mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Marburg
Donnerstag. 25. Juni 1908.
Die Jnsertionsgebübr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hrtzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 65.
43. Jahrg.
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Gustav Schmoller.
Lin Stück sozialpolitischer Eegenwartsgeschichte.
Am 24. Juni feiert der ordentliche Professor .der Nationalökonomie an der Universität Berlin, Gustav Schmoller, seinen 70. Geburtstag. Ein Komitee hat sich an alle früheren Schüler Und Mitglieder seines staatswissenschaftlichen Seminars gewandt, sie zu einer gemeinsamen ^Kundgebung der Dankbarkeit zu vereinigen. Beabsichtigt ist die Bildung eines Fonds zu wissenschaftlichen Zwecken, dessen nähere Be- Istimmung dem Jubilar überlassen bleiben soll. Die Zahl seiner Schüler ist sehr erheblich, reicht ^doch seine Lehrtätigkeit über 45 Jahre und so ßverden ihm sicherlich weithin reichende Ehrungen zuteil werden.
Schmoller führte sein Ordinariat neben dem ganz wesensverschiedenen Adolf Wagner. Nicht zuletzt war es seine verbindliche, zu Konzessionen bern geneigte Art, die auch die Schüler Adolf Wagners in seine Vorlesungen zog und die ihm >uu$) dem Rücktritte von Bismarck, dessen einer ssoltswirtschaftlicher Berater der knorrige Wag- Der gewesen ist, in den Vordergrund der einfluß- steichen sozialpolitischen Ratgeber rückte. Bekannter in weiten Kreisen wurde er 1874 durch ]ben bekannten Singakademievortrag, in dem er »soziale Verpflichtungen" des preußischen Königtums formulierte, das Wort vom „sozialen Königtum" ist viel nachgesprochen worden. Er schuf sich in dem Verein für Sozialpolitik das Organ, das seine Fühlhörner weit hinein in alle Schichten der gebildeten Bevölkerung und darüber hinaus streckte. Diese Anfänge führten zu einer scharfen Auseinandersetzung mit Heinrich v 0 n T r e i t s ch k e, der die Uebertreibung voraussehend, welche die Schüler Schmollers begehen würden, dem „Sozialismus und seinen Gönnern" von vornherein den Weg zu verlegen suchte.
Freilich lagen die Ideen der sozialen Verpflichtung damals beinahe in der Luft. Bekanntlich hat Freiherr von Stumm schon im norddeutschen Reichstag Forderungen für die Sicherung der Arbeiter gegen Krankheit, Invalidität und Unfall aufgestellt, sodaß, als der Alt-
15 (Nachdruck verboten.),
Liselottes Heirat.
Von H. Courths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Liselotte hatte keine Ruhe mehr zu Hause. Es drängte sie, Wolf entgegenzugehen. Sie sehnte sich nach seinem Anblick, als habe sie ihn tr:t weiß wie lange entbehrt. Schnell nahm sie Hut und Schirm und wanderte durch den Park. Noch war sie nicht weit gekommen, da sah sie ihn von weitem. Er erblickte sie zu gleicher Zeit und beeilte sich, in ihre Nähe zu kommen. Schnell war er an ihrer Seite, sprang vom Pferde und schloß sie glückstrahlend in seine Arme.
„Meine Liselotte, wie lieb, daß Du mir ent- g-genkamst. Ich hatte so große Sehnsucht nach Dir."
„Gerade so ging es mir," sagte sie, glücklich in sein strahlendes Gesicht blickend. War sie nicht eine Törin, daß sie sich mit dummen Gedanken gequält hatte! Das sollte nun aber gewiß nie mehr vorkommen. Ihres Wolf Liebe konnte sie sicher sein. So treu und warm blickten seine Augen auf sie herab, so voll inniger Liebe. Das Beste war wohl sie beichtete ihm ihre dummen Hirngespinste.
Aber dann schämte sie sich wieder, ihm ihre eifersüchtige Regung zu gestehen. Es war doch besser, sie schwieg.
Arm in Arm gingen sie durch den schönen alten Park, in dem es so heimlich still und traut war. Wolf hatte den Zügel um seinen Arm geschlungen, und das Pferd folgte langsam, hie und da einen Grashalm schnuppernd oder den Kopf übermütig zurückwerfend.
Sie sprachen über die gemeinsame Zukunst Und über die Vorbereitungen zum Fest. Dann sagte Liselotte plötzlich:
reichskanzler Fürst Bismarck mit der vollen Wucht seiner Persönlichkeit diese Gedanken sich zu eigen machte und alsdann im Jahre 1881 mit der sozialen Kaiserlichen Botschaft vom 17. November die Arbeiterversicherungsgesetze einsetzten, es zwar noch harter Kämpfe, sie durchzusetzen, bedurfte, aber schließlich doch die Mehrzahl des Parlamentes an den Gedanken gewöhnt wurde, die Kosten für die Versicherung der Arbeiter gegen Krankheit, Invalidität und Alter zu einem Posten der Produktionskosten zu machen. Wieder sind es die Sozialisten gewesen, die, wie immer, wo es sich um das Wohl der arbeitenden Klasse handelte, gegen diese für die Welt vorbildlichen gesetzgebrischen Maßnahmen stimmten. Die Verwandtschaft der Anschauungen über die Hebung des vierten Standes war es wohl, die den Jubilar seinerzeit zur freikonservativen Partei hinzog. Kühler wurden die Beziehungen, als die Uebertreibung der sozialen Gedanken, insbesondere auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes, die sich ihrer Verantwortung bewußten Politiker zu einer warnenden Stellungnahme führen mußten. Direkt gesetzgeberisch hervorzutreten hatte Schmoller wenig Gelegenheit. Er gehört im preußischen Herrenhause der neuen Fraktion an, deren Vorsitzender der Abgeordnete Fürst von Hatzfeld, Herzog zu Trachenberg ist, hat dort auch einige beachtete Reden gehalten, insbesondere zur Berggesetzgebung. Um so fleißiger beteiligte er sich an den Kommissionsberatungen; mehrere ausgezeichnete Kommissionsberichte entstammen seiner Feder. Der am meisten energische Träger Schmollerscher Ideen ist die Gesellschaft für soziale Reform, an deren Spitze der frühere preußische Handelsminister Freiherr v. Berlepsch steht und deren Organ die „Soziale Pracis" ist.
Bei den starken Ausstrahlungen des Sozialen Grundgedankens so vieler Vereine und Vereinigungen, die die Silben „Sozial" im Namen führen zu müssen glauben, mußte der Zeitpunkt eintreten, wo die Arbeitgeber, wie unter der letzten Zeit des Staatssekretärs Grafen von Po- sadowsky, das Gefühl bekamen, als würden sie jetzt nur noch als quantitS nögligeable behandelt. Das hat dann zu dem starken Zusammenschluß der Arbeitgeber geführt und der jetzt auch das ganze Handwerk umfassenden Arbeitgeberschutzverbände. Zwischen ihnen und den Arbeiterverbänden sucht man durch Tarifgemeinschaften den sozialen Frieden wieder herzustellen. Da diese Gemeinschaften aber vorläufig in der Hand der deutschen Arbeiter Schrauben ohne Ende sind, so dürften zunächst die Arbeitskämpfe nur noch hitziger werden. Jedenfalls verdienen die Stimmen starke Beachtung, welche ein langsameres Tempo auf dem Gebiete der Sozialpolitik, insbesondere auf dem Wege zu einer weiteren und erneuten Belastung der Arbeitgeber fordern.
„Herr und Frau von Römer aus Gernrode haben ihren Besuch gemacht. Wir werden sie auch bitten müssen."
Wolf hatte in den letzten Tagen Zeit gehabt, sich darüber klar zu werden, wie er sich zu Sibylle stellen sollte. Ein Verkehr zwischen ihnen war nicht zu vermeiden, das hatte sie wohl auch schlau vorausgesehen. Ebensowenig ließ es sich verschweigen, daß sie sich kannten. Wenn auch er und Sibylle nicht darüber spra- dfen, Herr von Römer würde ihn natürlich wiedererkennen. So war es am besten, die Bekanntschaft unbefangen zuzugeben. Einen Augenblick hatte er geschwankt, ob er Liselotte nicht alles sagen sollte, aber dann sagte er sich, daß er seine Braut damit nur beunruhigen würde. So wie er Sibylle kannte, war er keinen Moment im Zweifel gewesen, was ihr plötzliches Auftauchen in Gernrode bedeutete. Sie würde das alte Spiel von neuem beginnen wollen und ihm auf jede Weise nahe zu kommen suchen. Nahm man Liselotte ihre Unbefangenheit, dann gab es Unruhe und Sorge für sie wegen jeder zufälligen Begegnung. Es war besser, er schwieg und suchte allein mit der törichten Frau fertig zu werden. Wenn sie erfuhr, daß er Liselottes Verlobter sei, würde sie begreifen, daß er nichts mehr mit ihr gemein haben wollte. So sagte er ruhig und gelassen:
„Das werden wir wohl, Liselotte, um so mehr, als ich die Herrschaften von früher kenne."
Nun war Liselotte ganz ruhig, als er das so unbefangen zugab.
„Sie sprachen von Dir und entsinnen sich Deiner sehr gut. Frau von Römer hat mir sogar erzählt, daß Du im Hause ihrer Verwandten von ihren Cousinen sehr bevorzugt wurdest."
Sie sah ihn heimlich forschend dabei an und merkte, wie seine Stirn sich rötete. Also war sie auf der rechten Fährte mit ihrer Vermutung!
Nur ein Teil seiner Lebensarbeit 'lag auf diesem Gebiet. Aber gerade diese wohl kaum vorhergesehene Wirkung eines Teiles seiner Lehren zeigt doch, wie gefährlich die Ueberspan- nung an sich gesunder Grundsätze werden kann und wie notwendig es ist, daß im Parlamente Männer mit starkem Rückgrat sitzen, die nicht der augenblicklichen Volksgunst zu Liebe die Grenzen des volkswirtschaftlich Zuträglichen übersehen. (Freik. Äon.)
v Deutsches Reich.
— Eine Reise des Kaiserpaares nach Jerusalem? Der „Franks. Ztg." wird aus Berlin gemeldet: Kürzlich haben, wie die „Post" berichtet, Konferenzen stattgefunden, bei denen dem Kaiserpaare die Modelle für die neue Kaiserin Augusta Viktoria-Stiftung am Oelberge in Jerusalem vorgelegt wurden. Sowohl der Kaiser wie die Kaiserin sollen hierbei des öfteren die Ansicht geäußert haben, anläßlich der feierlichen Eröffnung des Pilgerheims eine zweite Reise nach Jerusalem zu unternehmen. Programmäßig soll der Bau im Frühjahr 1910 vollendet sein. Die Fahrt nach Jerusalem würde sich dann nach der Absicht des Kaiserpaares direkt an die Frühjahrsreise nach Korfu in dem genannten Jahre anschließen.
— Ein Franzose über den deutschen Kaiser. In der französischen Wochenschrift „L'Opincon" veröffentlicht Professor L. Mabilleau, der Präsident der internationalen Vereinigung für Mutualismus, einen Artikel, in dem er die Eindrücke wiedergibt, die er von diesem empfangen hat, als er in Kiel mit ihm zusammen war. Der Verfasser sagt: „Kaiser Wilhelm denkt und fühlt vor allem als Deutscher, aber er ist sich der großen Veranwortung bewußt, die er als eines der leitenden Mitglieder der europäischen Gesellschaft zu tragen hat." Wörtlich soll der Kaiser hierzu geäußert haben: „Welch ein Widerspruch in den äußerlich so korrekten Beziehungen dieser Länder! Wollen Sie Revanche? Nein! Da Sie sie nicht vorbereiten, da Sie nicht daran denken, einen Angriff zu organisieren, vielmehr im Vertrauen auf den Frieden ihren Geschäften nachgehen, so soll also Friede sein! Warum dann aber die Gegensätze bei jeder Gelegenheit so verschärfen, da doch niemand davon einen Nutzen hat? Zwischen uns gibt es nur eine vernünftige Politik: ein entschlossenes Bündnis, das die Rechte jedes einzelnen schützt und mit dem Brudermord ein Ende macht." „Und Elsaß-Lothringen?" warf Mabilleau ein?! Darauf habe der Kaiser erwidert: „Sprechen wir nicht davon! An Ihnen ist es, sich stark und geschickt genug zeigen im Rate der Welt, um Kompensationen zu erhalten, die auf der Karte von Europa in zwanzig Jahren sicher möglich sein werden! Sie müssen selbst wissen, ob Ihre Ehre,
Wolf war errötet, weil er durchschaute, daß Sibylle ihre Cousinen als Vorwand benutzt hatte. Doch war cs ihm lieb, daß Liselotte von der rechten Spur abgelenkt war. Er sah ihr ernst in die Augen.
„Herzlieb, schau mich nicht so ängstlich fragend an. Du hast weder die Cousinen noch sonst eine Frau zu fürchten, sei ganz ruhig. Ich liebe nur Dich."
Sie errötete, weil er sie durchschaut hatte, und drückte nur stumm seinen Arm. Run war sie aller Sorge ledig.
* *
Die Festräume auf Schönburg waren hell erleuchtet. Die alte gediegene Pracht des vornehmen Geschlechtes war an diesem Abend entfaltet worden. Liselotte repräsentierte würdig als Letzte ihres Stammes. Fast fremd erschien sie Wolf in der lang fließenden weißen Seiden- ra.e mit dem herrlichen alten Familienschmuck. Das edle Ebenmaß der schlanken Gestalt kam voll zur Geltung, sie erschien durch das lang- schleppende Kleid viel größer. Das Köpfchen mit den feinen, wenn auch unregelmäßigen Linien saß stolz und anmutig auf ihrem schlan-- ke i Hals. Der prächtige Ansatz des braunen Haares war durch den Ausschnitt des Kleides freigelegt, und der zartrofige Nacken, sowie Schulter und Arme waren von feiner, mädchenhafter Rundung.
„Liselotte, Du bist schön wie eine Fürstin — aber so fremd bist Du mir, mir ist die Liselotte im fußfreien Rock oder in der schlichten Reittracht doch noch lieber, denn die gehört mir allein. Heute muß ich Dich mit vielen teilen, sagte Wolf zu ihr, als sie zum Empfang bet Gäste fertig zu ihm und seinem Vater trat.
Liselotte lachte.
„Mir ist Wolf auch in der Reitjoppe oder im Arbeitskittel lieber als im Frack. Darein iniis-
Jhre ganze Politik, Ihre ganze Zukunft voU dem Wiedergewinn eines Erdenwinkels abhängig sein soll, den ich Ihnen nicht geben kann, und den Sie nicht zu nehmen vermögen! Eilt die europäische Zivilisation nicht mehr als ein Gefühl?" — Nach Mabilleau erträumt der Kaiser die Vereinigten Staaten von Europa unter der Hegemonie Deutschlands, aber et will von dieser Hegemonie keinen anderen Vorteil ziehen, als durch sie den harmonischen und friedlichen Fortschritt aller Völker herbeizufuhren. Wilhelm II. habe sich selbst einmal als „Mutualist" in das Album einer Dame eingetragen. — Wieviel von alledem wahr ist, und wieviel von den Ansichten des Kaisers z. B. über die deutsche friedliche „Hegemonie" auf die Betrachtung und den Standpunkt des Verfassers zurückzuführen ist, wird schwer zu entscheiden sein.
— Staatsminister v. Tirpitz wohnte in Wilhelmshaven mit der an der Marine-Informationsreise teilnehmenden Abgeordneten einer Schießübung der Haubitzenbatterie bei.
— Geadelt. Der Chef der Marinestation der Nordsee, Admiral Fischel, wurde in den erblichen Adelsstand erhoben.
— Ein neuer Aufstieg des Grafen Zeppelin. Friedrichshafen, 23. Juni. Gegen 5 Uhr ist Graf Zeppelin unerwartet mit seinem neuen Ballon aufgestiegen. Er bewegte sich von dem schweizerischen Ufer nach der württembergischen Seite zu. Der Ballon funktionierte tadellos. — Nach IMLndiger Fahrt ist Graf Zeppelin mit seinem Ballon wieder in die Halle zurück- gekehrt. Die Fahrt kann als ausgezeichnet gelungen bezeichnet werden. Der Ballon beschrieb über Friedrichshafen einige Kreise und fuhr dann bis in die Gegend von Langenargen über den Bodensee kehrste hierauf noch einmal hierher zurück und manövrierte dann längere Zeit wieder über dem See indem er Schwenkungen ausführte sich hob und wieder senkte. Der Ballon bewegte sich in einer Höhe von 100 bis 200 Metern. Es herrschte eine leichte Brise.
— Die amtliche Einführung der Funkentelegramme. Die drahtlose Telegraphie wird am 1. Juli in die amtliche Telegraphie des Deutschen Reichs ausgenommen. Staatssekretär Kraetke hat eine entsprechende Aenderung der Telegraphenordnung auf Grund des intet« nationalen Berliner Vertrags vom 3. November 1906 erlassen, in der es heißt: „Funkentelegramme sind Telegramme, die mittels Funkentelegraphen zwischen Küstenstationen und Stationen auf Schiffen in See oder zwischen Schiffen in See gewechselt werden. Die Adresse der Telegramme an Schiffe in See muß den Namen des Empfängers, des Schiffes und der Kiisten- station mit den erforderlichen Zusätzen enthalten. Hat sich das Schiff, für welches ein drahtloses Telegramm bestimmt ist, innerhalb der vom Absender bestimmten Frist oder beim
sen wir uns nun finden, Liebster. Komm, schließ mir das Armband fester, es hat sich gelöst."
Er nestelte absichtlich ungeschickt daran her- u: t, um den weißen runden Arm länger festhal« ten zu können. Dann küßte er das feine Handgelenk.
Unten fuhren die ersten Wagen oct. Auch die Gäste vom Hofe, die schon mittags eingetrof- fen waren und in Schönburg Toilette gemacht hatten, erschienen nacheinander in dem großen Mittelsaal, der zum Empfang bestimmt war.
Liselotte mußte sie alle begrüßen an bet Seite ihres Vormundes. Auf dem Lande ist man pünktlich, ehe eine Stunde vergangen war, hatten sich alle Gäste eingefunden. Unter den letzten befanden sich Römers. Wolf hatte Sibylle noch nicht wiedergesehen. Bei seinem $e* such in Gernrode, den er der Form halber machte, war sie nicht zugegen gewesen. Es wat ihm ein etwas unbehagliches Gefühl, wenn et daran dachte, wie die leidenschaftliche unbesonnene Frau die Verkündigung seiner Verlobung aufnehmen würde. Er hätte ihr gern einen Wink gegeben, und als sie mit ihrem Gatten er* schie.i und er sie mit ritterlicher Verbeugung ge*1 grüßt hatte, ging er darauf ein, daß sie sich auf k: rze Zeit mit ihm zu isolieren trachtete.
Römer sprach mit Fritz Gernrode, und Lis« lotte wurde durch eine alte, etwas schwerhörige Hofdame festgehalten. So standen Wolf unb Sibylle eine Weile allein.
„Wolf," sagte sie leise, „warum bist Du geflohen vok mir?"
„Gnädige Frau — ich muß dringend bitten, - vorsichtig zu sein." ,■ .fcJ ;
- (Fortsetzung folgt.)