mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und de« Beilage«: „Aterarrschrr Aiyeissr", .Faudwirlschaftlrche Beilage" und „Illustriertes Kauutagsblatt".
Di« 3ns«rtion-gebühr beträgt für die ^gespaltene Zeil« oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — ,Q Druck und Berlag: Jvh. Aug. Koch, Unwersitätsbuchdruckerei »v« -uU^Tg« Inhaber Dr. <l. Hstzeroth, Marburg, Markt21. — Telephon 55.
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische
Zeitung* bei allen Postämtern und nnsern Zrituugsstellrn in SWÄWllVU
JiO 1(53 Kirchh ain und Wetter sowie bei unserer Expedition - Markt 21. _ ,
v _ Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. Ä Dienstag, 14. Juli 1908.
Bestellgeld), Bet unfern Zetrungsstellen und der Expedition 2 Mk.o*
Dentsches Reich,
— Des Kaisers Rordlandsreis«. Bergen, 11. Juli. Heute früh traf der erste Kurier an Bord ein. Seine Majestät verbrachte den Tag mit Arbeiten und hörte den Vortrag des Gesandten e. Treutier. Der gestrige Ausflug nach Skoeggr- dal wurde heute auf allerhöchsten Befehl von den an Bord befindlichen Beamten gemacht. Das Wetter fängt an sich zu trüben.
— Von der Kaiserin. Hemmelmark, 12. Juli. Die Segeljacht „Iduna" mit der Kaiserin an Bord lief gestern in die Eckernförder Bucht ein, wo Prinz Adalbert an Bord kam. Heute begab pch die Kaiserin nach dem Gottesdienst an Bord mit Prinz Joachim, Prinzessin Viktoria Luise »nd Umgebung im Automobil nach Hemmelmark zum Besuch des Prinzen und der Prinzessin Heinrich und von dort nach Schloß Grünholz zum Besuch der herzoglich holstein-glücksburgi- schen Familie. Heute Abend gedenkt die Kaiserin sich von Kiel nack Schloß Wilhelms- h ö h e zu begeben.
— Der Kaiser und die englische Flotte. Wie mitgeteilt wird, hat der Kaiser auf der Nordlandfahrt die englische Flotte passiert. Darüber werden der „Pall Mall Gazette" von einem Offizier der britischen Kanalflotte folgende Einzelheiten gemeldet: Als die britische Flotte am Dienstag Abend in der Bucht von Aalbaek an der dänischen Küste in der Nähe des Kap ßkagen vor Anker lag, wurde plötzlich die „Hohenzollern" in Begleitung eines Kreuzers rind eines Torpedojägers gesichtet. Lord Beresford gab sofort den Befehl, die Mastflagen zu hissen, und als. der Kaiser sich näherte, wurde er mit einemSalut von 21 Kanonenschüssen begrüßt, während die gesamte Mannschaft Paradeaufstellung genommen hatte. Die „Hohenzollern" dampfte zwischen den englischen Kriegsschiffen hindurch. Auf jedem Schiffe, bei dem der Kaiser vorbeifuhr, wurde die deutsche Nati'onal- hnmne gespielt und drei Cheers ausgebracht. Während der ganzen Zeit der Begegnung der beiden Geschwader blieb der Kaiser allein an der Oberbrücke und schritt dort von einer Seite zur andern, um für den Salut und die Cheers militärisch zu danken — Die Einwohner und Strandgäste des kleinen dänischen Badeortes Skagen wurden, wie der Kopenhagener Korrespondent des „Daily Mail" schreibt, durch das Salut- sckneßen der 72 britischen Kriegsschiffe in große Aufregung versetzt. Tausende von Fensterscheiben gingen durch den gewaltigen Luftdruck, den das Eeschützfeuer verursachte, in Trümmer. Kinder fingen an zu schreien und zu weinen, und die ungeheuren Rauchwolken, welche das riesige Geschwader ausstieß, versetzten auch die Erwachsenen in Angst und Schrecken. Niemand konnte sich erklären, was das Schießen der englischen Flotte in der nächsten Nähe der dänischen Küste zu bedeuten habe, und alle möglicher Gerüchte kamen in Umlauf. Erst durch ein Telegramm erfuhr man, daß es sich um ein bloßes Salut« schießen gehandelt habe, weil die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord an dem britischen Kanalgeschwader vorbeifuhr. (???)
— Fürst Bülow und Herr Ballin. Hamburg, 11, Juli. Zum Besuche des Generaldirektors Ballin beim Fürsten Bülow in Norderney wird von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß der Besuch ebenso rote in früheren Jahren durch eine vorn Reichskanzler ausgegebene Einladung veranlaßt wurde und mit den Angelegenheiten der Hamburg Amerika-Linie ein keinem Zusammen- hand steht.
— Dernburgs Reis«. Kapstadt, 11. Juli. (Auf deutsch-atlantischem Kabel.) Der Staatssekretär Dernburg ist mit Begleitung wohlbehalten in Upington eingetroffen.
— Adelsverleihungen. Der erbliche Adel wurde dem Geh. Kommerzienrat Heinrich Stein zu Köln verliehen. Außerdem wurde auch noch dem Besitzer des Fideikommisses der Familie Rautenstrauch in Köln und dem Bankier Wilhelm Theodor Damian Deichmann in Köln der erbliche Adel verliehen.
— Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz, wodurch § 35 Absatz der Gewerbeordnung auf den Handel mit lebenden Vögeln ausgedehnt wird; ferner eine Verordnung betreffend die Gerichtsbarkeit der deutschen Konsuln in Aegypten, eine Bekanntmachung betreffend gesundheitsschädliche und täuschende Zusätze zu Fleisch und dessen Zubereitungen eine Bekanntmachung betreffend das Gesetz über Schlachtvieh und Fleischbeschau vom 3. Juni 1900.
— Ein Unfall in der deutschen Marine. Kiel, 11 Juli. Bei den Manövern in Aussönföhrde tarnte der kleine Kreuzer „Lübeck" gegen den holländischen Schoner „Skandinavia". Der Schoner wurde schwer beschädigt, jedoch von zwei herbeigerufenen Dampfern über Wasser gehalten und in die Werft geschleppt. Ein Mann der Besatzung des Schoners ist ertrunken.
— Wege« Beleidigung des Offizierkorps. Berlin, 11. Juli. Der Redakteur der „Tribüne", Dr. Rudolf Lautenbach, wurde von der Ersten Strafkammer des Landgerichts I wegen Beleidigung des preußischen Offizierkorps, die in einem Artikel bet „Tribüne" mit der Überschrift „Ein Hauptmann als Mörder" im Anschluß an die Allensteinet Tragödie gefunden wird, zu 600 Geldstrafe eventuell zu 60 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr Gefängnis. Der Strafantrag war vom preußischen Kriegsminister von Einem gestellt worden.
— Vom Schulstreik. Wie der „Deutsche Bote" mitteilt, wurden die im Wreschenet Schulstreik gesammelten Gelder nicht dazu verwandt, um Entschädigungen an die Eltern für erlittene Schulstrafen zu zahlen, sondern flössen als Aufmunterungsgelder direkt in die Hände der Schulmädchen, die sich dafür möglichst intensiv an den Krawallen zu beteiligen hatten. Der „Deutsche Bote" erinnert gleichzeitig daran, daß das Geld größtenteils aus ausländischen, namentlich englischen Quellen floß. Wir müssen dem „Deutschen Boten "die Verantwortung für seine Mitteilungen überlassen.
— Deutschland und die Türkei. London, 11. Juli. Unter der Ueberschrift „Deutscher Einfluß in China" veröffentlicht die „Morning-Post" ein Telegramm aus Peking, in dem es heißt: Der deutsche Gesandte hat dem chinesischen Auswärtigen Amte mitgeteilt, daß alle in China woh-
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Don H. Courths-Mahler.
l Fortsetzung.)
Eine feierliche Stimmung, rote Sonntags« friede, lag über der Natur. Etwas von dem erhabenen Frieden, der sie rings umgab, übertrug sich auf Liselotte. Sie atmete tief die klare Winterluft ein und lehnte sich wohlig zurück. Wolf wandte sich ihr oft zu.
„Bist Du warm eingehüllt, Liselotte?" fragt« er das eine Mal.
..Ich danke, sehr warm," antwortete st«.
Nach einer Weile fragte er wieder:
„Sitzest Du bequem?"
„Ja."
Dann eine lange Paus«, bis er sagte: »Fahre ich zu schnell?" ~
„Nein."
Und dann wieder:
ich den Waldweg nehmen ovkr über die S3te|en fahren?" .
(J.cäjBrud verboten.),
Liselottes Heirat.
„Wie Du willst, mir ist beides gleich."
R*Wkailenr ftb.fich /arge Brocken zu und hät- ten sich doch so vrel, so unendlich viel zu sagen gehabt. Aber sie fanden sich nicht heraus aus de" Netz, oas «ybille über sie geworfen hatte.
Wolf dachte mit Unbehagen daran daß Romers auch kommen würden. Welche neu« Unannehmlichkeit würde ihm Sibylle heute wieder bereiten? Daß ste den Wunsch nicht aufgab, ihn zurückzuerobern, wußte er nun, und Wange Liselotte in ihrem stummen Trotz ver- harrte, war er machtlos, ihr und sich sewft »elfen.;
Er seufzte unwillkürlich tief auf. Liselotte hörte es.
Wem galt dieser Seufzer? Flog er in ungestümer Sehnsucht dem Schlitten voraus zu jener Frau, die er so liebte, daß er alles um sie vergaß? Oder galt er dem Umstande, daß er seine Liebe vor der Welt verstecken mußte?
Sie sah starr und mutlos in die verschneite Pracht des Waldes und wünschte sich sehnlichst ihre Herzensruhe zurück.
Am Rendezvousplatze fanden sie schon eine Anzahl Schlitten versammelt, und in kurzen Pausen kamen die fehlenden herzu. Es herrschte ein fröhliches Treiben. Scherzend und lachend wurden die Säumigen begrüßt.
Dann ging es in langem Zuge weiter. In einer guten Stunde hatte man Eisenach erreicht, und von dort ging es ohne Aufenthalt den Berg hinan bis vor die Wartburg.
Im Wartburg-Restaurant waren schon am Tage vorher warme Zimmer und ein gute« Mittagessen bestellt worden. Man fand alle« aufs beste besorgt und begab sich in heiterster, ausgelassenster Stimmung zu Tisch, nachdem man sich durchwärmt und ein wenig zurecht gemacht hatte.
Sibylle war in etwas nervös-lustiger Stimmung. Sie sprühte gleichsam vor Lebensfreude und bezauberte durch ihre geistvolle Liebenswürdigkeit den ganzen Kreis — nut den Mann nicht, den ste bezaubern rooltte, und nicht die Frau, der ste das größte Leid ihres Lebens zugefügt hatte. Liselotte saß so. daß sie die verstohlenen Blicke sehr wohl vemerken konnte, die Sibylle Wolf zuwarf. Ob er dieselben erwiderte, konnte ste nicht sehen, da Wolf an ihrer Seite saß. —- ~
«enden Türken, die früher unter französischem Schutz gestanden, von nun an von der deutsechn Regierung geschützt würden.
— Born Flottenverein. Der Kreisverein Mühlheim a. d. Ruhr fordert in einem Rundschreiben zum Austritt aus dem Flotten- verein auf, da nach der Ablehnung des Fürsten Salm keine Garantien gegiert feiert, daß in dem alten Kurs des General Keim fortgefahren werde. — Diese Haltung wird nicht von allen Anhängern les alten Kurses gebilligt. Am Freitag waren in Weimar eine Reihe von Führern solcher Verbände des Deutschen Flottenvereins versammelt, welche der Richtung des alten Kurses angehören, daunter der Thüringer Verband, der Landesverband von Hessen-Darmstadt, von Hessen-Nassau, Frankfurt a. M., Oldenburg, Braunschweig und der Rheinlande. Man nahm nach längeren Verhandlungen folgende Erklärung an: „Die Versammlung gewann mit Rücksicht auf das Rundschreiben des Präsidiums vom 9. ds. und die jüngsten Vorgänge, die zur llebernahme des Präsidiums durch Exzellenz v. Köster geführt haben, die Ueberzeugung, daß das neue Präsidium als Richtschnur für die Weiterarbeit des Vereins die Danziger Resolution ansieht und damit entschlossen ist, den alten Kurs beizube- halten. Die Versammlung ist daher der Ansicht, daß der Flottenverein zusammengehalten werden muß, und gibt der Zuversicht Ausdruck, daß keine weiteren Austritte der Gesinnungsgenossen erfolgen." Aus den Verhandlungen sei weiter erwähnt, daß mehrfach der Entrüstung und dem Mißtrauen gegen die Führer des bayrischen Landesverbandes Ausdruck gegeben wurde. Man kann die Haltung dieser Führer, die vor allem den Verein erhalten wollen, nur billigen.
— Lausanne. Der Senat der Universität Lausanne sprach den Wunsch aus, der Staatstat des Kantons Waadt möchte die deutschen Professoren der Rechtswissenschaft Kuhlenberg und von Bleuten verabschieden. Was wird das preußische Kultusministerium zu dieser Provokation sagen?
— Vom Reichsverficherungsamt. Die „Nordd. Allg. Zeitung" schreibt: Während der Zeit der Eerichtsferien wird die Spruchtätigkeit des Reichsverstcherungsamtes wie in ftüheren Jahren eingeschränkt werden. Vom 15 Juli bis zum 15. September werden in Erledigung der besonders eilbedürftigen Sachen sowohl in llnfall- roie in Jnvalidenversicherungsstreitigkeiten wöchentlich mehrere Sitzungen stattfinden. Auf die Fristen zur Einlegung des Reichsmittels des Rekurses und der Revision — ein Monat von der Zustellung des Schiedgerichtsurteils an gerechnet — hat diese Ferienordnung keinen Einfluß.
— Ein Nachspiel zum Eulenburg-Prozeß? München, 11. Juli. Wie verlautet, find Vorerhebungen gegen Hofrat Kistler in München wegen angeblicher Verleitung des int Eulenburg- Prozeß vernommenen Jakob Ernst zu der Aussage, daß zwischen ihm und dem Fürsten (Eulen«
Von neuem stieg heißer, brennender Schmerz in ihr empor, und eine grenzenlose Bitterkeit erfüllte ihre Seele. War es nicht schmachvoll daß sie dies alles mit wissenden Augen mitansehen mußte, daß sie nicht Waffen hatte gegen das grausame Geschick! Wie lange sollte sie dies entsetzliche Leben noch ertragen? Konnte sie nicht ein Ende machen, so oder so?
Es war eine Qual für sie, bei der Tafel aus« zuharren bis zum Schluß. Rur mit Mühe vermochte sie sich unbefangen zu geben, und es fiel ihr entsetzlich schwer, in der fröhlichen Stimmung nicht aufzufallen. Sobald die Mahlzeit zu Ende war, erhob sie sich und ging hinaus. Draußen nahm sie ihren Pelz um und schritt über den festgetretenen Schnee bis zum Vorplatz der Burg.
Liselotte lehnte sich an einen Baum und schaute in die Weite. Die Lust war klar und rein und wehrte den Fernblick nicht. Die junge Frau suchte mit ihren Augen Schönburg, aber «« legte sich plötzlich wie ein Schleier über ihre Augen, und sie vermochte nichts mehr zu sehen, weil Tränen ihren Blick verdunkelten. Da vernahm sie Schritte hinter sich, und als ste sich erschreckt umwandte, stand Wolf vor ihr.
Er sah ihre feuchten Augen.
Sie faßte sich schnell und blickte wie gleichgültig wieder vckn ihm fort.
„Liselotte, weißt Du noch, wie wir beide das erste Mal nebeneinander auf dieser selben Stelle standen? Du warst damals noch» ein Kind, und ich hatte vor kurzem mein Gerntode verloren.
»Ich weiß!" sagte sie rauh und abwehrend. 7 Cr trat näher zu ihr heran.
bürg nichts vorgefallen sei, eingeleitet worlea. Es sei festgestellt worden, daß Hofrat Kistler nach bei - Harden-Städtler-Prozeß von Eulenburg nach Schloß Liebenberg gerufen wurde.
Ausland.
* * Die Holländer auf Sumatra. Haag, 11. Juli. Amtlich wird gemeldet, daß bei einem gestern stattgehabten Angriff auf das Lager bei Mangopoh in Niederpadang ein Offizier getötet und acht eingeborene Soldaten schwer verwundet wurden, während die Angreifer zwei Tote hatten. In Oberpadang ist die Ordnung wieder hergestellt.
* * Die Verstaatlichung der französische« Westbahn. Die Kammer hat nach kurzer Debatte den Gesetzentwurf betr. den Rückkauf der West, bahn in der Fassung des Senats angenommen.
* * Belohnt. Paris, 12. Juli. General Ly- autey erhielt das Eroßoffizierkreuz und General d'Amade das Kommandeurkreuz der Ehrenlegion.
* * Marokko. Paris, 12. Juli. Aus Fez wird gemeldet, es erhält sich das Gerücht, daß Mulay Hafid entweder nach Rabat oder nach Marrakesch marschieren wird. Von Rabat kommt heute die Nachricht, daß Abdul Afis um 10 Uhr morgens mit dem Wachsen nach Tmara, einem südlich von Rabat gelegenen Ort abgereift ist. Sein Ziel ist Marrakesch. — Madrid, 12. Juli. Der „Liberal" gibt unter Vorbehalt Erzählungen von Reisenden, die aus Tanger in Cahix eintrafen, wieder, wonach es in Tetuan zwischen der spanischen Polizei und einem Kabylenstamm der Umgegend zu einem Zusammenstoß kam und der spanische Kreuzer „Princesa Asturias" Truppen mit Maschinengewehren landete.
* * Jndochina. Paris, 12. Juli. Einer Blättermeldung zufolge wird die ^Regierung infolge der Ereignisse in Tonting im Lauf des Juli 3000 Mann Reserven und bis zum Ende des Jahres 5000 Mann Verstärkung nach Jndochina senden.
* * Amerika. Washington, 11. Juli. Der Kreuzer „Albany" hat den Befehl erhalten, am Montag von Panama nach Amapala und Honduras zu fahren, um die dortigen amerikanischen Interessen zu schützen. Revolutionäre sollen in der Nachbarschaft von Amapalas tätig fein.
* * Die Lage in Persien. Teheran, 11. Juli. Der Minister des Aeußern sprach dem diplomatischen Vertreter Großbritanniens heute Vormittag offiziell das Bedauern des Schahs darüber aus, daß die englische Gesandtschaft nach den Ereignissen vom 23. Juni unter militärische Bewachung gestellt war. Der Schah erließ gestern eine Verfügung, in welcher eine gerechte Verwaltung und die Einsetzung von Gerichtshöfen zugesagt wird. — Täbris, 11. Juli. Die Bazare sind an einigen Stellen wieder geöffnet. Der russische Generalkonsul besuchte gestern Rakhim Khan und riet ihm, sich aller Repressionen zu enthalten. Der Stadthauptmann fuhr in der
„Du sagtest damals etwas zu mir, was ich nie wieder vergessen konnte. Es klang so tröstend für mich und schien für einen Kindermund und Kindersinn sehr gereift. Weißt Du die Worte noch?"
,Wein, das liegt ja um Jahre zurück."
„Aber ich habe es trotzdem behalten. Ich stand hier und schaute traurig nach Gernrode hinüber. Da sagtest Du, Sie müssen nicht traurig fein, Wolf. Wenn Eernrod für Sie auch verloren ging, irgendwo in der Welt liegt auch ein Glück für Sie bereit. Sie müssen es nur suchen und fassen." ।
Seine Stimme klang so innig und weich. Ihr Herz wurde weit, als sie an jenen schönen Tag zurückdachte. Sie wußte jetzt, schon damals hatte sich ihr junges Herz diesem Manne zuge- neigt in unverstandener Liebe. Sie krampfte die Hände zusammen und schloß in stummer Pein einen Moment die Augen.
„Liselotte — warum quälst Du Dich und mich!" rief er im Uebermaß der Empfindung, unfähig, jetzt ruhig und kühl zu bleiben.
Sie wandte sich nach ihm um. Einen Moment ruhte ihr Auge in selbstvergessener Sehnsucht in den seinen. Sein Herz stockte, er streckt« die Hände nach ihr aus und wollte rufe«: „Nimm das unselige Wort zurück das uit» trennt, damit ich alle Mißverständnisse zwischen uns forttäumen kann."
Ehe er jedoch sprechen konnte, sah er, wie sich Lieselottes Gesicht mit einem Schlage veränderte. Es wurde wieder hart und kalt, und ihr« Augen schweiften mit finsterem Ausdruck flw seine Schultern,