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f mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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— ., 4 n cv . A nno Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei "JuMlö4
Frenag, 12. Ium 1908. Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21 - Telephon 55.
Die Zusammenkunft in Reval.
König Eduard ist wieder auf Reisen, und wir Deutschen haben uns nun seit geraumer Zeit daran gewöhnt, die Reisen des Onkels unseres -Kaisers als nicht ganz harmlos für unsere Stellung in der Welt zu betrachten. Sicher nicht mit Unrecht. Der jetzigen Zusammenkunft in Reval ging die Besprechung König Eduards mit dem französischen Präsidenten Falliöres bei Ee- 'legenheit der französisch-englischen Ausstellung voraus, und es ist noch in aller Erinnerung, daß l den Franzosen jetzt die Zeit zu einem förmlichen Bündnis gekommen zu sein schien. Mit dankenswerter Offenheit wies der „Ternps" darauf hin, daß die Engländer auch ihre Landmacht zu einer wirklichen Waffe machen müßten und zeigte auch sonst deutlich, daß der Zweck des Ganzen in der Befriedigung der noch sehr lebendigen Nevanchegelüste gipfelte. Diesmal hatten die Franzosen nun die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn John Bull hat es noch immer verstanden, seine Schlachten von andern schlagen zu lassen, und wird diese Kunst auch in Zukunft üben. England dachte nicht daran, sich die Finger zu verbrennen, und sich so einfach vor den Wagen französischer Revanchepolitik spannen zu lasten.
Daß die Zusammenkunft in Reval nicht so ohne politische Bedeutung ist, wird auch von englischen Blättern zugegeben. Es bleibe doch ausfällig, meinen die „Daily News", daß sich im Gefolge des Königs nicht nur Sir Charles Har- dinge, sondern auch Sir John Fisher und General French befänden; da müste aber doch i irgend etwas von Bedeutung verhandelt werden. T L Und die andern Blätter, französische, englische, russische, zeigen sowohl teils durch ihre deutschfeindlichen Betrachtungen als auch durch ihre lebhaften Versicherungen, es gehe nichts gegen Deutschland vor, daß man gut tut, anzunehmen, König Eduard werde auch durch diese Zusammenkunft in seiner deutschfeindlichen Politik ein 1 Stückchen weiter kommen. Rußland hat ja in einem offiziösen Artikel der „Rostija", den wir neulich im Auszuge mitteilten, versichert, daß es gute Beziehungen zu Deutschland halten wolle k und deshalb in Bündniste, die gegen Deutschland gerichtet seien, sich nicht einlasten werde. E. Es ist bezeichnend, daß die „Nowoje Wremja" von diesem Artikel nicht Notiz nimmt und statt befielt geaen Deutschland nach alter lieber Gewohnheit weiterhetzt, ein Blatt, das in Rußland großes Ansehen genießt.
Wie dem allen auch sei, davon dürste allmählich die Ueberzeugung die weitesten Kreise durchdringen, für uns heißt es heute: Feinde ringsum! Feinde unseres nationalen Aufschwunges,- unserer Zukunft. Darauf aber dürfen wir uns verlassen, daß ein so weitgehender Zusammenschluß von Völkern mit einander
5 (Nachdruck verboten.)
Liselottes Heirat.
Von H. Courths -Mahler.
(Fortsetzung.)
„Wolf — es braucht ja niemand zu wissen, daß wir uns lieben, wir können uns zuweilen heimlich treffen, ich finde schon Mittel und Wege dazu. Römer ahnt nichts von meiner Liebe zu s" Dir, er soll es auch nie erfahren. Wir waren zu arm, um uns heiraten zu können, deshalb müsten l wir uns heimlich ein bißchen Glück stehlen."
Er sah entsetzt in ihr Gesicht. E. schien ihm entstellt und häßlich verzerrt. Mit einem Schlage L wurde er ruhig und kühl.
Diese Frau, die da bar aller weiblichen Würde vor ihm lag, nachdem sie ihn um äußeren Glanz aufgegeben, das war nicht die Sibylle, die er geliebt hatte. Sie war ihm s.:md mit einem Schlage.
Er sah ruhig und ernst zu ihr hinab.
„Ich stehle nicht — auch mein Glück nicht, gnädige Frau. Ich bitte nochmals, verlasten Sie mich, es kann jeden Augenblick einer von meinen Leuten hereinkommen."
Es war etwas in seinen Augen, in seiner Stimme, was sie zwang, ihm zu gehorchen. Sie erhob sich.
„Wolf, gib mir ein gutes Wort auf den Weg."
„Das Schicksal schenke Ihnen Frieden, leben Sie wohl!"
Sie ergriff seine Hand und zog sie ans Herz.
„Ich laste Dich nicht, wir sehen uns wieder," sagte sie leise, dann ging sie hinaus.
Wolf sah ihr starr eine Weile lang nach, dann richtete er sich straff empor, als wolle er eine Last von sich abwerfen, und setzte sich wieder über sein Buch. . ... .
widerstrebenden Interessen, die nur zusammengehalten werden durch den Gegensatz zu einem Nachbarstaat, für die Länge der Zeit den Keim des Zerfalls in sich selbst trägt. Dann aber können wir auch, gestützt auf unsere Wehrmacht, die wohl die erste der Welt ist, ruhig dem Laufe der Dinge zusehen, die wir nicht ändern können.
Hebei die Zusammenkunft liegen nachfolgende Berichte vor:
R e v a l, 10. Juni. Der König von England ernannte den Kaiser von Rußland zum Admiral der englischen Flotte. Kaiser Nikolaus besuchte das englische Kriegsschiff „Minotaur" und die alte Jacht „Alexandra", welche die britische Admiralsflagge hißte. — Heute abend findet auf besonderen Wunsch König Eduards eine Wiederholung der gestrigen Serenada statt.
Bei der gestrigen Ealatafel an Bord des „Standard" brachte der Kaiser von Rußland folgenden Trinkspruch aus: „Mit den Gefühlen ttefster Befriedigung und Freude heiße ich Eure Majestät und Ihre Majestät die Königin in den russischen Eewästern willkommen. Ich vertraue, daß diese Begegnung, indem sie die mannigfachen und starken Bande, welche unsere Häuser verbinden, von neuem befesttgt, den Erfolg haben wird, unsere Länder enger zusammenzuführen, und daß sie die Aufrechterhaltung des Friedens in der Welt fordern wird. Im Laufe der letzten Jahre sind verschiedene Fragen von gleicher Bedeutung für Rußland und England durch unsere Regierungen in befriedigender Weise geordnet worden. Ich bin sicher, daß Eure Majestät den Wert dieser Vereinbarungen ebenso hoch schätzen wie ich, denn trotz ihrer begrenzten Ziele können sie nur dazu beitragen, zwischen unseren beiden Ländern die Gesinnung des gegenseitigen guten Willens und Vertrauens zu verbreiten. Ich trinke auf die Gesundheit Eurer Majestät, Ihrer Majestät der Königin, die Wohlfahrt der Königlichen Familie und des britischen Volkes."
Der König von England erwiderte: „Eurer Majestät danke ich herzlichst im Namen der Königin und in meinem eigenen für die herzliche Weise, in der Sie uns in den Eewästern der Ostsee willkommen geheißen und für die gütigen Worte, mit denen Sie unsere Gesundheit ausge- bracht haben. Ich habe die glücklichsten Erinnerungen an den Willkomm, den ich bei Gelegenheit meiner früheren Besuchs in Rußland von feiten Ihres erhabenen Großvaters, Ihres geliebten Vaters und Eurer Majestät selbst gefunden, und es ist eine Quelle aufrichttgster Dankbarkeit für mich, daß ich diese Gelegenheit habe, mit Euren Majestäten wieder zusammen zu sein. Ich unterschreibe von ganzem Herzen jedes Wort, das Eure Majestät im Hinblick auf die kürzlich zwischen unseren Regierungen ge- schlostene Uebereinkunft gesprochen haben. Ich glaube, daß sie dazu dienen wird, die Bande, welche die Völker unserer beiden Länder vereinigen, noch enger zu knüpfen und ich bin sicher, daß sie in Zukunft zu einer befriedigenden
Die Buchstaben tanzten ihm vor den Augen, er konnte nicht lesen, und wenn er wirklich einen Satz zusammengebracht hatte, dann faßte er den Sinn nicht.
Es war etwas Schönes aus seinem Leben geschwunden, als Sibylle ihn treulos verließ, aber so weh ihm das auch getan hatte, so elend wie heute war ihm selbst da nicht zu Mute gewesen. Erst heute hatte er ganz erkannt, wie wenig Sibylle dem Bilde glich, das er von ihr im Herzen getragen. Seine strenge Ehrenhaftigkeit empörte sich gegen das Ansinnen, welches sie ihm gestellt hatte, es überlief ihn kalt, wenn er daran dachte, daß er hätte schwach werden können ihren Reizen gegenüber.
In Zukunft würde er ihr noch mehr auszuweichen versuchen, es war bester für ihn und für sie, wenn sie sich nicht wiedersahen.
Sibylle war jedoch anderer Ansicht. Sie ließ nichts unversucht, sich Wolf zu nähern. Fast täglich schrieb sie ihm glühende, beschwörende Briefe. Sie ließ nicht ab von ihm und trat ihm überall in den Weg, um ihn sich zurückzugewinnen. Sie glaubte, Wolfs Liebe gehöre ihr noch, und er sei nur so zurückhaltend, um sein Gewißen nicht zu belasten. Sie hoffte, diesen Skrupel eines Tages doch noch zu besiegen, und lebte nur für diese Hoffnung. Ihr Gatte galt ihr nichts, mit ihm verband sie nur der äußere Schein. Es war ihr nicht von Bedeutung, daß sie ihm in Gedanken untreu war. Er war glücklich durch ihren Besitz und ihr schrankenlos ergeben. Sie fragte nichts nach ihm.
Wolf wurde der Boden heiß in Deelenkamp durch dieses Weib. Er fühlte sich bald angeekelt durch ihr beherrschtes Wesen, und die Leidenschaft ihrer Natur, die ihn einst beglückt und entzückt hatte, stieß ihn mehr und mehr ab.
Seine Sttmmung »ar nicht» weniger al»
und freundschaftlichen Regelung einiger wichtiger Fragen beitragen wird. Ich bin überzeugt, daß sie nicht nur dazu dienen wird, unsere beiden Länder näher zusammen zu bringen, sondern daß sie auch sehr wesentlich die Aufrechterhaltung des allgemeinen Weltfriedens fördern wird. Ich hoffe, daß dieser Begegnung in kurzem eine andere Gelegenheit folgen wird mit Eurer Majestät zusammenzutreffen. Ich trinke auf die Gesundheit Eurer Majestäten, auf die der Kaiserin Maria Feodorowna und die der Mitglieder der Kaiserlichen Familie und vor allem auf die Wohlfahrt und das Gedeihen Ihres großen Reiches."
Deuijches Reich.
— Unfall der Kaiserin. Neues Palais bei Potsdam, 10. Juni. Die Kaiserin hat sich heute morgen durch Sturz mit dem Pferde, wie durch Oberstabsarzt Dr. Wiemuth und Profestor Dr. Wolff sofort festgestellt werden konnte, einen Bluterguß auf dem rechten Handrücken zugezogen; anderweitige Verletzungen, speziell eines Knochens, liegen nicht vor. Die Kaiserin blieb bei vollem Bewußtsein.
— Botschafter Hill. Der neue Botschafter der Vereinigten Staaten in Berlin, Dr. Hill, bisher im Haag, in Luxemburg beglaubigt, ist zur Ueberreichung seines Abberufungsschreibens hier eingetroffen.
— Von unserer Flotte. Newyork, 10. Juni. Der Kreuzer „Bremen" ist angekommen. Er wurde vom Fort Eovenors Island mit Salut- schüsten empfangen. Eine Reihe von Festlichkeiten ist für die Besatzung des Kreuzers vorgesehen. Der Vorstand der vereinigten deutschen Gesellschaften, sowie eine Abordnung des deutschen Kriegerbundes machten dem Kommandeur des Schiffes heute einen Besuch.
— Zur Landtagswahl. In einer Versammlung der „demokratischen Vereinigung" im Kreise Teltow-Beeskow-Storkow-Wilmersdorf erklärte Dr. Breitscheid: für die Stichwahlen, an denen die demokratische Vereinigung in 49 Bezirken beteiligt ist, sei mit den Sozialdemokraten ein Abkommen auf gegenseitige Unterstützung gegen die „reaktionären" Parteien getroffen worden. — Das war doch selbstverständlich.
— Der neue Landtag. Die formelle Tagung des preußischen Landtages wird voraussichtlich nur. zwei Tage, den 26. und den 27. Juni, umfasten. Das Abgeordnetenhaus dürfte an diesen Tagen die Wahlen in den Abteilungen prüfen und das Präsidium wählen. Die Frage, ob der Landtag alsdann vertagt oder geschlosten werden wird, wird erst später entschieden werden. Wahrscheinlich ist aber der Schluß der Tagung, da im Oktober die Herbstsestion durch eine Thronrede eröffnet werden soll.
— Die Wahlmännerwahlen in Berlin. Nach dem Ergebnis der Wahlmännerstichwahlen et« j ■■ ■ =3 _LB
rosig. Sollte er, um Sibylle auszuweichen, den liebgewordenen Wirkungskreis aufgeben? Er hatte so wenig Aussicht, einen gleich angenehmen und zufriedenstellenden wieder zu finden.
Da traf zur rechten Zeit em Brief seines Vaters ein. Dieser hatte in den letzten Jahren sehr unter hartnäckigem Rheuma zu leiden, das ihn hinderte, sich der Verwaltung der ihm an- vertrauten Gelder zu widmen, wie er es für nötig hielt. Er machte daher Wolf den Vorschlag, sein Amt in Deelenkamp niederzulegen und nach Schönburg zu kommen, um seinen Vater zu entlasten.
Wolf atmete wie erlöst auf nach Empfang dieser Botschaft. Graf Deelenkamp, der reisemüde, beschlosten hatte, in Zukunft auf seiner Scholle sitzen zu bleiben, kam ihm bei der Lösung des Vertrages in liebenswürdiger Weise sehr entgegen, obwohl er den tüchtigen Beamten nur ungern entließ, und so konnte Wolf Gernrode schon zwei Monate nach Empfang des Briefes Deelenkamp verlasten.
Sibylle hatte nichts davon erfahren. Die Kunde von seiner Entfernung traf sie wie ein unvorbereiteter Schlag. Sie wußte — er war vor ihr geflohen, aber sie glaubte, es sei nur die Angst vor der eigenen Schwachheit ihr gegenüber, die ihn davon getrieben. An ein Erkalten seiner Liebe glaubte sie auch jetzt noch nicht.
Elisabeth Charlotte, Reichsfreiin von Schönburg-Buchenau, die Herrin eines fürstlichen Besitzes, war im Winter bei Hofe präsentiert worden. Obgleich man der vornehmen, reichen Erbin, die obendrein schön und liebenswürdig war, mit ausgesuchtester Freundlichkeit entgegenkam, obwohl man nichts unversucht ließ, das Eoldfisch- lein zu festeln — es war vergebens. Liselotte war nicht zu halten in dem höfischen Treiben und verlangte »ach Hause, sobald sie sich ihrer geselligen Pflichte» entledigt hatte.
hielten im Berliner vierten Wahlkreis insgesamt die freisinnige Volkspartei 311, die Sozialdemokraten 178 Wahlmänner. Die Wahl von Dr. Müller-Sagan (Fr. Vp.) ist gesichert. Sechster Wahlkreis: Freis. Volkspartei 354, Sozialdemokraten 386 Wahlmänner. Die Wahl des Sozialdemokraten ist gesichert. Neunter Wahlkreis: Freis. Volkspartei 180, Sozialdemokraten 405 Wahlmänner; die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten ist also gesichert. Elfter Wahlkreis: Fre's. Volkspartei 130, Sozialdemokraten 346 Wchlmänner; die Wahl für die letztere ist Uso sicher. Das schätzungsweise Resultat der Urwahlen vom 3. Juni ist in diesen Wahlkreisen somit unverändert. In den übrigen Wahlkreisen finden heute nachmittag in der 3. Abteilung die Wahlmännerstichwahlen statt.
— Lebensmittelpreise im Mai 1908. Dia Preise der vier Eetreidearien zeigen im Mai d. I., wie die „Statistische Korrespondenz" mitteilt, eine Aufwärtsbewegung, die sich insbesondere beim Weizen und Roggen auf alle Marktorte erstreckt. Die Erhöhungen gegen den Vormonat betragen beim Weizen: in Posen 16, in Trier 12, in Danzig, Stettin, Berlin und Han- nover je 11, in Stralsund, Kiel, Osnabrück und Neuß je 10, in Köslin und Castel je 9, in Glei- witz, Breslau, Magdeburg, Halle a. S. und Aachen je 8, in Bromberg, Görlitz und Koblenz je 7, in Paderborn 6, in Frankfurt a. O und Hanau je 5, in Königsberg i. Pr. 3 Mk., beim Roggen: in Stralsund 13, in Stettin und Trier je 9, in Köslin, Frankfurt a. O. und Berlin je 8, in Königsberg i. Pr., Kiel, Koblenz, Neuß und Aachen je 7, in Görlitz und Magdeburg je 6, in Danzig, Gleiwitz, Hannover und Osnabrück ju 5, in Posen, Halle a. S. und Cassel je 4, in Hanau 3, in Bromberg, Breslau und Paderborn je 2 Mk. — Die Schweinesleischpretse haben sich in Stettin um 17, in Stralsund, Kiel und Osnabrück um je 10, in Frankfurt a. O. um 9, in Bromberg, Posen, Aachen und Trier um je 5, in Danzig, Gleiwitz, Görlitz und Hannover um je 2 Pfennige erhöht.
Sie lachte.
^Fortsetzung folgt).
Aüäsgud.
** Italien und die Türkei. Rom, 10. Juni. Die Agenzia Stefani meldet: Der italienische Geschäftsträger in Konstantinopel telegraphierte dem Minister Titoni, daß der ottemanische Minister des Auswärtigen ihm formell erklärt habe, daß die Pforte wegen der Ermordung de» italienischen Franziskaners Pater Eiustino die Absetzung des Kaimakams in Derna (Tripolis) und die Rückberufung des Mutesfarif Bengast beschlosten habe.
** Die Degradierung Ullmos. Am nächsten Freitag wird auf dem Exerzierplatz von Toulon vor der gesamten Garnison 'die Degradierung des Hochverräters Schiffsfähnrichs Ullmo vollzogen werden. Nach der Verlesung des Urteils
Ihr Vormund tat ihr um so lieber den Wil- len als er wußte, daß Liselottes verstorbener Vater sein Kind nicht in das Hofleben verpflanzt zu sehen gewünscht hatte.
So kehrte Liselotte im März mit ihrem geliebten und verehrten Vormund nach Schönburg zurück und war froh, sich wieder nach eigenem Willen beschäftigen zu können.
Es war ein schöner, klarer Juntmorgen, als sie in ein schlichtes, weißes Kleid gehüllt, auf der Terrasse vor dem Schloß mit ihrem Vormund und Fräulein von Schlegel beim Frühstück saß.
Sie sah so einfach, so lieb mädchenhaft aus, gar nicht wie eine große, vornehme Dame, und plauderte frisch und natürlich mit ihren beiden Gesellschaftern.
„Also heute gegen Abend trifft Dein Wolk ein, Onkel Gernrode. Weißt Du, daß ich mtch sehr auf ihn freue!"
„Ich glaube es Dir, Liselotte, mit uns beiden alten — Pardon, Fräulein von Schlegel — Leuten ist es nicht eben amüsant in Schönburg."
„Ach — das läßt sich ertragen, Onkelchen, ich amüsiere mich zur Not mit einem Maikäfer oder einem jungen Hund. Aber seit Du Dein altes, böses Rheuma hast, bist Du so selten zu einem frischen, fröhlichen Ritt zu haben, und allein läßt Du mich ja nicht weiter als bis an die Vuchenauet Grenze. Und mit dem Reitknecht hinter mir. macht es mit kein Vergnügen. Da werde ich mich einfach mit Deinem Sohne an« freunden; soweit ich mich seiner entsinnen kann, ist er ein ganz netter Mensch."
Fritz Gernrode verneigte sich lächelnd.
„Da et mein Sohn ist und seht nach mit geraten ist, ist er ohne Zweifel nett."