mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Zweites Blatt.
Die deutschen und die englischen Arbeiter.
Das englische Handelsamt hat unlängst eine Untersuchung über die wirtschaftliche Lage der dortigen im Vergleich zu der der deutschen Arbeiter veröffentlicht. Der Zweck dieser Veröffentlichung konnte naturgemäß nur der sein, den englischen Arbeitern zu zeigen, daß ihre Lage wesentlich besser sei als die der deutschen Arbeitskollegen. Wie nun aber „Genosse" Kairoer ausführt, fällt an dem Ergebnisse dieser, mit großen Bedenken aufzunehmenden Vergleichsmethode, nicht die Feststellung auf, daß die wirtschaftliche Lage des englischen Arbeiters günstiger ist, als die des deutschen, sondern vielmehr der Umstand, daß der Abstand, der zwischen der Lage der beiden Länder eingetreten ist, sich wesentlich verringert hat. „Noch vor zehn Jahren war, so schreibt Calwer, dieser Abstand ganz erheblich größer, wie sich auf Grund früherer Vergleiche ergibt. Das ist eben das Erfreulichste an der Entwicklung von Deutschlands Volkswirtschaft, daß sich seit etwa 1895 eine wirtschaftliche Hebung der Arbeiterbcvölkerung vollzogen hat, wie in keinem anderen Lande, mit dem Deutschland um die industrielle Suprematie kämpft, zu verzeichnen war. Wohl stellt sich der amerikanische und der englische Arbeiter noch besser als der deutsche, aber einen erheblichen Teil des noch vor dreizehn Jahren bestehenden Vorsprungs hat der deutsche Arbeiter eingeholt. Wenn diese Beobachtung nunmehr durch Untersuchungen des englischen Handelsamtes bestätigt wird, so hat man nicht den geringsten Anlaß, dieses Resultat mit Unbehagen aufzunehmen, sondern man hat sich über die Erfolge zu freuen, die die deutsche Arbeiterbevölkerung seit 1895 erreicht hat, und die zu weiterem ernsten Streben anspornen." Diese Darstellung ist bedeut- lam; aber leider wird sie den Arbeitern von der sozialdemokratischen Presse vorenthalten. Di« Arbeiterschaft soll eben in dem Glauben erhalten bleiben, sie verelende unter der heutigen Ordnung immer mehr, während gerade das Gegenteil der Fall ist. Aber Calwer übersteht bei seiner Feststellung noch immer ein wesentliches Moment: die Verbesserung der Lage der deutschen Arbeiter durch die Sozialreform. Die englischen und die amerikanischen Arbeiter mögen, was die Höhe der Löhne anlangt, noch immer besser gestellt sein als die deutschen Kameraden; aber hinsichtlich des Schutzes gegen Unfall, Krankheit, Altersgebrechen usw. stehen die ersteren gegen die letzteren ganz bedeutend zurück. Bei der Betrachtung der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter in den verschiedenen Ländern wrrd also stets für Deutschland auch die Sozial- refcrm mit in Rechnung zu ziehen sein, so daß, wenn man das Endresultat feststellt, das Ergebnis nur dieses fein kann, daß der Vorsprung der englischen und amerikanischen Arbeiter von den deutschen nicht nur zu einem erheblichen Teile, sondern völlig eingeholt, ja vielleicht sogar überholt ist.
Triilsthes Reich.
— Der Besuch der deutschen Universitäten im Sommer 1908. An den 21 Universitäten des Reiches befinden sich in diesem Sommer 47 799 Studierende, darunter 376 weiblichen Geschlechts; einschließlich von 4220 Eastzuhörern (2453 männlichen und 1767 weiblichen) beträgt die Zahl der zum Besuch von Universitätsvorlesungen Berechtigten in diesem Halbjahr 52 019 gegen 52124 im letzten Winter und 50 899 im Sommersemester 1907. Die Steigerung der Zahl der immatrikulierten Universitätsbesucher hat auch in der letzten Zeit angehalten. Ihre Zunahme beträgt gegen den letzten Winter 1328 und gegen das Vorjahr 1144. Vergleicht man die Studentenzahlen weiter zurückliegender Jahre (1902 36 100, 1895/96 29 000, 1877 17 534 und zur Zeit der Reichsgrllndung etwa 13 000) mit den neuesten, so zeigt sich deutlich der enorme Aufschwung des Universitätsstudiums in Deutschland während der letzten Dezennien, zu dem die Bevölkerungsvermehrung bei weitem nicht im gleichen Verhältnis steht. Von der heutigen Gesamtstudentenzahl sind 23 335 an den 10 preußischen Universitäten eingeschrieben, gegen 23 803 im letzten Winter und 22882 im Sommer des Vorjahres; an den drei bayerischen befinden sich 8670 gegen 8383 und 8482, an den zwei badischen 4644 gegen 3490 und 4405 und an den übrigen sechs einzelstaatlichen Univerptäten (einschließlich der reichsländischen) 11150 gegen 10 795 und 10 886. Dem im Sommer erheblich stärkeren Besuch der süddeutschen, besonders der badischen Universitäten steht demnach eine Abnahme der Frequenz der norddeutschen und einzelner mitteldeutschen gegenüber. Den heutigen Vesuchszahlen der einzelnen Universitäten stellen wir, um die Entwicklung einzelner Hochschulen und die binnen Jahresfrist eingetretenen Verschiebungen darzustellen, die entsprechenden Zahler des vorjährigen Sommerhalbjahres gegenüber: Wie im Winter steht die Universität Berlin an der Spitze mit 6527 Studierenden gegen 6496 im Vorjahr, dann folgen München mit 6276 (6009), Leipzig mit 4100 (4148), Bonn mit 3447 (3348), Freiburg mit 2608 (2472), Halle mit 2230 (2192), Breslau mit 2052 (2075), Heidelberg mit 2036 (1933), Göttingen mit 2014 (2004), Marburg mit 1924 (1883), Tübingen mit 1783 (1727), Straßburg mit 1702 (1622), Münster mit 1694 (1552), Jena mit 1622 (1501), Kiel mit 1426 (1278), Würzburg mit 1322 (1408), Gießen mit 1213 (1192), Königsberg mit 1135 (1084), Erlangen mit 1072 (1065), Greifswald mit 886 (970) und zuletzt Rostock mit 730 (696). Demnach ist neuestens in der Reihenfolge der Universitäten nach der Besucherzahl Heidelberg von der 9. auf die 8. Stufe gestiegen, indem es Göttingen verdrängte, und Kiel, das bisher die 16. Stufe inne hatte, erreichte die 15. Stelle und überholte Würzburg, das jetzt an der 16. Stelle steht. In dem Zufluß zu den einzelnen Studienfächern haben sich in diesem Sommer gegenüber dem vorjährigen Sommersemester bemerkenswerte Aenderungen ergeben: Ganz erheblich (wie schon seit einigen Semestern) ist die Zahl der Mediziner und Zahnärzte in die Höhe gegangen, die der ersteren stieg von 7484 auf 8282, die der letzteren von 868 auf 979; die
Philosophen, Philologen und Historiker weisen ebenfalls eine weitere Vermehrung auf, ihre Zahl beträgt jetzt 12277 gegen 11713 Im Vorjahre; die Mathematiker und Naturwissenschaftler, die in den letzten Jahren immer einen ziemlich gleichen Stand zeigten, vermehrten ebenfalls ihre Zahl, die jetzt 6710 gegen 6342 vor einem Jahre beträgt. Den relativ stärksten Rückgang weisen die Pharmazeuten auf, die 1503 gegenüber 1679 im Vorjahre zählen; bei den Juristen ist der schon vor einigen Semestern hervorgetretene Stillstand nun einem Rückgang gewichen, ihre Zahl ging von 12177 im Vorjahre auf 11760 zurück; auch die katholischen Theologen erlitten eine Einbuße, sie zählen 1785 gegen 1866 im Vorjahre; evangelische Theologie studieren 2321 gegen 2319, Forstwissenschaft 1'09 gegen 140 und Tierheilkunde (in Gießen) 116 gegen 113.
— Die Fusion der „National-Zeikung" mit der »Post", die am 1. Juli begonnen hat, wird sicherem Vernehmen einer Korrespondenz nach zum 1. Oktober weiter fortgesetzt werden. Während heute die verschiedenen Teile der beiden Blätter noch von verschiedenen Redakteuren gezeichnet werden, ist zum 1. Oktober dem Redaktionsstab der „National-Zeitung", mit einziger Ausnahme des innerpolitischen Redakteurs, gekündigt worden , so daß die Selbstständigkeit des genannten Blattes sich künftig auf den innerpolitischen Teil beschränken wird.
— Zum Eulenburgprozeß schreibet, die „Berl. Pol. Nachr.": Daß jetzt während des Kriminalprozesses gegen den Fürsten Eulenburg in der Presse mancherlei ihn gravierende Dinge zur Sprache gebracht werden, die mit der Anklage nicht im mindesten zusammenhängen, wohl aber geeignet, vielleicht auch bestimmt sind, die Geschworenen gegen den Angeklagten einzunehmen, ist nicht blos vom menschlichen, sondern auch vom juristischen Standpunkte aus durchaus verwerflich. Der Vorsitzende des Schwurgerichts- Hofes hat sich denn auch veranlaßt gesehen, die Geschworenen zu ermahnen, sich nicht durch solche Mitteilungen, sondern allein durch Len Inhalt und den Gang der Schwurgerichtsverhandlungen in ihrem Urteile bestimmen zu lassen. Man begnügt sich aber jetzt nicht mehr damit, Vor- S der bezeichneten Art ans Tageslicht zu „en, man versucht auch, längst vergangene Vorfälle, die andere Personen betreffen, aus das Schuldkonto des Fürsten Eulenburg zu bringen. So wird er in der Presse als der Urheber ober Teilnehmer eine« Zusammenstoßes auf der Uni- versitüt Bonn bezeichnet, der sich vor langen Jahren zutrug und bet dem ein französischer Koch ums Leben kam. An jenem Vorgänge war allerdings ein Graf Eulenburg beteiligt. Das aber war gar nicht der jetzige Fürst, sondern der jüngste Bruder de» Oberhofmarschalls und des früheren Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg, Bernd Eulenburg, der früh als Verlobter der Tochter des Fürsten Bismarck gestorben ist. Hier haben also die Preßorgane, die jetzt so eifrig bestrebt sind, Steine auf den Fürsten Eulenburg zu werfen, in der Annayme daß der wirkliche Vorgang inzwischen vergessen sein möchte, sich geradezu einer Fälschung zu Ungunsten des Fürsten Eulenburg schuldig gemacht.
— Ausländische Arbeite, in der deutschen Industrie. Das Vorstandsmitglied des Berg
baulichen Vereins in Essen, Reg.-Assessor Dl Bodenstein, machte aus der Arbeitsnachweiskonferenz, die die Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände auf den 27. Juni nach Berlin berufen hatte, folgende Mitteilungen über die Beschäftigung ausländischer Arbeiter in der deutschen Industrie: In Preußen waren im Jahre 1906 etwa 240 000 ausländische Arbeiter in der Landwirtschaft und 360 000 in der Industrie beschäftigt. Davon waren 210 000 ausländische Polen, 90 000 Italiener, 80000 Holländer und 30 000 andere Ausländer. Im Ruhrkohlenbezirk waren 285 000 Reichsdeutsche, 91,7 v. H., und 25 000 Ausländer, 28,2 v. H., beschäftigt; von diesen entfiel der größte Prozentsatz, 5,44, auf Oester- reich-Ungarn. Seit 1902 hat die Zahl der ausländischen Arbeiter ständig zugenommen. Wie der Berichterstatter ausführte, ist die Zulassung ausländischer Arbeiter eine bittere Notwendigkeit, da für Kanal-, Chausseebauren usw. heimische Arbeiter kaum noch zu haben sind. Wegen der mit dieser Einwanderung sremdrasfi- ger Arbeiter verbundenen politischen Gefahr hat die preußische Regierung die Beschäftigung russisch-polnischer und galizischer Arbeiter in der Industrie verboten und seit dem 1. Februar b. I. den Legitimationszwang für die aus Rußland, Oesterreich-Ungarn und den Bslkanlän- dern'kommenden Arbeiter angeordnet. — - ........
Ausland»
** Ein neuer Dreibund. In letzter Zeit konnte man hier und da von einer deutsch- türkischen Allianz lesen. Jetzt ergreift das englische Blatt „Daily Graphit" zu diesem Thema das Wort und bezeichnet die Gerüchte als interessant und keineswegs ernster Erwägung unwert. Das Blatt hält ein solches Bündnis augenblicklich nicht für wahrscheinlich, bezeichnet es indes als eine Möglichkeit, mit bet bie europäischen Staatsmänner zu rechnen hätten. Mit keinem anderen Lande unterhalte die Türkei so ausnehmend freundliche Beziehungen, wie mit dem Deutschen Reiche. Mit der weiteren Entwicklung der Hilfsquellen der asiatischen Türkei einerseits und der deutsche» Seemacht andererseits würde ein Bündnis zwischen Deutschland, Oesterreich und der Türkei wohl als selbstverständlich folgen, und daß eine solche Verbindung weit mächtiger wäre als der heutige Dreibund, sei nicht schwer nachzuweisen. Es sei ein Irrtum, zu glauben, daß der „Kranke Mann" hoffnungslos fei, im Gegenteil hätten kundige Beobachter, die die Türkei in den letzten Jahren besucht hätten, ganz anderes zu berichten. Der Osmane fei so zäh wie nur je und zeige neuerdings Merkmale einer gesunden Lebenskraft. Jedenfalls sei man in Deutschland dieser Ansicht, und die Deutschen seien zu kluge Leute, um ihr Geld in einem Staate anzulegen, der in einem Augenblicke auseinanderfallen könnte, wo sie außerstande wären, ihn zu stützen. In nicht sehr ferner Zeit könnte die Türkei als Verbündeter der Pflege wert erscheinen und als Glied einer Verbindung, die sich von de. Ostsee bis zum Persischen Golf erstrecke, könnte ihr Einfluß auf die Weltpolitik und das Weltgleichgewicht überraschend wirken.
LS
-Nachdruck verboten.)
Liselottes Heirat.
Von H. Courths-Mahler.
< Fortsetzung.)
Wolf hatte sofort zugestimmt, als sie den Wunsch aussprach, nach Langenau zu fahren, und fein Vater begleitete das junge Paar.
Liselotte wußte, das Sibylle zugegen fein würde. Es war ihr ein peinlicher Gedanke, mit rhr zufammentreffen zu müssen, aber sie sah ein, bafj dies auf die Dauer doch nicht zu vermeiden fein würde. Sie nahm sich vor, Sibylle ruhig und kühl gegenüberzutreten uno sich nichts an- merken zu lassen. Dazu war sie viel zu stolz. Ihre Rrvalin sollte nicht wissen, wie tief sie ge- bemütigt war, wie unsagbar sie litt.
Auch Wolf dachte daran, daß et Sibylle be- gegnen mußte Ein heißer Ingrimm packte ihn, er sich sagte, daß er vielleicht gezwungen fein mußte, mit ihr zu reden, ohne ihr sagen zu bürgen, rote verächtlich sie ihm war.
trat?« me*,T ®aten too”. anroefenb, als sie ein« t bet allgemeinen Begrüßung fiel es "ich! auf. daß Liselotte Frau von Röstier nur mit einem stolzen Neigen bes Hauptes bearüsite unb auch Wolf sich nur stumm vor ihr verneigte Nur Senden, der neben Sibylle stand, bemertte «s und machte sich seinen Vers daraus.
Sibylles Augen wichen denen bet jungen vrau doch etn wenig scheu aus, aber um so kühner flammten sie in Wolfs.
"rötete, weil er sich unb Sybille von Ätfelotte beobachtet wusste. Aergerlich übet sich
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Sibylle ging davon unb sah sich nach Wolf um. Et stand mit dem jüngsten Fräulein von Langenau in einer Fensternische unb schaute nach Liselotte hinüber, die am Flügel saß und spielte. Et konnte gerade ihr süßes, trauriges Gesichtchen sehen. Sie glaubte sich unbeobachtet und hatte für einen Augenblick seine stolze Maske abgelegt. Sein Herz euitterte bei Anblick. In diesem Augenblick trat Sibylle zu ihm heran. Sie wandte sich an Fräulein pon ^augena», _ I
selbst, fühlte er, wie ihm das Blut ins Gesicht schoß, und Liselotte fühlte bei dieser Wahrnehmung einen brennenden Schmerz. Wie mußte er, der Ruhige, Beherrschte, diese Frau lieben, daß ihr Anblick allein genügte, um ihn zu erregen. Sie wandte sich ab unb ging mit der ältesten Tochter Langenaus davon. Besser, sie sah gar nicht mehr hin nach den beiden.
Sibylle suchte in Wolfs Nähe zu bleiben und hoffte, einen Augenblick allein mit ihm sprechen zu können, aber Senden wich nicht von ihrer Seite. Sie war sehr ärgerlich auf ihren getreuen Anbeter und trat zu ihrem Manne.
„Liebster Kurt — ich möchte ja um alles gern Deine Bitte erfüllen und den guten Senden ein bißchen kurz halten. Er versteht es absolut nicht und läuft immer neben mit her. Kannst Du ihn nicht ein wenig festhalten?"
Römer, der schon wieder einen leichten Eifersuchtsanfall hatte, war durch ihre Worte sehr erfreut. Er stürzte sich auf sein Opfer unb verwickelte den armen Senben in eine lang« atmige Unterhaltung über Rübenbau unb ähnliche amüsante Sachen.
dieselbe wiederholen, als plötzlich Wolfs Vater neben den beiden stand.
„Gnädige Frau, ich glaube, Ihr Gatte verlangt nach Ihnen. Darf ich bitten?“ Er reichte ihr mit einer Miene den Arm, die keine Weigerung zuließ. Sie legte mit ärgerlichem Gesicht ihre Fingerspitzen daraus und ging neben ihm durch den Saal.
„Wo ist mein Mann?"
„Ich glaube, im Spielzimmer."
„Sie glauben? Ich denke, Sie wollen mich zu ihm führen."
„Jedenfalls wollte ich Sie verhindern, sich länger mit meinem Sohn zu isolieren. Meine Schwiegertochter möchte den Anblick falsch ver» stehen," sagte et streng.
Sibylle biß sich auf die Lippen.
Fatal, Liselotte hatte scheinbar dem alten Hern gegenüber geplaudert. Man würde also Wolf nun von zwei Seiten bewachen. Sie warf den Kopf zurück.
„Ich verstehe Sie nicht, Herr von Gernrode."
„Um so besser für Sie. Jedenfalls wird es Ihnen aber interessant fein zu erfahren, daß ich von jetzt an übet meinen Sohn wachen weide, damit feine Frau keinen Grund hat, sich zu kränken."
Sie spielte nervös mit ihrem Armband. Seine Wotte beftärften sie in ihrem Wahn.
„Sie tun recht daran, Herr ‘ on Gernrode. Ihr Sohn wird Ihnen natürlich seht dankbar für Ihre Mühe fein. Doch da sehe ich meine» Mann, Sie entschuldigen mich."
Er oerneigte sich stumm unb sie ging z» ihrem Mann hinüber, der Senben bi« jetzt fest» gehalten hatte (Forts, folgt) '
„Siebes, gnädiges Fräulein, würden Sie die große Güte haben, mit ein ©las Wasser zu verschaffen."
„Gern, gnädige Frau, ich bringe es Ihnen sofort selbst."
Die junge Dame eilte davon, unb Sybille hatte ihre Absicht erreicht.
„Bist Du mit seht böse, liebet Wolf?"
Et sah sie zornig an.
,/Lassen Sie mich endlich zufrieden," tief er heftig, fast grob.
„Wolf, komm doch ein einziges Mal nach Gernrode, ich habe Dir so viel zu sagen. Nur ein einziges Mal."
Wolf ließ Liselotte nicht aus den Augen; wenn sie hetübetsah, was sollte sie davon denken, daß et mit Sibylle so allein stand.
Und als hätte sie bemerkt, wie scharf et sie beobachtete, sah sie seitwärts zu ihm hinüber und erblickte die beiden zusammen. Sibylles Hand lag auf seinem Arm, und ihre Augen hafteten voll heißet Bitte auf seinem Gesicht.
Wolf hätte Sibylle wie ein giftiges Gewürm fortschleudern mögen, als er merkte, wie Liselotte zusammenzuckte unb einige falsche Töne griff. Sie faßte sich zwar schnell roieber unb spielte ruhig weiter, aber sie war sehr blaß geworden, und ihre Stirn war wie im Schmerz zusammengezogen.
Eine grenzenlose Wut packte ibn. Et biß die Zähne zusammen, um die Herrschaft über sich nicht zu verlieren. Sibylle, die Liselotte gar nicht bemerkte, glaubte seine Erregung ander« deuten zu müssen. Gewiß, er kämpfte gegen den Wunsch, ihre Bitte zu erfülle«. Eben wollte ft»