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Raten Sie, gnädigste Frau, wo ich heute morgen einen Besuch gemacht habe?"

In Sibylles Augen blitzte es auf. Sie wußte sofort, wo, und brannte vor Neugier, Nähere» zu hören. Sie neckte sich mit ihrem Hündchen und sagte leichthin: ;

wie einig« Kilometer entfernt 800 Nkann, welche die Nachhut bilden. Am 1. Juli gingen von Casablanca 14 Wagen mit Artillerie- und 3 mit Infanterie-Munition, ferner zahlreiche Ambulanzwagen, von Legionären begleitet, ab. Auf Befehl des französischen Konsuls in Maza- gan zogen am 1. Juli, morgens 3 Uhr, 60 ma­rokkanische Polizisten unter dem französischen Instrukteur Sciard nach Azemmur zur Ver­fügung d'A m ab es, womit von feiten der Franzosen die angeblich unter Panik st e h e n d e Bevölkerung jeglichen Schutzes be­raubt wurde. Nachmittags trafen in Mazagan zwei französische Stabsoffiziere mit Begleit­mannschaften zu Verhandlungen mit dem fran­zösischen Konsul und dem Gouverneur ein."

Dieser Bericht läßt nur allzu deutlich er­kennen, daß es sich um eit en wohl vorbereiteten Schlag gegen Muley Hafid handelte; die direkte Aufforderung des Generals an die Stadt, sich Abdul Asis zu unterwerfen, verträgt sich in keiner Weise und ebensowenig mit den Ver­sicherungen Pichons, in den marokkanischen Thronstreitigkeiten sich neutral zu verhalten, wie das Ueberschreiten des den Franzosen zustehen­den Gebietes mit der Algecirasakte. Das Vor­gehen d'Amades ist freilich gleich von der fran­zösischen Regierung gemißbilligt worden und die Stimmen der Franzosen, die fürchten, daß Frankreich mit dieser Methode in Marokko Bo­den zu gewinnen, einen gefährlichen Weg geht, mehren sich. Jaurtzs warnt in derHuma- nit6" nachdrücklich und er wird heute in der Kammer den Antrag stellen, den Minister des Aeußeren über die Ereignisse von Azemmur zu befragen. Im Falle, daß Pichon sich weigern würde zu antworten, will Jaurös eine Inter­pellation stellen und deren sofortige Besprechung beantragen. Man darf dieser neuen Ausein­andersetzung mit Spannung entgegensehen. Die deutsche Regierung wird neuen offiziellen Versicherungen gegenüber recht skeptisch bleiben müssen. Trotz allem liegt ganz offenkundig in dem Vorgehen in Marokko System. Man ge­wöhnt Europa allmähl'ch an grobe und gröbere Ueberschreitungen der gemeinsamen Abmachun­gen. Kommt es einmal gar zu kompromit­tierend, so kann ja auch ein allzu Eifriger ein­mal getadelt werden, Höch st kommandie­render bleibt er deshalb doch!

Marburg

Mittwoch, 8. Juli 1908.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 55.

r a I e n gemeint find. Man ist in diesen Krei­sen ja von einem merkwürdigen Optimismus, indem man glaubt, der Name tue etwas zur Sache. Die hauptsächlichsten Rufer waren denn auch Pfarrer Korell, Naumann, Fräulein Lisch» newska, dazu der jungliberai». Rechtsanwalt Dr. Marwitz, eine Art enfant terrible der Nationalliberalen. Was verhandelt wurde? Wahlrecht für die Frauen, Reichstagswahl» recht für Preußen, nur direkte Steckern und was der sattsam bekannten freisinnigen Forderungen mehr find.

Ein Fünfhunds: t-Mtllionen-Dsfizit? Die Kieler Neuesten Nachr." stellen die etwas un»

derHohenzollern" von hier aus die Nordland­reise anzutreten. Die Fahrt soll zunächst nach Odde gehen. Die Gäste und das Gefolge des Kaisers auf der Nordlandreise sind am Nachmit­tag hier eingetroffen und haben sich an Bord der Hohenzollern" begeben. j

Äzemmur.

Ueber das merkwürdige Eingreifen des Ge­nerals d'Amade in den Kamps zwischen Muley Hafid und seinem Bruder Abdul Asis wird jetzt folgender authentischer Bericht verbreitet:

Nachocm die Uladfordj-Leute die Heeresfolge verweigert hatten, zogen in der Nacht vom 29. -um 30. Juni die asifischen Truppen von Maza­gan ab, um Azemmur anzugreifen. Der dortige hasidische Kaid El Hessi El Elaui ließ sie vertrauensselig die Vorstadtgärten be­setzen, ging dann, nachdem 100 Reiter ihnen in den Rücken gefallen waren, zum Angriff gegen pe vor und bereitete ihnen eine schwere Nieder­lage. Die asisischen Truppen hatten 80 bis 100 Tote und mußten zahlreiche Gefangene, sämt­liche Waffen und mehrere Kanonen zurück- lassen; ein kleiner Rest floh zurück nach Maza­gan. Der siegreiche Kaid unterließ die Verfol­gung der Flüchtlinge. Von der Reede Azem- murs aus b e o b a ch t e t e der französische Kreu­zerEaliläe", der von Mazagan gekommen war, die Vorgänge, während französische Truppen bei Uldel Hadjkassem im Schiadma- Gebiet, 20 K lm. von Azemmur ent­fernt, lagerten und die nach Casablanca beauftragten deutschen Postboten am Weiter­gehen hinderten. Am 30. Juni brachen die Franzosen unter dem Befehl des in der Nacht aus Casablanca zurückgekehrten Generals d'Amade auf und trafen mittags am rechten Ufer des Um Er Rbia-Flusses, Azemmur gegen­über, ein. Er verlangte die Entsendung der zurückgezogenen Fährboote und stellte der Stadt ein Ultimatum, sich binnen einer Stunde Abdal Asis zu unter­werfen, widrigenfalls die Stadt bombardiert würde. Der Kaid trat da­rauf mit den Notabeln zu einer Beratung zu­sammen. Es wurde beschlossen, die Stadt zu verlassen, gemäß dem Befehl Muley H a f i d s, dem gewaltsamen Vorgehen der Franzosen keinen Widerstand entgegenzusetzen. Der Kaid zog sodann, Waffen und Wertvorräte mit sich nehmend, in südöstlicher Richtung über Rhamna nach Marrakesch ab. Von ihrem Führer verlassen, brachte die eingeschüchterte Bevölkerung nun die Fährboote den Franzosen. Diese setzten über, nahmen um 2 Uhr nachmit­tags die Vorstadt ein und hißten, ohne be­lästigt zu werden, um 2y2 Uhr auf dem Re­gierungsgebäude die Trikolore. Die Fran­zosen behaupten, daß sie mit Jubel empfangen wurden, aber die Eingeborenen sagen das Ge­genteil aus. Nachts befreiten die Franzosen die gefangenen Soldaten des Abdul Asis, die ihre Toten nach Mazagan überführten. Gegen­wärtig stehen in Azemmur 1000 Mann Jnfan- tetie, meistens Tirailleure, und 40 Kanonen, so­

Htttljches Helch.

Vom Kaiser. Travemünde, 6. Juli. Der Kaiser hörte heute vormittag auf derHohen­zollern" den Vortrag des Geheimrats Berg und empfing dann den Geheimrat v. Etzdorfs und den Generaldirektor Ballin. Um 3 Uhr 30 Min. kehrte der Kaiser von derIduna", wo er an Bord das Frühstück eingenommen hatte, an Bord derHohenzollern" zurück. DieIduna" ging um 4 Uhr mit der Kaiserin, dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Viktoria Luise an Bord zu einer mehrtägigen Kreuzerfahrt in See. Der Kaiser gedenkt heute abend spät an Bord

Hochzeit im Kaiserhaus«. Die Vermählung des Prinzen August Wilhelm, des vierten Sohnes des Kaisers, mit oer Prinzessin Alexan­dra Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonder- burg-Glücksburg soll Ende September d. I. stattfinden. Das Paar wird in der früher vom Prinzen Eitel Friedrich bewohnten Billa Lieg- nitz Wohnung nehmen. Der künftige Wohnsitz des Paares ist durch Zubauten vergrößert worden.

Lucauus bleibt. Alle Nachrichten über eine bevorstehende Neubesetzung des Geheimen Zivilkabinetts sind, wie dieNeue Pol. Korr." schreibt, falsch und unzeitgemäß. Erfreulicher­weise schreitet die Besserung im Befinden Seiner Erzellenz des Wirk!. Geh. Rats Dr. v. Lucanus täglich fort, so daß mit Bestimmtheit erhofft werden kann, daß eine Neubesetzung des Zivil­kabinetts in absehbarer Zeit überhaupt nicht in Frage kommt.

Di« Affair« Bernhard zieht weitere Kreise. Jetzt hat Prof. Harms in I na, der als Nachfolger Prof. Bernhards in Kiel gewählt war, der dortigen philosophischen Fakultät ::-!!= geteilt,, daß er, nachdem cof. Bernhard in Ber­lin zurückgetreten sei, gleichfalls in Kiel zurück­treten wolle, roer.n es d^urch e:.n> cyr ., den sollte, dem hervorragenden Gelehrten und Dozenten den akademischen Wirkungskreis in Preußen zu erhalten. Eine entsprechende Mit­teilung hat er auch dem Kultusministerium ge­macht.

Der Deutsche Städtetag wurde gestern in München vom Oberbürgermeister Kirschner- Berlin eröffnet mit der Mitteilung, daß von 163 zum Städtetag berechtigten nur fünf Städte unvertreten seien; außerdem seien zahlreiche kleine Städteverbände vertreten. Der Redner brachte das Hoch auf den Kaiser und den Prinz­regenten aus. Oberbürgermeister Dr. v. Borscht- München begrüßte den Stäbtetag namens bet Stabt München. Das erste Referat erstattete Stabhat Wöll-Frankfurt a. M. über den Kredit- bebarf im Haushalt ber Stabte. Der Redner erklärte bie Anleiheaufnahme zur Finanzierung gewerblicher Betriebe d: rch bie Städte für un­bedenklich und sogar innerhalb gewisser Grenzen auch für ertragslose Unternehmungen für vor­teilhaft. Er empfiehlt für alle Zwecke die An­sammlung von Fonds, welche durch Mehrerträg­nisse aus schwankenden Einnahmequellen zu dotteren find. Sodann sprachen über Formen und Wege zur Befriedigung des Kreditbedarfs der Städte Stadtrat Mitzlaff-Danzig und Ober­bürgermeister Kutzer-Fürth.

Ein gesamtliberaler Kongreß findet zur Zeit in München statt. Diese Eesamtliberalen I Vereinigungen haben bie Eigenart, daß bantit tn besonderer Weise dieSozial libe-

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

»nd den Keilageu:Literarischer Anzeige,Kaudwirtschaftliche K-ilage" undIllustriertes Sormtagslllatt«.

«Nachdruck verboten.)

Liselottes Heirat.

Von H. Courths-Mahler.

t Fortsetzung.)

Schöne Frauen müssen Kapricen haben lie- ber Kurt, sonst werden sie langweilig. Dieser >i°mmt von Dir. Also, ich bemühe vnch, Dich nicht zu langweilen. Uebrigens finde ich es wirklich einmal ganz amüsant, dieses Landleben im Winter. Wir haben doch eine Kenge geselliger Abende in der Nachbarschaft, herrliche Schlittenfahrten stehen uns bevor und £n,3VPleref!'ßntc Menschen gibt es hier 'auch Das ist schon viel. Wir wollen sehen, wie lange wir damit auskommen. Oder verlangst Du fort von hier? Kurt, Du bist meiner doch nicht etwa uberorusstg und langweilst Dich mit mir?" to£atle S"t gespielter Sorge ange-

f'e Lanz genau wußte, wie ver-

liebt ihr Mann noch immer in sie war.

Erfala ^t.en auch den gewünschten

K Zog eine Frau an sich und ver- er sie über alles liebe und ge- X"* 6 5 DeiIon9e> oIs mit ihr allein

Sie ließ sich scheinbar nur sehr schwer be- ruhigen und erreichte ihren Zweck, Römers Ver­dacht abzulenken, vollständig. Wenigstens für kurze Zeit. Dann wachte er freilich wieder auf durch Sendens Verhalten, der sich kaum Mühe gab, zu verhehlen, wie sehr er nach Sibylles Gunst strebte.

Auch heute erschien Senden wieder und wurde von Sibylle empfangen, ohne daß st« es

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische ----1 bet allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in

t und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Die JnsertionSgebübr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. ,

Druck und Verlag: Joh. Slug. Koch, Universttätsbuchdruckrei Inhaber Dr. C. H ttzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

glaubliche Behauptung auf, daß in den Fond» der Jnvaliditäts-, Alters-, Kranken-, und Un» fall-Versicherungen sich 500 Millionen Mark we­niger befänden, als man nach der früheren Be­rechnung angenommen habe.

Reue Vorschriften für bie Baugewerk» schulen. Arn 1. Oktober treten neue Vorschriften über bie Einrichtung und > en Betrieb an Bau- gewerkschulen in Kraft, die die Schulverfassung, die Lehrpläne und bie Prüfungen regeln. Als Zweck dieser Schulen ist angegeben: die Ausbil­dung von Baugewerkmeisttrn oder Bauunter» nebmern, Vauzeichnern und Bauführern und | mittleren technischen Beamten bei den Re» gierungs-, Militär-, Eisenbahn- und Gemeinde» behörden. Aufnahmebedingung ist u. a. das 16. Lebenjahr und eine vor..nfgegangene Hand» werksmäßige Tätigkeit von 12 Monaten. Das Schulgeld beträgt ziemlich allgemein für das Halbjahr 80 Mk., dagegen in Berlin 100 Mk. Reichsausländer entrichten das Fünffcche. Die Hochbauabteilung enthält 5 und die Tiefbau­abteilung 2 Klassen.

. Frauenverein für Krankenpflege in den Kolonien. Zu Anfang Juni sind in Kamerun als Abgesandte des Deutschen Frauenvereins für Krankenpflege in den Kolonien die stellver- tretende Vorsitzende dieses Vereins Frau Wirk!. Geheime Rat Sachse und Frau Oberin v. Wall« menich vom Zentralkomitee der Deutschen Ver- eine vom Roten Kreuz eingetroffen, um bie Krankenhäuser in Duala unb Viktoria, sowie das Sanatorium in Suellaba zu besuchen. Alle diese Anstalten verdanken nicht zum mindesten der tätigen Beihilfe des Frauenvereins ihr Entstehen und ihre Ausgestaltung. Unmittelbar vor dem Eintreffen der beiden Damen wurde in einer Frauenversammlung in Duala unter dem Vorsitz der Frau Gouverneur Seitz die Be. gründung einer Abteilung des Frauenvereins für das Schutzgebiet Kamerun beschlossen.

Prozeß Eulenburg. Die Verhandlungen wurden gestern vormittag wieder ausgenommen. Die Oeffentlichkckt bleibt nach wie vor ausge­schlossen. Bis jetzt sind erst 10 Zeugen vernom­men worden unb noch etwa 40 Zeugen (inb zu vernehmen. Am Samstag ist, nach betTägl. Rbsch.", bet medizinische sachverständige vom Vorsitzenden befragt word n, ob dieSpazier­fahrten" des Angeklagten, über bie sich ein Teil der Presse sehr aufgeregt habe, wünschen: wett seien. Medizinalrat Di. Hoffmann erklärte, bie

für notig gefunden hätte, ihre bequeme Lage IWie soll ich das raten können? Sagen Sie

aufzugeben. Er hatte aber kaum Zeit gehabt, I es mit nur gleich, ich bin nicht aufgelegt mit

ihre Hand mit ausdrucksvoller Gebärde an die I ben Kopf zu zerbrechen" '

Sippen zu ziehen, als Römer auch im Bouboit IIn Schönburg wat ich."

seiner Frau erschien unb sich neben ihr nie- I Sie lachte ein wenig unb machte arofie ver-

derließ. I wunderte Augen.

Ilm Sibylles Mund huschte ein amüsantes IAlle Hochachtung vor Ihrem Mut Herr von Lächeln, es machte ihr offenbar Vergnügen, die I Senden. Ich glaube, es ist ungefährlicher in Eifersucht ihres Gatten zu beobachten, zumal sie I eine Löwengrube zur fallen, als ein junges auf ganz falscher Fährte war. Paar in seiner Flitterwochenseligkeit zu stören

Senden wat weniger von Römers Anwesen- I Wie ich sehe, sind Sie indes mit heilet Haut heit erbaut, aber er wat zu seht Weltmann, um I davongekommen. Nehmen die jungen Herrschaft sich das merken zu lassen. Et plauderte genau I ten überhaupt Besuche an? Man sieht sie nir- so unbezwungen, als wenn er mit Sibylle allein I gends, und soviel ich weiß find Sie bet erste wäre, nut daß er sich hütete, allzu feurige Blicke I bet es wagt, ihre Zweisamkeit zu unterbrechen" nach ihr hinüber zu werfen. Aber trotzdem IIch wurde sehr liebenswürdig aufaenom» weidete er seine Augen an der in lässiger Grazie I men." hingeschmiegten Frauengestalt. Diese Sibylle ~ "

Römer war wirklich ein reizendes Weib, blühend, von üppiger Schlankheit, interessant und nicht gar zu tugendhaft. Ganz das Genre, welches Herr von Senden goutierte.

Er mar schlau genug zu bemerken, daß Si­bylle mit ihrem Herzen vorläufig noch ander- weitig engagiert war. Er traute sich jedoch zu diesenKrautjunker" Wolf Gernrode aus dem Sattel zu heben mit der Zeit. Immer gewiß, Sibylles Interesse zu fesseln, wenn et von den Schönburgern sprach, schlug et auch heute dies Thema an.

Blick und einem verführerischen Lächeln für dies« Botschaft, bie ihr endlich eine Kunde brachte, wie ihre Jntrigue gewirkt hatte.

Werden sich dir Herrschaften noch länger tu Schönburg einspinnen, oder hat man Hoffnung, sie nun in Gesellschaft wieder begrüßen zu können?"

Ich habe ihnen mein Bedauern ausgedrückt, daß sie sich so ganz zurückgezogen haben. Darauf wurde mir der Bescheid, daß man für übermor­gen eine Einladung nach Langenau angenom­men hat. Wir werden also übermorgen da» Vergnügen haben, Jie dort zu treffen.

Das ist ja reizend. Ich muß gestehen, Frau von Gernrode hat mir ein wenig gefehlt, sie ist eine sehr liebenswürdige Dame."

I art, IGewiß. Ich erzählte übrigens, daß ich heut«

I "c?l t ~ . I "oh bei Ihnen vorsprechen würde und bat,

I _. --Ich "orte auch durchaus keine Zweisamkeit. I Grüße an Sie bestellen zu dürfen."

I Die junge Frau von Gernrode-Schönburg saß I Sibylle lauschte auf

?ut. Schwiegervater und der alten DameNun und?" Sie fragte es etwartungs- I tnt Wohnzimmer, wahrend der junge Ehemann I voll

gerade von der Jagd zurückkam " Senben hätte nun der Wahrheit gemäß be»

I-tL - natürlich Zeuge einer I richten müssen, baß die Schönburger bei dieser

sturmrsch-zartlichen Begrüßung werden?" fragte seiner Frage etwas nachdenkliche Gesichter ge- I Idylle, nervös an einer Schleife ihres Kleides I macht und ein sehr kühlesBitte" geantwortet I rupfend. I hatten. Er hielt es aber für besser, das für sich

I Senden sah eine Weile lächelnd dem Spiel I zu behalten.

i>ei weißen Finger zu, ehe er antwortete:Natürlich bat man mich, dies zu tun, ich

I k i-xCty$t. Die jungen Gatten verstau- I entledige mich hiermit meines Auftrages."

den sich meisterhaft zu beherrschen. Wenn ichBesten Dank," erwiderte Sibylle, sah aber nicht irre, begrüßten sie sich sogar recht kühl, etwas nachdenklich aus. Wie sollte sie dies«

,er das war natürlich nur Verstellung vor I Grüße aufnehmen. Sie hätte Senden gern aus-

mtT^l I gefragt nach Miene und Ton, die diese Be-

^n Sibglles Augen trat ein tiefer Glanz. I stellung begleitet hatten, aber fie fürchtete, auft

I Sie belohnte Senden mit einem ftrahlendeu zufallen. (Sottf folgt.)