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mit -em Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain

tret den Anlagen:Literarischer A«!eiger».Landwirtschaftliche Keilage" ««»Illustrierte« Latmtagsdlatt«.

Atan abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische 4 «ix Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen tn llz Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Freitag, IS. Juni 1908.

Die Jnsertionsgebüdr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unwersitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Httzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jayrg.

Sondergerichte.

Der Kongreß für gewerblichen Rechtsschutz in Leipzig hatte auf seiner Tagesordnung unter anderem auch die Frage eines Sondergerichts­hofes für gewerblichen Rechtsschutz. Diese For­derung ist für den, der die Klagen der Industrie und des Kleingewerbes über die Verhältnis- mäßig geringe Berücksichtigung der Fragen des gewerblichen und literarischen Rechtsschutzes -idurch die Volksvertretungen, d. h. für Deutsch- * land durch den Reichstag, kennt, ja begreiflich. In der Regel nimmt die Besprechung dieser Fragen, welche sich an das KapitelPatentamt" des Etats des Reichsamts des Innern anzu- knüpfcn pflegt, nur geringen Umfang an, liegt doch naturgemäß der Schwerpunkt der Beratun­gen in der Kommission. Von den Kommissions- verhandlungen dringen nur kurze und meist ge­färbte Gerüchte in die Oeffentlichkeit. die so nur ein unzureichendes Bild von der wirklichen Arbeit des Reichstags auf diesem Gebiete be­kommt. Die notwendige Voraussetzung ein­gehender Kenntnisse beschränkt die Verhandlun­gen über dieses Gebiet im Plenum meist auf wenige Fachmänner.

So kommt insbesondere der Kleingewerbe­treibende leicht zu der Auffasiung, daß seine In­teressen nicht genügend gewahrt werden. Sieht man die Patentlisten durch, so bewegen sich die meisten Patentanmeldungen ebenso wie der Gebrauchsmusterschutz in der Hauptsache auf dem Gebiete der kleinen Erfindungen. Dazu kommt, daß die Patentgebühren in Deutschland so ziem­lich die höchsten aller Länder sind und daß die Patentgebühren mit den Jahren so stark anstei­gen, daß die meisten Erfinder nach ein oder zwei Jahren das Patent verfallen laßen, weil sie es bis dabin nicht genügend gewerblich verwerten konnten. Diese Erfinder, die vielleicht große Hoffnungen auf ihre Erfindung gesetzt haben, sind natürlich doppelr enttäuscht, wenn später ein ähnliches Verfahren von einem kapitalkräf­tigeren Unternehmer ausgenützt werden kann. Eine Reihe von Erfindungen ist bekanntlich überhaupt nicht patentfähig, obgleich es bei der gewerblichen Verwertung großen Gewinn bringt- Wie gesagt, es ist begreiflich, wenn solche In­teressenten sich durch den gegenwärtigen Gang der Dinge benachteiligt fühlen und nun Sonder- gerichtshöfe fordern.

Bei der großen Schwierigkeit gerade dieses Gebietes wollen wir uns auf ein für oder wider eines solchen speziellen Sondergerichtshofes für gewerblichen Rechtsschutz, in dem sowohl Juri­sten wie Techniker sitzen sollen, nicht näher ein» lassen. Wir möchten nur davor warnen,, die Modekrankheit mitzumachen, die gegenwärtig grassiert, mit immer neuen Sondergerichtshöfen die sozialen und wirtschaftlichen Schäden unserer Zeit heilen zu wollen. Wir haben die Eewerbe- gerichte. Die schnelle Erledigung der sogenann­ten kleinen Sachen durch diese Gerichte und manche anderen unleugbaren Vorzüge haben bald dazu geführt, ihnen auch Kaufmanns­gerichte als Sondergerichte folgen zu laßen.

Bei der Beratung des Etats der Reichs­justizverwaltung wurde eine Ausdehnung dieser

IQ «Nachdruck verboten.),

Liselottes Heirat.

Don H. Courths-Mahler.

! Fortsetzung.)

Bis jetzt haben Sie sich doch wahrlich nicht über Mangel an Arbeit zu beklagen gehabt, und in Zukunft wird es ebenso sein. Im Grunde tue ich dock nichts, als meine vorwitzige Nase in alles zu stecken und den Anschein zu erwecken, als ver­stehe ich von allem etwas. Entre nous versichere ich Sie, daß ich heilfroh bin, daß ich Ihnen die ganze Verantwortung aufpacken kann. Ich koket­tiere nur mit meiner Tüchtigkeit, das macht mir Spaß und imponiert den Leuten. Außerdem hält es mir die Langeweile fein. Soll ich mit Fräulein Frieda zu Hause sitzen und mich mit ihr um die Wette mopsen? Nein, ich danke sehr, da begleite ich Sie lieber auf Ihren Ritten, (ehe mit Vergnügen zu, wie herrlich Sie es ver­letzen, das Regiment auf Schönburg zu führen, unterhalte mich mit Ihnen vorzüglich und ßomme außerdem noch in den Ruf, eine tüchtige Gutsherrin zu sein. Von meinem ausgezeich­neten Appetit und dem gesunden Murmeltier- schlas, den es mir einbringt, will ich dabei noch gar nicht reden. Wollen Sie mir das nun ver­gälle». oder bin ich Ihnen vielleicht lästig bann sagen Sie es nur ehrlich."

Sie sah ihm forschend ins Gesicht. Ihre Augen hatten einen Ausdruck, der ihm das Blut rascher durch die Adern trieb, lleberhaupt diese Lise­lotte hatte eine Art ihn anzusehen, di« ihn je­desmal unruhig machte.

Er atmete tief auf.

Nein, ich will Ihnen sicher nicht vergällen, was Ihnen Freude macht, und lästig könne«

Eerichtsform auf Sondergerichte zwischen Dienst­boten und Herrschaften, ländlichen Arbeitern und Arbeitgebern, zwischen Bureaugehilfen und Chefs verlangt. Man warnte dabei nachdrück­lich vor einer solchen weiteren Ausdehnung der Sondergerichte. Wenn dabei gleichwohl die Ein­richtung von Jugendgerichten empfohlen wurde, so steht das damit nicht im Widerspruch. Denn diese Jugendgerichte, wie sie in Deutschland er­richtet und weiter geplant sind, find nicht etwa Gerichte, die, wie wir das mehrfach gelesen haben, aus jugendlichen Personen zusammenge­setzt find, sondern es sind besondere Abteilungen, die sich nur mit der Aburteilung Jugendlicher befassen. Dadurch, daß dazu geeignete Richter alle solche Fälle zu entscheiden haben, gewinnen sie eine große Praxis in der Beurteilung der jugendlichen Psyche. Das Gericht, die Recht­sprechung und die jugendlichen Angeklagten selbst fahren besser dabei. Die Jugendlichen werden außerdem vor dem Zusammentreffen mit den erwachsenen Verbrechern bewahrt.

Die Einrichtung solcher Jugendgerichte liegt also in der Richtung der Förderung, bei den Jugendlichen nicht etwa mehr die Tat als den Täter zu bestrafen, wie es gegenwärtig das Strafgesetzbuch fordert, sondern eben weniger auf Strafe, als auf Erziehung zu sehen. Da unge­fähr 30 000 Jugendliche jährlich in Fürsorge­erziehung kommen und 50 000 alljährlich be- ftttrst werden, so liegt hier ein ungemeines In­teresse des Staates vor, durch andere Einricht­ungen diese Schädigung feines Nachwuchses nach Möglichkeit zu verringern.

So wie hier, ließe sich auch sonst ein An­lauf ist ja in den noch nicht verabschiedeten Ju­stiznovellen gemacht worden das bisherige Gerichtsverfahren vervollkommnen. Dadurch und durch eine noch praktischere Ausbildung der Richter ließe sich wohl mehr erreichen als durch Schaffung weiterer Sondergerichtshöfe.

Deutsches Reich.

Som König von Sachsen. Dresden, 17. Juni. Einer Einladung des Kaisers zu der diesjährigen Kieler Woche Folge gebend, wird sich der König am 25. Juni nach Kiel begeben und trifft am 28. d. Mts. wieder hier ein.

Ehrung des deutschen Botschafters in Madrid. Madrid, 17. Juni. Der Staatsmini­ster des Aeußern gab dem deutschen Botschafter zu Ehren ein Bankett und überreichte ihm hier­bei die Insignien und die Kette zum Eroßkreuz des Ordens Karls HL

Aus dem Reichsanzeiger. DerReichs­anzeiger" veröffentlicht die Verordnung wegen Einberufung der beiden Häuser des Landtags auf den 26. Juni, ferner das Gesetz betreffend die Aenderung der Gesetze über den Unterstütz­ungswohnsitz und der Einführung dieses Gesetzes in Elsaß-Lothringen.

Aenderung im Wahlergebnisse. Das Wolffsche Bureau schreibt: Zur Parteistellung mehrerer Abgeordneter sind Berichtigungen ein­gegangen. Landschaftsrat Meyer gewählt für

Sie mir gewiß niemals sein. Wenn Sie wüßten, wie ich mich freue, wenn ich Ihre Gesellschaft ge­nießen darf, würden Sie so etwas weder denken noch aussprechen. Es war nur Sorge, Sie möch­ten sich zuviel zumuten, die mich sprechen ließ." Damit hat es keine Gefahr."

Danach saßen sie sich stumm gegenüber. Jedes hing seinen Gedanken nach. Wolf ließ seinen Blick auf ihr ruhen, sie merkte es nicht, weil sie träumerisch vor sich hinsah.

Ein herber, jungfräulicher Zauber ging von ihr aus, und sein Herz klopfte unruhig. Was war das? War er am Ende gar drauf und dran, sich in Liselotte zu verlieben? Das wäre ja heller Wahnsinn. Hatte er nicht genug gelitten um seine erste Liebe? Hier lagen doch die Verhältniße mindestens ebenso ungünstig, wenn auch im ungekehrten Falle. Er, der verarmte Edelmann, der Untergebene und sie, die reichste Erbin des Landes, seine Herrin. Ein greller Gegensatz, wahrhaftig.

Und überhaupt, gab es für ihn noch ein Lie­ben, nach den Erfahrungen mit Sibylle?

Liselotte hatte einen wohltätigen Einfluß auf ihn ausgeübt, ohne Zweifel, er fühlte, daß ihre Nähe ihn beglückte, daß ihre Art, ihn mit den klaren Kinderaugen anzusehen, sein Herz erwärmte. Wenn sie nut nicht gerade die reiche Liselotte Schönburg wäre, er hätte sich willen­loser ihrem Zauber preisgegeben. Aber so hieß es auf der Hut sein sich wehren gegen das warm emporquellende Gefühl für sie. Es konnte doch zu nichts führen und würde ihn am Ende wieder heimatlos in die Welt hinaustreiben.

Liselotte hatte ihm ihre Augen wieder zuge­wandt. In der zunehmenden Dämmerung konnte sie sein Gesicht nicht mehr so scharf erkennen, aber sie sah doch genug, um zu merken, daß er i»

den Wahlkreis Danzig 2 ist freikonservativ (nicht konservativ). Dr. Runze-Berlin, gewählt für den Wahlkreis Berlin 12, gehört der frei­sinnigen Volkspattei an. v. Dirksen, gewählt in Frankfurt a. d. Oder 8, ist freikonservattv. Dr. Dionysius, gewählt im Wahlkreise Brom­berg 4, ist konservativ, nicht freikonservattv. Merttn, Breslau 4, ist freikonservativ und nicht konservativ. Abgeordneter Dr. Hahn, gewählt für den Wahlkreis Stade 3, ersucht uns, ihn nicht als fraktionslos sondern als konservativ zu bezeichnen. Es sind sonach in der bisherigen Aufstellung zu verzeichnen: 152 statt 151 Kon­servative, bisher 144 (also plus 8), 2 statt 3 Fraktionslose, bisher 5 (also minus 3) und 60 Freikonservative, bisher 63 (also minus 4).

DerFall Bernhard". Die Berliner phi­losophische Fakultät wird wegen der Ernennung Prof. Bernhards zum Ordinarius an der Ber­liner Universität, eine Kundgebung an den Kul­tusminister erlassen, da sie sich durch die Nicht­anhörung der Fakultät bei der Ernennung Prof. Bernhards in ihren Rechten gekränkt fühlt.

Kolonial - Kriegsteilnehmer - Beihilfen. Junge Kolonien kosten Opfer an Gut und Blut. Damit die Opferfreudigkeit vorhält, ist es Ehrenpflicht des Mutterlandes, die Kämpfer für die Zukunft der Kolonien auch angemeßen zu entschädigen. So forderte auf der Hauptver­sammlung der deutschen Kolonialgesellschaft zu Bremen, die glücklicher Weise den Frieden brachte, Unterstaaatssekretär v. Lindequist. Im Besonderen verlangte er, daß die Kriegsteilneh­mer dort in den Kolonien möglichst billig Land bekommen und nicht in der Heimat betteln gehen müßen. Diese Anschauungen, nur ausgedehnt auf alle Kriegsteilnehmer, haben die Vertreter der Reichspartei stets gefordert. Zur Aufbring­ung der Kosten für die Inlands-Invaliden war die Wehrsteuer empfohlen worden.

Der kleine Befähigungsnachweis. Die Novelle zur Gewerbeordnung, welche dem Hand­werk den langersehnten sog. kleinen Befähig­ungsnachweis bringt, ist jetzt im Reichsanzeiger veröffentlicht worden, nachdem sie am 30. Mai die Unterschrift des Kaisers gesunden hat. Vom 1. Oktober steht danach in Handwerksbetrieben die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen nur denjenigen Personen zu, welche das 24. Lebens­jahr vollendet und eine Meisterprüfung bestan­den haben. Die grundsätzliche Forderung des Handwerks war eben, daß nur der lehren soll, der selbst etwas gelernt hat und sich darüber aus- weisen kann. Es hofft, daß so die bewährte Dreiheit: Meister, Geselle und Lehrling im Handwerk wieder neue Lebenskraft und volle Bedeutung erlangen wird. Die Geschichte die­ser Novelle ist lehrreich für die Stellung der Parteien zum Handwerk. Während die Rechte einschließlich der Reichspartei sich der Forder­ung seiner berufenen Vertreter stets warm ange­nommen haben, hat die Linke mit Ausnahme der Sozialdemokraten erst jetzt sich zu diesem Wunsche der Handwerker bekehrt. Das Gesetz hatte gegen sich die Stimmen der Sozialdemo­kraten; diese fürchteten vermutlich, dieProle-

tiefe Gedanken versunken war. So konnte sie ihn betrachten, ohne daß er es merkte. Die tiefe Falte auf seiner Stirn entging ihr nicht, auch der schmerzlich grübelnde Ausdruck seiner Augen. Was mochte ihn beschäftigen? Zuweilen kam er ihr so traurig vor, dann hätte sie irgend etwas schweres vollbringen mögen, um ihn froh zu machen. Und dann, wenn er heiter schien und mit ihr scherzte und lachte, da suchte sie ängstlich in seinem Gesicht, ob nicht hinter dieser Fröhlichkeit der grüblerische Ernst versteckt war, der sich so oft in seinen grauen, scharfblickenden Augen zeigte.Warum beschäftigst Du Dich so viel mit Wolf Gernrode," sprach sie zu sich selbst, Du denkst viel zu viel an ihn. Von ihm hängt es ab ob Du fröhlich oder betrübt bist, nur wenn er in' Deiner Nähe ist, hött das sehnliche Ver­langen nach ihm auf. Wenn er Dich anfieht, klopft Dein Herz schneller, wenn er Deine Hand saßt steigt Dir das Blut in den Kopf. Was ist das mit Dir, Liselotte? Mir scheint. Du liebst diesen Wolf Gernrode, wie ein Weib nur den Einen, Einzigen liebt, der ihres Lebens Schicksal wird."

Sie schrak zusammen. Wolf war aufgestan­den und ging vor ihrem Platze auf und ab. Dann blieb er vor ihr stehen.

Wollen mir hineingehen, gnädiges Fräu­lein, man wird uns zum Abendeßen erwarten.

Seine Stimme klang dunkel und gepreßt, als quäle ihn etwas. Sie erhob sich und stumm schritten sie neben einander durch den düfteschwe­ren Garten. Es lag wie ein lähmender Bann auf den beiden.

Drinnen im Eßzimmer war bereits Licht an- aebrannt. Sie mußten die Augen schließen, weil Re geblendet wurden. Fräulein Friedchen war schon anwesend und gleich darauf trat Fritz

tarisierung" des Handwerks könne durch dies« Stärkung des Standesbewußtseins der deutsche» Handwerker aufgehalten werden. Die Befür­worter des Schutzes des Handwerks, die seit langem im wesentlichen auf der rechte» Seite des Hauses sitzen, sahen in dem kleine» Befähigungsnachweis nut eine Konzession an die berechtigten Forderungen des Mittelstandes. I» der Einbringung dieser Vorlage erkennen sie die erhöhte Bereitwilligkeit der verbündeten Regierungen, dem Handwerker und Mittelstand« in seiner Not zu helfen. Der Entwurf bringt einen wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiete der Organisation des Handwerks; er ist aber nur die erste Stufe zur Erlangung einer Reih« von weiteren Rechten, die sich allerdings für einen großen Teil des Handwerkerstandes in die Forderung des allgemeinen, vollen Befähig- ungsnachweises zusanimenfaßien.

Umzugskosten. Hinsichtlich der Höhe unh der Berechnung der Umzugskostenvergütung, dft den ohne Mitwirkung der Berechtigten ange­stellten Lehrkräften nach § 62 Abs. 2 des Ge­setzes, betreffend die Unterhaltung der öffent- licken Volksschulen, aus der Staatskaße zu zahlen ist, sind für die Umzugskostenvergütung gemäß § 22 des Lehrerbesoldungsgesetzes vom 3. März 1897 getroffenen Bestimmungen ent­sprechend anzuwenden. Der Fall der mangeln­den Mitwirkung im Sinne des § 62 Abs. 2 bei Volsschulunterhaltungsgesetzes ist dann gegeben, wenn der zu einem Wahlrecht, Berufungs- oder. Vorschlagsrecht Berechtigte auf die Ausübung des Rechtes ausdrücklich verzichtet ober eine Er­klärung nicht abgibt. Dagegen finbet ein» Uebernahme ber Umzugskosten auf bie Staats^ kaße bann nicht statt, wenn in einem Falle, wo nur eine Anhörung vorgeschrieben ist, bie Schul', aufsichtsbehörde bcm Anhörungsberechtigten Ge» legenheit zur Aeußerung gibt, biefer aber bi< Anfrage nicht beantwortet. Verzichtet inbes i» einem solchen Falle ber Anhörungsberechtigti von vorn herein auf sein Anhörungsrecht unq überläßt er ber Schulaufsichtsbehörbe bie frei« Besetzung ber Stelle, so ist ber Fall bes § 62 Abs. 2 des Volsschulunterhaltungsgesetzes gege­ben. Durch einen Erlaß des Kultusminister» werden die Königlichen Regierungen ermächtigt, hiernach vorkommendenfalls die Umzugskosten selbständig festzusetzen und zur Zahlung auf de« zu diesem Zweck in den Staatshaushaltsetat für 1908 ff. eingestellten neuen Titel als Mehraus­gabe anzuweisen. Auf den Umzugskosten-Liqui­dationen ist zutreffendenfalls zu bescheinigen, daß der versetzte Lehrer zur Zeit des Umzug«» Familie im Sinne der Bestimmung unter Nr. 5 des Runderlaßes vom 4. Mai 1877 gehabt hat und daß er endgültig angejteKt mar.

2V0jährig«s Zeitungsjubiläum. Di« Hallesche Zeitung, Landeszeitung für bie Pro­vinz Sachsen, für Anhalt unb Thüringen, im Verlage der Firma Otto Thiele, Halle a. 6., be­geht am 25. Juni er. die Feier ihres 200jährige« Bestehens. Fast sämtliche Jahrgänge der Halle­schen Zeitung von der ersten Nummer an sind erhalten. Schon die ersten Bände stellen u. a. eine interessante geschichtliche Chronik dar, um»

Gernrode herein. Er hatte jetzt gute Tage, sei» Rheuma hatte sich auf einige Zeit empfohlen, und da war er gut gelaunt. Seine fröhliche« Worte lösten den Bann, der Wolf und Liselott« gefangen hatte, und sie stimmten mit ein in das luftige Geplauder. Als sie aber später ihr« Zimmer aufsuchten, fanden sie keine Ruhe. Lise­lotte saß noch lange am offenen Fenster. Der Mond stand in leuchtender Klarheit am Himmel, und die Sterne funkelten wie tausend Ver­heißungen. Sternschnuppen fielen durch die Nacht. Liselotte wußte die alte Mähr von er» üllten Wünschen, die mit dem Fall der Stern» chnuppen in Verbindung gebracht wurden. Unb ie hielt einen Wunsch bereit; sobald wieder ein euchtender Funke dahinflog, sprach sie ihn leis« aus und dann verbarg sie, vor sich selbst er­glühend, ihr Gesicht in den Händen.

Da knirschte draußen der Kies unter lang­sam herankommenden Schritten. Sie schrak em­por und schaute hinaus.

Vom Mondlicht hell beschienen, erblickte fi« Wolf, der auch keine Ruhe hatte finden können und im Garten promenierte. Scheu zog fie sich vom Fenster zurück und beobachtete ihn heimlich durch die Gardinen, nachdem sie ihr Licht schnell verlöscht hatte.

Täuschte fi« sich, oder sah er nach ihrem Fen» Ser herauf? Es war nicht sicher zu erkennen in em blaffen Mondlicht.

Liselotte hatte starkes Herzklopfen, und als Wolf bann verschwand und sie sich endlich nieber» legte, da konnte sie nichts anderes denken als: Hat er zu meinem Fenster heraufgesehen ode* nicht?" '

(Fortsetzung folgte