i mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Wahlterrorismus und Strafrecht.
Man schreibt uns:
Bei der Landtagsstichwahl im 12. Berliner Wahlkreise ist der sozialdemokratische Bewerber mit einer Mehrheit ort C Stimmen gewählt worden. Unzweifelhaft liegt das Verschulden an diesem Ausgange zum Teil an den bürgerlichen Wählern. Bei der Hauptwahl am 16. Iunr waren 331 bürgerliche Stimmen abgegeben worden. Bei der Stichwahl haben 16 bürgerliche Wahlmänner, die bei der Haupt- wahl gefehlt hatten, gewählt. Demgemäß hätten sich 347 Stimmen auf den freisinnigen Kandidaten vereinigen können. Da er «der nur 307 Stimmen erhielt, so haben 40 bürgerliche Wahl- männer ihre Pflicht nicht getan. Eine Anzahl Wahlmänner hat sich zweifellos nicht aus Abneigung gegen die Freisinnigen, sondern ans Furcht vor der Sozialdemokratie der Stimme enthalten. Die Sozialdemokraten hatten innerhalb des Wahlkreises eine Liste von 15 Wahl- männern aus den Kreisen des Kleingewerbes, die in der Hauptwahl gegen die Sozialdemokratie gestimmt hatten, angeschlagen. Einer dieser solchermaßen auf die Proskriptionsliste gesetzten Wahlmänner erzählte einem Gewährsmanns der „Vosiischen Zeitung", er habe schon am Vormittage des Wahltages infolge des von der Sozialdemokratie gegen ihn verhängten Boykotts einen großen Einnahmeausfall gehabt, da sonst sichere Kunden fortgeblieben seien. Würde er von seinem LtZahlrecht Gebrauch machen, so würde das noch schlimmer werden, deshalb würde er an der Wahl nicht teilnehmen. Dem freisinnigen Kandidaten fehlten nur 7 Stimmen zur Erlangung der Mehrheit, wenn als" von den 15 boyko". erten Wahlmännern nur die Hälfte ebenso gedacht und gehandelt hätte, wie der von der „Voss. Ztg." genannte Vorkosthändler Seela — und wer könnte das den für ihre Existenz fürchtenden Leuten vei- Ü6e(n — so ist der Sieg der Sozialdemokratie durch oie Einschüchterung der Wahlmänner herbeigeführt worden.
Gewiß wird die Wahl angefochten und, wenn sich der Nachweis der Wirkung des Boykotts führen läßt, auch für ungültig erklärt werden. Dies erscheint uns aber nicht als die genügend« Sühne für eine so verwerfliche Handlungsweise, wie es der politische Boykott ist. Das gegenwärtige Strafrecht kennt allerdings Strafen für Widerrechtliche Beeinflussungen bei Wahlen. Hierüber handeln die §§ 107, 108 und 109 des Strafgesetzbuches. § 107 erklärt es für strafbar, wenn jemand einen anderen durch Gewalt oder Bedrohung mit einer strafbaren Handlung an der Ausübung seines Wahlrechts hindert. § 108 behandelt die Wahlfälschung und § 109 den Kauf und Verkauf von Wahlstimmen. Keiner dieser Paragraphen ist also auf den von der Sozialdemokratie im 12. Berliner Wahlkreise beliebten politischen Boykott anwendbar. Die ßtz 108 und 109 sind es schon ganz gewiß nicht.
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(Nachdruck verboten.);
Liselottes Heirat.
Von H. Eourths -Mahler. ? (Fortsetzung.)
Unbesorgt — kein Mensch soll ahnen, was wir einander find. Gibst Du nun Deinen Widerstand auf Wolf? Sei doch nicht kleinlich. Du liebst mich ja doch noch, wenn Du auch dagegen »nkämpfst. Weißt Du, was ich beabsichtige? Du sollst Pächter werden in Gernrode, sollst Dem geliebtes Gernrode wieder bewirtschaften, ich werde das alles regeln. Dann bist Du mrr nahe, Wolf. Wirst Du es tun?“
Wie ein heißer Strom fluteten ihre leiden- fchaftlichen Worte über ihn hin, und er mutzte still halten, wollte er nicht Aufsehen erregen. Nun sah er kalt und unbewegt in ihr glühendes ^'Gnädige Frau — ich mutz für all ihre Güte danken," sagte er höflich kühl. „Meine Tätigkeit auf Schönburg würde mir nicht gestatten, Gernrode zu bewirtschaften."
So gib diese Tätigkeit auf, Wolf. Hier ,st doch" Dein Vater Regent." ,
Nur vorläufig. Da ich mich yeute abend m.,'Fräulein von Schönburg verloben werde, gehen die Güter meiner Braut spater tn meine ^Nun"war's gesagt. Wolf stellte sich unwillkürlich so, daß Sibylle von den anderen nicht beobachtet werden konnte. Und das war gut. Er erschrak selbst, als er in das totenblasse Frauengesicht mit den glühenden Augen blickte. Aber Sibnlle verstand sich zu beherrschen. Lang«
Der § 107 aber ist es auch nicht, weil er den Tatbestand der Gewalt, und zwar der Tat der buchstäblichen Eewaltsausübung oder der Bedrohung mit einer strafbaren Handlung voraussetzt. Der Boykott ist zwar eine Ausübung der Gewalt, aber keiner buchstäblichen Gewalt, und da er strafgesetzlich nicht verfolgbar ist, so ist auch di« Bedrohung mit dem Boykott kein« Bedrohung mit einer strafbaren Handlung.
Wir möchten deshalb den § 107 weitergefaßt sehen, und zwar in dem Sinne, daß die Einwirkung auf die Abstimmung oder Nichtabstimmung durch die Drohung mit einem Nachteil für strafbar erklärt wird. Die Sozialdemokratie wird sich darauf berufen, daß auch Angehörige anderer Parteien von dem Mittel des Boykotts Gebrauch machten. Gut, wenn sie es tun, so mögen sie auch bestraft werden. Es ist gerade genug, daß durch die innerpolitischen Gegensätze und Streitigkeiten zahllose Verbitterungen erzeugt werden. Das geschäftliche Leben aber und die damit verbundene Existenz des Staatsbürgers dürfen nicht durch die Abstimmung des Wählers für diese oder jene Partei berührt werden. Gibt der Staat dem Bürger das Recht der politischen Betätigung durch die Ausübung des Wahlrechts, so muß er den Staatsbürger auch darin schützen, daß et ihm die Möglichkeit unbehinderter Ausübung dieses Rechts gewährt.
M Deutsches Reich.
— Eine bedeutsame Rede des Kaisers. In Brunsbüttelkoog, wo der Kaiser zur Segelregatta des Norddeutschen Regatta - Vereins weilte, hat et bei einem Diner an Bord bet „Oceana" auf eine Rede des Hamburger Bürgermeisters Dt. Burchard sich folgendermaßen geäußert. Et erwähnt« die bevorstehende Reichs- finanzrefotm und meinte: Ich kann mir wohl denken, daß in der Mitte der Sportsleute, die heute hier auf dem Wasiet sich getummelt haben, so manches weise Haupt sitzt, dessen Denken und Arbeiten nicht nut für ihn, sein Haus und seine Reederei, sondern auch für das Deutsche Reich und das deutsche Volk von Nutzen ist, und in dem Gedanken Raum finden mögen über die Zukunft unseres Vaterlandes, soweit sie seine so wichtige finanzielle Ordnung betrifft. Nun meine Herten, die Basis ist gelegt; die Pläne sind aufgestellt, und das Hamburgische Blut, das in den Adern unseres ausgezeichneten und hochverehrten Kanzlers fließt, wird Ihnen garantieren, daß der Aufbau für die Reichsfinanzreform rationell, gesund und für das Reich zweckdienlich sein wird. Der Mann, der ihm zur Seite steht, verdient Ihr volles Vertrauen und das des Vaterlandes. Was geplant ist, muß noch Geheimnis bleiben und darf nicht gesagt werden. Vielleicht kann, wenn ich den Schleier etwas lüften soll, für diejenigen, die nicht verheiratet sind, eine Jung- gesellen st euer zum Vorschein kommen. Bestimmt ist es aber nicht nicht. (Große Heiter-
sam kam die Farbe wieder. Nur ihre Augen bohrten sich forschend in sein Gesicht, dann sagte sie langsam:
„Ah — Du hast Dir auch einen Goldfisch gefangen. Ich verstehe Dich und kann Dir nicht unrecht geben, wenn es auch weh tut. Wolf, jetzt verstehe ich erst ganz, was ich Dir für ein Leid zufügte, als ich Römers Gattin w„rde. Wir sind quitt. Aber an unserer Liebe wird auch das nichts ändern. So wenig ich Dich als Römers Gattin vergessen kann, so wenig wirst Du mich als Gatte der kleinen Liselotte vergessen. Versprich mir, daß Du mich bald besuchst in Gernrode."
Ein Ekel ohnegleichen vor dieser Frau packte ihn.
„Es wird besser fein, ich komme nicht," sagte er streng.
Sie fuhr auf.
„Wolf, hüte Dich," zischte Sibylle, „ich bin zu allem fähig."
In diesem Augenblick trat Römer mit Wolfs Vater zu den beiden. Sibylle plauderte sofort in leichtem Tone mit ihnen, während Wolf sich nur mühsam faßte.
Ein dumpfes Bangen zog in seine Seele wie eine Ahnung, daß Sibylle mit ihrem ungezügelten Temperament ihm sein Glück trüben könnte. Hatte er nicht Beweise ihrer Tollheit? Wie sollte er ihr entgehen, wie seine süße, reine Liselotte vor ihr schützen? Seine Augen suchten das holde Geschöpf. Sie stand noch immer wie festgenagelt neben der alten Hofdame und sah ihn mit lieblicher Schelmerei hilfeflehend an. Schnell ging er zu ihr hinüber und erlöst«
feit.) — Indem der Kaiser der in Hamburg verlebten Tage und des herzlichen Empfangs gedachte, sagte er: Ich möchte noch einmal hier, wo so viele Hamburger versammelt sind, auf einem Hamburger Schiffe, auch von meiner Seite aus versichern, wie tief ergriffen ich gewesen bin von der Haltung der Bevölkerung und von dem Abend auf der Alster. Als ich mich fragte, wo der Grund für diesen Ausbruch der Begeisterung liege, da erschallte spontan, erst allmählich, bann immer mächtiger anschwellend, unser altes deutsches Stuxmlieb. Nun wußte ich genug. Meine Herren, ich danke Ihnen dafür, ich habe Sie verstanden. Es war der Druck der Freundeshand einem Manne, der entschlossen seinen Weg geht, und der weiß, daß er jemanden hinter sich hat, der ihn versteht und der ihm helfen will. Die Hamburger und ich, wir verstehen uns. Möge der Sport blühen, möge sich der Norddeutsche Regattaverein weiter entwickeln und ebenso der Hamburger Handel unter dem Schutze eines ehrenhaft be- wahrten Friedens, den unser Heer und unsere Marine verbürgen werden! Hamburg soll leben Hurra! Hurra! Hurra!
— Der Kaiser in Kiel. Kiel, 24. Zuni. Nachdem die „Hohenzollem" an dem gewohnten Liegeplatz festgemacht hatte, empfing der Kaiser den Besuch des Kronprinzen und der Kronprinzessin, bei Prinzessin Eitel-Friedrich, des Prinzen und der Prinzessin Heinrich, sowie des Prinzen Sigismund von Pre tzen und nahm die Meldungen des Stationschefs und der Admiralität entgegen. Der Kaiser machte sodann Besuche auf der „Deutschland" und bei den anwesenden Admiralen. Zur Abendtafel an Bord- ber „Hohenzollem" beim Kaiser find geladen: der Kronprinz und die Kronprinzessin, Prinzessin Eitel-Friedrich, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen, Staatssekretär v. Tirpitz, die Admirale v. Prittwitz und v. Fischel, Gras Baudissin, Vizeadmiral v. Usedom und Obet- präsident v. Bülow.
— 3ns Herrenhaus berufen. Bonn, 24. Juni. Der frühere Landeshauptmann der Rheinprovinz, Geh. Ober-Regierungsrat Dr. Klein ist ins Herrenhaus berufen worden.
— Das Pfarrerbesoldungsgesetz. Wie verlautet, wird das Pfarrerbesoldungsgesetz, um seine Durchberatung am 26. und 27. Juni zu erleichtern, zuerst dem Herrenhause zugehen.
— Gehaltsaufbesserung in Baden. Karlsruhe, 24. Juni. Nach viermonatiger Kommissionsarbeit und dreitägiger Verhandlung im Plenum hat heute die Zweite Kammer die Vorlagen betr. die Gehaltsordnung und Gehaltstarife, sowie die Abänderung des Veamten- gesetzes von 1888, welch . Kompromisse mit der Regierung barstellen en bloo angenommen. Die Vorlagen bringen eine 18—19prozentige Aufbesserung sämtlicher Beamten sowie eine wesentliche Verbesserung bes Beamtenrechtes.
sie, inbem er sie mit einer Bitte um Entschuldig- ung davonführte.
„Gott sei Dank, Wolf," flüsterte sie, „ich fürchtete, Wurzeln zu schlagen bei der alten Dame. Hast Du Dich mit Frau von Römer von neuem angefreundet? Ich sah Dich lange mit ihr sprechen?"
„Sie ist mir nicht sehr sympathisch, offen gestanden."
„Nicht möglich, eine so schöne Frau?"
„Schön ist fi« wohl, aber ich hoffe, wir treffen nicht sehr oft zusammen."
Sie lachte.
„Ungalanter Wmf, das wird sich kaum vermeiden lassen."
„Schade. Ich wollte, sie wäre geblieben, wo der Pfeffer wächst. Ueberhaupt — all die Menschen sind mir äußerst lästig, ich möchte viel lieber mit Dir allein sein."
Sie sah ihn zärtlich an.
„Ich mit Dir auch. Doch sei brav. Dieser Tag hat auch ein Ende.
„Gottlob."
Als später die Verlobung Wolfs und Liselottes proklamiert wurde, gab es großes Aufsehen und Erstaunen. Sibylle war di« erste, die dem Brautpaar scheinbar herzlich gratulierte. Den ganzen' übrigen Abend mußten Wolf und Liselotte einen Schwall von Gratulationen, von neugierigen Fragen und liebenswürdigen Neckereien über fich ergehen lassen. Sie kamen kaum zur Ruhe. Sibylle wußte trotzdem geschickt noch eine kurze Zeit des Jso- liettseins mit Wolf herbeizuführen.
„Weiß Deine Braut etwas Den unserem früheren Verhältnis?"
— Das Abiturientenexamen für die atahe«. i mische Landmesserlaufbahn wird in einer Zuschrift an die Post aus Landmesserkreisen gefiebert, unter Hinweis barauf, baß Bayern, Sah» sei, Mecklenburg biese Forderung bereits stell« und dazu ein dreijähriges Hochschulstudium verlangen. Es liegt im Zuge der Zeit, daß mit der Intensität der wissenschaftlichen Vorbildung auch eine Erschwerung des Zuganges zu einet Reihe früher nicht durch Abiturientenexamen - beschwerter Laufbahnen gefordert roirb., Wit erinnern nur an bie Techniker unb bi« neue Prüfungs- unb Promotionsorbnung bet technischen Hochschulen, wir erinnern an bie Zahnärzte, Veterinärärzte unb ähnliche Kategorien. Zu beni Verlangen der Landmesser haben sich einige Lanbwirtschaftskammern wohlwollend gestellt, ablehnend dagegen bie Zentralstelle bet Lanbwirtschaftskammern in Berlin. Der preußische Lanbwirtschaftsminister hat gleichfalls in der Sitzung vom 20. Januar b. I. im Abgeord» netenhause zwar ben Wunsch bei Lanbinesser als erklärlich bezeichnet, gleichwohl ein tatsächliches Bebürfnis für eine höhere Vorbilbung verneint, ebenso der Kommissar bes Finanzministers, Darüber führt bei Einsenbei besonbere Beschwerbe unb hebt bankbar hervor, wie bie Abgeordneten Viereck unb Riesch sich bieser Bestrebungen der Landmesser angenommen und sie neben dem Abg. Graf von der Recke-Volmerstein im Landtage vertreten haben. Nun ist seit längerem eine Reorganisation der Auseinandersetzungsbehörden und eine Reform des Verfahrens im Landtage angeregt und von Negierungsvertretern in Aussicht gestellt. Ob und wann diese Reformen zustande kommen werden, läßt sich bei bet großen Schwierigkeit bet Materie noch nicht übersehen. Immerhin möchten wir die Lanbmesser auf biese Gelegenheit Hinweisen, ihren Wünschen besonberen Nachbruck,gn verleihen. Es bürste nicht ausgeschlossen fein, daß bei einem solchen Reorganisationsplan auch die Frage bet Vorbilbung ber ausführenben Beamten eingehend erwogen wird.
— Die Landtagswahl in Moabit wird von den Freisinnigen angefochten werden. Es wird geltend gemacht, es seien eine Reihe von Stich» und Ersatzwahlen garnicht vorgenommen worden, außerdem seien Wahlmänner gewaltsam an bet Ausübung ihres Wahlrechtes verhinbett worben. — Die Behauptung, baß konservativ« Wahlmänner aus Furcht vor dem wirtschaftlichen Terror sozialbemokratisch gewählt hätten, scheint sich nicht zu bestätigen. Daß durch bie Schuld ber Nationalliberalen unb Konservativen der Kreis verloren gegangen sei, ist unrichtig, denn es ist auch festgestellt, daß selbst freisinnige Wahlmänner „verreist" waten«
— Ein Dementi. Die „Nordd. Allg. 3tg.‘’ schreibt: Das in den letzten Tagen in einer Anzahl Tageszeitungen verbreitete Gerücht, daß der Gouverneur von Kiautschou, Vizeadmiral v. Truppe! von seinem Posten zurücktreten und durch den derzeitigen Oberwerftbirektor in Kiel, Vizeadmiral v. Usedom, ersetzt werden dürste, ist völlig aus der Luft gegriffen und entbehrt jeder Begründung. — Vor ber Verbreitung solcher auf unkontrollierbare Quellen zuiückzuführenben
„Nein, aber meine Braut weiß, bas ich zu- vor eine andere liebte. Dank Ihrer Anbeutungen glaubt sie, es fei eine Ihrer Cousinen gewesen, die mir bie Treue brach."
„Das ist gut so. — Wolf, sag mit doch ein einziges gutes Wort, ich flehe Dich an.“
„Bitte, lassen Sie diesen Ton. Et entwürdigt Sie und mich. Es ist nicht gut, daß Sie nach Gernrode gekommen sind, gnädige Frau, ich sehe nur Unheil für uns beide daraus entstehen."
Begreifst Du nicht, welch Reiz für mich darin liegt, da zu leben, wo Du Deine ganze Jugend verbracht? Da ich nicht Fra» von Gernrode werden konnte, wollte ich wenigstens Herrin von Gernrode sein."
Wolf sah sich um, ob ihn niemand erlöste; sie aber glaubte, er wolle sich nut versichern, daß fein Lauscher in der Nähe sei. Da trat Liselotte lächelnd hinzu. „ , ;
Sibylle hängte fich zutraulich liebenswürdig in Liselottes Arm unb schritt mit ihr burch den Saal.
„Wit sprachen eben von Ihnen, gnädiges. Fräulein. Ich bewunderte Sie, baß Sie trotz Ihrer Jugend so sicher auf einem so schwierigen Posten stehen. Ihre Besitzungen stnd ja enorm groß, unb Sie können sich fühlen wie eine Fürstin, verstehen wohl auch zu herrschen wie eine solche?" j
„O nein, gnädige Frau, damit ist es schlecht i bestellt. Ich bin froh, wenn bas Regiment auf 1 Schönburg aus den Händen meines Vormundes in bie meines künftigen Gatten geht, ohne daß, ich mich im mindeste» darum zu tümmete ■ brauche." (Forts, folgt.) '