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Zweites Blatt
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Vermögenssteuern auszuschreiben und zu erheben, fest, und hebt hervor, daß das so beliebte Projekt nur die vermögenden Klassen mit direkten Retchssteuern zu treffen, einen sehr geringen finanziellen Erfolg haben, daß die direkten Reichssteuern stets in erster Linie den Mittelstand belasten würden. „Die Propaganda für eine Reichseinkommensteuer richtet sich — so schreibt Professor Laband — daher gegen den Mittelstand, er besonders würde von einer Erhöhung der direkten Steuern betroffen werden, und zwar, wenn die Steuer einen für die Reichs- finanzreform erheblichen Betrag bringen soll, in sehr empfindlicher Weise."
Daß schließlich Dr. Laband zu einer absoluten Verwerfung der direkten Reichssteuer kommt, daß er empfiehlt, die Reichsfinanzreform in der Hauptsache auf «ine Erhöhung der Eebrauchs- steuern zu basieren, ist nach diesen Klarstellungen selbstverständlich. Der Verfasser empfiehlt zugleich die Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Ehegatten und Deszendenten und sogar die Besteuerung von Nachläßen bis zu 5000 Mark herunter.
«to ffeij iett
Marburg
Sonnabend, 9. Mai 1908.
„Für mich verlange ich nichts mehr, mein Sohn Ich habe abgeschlossen mit der Welt und dem Leben. Aber Ihr solltet den alten guten Namen in Ehren halten und ihm zu seinem frü. Heren Glanze verhelfen. Siehst Du Leo, es war nicht meine Schuld, daß alles so kam. Ich habe keinen Kreuzer Eures Vermögens vergeudet. Es war eben ein Unglück!"
„Sorge Dich nicht, Papa! Das Geld wird schon wieder hereinkommen; mehr als zuerst da war•“
Bei dem zuversichtlichen Ton wurde der Alte aufmerksam.
„Was hast Du denn eigentlich vor?"
„Wirst es schon sehen, Papa!" lachte Leo» leichthin.
Mit wenig Kleinigkeiten gebe rch mich nicht ab. Mein Plan braucht nur ein wenig Zeit, bis er reif ist! Es handelt sich um — eine Million!"
Der Alte lächelte ungläubig.--
Slyvia war inzwischen durch die Hintere Hoftür« hinaus ins Freie geschlüpft. Sen Wochen schon warteten sie vergebens auf einen günstigen Augenblick. Jetzt hielt sie es nicht länger aus und nun galt es, so rasch als möglich den Geliebten aufzusuchen. Sie kümmerte sich gar nicht darum, ob man sie beobachtete oder nicht. Es galt ihr alles gleich. Ihr junges, leidenschaftliches Herz, das zum erstenmal im Lebet fühlte, was Liebe ist, verlangte stürmisch sein Recht. Sie konnte den Gegenstand khrer Sehnsucht ja zumeist nur von fern erblicken.
(Fortsetzung folgt.)
mit dem Krcisblatt für die Kreise Marburg uni> Kirchhain
rmb de» KLagen: -Literarischer Knreigrr». „Landwirtschaftliche Keiiage« and „Illustrierte« SamUag-blE.
39 Kriegsschiffe mit 531 000 t
6OO Damvser mit 700 000 t
50 Kriegsschiffe mit 480 000 t
In diesem Augenblicke bemerkte Frau von Schmettwitz, wie ihr Neffe leicht zusammenzuckte, und wie seine Wangen eine fahle Blässe überzog. Sie folgte dem Blick der dunklen Augen.
Draußen ging eben Walter vorüber.
,v,as ist er," sagte sie, „das ist Walter, von dem ick Dir sprach. Sahst Du ihn noch nicht vorübergehen? Das wundert mich. Gelegenheit dazu hättest Du oft haben können, denn er streicht immer um das Haus herum. Aber was starrst Du so hinaus? Kennst Du ihn vielleicht?"
Leen fuhr herum.
„Ich? — Nein! Woher sollte ich ihn kennen? Mir fiel eine flüchtige Ähnlichkeit aus an dem Menschen, weiter nichts."
Er sprach seltsam hastig. Frau von Schmettwitz betrachtete Leon genau. Er saß noch immer unbeweglich, den haßerfüllten Blick auf einen Punkt gerichtet, obgleich draußen schon lange kein Mensch mehr zu sehen war.
„Also der ist es, — der?" fragte er endlich.
„Ja, — aber was ist Dir?"
„Es ist nichts, Tante! Aber ich habe Dich nun wirklich lange genug aufgehalten."
Mit flüchtigem Gruße ging er hinaus. Draußen ballte er wie in ohnmächtigem Grimm die Hände, stampfte zornig mit dem Fuße auf und murmelte: „Verdammt! Daß dieser Kerl hier auftauchen muß, er kann mir möglicherweise das ganze Spiel verderben.
Er eilte die Treppe hinaus und trat gleich darauf mit den Worten: „Wo ist Sylvia?" bei seinem Vater ein.
„Ich weiß es nicht, sie war eben noch hier" — war die gleichgültige Antwort.
„Ich will es Dir sagen," lief Leon auffahrend. »Bei ihrem sauberen Liebhaber ist sie, dem Ko-
Deutsches Reich.
— Krankenversicherung. Nach dem geltenden Krankenversicherungsgesetze unterliegen Betriebsbeamte, Werkmeister, Techniker, Hand- lungsgehilfen und Lehrlinge der Krankenver- stcherungspflicht nur bann, wenn ihr Lohn oder Gehalt 2000 M und weniger int Jahre ausmächt. Auf dem Gebiete der Unfallversicherung wird die Grenze für die Versicherungspflicht durch ein Jahresgehalt von 3000 J*. gezogen. Die Beseitigung dieses Unterschiedes und die Festsetzung eines einheitlichen Jahresverdienstes, von dem die Versicherungspflicht für alle Verficherungs- arten begrenzt werden soll, dürfte Aufgabe der im Gange befindlichen Vereinheitlichung des Arbeiterversicherungsrechtes sein. Es wird die Frage erwogen, ob es sich empfiehlt, die Verdienstgrenze, soweit von ihr die Verficherungs- pflicht abhängig ist, dergestalt zu erweitern, daß sie auf den drei Gebieten der Arbeiterversicherung gleich ist. Die Entscheidung darüber, ob eine derartige Bestimmung in den dem Reichs- tooc vorzulegenden Gesetzentwurf aufzunehmen ist, w'.rd naturgemäß vom Bundesrate getroffen werden.
— Handels- und Kriegsflotte« der größte« Seemächte. „ Wir haben das Recht und die Pflicht, eine Flotte zu halten, die der Größe unserer Handelsinteressen entspricht", sagte Fürst Bülow. Aus dem Vergleich zwischen nachstehenden Zahlen wird man finden, daß unsere Flotte noch einer recht bedeutenden Verstärkung bedarf, ehe sie in dem richtigen Verhältnis zu unseren Handclsintereßen steht:
England besitzt ca. 62- 0 Dampstr mit 9 780 0C0 t demgegenüber 94 Kriegsschiffe*! mit 260 000 t Deutschland besitzt ca. 1762 Dampser mit 3121412 t demgegenüber 34 Kriegsschiffe mit 367 oOO t Ver. Staat, besitzen ca. 9OO Dampser mit 1209 000 t
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mödianten, dem sie nachläuft. Du wirst es eines Tages erleben, daß Deine ehr- und tugendsame Tochter mit diesem Menschen auf- und davon- aeht. Ist das ein Benehmen von dem Mädchen? beinahe täglich treffen die beiden sich irgendwo. Es ist ein Skandal! Du wirst doch hoffentlich dem frechen Komödianten die Türe weifen, wenn er es wirklich wagen sollte, um Sylvia zu werben?"
Ein stechender Seitenblick streifte den Vater, bet entrüstet auffuhr: „Natürlich werbe ich bas! Er soll nur kommen! — Unerhört!"
„Du mußt ba schon ein kräftiges Wörtlein rebeu Vater, bamit ihm bas Wieberkommen für immer vergeht. Du darfst ihm nicht bie geringste Hoffnung lassen. Wir müssen bafür sorgen, baß bieses unwürdige Verhältnis so bald als möglich ein Ende nimmt. Verstehst Du? Dieser Walter muß unbedingt fern gehalten werden. Er soll erfahren, was er ist und was wir find! Das wäre noch schöner, wenn Sylvia von Schmettwitz sich dem ersten besten Komödianten an den Hals würfe."
Der Alte sah seinen Sohn prüfend an. Es macht- ihm doch auffallen, daß Leo so eifrig für die Ehre des Hauses eintrat, wo er doch so viele Jahre nichts nach der Familie gefragt hatte. Aber der Eifer des jungen Mannes gefiel ihm offenbar sehr; denn er reichte ihm die Hand und sagte: „Es freut mich, daß Du ba draußen nichts verlernt hast, was man seinem Namen schuldig ist."
Hebet Leons Gesicht glitt ein spöttisches Lächeln.
„O, — ich hoffe, Du sollst noch Freude an mir erleben l Wenn mein Plan gelingt, dann wirst Dn auch wieder gute Tage sehen."
absolu» unmöglich sein werde, dafür einen gerechten und billigen Maßstab zu finden. Zudem entspricht die Verteilung der Beiträge nach der Bevölkerungszahl auch dem Grundsätze, daß die Einnahmen des Reichs von den Zöllen, Verbrauchsabgaben und Stempelsteuer allen Staaten gleichmäßig zugute kommen. Will man die Beträge „veredeln", so muß man das auch mit den Ueberweisungen tun. So „ist die „Vered 'iung" der Matrikularbeiträge eine jener tönenden Phrasen, hinter denen kein Gedanke, jeoenfalls kein klarer steht."
„Der den Aiatrikularbeiträgen anhaftende Uebelstand liegt," so schreibt Dr. Laband, „nicht in ihrem Verteilungsmaßstab, dessen Abänderung, wenn überhaupt möglich, nur geringe Mehreinnahmen für das Reich oder unerhebliche Entlastungen einiger Staaten bewirken würde; der Grund liegt viel tiefer. Er besteht darin, daß die Organe des Reichs, insbesondere der Reichstag, Ausgaben von enormer Höhe bewilligen, ohne sich um die Deckung derselben Sorge zu machen, sondern diese den Einzelstaaten auswklzen. Es ist dies freilich ein bequemes Verfahren; die Bewilligung der Ausgaben' ist immer patriotisch, sozialpolitisch, populär; die Erhöhung der Abgaben zur Deckung dieser Aus- oaben verletzt in jedem Falle irgend welche Interessen einzelner Berufskreise, Produzenten oder Konsumenten und ist daher unpopulär und bittet bei den allgemeinen Wahlen ein Agitationsmittel gegen die Parteien, welche diese unliebsamen Auflagen beschloßen haben. Durch die Erhöhung der Matrikularbeiträge entgeht man diesen Schwierigkeiten; man verpflichtet einfach die Einzelstaaten, die beschloßenen Mehrausgaben aufzubringen . . . Die „Bewilligung" der Matrikularbeiträge ist nur der Schein einer Deckung der Ausgaben, ebenso wie eine Bestreitung fortdauernder Ausgaben durch sogenannte Zuschußanleihen."
Wenn man nun anerkennt, daß, wenn bas gegenwärtige Defizit bes Reichs durch Matri- kularbeitrSge gedeckt werden sollte, diese Höhe erreicken, die die Finanzwirtschaft der Einzel- ftaaten in einem unerträglichen Matze belaßen würbe, unb daß eine weitere Steigerung derselben zur Deckung bet fortwährend wachsenden Eeldbedürfniße des Reichs nicht möglich ist. so ergibt sich daraus der klare unb unleugbare Schluß, daß man bei gegenwärtigen Fi- nanznct nicht baburch abhelfen kann, baß man dem Reiche Einnahmen zuweist, die man den Einzelstaaten entzieht. Denn was hilft es diesen Staaten, wenn man ihre Ausgaben an Matrikularbeiträgen herabsetzt, zugleich aber die Mittel zur Tragung dieser Ausgaben vermindert? Durch die Uebertragung einer Einnahme von dem Konto des Einzelstaates auf das Konto des Reichs wird der einzelstaatlichen Finanznot jedoch nicht abgeholfen. Eine auf dieser Grundlage geschaffene Reichsfinanz-Reform würde nur der Schein einer wirklichen Reform sein und im Grunde genommen alles beim alten laßen.
Der Verfasser erörterte sehr ausführlich die Aufgaben der Einzelstaaten, zu deren Deckung Sie direkten Steuerquellen diesen erhalten bleiben müßten, wenn nicht ihre Selbständigkeit in Frage gestellt werden soll. Er stellt auch bie technische Unmöglichkeit, Reichseinkommen und
Zur Frage der neuen Reichssteuern liefert der Straßburger Staatsrechtslehrer Prof. Dr. Laband in einer vor kurzem erschienenen Schrift*) einen sehr beachtenswerten Beitrag. Die Diskussion über die Notwendigkeit einer reichlichen Vermehrung der eigenen Einnahmen des Reiches hält der Verioßer mit Recht für überflüssig, dagegen unterzieht er die jetzige A'. die Bedürfnisse des Reiches burch Anleihen unb Abwälzen auf bie Bundesstaaten zu decke einer kurzen, aber scharfen Kritik. Sehr eingehend beleuchtet Dr. Laband das Wesen der M ttrikular- beiträge. Dabei stellt er fest, daß der ursprüngliche Vismarcksche Verfaßungsentwurf derartige unbegrenzte Beiträge nicht kannte und daß die Abänderung der ursprünglichen Fassung des Reichsgrundgesetzes, wonach das Reich ausschließlich auf indirekte Steuern angewiesen sein sollte, von liberaler Seite dem Bundesräte aus- gezwungen worden ist.
Sieht somit dem Reiche verfassungsmäßig das Recht zu, direkte Steuern zu erheben, so hat man. wie der Verfaßer hervorhebt, in der vierzigjährigen Periode seit der Gründung des Ncrdoeutschen Bundes tatsächlich den Grundsatz besorgt, die Finanzbedürfniße des Reiches nicht durch eine direkte Steuer zu decken. ,/Denn die Tc ntiömensteuer ist, abgesehen von ihrer Verkleidung als Stempelsteuer eine zu unbedeutende Abweichung von diesem Grundsatz, als daß sie ihn selbst in Frage stellen könnte. Dagegen wurde durch bie Einführung einer Reichsfin- klmmensteuer ober einer Reichsvermögensteuer die bisher tatsächlich befolgte Tradition verlassen und bas bestehende Finanzsystem durchbrochen unb völlig umgestaltet werden."
Die Finanznot des Reiches ist — so führt der Verfaßer weiter aus — in Wahrheit eine Fi- nan!>nor der Einzelstaaten, diesen fällt die Differenz zwischen den Einnahmen und den Ausgaben des Reiches zur Last, und soweit die Reichsgesetzgebung nicht dafür Sorge trügt, daß die Einahmen des Reichs den Ausgaben bes Reichs entsprechen, werben bie letzteren ’ auf Kosten ber Einzelstaaten bestritten. Das geschieht zunächst auf betn Wege bet Matrikular- urnlagen. Professor Dr. Labanb wenbet sich mit Recht gegen bie „rhetorische Floskel", wonach bie Mnirikularbeitrüge als Kopfsteuer bezeichnet werden Da biefe Beiträge nicht als Kopfsteuer, sondern nur nach dem Maßstabe der Be- völierungszahl nach demselben System wie alle Übrigen Staatssteuern erhoben werden, sei diese Bezeichnung nicht angebracht.
Wos aber den Vorschlag betrifft, die Matrikularbeiträge der finanziellen Leistungsfähigkeit der Einzelstaaten anzupaßen, sei zu „veredeln", so mockt der Verfasser zutreffend geltend, daß es
*) Direkte Reichssteuern. Ein Beitrag zum Sraatsrecht des Deutschen Reiches. Von Dr. Paul Laband, Professor in Straßburg i. Els. Berlin 1908 Verlag von Otto Liebmann. 8°. 68 S. Preis 80 Pfg.
Die Freundinnen.
Originalroman von Irene v. Hellmuth.
(Fortsetzung.)
Als sich die Türe hinter ber schlanken Gestalt geschlossen Hütte, fragte ikeon mit lauerndem Blick:
„Was meintest Du benn vorhin, Tante, als Du bemerktest, buh hinter Sylvias Benehmen etwas stecke? Weshalb wies sie Hugo von Trostberg ab? Weißt Du es?"
Frau v. Schmellwitz nickte eifrig.
„Ja gewiß weiß ich es. Unb wenn Du noch ein wenig Geduld hast, so kannst Du vielleicht den sehen, den Sylvia liebt. Er ist ein berühmter Sanger und wenn er im Theater auftritt, soll jedesmal das Haus ausverkauft sein. Die Leute sind wie toll, und jeder ist nur froh, wenn er für jein gutes Geld einen Platz bekommt. Aber trotz seiner Berühmtheit ist er doch keine standesgemäße Partie für die Tochter des Hauptmanns v. Schmettwitz. — Ein Komödiant! Ich habe Deinen Vater schon des öfteren gewarnt, er hütet Sylvia ja auch, aber ob er es auf bie Dauer kann, ist fraglich. Das Mädchen ist schlau, sie entwischt, so oft sie kann, und ihre „geliebte Maja" unterstützt sie nach Kräften. Ich tue ja mein Möglichstes, — aber schließlich kann ich Sylvia doch nicht nachlaufen. Ich hatte 'mir schon immer rorgenommen, mit Dir über die Sache zu sprechen, aber Du hast den Kopf . voll von Deinen eigenen Angelegenheiten."
„Ra, ba war es ja gut, daß ich kam," lacht« Leon, wir werden dem Herr« Sänger seine Bewerbungen schon versalzen."
Mae abonniert auf die tägltdj erscheinende „Oberhessische , Beitu / bet allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in J5109 Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition- Markt 21. _ $ct Bezuqspr iS betrigr durch die Post 2,25 Mk. (ohne B.Kellgeld), bet unsern Zeitungsstellen und der Expeditton 2 Mk.
— Bravo! Die Königsberger Sozialdemokraten hatten an den int Kreise Königsberg wieder aufgestellten bisherigen Landtagsabgeord- neten Eyßling (frs. Vp.j eine schriftliche Anfrage über seine Stellung zur Wahlrechtsfrage gerichtet. Justizrat Eyßling hat daraufhin in einem Schreiben an bas sozialdemokratische Wahlkomitee dargelegt, er lehne es ab, dem Komitee eine Erklärung abzugeben.
— Die Versicherung von Zeitungsabonnenten, Es ist bekannt, daß nicht leistungsfähige Zeitungsunternehmen durch allerlei Mittel unb Mittelchen sich Abonnenten zu verschaffen suchen. 3ur: schlimmsten und gröbsten in dieser Hinsicht gehört bie Versicherung bei Abonnenten gegen Unfall, bie durch bas bloße Abonnenment be- wiikt wild. Das Publikum sollte sich sagen, baß alles, was halb verschenkt wirb, keinen Weit hat. Soweit sinb wir nun einmal noch nicht in bet Kultui fortgeschritten, baß Setzer, Drucker unb Papieilieferanten umsonst arbeiten unb liefern. Immerhin gibt es Leute, bie auf solche Mittel wie bas oben genannte, hineinfallen. Vor einigen Tagen hat sich nun Staatssekretär Nie» berding zu bet Frage geäußert, unb seine Ausführungen verbienen genauer bekannt zu werben. Er sagte: „Was bie Abonnentenversicherung anlangt, so bin auch ich ber Ansicht, baß in den letzten Jahren auf diesem Gebiete Erscheinungen hervornetreten sind, die nicht nur Befremden, sondern die auch lebhaften Unwillen erregen müßen. Der Abg. Eiesberts hat mit Recht die Geißel feines Unmuts übet diese Dinge geschwungen. Wir haben alle Ver- anlaßung, die Ausartungen auf diesem Gebiet mit großer Sorgfalt zu verfolgen. Ich kann hier feststellen, daß die Regierung, namentlich auch bas Aufsichtsamt für Versicherungswesen, jetzt schon ihre Aufmerksamkeit biesen Erscheinungen zugewendet haben. Die Rechtsprechung hat bei bei Bekämpfung dieser Erscheinungen, die das Volkswohl schädigen, eine Zeitlang versagt. Jetzt ist es anders geworden, die Rechtsprechung des Reichsgerichts hat in einem Falle eine Verurteilung ausgesprochen. In einem anderen Falle ist gleichfalls eine Verurteilung durch ein anderes Gericht erfolgt. Wir haben die Hoffnung, daß die Unternehmer derarti- ger'Spekulationen sich dadurch warnen laßen werden. Freilich sollte auch bie Preße nach bieser Richtung wirken. Ein anständi- ges literarisches Unternehmen darf sich mit solchen Dingen über« hauptnichtbefassen. Eine Abhilfe würde wohl erfolgen, wenn aus den Reihen der Preße heraus diese Mißstände entschieden bekämpft würden. Sollte mit Hilfe der Rechtsprechung und der durch die Preße vertretenen öffentlichen Meinung auf diesem Gebiete sich eine vollst ä n d i g e Abhilfe nicht erzielen lassen, dann wird nichts anderes übrig bleiben, als den Weg der Gesetzgebung »u beschrei- ten. Wollen wir aber diesen Weg betreten, dann dürfen wir nicht ein Gesetz schaffen, das sich nur mit der Regelung ber privatrechtlichen Beziehungen befaßt, dann müßen wir weiter gehen."
— Di« Zahl bet in Preußen ausgegebenen Jagdschein« ist im Etatsjahre 1906 gegen da» Vorjahr gestiegen. Nach den „Amtlichen Mit-
Die Jnsertionsgebühr beträgt für bie 7gespaltene Zeile ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklame« 80 Pfennig. — in Druck unb Verlag: Joh. Ang. Koch, Unwersitätsbuchbruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth .Marburg, Markt 21. — Telephon 55.