Einzelbild herunterladen
 

Z«

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische . _ _ Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen ui _JWO ,>kS Kirchh ain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. *'** 1UW Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bet unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Donnerstag, 11. Juni 1908.

Die Jnsertionsgebübr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Unwersitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 47.

Der Kaiser in Liegnitz.

Liegnitz, 9. Juni. Unter Glockengeläuts traf heute der Kaiser hier um 9 Uhr 20 Minuten mittels Sonderzuges ein. Der Monarch trug die Uniform des Leib-Erenadierregiments Nr. 8 Frankfurt a. d. Oder. Mit dem Kaiser kam auch Prinz Oskar in der Uniform der Königs­grenadiere. Der Kaiser und der Prinz begaben sich unter lebhaften Hochrufen des Publikums in Automobilen nach der Kirche. Vor der Kirche waren versammelt: Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein, dessen Gemahlin sich in die Kirche begeben hatte, ferner Minister Holle, Oberpräsident Graf Zedlitz-Trützschler, der Prä­sident des evangelischen Kirchenrates Dr. Voigts, die Geistlichkeit und eine größere Anzahl Ehren­gäste. Der Kaiser schritt die Front der Ehren­kompagnie vom Königs-Erenadierregiment ab und begrüßte die direkten Vorgesetzten. Ober­bürgermeister Oertel hieß den Kaiser namens der Stadt Liegnitz willkommen. Der Kaiser dankte freundlichst und schüttelte dem Ober­bürgermeister die Hand. Geheimrat Dr. v. Heyer überreichte eine Plakette, die zur Erinnerung an den heutigen Tag geprägt ist. Hierauf erfolgte die Zeremonie der Schlüsselübergabe, nach der der Kaiser unter Vorantritt der Geistlichkeit das Gotteshaus betrat. In der Vorhalle der Kirche besichtigte der Kaiser die von ihm gestifteten Epitaphien für Kaiser Friedrich und ein Profil- und Brustbild in Bronze von Professor Vogel- Berlin, das in eine Wand eingelassen wird, von Blattpflanzen umgeben. Die Inschrift lautet: Zum Gedächtnis im 20. Jahre nach seinem Heim­gänge. Der Kaiser nahm dann in der Kirche links vom Altar Platz. Die Feier wurde ein­geleitet durch den Gesang des niederländischen Dankgebets. General-Superintendent D. Haupt hielt die Weiherede über Psalm 46, 2, welchen Spruch die Kaiserin in die von ihr gewidmete Altarbibel selbst eingetragen hatte. General- Superintendent D. Haupt vollzog den Weiheakt und sprach ein Gebet. Nach einem Gesang und der Liturgie sang die GemeindeEin' feste Burg". Nach einem Gebet vor dem Altar gab dann der Eeneralsuperintendent den Segen. Der Gesang der GemeindeNun danket alle Gott" schloß den Festakt. Das Innere der Kirche zeich­net sich durch schöne Holzschnitzereien und Glas­malereien aus. Der Kaiser verlieh eine größere Reihe von Auszeichnungen, welche durch den Kultusminister vor der Ankunft des Kaisers in der Vorhalle bekanntgegeben wurden. Der Kaiser nahm den Parademarsch der Ehren-Kom- pagnie ab und begab sich mit dem Prinzen Oskar und dem Herzog Ernst Günther zum Frühstück in

4 lNachdruck verboten.)

Liselottes Heirat.

Von H. Courths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Nacb Schönburg war Wolf Gernrode nur auf einen Tag zur Beisetzung von Liselottes Vater zurückgekehrt, aber er stand in regem Briefwech­sel mit seinem Vater.

Im Anfang hatte er in Deelenkamp sehr zu­rückgezogen gelebt, aber allmählich wurde er in die Gesellschaft gezogen. Der gut aussehende junge Mann, dessen hohe schlanke Gestalt mit dem jcharfgeschnittenen, kühnen Gesicht Eindruck auf die Damen machte, wurde bald zu allen Fest­lichkeiten gebeten, die in der benachbarten Ge­sellschaft gegeben wurden. Daß er aus gutem Hause stammte, öffnete ihm alle Türen. Sein artiges, vornehmes Wesen gefiel allgemein, ob­wohl er sehr ernst und zurückhaltend war und nicht eben viel Worte machte. Den offenen und versteckten Gunstbezeugungen der Damenwelt gegenüber verhielt er sich allerdings sehr kühl, aber das brachte ihm wieder die Freundschaft der Männer ein.

Endlich schlug aber auch seine Stunde. Auf einem Nachbargute hielt sich eine junge Dame zu Besuch auf. Sibylle von Niederhoff war ein brldschönes Mädchen, mit allen Reizen blühender Jugend geschmückt. Sie hatte nur einen Fehler sie war arm. Von ihrer Familie wegen ihrer Schönheit als einzigen Rettungsanker betrachtet, war sie seit frühester Jugend auf einen reichen Mann dressiert. Sie wurde unermüdlich bei Freunden und Verwandten herumgeschickt, um diesen erhofften reichen Mann zu finden, und hatte jetzt zu diesem Zweck auf jenem Nachbar­gut Station gemacht. Dort verkehrten nicht nur

das Offizierskasino. Der Kaiser wurde von den Damen de» Regimentes begrüßt.

Der Kaiser nahm vor dem Frühstück km Kasernement den Vorbeimarsch der Königs­grenadiere ab und begab sich 1 Uhr 30 Minuten mit dem Prinzen Oskar und dem Herzog Ernst Günther mit Automobilen nach Gröditzberg zu dem Gesandten v. Dirksen zur Besichtigung der Wiederherstellungsbauten an der Burg. An dem Festdiner im Schießhause nahmen auch Mi­nister Dr. Holle, der Oberpräsident und der Re­gierungspräsiden teil.

k Deutsches Reich.

Fürst Bülow. DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Reichskanzler Fürst Bülow empfing Montag mittag den kaiserlich-chinesischen Spe­zialkommissar, früheren Vizepräsidenten des Verkehrsministeriums Yue Schue Mai in Be­gleitung des chinesischen Gesandten Sun Pao-Ki und seines Dolmetschers.

Prinz Ernst August von Eumberland bay­rischer Offizier. Der Prinzregent ernannte den Prinzen Ernst August Herzog zu Braunschweig und Lüneburg zum Leutnant im 1. Schweren Reiterregiment. Dazu schreibt derHann. Cour.": Die nunmehr entschiedene Tatsache des Eintritts des Prinzen Ernst August, zweiten Sohnes des Herzogs von Cumberland in das deutsche Heer ist ein Schritt, dessen politische Tragweite man nicht verkennen darf. Möglich, daß dabei Rücksichten auf Braunschweig mit­spielen. Prinz Ernst August ist derjenige Enkel weiland König Georgs, auf dessen beiden Augen die ganze Zukunft des hannoverschen Hauses be­ruht. Er hat sich bereits im Oktober 1906 bereit erklärt, den vom Bundesrat verlangten aus­drücklichen Verzicht auf Hannover auszusprechen, und die Gründe, die ihn von dem braunschweigi­schen Herzogsthron ausschließen, liegen somit nicht in seiner Person, sondern in der Stellung des Vaters und Bruders, die sich diesem Verzicht nicht beigesellen zu können glaubten. Das sind aber Hindernisgründe, die nach den Voraus­setzungen unserer Menschlichkeit über kurz oder lang wegfallen werden, und so will wohl der Prinz, der ja erst 21 Jahre zählt, jetzt schon er­weisen, daß er nicht unwert sei, deutscher Bundesfürst zu werden. Auch der bayrische Fahneneid enthält das Zusatzgelöbnis des Ge­horsams gegen die Befehls des Königs von Preußen als des Bundesfeldherrn im Kriege. Im Jahre 1870 trat schon einmal ein anderer Prätendent in bayrischen Dienst, um im fran­zösischen Kriege deutsche Gesinnung zeigen zu können, ohne preußische Uniform tragen zu müssen. Es war der Herzog von Augustenburg und seine^ Tochter ist heute die Königin von Preußen.

Die Landtagswahl. DerStaatsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung des Mi-

die Gutsbesitzer der Umgegend, sondern auch die Honoratioren des nächsten Kreisstädtchens. Und darunter war ein Herr von Römer, der Besitzer großer Fabriken, welcher unverheiratet und mehrfacher Millionär war.

Auf diesen Millionär hatte es Sibylle, von ihrer Familie beeinflußt, abgesehen.

- Da aber traf cs sich, daß sie sich mit der bis­her unterdrückten Leidenschaft ihres Naturells in Wolf Gernrode verliebte, so köpf- und sinnlos, daß sie darüber den reichen Mann ganz außer acht ließ. Und Wolf war sich bald, trotz innerer Gegenmahnungen, darüber klar, daß sein Herz Sibylle mit gleichem Feuer entgegenschlug.

Allen Vernunftsgründen zum Trotz hielten sie sich eines Abends während eines Gartenfestes in den Armen und küßten sich, als wollten sie nie mehr voneinander lassen.

Eine selige, himmelstürmcnde Zeit voll süßer Heimlichkeiten folgte diesem Abend. Die beiden Liebenden waren erfinderisch und wußten sich überall zu treffen.

Wolf entwarf Plan um Plan, um eine Mög­lichkeit ausfindig zu machen, die ihm eine Ver­bindung mit Sibylle gestattete. Da sie beide arm waren, gab es nur spärliche Aussichten. Sprach er zu ihr davon, schloß sie ihm den Mund mit Küssen.

Schweig' von der Zukunst," bat sie,laß uns die Gegenwart auskosten danach kann Schöne­res nicht kommen."

Da schwieg er und tauscht« selige Küsse mit ihr.

Dann fand er sie eines Abends in Tränen aufgelöst. Man hatte sie von allen Seiten be­stürmt, Herrn von Römer Gelegenheit zur Aus­sprache zu geben.

Der reiche Mann hatte sich wirklich gefangen, gerade jetzt, da ihr an keinem etwas lag, als an

nister des Innern, nach welcher die engeren Wahlen bei der Wahl der Wahlmänner für die Wahlen zum Hause der Abgeordneten, soweit sie infolge Einführung der Frist- oder Eruppen- wahl nicht am 4. und 5. Juni durchgefühtt wer­den konnten, an dafür anderweit festgesetzten Wahltagen vorgenommen und spätestens am 12. Juni abgeschlossen werden.

Die Landtagsstichwahlen. In Moabit und in Schöneberg-Rixdorf haben sich die bür­gerlichen Parteien geeinigt, gemeinschaftlich ge­gen die Sozialdemokratie vorzugehen und in allen Stichwahlen unter allen Umständen gegen den Sozialdemokraten zu stimmen.

Aus der Ostmark. Der Landtagswahl- bezirk Gnesen-Witkowo, der einzige bisher pol­nisch vertretene im Regierungsbezirke Brom­berg, ist nach hartem Wahlkampfe den Polen entrissen worden. Es wurden nämlich 165 deutsche und 126 polnische Wahlmänner gewählt, davon allein im Kreise Enesen 130 deutsche. Bei der letzten Wahl (1903) hatten die Polen doch immer noch 10 Wahlmänner mehr als die Deut­schen aufzuweisen. Jetzt sind 45 deutsche Wahl­männer mehr gewählt worden. Das war für den Eingeweihten vorauszusehen, da die An­siedlungskommission seit der letzten Wahl in die­sem Wahlbezirke allein rund 650 Bauern- und eine größere Anzahl Ansiedlerfamilien seßhaft gemacht hat. Wie wir aus guter Quelle erfah­ren, war es eine Freude zu sehen, wie alle An­siedler mit den alteingesessenen Deutschen ge­schlossen zur Wahlurne marschierten. Die zahl­reich im Enesener Kreise angesiedelten West­falen, dann die Hannoveraner, Sachsen, Bran­denburger, Pommern und nicht zuletzt die Rück­wanderer, sie alle hielten stramm zusammen, so­gar kranke Ansiedler ließen sich nicht abhalten von der Ausübung ihrer nationalen Pflicht. Bisheriger Vertreter dieses Wahlkreises war der Pole von Grabski-Gnesen. Die Agitation auf polnischer Seite war sehr stark und gut organi­siert, sie zerschellte aber an dem einmütigen Auf­treten der deutschen Wähler. Man hört oft recht schiefe und pessimistische Urteile über die Erfolge unserer Ansiedlungspolitik. Die Wahl von Gne- sen-Witkowo kann auch den Kleingläubigen eines Bessern belehren.

Deutscher Lehrertag. Dortmund, 9. Juni. Hier begannen heute die Verhandlungen des deutschen Lehrertages. Am Montag abend fand im Fredenbaum die Begrüßungsfeier statt. Dis große Hauptversammlung wurde heute vormittag im Fredenbaum unter starker Beteiligung er­öffnet. Die Teilnehmerzahl beträgt nahezu 6000. Zum Vorsitzenden wurde gewählt Lehrer Röhl-Berlin. Nachdem Geh. Ober-Reg.-Rat Beckendorff namens des Oberpräsidenten und Geh. Regierungsrat Oberbürgermeister Schmie­ding-Dortmund den Lehrertag namens der Stadt Dortmund begrüßt hatten, hielt Professor Natorp-Marburg den ersten Vortrag über das

Wolf. Aber Sibylle war zu klug, zu sehr darauf angewiesen, sich reich zu verheiraten, als daß sie nicht eingesehen hätte, der Liebestraum müsse zu Ende sein.

Auf Wolfs besorgtes Forschen nach dem Grund ihrer Tränen sagte sie ihm, daß man sie mit einem anderen verheiraten wolle.

Er erschrak. Seine Liebe zu ihr war von Tag zu Tag gewachsen. Es erschien ihm unmög­lich, sie aufzugeben. Er bat sie, treu zu bleiben, beschwor sie, noch eine Weile auszuharren, bis er ihr ein bescheidenes Los an seiner Seite bieten konnte. Sie versprach es, und voll unaussprech­licher Wonne zog er sie an sein Herz. Leiden­schaftlich und hingebend erwiderte sie seine Lieb­kosungen, sie konnte sich an diesem Abend gar nicht genug tun, vermochte sich dann kaum von ihm zu trennen.

Zwei Tage darauf erhielt er ihre Verlobungs­anzeige mit Kurt von Römer.

Wie ein verwundetes Tier verkroch er sich. Er mochte keine Menschen sehen aus Furcht, Si­bylle könnte darunter fein. Sie schrieb ihm ein Billett:

Vergib ich konnte nicht anders".

Er vernichtete es und rang mannhaft mit feinem Schmerz.

Nach zwei Monaten hörte er von ihrer Ver­mählung. Da ritt er die ganze Nacht wie toll im Freien umher und tobte seinen Schmerz aus.

Einige Wochen später er sing an wieder ruhig zu werden saß er abends in seinem Wohnzimmer über ein Buch gebeugt.

Da wurde leise die Tür geöffnet, eine hohe, schlanke Frauengestalt trat herein, und ehe er es recht faßte, lag Sibylle von Römer vor ihm auf den Knien und umfaßte ihn mit beiden Armen. Vor Schreck fassungslos, sah er in ihr bleiches Gesicht, in ihre glühenden Augen.

Thema:Volk und Schule Preußens vor hundert Jahren und heute."

Internationale Fahrplankonferenz. Karls­ruhe, 9. Juni. Seitens der badischen Regierung nimmt Ministerialpräsident Freiherr v. Mar­schall an der Europäischen Fahrplan-Konferen, teil, die am 11. und 12. Juni in Heidelberg statt- findet.

Bon der Flotte. Wie dieMilit.-pol. Korrespondenz" wissen will, schweben im Reichs- Marineamt Erwägungen wegen einer Vorlage an den Reichstag, wonach die attive Dienstzeit der Mannschaften in der Flotte um sechs Monate verlängert werden, in Zukunft also 3^> Jahre betragen soll. Ob eine solche Vorlage schon mit dem nächsten Reichshaushaltsetat oder erst spä­ter eingebracht werde, stehe anscheinend noch nicht fest. Man darf diese Nachricht wohl mit einem Fragezeichen versehen, auch wenn, wie es weiter heißt, an Ausgleichsmaßnahmen gedacht wird.

Sächsisches. Die sächsische Regierung gab eine Verordnung über die Abschaffung der teil­weisen Steuerfreiheit des Einkommens der Be- amten heraus, das bis jetzt nur zu vier Fünftel« besteuert war.

Koloniales. Wie der Jahresbericht der Deutschen Kolonialgesellschaft mitteilt, hat sich im Jahre 1907 die Zahl der weiblichen Personen vermehrt, die zur Ueberstedlung nach Deutsch- Südwestafrika auf ihren Antrag von der Deut- schen Kolonialgesellschaft eine Unterstützung er- halten haben. Es waren 165 gegen 108 im Vor­jahre und 56 im Jahre 1905. Sie erhielten freie Ueberfahrt in der dritten Schiffsklasse von Hamburg nach Swakopmund oder Lüderitzbucht, oder auch einen Zuschuß zu den Reisekosten in der zweiten Klasse. Teils waren es Angehörige (Ehefrauen und Kinder, Schwestern, Nichten), teils Bräute von im Schutzgebiete ansässigen Personen, teils Dienstmädchen, die bei einer im Schutzgebiet wohnenden Familie in Dienst tre­ten wollten. Im ganzen sind seitens der Deut­schen Kolonialgesellschaft bis zum Ende des Jah­res 1907 über 500 Personen mit der vorerwähn­ten Unterstützung nach Südwestafrika übergesie­delt worden.

l

Asiölültd.

König Eduard und der Zar in Reval. Reval, 9. Juni. Die Zusammenkunft des Kai- sers und des Königs von England fand heut« vormittag 11 Uhr auf der Reede von Reval statt« In zwei Hofzügen trafen aus Peterhof der Kai- ser mit der kaiserlichen Familie, die Königin von Griechenland, die Großfürstin Olga Alexan­drowa, Großfürst Michael Alexandrowitsch, Prinz Peter von Oldenburg, sowie zahlreiches Gefolge, unter demselben auch Ministerpräsident Stolypin, der Minister des Aeußern Iswolski, der Marineminister Dikow, der russische Vot-

Was willst Du, wie kommst Du hierher?* fragte er heiser und versuchte, sich aus ihreis Armen zu lösen. Sie hielt ihn fest.

Wolf, ich konnte es nicht mehr aushalten vor Sehnsucht nach Dir, ich kann nicht leben ohne Dich. Sei wieder lieb und gut zu mit, ich flehe Dich an, laß alles fein wie einst zwischen uns."

Mit Gewalt machte er sich frei von ihr und sprang auf.

Sie vergessen, daß Sie inzwischen eines anderen Gattin wurden, gnädige Frau."

Sie hob beschwörend die Hände.

Nicht so nicht so. Wolf, Du ahnst nicht, wie elend ich bin!"

Er biß die Zähne zusammen.Elend durch Ihre eigene Schuld! Ich bin es durch die Ihre. Bitte, verlassen Sie meine Wohnung, wenn Sie gesehen würden, könnte ich Ihren Ruf nicht schützen."

Was liegt mir daran? Wolf, sei doch nicht so grausam ich wußte nicht, was ich tat, als ich mich Römer zu eigen gab. Ich dachte, ich könnte Dich vergessen, aber es geht nicht. Voll glühender Sehnsucht ruft mein Herz nach Dir. Wolf, schicke mich nicht so fort."

Sein ganzes Innere war in Aufruhr. Die alte, heiße Liebe zu dem schönen Weibe brach mit Gewalt hervor, aber er wußte, daß er sich nicht verlieren durfte daß er für sie und sich Be­sinnung behalten mußte.

Er trat noch weiter von ihr zurück.

Gehen Sie, Sibylle, und ersparen Sie mir in Zukunft solche Szenen. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, daß es mir schwer wird, vernünftig zu fein. Sie sind die Frau eines anderen, das schei­det uns für immer."

Sie kroch an ihn heran. Wie eine Schlang«, umschlang sie seine Knie. (Forts, folgt) j