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Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberheisi,che -■ tu n9" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen tn „ ufiljoin und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unser» Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Sonnabend. 4. Juli 1908.
Die Jnsertionsgebübr betrögt für die ^gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnwcrsitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H,tzer o th, SJlarburq, Markt 21. — Telephon 56.
43. Jahrg
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 54.
I
Bestellungen
für das dritte Quartal 1908 auf die
6 e r $ e H i M e Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition ^Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanst.nten und Landbriefträgern ent- '-egengenommen.
Tciiijches Nclch.
1 — Von der Kieler Woche. Kiel, 2. Juli. Der Kaiser speiste heute Abend im Kaiserlichen Jachtklubs hierauf nahm er daselbst die Preisverteilung für die Wettfahrten der Kieler Woche vor und nahm an dem Herrenabend des Kaiserlichen Jachtklub teil, mit ihm auch der Kronprinz und die übrigen Prinzen. Die Kaiserin speiste heute Abend mit den hier weilenden fürstlichen Damen und dem Prinzen Joachim von Preußen, der heute Nachmittag aus Plön hier eingetroffen war, an Bord der „Iduna". Der Kaiser hat den beiden Kommandanten der hier liegender, russischen Kriegsschiffe den roten Adlerorden zweiter Klasse verliehen. — Das norwegische Geschwader hat heute den Hafen ver- lasien, um nach Libau zu gehen.
— Dcrnburgs Reise. Bulawayo, 2. Juli. Staatssekretär Dernburg, der hier eingetroffen sst, gab gestern Abend den leitenden Persönlichkeiten ein Diner. Heute besuchte der Staatssekretär das Grab von Cecil Rhodes. Der Bürgermeister wird abends zu Ehren Dernburgs ein Bankett veranstalten. Morgen begibt sich der Staatssekretär nach den Viktoriafällen.
— Das Ergebnis der Haager Friedenskonferenz. Haag, 2. Juli. Die von der Zweiten Friedenskonferenz getroffenen Abmachungen und Erklärungen, die bis zum 30. Juni 1908 zurück- gehalten worden waren, um von mehreren Regierungen noch unterzeichnet oder mit Vorbehalt versehen zu werden, sind unterzeichnet betreffend: 1. internationale Konflikte; 2. Staatsschulden; 3. Eröffnung von Feindseligkeiten; 4. Kriegsrechte; 5. Recht der Neutralen; 6. Bestimmungen für Handelsschiffe; 7. Aenderungen im Aeußern von Schiffen; 8. Unterseeboote; 9. Beschießung durch Kriegsschiffe; 10. Annahme der Genfer Konvention; 11. Wegnahme von Schiffen; 12. Prisengerichte; 13. die Neutralen im Seekriege und 14. Verbot der Verwendung von Explosiv- ftoffen aus Luftschiffen. — Es haben Vorbehalte
St «Nachdruck verboten.)
" - -Liselottes Heirat.
! ( ’ Von H. Courths-Mahler.
'' (Sortierung.)
Sein Vater ließ ihn ruhig zu Ende reden. Auch als er fertig war, sprach er eine ganze Weile nichts. Dann stand er auf und ging nachdenklich im Zimmer auf und ab.
„Da steckt eine Niedertracht von dieser Frau von Römer dahinter. Wer weiß, was sie Liselotte berichtet hat. Die Wahrheit jedenfalls nicht," sagte er endlich.
„Davon bin ich auch überzeugt, Later." r
„Solche Weiber haben den Teufel im Leioe, Ich möchte dieser pflicht- und ehrvergessenen Frau wohl meine Meinung sagen."
„Damit wäre indes weder mir noch Liselotte geholfen."
„Natürlich nicht. — Weißt Du was — ich werde mit Liselotte sprechen und ihr den Kopf zuiechtsetzen, obwohl ich loust nicht dafür bin, daß ein Dritter in ehelichen Angelegenheiten miti,usprechen hat."
.Nein, Vater, tue das nicht. Eben Deine Einmischung wollte ich verhindern, deshalb kam ich mit meiner Beichte zu Dir. Du hättest mit Deinen scharfen Augen bald die Entfremdung zwischen mir und Liselotte herausgefunden und versucht, sie zu heben. Es ist aber bester, Du berührst diese Angelegenheit nicht. Liselotte muß sich selbst zu mir zurückfinden wenn unsere Ehe nicht an Halbheiten scheitern soll. Bitte, versuch den Unbefangenen zu spielen, das ist es, was ich von Dir erbitten wollte."
„Aber ihr quält Euch da ewig lange herum."
„Liselotte muß bald zur Einsicht kommen, >os liegt doch klar auf der Havd."
-Da baue nur selber nicht zu fest darauf,
gemacht: Deutschland zu 4, 6, 8, 9, 13; Oesterreich-Ungarn zu 4; China zu 10; Equador zu 2 bis 12; England zu 5, 8, 9, 10, 13; Japan zu 1, 4, 9, 13; Rumänien zu 1; die Schweiz zu 1; die Türkei zu 1, 4, 7, 8, 10, 12,13. Nicht unterzeichnet haben: Deutschland 14; China alle außer 1 und 14; Spanien 4, 8, 9, 13, 14; England 12, Italien 14, Japan 12 bis 14; Paraguay 13 bis 14; Portugal 8 bis 12; Rumänien 2, 12, 14; Schweden 2, 8 und 14 und Schweiz 2.
— Professor Bernhard hat, wie bereits gemeldet, dem Minister seine Entlastung eingereicht. Wie dem „V. T." von informierter Seite noch mitgeteilt wird, hält man im Kultusministerium nach wie vor an der Ansicht fest, daß im Falle Bernhard der § 42 der Statuten der philosophischen Fakultät keine Anwendung findet, denn 1. sei kein Ordinariat erledigt gewesen, als Prof. Bernhard nach Berlin „versetzt" wurde, 2. handele es sich nicht um eine neue Profestur, sondern um ein etatsmäßiges Extraordinariat, und 3. habe die Fakultät überhaupt nur ein Vorschlags-, nicht ein Wahlrecht., Die Berufung eines Profestors liege also stets in der Hand des Kultusministers bezw. des Monarchen. Durch Bernhards gänzlichen „unbureaulratischen" Schritt, der menschlich natürlich nicht nur zu begreifen, sondern auch zu billigen sei, sei das Kultusministerium in eine doppelt prekäre Lage geraten.
— Die Präfidentenstelle im deutschen Flottenverein ist noch immer nicht besetzt, da Fürst zu Salm-Horstmar, wie aus einem von ihm an die Ortsgruppe Wehlau des Deutschen Flottenvereins gerichteten Schreiben hervorgeht, die Annahme der in Danzig erfolgten Wiederwahl zum Präsidenten abhängig macht von der Erfüllung gewißer Zusicherungen in Berlin. Da der Fürst zugleich erwähnt, daß durch die Annahme der bekannten Danziger Resolution ein wichtiger Hinderungsgrund für die Uebernahme des Postens beseitigt wäre, so darf man wohl vermuten, daß auch das noch ausstehende Hindernis sich nicht als unüberwindlich erweisen wird. Für die künftige Entwicklung des Deutschen Flottenvereins ist es jedenfalls von nicht geringer Bedeutung, ob Fürst Salm wieder Präsident wird oder nicht, da im letzteren Falle dem Vernehmen nach einzelne Mitglieder des neu gewählten Präsidiums wahrscheinlich von ihrem Posten zurücktreten würden.
— Die staatlichen Bernsteinwrrke. Die Dienstreise, welche der Handelsminister heute nach Ostpreußen angetreten hat, gilt unter anderem auch den staatlichen Bernsteinwerken in Palmnicken. Es liegt nämlich in der Absicht, den Betrieb dieser Werke wesentlich zu ändern. Bisher ist der Bernstein unterirdisch durch bergmännischen Betrieb gewonnen worden. In den letzten Jahren hat sich diese Art der Gewinnung des Bernsteins aber immer unwirtschaftlicher gestaltet, die Kosten sind im Vergleich zu den Betriebsergebnisien mehr und mehr gestiegen.
Wolf. Frauen sind unberechenbare Geschöpfe, zumal in Liebesangelegenheiten. Sie verbohren sich oft in die unglaublichsten Torheiten. Und Liselottes heilloser Trotz, der mir schon manchmal zu schaffen gemacht hat, erschwert es ihr noch mehr, zur Vernunft zu kommen."
„So muß ich mich eben in Geduld faßen."
„Ich kann Dir da nicht ganz zustimmen.,Aber tue, was Du willst — ich werde Dich gewähren laßen. Hergott noch einmal, nun denkt man, es ist alles gut und schön und will sich am Glück seiner Kinder freuen, da kommt so ein verrücktes, pflichtvergeßenes Weib und vernichtet einem alle Freude. Diese Frau von Römer soll mir nur weit aus der Schußlinie gehen, sonst kann sie eine recht ausgewachsene Grobheit von mir zu hören bekommen. Und solch ein Satan.sitzt nun auf unserem lieben alten Gernrode."
„Daran ist nun nichts zu ändern, Vater."
„Nein, leider nicht. Mir ist nur schleierhaft, daß sie Dich damals aufgegeben hat, wenn ihre Liebe zu Dir so groß ist."
„Die Liebe zu Glanz und Reichtum war doch wohl noch größer. Da sie ihn nun besitzt, streckt sie die Hände wieder nach mir aus. Solche Naturen lechzen aber immer nach dem Unerreichbaren. Hätte ich ihren Verlockungen nachgegeben, wäre sie meiner sehr schnell überdrüssig geworden. Daß ich ihr widerstehe, reizt sie, vielleicht mehr aus Eitelkeit als aus Liebe."
„Mag sein. Aber nun nichts mehr von ihr. Sahst Du Liselotte heute morgen?"
„Nein, mich drängte es, zuvor mit Dir zu sprechen."
„Das arme, törichte Kind! Sie wird eine böse Nacht hinter sich haben. Sei nicht zu hart mit ihr, Wolf, spanne den Bogen nicht zu straff. So ein junges, reines Herz leidet zehnfach unter der ersten Enttäuschung und urteilt im Hebet« schwang der Empfindung unbesonnen. Ein mü»
Man geht daher mit dem Gedanken um, an Stelle der unterirdischen Ausbeutung einen oberirdischen Betrieb einzuführen, das heißt, durch Bagger die über den Bernstein gelagerten Sand- und Erdmaßen fortzuschaffen und so durch Tagesbetrieb den Bernstein selbst zu gewinnen. Bevor eine Entschließung über diesen Plan gefaßt wird, will der Handelsminister selbst an Ort und Stelle die sämtlichen einschlägigen Ver- hältuiße prüfen. Gelangt er bei dieser Prüfung zu einem positiven Ergebnis, so dürsten voraussichtlich in den Etats der nächsten Jahre nicht unerhebliche Forderungen für die nötigen Einrichtungen zur Umwandlung des Betriebes vorzusehen sein.
— Veröffentlichungen. Der „Reichsanzeiger" veröfentlicht die Bekanntmachung, der zufolge Ansprüche auf Ersatz von Schaden anläßlich der Beschießung Casablancas und der sich daran anschließenden Vorgänge bis spätestens zum 20. Juli 1908 bei der internationalen Entschödigungskom- mission in Casablanca angebracht werden müssen. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht ferner die Abänderung der Telegraphenordnung vom 16. Juni 1904.
— Die Verschmelzung der „Nationalzeitung" mit der „Post" ist mit dem 1. Juli geschehen. Die „Nationalzeitung" hat ihr altes Gewand behalten, während die „Post" jetzt gleichfalls in dem kleineren Format der „Nationalzeitung" erscheint. Der Inhalt der beiden Blätter deckt sich, soweit Feuilleton, allgemeiner Teil, Handelsteil usw. in Betracht kommen. Nur der politische Teil unterscheidet sich bei beiden, obwohl man auch hier so weit gegangen ist, daß die auswärtige Politik, soweit sie das Nachrichtenwesen betrifft, in beiden Blättern gleichlautend behandelt wird. Der bisherige Chefredakteur der „Nat.-Ztg.", Dr. Harnrs, zeichnet nicht mehr, so daß man wohl annehmen muß, daß er aus der Redaktion ausgeschieden ist. Parteioffiziös ist zwar verschiedentlich versichert worden, daß die „Nat.-Ztg." ein völlig selbständiges Blatt bleiben werde. Der Augenschein lehrt jedoch, daß das nur in einem recht beschränkten Sinne, wohl nur soweit die innere Politik in Frage kommt, der Fall fein kann.
Die Erziehung des Kindes zlir Schule.
Man schreibt uns: In einem Artikel der „Deutschen Volkspost", Zeitung für den deutschen Mittelstand, wird der Eitelkeit vieler Eltern ein großer Teil der Schuld an den Schülerselbstmorden zugeschoben. Neben vielem Richtigen findet sich in diesen Ausführungen doch auch mancher Irrtum und manche schiefe Anffaßung. So wird unnötig das Ansehen der gewerblichen Berufe zugunsten der akademischen herunter- gesetzt. Denn wenn das Blatt es als nachahmenswert hinstellt, daß früher unbegabte oder untüchtige Schüler einfach in die Lehre des Hand-
des Urteil und Duldsamkeit sind Errungenschaften des Alters, der Erfahrung."
„Sei unbesorgt, Vater, ich will sie so zart anfaßen, als ich kann. Es soll ihr nicht schwer werden, ihr Unrecht einzusehen. Ich habe sie doch unbeschreiblich lieb und sorge mich um ihr Glück mehr als um das meine. Ich will jetzt hinunter gehen zum Frühstück, Du kommst wohl bald nach."
„In fünf Minuten bin ich unten. Geh, mein Junge — und Kopf hoch, da kommst Du auch noch in ein klares Fahrwasser, verlaß Dich darauf. Wen die Liselotte in ihrem Herzen drin hat, der verliert seinen Platz nicht, die hält fest, allem zum Trotz."
„Das ist meine ganze Hoffnung." — Wolf ging in das Frühstückszimmer. Fräulein von Schlegel war bereits anwesend und saß, in ein warmes Tuch gehüllt, am Kamin. Es war kalt geworden über Nacht. Wolf begrüßte sie freundlich und fragte, ob die Herrschaften, die im Schloß übernachtet hatten schon aufgestanden wären. Die alte Dame berichtete ihm, daß sie bereits abgereist wären, mit dem Frühzuge. Man habe das junge Paar nicht stören wollen und deshalb die Wagen am Parltor halten laßen. Sie ließen sich mit bestem Gruß empfehlen.
Diese Nachricht war Wolf sehr angenehm. Er brauchte nun wenigstens nicht den liebenswürdigen Wirt zu spielen.
Als sein Vater kam, war er sehr erstaunt, von der Abreise der Gäste zu hören. Auch er hatte den Aufbruch nicht bemerkt, da er selbst fest geschlafen hatte. Kurze Zeit darauf erschien Liselotte, um wie sonst mit den beiden Herren und Fräulein von Schlegel das Frühstück zu nehmen.
Sie sah sehr bleich aus, und die Augen brannten, als sei ihnen der Schlaf fern geblieben. Die
werkers, Kaufmanns oder Landwirts gesteckt wurden, so können wir darin nur einen Mißgriff sehen. Doch auch abgesehen davon ist es tatsächlich falsch, wenn man daraus, daß Schüler in den unteren Klaßen ntdjt vorwärts kommen, schließt, daß dies nun stets so bleiben werde. Wer könnte sich nicht zahlreicher Mitschüler vom Gymnasium entsinnen, die in den unteren Klassen Musterknaben waren und nachher teils schon in den oberen Klaßen, teils auf den Hochschulen oder später im Leben vollständig versagten. Und umgekehrt, wieviel Schultrottel haben es später im gelehrten Berufe und im praktischen Leben zu erstaunlichen Leistungen gebracht. Also so mechanisch ist auf jeden Fall bei der Beurteilung und Wahl des späteren Berufes unserer Heranwachsenden Jugend — heute erstreckt sich diese häusliche Sorge ja auch auf die Mädchen — nicht zu verfahren.
Daß unsere Jungens so oft auf der Schule versagen und dann in der Lehce und im Leben so gut einschlagen, hat viele und vielerlei Gründe. Zum Teil mag es ja fein, daß die Schule als solche oder ihre besondere Beschaffenheit nach Lehrgang oder Lehrkräften, dem Schüler psychologisch nicht zusagen, oft liegt es aber auch daran, daß nicht allein dem Schüler das richtige Verständnis für die Schule und seine Stellungnahme zu ihr fehlt, sondern daß es die Eltern und Erzieher sind, die dem Kinde ein falsches Bild und eine falsche Auffassung von der Schule und seinen Pflichten gegen die Schule und seinen Rechten an ihr geben. Und das ist in den weitaus meisten Fällen das Ausschlaggebende, daß nicht die Schüler, sondern Eltern und Erzieher ihre und des Kindes Stellung zur Schule verkennen. Wie alles im Leben, so hat auch vie Schule als menschliche Einrichtung ihr Vorzüge und Fehler, ihre guten und schlechten Seiten. Entweder erscheinen nun die einen oder die anderen Eltern und Schülern in stärkerem Lichte. Den letzteren naturgemäß meist die schlechteren, aus dem einfachen Grunde, weil die Schule das die Ange« bundenheit liebende und ihr erst allmählich ent- wachsende Kind in die strengen Kesseln geistigen und körperlichen Zwanges schlägt und dadurch bei ihm eine Reaktion Hervorruf.
Hier ist die Stelle, wo die Mitarbeit des Hauses geschickt einzusetzen und diesen Kampf der kindlichen Psyche weder brutal niederzu- schlagen noch vielleicht gar noch zu bestärken, sondern in die richtigen Bahnen zu lenken hat. Da nun viele Eltern hierzu wedec veranlagt sind, noch es selbst bei ihrer eigenen Erziehung durchgemacht und später als Erwachsene durchdacht haben, da anderen es wieder rein äußerlich an der dazu erforderlichen Zeit fehlt, so werden ihre Kinder, wenn diesen eben nicht eine besondere Begabung für die Anforderung der Schule zur Verfügung steht, in der Schule versagen. Die Kinder derjenigen Eltern aber, die die Kunst der Erziehung des Kindes zur Schule verstehen, werden auch mit minderbegabten Kindern, später ober früher, gute Schulergebnisse erzielen. Wenn der Horizont der Eltern über den Rahmen der Schule hinausragt, so werden sie auch während der Studien- und Vorbereitungs-
Lider waren leicht gerötet von vergoßenen Tränen. Ihr Anblick schnitt Wolf ins Herz. Am liebsten wäre er aufgesprungen und hätte sie in seine Arme genommen, um alle trüben Gedanken fortzuküßen. Aber sie sah kalt und fremd an ihm vorbei und sprach so ruhig und beherrscht mit Fräulein Frieda und ihrem Vormund, daß er ebenfalls nur höflich kühle Worte mit ihr wechselte.
Als man ihr mitteilte, daß die Gäste schon abgereist waren, sagte sie gelaßen: „Ich wußte, daß sie den Frühzug benutzen wollten. Die Dienerschaft hatte schon gestern abend Weisung bekommen bezüglich Frühstück und Berrithaltung der Wagen. Die beiden Damen hatten sich gestern abend von mit verabschiedet."
Damit war eine unbefangene Unterhaltung eingeleitet.
Fritz Gernrode sah fein Mündel einigemal« ernst und fragend an, als wollte er ergründen, was in ihrem Köpfchen vorging. Als sie es bemerkte, wurde sie rot, und ihre Oberlippe zuckte nervös. Dies Zeichen war ihm bekannt, es verriet stummen Trotz. Da sah er von ihr fort. Solange sie in diesem Stadium war, konnte man nichts mit ihr anfangen, das wußte er.
Nach dem Frühstück zog sich Liselotte sofort in ihr Zimmer zurück, und Wolf ließ seinen Blak Prince satteln. Ihn verlangte nach einem frischen Ritt ins Freie. Die kühle Lust tat ihm wohl und beruhigte seine Nerven. Es wurde ihm leichter und freier ums Herz. Sein Vater hatte Recht. Liselottes Liebe gehörte ihm trotz allem, und diese Liebe würde sie auf den rechten Weg zurückbringen, von dem sie Sibylles ränta volle Worte verdrängt hatten. |
________(Fortsetzung folgt.) j