Zweites Blatt
(Nachdruck verboten.)
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Aufzeichnungen, die sie zur Vorbereitung für den Termin in München auf Grund eigener Erinnerungen und Mitteilungen aus dem Munde ihres Mannes mit Exzerpten aus dem Konzept zur Abschiedsrede ihres Mannes im Kolonialrat selbst zusammengestellt habe, daß aber im üfcib gen ihr Mann weder mündlich noch schriftlich sich je über den Vorfall am Krankenbett geäußert habe,
gegen Dr. Arendt, Mitglied des Reichstags, den Vorwurf der Eidesverletzung nicht aufrechterhalten könne und deshalb diesen Vorwurf mit dem Ausdruck des Bedauerns zurücknehme. Weiter erkennt der Angeklagte auf Grund von Dr. Arendt vorgelcgten Biesen und Urkunden an, daß der Vorwurf, Dr. Arendt habe Dr. Kayser am Krankenbett überfallen und sich Erpressungen und Bedrohungen gegen Dr. Kayser schuldig gemacht, unbegründet sei. Der Angeklagte übernimmt die Kosten des Verfahrens einschließlich aller dem Privatkläger entstandenen Auslagen, einschließlich des besonderen Apparates seines Vertreters und der Zeugengebühren des Herrn Dr. Peters. Dem Privatkläger wird das Recht eingeräumt, auf Kosten des Angeklagten diesen Vergleich je einmal in der „Leipziger Volkszeitung" und dem „Halleschen Volksblatt" zu veröffentlichen."
Auf den Vergleich ging Herr Dr. Arendt, dem natürlich an der Bestrafung eines Sitzredak- teurs nichts liegen konnte, deshalb ein, weil nur durch den Wortlaut des Vergleichs eben fest- gestellt werden konnte, daß ihn keinerlei Vorwurf treffe und daß lediglich der ungenügende Schutz der Zeugen vor Gericht ihn diesen Verdächtigungen ausgesetzt hat. Eine Bestrafung des Redakteurs hätte im Gegenteil, da der Urteilstenor meist unterschlagen worden wäre, die sozialdemokratische Presse vermutlich nicht abgehalten, nach wie vor ihre giftigen Verdächtigungen fortzuspinnen.
Die Frage wirft sich auf: was wird nun aus Frau Dr. Kayser? Daß sie unter ihrem Eid der Wahrheit ins Gesicht geschlagen hat, liegt auf der Hand. Sie ist in ihren damaligen Aussagen sogar noch weiter gegangen, sie hatte sich auf das Zeugnis der Geheimräte v. Schwartzkoppen und v. König berufen, die am selben Tage noch mit ihrem Mann über den Fall Arendt verhandelt hätten. Beide Herren haben Herrn Dr. Arendt ausdrücklich erklärt, daß von einer Differenz des früheren Kolonialdirektors Dr. Kayser mit Herrn Dr. Arendt nach ihren Unterredungen mit Herrn Dr. Kayser keine Rede sein konnte.
Auch dieser Prozeß legt die Erwägung erneut sehr nahe, ob nicht den Zeugen vor Gericht ein stärkerer gesetzlicher Schutz zuteil werden muß, als er ihnen bisher gewährt wird.
entlang durch den Wald in die Ebene. Die Wirtschaftsgebäude lagen nach Westen hinaus.
Vom Schloß aus hatte man einen entzückenden Fernblick, zumal gegen Süden, wo man bei klarem Wetter die Wartburg sah.
Mit leuchtenden Augen blickte Wglf um sich, als er vor dem Schloßportal Halt machte. Hier wehte Heimatluft — es war doch ein wonnige» Gefühl, heimzukehren, auch wenn man nicht mehr auf eigenem Grund und Boden stehen konnte.
Wenige Minuten später stand er vor seinem Vater. Die Begrüßung zwischen den beiden Männern war eine sehr bewegte. Fritz Gernrode sah mjt feuchten Augen auf seinen Sohn, der nun fast sechs Jahre von ihm getrennt gelebt hatte und nun wieder, vereint mit ihm, hier schaffen und wirken sollte. Heimatboden würde er wieder bebauen, wenn er auch nicht sein Eigen war.
„Gott segne Deinen Eingang, mein Sohn, möge er Dir und Schönburg zum Segen gereichen. Du weißt wohl, mein lieber Junge, wie glücklich ich bin. Dich wieder bei mir zu haben. Wirst Du es aushalten können, so in nächster Nähe von Gernrode?"
„Sei unbesorgt, Vater, das ist verwunden und liegt hinter mir. Wie steht es auf Gernrode jetzt?"
„Schlecht und recht. Der jetzige Besitzer, der es ja nur übernahm, weil es nicht anders ging, sucht immer noch einen Käufer dafür. Er hat die Schäden, die das Hochwasser damals angerichtet, notdürftig ausbesiern lassen, aber damit ist es nicht getan. Du weißt so gut wie ich, daß nur mit großen Geldopfern Gernrode wieder ertragfähig gemacht werden kann. Vor allem müssen neue Dämme errichtet werden. Jetzt sind da nur sehr primitive Schutzvorrichtungen getroffen worden, und damit ist nichts getan. Ein einziger Hochwasser wie vor sechs Jahren vernichtet die Schutzvorrichtungen wieder, und das alte ßtet beginnt von neue». (Forts, folgt.)
Marburg
Sonntag, 14. Juni 1908.
Aus der sozialdemokratischen Jugend- Bewegung.
Die von dem Abgeordneten Dr. Franck kommandierte „Junge Garde" (Sitz Mannheim) hat bekanntlich die Auflösung ihrer Organi»
Deutsches Mich.
— Die „Rordd. Allg. Ztg." und der Konflikt an der Berliner Universität. Berlin, 12. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt gegenüber einer Mitteilung der „Münchener Reuest. Nachr. über die Berufung des Professors Bernhard- Kiel an die hiesige Universität: Es entspricht zunächst nicht den Tatsachen, daß an der Berliner Universität eine neue ordentliche Professur aus Mitteln des Dispositionsfonds begründet sei. Bernhard ist vielmehr unter Ernennung zum persönlichen Ordinarius ein verfügbares etatsmäßiges Extraordinariat übertragen worden. Richtig ist, daß die philosophische Fakultät vorher nicht zur Sache gehört worden ist. Nach den bestehenden Bestimmungen war dies auch nicht erforderlich; dennoch würde der Kultusminister, der auf den sachkundigen Beirat der Fakultäten den größten Wert legt, sich auch im vorliegenden Falle mit ihnen ins Benehmen gesetzt haben. Dies sei aber in dem Zeitraum von 24 Stunden nicht möglich gewesen, worin dir Entscheidung erfolgen mußte. Falsch ist weiterhin die Behauptung, Bernhard habe das Ordinariat lediglich erhalten, um vornehmlich seinen Polenstudien obzuliegen. Der Genannte ist berufen worden, um das gesamte Gebiet der Staatswisienschaften in Vorlesungen und seminaristischen Hebungen zu vertreten. Schließlich sei erwähnt, daß der Minister vor der amtlichen Mitteilung der Versetzung Bernhards den beteiligten Fachordinarien eingehend die Gründe zur Versetzung Bernhards ohne vorherige Anhörung der Fakultät darlegte.
— Die Tagung der Deutschen Kolomalgesellschaft. Bremen, 12. Juni. Die heutige Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft wurde von dem Präsidenten, Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg mit einer Ansprache und einem Ueberblick über die Entwicklung der Gesellschaft während des letzten Jahres eröffnet. Der Unterstaatssekretär im Reichskolonialamt, v. Lindequist, sprach seinen Dank dafür aus, daß es der Kolonialoerwaltung so leicht gemacht werde, mit der Kolonialgesellschaft in Verbindung und leichter Fühlung zu bleiben. Sodann wurde der Geschäftsbericht für 1907 debattelos genehmigt, dem Vorstande Entlastung erteilt und die Zahl der Vertrauensmänner zur Prüfung der Jahresrechnung vorgenommen. Der eingebrachte Antrag auf Schaffung einer Kolonialgesetzgebung wird zurückgezogen, da die Kommission des Reichstages in gleichem Sinne arbeitet. 3u dem nächsten Punkte, „Die Eingeborenenfrage im Hinblick auf die wirtschaftliche und politische Entwicklung unserer tropischen Kolonien", sprechen die Herren Konsul z. D. v. Vohsen und Reichstagsobgeordneter Stabsarzt a. D. Dr. Arning, deren Ausführungen mit lautem Beifall ausgenommen wurden. Ueber diesen Punkt entspann sich eine lebhafte Diskussion, an der sich u. a. Geheimrat Professor
Was einem als Zeuge passieren kann.
Unter dieser Ueberschrift schreibt die „Freik. Korr.": Der Reichstagsabgeordnete Dr. Arendt chatte im vorigen Jahre Zeugnis abzulegen in dem Beleidigungsprozesse, welchen Dr. Peters gegen die sozialdemokratische Münchener „Post" führte. Er hatte dabei unter seinem Eide die Anschuldigungen, die die Frau des früheren .Kolonialdirektors Dr. Kayser in der „Vossischen Zeitung" erhoben hatte, als Erzeugnis der freien Phantasie der Dame bezeichnet. Frau Dr. Kayser beschwor einige Tage darauf vor dem Münchener Schöffengericht dessen ungeachtet diese Anschuldigungen und sie suchte ihr Zeugnis durch die Vorlegung schriftlicher Notizen zu unterstützen, die angeblich dem Tagebuch ihres verstorbenen Mannes entnommen waren. Sie erklärte unter Eid sogar, daß sie wörtlich aus dem Tagebuch ihres Mannes ablese. Sofort bemächtigte sich die Sensationspresse des Falles Dr. Arendt und erklärte ihn mit mehr oder minder verblümten Worten des Meineides für überführt. Es half ihm auch nichts, daß Herr Dr. Arendt auch dieses Tagebuch als ein Phantasiegebilde von Frau Dr. Kayser bezeichnete. Insbesondere scharf griff die sozialdemokratische Presse, allen voran natürlich die „Leipziger Volkszeitung", Herrn Dr. Arendt an. Dr. Arendt erhob Klage gegen den verantwortlichen Redakteur der „Leipziger Volksztg." Hermann Müller, ebenso übrigens gegen Blätter in Har- Surg und Kiel. Die Verhandlung vor dem Leipziger Schöffengericht am 6. Juni, die beiden anderen Prozesse schwebten noch, endete, wie nicht anders zu erwarten war, mit dem bedingungslosen Rückzüge der „Leipz. Volksztg.". Auf Anregung des Vorsitzenden kam es in der Verhandlung zu folgendem Vergleich:
„Der Angeklagte Hermann Müller, Redakteur der „Leipziger Volkszeitung", erklärt, daß er nach dem Ergebnis der heuttgen Beweisaufnahme, insbesondere, nachdem Frau Dr. Kayser bei ihrer eidlichen Vernehmung in Berlin hat 'einräumen müssen, daß, wenn sie bei ihrer Zeugenaussage in München von einem Tagebuch ihres Mannes gesprochen habe, sie damit nur das Konzept zur Rede ihres Mannes im Kolonialist im Oktober 1896 und die Briefe ihres Mannes an Professor Baron gemeint habe, daß in beiden aber von dem Vorfall am Krankenbett ihres Gatten nichts enthalten sei, daß das Manuskript, welches sie in München vorgelegt und als wörtliche Abschrift aus dem Tagebuch ihres Mannes bezeichnet habe und aus dem sie damals vorgelesen habe, nichts anderes gewesen sei, als
Dr. Paasche beteiligte, der für die weiße Klein« fiedlung eintrat und die verdienstvolle Tätigkeil der Missionen anerkannte.
— Bei 1815 landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschasten mit 184181 Mitgliedern betrug der Bezugswert der gesamten bezogenen Waren rund 68 Millionen Mark, durchschnittlich für den Genossen 370 Mark. Der Höchstbetrag einer Genossenschaft belief sich auf 2 418 598 Mark der Mindestbetrag auf 32 Mark. Es wurden bezogen 8,9 Millionen Zentner Düngmittel, 4,3 Millionen Zentner Futtermittel und 206 000 Sämereien. Das Betriebskapital (eigenes und fremdes) betrug insgesamt 34,4 Millionen Mk. Die Eeschäftsguthaben stellen sich auf 1857 468 Mark An Reserven waren vorhanden zusammen rund 2,9 Millionen Mark. 956 Vereine er- zielten einen Gewinn von insgesamt 995 970 Mark 151 Vereine hatten einen Verlust von insgesamt 166 954 Mark. Bei 54 Vereinen war weder ein Gewinn noch ein Verlust zu verzeichnen Der Verkaufswert der landwirtschaftlichen Erzeugnisse betrug bei 151 Genossenschaften rund 24,8 Millionen Mark. 1530 Molkereigenossen, schäften mit 148137 Mitgliedern hatten an ein« gelieferter Milchmenge 1700 473 660 Liter zu verzeichnen. Die von einer Molkerei entgelte« ferte Milchmenge betrug im Durchschnitt für da, Jahr 1 148 966 Liter, für den Tag 3192 Liter. Die verkaufte Milchmenge betrug 71301461 Liter. Mehr als die Hälfte aller Genossenschaf, ten 60 v. H., verlegten sich neben her Butter« erzeugung auf den Milchabsatz. Die verkaufte Buttermenge betrug zusammen 55,6 Millionen Kg., im Durchschnitt für die Genossenschaft 43 167 Kg. An die Genossen und Lieferanten zusammen wurden durchschnittlich im Laufe de» Geschäftsjahres 1905 für eingelieferte Milch aus- brzahlt: für eine Molkerei auf das Jahr 100 393 Mark, für eine Molkerei auf den Tag 279 Mark^ für das Kilogramm oder den Liter Milch 8,3 Pfennige. An Betriebskapital waren insgesamt 62% Millionen Mark zu verzeichnen. Die Ee« schäftsguthaben betrugen Ende des Geschäftsjahres 1905 insgesamt 6,1, die Reserven 11,2 Millionen Mark. Der Gesamtwert des Besitzes (einschl. Vorräte) betrug Ende 1905 zusammen rund 39,9 Millionen Mark, durchschnittlich für die Genossenschaft 26 832 Mark, für das Mitglied 276 Mark. Die Betriebskosten beliefen sich im Jahre 1905 zusammen aus 14,5 Millionen Mark. 243 Molkereien hatten weder Gewinn noch Verlust zu verzeichnen. 1082 Molkereien erzielten einen Gewinn von 4 006 084 Mark, 143 Molkereien hatten einen Verlust von 337 972 Mark. 106 Molkereien haben für 2,9 Millionen Mark landwirtschaftliche Rohstoffe bezogen.
Welch ehrliche Selbsterkenntnis, welche herzliche Betrübnis sprach aus ihren Worten. Ihr Wesen wehte ihn an wie ein erfrischender Hauch, es wurde ihm leicht und frei ums Herz, wie seit langem nicht.
Liselotte reichte ihm die Hand, die et an seine Lippen zog.
„Also herzlich willkommen in der Heimat und nun will ich Sie nicht länger aufhalten. Sie werden danach verlangen, Ihren Vater wiederzusehen. Wir erwarteten Sie erst zum Abend."
„Ich erreichte einen früheren Zug. Finde ich meinen Vater im Schloß?"
„Ja. Er kann leider jetzt nicht viel heraus. Sein Rheuma plagt ihn sehr. Es ist gut daß Sie gekommen sind, ihm beizustehen, er muß sich entschieden schonen."
Dafür soll gesorgt werden. Guten Morgen, gnädiges Fräulein, reiten Sie noch weiter? Ich sehe. Sie sind ohne jede Begleitung."
„Seit Onkel Gernrode krank ist, kann et mich nicht meht so ost begleiten. Ich hoffe, Sie nehmen sich meiner etwas an."
„Mit großem Vergnügen."
„Darauf freue ich mich. Guten Morgen also, und auf Wiedersehen bei Tisch."
Sie gab ihrem Pferde einen leichten Schlag mit der Gerte und ritt davon. Er sah ihr nach und freute sich, daß sie so gut zu Pferde saß. Als sie sich nochmals umwandte, zog er grüßend den Hut. Da schlug helle Röte in ihr Gesicht, und sie trieb ihr Pferd zu schnellerer Gangart an.
Wolf Gernrode hatte eine Viertelstunde später den Wald hinter sich und schritt auf den breiten Kieswegen dem Schlosse zu.
Die Schönburg war ein herrliches Gebäude im reinsten Renaissancestil von mächtigem Um- &Sie stand auf einem Berge, der an der rseite des Schlosses ziemlich steil abfiel, währertd er nach Norden langsam abflachte. Bequeme Farhrwege führten an der Parkgrenze
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhesstsche -e/e .cxfx Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in _™fo | aX Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21.
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großen Menschenkenntnis, daß Sie schon damals herausgefunden haben, daß ich ein ehrlicher Mensch bin."
„Spotten Sie immerhin, ich habe auch noch andere Quellen, aus denen ich mein Urteil über Sie schöpfte. Sie waren in meines Vaters Briefen an mich immer sehr ausführlich geschildert. Ihr ganzes Leben liegt wie ein offenes Buch vor mir."
Sie errötete und stocherte mit der Reitpeitsche in dem Laub einer Buche herum.
„Ach so — Onkel Gernrode hat mich bei Ihnen angeschwärzt."
Wenn Sie das „anschwärzen" nennen, wo finde ich da den Ausdruck für Ihre Vollkommenheit?" .
„Um Himmelswillen hören Sie auf, mir wird ganz schwindelig vor meiner eigenen Größe. Also Onkel Gernrode hat nicht über mich gezankt in seinen Briefen?"
„Nein, das Gegenteil."
„Sonderbar — dabei hat er immer allerlei an mir auszusetzen."
„Als Ihr Vormund hat er die Pflicht, erzieherisch auf Sie einzuwirken."
„Richtig, so etwas nennt man Pädagogik. Na warte, Onkel Gernrode."
Sie drohte mit der kleinen Faust in die Ferne.
„Nun sind Sie gar böse auf meinen Vater?" Sie schüttelte lächelnd den Kopf.
„O nein — das brächte ich gar nicht fertig. Er hat ja recht, wenn er schilt, ich habe soviel Fehler und soviel Mühe ich mir gebe, ich kann sie nicht ablegen. Es ist ein Kreuz, wenn man so trotzig und empfindlich ist. Wenn mir etwas gegen den Wunsch geht, gleich bin ich trotzig und eigenwillig. Es ist schon viel besser geworden, aber ganz ausrotten lassen sich solche Fehler schwer."
@t sah forschend in das ernste junge Gesicht.
Liselottes Heirat.
Von H. Courths -Mahler.
(Fortsetzung.)
„Gewiß, ich kenne Sie doch schon aus uralten Zeiten."
„Danke für das Kompliment. Also in welchen uralten Zeiten haben wir eigentlich unsere Bekanntschaft gemacht?"
„Erlauben Sie, daß ich nachrechne. Ich bin jetzt zweiunddreißig Jahre, damals zählte ich vierzehn Lenze, also ist es achtzehn Jahre her."
„Sehr gut, genau so lange befinde ich mich auf der Welt."
„Folglich stimmt meine Berechnung ganz genau."
„Dafür fehlt mir noch die Begründung."
„Die ich Ihnen durchaus nicht vorenthalten will, gnädiges Fräulein. Ich bezweifle, daß Sie sich auf den Zeitpunkt unserer ersten Begegnung im Leben besinnen werden, deshalb müssen Sie mir einiges Vertrauen schenken. Sie lagen damals nämlich im Taufkissen und waren entschieden ungnädiger Laune. Sie schrien — ich bitte um Verzeihung, aber Sie schrien wirklich — wie eben nur kleine Kinder schreien, und als ich neugierig hineintrat, um mir das ungemütliche, winzige Menschlein anzusehen, da hörten Sie plötzlich auf, von Ihrer gesunden Lunge Gebrauch zu machen, sahen mich mit großen erstaunten Augen an und lachten. Ich behauptete wenigstens, daß Sie gelacht hätten, wenn mir auch damals von erfahrenen Leuten versichert wurde, daß so kleine Kinder noch gar nicht lachen könnten. Wollen Sie nun zugebe», daß ich Sie sehr genau gekannt habe?"
Liselotte lachte herzlich.
„Da muß ich freilich alle1 Zweifel schwinden lassen. Aber immerhin, alle Achtung vor Ihrer
GßechM Bettung
mit dem Kreis-latt für die Kreise Marburg und Kirchhain |
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