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Sonntagsruhe im Handelsgewerbe gearbeitet. Ob sich allerdings hieran schon bald eine Ee- setzesaktion schließen wird, bleibt abzuwarten. Dagegen wird versucht werden, die Bankgesetz­novelle möglichst bald fertig zu stellen. Im Reichsjustizamte wird eifrig an der Strafprozeß­ordnung gearbeitet. Man hofft, sie in naher Zeit an den Bundesrat bringen zu können. Mit der reichsgesetzlichen Regelung der Bestimmun­gen über die Arbeitstarifverträge, die gleich­falls in Aussicht genommen ist, wird es dagegen wohl noch einige Zeit dauern. Wenn man be­denkt, daß im Reichstage noch so wichtige Ent­würfe, wie die den Arbeiterschutz betreffende Ee- werbeordnungsnovelle und die Novelle zum Viehseuchengesetz, stecken, daß dem Bundesräte schon Vorlagen, wie die über die Errichtung der Arbeitskammern und über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen unterbreitet sind, so wird man sich auch so schon sagen müsien, daß für den nächsten Tagungsabschnitt des Reichstags eine überaus große Zahl von gesetzgeberischen Aktionen bevorsteht. Es dürste sogar geraten erscheinen, zu überlegen, ob es sich, auch wenn der Reichstag anfangs November feine Voll­sitzungen wieder aufnimmt, empfiehlt, das ganze in Vorbereitung befindliche gesetzgeberische Ma­terial schon im nächsten Tagungsabschnitte an ihn heranzubringen.

Zur nächsten Reichstagssest'ion.

Kaum hat der Reichstag seine Pforten ge­schlossen, so wird auch schon in den Reichs- ömtern die Vorarbeit für die ihm im nächsten Tagungsabschnitt zu unterbreitenden Vorlagen ausgenommen. Dazu gehört in erster Reihe der Reichshaushaltsetat für 1909. Während in Preußen die Einzelressorts dem Finanzmini­sterium ihre Neuforderungen für den Etat des nächsten Jahres erst am 1. September anzumel­den brauchen, muß dies im Reiche von den Aemtern beim Reichsschatzamt bis spätestens 1. August geschehen sein. Die Reichsressorts haben für die Etatsvorbereitung demgemäß weniger Zeit als die preußischen und müssen sich um so eher an sie heranmachen. Das Reichs­schatzamt tritt dabei zunächst nur als Einzel­ressort auf, erst nach dem 1. August beginnt der schwierigere Teil seiner Etatsaufstellungsarbeit. Dagegen hat es jetzt schon mit verschiedenen an­deren Arbeiten zu tun. Dahin gehören auch die in sein Ressort schlagenden Besoldungsvorlagen. Sie sind aber zum allergrößten Teil sertig- tzestellt, sodaß sie dem Bundesrate im Herbst recht früh unterbreitet werden können zugleich mit den Besoldungsverbesserungsvorschlägen für das Militär und der Servistarifnovelle. In erster Reihe wird dagegen die Reichsfinanz­reform die nächste Tätigkeit des Reichsfchatzamts in Anspruch nehmen. Es ist bekannt, daß die Regierungen keine Besoldungsverbesserung vor­nehmen wollen, ohne daß die Deckungsmittel vorhanden sind. Entsprechend diesem Stand­punkte dürften auch die Finanzreformvorschläge gleichzeitig mit den Vesoldungsvorlagen dem Bundesrate zugehen und diesen wieder ver­lassen. Im Reichsamt des Innern, das an der Unterbreitung von Entwürfen beim Reichstage regelmäßig am stärksten beteiligt ist, dürften die Arbeiten an der Ausgestaltung der Arbeiter­versicherung nunmehr in den Vordergrund treten. Wohin sie zielen, ist ja bekannt. Auch mit ihnen sind teilweise, wie bei der neu zu schaffenden Witwen- und Waisenverstcherung, Finanzfragen verknüpft. Bei dem großen Um­fange, den diese Materie voraussichtlich an» nehmen wird, wird aber auch geprüft werden müssen, ob sämtliche in Aussicht genommenen Vorlagen auf einmal an den Reichstag gebracht werden sollen oder ob es sich empfiehlt, eine Auswahl und gegebenenfalls welche vorzuneh­men. Daneben wird vorbereitet eine Novelle zum Gesetz über die Erwerbung und den Verlust der Reichs- und Staatsangehörigkeit, die bereits recht weit gediehen ist. Es werden die gutacht­lichen Steuerungen über die im Reichsanzeiger veröffentlichten Entwürfe eines Weingesetzes und eines neuen Gesetzes über die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs geprüft und danach die neuen Entwürfe aufgestellt. Auch wird an der Aenderung der Bestimmungen über die

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

uud den Beilagen: ^.Literarischer A-r-igrr",z-udwirts-hastlich- S-ilag,- uudzll-stri-rt-, K-unt-g-blatt«.

Hannover und Brandenburg; zum Teil find ee auch Rückwanderer aus dem Auslande.

Born Johanniterorden. Im Falle eines Krieges (so schreibt dieNeue politische Korr.") wird der Johanniterorden 1550 Pflegeschwestern stellen. 700 find davon bei Ausbruch einet Mobilmachung sofort zur Verfügung, 440 nach vier Wochen und der Rest nach weiteren vier Wochen. Außerdem stellt die Diakonissenanstalt zu Duisburg 300 pflegende Brüder. Zu diesen Zahlen bemerkt der Ehrenkommendator und Werkmeister des Johanniterordens, Graf Zieten-Schwerin, im neuesten Johanniterblatt:- Eott der Herr bewahre uns in Gnaden vor Krieg. Aber wenn er nicht abzuwenden ist, so soll er uns gerüstet finden."

Iswolskys Reise nach Berlin. DerNew Port Herald" meldet übereinstimmend mit dem Figaro" aus russischer Quelle, daß der russische Minister des Auswärtigen Iswolsky Ende des Monats nach Berlin gehen werde, um hier einer diplomatischen Privatkonferenz, betreffend die Valkanfrage, beizuwohnen. DieTgl. Rdsch." bemerkt hierzu, daß in Berlin an maßgebender Stelle von einer solchen Konferenz oder von einem Besuch Iswolskys in Berlin bisher noch nichts bekannt geworden ist.

Eulenburg. In den Räumen der von Geheimrat Kraus, dem Nachfolger Virchows, geleiteten zweiten medizinischen Klinik der Charitee ist Fürst Eulenburg untergebracht. Die Station, die auch andere Patienten beher­bergt, untersteht dem Oberarzt Dr. Steyrer, einem der Assistenten des Direktors., Der Fürst und sein Leibdiener Josef haben je ein Zimmer. Ein Vorzimmer, das den Zugang zu diesen bei­den bildet, ist ständig, Tag und Nacht, von einem Kriminalbeamten besetzt; diese Beamte», die sich ablösen, werden in der Charitee ver­pflegt. Fürst Eulenburg wird wie alle Kranke» von de» behandelnden Aerzten regelmäßig 6e» sucht; auch Geheimrat Kraus besuchte ihn gestern und fand, daß das Befinden des Fürsten nicht schlecht sei. Die Fürstin, die ihren Gatte» abends erst spät verließ, hat Zutritt zu ihm. Sonst mutz jeder Besuch besonders gemeldet und zugelassen werden uni) wird von dem Kriminal­beamten genau verzeichnet. Die von anderer Seite verbreitete Nachricht, daß Staatsanwalt Rasch die Anklage gegen den Fürsten vertrete» soll, ist nach demB. T." unwahrscheinlich. In dieser Hinsicht liegen von feiten der Oberstaats, anwaltschaft noch keinerlei Dispositionell vor, denn die Voruntersuchung ist noch lange nicht abgeschlossen. Staatsanwalt Rasch unterftütt seit langer Zeit den Oberstaatsanwalt Jsenbiel bei seinen umfangreichen Arbeiten. Die Ver­handlung gegen den Fürsten Eulenburg dürfte kaum vor dem Spätherbst stattfinden, da dir schwierigen Recherchen und die zahlreichen Der- nehmungen von Zeugen, die meist in ab« gelegenen Orten Bayerns ihren Wohnsitz Haden,

Marburg

Dienstag, 12. Mai 1908.

i Deutsches Reich.

Born Kaiser. Donaueschingen, 10. Mai. Der Kaiser schoß gestern abend zwei Hahnen. Heute vormittag um 10% Uhr besuchte der Kaiser mit dem Fürsten von Fürstenberg und den Herren der Umgebung den Gottesdienst in der evangelischen Kirche. Anläßlich der An­nahme der kolonialen Eisenbahnvorlage im Reichstage ging dem Staatssekretär Dernburg folgendes Telegramm des Kaisers aus Donau­eschingen zu: Mit besonderer Genugtuung habe ich die Meldung von der durch den Reichstag er­folgten Annahme der Eisenbahnvorlage, die zum Aufschluß unserer Kolonien in Afrika die­nen soll, erhalten. Mit meiner besten Gratu­lation zu diesem verdienten Erfolge verleihe ich Ihnen al» Zeichen meiner Anerkennung den Kronenorden Erster Klasse und wünsche Ihnen zugleich glückliche Reise nach Südwestafrika. Wilhelm I. R.

Von der Kaiserin wird aus Straßburg unter dem 9. d. M. gemeldet: Die Kaiserin be­sichtigte heute vormittag bas evangelische Dia­konissenhaus, die höhere Töchterschule, die Dia» konissenanftalt, das Institut der Neubronner Schwestern und die Frauenindustrieschule des Vaterländischen Frauenvereins. Heute nach­mittag gedenkt die Kaiserin einen Automobil­ausflug in die Umgegend von Straßburg zu unternehmen.

Vom Prinzen Heinrich. Aus Kiel wird unter dem 9. d. M. berichtet: Prinz Heinrich ist heute nachmittag mit dem Fürsten von Hohen- zollern im Automobil nach Brunsbüttel gefah­ren, um sich von dort auf das vor Helgoland liegende FlaggschiffDeutschland" zu begeben.

Staatssekretär Dernburg hat am gestrigen Sonntag die Ausreise nach Südwestafrika an­getreten und sich zunächst nach London begeben. Der Aufenthalt dortselbst wird bis zum 17. Mai dauern. Die amtliche Begleitung des Staats­sekretärs besteht, wie hinzugefügt fei, aus den Herren Rittmeister Graf Henckel von Donners­marck, Bauinfpettor Schlüpmann und einem Beamten der Geheimen Kanzlei des Reichs- kolonialamts.

Der deutsche Friedenskongreß. Jena, 9. Mai. Der erste deutsche Friedenskongreß ist heute mittag im Volkshaus abgehalten worden. Der nächste Kongreß soll in Wiesbaden statt­finden.

Invaliden- und Altersrenten. Nach der Zusammenstellung des Reichs-Versicherungs­amts betrug die Zahl der seit dem 1. Januar 1891 bis einschließlich 31. März 1908 von den 31 Versicherungsanstalten und den 9 vorhandenen Kasseneinrichtungen bewilligten Invalidenren­ten 1543 283. Davon sind infolge Todes oder Auswanderung des Berechtigten, Wiedererlang­ung der Erwerbsfähigkeit, Bezuges von Unfall- renten oder aus anderen Gründen 698 050 weg- gelasscn, so daß am 1. April 1908 845 233 Ren­ten liefen, gegen 841992 am 1. Januar 1908. Die Zahl der während desselben Zeitraums be­willigten Altersrenten betrug 462 370. Davon sind infolge Todes oder Auswanderung des Be- rechtioten oder aus anderen Gründen wegge­fallen 347992, so daß am 1. April 1908 114 378 Altersrenten in Umlauf waren, gegen 116 887 am 1. Januar 1908. Invalidenrenten gemäß ?Zaragraph 16 des Jnvalidenversicherungsgesetzes Krankenrenten) wurden seit dem 1. Januar 1900 81 336 bewilligt. Davon sind infolge To­des, Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit oder aus anderen Gründen 61442 weggefallen, so daß am 1. April 1908 19 894 Renten liefen, gegen 20 081 am 1. Januar 1908. Beitragser­stattungen sind bis zum 31. März 1908 bewilligt: 1. an weibliche Versicherte, die in die Ehe ge­treten sind, 1698 834 (gegen 1662 544), 2. an versicherte Personen, die durch einen Unfall dauernd erwerbsunfähig im Sinne des Jnvali- denversicherungsgesetzes geworden sind, 5052 (ge­gen 4888), 3. an die Hinterbliebenen von Ver- sichertei' 373 462 (gegen 363 634), zusammen also 2 077 348 (gegen 2 031066).

Von der Anfiedelungskommisfion. Die Königliche Anfiedelungskommission hat aus pol­nischer Hand das 144 Hektar große Gut Maniewo im Kreise Obornik gekauft. In diesem Kreise hat die Kommission bis jetzt im ganzen 46 000 Morgen käuflich erworben, von denen 39 500 Morgen an 540 Ansiedlerfamilien und an eine Anzabl Arbeiterfamilien mit einer Seelenzahl von 4100 begeben worden sind. Die Ansiedler stammen zumeist aus den Provinzen Westfalen,

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessifch, Sei tu na" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in irchb ain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 31. - *--- Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne

Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Dis JnfertionSgebÜhr Betragt für die 7gespaltene Zeile ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklame» 30 Pfennig. i« Druck und Verlag: Joh. Slug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H itz er oth ,Marburg, Markt 21. Telephon 55,

(Nachdruck verboten.!

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Die Freundinnen.

Originalroman vcn Irene v. Hellmuth.

(Fortsetzung.)

Sorge Dich nicht, Svlvia, ich werde Deinem Vater schon alles klar machen, ich bin fest über­zeugt, er weist mich nicht ab.

Und er selbst, der alte, verbitterte Mann, was wird wohl aus ihm, wenn ich von ihm gehe? Die Tante ist herzlos, sie gönnt ihm kaum ein freundliches Wort und der Onkel" das junge Mädchen zuckte die Achseln,er ist eine Null im Hause. Er muß tun, was seine Frau habe» will. Sie beherrscht ihn ganz. Die beiden Leute würden meinen Vater als unnütze Last betrachten, müßten sie ihn pflegen, wenn er krank wäre. Ich weiß nicht, wie die Zukunft werden soll. Hätte mein Vater Geld und dürs­ten sie hoffen, etwas von ihm zu erben, dann ginge es vielleicht, dann wäre alles anders. Aber so--

Sie zerdrückte eine Träne im Auge.

Ja, Liebling, was fällt Dir ein?" versetzte Hermann ruhig.Es ist doch selbstverständlich, r- und ich habe nie anders gedacht, als daß wir Deinen Vater zu uns nehmen. Was soll der alte Mann auch allein hier in dem öden Nest fitzen und sich langweilen? Bei uns soll er das Leben wieder lieben lernen. Solche Leichen­bittermienen wie hier gibt es bei uns nicht, feinen fröhlichen Kreis von Menschen, die uns lieb find, wollen wir um uns versammeln und meine Sylvia soll die Lustigste von allen sein, Nicht wahr? Du wirst wieder lachen wie damals, pls ich Dich zum erstenmale sah und als mich Deine kindliche Fröhlichkeit, Deine lachenden Auge» sofort gefangen »ahme». Hoffentlich hast

Du das heitere Wesen nicht ganz und für immer abgelegt? Ich will nicht, daß Du traurig bist."

Sylvia schmiegte sich eng an den schönen, stattlichen Mann.

Du bist so gut", sagte sie und blickte unter Tränen lächelnd zu ihm auf.Wenn ich erst Deine Frau bin, so sollst Du kein trübes Gesicht mehr sehen. Ich bin so gern lustig und heiter aber hier, hier kann ich nicht fröhlich sein.

Nun hoffentlich darf ich Dich bald mit mit nehmen, dann ist alles gut."

Ja, aber

Nun? Was denn wieder für einAber"? fragte er mit leichter Ungeduld, als Sylvia fünfte.

So schnell wie Du denkst wird sich die Sache nicht machen lassen."

,Meshalb denn nicht?"

Meine Aussteuer, Hermann! Es ist noch gar nichts vorhanden, als höchstens von meiner lieben, seligen Mutter her einige Dutzend Hem­den und sonst Verschiedenes."

Sie blickte hilflos und verzagt auf den Ge­liebten. Er lachte laut auf.

Du bist noch ein rechtes Kind, Sylvia. Was bedeutet heutzutage eine Aussteuer! Wenn man es bezahlen kann, dann regen sich hundert Hände zugleich, und was man braucht, wird in der denkbar kürzesten Zeit hergestellt. Denkst Du vielleicht, ich kann warten, bis Du in müh­seliger Arbeit eine neunzackige Krone in jedes einzelne Wäschestück einnähst? Das lassen wir schon von anderen besorgen. Oder bis irgend ein Meister unsere Einrichtung zusammenzim­mert? Das mag ja ganz schon sein für die, welche Zeit haben zu beobachten, wie Stück für Stück entsteht zu dem Nest, das sie sich ju baue» beabsichtige». Aber wir beide, wir müsse« halt in Gottesname« in ei» Magazin gehe» und

uns auswählen, was wir brauchen. Eine Aus­stattung kann man in der Stadt in einigen Ta­gen zufammentragen. Wenn Du von hier fort» gehst, so gehst Du am besten so, wie Du bist. Alles andere schenkst Du Deiner lieben, verehr­ten Tante."

Er lachte vergnügt, doch Sylvias Mienen wollten sich nicht aufhellen. Fast scheu begann sie wieder:

Aber Herman», das kostet alles sehr viel Geld, und Du bekommst doch eine atme Frau, wenn Du mich heiratest!"

Er lachte noch übermüttger den» zuvor.

Lasse doch diese Bedenken, Schatz! Schau, Geld habe ich genug, und was mein ist, das ist auch Dein. So lange ich fingen kann, hat es keine Not. Und ich stehe ja erst am Anfang meiner Laufbahn. Wir haben also vorläufig gar keinen Grund, uns Sorgen zu machen."

Sylvia nickte ihm heiter zu. Aber dann ging es wie leichtes Erschrecken Über die lieblichen Züge. Sie wandte sich zum Gehen.

Du willst schon wieder fort? fragte et.

, muß, Hermann. Lebe wohl!

Lebe wohl den», bis morgen, mein Lieb!"

Dann stand et und sah ihr nach, wie sie be­hende übet die leuchtende weiße Schneedecke hin­weglief. Einmal blieb sie aufatmenb stehen und schaute sich nach ihm um. Et nickte ihr zärtlich zu, bann entschwand sie feinen Blicken.

Die finstere Miene, mit welcher bet Vater ste empfing, verriet ihr nichts gutes, ebensowe­nig das höhnische Lächeln auf dem Gesichte des Bruders, bet unter halb gesenkten Lidern her­vor sie verstohlen betrachtete.

Wo warst Du denn so lange? fragte bet Vater auch fogleith in strengem Ton, bet ihr wie Ms durch alle Glieder drang,

-.TnZi;

Das junge Mädchen stand da, ohne ein rott» teres Wort hervorzubringen.

Nun? Ich warte auf Antwort!" gebot bet Vater streng, die Tochter scharf anblick-nd.

Rede!"

"Ich wat drunten im Dorfe, ich hatte, ich wollte" ,

Ha, ha," lachte Leo» schadenfroh,gib Dir doch keine Mühe. Liegt denn das Dorf drüben beim Walde, wo Du soeben herkamst? Ich dächte, das lieat immer noch auf der anderen Seite. Ich will es"Dir sagen, wo Du warst. bei Deinem sauberen Liebhaber. Ich sah ihn vorhin vor­übergehen, die Tante machte mich auf ihn auf­merksam. Gleich darauf warst Du verschwun- den."

Sylvia richtete sich hoch auf. Sie hatte mit einen Schlage ihre Fassung zurückgewoünen.

Nun gut, sagte sie mit blitzenden Augen, wenn Du es doch schon weißt, so ist jede weitere Frage unnötig"-- --

Sie wandte sich und wollte zur Ture hinaus, doch ein energischesSpalt, hier geblieben! hielt sie zurück. , ,

Erst sollst Du mir Rede stehen," gebot der Vater streng.Es ist also wahr, daß Du Dir nnt einem einem Komödianten heimlich Stelldich­eins gibst? Hast Du denn alle Scham verloren. Hast Du vergessen, was Du unserem Name» schuldig bist, vergessen, daß Dein Betrage» ne:.: -. Kummer auf mich häufen muß? Draußen im Walde läufst Du mit Deinem Liebhaber herum?"

Vater," tief Sylvia und trat furchtlos und ohne He Augen niederzuschlagen vor den er­zürntet Mann,ich gestehe Dir jetzt frei unb offen, daß ich Hermann Walter mein Wort gab, daß ich ihn liebe und nie von ihm lassen will-» daß ich seine Frau werde!" (Forts, folgt)