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Marburg

Sonntag, 81, Mai 1908.

Die Insertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene,Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Httzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg.

»WM

Zweites Blatt.

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Schiffahrtsabgaben.

Auf dem Festmahl des bayerischen Kanal» Vereins berührte Prinz Ludwig von Bayern in .seinem Trinkspruch im Anschluß an den preußisch- bayerischen Vertrag über die Fortführung der Mainkanalisierung auch die Frage der Schiff- sahrtsaLgaben. Er präzisierte seinen Stand­punkt mit den Worten: Lieber Wasserstraßen mit Schiffahrtsabgaben wenn sie nicht zu hoch .sind, als gar keine. Er teilte mit, daß Bayern -sich verpflichtet hat, für Schiffahrtsabgaben ein« zulreten und sich alle Mühe gibt, das zu er­reichen.Sollte es durch andere Gewalten ver­hindert werden," so fuhr er kort,es ist ja nur mit Zustimmung der anderen Staaten des bleiches w.e auch des Auslandes zu erreichen, ,so :äre es durchaus unbillig, oaß Bayern, das -och alles tut, damli die Schiffahrtsabgaben ein- ' geführt werden, dafür bestraft werden soll, daß die anderen nicht mittun. Das wäre die Ver- »wigung der Mainlinie, die wir Gott sei Dank vor 33 Jahren beseitigt haben."

Aus dieser »nndgebung geht unzweideutig hervor daß der Gedanke der Schiffahrtsabgaben in Süddeutschland, auch in Bayern bereits eine starke werbende Kraft bewiesen hat, so stark, daß man bereits Besorgnisse an die Möglichkeit knüpft, daß ihre Einführung an anderen Um­ständen scheitern könnte.

Der Gedanke, daß die Kanäle nicht einseitig Industrie und Handel aus Kosten der Land­wirtschaft begünstigen und die Eisenbahnein­nahmen bedrohen, dürfte ein wohl durchgedrun- grner sein. Die Einführung des staatlichen Schlexpmonopols, die unter seinem Einflüße beschlossen wurde, sollte eine gewisse Gewähr bieten.

Aus ähnlichen Erwägungen wurde dir Ein­führung von Schiffahrtsabgaben gefordert. Ihre prakrische Folge wäre die Bildung von Zweckver- böndcn für die einzelnen Wasserstratzennehe, die dann nicht mehr au der Gr«ttze des Einzelstaates Halt zu machen brauchten und dir Verwendung des Ertrages der Abgaben zur Verbesserung der Masterstraßen, ohne Unterschied der einzelstaat- lichcn Gebiete. Eine solche planmäßige Kanal-

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(Nachdruck tierboten.)

Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth.

(Fortsetzung.)

Tausende verschlang die Krankheit der jun­gen Frau. Arnolds Eltern gaben wiederum eine große Summe, um den Wunsch der Kranken, nach dem Süden zu reisen, zu erfülleil. Sie reiste ab und kehrte nach zwei Monaten zurück zu sterben. Währenddem hatte man dem verzwei­felnden Gatten Rechnungen auf Rechnungen präsentiert, die er unmöglich bezahlen konnte. Zu allem Unglück wurde auch noch Bertas Vater wegen betrügerischen Bankerotts gefäng­lich eingezogen. Roch während Berta in Nizza weilte, nahm Arnold den Abschied vom Heere. E- wurde ihm, wenn auch mit Bedauern gewährt.

Bei seinen Vorgesetzten galt Arnold von Brandt stets als pflichteifrig und vornehm. Man schätzte seine guten Eigenschaften auch bei den Kameraden. Dennoch konnte ihm keiner helfen. Denn ein Offizier mit solchen Schulden Hüb einem Betrüger als Schwiegervater, war unmöglich.

Arnold fühlte sich krank an Leib und Seele und untauglich für den Dienst. Er zog sich scheu von aller Welt zurück. Wenn auch der Gedanke, feinem Leben ein Ende zu machen, oft an ihn herantrat so sträubte sich doch sein festeres Ich gegen einen solchen Frevel, namentlich auch um des Kindes willen. Was half es nun, daß feine sterbende Gattin in rührenden Ausdrücken um Verzeihung bat, daß sie, die immer noch auf Bes­serung hoffte, gelobte, ein anderes Leben be­ginnen zu wollen, es war zu spät.

An ihrer Bahre stand Arnold ohne Groll. Sie hatte bereut und gebüßt. Nicht lange dar- eni starben auch seine Eltern; das Erbe, das sie

förderung würde die Schiffahrtsverhältniste er­heblich verbessern. Die Vereinheitlichung des Verkehrsnetzes würde die Tarife vereinfachen, so meinte der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten Breitenbach am 1. April d. I. rm Reichstage und vermutlich eine Erhöhung der Frachten hintanhalten.

Die gegenwärtige politische Lage ist nun folgende. Eine starke Mehrheit des preußischen Abgeordnetenhauses hat sich durch ihre Zu­stimmung zum § 19 des preußischen Gesetzes be­treffend die Herstellung und den Ausbau von Wasserstraßen vom 1. April 1905, aber auch bei anderen Gelegenheiten für die Einführung von Schiffahrtsabgaben auf natürlichen Flußläufen ausgesprochen. Die preußische Regierung wird, wie der Vizepräsident des Staatsministeriums und Stellvertreter des Reichskanzlers am 1. April auf die Interpellation, betr. die Schrff- fabrtsabgaben, im Reichstage erklärte die ge­eigneten Schritte tun, um die der Erhebung von Schiffahrtsabgaben etwa entgegenstehenden, aus der jetzigen Lage des öffentlichen Rechts er­wachsenden Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen Eie wird namentlich zur Klarstellung der umstrittenen Verfassungsbestimmungen Fen Weg der Reichsgesetzgebung beschreiten, sobald die zur Zeit zwischen Preußen und den übrigen beteiligten Bundesstaaten in bundesfreundlichem Sinne geführten Verhandlungen ausreichend ge­fördert worden sind. Ist die Angelegenheit in Deutschland entschieden, wird mit den beteilig­ten fremden Staaten in Verhandlung getreten.

Die Erklärungen von bayerischer Seite zeigen die starke Geneigtheit, die preußische Regierung auf diesem Wege zu unterstützen. Diese ist der Auftastung, daß die Einführung von Schiffahrts­abgaben mit dem Artikel 54 der Reichsver- fastung durchaus vereinbar ist, sie will aber um des lieben Friedens Willen den gegenteiligen' Anfchaungen entgegenkommen, und um an der Rechtsfraae die Erreichung des Zieles nicht schei­tern zu lassen, eine authentische Interpretation des Inhalts des Artikels 54 durch ein Reichsge- feb unter Mitwirkung von Bundesrat und Reichstag herbeiführen. Im Abgeordnetenhause bestand die Mebrheit für die Schiffahrtsabgaben aus der Rechten und dem Zentrum. Auch die Nationalliberalen würden nach ihren, bis­herigen Erklärungen ein solches Vorgehen der Regierung unterstützen. Eine Mehrheit ist im Reichstage dafür also sicher zu erlangen. Wir nehmen deshalb an, daß die pessimistische Auf­fassung des Prinzen Ludwig von Bayern in der Praxis ihre Bestätigung nicht finden wird.

Die Deutsche Kolonie in Horta auf Fayal (Azoren).

Von einem in Horta auf den Portugiesischen Azoren mit großem Eifer und recht erfreulichen Erfolge wirkenden jungen Geistlichen Marbur­ger Herkunft geht uns der nachstehende Bericht zu, den wir gerne veröffentlichen:

ihm hieterließen, ermöglichte es ihm, wenigstens die ungeduldigsten Gläubiger zu befriedigen. Ebenso konnte er mit dem Erlös der Schmuck­sachen verschiedene Schulden abtragen. Er at­mete leichter und freier. Hoffte er doch, daß es ihm gelingen würde, später, wenn auch vielleicht erst nach Jahren, alle Schulden tilgen zu können.

So mietete er sich das kleine Haus am Waldes- rand und vertauschte das geräuschvolle Leben der Earnisonstadt mit der Einsamkeit des Land­lebens Die treue Kathrine zog mit ihm, eine Pflegerin für sein Kind. In Neunlinden störte ihn niemand bei der Arbeit. Er fing an zu schreiben, unverdrosten, Tag und Nacht. Es galt ja Brot zu schaffen für die Kleine. Hebet die erste Zeit balf ihm eine Summe Bargeld hinweg, die er für die nötigsten Bedürfnisie von dem Erbteil zurückbehalten hatte. Er sparte und darbte, und arbeitete immer eifriger an seinem Werk. Endlich war es vollendet. Er sandte es voll froher Hoffnung ab, um es alsunbrauchbar" zurückzuerhalten». Das traf ihn wie ein Schlag. Er fühlte feite Arbeitslust schwinden, feinen Mut sinken.

Gerade um diese Zeit war es, als süße Gefühl einer wahren, echten und großen Liebe in keinem Herzen Wurzel zu schlagen begann. Er wehrte sich gegen die Leidenschaft mit aller Macht, die ihm zu Gebote stand. Er schalt sich selbst töricht und einfältig. Umsonst! Die heiße Liebe wuchs, je mehr er sich dagegen wehrte. Sie war stärker als sein Wille. Was halfen alle Gründe der Vernunft? Was half es, daß er sich vorstellte, wie lächerlich es war, an solches Glück nur zu denken? Niemals konnte er es erreichen.

Was war er denn? Wie durfte er hoffen, vor den Augen des verwöhnten Mädchen und vor denen des Millionärs zu bestehen?

Er hatte ja nichts, gar nichts zu bieten! Würde man feine Bewerbung nicht als schnöde

Deutschlands Jnteresie für feine überseeischen Kolonien wächst in dem Maße, als der deutsche Handel neue Absatzgebiete findet, als die deutsche Flotte an Ansehen gewinnt, als der Weltverkehr (Post, Preße, Telegraphie) an seine Leistungs­fähigkeit besondere Anforderungen stellt und so deutscher Einfluß im Ausland sich fühlbar macht. Wenn auch unser Vaterland spät an die kolonial- politische Aufgabe herangetreten ist, heute sieht jeder Einsichtige deren Notwendigkeit ein. So dürfen auch keine Opfer gescheut werden, um diese Aufgabe zu erfüllen. In Deutschland hat man das in weiten Kreisen nun genügend er­kannt. Es bestehen dort viele Vereinigungen, die zu dem Zweck ins Leben gerufen find, das Deutschtum im Ausland zu stärken. Ich erinnere an den Alldeutschen Verband, den überaus wich­tigen Allgemeinen Deutschen Schulverein, den Deutschen Flottenverein, die Deutsche Kolonial- Gesellschaft u. a. Sie alle genießen die Sym­pathie der in überseeischen Ländern lebenden Deutschen in der erfreulichsten Weise. Das gilt insbesondere von dem Deutschen Flottenverein, ni dessen Mitgliedern die in Horta lebenden Deutschen vollzählig gehören.

Die hiesige deutsche Kolonie, aus der ich Etliches berichten möchte, ist eine Gründung der Deutsch-atlantischen Telegraphengesellschaft, die vor etwa acht Jahren hier eine Station errich­tete, um den telegraphischen Verkehr zwischen Deutschland und Amerika zu vermitteln. Mit großen Schwierigkeiten ist die Einrichtung der Station, die Kabellegung rc. verbunden ge­wesen. Es kostete viel Mühe, bis in dem portu­giesischen Ort die Deutschen sich einen Mittel­punkt gebildet hatten. Nunmehr ist's geschehen. In einem besonderen Stadtviertel wohnen die deutschen Telegraphenbeamten mit ihren Fa­milien zusammen. Das deutsche Haus ferner mit seinen schönen, luftigen Räumen beherbergt die jungen, unverheirateten Beamten, denen hier ein ebenso gesundes, wie angenehmes Heim geschaffen ist. Nach den Stunden der angrei- fenben Arbeit folgen diejenigen der Erholung auf den neu angelegten Sportplätzen. In der Kolonie herrscht viel frisches Leben, zumal dann, wenn die Deutschen die Portugiesen oder die hier wohnenden englischen und amerikanischen Telegraphenbeamten bei sich zu Cast einladen. Die Deutschen erfreuen sich besonderer Beliebt­heit bei der einheimschen Bevölkerung, welche die deutsche Herzlichkeit und Gastfreundschaft zu würdigen versteht. Im übrigen verläuft hier das Leben in streng geregelter Tätigkeit, denn der telegraphische Dienst stellt an seine Beamten um ihres verantwortlichen Berufes willen groß; Anforderungen an Pünktlichkeit und Pflichttreue.

Groß ist die Freude in der Kolonie, wenn ein Landsmann hier eintrifft. Die Inselgruppe de: Azoren wird auch von deutschen Kaufleuten besucht, die hier ein Absatzgebiet für ihre Waren finden, was einer allgemeineren Beachtung wohl wert ist. Alljährlich im Monat Februar läuft ein deutsches Schulschiff, auf der Heimkehr von seiner Auslandsreise, in den hiesigen Hafen ein.

Geldgier auslegen? Schon seit Wochen tobte dieser Kampf in ihm.

Und doch lachten ihn die Augen des geliebten Mädchens beinahe verheißungsvoll an, so daß es ihm fast schien, als wäre er ihr nicht gleich- giltig.----

Die Dämmerung neigte sich leise hernieder, als Arnold von Brandt endlich aufseufzend sei­nen Bericht schloß. Er hatte leise gesprochen, um die kleine Lilly nicht zu stören, die sanft und ruhig eingeschlummert war. Die alte Kathrine hantierte nebenan in der Küche. Sonst hörte man nichts.

In Majas Augen schimmerten Tränen, als sie erfuhr, wie hart der Mann gekämpft hatte, um die Leidenschaft aus seinem Herzen zu bannen.

Längst ruhte ihr Kopf an seiner Brust und unter Tränen lächelnd sah sie zu ihm auf.

Er streichelte zärtlich über ihr Haar.

Ich fürchte immer, der süße Traum muß in nichts zerrinnen," sagte er.Ich kann es nicht glauben, daß ein so großes, unfaßbares Glück bei mir einkehren sollte."

Törichter Mann," lächelte Maja,ich habe Dich ja so lieb! Ich wage mich aber kaum mei­ner Liebe zu freuen, so lange Lilly so krank ist."

Hand in Hand traten sie an das Lager des Kindes, das eben erwacht war und Maja glück­selig zulächelte.

Wie geht es Dir, Liebling?" fragte Maja. Hast Du noch Schmerzen?"

Ich habe so schön geschlafen," sagte Lilly, als wäre das Beweis genug, daß es ihr bester gehe.

Denke Dir Kind," begann Arnold in be­wegtem Tone,die liebe Tante Maja will nun Deine Mama werden! Dann geht sie gar nicht Mehr fort! Das freut Dich doch, nicht wahr?"

Das selige Entzücken, das bei diesen Worten über das blasse Gesichtchen der Kleinen ging.

meinte Arnold sein ganzes Leben lang nicht eer« gesten zu können. Er schlang den Arm um die zarte Mädchengestalt. Eng aneinander ge» schmiegt, standen sie eine Weile. Lilly betrach­tete stumm die Szene; doch das Lächeln schwebte noch immer um den kleinen Mund. Aber als Maja erschrocken erklärte:Um Gotteswillen, Arnold, ich vergeste ja ganz meinen Vater, ich muß nun beim, da verzogen sich die Lippen zum Weinen. Maja tröstete das Kind.

Morgen komme ich wieder, Lilly, und nun weine nicht mehr! Du mußt nun bald gesund werden!"

Dein Fuhrwerk ist wohl drüben im Herren- Hause untergebracht?" fragte Arnold.

Maja wurde ganz blaß. Jetzt erst fiel ihr ein, daß sie kein Fuhrwerk hatte.

Mein Gott, Arnold, was beginne ich nur?* rief sie angstvoll.

Mit fliegendem Atem erzählte sie, was sich mit dem Vater zugetragen hatte.

Arnolds Stirn verfinsterte sich.

Was wird Dein Vater zu Deiner Wahl sagen?" bemerkte er niedergeschlagen.

Das laß nur meine Sorge sein," lächelt» Maja zuversichtlich.Mein Vater hat mich viel zu lieb, um sich meinem Glück in den Weg zu stellen. Er soll Dich vor allem erst einmal ken­nen lernen. Dann wird er schon begreifen, daß ich Dich lieben mußte, lleberhaupt hat mein Vater bei feinem großen Betrieb Arbeit genug für Dich. Er wird noch froh fein, daß meine Wahl auf Dich fiel; denn ich stelle mir vor, Du wirst ihm später manche Last abnehmen kön­nen. Die Arbeit wird nach und nach zu viÄ für ihn."

Arnolds Augen leuchteten in frohem Glück, ------------- lFortfetzuvg folgt,)

So auch in diesem Jahre. Während des fast achttägigen Aufenthaltes hierfelbst knüpfen sich recht freundliche Beziehungen zwischen den Ma­rine-Offizieren und den H*r lebenden Deutschen an. Die herrliche Umgebung Hortas, die Som­mer wie Winter südliche Naturschönheiten bie» tet, lockte hinaus zu weiten Wanderungen über Berg und Tal. Ein deutscher Abend an Bord S. M S.Eharlotte" und die in dem deutschen Hause veranstaltete Festfeier vereinigte alle hier lebenden Ausländer zu schönen, unvergeßlichen Stunden. Was aber das Wichtigste ist, die Deutschen, die fern von der Heimat unter ande­re! Nationalitäten, unter anderen klimatischen Verhältnissen leben, werden durch solch einen Zusammenschluß mit Stammesgenossen davon bewahrt, ihre Eigenart in Sitte, Sprache und Religion zu verlieren.

Das führt mich dazu, ein Wort über die innere Seite des Lebens in der hiesigen deut» scheu Kolonie zu reden. Kürzlich las ich die An­sicht, die ein im Ausland unter Deutschen in ein­flußreicher Stellung lebender Mann ausgespro­chen hat. Sie lautet:Von grundlegender Be» deuiung für die Erhaltung des Deutschtums im fremden Lande sind Kirche und Schule. Durch deutschen Gottesdienst erhalten sich deutsche Sprache und Sitte. In diesen Ariftallifations» punkten wird der deutsche Geist gepflegt und aus­gebreitet. Es werden die vaterländischen Güter hochgehalten. Wo aber dieser Mittelpunkt nicht vorhanden ist, wird das Deutschtum unstet, wenn es in der Minderheit ist, geht es bald an andere Nationen, meist schon in der zweiten Generation verloren."

Dieser Erkenntnis folgend, ist von maßgeben­der Stelle aus Vorsorge getroffen worden, auch das religiöse Leben hier zu pflegen. In bet Ko­lonie hierfelbst besteht eine Kirche, dis zugleich Ünterrichtsraum der deutschen Schule ist. Noch ist die evangelische Gemeinde klein. Aber wohl- begründete Hoffnung ist vorhanden, daß dieselbe sich günstig entwickelt. Von ihrer ferneren Ent­wicklung hängt schließlich die Zukunft de» Deutschtums in der Kolonie ab. Wir Deutsche haben im Auslande nicht nur materielle Güter zu pflegen, sondern auch nationale und religiöse. Im Wettbewerb mit anderen Völkern, die lange vor uns ihr Auge auf überseeische Kolonien ge­worfen haben, z. B. die Franzosen und Eng­länder^ werden wir uns nut bann behaupten, ebenbürtig dastehen, wenn wir jäh festhalten an unserer nationalen und religiösen Eigenart. Denn höher, als jeder Kosmopolitismus und Jnterkonfessionelismus, wofür Ausländsdeutsche sich so oft begeistern, steht die Elternhaus, Kirche und Schule entnommene Eigenart, über der treu zu wachen Pflicht eines jeden Deutschen i» der Fremde ist.

Möge in diesem Sinne die deutsche Kolonie in Horta zu ihrem eigenen Nutzen und zum Nutzen des Vaterlandes sich weiterentwickelu! i

Horta, Mai 1908. . . ... K> ;