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Drittes Blatt

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Zeitung- nebst ihren von unserer Expedition

(Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch« ßain, Neustadt und Wetter, sowie von illen Postanstatten und Landbriefträgern ent« jegengenommer..

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Wiffenschast, Kunst und Leben.

# Berlin, 1. Juni. DerCtatsanzeiger^ meldet: Der Geheime Hofrat Prof. Wilhelm

Marburg

Mittwoch, 3. Juni 1908.

Abonnentenversicherung.

Die in den letzten Verhandlungen des Reichs­tages erörterte Zsitungsabonnentenversicherung hat auch im neuesten Geschäftsbericht des Kaiser- Ikmen Aufsicktsamtes für Privatversicherung Er« wühnung gefunden. Danach stehen der Beauf­sichtigung dieser Versicherung Schwierigkeiten entgegen. Die den Zeitungsverlegern infolge der Stellungnahme des Reichsgerichts gebotene Möglichkeit, mit dem Verlagsgeschäfte die Ge­währung von Versicherungen zu verbinden, ohne eine Bestrafung auf Grund des § 108 des V. A. E. befürchten zu müsien, hat eine stets wachsende Verbreitung der ohne behördliche Er­laubnis betriebenen Zeitungsabonnentenver- sicheruna zur Folge gehabt. Hierbei handelt es sich regelmäßig um die Versicherung der Abon­nenten für den Fall des Todes, oder der Ei- werbsulifähigkeit infolge körpHlicher Unfälle. Es zeigt sich jedoch immermehr. das Bestreben, dem Publikum Neues zu bieten und vor den konkurrierenden Unternehmungen durch beson­dere Leistungen einen Vorsprung zu gewinnen. So gewährt ein Verleger den Abonnenten seines Blattes, neben einer ReisenunflKverstcherung für den Todes- oder Jnvaliditätsfall in Höhe von 1000 bezw. 200 M eine Versicherung für den Kall des Todes durch besondere Ereignisse (Blitz-

Hochschulnachrickten. i

X Stuttgart, 1. Juni. In Anwesenheit des Königs und Ministers des Innern wurde durch den Präsidenten von Mosthof die Ausstellung für Studentenkunst im Landesgewerbemuseum eröffnet. Rach dem Festakt fand für die studen­tischen Korporationen Stuttgarts und Tübin­gens im königlichen Privatgarten ein vom König gespendeter Frühschoppen statt. i

Die bemerkenswerteste Sonderart der Kolo­nialschule besteht nun in dem Ineinander von sorgfältiger Theorie und umfassender Praxis. Denn der Nachmittag dient praktischer Arbeit der künftige Farmer darf sich vor keiner Ar­beit scheuen. Daher gibt es hier Rübenhacken und Mähen, Graben und j)üngerfahren. Auch das notwendigste Handwerk wird gelernt: In der Schmiede werden Hufeisen verfertigt, in der Stellmacherei sehen wir das mächtige plumpe Rad für den Ochsenwagen entstehen. Naturge­mäß sind dazu mancherlei Wirtschaftsgebäude nötig. Diese liegen aus der anderen Seite des Klostergebäudes und umfasien Werkstätten aller Art, Molkerei, Schweine- und Milchviehstall, Gewächshäuser für tropische Nutzpflanzen. Eine für den Wirtschaftsunterricht besonders wichtige Ergänzung bildet der neuerbaute Eutshof drau­ßen vor der Stadt inmitten der rund 600 Mor­gen umfassenden Ländereien. Ackerpferde und Fohlenzucht, Milchkühe und Rinder, eine Schaf­herde und umfangreiche Schweinehaltung ge­hören zu diesem Betriebe.

Zu »ll diesem pflichtmäßigen Arbeitsdienste gesellt sich in der nicht allzu reich bemesienen Freizeit die Kräftigung des Körpers durch freie Betätigung in Spiel und Sport zu Wasier und zu Lande: Turnen, Reiten, Fechten, Schießen mit Revolver und Gewehr, Rudern, Radeln, Tennis! Wie prächtig paßt für unsere Kolonie das Schillerfche Wort: Da draußen, da ist der Mann noch was wert, da wird das Herz noch ge­wogen! Und setzet Ihr nicht das Leben ein, nie wird Euch das Leben gewonnen sein! Auch die deutsche Frau muß ja für Aubeit und Entbeh­rung im Kolonialdienste vrbereitet werden, und so sehen die Damen der kleinen Reisegesellschaft mit Interesse, was für die Frauen-Kolonial- schule unter Leitung der Frau v. Falkenhausen, der im Hottentoftenkrieg schwergeprüften Dul­derin, seit dem Frühling dieses Jahres geleistet worden ist.

Was uns alle aber am meisten ergriff, das war der Geist, der durch diese Anstalt weht und von dem wir einen Hauch spüren durften. Nicht nur für die in der Zukunft ihrer harrenden prattischen Aufgaben wird der junge Nachwuchs hier erzogen, sondern auch zu vollem Verständ­nis für die schwere aber so schöne Lebensaufgabe, Vorkämpfer des Deutschtums zu sein, Kulturpionier, soweit noch Platz an der Sonne für deutsche Arbeit und deutschen Herd. Kräftiges, deutsch-nationales Empfinden sprach aus der Persönlichkeit von Lehrer und Schüler, und das erfüllte uns mit dem erhebenden Be­wußtsein, daß das von hier über das Meer strömendever sacrum" auch in der Ferne charaktervoll sein Deutschtum bewahren wird. Möge jedem der Wahlspruch der Anstalt im Her­zen tief eingegraben stehn:

Mit Gott für Deutschlands Ehr Daheim und überm Meer!

Herrn Geheimrat Fischer aber, der die An­regung zu der ebenso lehrreichen wie unterhal­tenden Fahrt gegeben hat, möge auch an dieser Stelle für seine Führung und mannigfache Mühewaltung der Dank der Reiseteilnehmer

eine solche von 10 M in Aussicht gestellt. Mit bett Bezug einer weiteren von dem gleichen Ver­lage herausgegebenen Zeitschrift ist eine Kon­firmanden-, Militärdienst- und Brautaussteuer- vercherung verbunden. Die Versicherungsleist­ungen betragen hier je nach der Stauet, des Abonnements bezw. dem Lebensalter der in die Versicherung Eintretenden bei der Konfirman­denversicherung 10 bis 65 'M, bei der Militär­dienstversicherung während zweier Dienstjahre 5 bis 20 'M für jeden Monat und bei der Braut­aussteuerversicherung 50 bis 1000 M. Man steht, daß es an Mannigfaltigkeit auf diesem Gebiete nicht fehlt.

Eine andere Verficherungsart ist allerdings verboten worden. Ein Zeitungsverleger über­nahm für den Fall des Todes eines Abonnenten oder der Eehefrau eines Abonnenten die Aus­zahlung eines Sterbegeldes an die Hinterbliebe­nen und zwar in Höhe von 40 M nach einem ununterbrochenen Abonnement von einem Jahre, von 60 M nach einem ununterbrochenen Abonnement von zwei Jahren und von 100 M nach einem ununterbrochenen Abonnement von drei Jahren. Das Königliche Landgericht in Leipzig erblickte in dieser Sterbegeldgewährung ein der behördlichen Beaufsichtigung nach Maß« gäbe des B.A.E. unterstelltes Versicherungs­unternehmen und verurteilte den Verleger, dem die Erlaubnis zum Geschäftsbetriebe nicht «t*

Die JnfertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Nniversitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hjtzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische -»/ jnn Zeitung" bei allen Postämtern und unsern Zeitungsstellen m 12m Kirchh ain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt Sl. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unsern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Bestellungen

für den Monat Ii

schlag, Erdbeben, Biß eines tollwütigen Hundes, Verbrennen bei Feuersbrunst, Ueberfchwemm- ungen) in Höhe von 2000 M, sowie eine Feuer­versicherung in Höhe von 700 M. Ein anderer Zeitungsverlag stellt allen in seinem Blatte zur Erlangung einer Stellung inserierenden Per­sonen, die häusliche Dienste verrichten, auf die Dauer von 300 Tagen nach Zahlung der Jnser- tionskosten eine Unfallentschädigung im Betrage von 300 M für den Fall des Todes oder der gänzlichen Invalidität infolge Unfalls und von 1 bis 300 M für den Fall einer vorübergehenden Erwerbsunfähigkeit infolge Unfalls je nach deren Dauer in Aussicht. Es handelt sich hier also nicht um eine Abonnenten-, sondern um eine Jnserentenversicherung, deren Beaufsichtig­ung indesien mit Rücksicht auf die vorn obersten Gerichtshöfe hinsichtlich der ersteren vertretene Auffassung ebenfalls in Frage gestellt ist. Von einem Verleger, der eine Arbeitslosenversicher­ung in seinen Geschäftsbetrieb ausgenommen hat (die Versicherungsleistung beträgt hier 8 M für jede Woche der Arbeitslosigkeit bis zu einer Dauer von 3 Wochen in jedem halben Jahre), wird außerdem den Abonnenten für den Fall des Todes von Familienangehörigen die Aus­zahlung von 6 bezw. 15 M, für den Fall der Erkrankung der Ehefrau des Abonnenten ein# einmalige Zahlung von 8 M und für den Fall der Niederkunft der Ehefrau des Abonnenten

teilt worden war (und auch, wenn sie nachgesucht worden wäre, schon mit Rücksicht auf Paragraph 6 Abs. 2 V.A.E. nicht hätte erteilt werden kön­nen), zu einer Geldstrafe von 800 M. Maß­gebend für diese Beurteilung der Rechtslage war für das Gericht u. a. die Erwägung, daß di« Att des hier in Frage kommenden Lebensver­sicherungsbetriebes in finanzieller Beziehung so­wie hinsichtlich der Geschäftsführung in der Hauptsache eine von dem Verlagsgeschäfte ge­trennte, nach versicherungstechnischen Grund­sätzen einzurichtende Verwaltung erfordere und daß in beiden Beziehungen schon zurzeit di« Unterordnung des Verlagsgeschäfts unter di« Sterbegeldverficherung deutlich erkennbar sei, im Laufe der Zeit aber immer mehr hervortreten! müsse, da 800000 Personen versichert seien und die nach und nach fällig werdenden Versicherungs- summen sich auf viele Millionen Mark beliefen^ Das Reichsgericht hat dies Entscheidung bestä- tigt. Hier ist also ein Riegel vorgeschoben. In byt unteren Fällen bleiben bie Mißstänte noch zu beseitigen. Nach den Erklärungen aber, bie­der Staatssekretär des Reichsjustizamtes i* Reichstage abgegeben hat, ist ja auch zu erwar­ten, daß die Beseitigung, wenn nichts anbered fruchtet, burch eine Ergänzung des Versicherung«- aufsichtsgesetzes erfolgen wird, -----

den Rentenempfängern sind bezw. waren beschäftigt: in der Landwirtschaft 25, in der Industrie 26, im Handel und Verkehr 4, durch Lohnarbeit wechselnder Art 6, im Staatsdienst 1, im Gesinde» dienst 12. Nach Abgang durch Tod bleiben noch zu zahlen 14 Posten im Betrage von 2065.40 Mark. Der Gesamt-Jahresbetrag der bewilligten Renten betrug überhaupt 126098 80 Mk. Von der LanveS- Versicherungsanstalt Hessen-Nassau, deren Bezirk die Regierungsbezirke Casiel und Wiesbaden, sowie das Fürstentum Waldeck umsaßt, sind seit dem 1. Januar 1891 überhaupt bewilligt: 9 875 Altersrenten im ®e- sammt-Jahresbetrage von 1384 953.20 Mk., 37 581 In- Validenrenten im Gesamt » Jahresbetrage von 562102'.80 Mk., 3244 Krankenrenten im Gesamt» Jahresbetrage von 527 471.60 Mk., im Ganzen 50 700 Renten mit einem Gesamt JahreSteaxage von 7 533 446.60 Mk. Hiervon sind nach Berücksichtigung der durch Tod rc. erfolgten Abgänge Ende März 1908 noch zu zahlen 2555 Altersrenten im Gesamt- Jahresbetrage von 388484.00 Mk., 19707 Invaliden« renten im Gesamt-Jahresbetrage von 3051636.40 Mk. 579 Krankenrenten im Gesamt Jahresbetrage von 96 823.00 Mk., im Ganzen 22841 Renten mit einem Gesamt - Jahresbettage von 3536973.40 Mk. Der vom Reiche zu leistende Zuschuß beträgt 1142050 Mk, Mithin blerben Ende März 1903 aus Mitteln der Landes-Versicherungsanstalt Hefsen-Nasiau an Rente« zu zahlen jährlich 2 394923.40 Mk.

)( Der Zirkus Berg trifft morgen auf dem Juxplatz ein und wird am Mittwoch mit den Vorstellungen, für bie nur brei Tage vorge­sehen ftnb, beginnen.

* Viehseuchen. Im Regierungsbezirk Gaffel herrschen zur Zeit in folgenden Ortschaften Viehseuchen: Schweineseuche (Schweine­pest): Stabtkreis Cassel: Cassel. Lanbkreis Cassel: Ochshausen, Oberzwehren, Sandeishau» fen, Niedervellmar, Niederzwehren, Ober­kaufungen. Kreis Fritzlar: Gudensberg. Kreis Gelnhausen: Kassel, Mernes, Eidengesäß, Witt» genborn, .Leisenwald, Lieblos, Hettersroth. Landkreis Hanau: Ostheim, Rüdigheim, Nieder­dorfelden, Langendiebach, Eichen, Roßdorf. Kreis Hofgeismar: Hombressen, Niedermeiser, Gottsbüren, Immenhausen. Kreis Melsungen: Melgershausen. Kreis Rotenburg: Oberthal­hausen. Kreis Schlüchtern: Bellings. Kreis Herrschaft Schmalkalden: Asbach. Kreis Ziegen­hain: Ibra. Influenza der Pferd« (Brustseuche): Stadtkreis Cassel: Cassel, Kreis Hofgeismar: Beberbeck. Kreis Herrschaft Schmal­kalden: Oberschönau. Kreis Witzenhausen: Un­terrieden, Ermschwerd. Kreis Ziegenhain: Holz- burg.

() Ronhausen, 1. Juni. Hier ist eine Tele­graphenanstalt mit Unfallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit ge­treten.

() Biedenkopf, 1. Juni. Dem landwirtschaft­lichen Bezirksverein zu Biedenkopf ist die Ge­nehmigung der Regierung zu der gelegentlich der landwirtschaftlichen Ausstellung zu veran­staltenden Lotterie erteilt worden.<

Marburg nnd Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß 8 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe

Oberheff. Ztg." gestattet.).

Marburg, 2. Juni.

* Herr Sifenbahnbirektionspriisibent Ulrich, Wirkt. Geh. Oberregierungsrat, welcher mit bem 1. Juni in ben Ruhestand tritt, erläßt im Amts­blatt der Königl. Eisenbahndirettion folgende Kundgebung:Nachdem Seine Majestät bet König Allergnädigst geruht haben, mich auf mein Ansuchen zum 1. Juni b. I. in bei: Ruhe­stand zu versetzen, scheite ich aus meiner Stellung als Präsibent bei Königlichen Eisen­bahndirektion zu Cassel an diesem Tage aus. Zugleich möchte ich allen mit unterstellten Be­amten und Arbeitern meinen herzlichsten Dank aussprechen für die Unterstützung, bie ich wäh- tenb bet 13jährigen Verwaltung bes Eisenbahn- birektionsbezirks Cassel stets bei ihnen gefunben habe. Da ich mit Genehmigung bes Herren Ministers bei öffentlichen Arbeiten ben Vorsitz in bem Eisenbahnverein Cassel unb damit auch ip bem Verband bet Eisenbahnvereine bes Be­zirks Cassel unb in bem Allgemeinen Verbaute bet pteußisch-hessischen unb Reichs-Eisenbahnver- eine beibehalte, so werde ich bie Freude haben, mit Ihnen in Verbindung zu bleiben und ferner an dem weiteren Gedeihen der Eisenbahnvereine mitarbeiten zu können."

* Sonder-PersonenzÜge. Zur Bewältigung bes sicherlich auch währenb bes biesjährigen Pfingstfestes eintietenben bedeutenden Personen­verkehrs hat bie Kgl. Eisenbahndirektion Cassel in der Zeit vom 5. bis 10. Juni eine Anzahl Sonder-Personenzüge eingestellt. Sie werden auf den Strecken CasselGöttingenElze, CasselMarburg (Frankfurt a. M.s, Holzmin­denSeesen (Börffum), CasselBestwig, Alten­bekenCassel, SeesenHerzberg, Eichenberg Göttingen, AmalienhütteMarburg und Nort­heimNordhausen gefahren. Die Fahrzeiten sind an den roten Plakaten in den Bahnhofs­gebäuden ersichtlich. Die Reisenden werden dringend ersucht, möglichst die Vorzüge zu be­nutzen, da diese Züge die Anschlüsse auf den Uebergangsstationen sicherer erreichen, als die nachfolgenden Hauptzüge. Die Beförderung er­folgt zu den gewöhnlichen Fahrpreisen.

° Alters', Invalide«' «. Krankenrente«. Für den Kreis Marburg (Land) stellen sich die Ergebnisse der Bewilligung von Alters-, Invaliden- und Krankenrenten in der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende März 1908 wie folgt: Die eingegangenen Anträge auf Altersrente betrugen 29?. Davon sind erledigt durch Renten­bewilligung 184, durch Ablehnung 92, durch Tod der Antragsteller rc. 15. Der Gesamt-Jahresbettag der be­willigten Renten belief sich auf 22516.80 Mk. Von den Rentenempfängern sind bezw. waren beschäftigt in der Landwirtschaft 131, in der Industrie 16, im Handel und Verkehr 1, durch Lohnarbeit wechselnder Art 10, im Staatsdienst 20 und im Gesindedienst 6. Nach Abgang durch Tod rc. bleiben noch zu zahlen 45 Posten im Be­trage von K78. 0 Mk. Die eingegangenen Anttäge auf Invalidenrente betrugen 870. Davon sind erledigt durch Rentenbewilligung 648, durch Ablehnung 165, durch Tod der Antragsteller rc. 57. Der Gesamtbetrag der bewilligten Renten belief sich auf 92 389.00 Mk. Von den Rentenempfängern find bezw. waren beschäftigt in der Landwirtschaft 343, in der Industrie 162, im Handel und Verkehr 10, durch Lohnarbeit wechselnder Att 51, im Staatsdienst 36, im Gesinde- dienst 46. Nach Abgang durch Tod rc. bleibe« noch zu zahlen 325 Posten im Betrage von 46 767.20 Mark. Die eingegangenen Anttäge auf Krankenrenten betrugen 74. Davon sind erledigt durch Renten- bewilligung 74. Der Gesamt-Jahresbettag der be­willigten Renten belief sich auf 11193.00 Mk. Von

Die Kolonialschule in Witzenhausen.

Der von bei hiesigen Abteilung bet Kolonial­gesellschaft veianstaltete Besuch bei Kolonial­schule in Witzenhausen hat leibet nut geringe Beteiligung gefunden, ben Teilnehmern selbst «bet wird biefe Sonntagsfahit eine angenehm; ttnb werivolle Erinnerung sein. Nicht nut daß «as Städtchen des lieblichen Werratales im Strahle der Sonne einen prächtigen Anblick bot und ein Spaziergang durch die benachbarten Berge immer neue hübsche Landschaftspunkte erschuf: sondern vor allem erregte bei Veisuch, in dem mittelalterlichen Rahmen eines ehe­maligen Klosters eine durchaus moderne Unter« xichtsanstalt mit neuzeitlichen Zielen und Auf­gaben zu entwickeln die ungeteilteste Aufmerk­samkeit. Professor Kabarius, der Direktor bet Anstalt, führte uns durch die weitläufigen An­tagen des alten Klostergehöftes, welches noch ^mancherlei Formen edelster Gotik schön erhalten zeigt und durch stattliche Neubauten im gleichen Stil mit verständnisinnigem Kunstsinn ergänzt fft. Hier liegen die Wohn- unb Lehrgebäude für die Schüler. Denn die jungen Leute augenblicklich 90 an der Zahl leben wie in der Kriegsschule ganz im Internat und werden nach einer offenbar straff gehandhabten Haus­ordnung erzogen. Das enge Zusammenleben und die fast stündliche gegenseitige Anregung fördert die Kameradschaftlichkeit und dient der Charakterbildung. Somit ist hier das englisch- amerikanische Kollegsystem nachgeahmt, welches gegenüber den Anforderungen des wirtschaftlich­technischen und praktischen Berufslebens sich auch hls geeigneter erweist als dieakademische Frei­heit". Auch die in den Tropen ja unbedingt not­wendige Beschränkung des Alkoholgenusses, wie sie hier herrscht, steht im Gegensatz zurcivitas academica". Behaglich und einfach vornehm ist die Einrichtung der Lese- und Arbeitszimmer, bes Eßsaales wie bie bei einzelnen Wohnräume. Der Vormittag bient den wissenschaftlichen Vor- Rjungen, für welche mindestens Obersekunda- reife erforderlich ist: Bodenlehre, anorganische Chemie, Tropenhygiene, Botanik der tropischen Wälder, Kolonialrecht, Baukonstruttion und Technologie, dazu von den Sprachen je nach Wahl Englisch, Französisch, Spanisch, Portugie- sisck, Holländisch und Suaheli! Die Göttinger Universität und Forstakademie in Münden er­setzen die etwa dort fehlenden Lehrkräfte.