht bestanden ist usw. Es ist jedoch auch w*
32 kRochLruck verboten.)
Liselottes Heirat.
Von H. Courths-Mahler.
l Fortsetzung.)
Liselotte hatte Sibylle soeben erblickt, die Wolf gefolgt war und langsam auf die beiden zukam. Liselotte glaubte, daß Sibylle und Wolf hier zusammentreffen wollten. Und sie hatte einen Moment alles vergessen können, hatte seinen Worten gelauscht wie einer Offenbarung. Wie sie sich schämte ihrer Schwachheit, wie sie sich selbst verachtete!
Sie schauerte zusammen.
„Mir ist kalt, ich will wieder hinein," sagte sie herb und schritt an ihm vorbei. Er biß sich auf die Lippen und sah ihr düster nach. Da erblickte er erst Sibylle und konnte sich nun Liselottes plötzliche Veränderung erklären. Liselotte war inzwischen in Sibylles Nähe gekommen. Als sie an ihr vorübergehen wollte, sagte diese leise zu ihr: „Sie brauchen mir nicht auszuweichen Was ich mit Wolf zu besprechen habe, kann ich auf ein andermal verschieben, wenn wir allein sind."
«-Flotte bewahrte ihr« Haltung, trotzdem Sibylles Worte sie wie ein Faustschtag trafen. War es nur möglich, daß ein Weib so schamlos und unverschämt sein konnte, um mit frecher Stirn sich auf ihr heimliches Einverständnis mit dem Gatten einer anderen zu berufen?
Liselotte sah groß und ernst in Sibylle« Augen und ging, ohne ein Wort zu erwidern an ihr vorbei.
Sibylle wich diesem Blick doch scheu au« und ging auf Wolf zu, während Liselotte sich hinein» begab in da« Restaurant.
Wolf sah der schönen Frau, die wie eine Fürstin daherschritt, finster entgegen.
Sie wollte ihn anreden, doch er unterbrach sie. „Da kommt Ihr Gatte und Herr von Senden."
Ein Gefühl, das mehr dem Haß als der Liebe glich, erfüllte ihr Herz. Sie war eben so sehr Meisterin in der Verstellung, daß sie ihrem Gatten und Senden heiter zurief:
„Schauen Sie hier hinab, meine Herrschaften, ein herrliches Panorama, nicht wahr?" 2
Senden trat dicht an sie heran, während Römer einen Blick hinabwarf.
„Ihr Anblick ist tausendmal schöner, süß« Sibylle, flüsterte er ihr zu, erschrak aber gleich, denn Römer wandte ihm plötzlich sein blasses, finsteres Gesicht zu, sah ihn durchbohrend an und führte seine Frau hinweg. Senden pfiff leise durch die Zähne und sah ihnen nach.
„Verdammt, ich war unvorsichtig. Wenn Römer meine Worte verstanden hat, kann es eine kleine Auseinandersetzung geben — seien wir auf alle Fälle gefaßt," sagte er zu sich selbst und schlendert« in den Burghof hinein.
Sibylle war viel zu sehr mit Wolf beschäftigt, als daß ihr ihres Mannes finstere Miene sonderlich zu denken gegeben hätte. Es wär ihr alles so belanglos, was nichst mit Wolf zu- sarnmenhing. Erst als Römer finster sagte: „3dj werde Herrn von Senden einmal gründlich meine Meinung sagen" — da sah sie ihn ärgerlich an.
„Du wirst doch nie vernünftig werden, Kurt."
„Senden hat Dich nie süße Sibylle zu nennen."
* et das getan? Ich habe wahrhaftig nicht hinachört. Senbee ist ein alberner Geck,
Du kannst ihm meinetwegen sagen, was Du willst."
„Das werde ich auch tun." ♦ *
Einige Tage gingen nach diesem Ausfluge dahin. Wolf und Liselotte waren während dieser Zeit noch kühler und fremder aneinander vorbeigeschritten, und es schien, als gäbe es keine Brücke mehr zwischen ihnen. Das Leben floß in breitem Strom zwischen ihnen dahin, und sie standen jedes an einem anderen Ufer, und so sehnsüchtig sie auch hinübersahen, heimlich, ganz verstohlen, sie konnten nicht zusammenkommen.
Dabei wurde Liselotte täglich bleicher. Mit großer Besorgnis ruhte Wolfs Blick auf dem geliebten Weibe, das sogar nicht mehr der frischen lustigen Liselotte glich. Sie schien gewachsen zu sein, und ihr Gesicht hatte einen eigenartigen Reiz bekommen. Das rosige Mädchenantlitz von einst hatte sich in ein feines, leidendes Frauengesicht verwandelt. Die großen, Braunen Augen sahen aus, als wenn auf ihrem Grunde Tränen schlummerten, und der feine rote Mund zuckte unruhig und nervös, sobald sie sich beobachtet glaubte.
Außer bei Tisch sahen sie sich gar nicht mehr.
Eines Morgens schritt Liselotte in den Park hinaus, um auf dem fest zugefrorenen Parkteich Schlittschuh zu laufen.
Sie liebte diesen Sport sehr und betrieb ihn jetzt sehr fleißig, weil sie ja nicht mehr ausritt.
Die flotte Bewegung in der Lust tat ihr sehr wohl. In weitem Bogen flog sie über die Eisfläche dahin, den Blick träumerisch vor sich hin gerichtet.
Sie mochte wohl ein halbes Stündlein gelaufen sein, als SBolf, von der Jagd nach Haus« rurückkehrend. am Teich vorüberkam. Er scch
seine Frau sofort und blieb lautlos stehen, m» ihr zuzusehen. Sie lief sehr elegant und graziös, Die frische Winterluft hatte ihre Wangen g«t rötet. .
Er konnte den Blick nicht von ihr losreiße» und rührte sich nicht von der Stelle. Sie bemerkte ihn garnicht und gab sich unbefangen dem Eislauf hin. Als sie müde wurde, fuhr sie z» einer Holzbank, die man am Teichrand aufge» stellt hatte, und wollte sich die Schlittschuhe ab» schnallen. Mit einigen weit ausholenden Schritten war er n ihrer Seite und kniete vor ih« nieder. ,
„Erlaube mir, daß ich Dir behilflich Bin." Sie erschrak und ließ es stumm geschehen, daß er ihren Fuß ergriff und den Schlittschuh löste. Er fühlte, wie ste zitterte.
„HaBe ich Dich erschreckt, Liselotte?"
„Ein wenig. Ich wußte nicht, daß jemand in der Nähe war."
„Verzeihe. Ich stand schon ein Weilchen und sah Dir zu, ich glauBte, Du habest mich gesehen."
„Nein."
Er hatte ihre Schlittschuhe gelöst und stand auf, die beiden zierlichen Dingerchen mit einem Riemen zusammenschnallend. Auch sie erhob sich und streckte die Hand danach aus.
Er behielt ste zurück.
„Du erlaubst wohl, daß ich sie Dir nach Haus« trage?"
Sie zog die Hand zurück und schritt voran. Er folgte ihr und blieb an ihrer Seit«. So schritten ste nebeneinander her, ohne zu sprechen. Er sah seitwärts auf ste herab. Sie trug den Kopf stolz und aufrecht und ihr Gesicht drückte herbste Abwehr aus. Er biß auf seinen Bart-! enden herum und hatte die Stirn finster zusam- menZezogen. ______________ kForft fnto i •