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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg um Kirchhain
«nd de« Keilage«: ^Literarischer A«reiger-. „Landwirtschaftliche Beilage« «ad „Mlstriertes KMmtag-blatt".
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Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische Zeitung" bei allen Postämtern und unsern Zeitungsstellen in /8ü 1/Z Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt 21. “* — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne
Bestellgeld), Bet unser» Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Sonntag, 24. Mai 1908.
Die Insertionsgebähr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 90 Pfennig. — ,q Druck und Verlag: Joh. Lug. Koch, Universitätsbuchdruckeret I nhaber Dr. C. Hitze roth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Zweites Blatt.
Preußens Fleischkonsum im Jahre 1907.
Ter „Reichs- und Staatsanzeiger" hat kürz- fld) neben den (ja schon bekannten) Zahlen für die „gewerblichen" Schlachtungen auch die Zahlen für die „Hausschlachtungen" in Preußen für dis Zeit vom 1. Dezember 1906 bis 30. November 1907 veröffentlicht, so daß sich jetzt die Gesamtzahl aller Schlachtungen in Preußen für das letzte Jahr feststellen läßt. Es unterlagen im Jahre 1907 der Schlachtvieh- und Fleischbeschau: Ochse und Bullen 574 819, Kühe 969133, Jungrinder 460186, Kälber 2 287 581, Schweine 9 864 577, Schafe 1476 935, Ziegen 176164 Stück.
Die Feststellungen über die Hausschlachtun- g n erstrecken sich nun nicht genau auf das Kalenderjahr 1907, sondern auf das Jahr vom 1. Dezember 1906 bis 30. November 1907, doch kann diese Verschiebung von nur einem Monat wohl außer Berücksichtigung bleiben. Leider hat nun bei den Hausschlachtungen der Rinder eilte Trennung nach Ochsen, Kühen, Jungvieh und Kälbern nicht stattgefunden. Um nun die nötigen Feststellungen bezüglich des Schlachtge- wichts machen zu können, wird es sich empfehlen dis hier in Betracht kommenden 139144 Stück nach dem Prozentsatz der gewerblichen Schlachtungen für 1907 zu trennen, bei denen bezüglich der" Rinderschlachtungen entfallen auf Bullen und Ochsen = 13,3 Prozent, Kühen — 22,6 Prozent, Jungrinder = 10,7 Prozent und Kälber = 53,3 Prozent.
Unter Trennung der vorerwähnten 139144 Ctück nach den einzelnen Gattungen auf Grund dieser Prozentzahlen betrugen also die Hausschlachtungen:
Ochsen u. Bullen — 18506 Schweine --- 3^61366
Kühe --- 81466 Schafe = 504 906
Jungrinder — 14888 Ziegen — 468819
Kälber = 74 308
Dabei ist zu bemerken, daß in Wirklichkeit die Zahl der hausgeschlachteten Kälber sehr erheblich kleiner, die Zahlen für Ochsen und namentlich Kühe aber wohl größer sein dürften.
E ergeben sich also für Preußen für das Jahr 1907 insgesamt folgende Schlachtungen und unte: Zugrundelegung der diesbezüglichen Scklachtgewichtszahlen des Deutschen Landwirtschaft ^rates fl Bulle oder Ochse 350 Klg., 1 Kuh 250 Klg., 1 Jungrind 150 Klg., 1 Kalb 40 Klg., 1 Schwein 90 Klg., 1 Schaf 22 Klg. und 1 Ziege 29 Klg.) folgende Fleischmengen:
Fleischmengen Tonnen
Ocknen u. Bullen
593 325
202664
Kühe
1CO0 579
250145
Junarinder
475074
71261
Kälber
2 361889
94 476
Schweine
13 725 943
1235335
Schafe
1981841
43 594
Ziegen
644 9-3 .
13 900
Insgesamt:
1 Olt) 37 J
Die Bevölkerung Preußens stieg nach der letzten Volkszählung am 1. Dezember 1905 auf 37 293324 Einwohner, gegen 34 472 509 am 1. Dezember 1900. Das bedeutet eine Steigerung von durchschnittlich jährlich 1,62554 Prozent. Nehmen wir an, daß eine solche auch für e beiden folgenden Jahre Platz gegriffen hat, i-t würde Preußens Bevölkerung betrage.: haben am 1. Dezember 1906 — 37 899 542 und am 1. Dezember 1907 — 38 505 750, also im Durchschnitt des Jahres 1907 — 38 202 646 Einwohner, so daß also auf den Kopf der Bevölkerung 50,06 Kilogramm Fleisch allein aus den Schlachtungen entfielen.
Hier dürfte ein Vergleich mit dem großen Trockenheitsjahre 1904 nicht uninteressant sein, in dem bekanntlich wegen Futtermangels große Mengen Vieh abgestoßen werden mutzten und sich demgemäß die Schlachtungszahlen ganz erheblich erhöhten.
Nach der Ende 1906 vom Reichsgesundheitsamte herausgegebenen Arbeit „Die Ergebnisie der Schlacht- und Fleischbeschau im Deutschen Reiche 1904" wurden in Preußen 1904 geschlachtet: Gewerbliche Schlachtungen: Ochsen und Bullen 571695, Kühe 919 445, Jungrinder 372 388 Stück Rinder über drei Monate (Hausschlachtung) 65 565, gewerbliche und Hausschlachtungen: Kalber 2 253 822, Schweine 12 540 902, Schafe 2 065 701, Ziegen 662 258 Stück.
Unter Zugrundelegung der Zahlen des Deutschen Landwirtschaftsrates und für die nicht näher getrennten „Rinder über drei Monate", der Hausschlachtungen der vom Reichsgesundhel isamte gegebenen Durchschnittszahlen von 235 Kilogramm Schlachtgewicht, ergibt sich für 1904 aus den Schlachtungen eine Gesamtfleischmenge von 1778 745 Tonnen. Nun betrug die Bevölkerung Preußens Ende 1903 = 36 150 010, Ende 1904 — 36 713 963, im Durchschnitt 1904 also 36 431 986 Einwohner, so daß in diesem Jahre auf den Kopf der Bevölkerung — 48,82 Kilogramm Fleisch aus den Schlachtungen kamen, allo 1,1 Kilogramm weniger als 1907.
Damit wird wohl am besten die Leistungsfähigkeit der preußischen Landwirtschaft in der Viehproduttion, und ihre Fähigkeit, in der Viehproduktion mit dem Wachstum der Bevölkerung Schritt zu halten, bewiesen. Dr. Gerber.
Vom BörsenkmsMe!.
In einem eigentümlichen Lichte erscheint der Wert des Kurszettels in einem Verfahren vor den: Ehrengerichte der Berliner Börse, das gestern zu der — allerdings niedrigsten Strafe — gegen den Finanzschriftsteller Br. Buchwald gerühr: hat. Dieser hatte in seiner Korrespondenz der Kursbewegung Umsatzzahlen und die Namen der wichtigsten Käufer bezw. Verkäufer borgefügt, in der richtigen Erwägung, daß erst diese Angaben den Kursnotierungen das richtige Bild verleihen und die Kursschwankungen erst erklären. Diese Mitteilungen sollte sich B. auf illegalem Wege verschafft haben, obwohl die Verhandlung ergab, daß diese Kenntnis mehr
46 tRltLdruck verboten.)
Die Freundinnen.
Ortglnalroman r::t Irene v. Hellmuth.
(Fortsetzung.)
„Teufelsmädel, Du wärst int Stande, mich recht in der Irre herumzuführen. Nun, ich denke, wir reisen bald wieder ab. Mamas Nerven find ja nun, Gott sei Dank, geheilt!"
„Nein, Papa, das werden wir nicht tun! Jetzt, wo es anfängt, mir hier zu gefallen," protestierte das junge Mädchen eifrig.
„Aber Du erklärtest' doch dieses Neunlinden für ein greuliches Nest, und jetzt willst Du nicht fort?" lachte die Mutter.
,.O, ich habe gefunden, daß es sich hier ganz gut leben läßt. Und dann — Sylvia ist doch auch da, wir haben uns sehr lieb, nicht wahr?"
Hermann hatte schon längst neben Sylvia Platz genommen. Cie flüsterten leise zusammen und achteten kaum auf das, was um sie her vorging. Sie waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Erft Ottis Anrede ließ die beiden aufsehen.
Der Baron wunderte sich natürlich sehr, als er erfuhr, daß Hermann und Sylvia sich liebten, daß aber der Vater der letzteren seine Einwilligung zu der Verbindung nicht geben wollte.
„O, das werde ich schon besorgen," versicherte der Baron zuversichtlich. „Ich will diesen Starrkopf bald herumbringen. Er soll den Jungen nur erst mal fingen hören; dann sagt er ge, wist nicht nein."
Es war sehr spät geworden, als man sich endlich trennte. Hermann begleitete Sylvia bis in Majas Haus. Die beiden Freundinnen aber faßen noch lange plaudernd beisammen in Majas behaglich durchwärmtem Zimmer. An
Schlaf schien keine zu denken. Sie hatten sich so viel zu erzählen, so daß sie gar kein Ende finden konnten.
Am anderen Morgen zur verabredeten Stunde fuhr die Gesellschaft wieder nach Neun- linden.
Sylvias Vater schien heute noch grimmiger gelaunt zu sein, als sonst, trotzdem er wieder int Lehnstuhl saß. Er empfing die Tochter mit einer Strafpredigt. „So spät kommst Du? Ich kann natürlich hier sitzen und warten, bis es dem gnädigen Fräulein beliebt. Ist das eine Art, wie Du mich vernachlässigst. Ich dulde es ferner nicht mehr, daß Du in der Stadt dem Vergnügen nachjagst, während ich hier sitze, allein und. verlassen. Wahrscheinlich warft Du wieder mit jenem Komödianten zusammen. Nicht mal ein ordentliches Frühstück habe ich bekommen!"
Das junge Mädchen merkte sofort, daß Leon wiederum seinen ganzen Einfluß geltend gemacht hatte, um den Vater ungünstig zu sttm- men. Das hämische Gesicht des Bruders, fein spöttisches Lachen redete deutlich genug. Es fiel wie kalter Reif auf ihre frohe, hoffnungsvolle Stimmung. Doch sagte sie nichts, obwohl es ihr bitter im Herzen aufquoll. Eifrig ging sie ihren kleinen, häuslichen Pflichten nach und hatte bald die Ordnung wieder hergestellt. Gegen Mittag erschien Baron v. Albersdorf. Ein Blick bedeutete Sylvia, daß et mit dem ehemaligen Jugendfreunde allein zu fein wünschte. Klopfenden Herzens schlich das Mädchen hinaus. Doch vermochten die Scherze und Neckereien Ottis. nicht die Schatten zu bannen, die auf Sylvias' Stirn lagen. Ihr war plötzlich so bang.
Leon hatte von dem Baron ebenfalls einen Wink erhalten, sich zu entfernen, doch schien er dies nicht bemerken zu wollen. Er rührte sich auch nicht, als Herr v. Albersdorf sagte: ^»ch
oder minder Allgemeingut der Börsenbesucher ist. Das Ehrengericht legte nämlich den Hauptnachdruck darauf, daß die Börse keine öffentliche Einrichtung, kein allgemeiner Markt sei, sondern ein Verein von Kaufleuten, deren Satzungen man sich zu unterwerfen habe. Der Stoatskommissar suchte zwischen beiden Anschauungen zu vermitteln. Uns interessant ist hier die Bestätigung der oft von der Rechten ausgesprochenen Ansicht, daß die Preisnotierungen einer starken Reform bedürften, um eine zuverlässige Unterlage für die Kalkulation z>t bieten. Gestern kam es heraus, daß die größte deutsche Bank den Kurszettel in seiner jetzigen Gestalt als eine illusorische Einrichtung betrachtet; man könne bei einer Kurssteigerung von 10 Prozent nicht erkennen, ob sie durch einen Kauf von 1000 M oder von mehreren Millionen«zustande gebrmbt worden sei. Die Versuche dieses großen Instituts zur Selbsthilfe sind gescheitert. Des Staatskommissars Aussage ergänzt das Bild; er hat anerkannt, daß die gegenwärtigen täglichen Kurszettel das Publikum nur höchst ungenügend informieren und daß es sich empfehle, in irgc > einer Weise die Umsätze mit bekannt zu geben. Die amtliche Bekanntgabe der Umsätze ist im Reichstage wiederholt gefordert worden.
r Deutsches Reich.
— Bom Bundesrat. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Bundesrat stimmte in der gestrigen Sitzung dem Nachtragsetat, enthaltend die Ostmarkenzulagen, der Herabsetzung des Stenn* steuervergütungssatzes von 6 auf 5 M, der Änderung der Zollordnung für den Kaiser Wilhelm- Kanal, der Aendetung der Zollregulatioe für die Unterelbe und Unterweser, der Aenderung der Ausführungsbestimmungen zum Schaumweinsteuergesetz, dem Zoll- und Salzsteuerver* waltungskostenetat für Bayern zu. Der deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika wurden die in § 11 des Schutzgebietsgesetzes vorgesehenen Rechte beigelegt Die vereinigten Ausschüsse des Bundesrats für Handel und Verkehr und für das Justizwesen hielten heute eine Sitzung ab.
— Die süddeutschen Bürgermeister in London. London, 22. Mai. Beim Lordmayor fand heute im Manston House zu Ehren der süddeutschen Bürgermeister ein Frühstück statt. Der deutsche Botschafter saß zur Rechten des Lordmayors und unter den Gästen befanden sich der deutsche Botschaftsrat v. Stumm, der Sekretär der deutschen Botschaft, Prinz zu Stollberg-Wernigerode und der Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes, Lord Fitz Maurice. Der Lordmayor brachte den Toast auf den deutschen Kaiser aus, in welchem er hervorhob, Kaiser Wilhelm sei der Mann, der geschätzt und geachtet werde nicht allein wegen seiner engen verwandtschaftlichen Beziehungen zu England, sondern auch wegen der hohen Ziele, welche er mit Bezug auf das Geschick fei*
habe mit Ihrem Vater zu sprechen, möchten Sie uns nicht kurze Zeit allein lassen?"
„Wird denn hier ein Geheimnis oerhandelt, daß Sie mich wie einen dummen Jungen fortschicken wollen?" versetzte er trotzig.
„Ein Geheimnis gerade nicht —“
„Nun also, bann kann ich ja bleiben. Sie machen mich neugierig, Herr Baron."
Der Baron murmelte etwas wie „Flegel" zwilchen den Zähnen.
Da Leon nicht herauskam, wußte Sylvia, wie die Entscheidung ausfallen würde.
Bald tönten denn auch die immer lauter werdenden Stimmen der Männer deutlich bis zu ihr heraus. Sie unterschied das gütliche Zureden des Barons von ihres Vaters unerbittlichem: „Nein, gib Dir keine Mühe, es ist umsonst!"
Snlvia zitterte heftig. Der alte, trotzige Mann ließ sich nicht bekehren, ja er geriet immer mehr in Wut, je dringender der Baron auf ihn einsprach.
„Ich gebe meine Tochter keinem Komödianten!" schrie er. „Und wenn Du mir noch so viel Schönes von seiner Sttmme erzählst, ich sage nein, — nein — und tausendmal nein’ Er mag sich eine Theaterprinzessin zur Frau nehmen, meine Tochter bekommt er nie! Wenn er verspricht, der Bühne zu entsagen, so werde ich mir die Sache überlegen; er mag dann später nochmal anfragen, aber als Bühnensänger — niemals!" —
„Du weißt nicht, was Du verlangst!" brüllte der Baron; „der Bühne entsagen, das wird Hermann niemals. Es wäre auch schade um seine herrliche Sttmme. Habe ich mich mit seinem Beruf abgefunden, so wirst Du es auch können, — Du — Du —“
Er fand anscheinend nicht das passende Wort.
nes großen Reiches stets verfolge. Die hohen Prinzipien, die er still während der Regierung heobachtet, und die unerschütterliche Art, wie er sich im Interesse des Friedens betätigt hat, lassen ihn als einen aufrichtigen und treuen Freund Englands erscheinen.
— Reichskaufmannsgericht. Der von einzelnen Kaufmannsgerichten angeregte Plan der Schaffung eines Reichs-Kaufmannsgerichts, mit dem die jetzt zulässige Berufung gegen alle den Streitgegenstand von 300 M. übersteigenden Urteil.' der Kaufmannsgerichte an die Landgerichte beseitigt werden soll, hat keine Aussicht auf Verwirklichung. Regierungsseitig sind die Gründe, die dagegen sprechen, in der Petitionskommission des Reichstages bargelegt. Alle bie Rechtsfragen, die die Kaufmannsgettchte beschäftigen, gelangen vor den ordentlichen Gerichten ebenfalls zur Entscheidung. Würden die Rechtsmittel gegen die Entscheidungen der Kaufmannsgerichte nicht mehr an die ordentlichen Gerichte, sandern an die Sondergerichte geleitet, so entsteht die Gefahr, daß sich in wichtigen Rechtsfragen zwischen dem Sondergericht und den ordentlichen Gerichten eine abweichende Praxis bildet, zu deren Beseitigung jede Handhabe fehlen würde. Da die von den Landgerichten in der Berufungsinstanz erlassenen Urteile einem weiteren Rechtsmittel nicht unterliegen, so kann es allerdings auch jetzt vorkommen, daß eine Rechtsfrage zeitweilig von einzelnen Landgerichten verschieden entschied: wird. Das kann indessen ertragen werden, da es sich immer nut um einen vorübergehenden Zustand handeln wird. Da die Landgerichte in ihrer Rechtsprechung als Gerichte erster Instanz der Kontrolle des Reichsgerichts unterliegen, wirft diese notwendig im Laufe der Zeit auch auf die zweitinstanzliche Rechtsprechung der Landgerichte zurück. Im Interesse der Einheitlichkeit der Rechtsprechung mutz deshalb die jetzt bestehende Verbindung zwischen den Kaufmannsgerichten und den ordentlichen Gerichten unbedingt aufrecht erhalten werden. Bei diesem Standpunkt der Regierung ist umsoweniger an die Errichtung eines Reichs-Kaufmannsgerichts zu denken, als bekanntlich nach Schaffung der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte die Regierung sich auf den Standpunft stellt, daß danach keine Sondergerichte mehr zu schaffen seien, und daß man an diesen Ausnahmen, die allerdings durch dringende Verhältnisse geboten gewesen sind, genug habe.
— Beleidigung des griechischen Hofes. Wegen Beleidigung des griechischen Hofes, insbesondere des Königs der Hellenen, wurde der Schriftsteller und'Ingenieur Max Brünner von der zweiten Strafkammer des Landgerichts ü in Berlin zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Brünner richtete im November 1907 an etwa 30 deutsche Handelshäuser Briefe, in welchen er sich erbot, den Titel eines „königlich griechischen Hoflieferanten" und „Kommerzienrats" gegen ein Entgelt zu verschaffen; dies würde sich, wenn der Reflettant sich binnen einer ober zwei Wochen entschieb, billiger als sonst stellen, ba der grie*
„Dein Toben hilft Dir burchaus nichts,“ fiel Herr v. Schmettwitz roieber ein, „spare Deinen Zorn, er ist überflüssig! Sylvia muß sich meinen Bedingungen fügen.“
„Das wird sie nicht," tief bet Baton aufgebracht. „Dafür werbe ich sorgen. Ilnb mein Sohn ist nicht gesonnen, Dir nachzugeben. Er holt sich seine Braut, ob mit ober ohne Deinen Willen. Ich kenne ihn!"
„Das werbe ich zu vethinbern wissen!"
„Ei.'da wäre ich aber neugierig!“
„Ich sperre bas Möbel einfach ein.“
„Das wirb nichts nutzen. Wit befreien fte doch!“
„Das wollen wir scheu," warf hier Leon ein. „So leicht machen wir Ihnen bie Sache nicht. Das Recht ist auf unserer Seite. Und sollten Sie es wagen, Gewalt anzuwenben, so werben wir Sie verklagen wegen Hauef iedens- brucb.“
„Den Teufel können Sie verklagen.“
„Du bist aber metkwütbig schnell bekehrt gewesen," spottete Sylvias Vater. „Erst wolltest Du burchaus nichts von Deinem Sohne wissen, weil er sich der Bühne geroibmei hat, unb nun verteibigst Du ihn auf Tob unb Leben! So schwach wie Du bin ich eben nicht! Meine Tochter soll keinen Komödianten heiraten! Ich bi« es meiner Ctandesehre schuldig, dies zn verhindern. Wenn Du das nicht einsiehst, tut es mit leid; aber ändern kann ich es nicht. Nimmt Dein Sobn feinen Namen wieder an und kommt er als Baron v. Albersdorf zu mir, — bane kann ich vielleicht „ja" sagen, aber als Herr „Walter" muß ich ihm ein „Nein“ zur Antwort geben!“
(Fortsetzung folgt.)