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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Preußisches Abgeordnetenhaus.
IL (3. Plenarsitzung.)
1 Am Ministertisch: Holle.
3. Lesung des Kirchenumlagen- !’<■; gesetzes.
Abg. Ströbel (Soz.): Wir haben im Wahlkampf nur Notwehr geübt. (Lachen rechts.) Beseitigen Sie die öffentliche Abstimmung, dann schwindet auch der Terror. Der Eisenbahnminister Breitenbach hat einen Erlaß veröffentlicht, nach dem er nicht duldet, daß ein Beamter »der Staatsarbeiter sich öffentlich zur Sozialdemokratie bekennt. Das ist der schlimmste Terror.
Als der Abg. Ströbel in langen Ausführungen sich hierüber ergeht und eine Statistik der Staatsarbeiterlöhne verlesen will, wird er vom Präsidenten zunächst vermahnt, nicht zu weit ab- zuschweifen, und als dies nicht fruchtet, förmlich zur Sache gerufen.
Kultusminister Holle: Die Ausführungen des Vorredners haben bewiesen, daß der Finanzminister am Sonnabend das Richtige getroffen hat.
Abg. Wiemer (frs. Vp.): Terrorismus und Boykott hat die Sozialdemokratie bei den Wahlen besonders uns gegenüber in schlimmster Weise geübt. (Sehr wahr!) Diese Wahlbeein- flusiung verdient ebenso scharfe Verurteilung, wie jede andere, deren Vorhandensein wir nicht in Abrede stellen. Von einer Notwehr kann man doch nur sprechen, wenn eine Bedrückung stattfindet. Sind denn aber die Sozialdemokraten in Berlin von den kleinen Geschäftsleuten bedrückt worden? Dieser Terrorismus gereicht der Sozialdemokratie nicht zum Ruhme. (Lebh. Beifall.) Es ist überhaupt juristisch sehr fraglich, ob die Synoden auf Grund dieses Gesetzes überhaupt Umlagen -rheben dürfen. Es wäre besser gewesen, die Vorlage bis zum Herbst zu vertagen.
Kultusminister Holle: Es handelt sich lediglich um eine kirchliche Besteuerung zur Ansammlung eines verhältnismäßig kleinen Fonds für die Unterstützung bedürftiger Geistlicher.
Das Gesetz wird gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten in 3. Lesung verabschiedet.
21 iNach2rack verboten.),
Liselottes Heirat.
Von H. Courths-Mahler.
■-V (Fortsetzung.)
Sie schüttelte sich wie im Fieber. Er gab sich nicht einmal die Mühe zu leugnen oder Ausflüchte zu machen. Wenn in ihrem Herzen heimlich noch eine schwache Hoffnung gelebt hatte, er könnte etwas vorbringen, was ihn entlastete, so war diese jetzt auch dahin.
„Ja," sagte sie mit harter Stimme, „das glaube ich Dir, daß Du es nun nicht mehr für nötig hältst, mich zu betrügen. Ich bin ja nun an Dich gebunden und kann nicht mehr zurück."
Seine Augen flammten zornig auf.
„Du bist von Sinnen, Liselotte. Wie kannst Du s > zu mir reden? Man hat Dich verwirrt, komm zu Dir. Was hat Dir Frau von Römer gesagt?"
„Vielleicht tätest Du bester, sie selbst zu fragen. Die Wahrheit hat sie mir gesagt. Oder ist es nicht wahr, daß sie es ist, die Du liebtest, daß Du mich absichtlich in dem Wahn ließest, ihre Cousine sei jenes Mädchen gewesen, die Dir untreu wurde. Ist es wahr oder nicht — wenn Du mir sagen kannst, daß es eine Lüge ist, dann tue es schnell, und ich will Dich segnen dafür."
Sein Gesicht hatte sich dunkel gefärbt.
„Das kann und will ich nicht leugnen."
Sie sah ihn mit funkelnden zornigen Augen an. Der trotzige Eigenwille ihres Charakters bäumte sich auf. Ein fieberhaftes Verlangen, ihn zu kränken und zu demütigen, wie er es mit ihr getan, nahm von ihr Besitz.
,Ikein, Du kannst nicht leugnen, daß Du mich in erbärmlicher, niedriger Weise hintergangen hast. Du bist ein Mitgiftjäger, wie alle anderen •Udi — ick verachte Dich!"
Präsident v. Kröcher macht Mitteilung von einem Schreiben des Ministerpräsidenten, das die Mitglieder beider Häuser zu einer gemeinsamen Sitzung um 12 Uhr einladet und schließt mit einem dreifachen Hoch auf den König. (Sozialdemokraten und Polen haben vorher den Saal verlassen.)
Gemeinsame Schlußsitzung
der beiden Häuser des Landtages.
Der Präsident des Herrenhauses Frhr. von Manteuffel eröffnet die Sitzung, ernennt das Herrenhausmitglied v. Burgsdorff und die Abgeordneten Jürgensen und v. d. Hagen zu Schriftführern und erteilt dem Ministerpräsidenten das Wort.
Minsterpräsident Fürst Sulo«: „Ich habe den beiden Häusern des Landtages eine Allerhöchste Botschaft zu verkünden. (Die Versammelten erheben sich.) Die Botschaft lautet:
„Wir Wilhlem von Gottes Gnaden König vo. Preußen haben auf Grund des Artikels 77 der Verfastungsurkunde vom 31. Juli 1850 den Präsidenten Unseres Staatsministeriums Fürsten v. Bülow beauftragt, die gegenwärtige Sitzung beider Häuser des Landtages Unserer Monarchie am 30. Juni 1908 in Unserem Namen zu schließen.
An Bord Meiner Jacht „Hohenzollern" gez. Wilhelm, gegengez. vom Kgl. Staatsministerium."
Auf Grund des mir erteilten Allerhöchsten Auftrages erkläre ich die Sitzung des Landtages für geschlossen."
Frhr. v. Manteuffel schließt die Sitzung mit einem dreifachen Hoch auf S. M. den König, in das die Versammelten, ungefähr 10 Abgeordnete und wenige Herrenhausmitglieder, begeistert einstimmten.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser und die Oberlehrer. In einem in der Internat. Wochenschrift erscheinenden Aufsatz über Geh. Rat Hinzpeter, den verstorbenen Erzieher des Kaisers, erzählt Prof. Dr. Wil- helm Münch: Bisher unbekannt ist, daß sich Hinzpeter noch ganz zuletzt der Bestrebungen zur Vesterung der sozialen Stellung der akademisch gebildeten Lehrer annahm, und daß er sich zum Dolmetsch dieser Standeswünsche an der höchsten Stelle gemacht hat: „Es braucht wohl nicht verschwiegen zu werden, daß bei der letzten Unterredung, zu welcher der gekrönte ehemalige Zögling in Hinzpeters Landhause zu Bielefeld ihm, wie so manchmal vorher, freundliche Gelegenheit gab, dem Kaiser das Anliegen jenes Standes ans Herz zu legen; und auch das braucht nicht unbekannt zu bleiben, daß diese Unterredung eine entscheidende Wirkung gehabt hat, und daß der Kaiser kurz nach Hinzpeters Tode mit inniger Freude dieses letzten Zusammenseins gedachte und eine besondere Befriedigung darüber kundgab, seinem alten Erzieher auch diese letzte Bitte noch habe erfüllen zu können."
Er sprang auf sie zu und faßte mit hartem Griff ihr Handgelenk. Seine Augen flammten auf in unbezähmtem Zorn.
„Nimm dies Wort zurück!" rief er drohend und preßte ihren Arm, daß er schmerzte. Sie war bleich wie er, aber sie warf trotzig den Kopf zurück.
„Nein!" sagte sie rauh.
„Du wirst es bereuen, nimm es zurück, ehe es zu spät wird. Dies Wort trennt uns, als lägen Welten zwischen uns."
„Das gerade will ich, ich habe nichts mehr mit Dir gemein."
Er schleuderte ihre Hand zurück und trat von ihr fort. Eine Weile sahen sie sich zornig an, mit stolz erhobenem Kopf, dann schritt et zur Tür, um hinauszugehen.
Sie hielt ihn nicht auf, aber als er gegangen war, preßte sie in stummer Qual die Hände vor das Gesicht.
Nach einer Weile folgte sie ihm, um sich zu ihren Gästen zu begeben. Die Rücksicht auf die Oeffentlichkeit verlangte ihr Recht.
Wolf hatte, unten angekommen, nach Sibylle gesucht. Im ersten Zorn wollte er sie zur Rede stellen, denn er war keinen Moment im Zweifel, daß sie irgend welche Ränke gesponnen hatte, um Liselotte gegen ihn einzunehmen. Römers hatten jedoch auf Sibylles Wunsch das Fest verkästen und sich nur bei Fritz Gernrode verabschiedet. Bei ruhiger Ueberlegung sagte sich Wolf denn auch, daß es keinen Zweck habe, mit Sibylle zu reden. Wenn Liselotte so wenig Vertrauen zu ihm hatte, um so niedrig von ihm denken zu können, dann war ihre Liebe nicht groß genug gewesen. Ein heißer Schmerz durchzog seine Seele. Brachte die Liebe immer nur Gram und Qual, dann war es wahrhaftig bester, ohne ste fertig zu werden.
— Die Erbansprüche des Grafen von Meren«, berg auf da» nassauische Fideikommiß. Der Sohn des verstorbenen Prinzen Nikolaus von Nassau, aus seiner Ehe mit Natalie, geschiedenen von Dübel geb. Puschkin, Graf Georg von Merenberg, der bekanntlich um die Thronfolge in Luxemburg prozessiert hat, aber abgewiesen wurde, hat nunmehr Klage gegen die Gräfin Adelheid von Nastau, die älteste Tochter des Eroßherzogs von Luxemburg, vertreten durch den Eroßherzog Wilhelm, angestrengt, daß Graf von Merenberg den Sukzessionsrechten der Prinzessin in den im Bezirk des Landgerichts belesenen nastauischen Fideikommißgütera vorgeht, falls der Eroßherzog Wilhelm ohne männliche Nachkommenschaft stirbt. Damit ist auch die Frage der Erbfolge im nastauischen Fideikommiß dem deutschen Gericht als Rechtsfrage zur Entscheidung gegeben. Der Termin wird, wie verschiedene Blätter melden, am 17. Oktober in Wiesbaden stattfinden.
— Militärstatistik. Die hohe Bedeutung einer angemesten großen ländlichen Bevölkerung für die Volksgesundheit und damit für die gesamte Volkswirtschaft wird durch eine unlängst dem Reichstage vorgelegle Denkschrift über das Ergebnis des Rekrutierungsgeschäfts im Jahrp 1906 besonders eindringlich vor Augen geführt. Während von etwa 200 000 auf dem Lande Geborenen und dort Beschäftigten 60,18 v. H. felddienstfähig waren, konnten von den in der Stadt Geborenen und dort Beschäftigten nur 50,49 v. H. als felddienstfähig anerkannt werden. Bei denen, die in derStadt zwar geboren, später aber auf dem Lande beschäftigt word»n waren, hob sich der Prozentsatz der Felddienstfähigen von 50,49 auf 58,63. Andererseits war ein Sinken der Felddienstfähigkeitsziffer von 60,18 v. H. auf 58,28 v. H. zu beobachten, sobald die auf dem Lande Geborenen in die Stadt übergesiedelt waren. Als Stadt kommen hier natürlich nicht die Land- oder kleineren Städte, sondern vorzüglich die großen Industriezentren in Betracht. Ein Wunder ist die gesundheitsschädigende Einwirkung des Wohnens in den Steinmasten der Industrie- und Verkehrszentren nicht eben. Nicht weniger als 50 000 junge Mädchen, d. h. die Hälfte aller Fabrikarbeiterinnen, ron denen 10 000 unter 16 Jahre alt sind, wohnen nach den amtlichen, der Kommission für Arbeiterinnenwohlfahrt des Vereins zu.- Fürsorge für die weibliche Jugend zur Kenntnis gebrachten Feststellungen beispielsweise in Berlin in Schlafstelle, der gesundheitlich und sittlich gefährlichsten Art der Hausung. Ferner betrug nach den Berichten der preußischen Eewerbeauffichtsbeam- ten im Jahre 1907 die Zahl der jugendlichen Fabrikarbeiter im Alter von 14 bis 16 Jahren 225 696 (216 904 im Jahre 1906) und die Zahl der so beschäftigten Kinder unter 14 Jahren 3060 (2346 im Vorjahre). Erwachsene weibliche Arbeiter, von denen kein geringer Teil Mütter sind, wurden 563100 (538 310 im Jahre 1906) beschäftigt, gegenüber von 2 277 642 männlichen (2 228 613 :1906). Auch die Zahl der Fabriken war im Berichtsjahre von 135 369 (1906) auf 141999 gestiegen. (Die Gesamtzahl der in ihnen
Und dann kam doch wieder eine weiche Stimmung über ihn, wenn er an Liselotte dachte. Was hatten jene Worte Sibylles aus ihr gemacht, wie furchtbar war sie verändert gewesen! Gewiß hatte sie auch um ihn gelitten. — War et nicht doch zu rauh und heftig gewesen? Abet konnte er anders, jenem Worte gegenüber, das ihm noch jetzt beiße Schamröte ins Gesicht trieb? Wie konnte ste ihn mit die- fem Namen nennen, wenn sie ihn je geliebt hatte!"
Mit Aufbietung aller Selbstbeherrschung brachte et es fertig, seinen Gästen ein ruhiges Gesicht zu zeigen. Als Liselotte gleich darauf erschien, sah et, daß auch sie ruhig uno unbefangen schien, wenn sie auch sehr bleich aussah und dunkle Ringe um die Augen hatte.
Beide sehnten den Schluß des Festes herbei, das sie mit so glücklichem Herzen begonnen hatten. Sie war elend geworden durch die fchlau berechneten Worte eines eifersüchtigen Weibes. Wolfs Gedanken kreisten unablässig um Liselotte, und seine Blicke suchten wieder und wieder ihre Augen. Aber diese wichen ihm aus oder fahen ihn kalt und fremd aNj wenn sie es der Leute wegen nicht vermeiden konnte.
In Liselottes Jnnerm sah es furchtbar aus. Sie atmete wie erlöst auf, als sich endlich die Gäste verabschiedeten. Die von auswärts gekommenen suchten ihre Zimmer im Schloß aus, um die Nacht dort zu verbringen, und es war Ruhe um die beiden. Liselotte wollte sich mit einem stummen Gruß gegen Wolf zurückziehen. Er hielt sie auf.
„Ditte auf einig^ Minuten. Ich möchte von Dir hören, wie Du Dir künftig unser Zusammenleben benfft. Ich brauche Dir nicht zu versichern, wie sehr es mich schmerzt, Dir so gegenüber» stehen zu müssen. Aber nicht meinetwillen halt«
beschäftigten Arbeitskräfte belief sich cm| 3 069 498, gegen 2 986 173 im Jahre 1906.) Di« Fabriken können trotz aller hygienischen Vorkehrungen nicht dieselben gesundheitlichen Vorteil« bieten wie das Arbeiten in freier Luft auf dem Acker. Weiter herabgedrückt wrb die Zahl der Jugendlichen, die unter ungünstigen gesundheitlichen Bedingungen arbeiten, noch durch di« große Zahl der Kinder in der 5,eim- und Hausarbeit in industriellen Bezirken. —
— Das Alte Testament und bit Volksschule. Das altenburgische Unterrichtsministerium ordnet die Beseitigung des Alten Testaments als Lehrmittel in den Volksschulen an.
— DKG.Sie Wisimann-Feier im Ennstal. Unter sehr großem Andrang der Bevölkerung vollzog sich am 14. Juni, am dritten Todestage Hermann von Wissmanns. in Weißenbach bei Siegen die Enthüllung des Denkmale, das die Steierer einer Anregung des Schriftstellers Karl Reitetet folgend, ihrem Mitbürger und großen Volksgenossen, Deutschlands größtem Afrikaner, auf dem Grunde seines Gutes setzten. Tie Feier, der außer der Witwe und den Kindern Wiß- manns u. a. sein langjähriger Freund und Wafsengefährte Rochus Schmidt beiwohnte, nahm einen würdevollen und glänzenden Verlauf. Bezirkshauptmann Rudolf Graf Schönfeld aus Leoben hielt eine formvollendete, ergreifende Festrede und übergab das Denkmal der Obhut des Eemeindevorstandes von Weißenbach. Das Denkmal besteht aus einet Pyramiden- förmigen Säule von vier Meter Höhe und setzt sich aus unregelmäßigen Blöcken von rötlichem Granit zusammen. Es trägt ein vorzüglich gelungenes Reliefbild Wisimanns im Belief Das Bild wurde von dem steierischen Bildhauer Karl Hachstock, dem Vorsitzenden des Albrecht Dürer-Bundes in Wien, in Weißenüach modelliert und in Wien sorgfältigst in Bronze aus- geführt. Am Rande des Bildes befindet sich der Name des großen Toten. Unterhalb des Bildes ist in die Pyramide eine schwarze Marmortafel eingefügt, die in goldenen Buchstaben die Inschrift aufweist: „Dem kühnen Forschet, Deutschlands größtem Afrikaner, gewidmet von seinen Verehrern in Steiermark. 15. Juni 1908.“ Da« Denkmal erhebt sich auf einer Wiese, dicht an bei Reichsstraße, mit bet es durch einen Kiesweg verbunden ist. Es bietet in der herrlichen Gebirgslandschaft mit den senkrechten, weißgrauen, von dunklen Tannen umsäumten Granitwänden im Hintergründe einen bedeutenden Anblick und machte auf die Versammlung einen großen Eindruck. Nachdem Pfarrer Röhling in wohldutch- dachter Rede die glänzenden Charaktereigenschaften Wisimanns geschildert hatte, legt« Major Schmidt einen Kranz am Denkmal nieder und sprach namens der engeren Freunde Wisimanns und aller deutschen Kolonio.lfreunde den uns finnes- und stammverwandten Steierern tief empfundenen Dank dafür aus, daß sie unseren Wissmann, nachdem sie ihn: als Menschen nahe getreten waren und sein goldenes Herz erkannt hatten, in so sympathischer Weise ehrten. Der Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft Seine Hoheit Herzog Johann Albrecht zu Meck-
ich Dich noch einmal auf. um Dich zu bitten, bi< Beleidigung zurückzunehmen, die Du mir zugv fügt hast, und die uns innerlich weit vonein, ander entfernt. Ich werde ja darüber hinweg- kommen mit der Zeit, daß Deine Liebe nicht grof genug war, mir eine Täuschung zu verzeihen, aber Du, Liselotte, Du wirft schwerer an dieser Entfremdung tragen."
Seine Worte verhärteten sie noch mehr. Er gab es ja ganz offen zu, daß er leichter darüber Hinwegkommen würde als sie. Sie wollte ihm zeigen, daß er sich darüber täusche. Der brennende Wunsch, ihn noch mehr zu demütigen, sich für die erlittene Schmach zu rächen, brachte alle, andere in ihr zum Schweigen.
Sie zuckte leicht die Achseln.
„Mach Dir darüber keine Kopfschmerzen, auch ich werde darüber Hinwegkommen. Nehmen wir die Angelegenheit nicht so tragisch sondern finden wir uns mit den Tatsachen ab. Da ist zugleich Deine Frage, wie sich unser Leben gestalten soll, beantwortet. Du bist Herr auf Schönburg geworden, und ich erkenne Deine Vorzüge als ausgezeichneter Landwirt an. Meine Güter werden in Dir einen musterhaften Verwalter haben. Unsere Ehe ist eben ein Geschäft gewesen, bei dem wir beide gewonnen haben, wir werden in Zukunft nebeneinander leben, ohne uns gegenseitig Zwang aufzuerlegen, denn de« Skandal einer Scheidung dürfen wir in unserer exklusiven Stellung uns nicht leisten."
Er sah sie starr an. Jede Muskel in feinem Gesicht war angespannt, und die Zähne preßte« sich fest aufeinander. War das Liselotte, seine Liselotte, die so zu ihm sprach? Wahrlich, di« Weiber waren doch allesamt nicht wert, daß ma« sich um sie grämte. Er raffte sich auf und warf den Kopf zurück. Gut — wenn ste diesen To« wollte, damit konnte er auch dienen.
^Fortsetzung folgt.) j