mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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’Vlaihtvv.ä verboten )
(Fortsetzung folgt.)
Der heutigen Auflage für den Kreis Kirchhain liegt Kreisblatt Nr. 55 a bei.
Deutsches Reich.
— Der Bundesrat hat beschlossen, daß die vom Papste an Gemeinden im deutschen Zollgebiet stammen oder nicht, aus Billigkeitsrück- sichten zollfrei gelassen werden dürfen. Der preußische Finanzminister hat eine entsprechende Verfügung an die Zollbehörden erlassen.
— Graf Zeppelin «nd der Kriegsminister. Durch die Presse ging in den letzten Tagen die Darstellung eines Zwischenfalls bei dem Aufstieg des Zeppelinschen Luftschiffes, dem Kriegsminister v. Einem beiwohnte. Der Minister sollte sich dem Grafen gegenüber wenig freundlich benommen haben. Damit wurden denn auch die Worte des Kaisertelegramms: „Ich halte Ihnen vor wie nach die Stange" in Verbindung gebracht. Graf Zeppelin erläßt jetzt folgende öffentliche Erklärung: „Grundlos ist selbstverständlich vor allem die Anschuldigung, Herr von Einem habe von mir das Ausfahren während des herrschenden starken Sturmes gefordert. Einem Manne aber, der, wie Seine Exzellenz, durch sein Vertrauen zu meinem Vorgehen mir die Lotterie in Preußen verschaffte
Die Humanität im Dienste der Revolution.
Die „Bossische Zeitung" hat in ihrer Sonn- Ivgsnummer mit der Veröffentlichung eines bulgarischen Geheimberichts begonnen, der ebenso interessarrt als überraschend ist und den naiven Leuten, die mit der humanitären Phrase für die Befreiung der christlichen Mazedonier vom türkischen Joch kämpfen, vielleicht die trüben Augen öffnen wird. Der Bericht soll aus der Feder eines toten bulgarischen Beamten stammen, der Mazedonien im Auftrag seiner Regierung bereist und über seine Eindrücke nach Sofia berichtet hat. An der Authentizität wird man bei der Lektüre schwerlich zweifeln können. Der Bericht bringt sehr detaillierte Angaben über die Aufstandsorganisationen, äußerst interessante und aktuelle Erörterungen über das Verhältnis der bulgarischen Regierung zu den revolutionären Komitees, über die Rolle, die diese Aufstandsorganisationen tatsächlich spielen und eigentlich spielen sollen. Das interessanteste aber sind die eigentümlichen Schlaglichter, die dieser Bericht auf den gegenwärtigen Stand der mazedonischen Frage, d. h. auf die zu erwartenden Reformvorschläge Rußlands und Englands wirft. Welcher Zusammenhang besteht zwischen den geheimen Absichten der Bulgaren auf Reoo- kutionisierung Mazedoniens und den russischenglischen Vorschlägen zur Reformierung und Pazifikation Mazedoniens? Wo man einen Gegensatz vermutet, ist man erstaunt, einen Zusammenhang zu finden: seltsamerweise konnten nämlich einzelne Maßregeln, die in dem bulgarischen Geheimbericht als sehr nützlich für den Aufstand und zur Unterstützung der Bandenbewegung bezeichnet werden, in dem englischen Reformprogramm vom März, bezw. in der russischen Antwort für die Riederkämpfung der Banden empfohlen werden. In dem bulgarischen Bericht heißt es an einer Stelle, die ohne jeden Kommentar deutlich genug ist: Alsdann mußte sich die Aufmerksamkeit der Revolutionskomitees auf einen , besonders wichtigen Punkt richten, nämlich: die Banden in unauffälliger Weise i unter Anwendung des Miliz-Systems zu ergänzen. Wenn es gelänge, in jedem Dorfe zehn bis zwanzig Männer zu bewaffnen, würden die Banden als solche überhaupt überflüssig werden, und die revolutionäre Bewegung hätte eine Form angenommen, die der allgemeinen Sympathie sicher wäre: denn alsdann würde sie nicht mehr als von den Banden des Fürstentums ins I Leben gerufen gelten, sondern ganz Europa I würde seben, daß sie aus dem Willen der Einwohner Mazedoniens entspringt. Es müßte nicht I geduldet werden, daß sich Banden im Fürsten- I tum Bulgckrien bilden und dann über die Grenze I liehen: denn da die Bildung nicht heimlich vor I sich gehen kann, wird sie überall als eine Feind- I se^gkeit Bulgariens gegen die Türkei aufgefaßt. I Daher müssen Mitglieder und Führer der Banden aus der betreffenden Ortsbevölkerung ge- I nommen werden. Höchstens dürften, wenn es I tüchtige und erfahrene Leute sind, die Führer aus dem Fürstentum genommen werden. I
Damit bringe man nun folgendes zusammen' I In ihrer Antwort auf das englische Märzpro
gramm hat die russische Regierung eine Vermehrung der sogenannten Dorfwächter als bestes Mittel, um die verbrecherische Tätigkeit der Banden zu hindern, in Vorschlag gebracht. In jedem Dorfe sollen einige Wächter aus der Dorfbevölkerung ausgewählt und bewaffnet werden. Diese Wächter sollen die Einwohner des Dorfes vor den Verbrechen der Banden schützen. Diese Dorfwächter sind genau dasselbe, was die eben zitierte Stelle des bulgarischen Berichtes eine unauffällige Ergänzung der Banden unter Anwendung des Miliz-Systems nennt. Eine Bewaffnung von 10 bis 20 Männern in jedem Dorfe, d. h. eine Einrichtung von Dorfwächtern, wie Rußland sie vorschlägt, würde die Banden, wie der Bericht meint, ersetzen. Man wird es nach diesem Bericht nunmehr begreiflich finden, daß die bulgarische Regierung speziell diesem Punkte des russischen Reformprogramms mit soviel Begeisterung zugestimmt hat. Aber nicht nur die bulgarische Regierung hat das getan: seltsamerweise hat auch das liberale Kabinett von St. James, die englische Regierung, diesem russischen Vorschlag der Einrichtung von Dorfwächtern sofort und mit Eifer zugestimmt. Da muß man sich denn doch an den Kopf greifen und verwundert fragen: Unterstützt man in England mit dem Anspruch, im Interesse der Zivilisation, des Friedens, der Humanität zu sprechen, wissentlich oder unwissentlich Mordstiftung, Brand, kurzum die Revolufton? Ist die von den Balkankomitees in London organisierte Sugoestion so mächttg?
Wird Europa ehrlich genug sein, die humanitären Phrasen, mit denen diese Art russisch- englischer Reformvorschläge eingerahmt sein werden, mit einem homerischen Gelächter zu beantworten.
Was wir hier aus dem Bericht herausgegriffen haben, ist nur ein Beispiel einer seltsamen I Uebereinstimmung, dem sich auch andere anreihen ließen. Diese Uebereinsttmmungen reden eine deutliche Sprache: ob man diese Sprache wenigstens in London verstehen wird? Man schlage vor, was man will, aber man sei wenigstens geschmackvoll genug, die Humanität aus dem Spiel zu lassen.
Liselottes Heirat.
Von H. Eourths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Einige Unruhe breitete ihr Sendens Bericht freilich. Sie hätte schon längst brennend gern erfahren, wie es in Schönburg ausfah aber es fand sich bisher keine Gelegenheit. Manchmal war sie schon im Begriff gewesen, einfach unverfroren einen Besuch bei Liselotte zu machen und die Szene am Hochzeitstage vollständig zu ignorieren. Aber dann war ihr doch einiger- magen unbehaglich bei diesem Gedanken gewor-
und sie hatte es aufgegeben. Es war besser, ^ urartete ab, b,s man sich erst einmal am drit-
«^"gesehen hatte. Da konnte man guter ,“"fÄ™leil """""" "nb
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Run endlich würde sie sich mit eigenen Augen überzeugen können, wie ihr Angriff auf Liselottes Eheglück gewirkt hatte.
Rur schwer vermochte sie sich von ihren Ge- vanken abzuwenden und auf Sendens Plauderei mnzugehen. Dieser merkte sehr wohl, daß Sibylle nur halb auf ihn hörte, und wußte auch,
wo ihre Gedanken weilten. Weit entfernt davon, sich dadurch abkühlen zu lassen, entfachte das seine Leidenschaft für die schöne Frau noch mehr. Es reizte ihn jetzt doppelt, ihre Gunst zu erobern, und er gab es durchaus nicht auf, sich darum zu bemühen.
Römer beteiligte sich nur wenig am Gespräch, aber er beobachtete desto schärfer. Es entging ihm kein Blick, kein Lächeln, das zwischen Senden und seiner Frau gewechselt wurde, und seine Eifersucht bekam dadurch neue Nahrung. Senden wurde schließlich doch etwas unbehaglich zu Mute, als sich Römer gar nicht bequemte, ihn auf einige Minuten wenigstens mit Sibylle allein zu lassen. Er beschloß, aufzubrechen und seinen Besuch zu gelegener Zeit zu wiederholen.
Als er gegangen war, ging Römer schweigsam, mit finsterem Gesicht im Zimmer auf und ab.
Sibylle achtete erst gar nicht darauf,- weil ihre Gedanken nach Schönburg schweiften, aber dann fiel ihr sein Benehmen auf.
„Willst Du Dich nicht niedersetzen, Kurt? Dein ruheloses Herumlaufen macht mich ganz nervös."
Er fetzte sich dicht neben sie auf einen Sessel und sah sie ernst an.
Eie stopfte sich noch ein Kissen unter den Arm und legte sich bequemer zurück. Als er sie noch immer stumm betrachtete, sagte ste verwundert:
Sibylle faltete die Hände graziös hinter dem Kopf zusammen und dehnte sich wie ein Kätz- chen Mit halbgeschlossenen Augen blinzelte sie zu ihm hinüber und sagte leise, wie traumbe» fangen:
und dadurch allein mein Unterneh, I müssen wieder erscheinen. Ernst tritt dem Für» men vor dem Untergange rettete, sten näher und sagt in friedlichem Tone zu ihm: der stets die größte Unparteilichkeit zwischen den I »Herr Fürst, es nutzt uns doch nichts mehr, wir | drei deutschen Luftschiffsystemen zu üben bestrebt haben es gemacht und müssen auch die Wahrwar, der sich noch in jüngster Zeit mit außer, sagen. Verloren sind wir zwei ja nun doch
ordentlichem Ueberzeugungsmut in vornehmster der Welt." Darauf wird Ernst entlassen.
Gesinnung unter dem Beifall des ganzen deut- t en*^6en^terJt?tter meIbet dazu: Wegen scheu Volkes hohe Verdienste um die Aufrecht- feÄ’Ä J?taIe£es, %
Xlni r f°Wn 3Rö"ne vergebeich den Zeugen Ernst in zu Herzen gehender, väter- es von ganzem Herzen, wenn er tn mit den Ta- licher Weise, die reine Wahrheit zu sagen und gen und stunden wachsendem Unmut über das forderte ihn schließlich auf, bei Gott dem All- Ferngehaltensein von seinem verantwortungs- I mächtigen und Allwissenden dem Fürsten ins vollen Amt, ohne den Zweck seines Verweilens I Gesicht M sagen, daß alles wahr fei. Ernst bei mir erfüllt zu sehen, und kaum erholt von I f"?^:, „Bei Gott dem Allmächtigen, Durchlaucht, Erkrankung, in Erregung geriet, dis ihm für I dös könnens nit leugnen, daß wir zwoa dös greinen Augenblick die ruhige Beurteilung der 3lchts net wabr, Durchlaucht?"
teb« um*” M-n», ten. Elfte
— Vom Grafen Zeppelin. Friedrichshafen, I — Der diesjährige Parteitag der Sozial» 7. Juli. In Anwesenheit des Grafen Zeppelin I demokratie findet in Nürnberg statt. Die stiegen heute nachmittag die Rundballons der I Sitzungen finden in dem Lokal Herkules Velo- süddeutschen Luftschiffvereine auf, gefüllt mit I drom in der Woche vom 13. bis 20. September Gas des Zeppelinschen Luftschiffes. Den Rund- statt.
ballon des Münchener Vereins führte Prinz I ,
Georg von Bayern. Der Straßburger Ballon "
unternimmt heute eine Nachtfahrt. — In Kon- | (SlUeilblllt}.
^"te abend Zeppelin ein Fackelzug | Die „Dresdener Reuest. Nachr." veröffent- dargebracht. Stuttgart, 7. Juli. Der „Schw. I lichen folgenden Brief des Fürsten von Dohna, Merkur meldet: Die bürgerlichen Kollegien I Vizeoberjägermeister des Kaisers, an Fürst haben den Grafen Zeppelin zum Ehrenbürger I Eulenburg über die Piersonangele'genheit: Stuttgarts ernannt. I . Berlin, den 18. Dezember 1901.
- Dernburgs Reise. Kapstadt, 7. Juki. Geehrter Fili»
Staatssekretär Dernburg hat Rhodesia verlassen Es scheint mir Pflicht, Dir über den Verlauf und wird sich morgen über Pneska in das Da- I der Angelegenheit zu berichten, welche der Ee- maraland begeben. I genstand unseres letzten Briefwechsels war. Wie
Auszeichnung. Rom, 7. Juli. Der Papst I ®u weißt, geht meine Auffassung von Freundeshat dem Direttor des Norddeutschen Lloyd, Karl I pachten sehr weit und rechne ich in erster Linie v. Helmolt, wegen dessen Verdienste um die See- I absolute Wahrhaftigkeit gegenseitig für die vor- reisen der katholischen Geistlichen und Missio- ^hmste dieser Pflichten. - Jedenfalls weißt nare, das Komturkreuz des Sylvesterordens ver- Höchberg) sämtliche
I liehen. I (beamte der königlichen Generaftntendantur
I Sim" ie" Xrt?“ wlrt'Tte te'SJ «?"• I Äme’ Smfirnji'Ä
I berichtet. Die Sitzung begann mit der Vernehm- I General Hülsen-Haeseler herrüßrenb und Dir I FischersJa?ob^Ernll"Ä^^^"^b^6en, des I gegenüber in Rominten gefallen mitgeteilt hast, Wrs 3«°6 Ernst der den Vorsitzenden um gemacht hätten. (Diese oder vielmehr einia«
seine Vernehmung gebeten hat, da er herzlei- Beamte sollten doch zu Hülsen-Haekler 3t
baben, daß sie die Bücher so führkn mußten, wi!
n wahrend dieser Zeit I sie es nicht verantworten könnten) Nachdem
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* - "> »ÄÄÄ Liebster Kurt -schon wieder einmal eifer- U-ßen wenn man sie nchtig fassen konnte!
süchtig, eifersüchtig auf Senden. Verzeihe aber , »3hr bildet euch immer ein, die Frauen z« das ist wirklich zum Lachen, ich kann mir nicht .'nien ihr klugen Männer: dabei kennt ihr helfen." w Nicht einmal eure eigene, die vielleicht am
Er blieb ernst. Sein unbedeutendes Gesicht I wenigsten!"
wit der fahlen Hautfarbe und den etwas kurz- I r.fVA’ f*e zärtlich auf den Mund. Sie sichftgen, matten Augen rötete sich ein wenig. I .5 bte ^Nssen und ließ es geschehen, trotzdem
„Vergib, wenn ich Dir mit meiner Eifer- ,te 7« am liebsten von sich gestoßen hätte. Er sticht lästig falle. Lächerlich ist mir gar nicht zu '^9 'ltne" Sessel dicht zu ihr heran und behielt Mute. Senden macht Dir sehr entschieden und I ^re Hand tn der seinen, sie wieder und wieder sehr auffällig den Hof, das ist viel mehr als ttn bXe fiJpl,en führend.
landläufige Galanterie einer schönen Frau qe- „,,.Zch fürchtete, Senden sei Dir nicht gleich» genuber. Senden ist als Don Juan bekannt ?"ltig. Sibylle. Daß Du Dich im Winter hier und auf die Dauer vermag keine Frau ihm zu I tn Gernrode vergräbst und so gar kein Verlan« widerstehen." | 9en hast nach Bällen, Theater und Konzerten.
das «egt doch sonst nicht in Deiner Art. De» halb glaubte ich, Senden hielte Dich hier."