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43. Jahrs.

Bestellungen

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von unserer Expedition

Deutsches Ne'lch.

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„Oberhesfische

Beilagen werden

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 44.

— Der Kronprinz ist gestern vormittag y210 Uhr in Wilhelmshaven eingetroffen. Er nahm das Frühstück mit der Prinzessin Adalbert bei dem Stationschef Admiral Fische! ein und schiffte sich um 12 Uhr auf dem Kreuzer „Dan­zig" ein, der bald darauf unter dem Salut der Küstenbatterie in See ging. — Der Kronprinz ist nachmittags an Bord des Dampfers „Danzig" unter dem Salut der Festungswerke und der hinter der Düne liegenden Flotte auf Helgoland eingetroffen,- er wird sich an Bord der „Deutsch­land" einschiffen.

— Kronprinzessin Eecilie ist, von Trier kom­mend, in Baden-Baden eingetroffen.

— Die Neise der deutsche« Geistliche«. Southampton, 27. Mai. Die deutschen Geiste lichen sind an Bord des Dampfers „Kronprin­zessin Geeilte“ heute nachmittag hier eingetrof­fen,- sie wurden vom Mayor der hiesigen Geist­lichkeit vorgestellt und zum Frühstück eingeladen. Alsdann setzten sie, begleitet von dem Schrift­steller Stead, die Reise nach London fort, wo sie abends eintrafen und in dem Keyark-Hotel ab­stiegen. Dort wurden sie von dem Komitee unter Leitung des Unterhausmitgliedes Allen Baker empfangen. — London, 28. Mai. Zu Ehren der deutschen Geistlichen fand heute beim Lordmayor im Mansien-Hause ein Frühstück statt, an wel­chem auch der Erzbischof von Canterbury, so­wie der deutsche Botschafter teilnahmen. Bei der Begrüßung der Gäste sprach der Lordmayor die Hoffnung aus, daß der Besuch dazu beitragen möge, die Freundschaft zwischen den großen Na­tionen zu kräftigen. Der Erzbischof sagte in einer späteren Ansprache, daß der Besuch der Stärkung des Weltfriedens gelte, und daß sie alle davon überzeugt feien, daß der Weltfrieden am besten gesichert sei, wenn Engländer und Deutsche einig seien.

- Zusammensetzung der Schuldeputation. Nachdem Zweifel bei der Ausführung der Be­stimmungen des Schulunterhaltungsgesetzes über die Zusammensetzung der Schuldeputation ent­standen waren, hat der Kultusminister in einem Bescheide sich dahin ausgesprochen, es werde daran festzuhalten sein, daß in der Regel Ma­gistrat und Stadtverordneten in der Schuldepu­tation in gleicher Zahl vertreten sein sollen. Ei: abweichender Beschluß werde nur aus beson­deren Gründen zu genehinigen sein. Der Mini- ster erkennt an, daß nach der Entstehungsge­schichte der betreffenden gesetzlichen Vorschriften ein? abweichende Normierung der int Gesetze genanten Zahlen an sich als rechtlich zulässig er­achtet werden muß. Aus den Verhandlungen üfe-'v das Schulunterhaltungsgesetz in den Kom­missionssitzungen des Abgeordnetenhauses und dec Herrenhauses aber ergele sich, daß die diese Abweichung zulasiende Bestimmung wesentlich aus dem Grunde in dem Gesetze Aufnahme ge­funden hat, um die Möglichkeit zu schaffen, be­stehende Verhältnisse, welche sich bewährt ha­ben. aufrecht zu erhalten und besonderen ört­lichen Verhältnissen Rechnung zu tragen.

— Vom roten Kreuz. Dresden, 27. Mai. Die Konferenz des Deutschen Vereins vom

Es stellte sich denn auch bald heraus, daß die Braut weder eine Ausstattung, noch einen Pfennig Vermögen besaß. Der ehrliche, junge Mann führte seine Verlobte zum Elitär, obwohl scho; der kurze Glücksrausch damals verflogen r-'-':. Berta zeigte sich schon vor ihrer Verhei­ratung als ein launenhaftes, trotziges Geschöpf, das kein Glück zu geben vermochte. Arnold von Brandt erkannte mit Schrecken, daß seine Frau wer er zu wirtschaften, noch zu sparen verstand, und daß sie ihn in kurzer Zeit ruinieren mußte, denn sie liebte es, das Geld mit vollen Händen auczugeben. Sie war eine Verschwenderin und Arnold mußte immer darauf bedacht sein, alles Geld sorgfältig wegzuräumen. Die junge Frau erging sich in bitteren Klagen über ihr hartes Schicksal, sie verwünschte den Gatten und sich selbst. In solcher Gemütsverfassung zerschlug sie dann alles, was ihr gerade in die Hände fiel. Es spielten sich furchtbare Szencit ab, denn der Zorn der schönen Frau artete nicht selten in Raierei aus.

Noch eine Hoffnung hielt Arnold aufrecht: — das Kind. Vielleicht daß die Mutter sich auf ihre Pflichten besann, daß es ihr endlich klar wurde, welchem Abgrund sie entgegensteuerten. Alle Vorstellungen des unglücklichen Gatten ver­hallten wirkungslos. Seine Frau, der der Leichtsinn im Blute steckte, besaß nicht bk Kraft, sich von ihren verderblichen Gewohnheiten los- zrrmachen. So war denn das Ende voraus­zusehen. Arnold verweigerte seiner Gattin jede unnütze Ausgabe. Cie tobte, flehte, bat und weinte et aber blieb fest. Doch Belta wußte sich zu Helsen, — sie machte Schulden. Sie konnte nicht leben, ohne sich zu schmücken; Gesellschaften, Bälle und Konzerte waren ihr Element. Stets

— Der Kaiser traf gestern vormittag 8 Ahr 10 Min. auf der Wildparkstation ein. Zum Empfang waren die Kaiserin, die Prinzessin Viktoria Luise und der Polizeipräsident von Potsdam v. Starck anwesend. Die Begrüßung war eine sehr herzliche. Nach der Verabschiedung des Gefolges fuhren die Majestäten und Prin­zessin Viktoria Luise nach dem Neuen Palais.

Der Kaiser bei der Jahrhundertfeier des Regimentes Leibhusaren.

D a n z i g, 27. Mai. Auf dem großen Exer­zierplatz bei Langfuhr hatte die Leibhusaren- dtigade Paradeaufstellung genommen, im. rech­ten Winkel zu ihr standen die alten Leibhusaren, tuf deren rechtem Flügel die alten Offiziere. Der Kaiser sprengte quer übers Feld auf die alten Husaren zu, nahm den Frontrapport ent­gegen und begrüßte die alten Mannschaften mit einem „Guten Morgen, Kameraden!", indem er ihre Aufstellung abritt. Der Kaiser zeichnete .viele, besonders an Jahren ältere, durch freund­liche Ansprachen aus, ritt hiernach unter den Klängen des Parademarsches die Front der Bri­gade ab, begrüßte auch die Husarenbrigade und «ahm hiernach Aufstellung in einem offenen 7'Liereck. Der'Führer der Brigade, v. Pfeil, be­grüßte den Kaiser mit einer Ansprache. In Er­widerung dieser Ansprache verlas der Kaiser eine an die Brigade gerichtete Kabinettsordre. Es folgte ein Parademarsch bet Brigade, woran sich ein Vorbeimarsch der alten Leibhusaren schloß. Hiernach setzte sich der Kaiser an die Spitze der Brigade und führte sie durch Lang­fuhr und die Große Allee zum Generalkommando in Danzig. Vor dem Generalkommando nahm bet Kaiser einen Vorbeimarsch der Brigade ab, dem sich die Truppen der Garnison anschlossen; die Brigade ritt in Doppelsektion in je einer Sektion beide Regimenter nebeneinander, die Garnison in Zugkolonne, den Schluß machte die Marine; ihr schloß sich noch eine uniformierte Schülerkapelle an. Nach dem Abbringen der Fahnen betrat der Kaiser das General­kommando, wo er von Frau v. Mackensen be­grüßt wurde. Der Kaiser nahm im General­kommando Wohnung.

Die Kabinettsorder, welche der Kaiser heute morgen bei der Parade verlas, hat folgenden Wortlaut: „An die Leibhusarenbrigade. Als meines in Gott ruhenden Herrn Urgroßvaters Königs Friedrich Wilhelm III. Majestät, ein­gedenk des ausgezeichneten, von dem Husaren­regiment v. Prittwitz in dem Kriege von 1806/07

bei jeder Gelegenheit bewiesenen Tapferkeit, dieses Regiment am 7. September 1808 zu seinem Leibhusarenregiment ernannte, sprach er die zu­versichtliche Erwartung aus, daß dies brave Re­giment durch die Auszeichnung sich ermuntert fühlen würde, sich auch in Zukunft bei allen Vor­fällen seiner Gnade und Zufriedenheit wert zu beweisen. Meinen Leibhusaren heute, wo die Jahrhundertfeier dieser Enadenerweisung be­gangen wird, vor meinem ganzen Heere bezeu­gen zu können, daß sie das ihnen gezollte Ver­trauen durch musterhaftes Verhalten allerorten, im Kriege wie im Frieden, zu rechtfertigen ge­wußt haben, gereicht mir zur wahren Genug­tuung und aufrichtigen Freude. Mit Stolz ge­denke ich ihrer Taten in dem unvergeßlichen Be­freiungskämpfe, in den Kriegen des großen Kai­sers, ihrer Tapferkeit und ihres Heldenmutes. Diese ruhmvolle Vergangenheit ist mir ein Bürge für die Zukunft. Möge der Geist un­erschütterlicher Treue, Opferwilligkeit und Hin­gebung an mich, mein Haus und das Vaterland in meinen Leibhusaren bis in die fernste Zu­kunft lebendig bleiben; möchten die Sühne es den Vätern immerdar gleichtun in allen Krieger­tugenden, in echtem Husarentum. Das ist der Wunsch, den ich aus der Tiefe meines Herzens der Leibhusarenbrigade zum heutigen Tage aus­spreche. Langfuhr, 27. Mai 1908."

Der Mannschaft der Leibhusarenbrigade wurde heute abend ein Fest in der Doppelreit­bahn gegeben, wobei ein Prolog gesprochen und ein Festspiel, ähnlich wie gestern, von Unter­offizieren aufgeführt, zur Darstellung gebracht wurde. Der Kaiser besuchte nach dem Diner im Offizierkasino dieses Fest und kehrte dann nach dem Kasino zurück, wo die Kapellen der beiden Husarenregimenter die Retraite bliesen. Die Abreise des Kaisers nach Wildpark erfolgte um 10 Uhr 30 Min. ab Bahnhof Langfuhr.

Der Kaiser hörte um 6 Uhr den Vortrag des Chefs des MilitLrkabinetts; um 6y2 Uhr begab sich der Kaiser in Begleitung des Generals von Mackensen int offenen Zweispänner, von Husaren eskortiert, nach dem Artus-Hofe. Der Kaiser trug wieder die Uniform des 1. Leibhusaren- regiments, ebenso General v. Mackensen. Der Kaiser wurde auf dem Wege von einer sehr zahlreichen Menschenmenge herzlichst begrüßt. Im Artus-Hof besichtigte der Kaiser eine neue Diele und begab sich von hier aus nach Langfuhr zum Festdiner der Leibhusarenbrigade im Kö­nigssaale des Leibhusaren-Kasinos.

(Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- ih a i n, Neustadt und Wetter, sowie von eßen Postanstalten und Landbriefträgern ent- gegengenommer..

Monat Juni auf. die

Zeitung" nebst

Roten Kreuz verhandelte in ihrer heutige« Sitzung über die Revision des Uebereinkommens vom 20. April 1859 betreffend die Eesamtorgani« fation der deutschen Vereine zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger. Die Neu­organisation wurde einstimmig en bloc ange­nommen. Nach dem neuen Uebereinkomme« sollen die gemeinschaftlichen Angelegenheiten durch das Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz mit dem Sitze in Berlin er­ledigt werden. Dieser Eesamtorganisation ge­hören 26 Landesvereine mit 60 Stimmen an; es entfallen davon auf Preußen 17, Bayern 6, Sachsen und Württemberg je 4, Baden und Hessen je 3, Mecklenburg und Braunschweig je 2 und Elsaß-Lothringen 3, auf die übrigen Ver­eine je eine Stimme. — Am Nachmittag sand beim König im Schloß Pillnitz Tafel statt, zu der eine größere Anzahl Delegierte Einladungen erhalten hatten. Außerdem waren zu der Tafel, an der auch Prinz Johann Georg teilnahm, die Staatsminister geladen. Den Gästen wurde zur Fahrt nach Pillnitz ein Sonderdampser zur Ver­fügung gestellt. — Auf das Huldigungstele, gramm der Vertreter der deutschen Landes­verein vom Roten Kreuz an den Kaiser und an die Kaiserin sind folgende Antworten an den Vorsitzenden der Konferenz eingegangen: „Seine Majestät bet Kaiser unb König haben ben freundlichen Gruß ber bort versammelten Ver­treter ber deutschen Vereine vom Roten Kreuz gern entgegengenommen und lassen Eure Exzel­lenz ersuchen, allen Beteiligten Allerhöchstihren wärmsten Dank mit ben besten Wünschen für einen segensreichen Erfolg ihrer Beratungen auszusprechen. Auf Allerhöchsten Befehl: v. Lu- canus." Die Kaiserin antwortete: „Ich spreche ber Konferenz meinen besten Dank aus für bis mir gewidmete Begrüßung unb verbinbe damit den aufrichtigen Wunsch, daß die Beratungen, an denen ich lebhaften Anteil nehme, dem segensreichen Wirken der Vereinsorganisationen in Deutschland weitere Förderung und Ent­wickelung bringen mögen. Auguste Viktoria." An die Großherzogin Luise von Baden wurde heute ein Huldigungstelegramm gesandt.

— Das Handwerk und die Arveitskammern. Die meisten Handwerkskammern haben sich in der letzten Zeit mit dem Gesetzentwurf über dis Arbeitskammern beschäftigt und sind fast durch­weg zu einem ablehnenden Standpunkte gekom­men. Auf dem diesjährigen Handwerker- und Gewerbekammertage in Breslau wird, ber „Köln. Ztg." zufolge, bie Handwerkskammer Hannover im Auftrage ber mit bet Angelegen­heit betrauten Kommission sich gegen den Re- gierungsentroutf unb für bie Errichtung von „Arbeitsräten" aussprechen; diese sollen aus einem Vorsitzenden Staatsbeamten und einem Beträte von Arbeitgebern unb Arbeitnehmern bestehen und für jede Provinz errichtet k erben.

— Von Dr. Peters. München, 27. Mai. Dis „Münch. Post" meldet: Die Erste Strafkammer des Landgerichts München I beraumte den Ter-

Marburg

Sonnabend. 30. Mai 1908.

lNachdruck verboten.)

Die Freundinnen.

Dann saß er neben dem Mädchen unb er- zädlif. von sein;r traurigen Vergangenheit. Bild um Bild entrollte er vor seiner aufmerksam lauschenden Zuhör- rin. Von seinen fröhlichen Soldatenieben berichtete er, wie er in. Kreste bei Kameraden so lustig unb sorglos dahin- geYtbi kaum au die Zukunft denkend. Seine Clter- waren, roe in auch nicht reich, so doch in Verhältnisien. bie ihnen gestatteten, dem Sohne eine angemessene Zulage zu gewähren. Dann nahte das Unglück Arnold von Brandt lernte eine junge Dame kennen, bie ihn ausfallend be­vorzugte. Sie w-::: damals auf Besuch bei Ver­wandten und ihre kostbaren Toiletten ließen barauf schließen, daß sie ein großes Vermögen besitzen müsse. Sie trug stets bas Feinste und Elega-iteste und Arnold wurde um diese Er­oberung nicht wenig von denKameraden beneidet.

Da man überall munkelte, die junge Dame sei eine re-che Groin, fanden sich nctärlich viele Bewerber ein. (sj dauerte gar nicht lange, da war Arnold von Brandt ber Verlobte ber schönen, vielgeseierten Berta von Stetten. Kurz daraus tauchten allerlei Gerüchte auf über den Vater ber jungen Braut. Derselbe sollte feine schöne Tochter nur deshalb so herausgeputzt und sie zu den Verwandten in die Earnisonsstadt ge­schickt haben, damit sie bald eine anständige Versorgung fände. Er wollte seine Tochter los fein, weil in ihrer Heimat ihr Ruf nicht ber beste war.

Arnold erfuhr natürlich bavon zuletzt. Doch dachte er nicht dämm, das Verlöbnis wieder zu lösen, auch bann nicht, wenn man ihn warnte, eine Ehe mit der gefährlichen, kcretten Dame einzt gehen. Das Wort, das Arnold verpfändet» war ihm heilig. .....

Die Infertionsgebühr beträgt für b.e 7gespaltene Zeile oder bereit Raum '15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Berlaq: Joh. Slug. Koch, Unioersitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.

Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen m JVo 12h Kirchhain und Wettersowie bei unserer Expedition - Markt 21. - Är Bezugspreis beträgt durch dte Post 2,25 Mk. söhne Bestellgeld), bet unsern Zeitungsstellen und der Expedition 2Mk.

K-U°s-»^.M-r.rstch» A°niger«, „z-°»«irstchafiUch- S-il-g.'' tut» .M-st-iert" S<nmt°g-dl°tt«.

wollte sie bewundert, beneidet fein, stets wollte sie als die Schönste alle anderen in den Hinter­grund drängen. Es gelang ihr dies auch eine 3eh lang.

Da Arnolds filtern im Anfang für bie Schulden ber jungen Frau auskamen, — aus Mitleid mit dem Sohne, — so gewahrte man der schönen, eleganten Dame einen unbegrenzten Kredit. Doch auch die Schwiegereltern sahen nach und nach ein, daß sie außer Stande waren, dem drohenden Verhängnis Einhalt zu gebieten. Arnold begleitete sein Frau längst nicht mehr zu den Vergnügungen, bie ihre ganze Welt aus- machten. Das Leven ekelte ihn an. Eine Art stumpfsinnigen Gleichmuts war über ihn ge­kommen. Er hatte es aufgegeben, bie Gattin bestem zu wollen und ließ alles gehen, wie es g"ben wollte. Sie hatte einen Kreis zweifel­hafter Freunde unb Freundinnen um sich ge­sammelt. Es wurde hoch gespielt — jtub ver­loren. Fast jeden Abend brachte sie bei diese« Freunden zu Und dann kam, was kommen mußte — das Ende. Berta hatte sich bei dem aufregenden Leben, das sie führte, ben Schwind- suchtskeim geholt. Die einst vielbewunderte, gefeierte Schönheit war kaum wieder zu er­kennen. Sonst war sie von einem Vergnüge« zum anderen geeilt, hatte sich nicht Ruhe ge­gönnt, hatte in der Champagnerlaune bas Geld zum Fenster hinuusgeworfen, nun lag sie ba, ein Bild bes Elends unb ber Vergänglichkeit. Noch einmal lehnte sie sich auf gegen bas unet» b'ttliche Schicksal. Sie wollte nicht sterbe«, sie wollte leben unb genießen, sie war ja noch so jung! Ein Aufenthalt an ber Riviera sollt» ihre zerrüttete Gesundheit wieder herstelle». ,

(Fortsetzung folgt)

Driginalroman r,-.t Irene v. Hellmuth, sstorlsetzung.)

„So einem Menschen geschieht cs ganz recht, wenn er erm und liebelecr durchs Leben gehen muß. sagie sie dann. „Was Hat er zu fragen, wie bie Menschen fein Handeln beurteilen, wenn er doch im Himmel lebt? Ist denn das nicht al'f -i Unsinn? Wenn ber Himmel Schätze birgt, warum sollen die nicht andern zugute kommen? Das Gold ist doch nun einmal da. Soll man es von sich werfen. Die Hauptsache ist doch die — Seligkeit, die man im Himmel zu-finden hofft und nicht das Gold--!

Cr trat zu dem Mädchen und schaute lange ip dir leuchtenden Augen.

„Maja," — je ne Stimme bebte, „das sagen Sie mir? — Sie? — So groß denken Eie? — darf ich Ihre Worte recht verstehen? Dar, ich hoffen, daß es für mich noch ein Glück g;b1, so groß, so unfaßbar, — nie ich er nie zu tret-m»F gewagt?1

Sein Blick siel jetzt auf das Kind, das mit weit aufgeristeneu Augen dalag und ben Vor­gang beobachtete. Ee lonntc zwar nicht ver­stehe« r.m was ej sich handelte, aber cs hörte dock daß der Vater in seltsam verändertem Tone sprach. Es klang aus seinen Worten wie mühsam zurückgebrängter Jubel. Er trat einen Schritt hinweg und murmelte: „Nein, jetzt ist nicht Zeit glücklich zu fein, wo die Sorge um >a= Kind jeden anderen Gedanken teibrängen mutz. Aber das Licht, das ich heute schauen durfte, soll hinein.suchten in die Nacht!"--