mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain
»«> >e» Keilage«: „Litkrorischer A«zeig«r-, „Zautwirtschaftliche Keiloge" u»L „Illustrierte« S»»«tag«bl<»tt".
JVi 151
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Dienstag, 30. Juni 1908.
Die Jnsertionsgebühr betrögt für bie 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
Bestellungen
, für das dritte Quartal 1908
> auf die
»Oberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition I(Martt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- Hain, Neustadt und Wetter, sowie von ftllen Postanstaiten und Landbriefträgern ent- gegengenommcn.
Preußisches Abgeordnetenhaus.
(2. Sitzung, 27. Juni 1908.)
' Am Ministertische: Holle, später auch Frhr. 9. Rheinbaben.
Alterspräsident Hobrecht eröffnet die Sitzung und teilt mit, daß die Abteilungen am Vormittage die Wahlen geprüft und 354 Wahlen für einstweilen gültig erklärt haben. Das Haus sei somit beschlustfähig.
Abg. Frhr. v. Zedlitz (freikons.) beantragt, den Präsidenten durch Zuruf zu wählen und schlägt den Abg. v. Kröcher vor. Abg. v. Kröcher nimmt die Mahl an und übernimmt den Vorsitz, indem er dem Alterspräsidenten Hobrecht für die bisherige Leitung der Geschäfte dankt.
Nachdem noch die Abgeordneten Dr. Porsch und Dr. Krause-Königsberg zum 1. und 2. Vizepräsidenten, welche Aemter sie auch im letzten Abgeordnetenhause bekleidet hatten, und die Abg. v. Bockelberg (kons.) Hottschke (kons.), Eichstedt (freikons.), Merlin (freikons.), Graf Prafchma (Ztr.), v. d. Hage» (Ztr.), Jürgensen (nl.) und Blell (fr. Vp.) zu Schriftführern gewählt sind, tritt das Haus in die Beratung des Kirchenumlagengesetzes ein. Kultusminister Holle begründet den Gesetzentwurf wie im Herrenhause, indem er auf die dringend erwünschte Hilfe hinweist, die die Annahme des Entwurfes den evangelischen Gemeinden bringen würde.
Abg. Dr. Wirmer (fr. Vp.) wendet sich gegen die schnelle Durchberatung, da seine Partei die Geistlichen nicht vor den Beamten bevorzugen wolle. Außerdem habe der Oberkirchenrat die Vorlage zurEinbringung c'-es neuen Pfarrbesoldungsgesetzes benutzt, gegen das seine Freunde Widerspruch erhöben.
Abg. Winkler (kons.) billigt Zweck und Inhalt des Gesetzes und weist darauf hin, daß es sich bei dem Gesetzentwurf gar nicht um Bereitstellung staatlicher Mittel für die Geistlichen handele. Erst im Herbst solle durch eine zusammenhängende kirchliche Gesetzgebung die Lage der Geistlichen nach einigen Richtungen hin verbessert werden, denn der vorliegende Gesetzentwurf sei lediglich nötig, die erforderlichen Vorbereitungen zu treffen für die Zurückdatierung auf den 1. April 1908.
Abg. Ströbel (Soz.) ist gegen den Gesetzentwurf, da ja seine Partei für völlige Trennnung der Kirche vom Staate sei, aber auch deshalb, weil die Sozialdemokratie zwar den sozialen Gedanken des Christentums außerordentlich hochstelle, höher vielleicht als irgend eine andere Partei (stürmische Heiterkeit), die Staatskirche aber ein Werk der Klassenherrschaft sei.
Als der Redner die Pfartergehälter mit denen der Lehrer, Beamten und schließlich weitschweifig mit denen der Arbeiter in Staatsbetrieben vergleicht, wird er vom Präsidenten ersucht, beim Thema zu bleiben, und als er grö-
19 INachdruck verboten.).
Liselottes Heirat.
Von H. Courths-Mahler.
(Fortsetzung.)
„Ich schlage vor, wir machen uns niedlich," warf ein lustiger, frischer Leutnanat ein. „Vielleicht ladet uns der neue Herr von Schönburg "zuweilen zur Jagd. Famoser Wildbestand hier, kenne es genau."
Senden stand bei Sibylle und ihrem Gatten und ließ seine Augen nicht von der schönen FraU, ^Sie sah ein wenig bleich, aber sinnberückend schön aus in der wundervollen Toilette aus mattweißer Seide, die in den Falten zart rosig schimmerte. Dazu trug sie Perlen von märchenhafter Schönheit, die ihr unvergleichlich zu Gesicht standen. Die großen dunkelglühenden Augen und die tiefroten Lippen kontrastierten reizvoll mit dem blassen Gesicht.
Arme und Schulter von wahrhaft klassiger Form waren unbekleidet, und das Gewand schmiegte sich weich um die schlanken Hüften.
Reben dieser stolzen Erscheinung kam Liselottes Lieblichkeit wenig zur Geltung.
Wolf sah zuweilen mit einiger Unruhe zu Sibylle hinüber. Jedesmal sing er ihren brennenden Blick auf. Er konnte das Gefühl der Sorge nicht lo» werden, daß sie eine neue Tor-
ßere Abschnitte aus Bücher vorliest, unter all-, fettiger Heiterkeit von Herrn von Kröcher darauf aufmerksam gemacht, dies im eigenen Jnter- effe aufzugeben, da ihm doch niemand zuhöre.
Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben hält dem Vorredner vor, daß die werktätige Nächstenliebe der Sozialdemokratie allemal da versage, wo der Betreffende stch nickt einfach dem Despotismus der Sozialdemokratie füge. (Lebh. Beifall.) Das Wort „Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein" sei gerade jetzt angewendet worden. Er rufe die kleinen Geschäftsleute in Moabit und Rixdorf zu Zeugen an, wie dort der sozialdemokratische Terrorismus ausgeübt worden sei. Die Sozialdemokratie solle in bezug auf Klassenherrschaft und Terrorismus vor der eigenen Türe kehren. — Auch der Minister wies darauf hin, daß es sich bei diesem Gesetzentwurf gar nicht um die Verwendung von Staatsgeldern handle, sondern lediglich um die gesetzlich vorgeschriebene Sanktionierung der von den Kirchenverwaltungen innerhalb ihrer Zuständigkeit beschlossenen Kirchensteuer, damit auch denEeistlichen eine Unterstützung zuteil werde, wie sie alle Beamten bereits jetzt vorschußweise erhalten hätten.
Abg. Dr. Hackenberg (nl.) weist ebenfalls nach, daß für die Geistlichen jetzt durchaus keine besondere Wurst gebraten werden solle und daß durch die Annahme dieses rein formalen Gesetzentwurfes seine Partei sich hinsichtlich des Pfarrerbesoldungsgesetzes im Herbst sich nicht im geringsten präjudiziere. Die Volksvertretung müße aber der Regierung geradezu dankbar sein, daß sie die Gelegenheit dieser Sommertagung benutzt habe, die Sache auf legalem Wege zu erledigen statt durch eine staatliche Notverordnung.
Abg. Jderhosf (freikons.) stell: den provisorischen Charakter des Gesetzentwurfes fest. Die materielle Stellungnahme werde erst im Herbst erfolgen.
Damit schließt die Besprechung.
Es wird sogleich in die zweite Lösung eingetreten und die Vorlage gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten ange- nom en.
Ein Antrag der Sozialdemokraten, auch die beiden Anträge auf Einstellung der Strafverfolgung gegen den Abg. Seiner! und auf Haftentlassung gegen den Abg. Liebknecht auf die Tagesordnung zu setzen, wird gegen die Stimmen der Freisinnigen, Sozialdemokraten, Polen und einiger Nationalliberaler abgelehnt.
U Deutsches Reich.
— Die Kieler Woche. Kiel, 27. Juni. Der
König von Sachsen reiste um 4 Uhr wieder ab;
der Kaiser begleitete den König zur Bahn. Um
8 Uhr fand beim Kaiser Tafel statt, zu der geladen waren: der Kaiserlich großbritannische Marineattachs, Kapitän zur See Dumas, der französische Marineattachä, Fregattenkapitän d'Andrezel, der amerikanische Marineattachch Fregattenkapitän Bolknap der kaiserlich russische Marineattach^, Leutnant zur See von Bock, Sir Max Wächter (Pacht „Shemara") und Mr. John Fergusson (Yacht „Sicilia"). Um 7% Uhr nahm der Kaiser an Bord der „Hohen- zollern" die Preisverteilung für die Regatta Dover-Helgoland vor. Den ersten Preis, einen silbernen Pokal, erhielt der Besitzer der „Susanne", Huldschinsky, den zweiten Preis (Vase aus der König!. Porzellanmanufaktur und die
heit begehen würde. Wie froh wollte er fein, wenn er Liselotte alles gesagt haben würde.
Die laute fröhliche Gesellschaft bedrückte ihn. Er wäre am liebsten mit seinem jungen Weibe davongegangen. Da sie aber keine Hochzeitsreise zu machen gedachten — Liselotte hatte es stch viel schöner gedacht^ in ihrem trauten, alten Schönburg zu bleiben —, mußten sie beide aus- harren, bis sich die Gäste alle verabschiedet haben würden. Bei der Tafel saß Sibylle dem jungen Paare gegenüber und unterhielt sich scheinbar sehr animiert mit ihrem Nachbar. Wolf bemerkte aber nur zu gut das unruhige Flackern ihrer Augen.
Wenn er geahnt hätte, welche Pläne Sibylles Hirn kreuzten, er wäre erschrocken.
Mit nagender Eifersucht betrachtete sie das junge Paar. Jedes Wort, das sie wechselten, jeder Blick, den sie tauschten, war ihr eine Tortur. War es möglich, daß Wolf mit Liselotte glücklich wurde? Sie war hübsch und jugendfrisch, und eine kluge Frau vermag viel über einen Mann. Es durfte nicht sein, daß Liselotte Macht über ihn gewann. Sie mußte Unfrieden zwischen den beiden säen, noch ehe sie sich inniger zusammenfanden, und sie wollte es tun. Ihr Plan war fertig.
Liselotte mußte mit Mißtrauen erfüllt werden gegen ihren Gatten, damit sie sich von ihm wandte in Erall und Verachtung. Dann würde i
Photographie des Kaisers) der Besitzer der „Ci- cely", den dritten Preis (eine Standuhr aus der Königlichen Porzellanmanufaktur und die Photographie des Kaisers) die „Hamburg". Die Besitzer bezw. die Vertreter der „Clara", der „Armgard 3" und des „Komet" waren bei der Preisverteilung zugegen. — Das Resultat der heute stattgehabten zweiten Wettfahrt der Yachten der Sonderklasse ist folgendes: erste: „Hevella"; zweite: „Tilly 10“; dritte: Angela 4“; vierte: „Seehund 2“; fünfte: „Carmen"; sechste: „Wol- kuse"; siebente: „Lunula"; achte: „Tilly 9“. — Der Kronprinz steuerte seine Yacht „Angela 4“ und Prinz Eitel Friedrch seine Yacht „Elisabeth", während Prinz Heinrich von Preußen „Tilly 11" führte. — Kiel. 28. Juni. Die Kaiserin traf um 8 Uhr hier ein. Mit dem Kaser waren auf dem Bahnhof erschienen die hier anwesenden Mitglieder der kaiserlichen Familie. Der Kaiser geleitete feine Gemahlin auf dem Verkehrsboot „Hulda" an Bord der „Hohen- zollern." Um 11 Uhr 35 Min. begann die große Wettfahrt des Norddeutschen Regattavereins auf der Kieler Föhrde bei prächtigem Wetter und südwestlichem Winde. Gemeldet hatten 30 Yachten. Mit dem „Meteor" starteten „Hamburg" und „Germania". „Hamburg" übernahm alsbald die Führung. Die Regatta war begleitet von der „Oceana", vielen anderen übervollen Begleitdampfern, zahlreichen Lustyachten, Hunderten von Fahrzeugen aller Art, Kriegsschiffbarkasten und Motorbooten. Extrazüge hatten viele tausende Schaulustige aus Hamburg und der ganzen Provinz Schleswig-Holstein hergebracht. Gegen 11 Uhr lief unter Salut das norwegische Geschwader ein. — Kurz nach 3 Uhr passierten die Yachten der ersten Klaste das Ziel bei Laboe in folgender Reihenfolge: „Germania", „Hamburg" und „Meteor." Die Kaiserin wohnte dem heutigen Start in einer Pinaste bei.
— Die diesjährige Nordlandreise des Kaisers wird noch vor Ablauf der ersten Juliwoche beginnen und dann den Rest des Monats Juli ausfüllen. Es verlautet daß der Kaiser in diesem Jahre die Reise von Travemünde aus antreten wird.
— Vom Bundesrat. Berlin, 27. Juni. In der heutigen Sitzung des Bundesrates wurde die Vorlage betreffend den Entwurf eines Wein- gefetzes den zuständigen Ausschüsten überwiesen. Dem Bericht des Ausschusses betreffend den Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen über die Bergwerksbesteuerung wurde zugestimmt.
— Die Vereidigung der Landtagsabgeordneten wird nunmehr erst im Herbst stattfinden. Die Genosten haben also noch einige Zeit zum Ueberlegen.
— Aufhebung der Fahrkartensteuer. Wie die „Inf." von unterrichteter Seite erfährt, ist die Aufhebung der Fahrkartensteuer nunmehr bestimmt in Aussicht genommen. Es haben sich alle Bundesstaaten gegen eine weitere Erhebung dieser Steuer ausgesprochen, da sie die auf sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat.
— Vom bayrischen Flottenverein. München, 28. Juni. Der bayrische Landesverband des Deutschen Flottenvereins hielt heute eine Delegiertenversammlung ab, in welcher über die Danziger Tagung berichterstattet und von allen
würde er doch endlich den Weg zu ihr zurückfinden und in ihren Armen das Glück suchen, das er bei Liselotte nicht fand.
Nach der Tafel wußte sie sich geschiäl in die Nähe der Braut zu schleichen.
Sie zog sie mit sich fort.
„Ich muß mit Ihnen unter allen Umständen einige Minuten ungestört sprechen, liebe Liselotte."
Die junge Frau sah ihr lächelnd und ahnungslos in das erregte Gesicht.
„So kommen Sie gleich, Sibylle, wir wollen hier in das Nebenzimmer treten, da stört uns jetzt niemand."
Sie traten ein, und Liselotte wandte sich fragend an Sibylle, nachdem sie Platz genommen hatten.
„Was haben Sie mir fo wichtiges zu ic.'en? Sie machen mich neugierig."
Sibylle krampfte in wilder Erregung die Hände zusammen und sah mit gutgespielter Zerknirschung in das liebe Gesicht der jungen Frau.
„Liselotte, ich ertrage es nicht länger, Sie zu betrügen. Sie waren so lieb, so gut zu mir. Ich vermag es nicht länger. Ihnen so heuchlerisch zu begegnen. Wir haben ein unwürdiges Spiel mit Ihnen getrieben, Wolf und ich haben Sie fortgesetzt belogen. Verzeihen Sie mir, liebe, *7«ii e Liselotte."
Liselotte war bleich geworden wie ihr weißes
Rednern die Uebereinstimmung mit den dortigen Beschlüsten ausgesprochen wurde. Auf eine Anfrage teilte der Vorsitzende, Oberstleutnant a. D. v. Spieß mit, Prinz Rupprecht von Bayer» habe sich in einem Schreiben erfreut darüber geäußert, daß die Danziger Verhandlungen in versöhnlichem Geiste geführt worden seien. Da jedoch erst die Zukunft zeigen könne, wie das neue Präsidium seine Aufgabe auf Grund der Danziger Beschlüste auffaste und in welchem Sinne der Verein künftighin geleitet werde, sei er zur Zeit nicht in der Lage, sich über die Wiederaufnahme des Protektorats auszusprechen. Der Prinz stimme völlig überein mit den Anschauungen, die Prinz Heinrich von Preußen in seinem Telegramm an die Danziger Tagung ausgedrückt habe. — Der bisherige geschäftsführend« Ausschuß wurde dann durch Akklamation wiedergewählt.
— Die Stellungnahme 31m Fall Bernhard ist von der philosophischen Fakultät in Berlin noch nicht endgiltig entschieden. Die Meldung von der Absendung eines Protestes an den Kultusminister war also verfrüht. Im nächste» Donnerstag findet eine neue Sitzung statt.
— Recht fo! Pofen, 27. Juni. Der Präsident der Ansiedlungskommission richtete an de» „Dziennik Poznanski" eine Zuschrift, in der ex die Meldung dieses Blattes, daß an die Gutsbesitzer amtliche Aufforderungen zur Angabe statistischer Unterlagen ergangen sind, womit di« ersten Schritte zum Zwecke der Enteignung geschehen seien, als jeder tatsächlichen Begründung entbehrend bezeichnet und ihn aufgrund bei Preßgesetzes ersucht, diese Berichtigung in deut, scher Sprache abzudrucken. i
— Deutschland und Rußland. Petersburg 27. Juni. In der „Nowoje Wremja" warn| heute Menschikow unter der Ueberschrift „Schuh ter an Schulter" eindringlich vor einem deutsch russischen Konflitt; er tritt scharf für eine Sei feftigung der deutsch-russischen Beziehungen «ich Die englische Einkreisungspolitik müste notroe» big den Weltkrieg herbeiführen, wobei aufje, den Dreibundmächten auch Schweden, Rumänien und die Türkei auf Deutschlands Seite stehen Das französisch-russische Bündnis stehe nur auj dem Papier; der in Frankreich herrschende RL dikalisrnus haste die russische Regierung, dahe^ werde Rußland bei einem englisch-deutsche^ Konflitt allein die Zeche bezahlen müssen. Ruf die radikalen Parteien Tlußlands, sowie die Po, len hatten ein Interesse an der Herbeiführun» eines deutsch-russischen Kriegs. — Alles sehr rich tig, es fragt sich nur, ob dies: Stimme gegen; über dem Chorus der Deutschhaster durchdringe» wird. '
— Rechtsanwalt Liebknecht, einer der neue, sozialdemokratischen Abgeordneten hat beiflj Oberreichsanwalt Zweigett um Urlaub zw Teilnahme an der Eröffnungssitzung des Lanig tags nachgesucht. Dieser hat das Gesuch abg« lehnt. Auf eine telegraphische Beschwerde a\ den Reichskanzler hat er folgenden Bescheid ei. halten: „Zur Aenderung des vom Oberreichsaft walt erteilten Bescheides hat der Reichskanzlei keinen Anlaß. Der Anspruch, behufs Teilnahme an den Landtagsverhandlungen Unterbrechung einer Straftat gewährt zu erhalten, ist durch ge( fetzliche Vorschrift nicht zu begründen. Au»
Kleid. Wie abwehrend streckte sie die Händl von sich und sah entsetzt auf ihre Freundin.
„Was reden Sie — was soll ich verzeihen?* murmelte sie halb erstickt.
„Fasten Sie sich, ich bitte Sie. Liselotte, ich will nicht schuld sein, daß Sie ungewarnt in diese Ehe gehey, Hören Sie mich an. Wolf und ich, wir lieben uns seit langem. Wir waren beide arm und wir konnten uns nicht angehören. Da beschlosten wir, uns zu trennen. Ich heiratete Römer, und Wolf beschloß, um Sie zu werben. Wir wollten uns vergeßen, aber unsere Siebe war stärker und besiegte alle Bedenken. Mich zog es Wolf nach. Deshalb bestimmte ich meinen Mann, Gernrode zu kaufen. Wolf und ich beschloß, Ihnen unsere Liebe zuf verheimlichen. Wir vereinbarten, weil wir Ihr Mißtrauen geweckt glaubten, Ihnen glaubhaft zu machen, datz eine meiner Cousinen Wolfs erste Liebe gewesen sei. Wolf hatte Ihnen ja in einem unbewachten Augenblick verraten, daß er schon eine Andere geliebt hatte. Er beschwor mich oft bei unseren heimlichen Zusammenkünften, vorsichtig zu sein, denn er fürchtete, Sie würden von der Verbindung zurücktreten, wenn Sie Verdacht schöpften. Ach, Liselotte, ich liebe ihn fo sehr — er war arm und haßte die Abhängigkeit. So schwieg ich und betrog Sie, trotz meiner Gewissensbisse, Liselotte, können Sie mir verzeihen?"
(Fortsetzung folgt)