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VechM Ickung mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen:Kiteramschrr Anzeiger".Landwirtschaftliche Beilage" u«dIllustrierte» Slwntagsdlatt". "

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische xze 4> < Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in 194 Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 2L Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Freitag. 3. Juli 1908.

Die JnsertiouSgebübr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Äug. Koch, Unioersttätsbuchdruckerei <*$**9*8« Inhaber Dr. L.Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Parlamentarische Informationsreisen.

Der freikonservative Abgeordnete Dr. Arendt berichtet imTag" über die parlamentarische Informationsreise nach der Ost- und Nordsee. Da^ Reichsmarineamt hatte, wie im Vorjahr, Mitglieder des Bundesrats und des Reichstags au einer Informationsreise eingeladen, während die früheren Reisen nach unseren Kolonien und «ach Ostasien im wesentlichen Veranstaltungen mehr privater Natur waren. Jene Fahrten nach unseren Kolonien haben gleichwohl bei dem Entgegenkommen der Behörden den Teilnehmern reiche eigene Anschauungen vermittelt und die Verhandlungen . über die Kolonialetats nicht dlos belebt, sondern auch gehörig vertieft. Pro­bieren geht eben über Studieren.

Der Gedanke an solche Informationsreisen tauchte denn auch zuerst in der Budgetkommis- fion des Reichstages auf, welche bekanntlich den Etat im einzelnen zu prüfen hat und sich über die Notwendigkeit der Ausgabeposten ein Urteil bilden soll. Die schönsten Auskünfte von Regie­rungskommissaren können aber den Mangel eigener plastischer Anschauungen, das Da- und Dabeigewesensein nicht ersetzen.

Die vorjährige Informationsreise nach Kiel umfaßte deshalb auch nur die etwas erweiterte Budgetkommission. Durch Chartern des neuen Dampfers des Norddeutschen LloydDerfflin- ger" wurde es möglich, etwa 60 Reichsragsabge- »rdnete, eine Anzahl Mitglieder des Bundes­rats und die Herren vom Reichsmarineamt un- ier Führung der Admirale von Tirpitz und Kapelle zugleich zu diesen Besichtigungen zu Ver­einigungen.

Die Parteien des Reichstages waren mit Ausnahme der Polen und Sozialdemokraten sämtlich vertreten, namentlich beteiligten sich viele Süddeutsche. Dr. Arendt meint, daß dieser gemeinsame Ideenaustausch über die empfange- «en Eindrücke zwischen Rechts und Links, Block und Zentrum politisch nützlich sei,weil er mensch­lich näher bringe und die Gegensätze mildere. Die Fahrt ging nach Kiel zur Besichtigung der Kriegsschiffe, zur Fahrt mit Unterseebooten und Torpedobooten durch den Nordostseekanal «ach Hamburg, zur Besichtigung von Werftan­lagen, insbesondere der Schwimmdocks die Frage fester und schwimmender Docks wird all­jährlich beim Etat behandelt der Speicher und sonstigen Anlagen. Es wurden Hebungen mit Torpedobooten, das Aufsuchen von Minen und dergleichen vorgeführt, sodann ging es nach Bremerhaven. Man lernte die Bremer Hafenanlagen und die Arbeiten der Weserregu­lierung, die Eermaniawerft, die Eeestemünder Fischhallen und Fischereieinrichtungen und vie­les andere kennen. Dr. Arend zieht als Ergeb­nis der Fahrt, daß sie das Verständnis der Marine und ihrer Einrichtungen wesentlich för­dern werde. Die künftigen Debatten des Etats des Reichsmarineamtes würden sachlicher und kürzer ausfallen.

Lettisches Relch.

Zur Kieler Woche. Eckernförde, 1. Juli. Der Kaiser begab sich heute Morgen in Eckern­förde an Bord desMeteor". DerMeteor" startete jedoch nicht, sondern ließ sich von dem Sleipner" nach Kiel schleppen, wo er um 11 Uhr eintraf. Die Kaiserin legte die Fahrt nach Kiel an Bord derHohenzollern" zurück. Kiel,

23 ^Nachdruck ocrboten.)

Liselottes Heirat.

Von H. Courths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Du scheinst also vollkommen mit Dir im klaren zu sein. Gut ich werde mich demnach mit Dir auf einen rein geschäftlichen Standpunkt steilen, so lange es Dir beliebt."

Gins laß mich Dir sagen, Liselotte" seine Stimme verlor nun doch etwas von dem schar­fen kalten Tonich gebe die Hoffnung nicht auf, daß Du Dich eines Besieren besinnst, wenn Du ruhiger geworden bist und gerechter urteilen wirst. Ich will darauf warten. Dein Ausspruch vorhin, der mir gemeine, niedrige Berechnung soll ausgelöscht und vergesien sein, so­bald Du ihn zurücknimmst und mir sagst, daß Du tn unseliger Verblendung mir diesen Schimpf angetan hast. Laß mich nicht lange darauf warten, Liselotte, hörst Du?"

Seine eindringlichen Worte blieben nicht Bibruck, aber wie zum Schutz gegen sich felb|i rief |te sich <jrau von Römers Worte ins Gedächtnis und das machte sie hart sie hatte das Vertrauen zu ihrem Gatten verloren, zu den Menschen überhaupt, und nun fand sie sich nicht mehr im Leben zurecht. Ihre Empfindsamkeit, Trotz bäumte sich auf gegen die angetane Schmach. Sie wußte ja nicht, wie meisterhaft «s Sibylle verstanden hatte, Wahrheft und

1. Juli. Der Kaiser besuchte heute den russischen KreuzerAurora", der, mit dem russischen KriegsschiffDiana" von Libau kommend, hier eingetroffen ist.

Der Kaiser wird am nächsten Montag, 6. Juli, seine Nordlandsreise von Travemünde aus antreten. DieKöln. Ztg." versichert, daß eine Zusammenkunft mit dem Zaren nicht ge­plant ist, derartige Verhandlungen haben nicht stattgefunden.

Das Befinden des Herrn v. Lucanus, des erkrankten Chefs des Geheimen Zivilkabinetts, ist gestern wieder zufriedenstellend.

Der Gesamtoorstand des Alldeutschen Ver­bandes hielt zu Berlin eine Vorstandssitzung unter überaus zahlreicher Beteiligung ab. Dr. Joachim Graf v. Pfeil-Friedersdorf sprach über die deutsche Marokkopolitik und Graf Ernst zu Reventlow-Charlottenburg über die Ergebnisse der Blockpolitik.

Eine Verfügung an die Lehrer. Die Pots­damer Regierung hat folgende Verfügung an die Kreischulinspektoren gerichtet:Es ist in letzter Zeit mehrfach vorgekommen, daß Lehrer durch Terminverkäufe und Grundstücksspekula­tionen sich einen oft recht bedeutenden Neben­verdienst verschafft haben. Wir können eine solche Art des Nebenerwerbes, die schon wieder­holt zu Beschwerden bei uns Veranlassung ge­geben hat, nicht billigen, und ersuchen Sie daher, Ihr Augenmerk auf eine derartige Tätigkeit innerhalb des Ihrer Aufsicht unterstellten Leh- rerkreises zu richten und gegebenenfalls jedem diese Tätigkeit strengstens zu untersagen. Wir werden in Zukunft jeden Uebertretungsfall, bet zu unserer Kenntnis kommt, mit strengen Diszi­plinarstrafen ahnden." DieBerl. Volksztg.", die diesen Erlaß bekannt macht, nennt ihn gleich­zeitig eine unglaubliche Bevormundung. Man darf annehmen, daß der Potsdamer Regierung besondere Fälle Veranlasiung gegeben haben. DieKons. Korrespondenz" schreibt dazu sehr richtig: Wenn hier etwas zu bedauern ist, so nur der Umstand, daß eine solche Verfügung über­haupt nötig war. DieVolksztg.", deren Spe­zialität das Aufhetzen der Lehrerschaft ist, meint der Erlaß habe bei der Lehrerschaft höchste Er­regung und Empörung wachgerufen. Wir möch­ten zur Ehre der Lehrerschaft annehmen, daß diese Empfindungen sich gegen diejenigen Be­rufsgenossen richten, die auf den Erwerb eines mühelosen Nebenverdienstes durch Spekulations­geschäfte ausgehen. Mit Recht ist es heute das Hauptbestreben der Lehrer, ihren Stand zu he­ben. Glaubt denn aber jemand, daß das auf die Weise, der der Regierungserlaß entgegentritt, geschehen könnte?

Ein neues Linienschiff. Bremen, 1. Juli. Auf der Werft der Aktiengesellschaft Weser fand in Gegenwart geladener Gäste, sowie eines zahlreichen Publikums der Stapellauf des LinienschiffesErsatz Sachsen" statt. Als Ver­treter des Reichsmarineamts wohnte Vize­admiral von Breusing dem Stapellauf bei. Der Oberpräsident der Provinz Westfalen, Staats­minister Freiherr von der Recke, hielt die Tauf­rede, worauf Frau Fürstin zu Salm-Horstmar das Schiff auf den NamenWestfalen" taufte.

Lüge zu vermengen und aus harmlosen Zu­fälligkeiten und aus einer gut gemeinten Täuschung Wolfs ihr gegenüber ein ganzes Ge­webe von Bosheit und Niedertracht zu spinnen. Sie neigte nur stumm den Kopf und ging an ihm vorüber zur Tür hinaus. Es ging zu Ende mit ihrer Kraft, sie sehnte sich danach, endlich allein zu fein und all ihren Schmerz und Kum­mer austoben zu lasten.

Er blieb stehen und sah ihr lange starr und düster nach.

War es denn nur möglich, daß sie von ihm ging! Welche ränkevollen Worte hatte Sibylle gebraucht, um Liselottes Herz zu vergiften, dieses weiche, edle Herz, das er so gut zu kennen ge­meint, in dem er bisher wie in einem aufgeschla­genen Buche zu lesen geglaubt hatte! Konnte er sich so geirrt haben?

Nein, Liselotte mochte trotzig, empfindsam, eigensinnig sein falsch war sie nicht. Und sie liebte ihn auch trotz allem. Zu deutliche Be­weise ihrer Liebe hatte er empfangen, es wäre Wahnsinn, daran zu zweifeln. Was auch ge­schehen sein mochte, wie gut es Sibylle auch ver­standen hatte, Zwietracht zwischen ihn und sein Weib zu säen, ihre Liebe hatte sie nicht töten können. Liselotte würde sich besinnen, es würde ihr klar werden, daß Sibylle ein falsches Spiel mit ihr und ihm getrieben hatte, und bann, das wußte er, bann würbe sie kommen unb ihn bit­ten, bas schlimme Wort zu verzeihen. Und er wollte es ihr leicht machen, wieder Vertrauen

Die offizielle Lifte der Laudtagsabgeord- neten zählt: Konservative 149, darunter 24 Doppelmandatare und 4 Hospitanten: Dr. Gai- gakat (1. Königsberg), Karow (2. Danzig), Ra- hardt (5. Magdeburg), v. Wulfsen (3. Magde­burg). Freikonservative 60, 7 Doppelmanda­tare. 2 Hospitanten: v. Oertzen (8. Potsdam), Peters (11. Schleswig-Holstein). Nationallibe­rale 65, 5 Doppelmandatare, 2 Hospitanten: v. Schubert (5. Trier), Just (7. Lüneburg). Frei­sinnige Volkspartei 28, 7 Doppelmandatare, 3 Hospitanten: Dr. Flesch (21. Wiesbaden), Dr. v. Liszt (10. Potsdam), Lorentz (2. Minden). Freisinnige Vereinigung 8, 1 Doppelmandatar, 1 Hospitant: Lippmann (3. Stettin). Zentrum 104, 24 Doppelmandatare. Polen 15, 3 Doppel­mandatare. Sozialdemokraten 7. Fraktionslos 6, 1 Doppelmandatar Türke (6. Kastel, hat sich die Entschließung über die Parteizugehörigkeit noch vorbehalten), v. Kloeden (7. Wiesbaden), Otto (5. Hildesheim), Kölle (4. Hildesheim), Kloppenburg-Skrumsager (1. Schleswig-Hol­stein), Nisten (2. Schleswig-Holstein). Erledigt ist das Mandat von 6. Breslau durch den am 20. Juni erfolgten Tod des Abg. Hirt (kons.). Während bisher 100 Doppelrnandatare vorhan­den waren, sind es jetzt nur 72.

Prozeß Eulenburg. Berlin, 1. Juli. Das äußere Bild hat sich nicht verändert. Das Inter­esse des Publikums flaut merklich ab. Dem Ver­nehmen nach äußerte bei Beginn der Sitzung ein Geschworener namens seiner Kollegen Verwun­derung, daß trotz der strengen Mahnung zur Verschwiegenheit doch Prozeßberichte in der Presse erschienen, die Unzutreffendes und Irre­führendes enthielten unb wies eine etwa ver­mutete Jnbiskretion von ben Geschworenen zu­rück. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel unb ber Vorsitzenbe, Landgerichtsdirektor Kanzow legten nochmals allen Anwesenden als Gentleman ans Herz, niemandem außerhalb des Saales über die Internen des Prozesses Mitteilung zu ma­chen. Die weitere Vernehmung des Angeklagten füllte die ganze Vormittagssitzung aus. Als erste Zeugen sollen Justizrat Bernstein, Rechtsanwalt Prager, der Vorsitzenbe bes Münchener Schöffen­gerichts, Oberlanbesger ichtsrat Mayer, bet Milchhänbler Riedel und ber Fischer Ernst ver­nommen werben. Die Berichterstattung kann angesichts ber Sachlage als abgeschlossen gelten. Aus ber Zeugenvernehmung weiß bieKöln. Ztg." zu berichten: In bezug auf bie Weiterfüh­rung ber Verhanblung machte Oberstaatsanwalt Jsenbiel ben Vorschlag, sie im wesentlichen auf bie Vernehmung der Zeugen Ernst und Riedel zu beschränken. Sie seien die eigentlichen Tat­zeugen, alles andere sei ja nur Beiwerk. Die Verteidiger entgegneten, daß sie auf die Ent­lastungszeugen nicht verzichten können. Sie müßten beweisen, daß ber Fürst stets den besten Ruf genosten habe und als wahrheitsliebender Mann bekannt war. Oberstaatsanwalt Jsenbiel meinte, daß bei ber früheren hohen Stellung bes Fürsten Eulenburg fein guter Ruf ja felbstver- ständlich gewesen sei. Es komme aber hier nur auf bie T a t s a ch e n an, unb über biefe könnten die Entlastungszeugen nichts bekunden. Der Vorsitzende empfahl den Verteidigern dringend, schon mit Rücksicht auf den leidenden Zustand des Fürsten sich dem Vorschlag des Oberstaats­anwalts Jsenbiel anzuschließen. Er könne sie ja

zu ihm zu fassen. Es mußte doch alles wieder gut werden zwischen ihnen, daran wollte er nicht zweifeln.

Voll heißen Mitleids dachte er an sie, die jetzt wohl voll Kummer und Schmerz einsam in ihrem Zimmer war unb sich mit ihrem Leib ab­zufinden suchte. War es nicht Wahnsinn, daß er hier stand und sich nach ihr sehnte? Konnte er nicht zu ihr gehen, sie an sein Herz nehmen und ihr mit tausend lieben Worten den Wahn aus- reden, der sie befangen hatte?

Er schritt schon zu Tür um sein Vorhaben auszuführen. Da blieb er stehen.

Du bist ein Mitgiftjäger, wie die anderen auch," tönte es ihm wieder in die Ohren.

Er hielt den Fuß zurück.

Nein, dies Wort riß eine Kluft auf zwischen ihnen. Sie selbst mußte einsehen, daß es ein schreiendes Mißtrauen war, ihn so zu nennen. Von selbst mußte sie das Vertrauen zu ihm wie- derfinden, ohne sein Dazutun, sonst würde es nur ein halbes Leben sein, das sie führten. Besser, jetzt fremd gegenüberstehen, als ein halbes Zugeständnis von beiden Seiten mit Zweifeln und Zagen. Sie mußte ja zur Ein­sicht kommen.

Wolf kam diese Nacht nicht zur Ruhe. Er fand ebensowenig ben Schlaf wie Liselotte.

Am nächsten Morgen suchte Wolf seinen Vater auf in seinem Zimm«. Der alt« Her, war eben erst aufgestanden.

nicht zwingen, auf Zeuge,, zu verzichten, die ord­nungsmäßig geladen seien, aber er bitte sie je­doch, die Beweisaufnahme soweit wie möglich einzuschränken.

Ein nener Aufstieg des Zeppelinschen Luftschiffes.

Friedrichshafen, 1. Juli. Heute Morgen gegen y29 Uhr stieg das Zeppelinsche Luftschiff auf unb fuhr in der Richtung nach Konstanz. Gegen 12 Uhr befand sich ber Ballon, einge­troffenen Telegrammen zufolge, in der Nähe von Stein am Rhein und soll in dieser Gegend manövrieren. Der Zeppelinsche Ballon traf um 10y2 Uhr in Basel ein; um 1% Uhr war et in Luzern. Von dort wandte et sich nach Zug. Graf Zeppelin ist von Luzern aus um 2 Uhr 40 Minuten in Zürich eingetroffen, nachdem er den Zuger See überflogen hatte. Von dort aui trat er die Rückfahrt nach Romanshorn an. Der Ballon Zeppelins erschien um 12 Uhr 30 mittags übet Luzern; er beschrieb übet der See- bucht einen großen Bogen unb fuhr bann weiter in ber Richtung Meggen-KLßnacht. Um 1% Uhr fuhr er in norböstlicher Richtung über ben Zuger See hin. Die Volksmenge am See brachte ben Insassen bes Ballons begeisterte Huldig­ungen dar. Kurz vor 2y2. Uhr steuerte er über Zürich hinweg und führte dort einige Evolu­tionen aus; bann wandte er sich nach -Korben. Der Zeppelinsche Ballon hat auf seiner Fahrt ben Hohentwiel umkreist unb auf dem Züricher See mehrere Manöver ausgeführt. Nach 6 Uhr wurde der Ballon in Rorschach erwartet, um dort Proviant für die Mannschaft aufzunehmen und dann eine weitere drei- bis vierstündige Fahrt auszuführen, deren Ziel noch unbekannt ist. Gegen 7 Uhr nähette sich der Ballon Fried­richshafen. Das Luftschiff des Grafen Zep­pelin fuhr, von Osten kommend, heute Nach­mittag 5 Uhr über das Artillerieübungsfeld von Frauenfeld hinweg, wobei es die Grüße der den Ballon beobachtenden Offiziere erwiderte.

Nach 12stündiger Fahrt über Berg unb Tal bewegte sich das Luftschiff bes Grafen Zeppelin, von Zürich über Winterthur kommend, um y2l Uhr nach Romanshorn unb fuhr bann am linken schweizerischen Ufer entlang bis zur Höhe von Bregenz unb machte hier eine halbe Wenbung. In abwechselungsreicher Fahrt, halb sich hebend, balb sich senkend, nahm bas Luftschiff seinen Kurs auf Friedrichshafen zu. Um %9 Uhr schwebte bet Ballon in zirka 40 Meter Höh« über der Stadt hinweg, begrüßt von Böller­salven und Hurrarufen. Die Insassen, an ihrer Spitze Graf Zeppelin, erwiderten lebhaft. Um y.9 Uhr erfolgte die Landung in der Halle.

Ausland.

** Unruhen in Budapest. Budapest, 1. JuN. Infolge ber Entlassung von 27 renitenten Ar­beitern bemolierten vergangene Nacht Arbeiter in bem hiesigen Gaswerke bie Maschinen und ließen bas Gas ausströmen. Die Direktion bat die Regierung um Schutz, worauf heute Vor­mittag zum Schutze der friedlichen Arbeiter Geniefoldaten in das Gaswerk einzogen. Gegen­wärtig herrscht Ruhe.

** Die rabiaten Frauenrechtlerinnen. Lon­don, 1. Juli. Heute hatten bie gestern verhaf­teten Frauenstimmrechtlerinnen sich vor dem

Holla, mein Junge, was führt Dich denn schon in aller Hergottsfrühe zu mir? Ist bas eine Manier von einem neugebackenen Ehemann, feine junge Frau gleich am ersten Tage allein zu lassen?"

Ich habe mit Dir etwas zu besprechen, Vater."

Nanu Junge, was ist das für ein Ton wie siehst Du aus? Ist etwas geschehen?"

Er trat vor seinen Sohn unb sah ihm be­sorgt ins Gesicht.

Wolf fuhr sich nervös mit der Hand durch bas Haar.

Laß uns Platz nehmen, Vater, ich muß ein wenig weit ausholen, um Dir verständlich zn werben."

Der alte Herr sah mit ernstem Gesicht in bie blassen, abgespannten Züge seines Sohnes und ließ sich ihm gegenüber in einen Sessel gleiten.

Sprich ich fürchte, nichts Gutes zu ver­nehmen."

Wolf erzählte so kurz wie möglich alles, was gestern abend vorgefallen war, nadjbem er dem Vater von seinen früheren Beziehungen zu Si­bylle Mitteilung gemacht hatte. Er verschwieg ihm nichts, auch nicht Sibylles wiederholte Ver­suche, ihn zurückzugewinnen. Er mußte baK um seinem Vater bie ganze Sachlage verständlich zu machen.

, ^Fortsetzung folgt.)