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MchM ZM«z ' mit dem Kreisblatt für dir Kreis- Marburg und Kirchhain , m»d den K-il-gea:zitrrarischrr A«,-igrr»,LoubmirtschafUlche K-ilag-« mU> ^«nstrirrt», z«mta«,UE

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Marburg

Freitag, 22. Mai 1908.

Die Jnsertionsgebübr beträgt für die 7oespalteue Zeil« oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag? Job. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 81. Telephon 55.

43- Jahrg-

Giroverkehr in der Staatsverwaltung.

Wie aus einer dem Deutschen Handelstag« ?»gestellten Auslassung der preußischen Minister er Finanzen und des Innern yervorgeht, ist innerhalb der preußischen Staatsverwaltung der Giroverkehr in weitgehendem Matze durchge­führt. Es find alle an Reichsbankplätzen befind­lichen staatlichen Kassen an den Reichsbankgiro« verkehr angeschloffen und gehalten, von der Eiro- Aberweisung auch im Verkehr mit nichtstaatlichen Behörden und Privaten tunlichst Gebrauch zu machen. Darin ist ein wesentlicher Fortschritt «rzielt seitdem die Reichsbank nachgelaffen hat, daß auch an Empfangsberechtigte, die nicht bei der Reichsbank selbst, sondern bei einem an den Reichsbankgiroverkehr angeschloffenen Privat, bankinstttut ein Girokonto haben, Zahlungen durch Ueberweisung von Schecks aus das Reichs­bankgirokonto erfolgen dürfen. Die Regierungs­hauptkaffen und die ihnen Nachgeordneten Spe­zialkaffen sind angewiesen, allen Girokunden die ihnen zustehenden Beträge, insofern nicht ein gegenteiliger Antrag gestellt wird, im Eirowege zu überweisen, ohne die vorgängige Beibringung der Quittung zu fordern. Rur wenn Bedenken wegen des pünktlichen Eingangs der letzteren yorliegen, soll diese Forderung gestellt werden. Im Postanweisungsverkehr wird der Ausgleich mit der Post gleichfalls im Eirowege vorgenom­men. Des weiteren ist vom 1. Januar 1908 ab allgemein nachgelaffen, daß den Beamten, die ihr Gehalt von einer an den Reichsbankgirover­kehr angeschloffenen Kaffe beziehen und ein Konto bei einem Bankhaus« haben, ihre viertel« jährlichen Eehaltsbezüge auf Wunsch ganz oder zum Teil ihrem Bankkonto im Girowege über­wiesen werden. Diese Einrichtung ist gleii^eitig versuchsweise auf die Zahlung der vietteljähr- lich fälligen Wartegelder Zivilpensionen und Unterstützungen der Pensionsempfänger, sowie auf die monatlich oder halbjährlich zahlbaren Witwen- und Waisengelder, Witwen- und Wai­senrenten, Witwenpensionen und die im Voraus zahlbaren Unterstützungen und Erziehungsbei­hilfen ausgedehnt worden. Damit, so sagen die Minister, dürfte für den Bereich der staatlichen Kaffenverwaltung alles geschehen fein, was zur Verringerung der Baarzahlungen durch den Giroverkehr geschehen könnte. Es wird nunmehr Sache des Publikums sein, auch seinerseits von den neuen Einrichtungen möglichst umfang­reichen Gebrauch zu machen. Daß die im Reichs­bankgiroverkehr stehenden staatlichen Kaffen auf ihre amtlichen Schreiben den VermerkReichs- bauk-Girokonto" setzen laffen, soll demnächst aus­drücklich angeordnet werden. Wegen Anschluffes der städtischen Kaffenverwaltungen an den Reichsbankgiroverkehr ist den Regierungspräsi­denten bereits im Jahre 1903 entsprechende An­regung gegeben. Die Minister erklären sich aber bereit, ein hierauf bezügliches vom Deutschen Hanoelstage entworfenes Flugblatt den Ober­präsidenten und Regierungspräsidenten mit dem Ersuchen um entsprechende Einwirkung auf die Provinzialverbände bezw. die Gemeinden und Kreiskommunalverbände zu übersenden.

44 lNochdruck verboten.)

Die Freundinnen.

Originalroman vcn Irene v. Hellmuth.

(Fortsetzung.)

Oho," lachte Otti,wenn ich aber meinem Hermann sage, wie Sie mit seinem Bild um­gehen, dann wird er Augen machen. Er kann leider in diesen Tagen nicht herauskommen, weil er sehr beschäftigt ist."

Sprach Herr Walter davon Sie hier be­suchen zu wollen?" kam es bebend von Sylvias Lippen.

Aber natürlich, weshalb sollte er mich denn nicht besuchen? Ja so, Sie meinen wegen Pa­pa? Na, das wird sich einrichten laffen."

Diese Worte klangen so sorglos heiter, Sylvia wollte vergehen vor Zorn.

Ich glaube nicht, daß Herr Walter die Frech­heit so weit treiben wird, hierher zu kommen," rief sie entrüstet.

Frechheit? Na, hören Sie mal, das ist doch zu viel, ich werde es Hermann sagen!"

Meinetwegen noch viel mehr!" Sylvia war außer sich.Sagen Sie ihm, daß er falsch und treulos an einem unerfahrenen Mädchen ge­handelt hat, daß ich ihn verachte!"

Ich werde mich hüten!"

Und Sie nehmen Sie sich in acht, er ist schlecht, sehr schlecht, er wird Sie auch be­trügen, und heiraten wird er auch Sie nicht!"

Aber, wer sagt Ihnen denn, daß ich Her­mann heiraten will?" lachte Otti ausgelassen, »dazu sucht man sich doch gewöhnlich einen an­dern als seinen Bruder aus!"

Sylvia stand sprachlos vor dem lachenden Kobold von dem sie sich hatte äffen laffen. Otti mußte sich kaum zu fassen vor Vergnügen.

Deutsches Reich.

Prinz Friedrich Wilhelm von Preuße« wird vom 1. Juni ab in der Staatsverwaltung in Schlesien beschäftigt. Der Prinz wird bei dem in der Nachbarschaft von Eamenz belegenen Landratsamt des Kreises Grafschaft Elatz tätig sein.

Die abermalige «eichstagsvertaguna statt des Schlusses, hat neben den Annehmlichkeiten der weiteren Freifahrt für die Mitglieder des Rei^tags und eventuell weiterer Dienstbefrei­ung, wenn es Beamte find, den großen Vorzug für manche, daß die Immunität der Abgeord­neten weiter besteht und so eine Strafverfolg­ung, zu der es bekanntlich der Genehmigung des Reichstags bedarf, nicht eintreten kann. Ge­legentlich wird dies aber anscheinend al» ein Privilegium odiosum angesehen. Denn vor Schluß der Tagung hat der Reichstag, im Gegen­satz zu der während bei Tagung geübten Praxis die Genehmigung zu mehreren Strafverfolg­ungen gegen Mitglieder erteilt, in dieser Be­ziehung also die Wirkung der Vertagung des Reichstags statt des Schluffes aufgehoben.

»örsengefetz. Das Börsengesetzblatt ver- öfentlicht di« neue Börsengesetznovelle. Sie tritt am 1. Juni in Kraft und trägt das Datum des 8. Mai 1908.

Der deutsche Besuch in London. Windsor, 20 Mai. Einer Einladung des Königs folgend, besuchten heute Vormittag die süddeutschen Bür­germeister Schloß Windsor, wo fie von Lord Esher empfangen und von Sir Charles Frederick namens des Königs willkommen geheißen wur­den. Die Gesellschaft fuhr im Wagen vom Bahnhof zunächst zum Mausoleum in Frogmore, woselbst der Oberbürgermeister von München am Sarg der Königin Viktoria einen prächtigen Kranz mit deutscher Inschrift niederlegte. Nach der Besichtigung des Königlichen Gutes wurden die Gäste von Hofbeamten in die Orangerie ge- leittt, in der der Lunch eingenommen wurde. Nachdem noch die Staatsgemächer in Augen­schein genommen worden waren, kehrten die Besucher nachmittags mittels Sonderzuges nach London zurück.

lieber Austritt« aus der evangelischen Landeskirche äußert auf der gestern eröffneten Berliner Kreissynode Friedrichs-Werder I der Bericht des Vorsitzenden: Die Austrittsbeweg­ung ist nachgerade eine chronische geworden. Sie besteht jetzt schon im dritten Jahre und hat in diesem Jahre wieder einen Aufschwung genom­men. Was werden soll, wenn eine wesentlich erhöhte Kirchensteuer Platz greifen muß, ist nicht vorher zu sehen.

Um die Einführung von Militarzahn- ürzten vorzubereiten, hat Kriegsminister v Einem den Entschluß kundgegeben, einer Ab­ordnung deutscher Zahnärzte in nächster Zeit eine Audienz zu gewähren, um sich über alle ein­schlägigen Fragen und notwendigen Maßnah­men unterrichten zu laffen.

Die Wahlrechtsfrage in Braunschweig. Braunschweig, 20. Mai. Die Landesversamm­

lung behandelte in ihrer heurigen Sitzung di« Anträge zur Vorbereitung von Vorschlägen be­treffend die Abänderung de» Landtagswahlrech­tes der eingesetzten Kommission, die dahin gehen, die bisher indirekte Wahl durch die direkte Wahl zu ersetzen, sowie die Zahl der Urwähler der ersten Klaffe auf mindestens 10 Vroz., die der zweiten Klaffe aus 20 Proz. und die der dritten Klaffe auf 70 Proz. festzusetzen. Die Urwähler der ersten Klaffe haben drei, die der Weiten Klaffe zwei und die der dritten Klaffe ein« Stimme. Die Vorschläge der Kommission wur­den mit 37 von 45 abgegebenen Stimmen ange­nommen.

Von der Eisenbahn. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge betrugen die Betriebseinnahmen der Preußisch-Hessischen Staatseisenbahnen im April im Personenverkehr rund 3,1 Millionen Mark gleich 7,14 Prozent mehr, und im Güter­verkehr 2.5 Millionen Mark gleich 2,46 Prozent weniger, insgesamt einschließlich der sonstige« Einnahmen 0,7 Millionen gleich 0,48 Prozent mehr als den gleichen Monat des Vorjahres. Die Steigerung der Einnahmen aus dem Personen­verkehr ist größtenteils eine Folge der Lage de» Osterfestes, da» in diesem Jahre ganz, im Vor­jahre aber nur mit dem zweiten Feiertag« in den April fiel. Das Ergebnis des Güterver­kehrs war günstiger als e» den Anschein hat, da der diesjährige April einen Arbeiistim weniger zählte als der vorjährige. Auf den Arbeitstag gerechnet, find di« Einnahmen aus dem Güter­verkehr sogar gestiegen.

Schneeschutzanlag««. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat Hit Schneeschutzan­lagen, und zwar in erster Linie für noch nicht hinlänglich gesichette Hauptbahnstrecken verschie­denen Königlichen Eisenbahndirektionen ansehn­liche Bettäge zur Verfügung gestellt. Königs­berg i. Pr. hat 180 000 M, Kattowitz 120 000 <M, Stettin 60 000 J*., Altona 50 000 «M, Danzig 45 000 M, Halle a. S. 40 000 ttl, Posen und Magdeburg je 35000 M, Köln 34 000 M, Bres­lau und Cassel j« 28 000 «M, Bromberg 25 000 =M, Hannover 21 0000 M, Erfurt 15 000 ttt, Münster 11000 <M. und Elberfeld sowie Frankfutt a. M. je 9000 <M erhalten. Daß die östlichen Direk­tionen die größten Zuwendungen erhalten ha­ben, ist natürlich.

Au» Bade«. Karlsruhe, 20. Mai. An­läßlich des 25jährigen Jubiläums der Verban­des der badischen landwirtschaftlichen Konsum­vereine hielt der Großherzog nach einer Be­grüßungsansprache des Derbandepräfidenten Sänger etwa folgende Rede: Herzlichen Dank für den freundlichen Willkommen, den Sie mir soeben geboten haben. Tiefbewegten Dank für das, was Sie in kurzen, eindrucksvollen Worten in dankbarem treu anhänglichen Gedanken an meinen geliebten in Gott ruhenden Vater, deffen Herz so warm für die Landwirtschaft schlug, ge­sprochen haben. Es gewährt mir eine herzliche Befriedigung, heute in Ihrer Mitte erscheinen zu können und dadurch mein warmes Jntereffe für Ihre Bestrebungen zu betätigen. Ich be­glückwünsche auf das Aufrichtigste den Verband der badischen landwirtschaftlichen Konsumoer-

,Zhr Bruder?" stammelte Sylvia endlich. Sie vermochte den raschen Wechsel kaum zu be­greifen.

Freilich," jubelte Otti,mein Bruder und Du Du wirst meine Schwester, denn Hermann liebt Dich ja so sehr, so sehr!"

Und ungestüm küßte sie das noch immer un­gläubig dareinblickende Mädchen auf beide Wan­gen Unaufhörlich plauderte der kleine rote Mund. Doch plötzlich zuckte die Baronesse zu­sammen und verstummte mitten im Satze.

Sylvia folgte der Richtung ihres Blickes und gewahrte am Waldessaum Hugo v. Trost­berg der jetzt eilig näher kam und Otti wie eine alte Bekannte begrüßte. Sylvia war diese Begegnung peinlich. Sie beschleunigte ihre Schritte, machte aber die überraschende Ent­deckung, daß die beiden anderen sich gar nicht um sie kümmerten. Noch mehr erstaunte sie, als ihr Hugo leise zuraunte:Ich bitte, der Baro­nesse nichts von unseren früheren Beziehungen zu verraten."

Sie neigte fast unmerklich den Kopf.

Otti hatte rasch ihre Unbefangenheit wieder gewonnen. Sie neckte sich bald mit Sylvia, bald mit Hugo und lachte und scherzte wie ein Kind. Diese ungezwungene Heiterkeit stand ihr allerliebst. Das schien auch Hugo zu finden; denn er ließ seine Augen oft und lange auf dem hübschen, jungen Gesicht der Baronesse ruhen. Unwillkürlich wurde er mit fortgeriffen. Er stimmte herzhaft in das Lachen ein. Sylvia sah und hörte das alles mit heimlicher Freude. Sie »im Stillen, daß der kleine Kobold viel- berufen sei, Hugo mit seinem Schicksal auszusöhnen und ihm das Leid vergessen zu machen, das et durch sie erfahren hatte.

XL

Da» Theater war gedrängt voll Mensche«,

kein Plätzchen mehr zu haben. Wer sich nicht rechtzeitig mit Eintrittskarten versehen hatte, mußte wieder umkehren. Ein vornehmes Pub­likum füllte die Logen. Die Damen in reicher Toilette neben Herren in Zivil und Uniform, boten ein glänzendes Bild. Alle blickten in ge­spannter Erwartung auf den Dirigenten, der den Taktstock in der Hand, auf das letzte Zeichen zum Beginn der Oper wartete. Der Name Wal­ter war in aller Munde. Der Sänger hatte «s verstanden, sich die Herzen seiner Zuhörer int Sturm zu gewinnen. Besonders die Damen­welt schwärmte für ihn. Mancher Blick aus schönen Augen folgte der hohen, stattlichen Reckengestalt, wenn sie sich aus der Promenade zeigte. Walter schien freilich wenig Verständnis für die zarte Aufmerksamkeit zu haben, zum gro­ßen Leidwesen all der hübschen Mädchen. Man hatte auch schon verschiedene Male versucht, den j'mgen Sänger in Gesellschaften zu ziehen, ihn einzuladen. Er blieb gegen diese Versuche un­empfindlich und lehnte jede Einladung ab. Kein Wunder, wenn er als kalt und herzlos verschrieen wurde. Aber gerade seine Unnahbarkeit reizte die Damenwelt noch mehr. Man sandte ihm schmachtende Verse, sogar Blumen, erhielt aber nie Gewißheit über das Schicksal solcher Ge­schenke.

Wenn aber Waller auftrat, so konnte man sicher sein, stets einen großen Damenflor int Theater anzutreffen. Er stand im Vordergrund des Interesses. Und seit man in der Gesellschaft munkelte vielleicht war der alte Franz nicht ganz unschuldig an dem Gerücht, der beliebte Sänger sei der Sohn «ine» sehr reichen Grafen oder Fürsten. etwas Genaues wußte man natürlich nicht, da steigerte sich das Interesse «och ganz bedeutend . Kurz, an dem Abend, al» Walter in Meyerbeer»Prophet" austrete«

eine dazu, daß er nach Verlauf eines Viertel* jahrhunderts in so herrlicher Blüte dasteht, dank der selbstlosen aufopfernden und hingebende« Arbeit, die geleistet wurde. Ehre und Aner­kennung allen denen, die in diesen Jahren sich darum so verdient gemacht haben. Nachdem der Großherzog dem Verbände seine Wünsch« für ferner« ersprießliche Entwicklung ausgesprochen hatte, bat er die Anwesenden einzustimmen i« den Ruf: Unser liebes badisches Heimatland lebe Hoch!

Baden und di« viert« Wagenklasse. Au» Karlsruhe läßt dieKöln. Ztg." sich melden: Nach Mitteilungen, welche die Regierung der Budgetkommisfion der Zweiten Kammer gemacht hat, hält diese die Frage noch nicht für völlig spruchreif int Hinblick darauf, daß di« finanzielle Wirkung der Reform noch nicht mit genügender Sicherheit übersehen werden könne. Zunächst beabsichtigt die Eisenbahnverwaltung da» Ab­rechnungsergebnis des letzten Monats abzuwar­ten und gleichzeitig Erhebungen über die Wir­kungen der Tarifreform bei den Nachbarbahnen zu machen, die ebenfalls mit dieser Reform de« 2 Pfg.-Tarif, sei er für die 4. Klasse, sei es für di« 8. Klasse der Personenzüge, übernommen haben. Sobald die Ergebnisse dieser Umfrage vorliegen, was Ende nächsten Monats der Fall sein wird, wird der Eisenbahnrat einberufen werden, um zur Einführung der vierten Wagen- Nasse Stellung zu nehmen. Jedenfalls wird aber auch noch der Landtag bei seiner diesjäh­rigen Session Gelegenheit haben, sich über dies» Frage auszusprechen.

Au» Bayer«. München, 20. Mai. Die Kammer der Reichsräte hat nach langer De­batte die Novell« zum Berggesetz, in welcher die aauptbestimmung die Festsetzung der staatliche« nschlußmutung an die Mutung der Privaten war, abgelehnt. ,

Invalidenversicherung probeweise be. schäfttgter Militärpersonen. Das Reichs-Ver« ficherungsamt hatte sich früher im Anschluß an einen Erlaß des preußischen Kriegsministers da­hin ausgesprochen, daß die Tätigkeit der bei Zivilbehorden probeweise beschäftigten Militär­personen als eine militärdienstliche anzusehen sei und deshalb diese Personen der Jnvaliden- versicherungspflicht nicht unterliegen. Nachdem aber der Kriegsminister in Abänderung seine- früheren Erlasses bestimmt hat, daß die Tätig­keit der zur informatorischen Beschäftigung^ so­wie der zur Probedienstleistung im Zivildtenst kommandierten oder beurlaubten Militäran­wärter künftig als eine militärdienstliche nicht zu gelten habe, hat das Reichsversicherungsamt bestimmt, daß nunmehr für die bei den Zivilbe­hörden probeweise beschäftigten Militäranwar- ter vorausgesetzt, daß die sonstigen Erfordernisse der Versicherungspflicht vorliegen, Beiträge zur Invalidenversicherung zu entrichten und zwar nicht nur künftig, sondern, soweit gesetzlich zu- lässig, auch für die Vergangenheit. Ob und in- wieweit Beiträge auch für solche Personen, die nicht mehr bei Zivilbehörden informatorisch

sollte, konnte es das Publikum kaum erwarten, bis sich der Vorhang hob.

In einer kleinen, halb versteckten Setten­loge saß Baron v. Albersdorf mit seinen Damen. Nur ungern hatte Sylvias Vater es zugegeben, daß seine Tochter die Vorstellung besuchte, zu­mal da sie bei ihrer Freundin übernachten und erst am anderen Morgen nach Hause zuilcck- kehren wollte. Baron v. Albersdorf beadstch- tiate auf Zureden seiner Gattin, ebenfalls tn der Stadt zu bleiben. Jetzt saß er bequem zu­rückgelehnt in seinem Sessel und ließ das Auge gleichgiltig über die lachende, schwätzende Menge yinglesten. Von Zeit zu Zeit blickte er fast ängstlich auf seine neben ihm sitzende Gattin, die ihm heute besonders aufgeregt und unruhig er­schien. Er war in großer Besorgnis um sie. Sollte ihr Leiden sich gesteigert haben? #

Wir hätten doch nicht hierher gehen sollen, flüsterte er,Du scheinst gar nicht wohl zu sein.

Sei ohne Sorge mein Lieber," gab fie leise zurück,ich fühle mtch ganz gesund/'

Er wandte sich nach Otti um; die knabberte seelenruhig an ihren Pralinees und ließ sich von ihrem Nachbar zur Linken, Herrn Hugo von Trostberg, den Hof machen. Manchmal ktchett« fie auch leise, wenn jener eine besonders wttztg« r merkung machte. Das Fräuletn Tochter schien die Unruhe der Mutter nicht wahrzu- nehmen. , ,, . .__

Endlich ertönte das Klingelzeichen und da» Orchester setzte ein. Di« Baronin druckt« chr« Hand auf das hochklovfende Herz. Sie ruckt« hin und her, ihr war jo bang. '

Wird der Plan gelingen? Wird der tiefe beleidigte Vater verzeihen? Oder witt> « auch mir zürnen, daß ich ihn durch eine List hi«h«* geschleppt^ V> Mgtt fb sich immerfort. J w»x...... .^Fortsetzung folM