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mit dem Hreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
««d den Keilageu: „Literarischer Anzeiger«, „Landwirtschaftliche Beilage« und „JUnstriertes Sonntagsblatt«.
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische -»ze j 00 Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in
e/12. loi) Kirchh ain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. — Der Bezugspreis beträgt durch die"Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Sonntag, 7. Inn! 1908.
Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — <n Druck und Verlag: Joh. A«g. Koch, llniversitätsbuchdruckerei ixjUytfl1 Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Zweites Blatt.
Ein neuer Nationalverein — ein Pfingstwunsch für das deutsche Volk. .? Von geschätzter Seite wird uns geschrieben:
Ein Nationalverein im besten Sinne des Wortes ist der seit fast dreißig Jahren bestehende „Allgemeine Deutsche Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande". Der Verein will die Deutschen außerhalb des Reiches dem Deutschtum erhalten und sie nach Kräften in ihren Bestrebungen, Deutsche zu bleiben, unterstützen.
Die Bedeutung dieser Bestrebungen muß jedem klar werden, der die Tatsache sich vergegenwärtigt, daß von den nahezu 90 Millionen Deutschen 30 Millionen außerhalb der schwarzweiß-roten Erenzpfähle leben.
Es hat seine triftigen Gründe, wenn im Etat des Reiches zur Förderung deutscher Schul- und Unterrichtszwecke im Auslande 850 000 Mark eingestellt sind. Die Reichsregierung bekundet damit ein volles Verständnis für Wert und Bedeutung des Auslanddeutschtums und für unsere Pflichten ihm gegenüber. So stattlich die finanzielle Hilfe des Reiches sich darstellt — und wir hoffen, daß die Summe noch weitere Erhöhung erfährt —, zureichend ist sie nicht. Vor allem soll sie in erster Linie den Reichsdeutschen im Auslande die nationale Erziehung ihrer Kinder erleichtern helfen. Gerade dort aber, wo deutsche Ctammesgenossen in ihrem Volkstum bedroht und bedrängt sind, muß das Reich versagen.
Hier setzt die Tätigkeit des nationalen Schulvereins ein. Der Verein bemüht sich dabei, genau wie das Reich, in erster Linie um die Schule. Aber es handelt sich nicht um die Schule allein, und vor allem nicht um die Schule als Selbstzweck, sondern als eines der Mittel — sicher das wichtigste — zur Erhaltung des Deutschtums. Das nationale Programm des Vereins kommt jedenfalls in der Bezeichnung „Schulverein" nicht hinlänglich klar zum Ausdruck.
Darum ist es mit Freuden zu begrüßen, daß die Hauptleitung des Vereins auf die Tagesordnung des in der Pfingstwoche bevorstehenden Vertretertages zu Konstanz einen Antrag auf Namensänderung gesetzt hat. „Verein für das Deutschtum im Auslände (Allgemeiner Deutscher Schulverein)" soll die neue Bezeichnung lauten.
Das ist gewiß eine Verbesierung der irreführenden alten Benennung. Aber wir hätten freilich gewünscht, daß der Hauptvorstand noch einen Schritt weiter geangen wäre. Vielfach ist in den Vorverhandlungen über die Namensänderung dem Wunsche Ausdruck gegeben worden, ein zugkräftiges Schlagwort zu finden, das ähnlich wie „Flottenverein" oder „Kolonialverein" Wesen und Ziel der Vereinstätigkeit tref-
s < • • ■ -..... (Nachdruck verboten.)
.Puck/
Eine Pfingstepisode von Hedda von Schmid.
‘ (Schluß.)
„Ich bitte tausendmal um Vergebung," stotterte Max vernichtet und beschloß, Tante Eust- chen um eine Dosis Rattengift für Puck anzu- fiefien.
Der Doktor nahm den Fall humoristisch.
„Meine Pfingsterholung beginnt ja recht nett,“ sagte sich Max, als er, vom hohlen Zahn erlöst, das Doktorhaüs verließ. Zu seinem Leidwesen hatte er nach der Zahnoperation die Blondine nicht mehr im Wartezimmer angetroffen. Nun wußte er nichts weiter von ihr, als daß sie eifc hieß. M ,,
Und wo in aller Welt war Puck? Mochte er zum Teufel gehen. Max grübelte darüber nach, wie und wo er die hübsche Blondine wiedersehen könnte. Denn wiedersehen mußte er sie um jeden Preis. Er schritt durch die Straßen und spähte unwillkürlich doch nach dem verschwundenen Puck. Da kläffte er atemlos hinter ihm drein. Wie eine schwarze Kugel schoß Puck in einer Staubwolke daher und umtanzte mit einem Freudengeheul seinen Herrn. „Na, alter Keil, is schon gut," sagte Max, gegen seinen Wille« durch Pucks Anhänglichkeit gerührt. Dann trat er in den nächsten Laden und kaufte eine recht lange Leine. Milder gestimmt, gab er das Rattengiftprojett auf, aber zur Strafe für seine Untaten sollte Puck angeseilt werden. Die Leine bot ihm genügend Bewegungsfreiheit. £ weh — Puck rannte in der Kastanienallee, welche die Straße einsäumte, um jeden Baum immer gleich zweimal herum, schließlich saß er fest, zappelte, zerrte und heulte, und Max mutzte tn stummer Wut die Bäume umkreisen, um den Hund loszuwickeln. Es dauerte nicht lange, da
fend kennzeichnet. In der langen Liste der gemachten Vorschläge taucht da eine Bezeichnung auf, die allen diesen Anforderungen entspricht: „Nattonalverein für das Deutschtum im Auslande (Allgemeiner Deutscher Schulverein)",
Das wäre ein zündendes Wort. Daß der alte Nationalverein andere Ziele verfolgt, kommt heute nicht in Betracht. Das neue Deutsche Reich ist auch etwas anderes als das alte, trotz des gleichen Namens. Im gegebenen Fall hat aber keine Gemeinschaft ein besseres Anrecht auf den historischen Namen „Nationaloerein" als der Verein, mit dem bislang so wenig bezeichnenden und noch weniger zugkräftigen Namen. Dsr alte Nationalverein hat sich aufgelöst, als er seine Aufgabe, die Gestaltung eines deutschen Staates mit preußischer Spitze erfüllt sah. Wir brauchen neue Ideale. Das neue Hochziel deutschnationaler Bestrebungen liegt in der Richtung einer festeren Ausgestaltung des größeren Deutschlands. Nicht im Sinne einer Vlut- und Eisenpolitik. Cs kann sich nur um die Verwirklichung nationalkultureller und wirtschaftspolitischer Gedanken handeln. Beides steht in engster Verbindung. Und beides muß nachhaltig die staatliche Macht des Reiches fördern. Die wichtigste Vorarbeit ist in der Richtung zu leisten, in der die Tätigkeit des bisherigen Schulvereins liegt.
Die Hauptleitung mag mit ihrem vorsichtig abgewogenen Vorschlag einer Umstellung und Kürzung des alten Namens all den tausend Bedenklichkeiten Rechnung getragen haben, die von den Mächten des Beharrens jeder ttefer- greifenden Umgestaltung entgegengestellt werden. Da ist es Sache der öffentlichen Meinung, ihr Wort in die Wagschale zu werfen.
Möge der Konstanzer Vertretertag unter strenger Wahrung des unpolittschen Programms dem Verein den Namen geben, den er nach seinen großen Zielen zu führen berechtigt ist: Nationalverein.
Deutsches Reich.
— Zwei «elfische Ritterschaftswahlen bestätigt. Zwei wölfische Kandidaten, die wiederholt zum Mitglied der ritterschaftlichen Kommission gewählt worden waren, Oberst z. D. Bock v. Wülfingen-Bockerode und Generalleutnant Freiherr v. Uslar-Gleichen, haben die Bestätigung erhalten. Es wurde viel bemerkt, daß die beiden Herren sofort nach ihrer Wahl dem Oberpräsidenten der Provinz, Herrn o. Wentzel, ihre Aufwartung machten.
— Vom neue« Landtag. Bei der Berufung des Landtages auf den 26. dieses Monats wird von der Annahme ausgegangen, daß es möglich sein wird, bereits an dem darauf folgenden Sonnabend den Landtag wieder auseinander aohen zu lasten. Dazu wird allerdings erforderlich sein, daß an diesem Tage, dem 27., vormittags die Abteilungen des Abgeordnetenhauses so viele Wahlen für gültig erklären, daß am Nachmittag die Präsidentenwahl und damit
tzesellte sich ein Schwarm Gassenjugend zu Hund und Herr. Es war gerade so, als ob Max Kiel, der blonde, lange, stattliche Baumeister, und Puck eine Schaustellung gäben. Es fehlte auch nicht an der Kritik des lachlustigen Publikums. Um das Unheil voll zu machen, raffelte ein Einspänner vorüber, in dem die blonde Else aus dem Wartezimmer des Kreisarztes saß. Sie schaute mit einem langen, lächelnden Blick auf Mar, der just Puck von der fünfzehnten Kastanie loswickelte. Er griff an seinen Hut, dabei ent- alitt ihm die Hundeleine. Wie ein Pfeil sauste Puck dem Wagen nach — vier trabende Pferdebeine waren das rechte für-den wildgewordenen Pudel, bei dem die Pfingstreise alle ungezogenen Regungen einer schwarzen Hundeseele ausgelöst hatte.
„Fahre dahin," dachte Max, fügte noch ein paar Schmeichelnamen für Puck dazu und blickte der Staubwolke nach, welche das Gefährt seinen Augen entzog.
Nach ein paar Häusern hatte die Stadt ein Ende, und hier lief die Landstraße, die nach Viaunau führte. Erschöpft und wütend trat Max in die nächste Gartenwirtschaft, um seinen Aer- ger über Puck und den hohlen Zahn mit einem Schoppen Vier hinabzuspülen.
Das Ekel, den Puck, würde er natürlich nach ein paar hundert Schritten auf der Landstraße finden unschuldig wedelnd, mit keuchend hervor- aestreckter Zunge würde es am Erabenrande sitzen so als wäre nichts vorgefallen. „Na, warte nur, Du Racker," dachte Max. Allein weit und breit war nichts von Puck zu erblicken. Max pfiff und rief — aber der Hund war fort.
Er wird seitlich über die Wiesen einem flatternden Vogel nachgesaust sein," vermutete Max — einen Augenblick lang kam ihm noch eine andere Voraussetzung, die et jedoch gleich totebet verwarf.
die Konstituierung des Hauses erfolgen kann. Wenn ferner bisher stets angenommen wurde, daß der Landtag nach der Konstituierung des Abgeordnetenhauses bis zum Herbst vertagt werden würde, so verdient es doch ernster Erwägung, ob es nicht zweckmäßiger sein würde, den Landtag zu schließen und im Herbst eine neue Session zu beginnen. Nach guter Uebung wird der Landtag beim Beginn einer Legislaturperiode regelmäßig durch den König in * Person eröffnet und zwar mit einer Thronrede, in der in großen Zügen die dem Landtag bevorstehenden Aufgaben skizziert werden. Einem selchen Vorgehen stehen jetzt Schwierigkeiten persönlicher und sachlicher Art von kaum zu überwindender Stärke entgegen. Dagegen würde es ohne erhebliche Schwierigkeiten angängig sein, eine im Herbst zu beginnende Session persönlich von dem Landesherrn und mit einer Thronrede eröffnen zu lassen, welche sowohl der gegenwärtigen Lage als den großen Aufgaben der nächsten Zukunft voll gerecht wird. Alsdann würde die jetzige Tagung nicht blos nach der sachlichen, sondern auch nach der formellen Seite ausschließlich den Charatter einer Erfüllung der Formalvorschriften der Verfassung tragen, die Legislaturperiode aber, wie sie tatsächlich erst mit der Herbstsesston beginnt, auch in der bisher üblichen feierlichen und sachgemäßen Weise eingeleitet werden. Es werden daher die Gründe und Eegengründe sorgfältig abzuwägen sein, bevor man darüber endgültig Beschluß faßt, ob die Tagung des Landtages zu schließen oder nur bis zum Herbst zu vertagen sind sein wird.
— Für die staatliche Bernsteingewinnung werden die Verhältnisse immer ungünstiger. Obgleich im abgelaufenen Jahre von den Königlichen Bernsteinwerken in Königsberg eine größere Fläche als im Vorjahre abgebaut wurde, ist doch die Forderung und die Ausbeute an Rohbernstein zurückgegangen und zwar nicht nur der Menge, sondern auch der Güte nach. Es wurden rund 5000 Klg. weniger verarbeitet als im Jahre 1906, und wegen des empfindlichen Mangels an Rohmaterial mußten die Lieferungen von Rohbernstein wiederum hinter den Bestellungen zurückbleiben.
— Zur Einigung der Handlungsgehilfen- Berbände. Ende Januar dieses Jahres fand bekanntlich in Berlin eine Zusammenkunft der Führer des Verbandes Deutscher Handlungsge- bülfen zu Leipzig und des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes (Sitz Hamburg) statt. Diese beiden Verbände haben bislang einen heftigen Kampf gegeneinander geführt. Es war nun zwischen ihnen der Wunsch laut geworden, Frieden zu schließen und diesen Frieden dadurch zu einem dauernden zu gestalten, daß eine Vereinigung der beiden Verbände ernsthaft angestrebt werden sollte. Gewiß ein genialer Gedanke! Denn jeder dieser beiden Verbände für sich ist bereits großer, als irgend eine andere Organisation kaufmännischer Angestellter. Der Verband Deutscher Handlungsgehülfen zu Leipzig zählt 85 000 Mitglieder und der Deutsch-
Arn ersten Abend in Braunau gab es soviel zu reden, daß Max von seinen heutigen Erleb- idffen ganz schwieg: das alte kinderlose Ehepaar freute sich, den Neffen nach langer Zeit wiederzusehen, et mußte anhören und selber berichten, nahm sich aber vor, am folgenden Tage Tante Eustchen ins Vertrauen zu ziehen. Die kannte doch sicher alle jungen Damen der Umgegend.
Als am ersten Pfingsttage der Onkel sein gewohntes Nachmittagsschläfchen hielt, saßen Tante Euste und Max auf der Earten- veranda.
Er suchte nach einer passenden Einleitung zu seiner Beichte, da fing Tante Euste von selber an.
Ob Max denn noch nicht daran gedacht habe, zu heiraten, fragte sie ihn. Nein — denn bisher hatte er an Pua gerade genug gehabt, aber —
„Was meinst Du, mein lieber Junge?" unterbrach ihn Tante Gustchen ganz verständnislos.
„Ach, Tante, man hängt sein Herz an einen schwarzen, häßlichen Pudel, bis man eines Tages sich ganz unvermutet einem lieben, blonden, reizenden Mädchen gegenüber sieht und sich dann sofort sagt: die ober feine.“
„Ach so, ein Hund —" erwiderte Tante Euste sichtlich erleichtert. „Na ja, man liebt so'n Vieh — Hergott,“ kreischte sie dann auf, denn auf die Veranda fuhr etwas Schwarzes, Zottiges, kläffte in den höchsten Freudentönen, umtanzte Max, ritz Tante Eustchens Strickkörbchen um und raste dann wieder die Verandastufen hinab einer jungen Dame entgegen, welche durch den Garten daherkam.
„Die ist's, Tante Eustchen," sagte Max leise.
„Wo blieb das schwarze Untier?“ schrie die alte Dame noch immer erschrocken
„Puck, hierher," befahl Max lachend.
nationale Handlungsgehilfen-Verband ist sogar im Laufe der letzten Jahre auf 112 000 Mitglieder angewachsen. In keinem anderen Lande der Erde verfügen die kaufmännischen Angestellten über so starke Verbände, und wenn gar diese beiden Organisationen zu einem Eesamtver- bande zusammengewachsen wären, dann hätten die kaufmännischen Angestellten eine Rüstung erhalten, die sie gewappnet hätte für den Kamps ums Dasein im Zeitalter der Syndikatsbildungen. Dieses hohe Ziel wurde in einem Aufrufe aufgestellt, der unterzeichnet war von den Führern der beiden Verbände, die am 26. Januar 1908 in Berlin zu den Einigungsverhandlungen zusammengetreten waren. In diesem Aufrufe, der damals in der gesamten Tagespresse ^veröffentlicht wurde, hieß es u. a.: „Wir sind überzeugt, daß die Beseitigung der diesem Ziele entgegenstehenden Schwierigkeiten gelingen, wird, wenn die leitenden Körperschaften und die Mitglieder beider Verbände überall das gleiche Matz von Verantwortlichkeitsgefühl für die Interessen des ganzen Standes an den Tag legen werden, das uns bei der Abfassung und Unterzeichnung dieses Aufrufes geleitet hat." Aber bald zeigt« sich, daß gegen diese Einigungsbestrebungen lebhafter Widerspruch aus den Reihen der Mitglieder des Verbandes Deutscher Handlungsgehülfen zu Leipzig laut wurde. Auf der Generalversammlung des Leizpiger Verbandes die Ende April stattfand, setzte man es durch, datz die in Aussicht genommene Fusion abgelehnt wurde. Die eingesetzte Einigungskommission wurde lediglich ermächtigt, eine sozialpolitisch« Verständigung mit den Deutschnationalen zu versuchen. Am 16. und 17. Mai traten nun in Berlin die Führer der beiden Verbände wie- derum zusammen, um über eine sozialpolitische Verständigung Verhandlungen zu pflegen. Aus dem Ergebnis dieser Verhandlungen wird jetzt durch die Fachpresse der Verbände bekannt, datz eine Verständigung nicht zu erzielen gewesen ist, sie scheiterte an der verschiedenen Stellungnahme der beiden Verbände zur Frauenarbeit im Handelsgewerbe. Man wird sich also leider auch für die Zukunft auf Auseinandersetzungen innerhalb der tzandlungsgehilfenbewegung gefaßt machen müssen.
— Neue Sensationen in der Eulenburg-Angelegenheit. In dem Ermittelungsverfahren in der Untersuchung gegen den Fürsten Eulenburg sollen, wie verlautet, mehrere Zeugen in München bekundet haben, daß in Berlin der Königliche Kammerherr Graf Edgar v. Wedel im Prinzessinnenpalais oftmals Teegesellschaften veranstaltet habe, an denen fast ausschließlich abnorm veranlagte Herren aus den höchsten Gesellschaftskreisen teitgenommen haben, selbst Angehörige regierender deutscher Fürstenhäuser und ein näher Verwandter unseres Kaiserhauses. Als hierüber dem Kaiser Meldung gemacht wurde, hat der Monarch sofort den Grafen v. Wedel aller seiner Aemter enthoben. Der Graf wurde außerdem aufgefordert, unverzüglich die Dienstwohnung —— ■ —Zj
Da kroch Puck in tiefstem Schuldbewusstsein heran.
„Ich habe Ihnen Ihren Hund wiedergebracht Herr Kiel," sagte die junge Dame, „er lief gestern bis zur Erschöpfung hinter meinem Wagen drein. Da nahm ich ihn zu mir in unser Forsthaus. Heute ist er aber ganz artig mit mit über die Wiesen hergewandert. Die Eltern lassen schon grüßen, Tante Braunau.“
Nun begriff Tante Eustchen einigermaßen die Situation. Ein listiges, frohes Lächeln lief über ihr altes gutes Gesicht, als sie die beiden jungen Menschen einander vorstellte: „Mein Neffe Max Kiel — Fräulein Else Dürer, die Tochter unsers lieben Nachbars, des Oberförsters. Aber mir scheint, Ihr kennt Euch bereits."
„Ich Hatte gestern unbekannterweise das Vergnügen," sagte Max strahlend. Er gab Puck einen zärtlichen, kleinen Klaps. „Aber woher kannten Sie meinen Namen, gnädiges Fräulein?" wandte er sich an Else.
„Tante Braunau hat doch Ihr neuestes Bild auf ihrem Schreibtisch stehen, zudem wußte ich, daß Sie gestern hier erwartet wurden. Auf Puck war ich allerdings nicht vorbereitet," fügte sie schelmisch hinzu.
Das Ende von Max' Pfingstferien war seine Verlobung mit der blonden Else. Er behauptete nachher immer, daß Puck seine Ehe gestiftet habe. „Und wenn Du mal wirklich Gift lecken solltest, anstatt hypermangansaures Kalb Du kleines Ekel, so lasse ich Dich zum Andenken an Deine Leistungen als Ehestifter ausstopfen," wandte er sich dann an Puck.
Puck wedelt vergnügt und blickt den Baumeister und seine junge Frau mit seinen Korin- tenaugen so an, als wolle er damit sagen: Jawohl — wir Hunde find manchmal klüger ttt unsere Herrn. j