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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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Marburg

Sonnabend, 9. Mai 1908.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth »Marburg, Markt 21Telephon 55.

43. Jahrg.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 38.

Erstes Blatt.

Die Gratulation in Wien.

Hebet die gestrigen Jubiläumsfeierlichkeiten zu Ehren des Kaisers F'anz Josef liegen fol­gende Meldungen vor: Um 9 Uhr 35 Min. langte der Sonderzug mit Kaiser Wilhelm, der Kaiserin, dem Prinzen August Wilhelm und der Prinzessin Viktoria Luise von Pola in der Sta­tion Meidling an. Dort hatte sich Kaiser Franz Josef eingefunden, der den Hofsonderzug bestieg und mit nach Penzing fuhr. An der Station Penzing hatten sich zur Begrüßung sämtliche in Wien weilenden Erzherzoge, der Korpskomman­deur Feldzeugmeister Fiedler, der Stadtkom­mandant Generalmajor Hofmann, Staatssekre­tär Graf Kielmannsegg, der Polizeipräsident Brzewoski, der Bürgermeister Dr. Lueger, der den deutschen Fürsten zugeteilte Ehrendienst, die Ehrenkompanie des 51. Infanterieregiments mit der Fahne, der Musik und den reglements­mäßigen Vorgesetzten und der deutsche Staats­sekretär des Auswärtigen v. Schön eingefunden, ferner die Herren der deutschen Botschaft, der österreichisch-ungarische Botschafter in Berlin, Graf v. Szoegenyi-Marich, der deutsche General­konsul Freiherr v. Liebig, der deutsche Konsul v. Vivinot die Vertreter der reichsdeutschen Vereine in Wien, die Offiziersvereinigung des Beurlaubtenstandes und zahlreiche andere Per­sönlichkeiten. Die Erzherzöge trugen deutsche Uni­form. Punkt 10 Uhr langte der Sonderzug auf dem Penzinger Bahnhofe an. Die Musik spielte Heil Dir im Siegerkranz". Als erster entstieg dein Wagen Kaiser Franz Josef in der Uniform des Kaiser Franz Earde-Erenadierregiments, hieraus Kaiser Wilhelm in österreichischer Mar- fchallsuniform mit dem Bande des Stephans- ordens.' Sodann half Kaiser Franz Josef der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria beim Aus- steigen. Der deutsche Kaiser begrüßte nunmehr durch Händedruck in herzlichster Weise die Erz­herzöge und küßte den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand. Kaiser Wilhelm schritt so­dann die Front der Ehrenkompanie an der Seite des Kaisers Franz Josef ab und begrüßte alle zur Aufwartung Erschienenen. Hierauf hielt Bürgermeister Dr. Lueger eine Ansprache an den Kaiser, worauf Kaiser Wilhelm antwortete. Nunmehr begab sich Kaiser Wilhelm in das reich geschmückte Empfangszelt und begrüßte dort die Erzherzoginnen. Der Kaiser stellte ihnen den Prinzen August Wilhelm vor. Die Herrschaften bestiegen dann die Wagen. In dem ersten der ä la Doumont mit vier Schimmeln bespannten Wagen saßen die beiden Kaiser, in dem zweiten die Kaiserin mit der Erzherzogin Maria An­nunziata, in dem dritten Prinz August Wilhem mit dem Erzherzog Franz Ferdinand und in dem vierten die Prinzessin Viktoria Luise mit der Erhzerzogin.

Im fünften Wagen saß Erzherzog Karl Franz Josef; in weiteren Wagen folgten die übrigen Herrschaften. Auf den Straßen vom Bahnhof bis Schönbrunn hatten sich die Trup­pen der Garnison mit fünf Musikkapellen aufge­stellt, welche bei der Vorbeisahrt die preußische Hymne spielten. Die seit den frühesten Morgen­stunden zu vielen Tausenden angesammelte Menschenmenge bereitete enthusiastische Ovatio­nen, für die die Majestäten durch Kopfnicken und Salutieren dankten. Bei der Ankunft im Schönbrunner Schloß wurden die Majestäten durch den zweiten Obersthofmeister und den Oberzeremonienmeister empfangen; sie begaben sich mit den Erzherzogen und den Erzherzoginnen durch die große Galerie in den blauen Salon. Hierauf fand im Maria Theresia-Zimmer der Empfang des Ministers des Königlichen Hauses, der obersten Hofchargen, der Eardekapitäne, des österreichischen und des ungarischen Minister­präsidenten, sowie der übrigen gemeinsamen Minister, des Hofmarschalles in Ungarn, des Hofdienstes usw. statt. Nachdem die Majestäten fn Schönbrunn eingetroffen waren, ging strö­mender Regen nieder. Punkt 12 Uhr fuhren die anwesenden deutschen Bundesfürsten an der Blauen Stiege vor und wurden am Fuße der­selben von dem Oberzeremonienmeister empfan­gen, unter Vorantritt desselben über die Stiege geleitet, im Laternen-Zimmer der Bunderfür-

sten von dem zweiten Obersthofmeister empfan­gen und in das große Rosazimmer geleitet, wo­selbst sie sich versammelten. Der zweite Oberst­hofmeister begab sich in die Wohnungsdeparte­ments des deutschen Kaisers, um Meldung zu erstatten und führte ihn sodann in das große Rosazimmer. Inzwischen hatte der Oberzere­monienmeister Kaiser Franz Josef Meldung er­stattet, worauf sich Se. Majestät in das Maria Antoinetten-Zimmer begab.

Die deutschen Bundesfü'rsten versammelten sich nunmehr in dem Empfangsappartement, wo Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef An­sprachen hielten.

Nach der Eratulationscour nahm Kaiser Franz Josef die Glückwünsche der deut­schen Kaiserin entgegen. Unter dem Vor­antritt der Gräfin Harrach begab sich die deutsche Kaiserin in die Privatgemächer des Kaisers, um diesen zu beglückwünschen.

Um 12y2 Uhr folgte ein Dejeuner in Schönbrunn. An demselben nahmen auch die Erzherzoge und die Erzherzoginnen teil. Zu dem Dejeuner geleitete Kaiser Franz Josef die deutsche Kaiserin, der deutsche Kaiser die Erz­herzogin Maria Annunziata, Prinzregent Luit­pold von Bayern die Erzherzogin Blank«, der König von Sachsen die Erzherzogin Isabella, der König von Württemberg die Erzherzogin Maria Theresia. Gleichzeitig fand für die Suite Mar­schallsdiner in Schönbrunn statt und um 1 Uhr in der Hofburg.

Nachmittags fuhr Kaiserin Auguste Vittoria beim Volksgarten vor und begab sich zum Denkmal der Kaiserin Elisabeth, wo sie einen Palmenwedel, den sie vom Achilleion mit­gebracht hatte, niederlegte. Der Kaiser begab sich nachmittags um 2 Uhr von Schönbrunn in die Hofburg, wo er den dort wohnenden deut­schen Bundesfürsten und dem Bürgermeister Dr. Vurchard Besuche abstattete. Kaiser Wilhelm und Prinz August Wilhelm statteten am Nach­mittage dem bayerischen Gesandten Frhrn. von Tücher einen etwa eine halbe Stunde währen­den Besuch ab. Der Kaiser besichtigte die Samm­lungen des Barons Tücher eingehend. Nach 2 Uhr fuhren das deutsche Kaiserpaar sowie Prinz August Wilhelm von Preußen bei der Kapuzi­nerkirche vor, wo sie vom Guardian Pater Csak und dem Großmeister Pater Bauer begrüßt und in die Kaisergruft geleitet wurden. Das Kaiser­paar legte auf den Särgen der Kaiserin Elisa­beth und des Kronprinzen Rudolf Kränze nieder.

Die Ansprache des Kaisers.

Bet der Gratulatton der deutschen Bundes­fürsten hielt der deutsche Kaiser folgende An­sprache:

Eine erhebende Fügung der göttlichen Gnade und Vorsehung ist es, die uns am heutigen Tage um die erhabene Person Eurer Kaiserlichen und Königlich-apostolischen Majestät vereinigt. Sech­zig Jahre, zwei Menschenalter, haben Eure Kai- lerliche und Königlich-apostolische Majestät in nie rastendem Eifer und treuester edelster Pflichterfüllung dem Wohl und dem Glück Ihrer Völker gewidmet. Mit berechtigtem Stolz und hoher Genugtuung mag es das Herz Eurer Ma­jestät erfüllen, wie von allen Seiten die Unter­tanen dem in Ehrfurcht geliebten Herrscher die landesväterliche Treue mit hingebender Liebe und Dankbarkeit zu vergelten bemüht find. Aber nicht nur Millionen eigener Landesftnder jubeln in ftoher Festesstimmung ihrem heißgeliebten Kaiser und König zu, nein, auch weit hinaus über die Grenzen der Monarchie beugt fich die Welt in Verehrung und Bewunderung vor der ehrwürdigen Gestalt Eurer Majestät. Eure Majestät sehen hier drei Eenerattonen deutscher Fürsten um fich versammelt und keinen darun­ter, dem Eure Majestät nicht schon ein Vorbild gewesen wären, bevor er selbst berufen war, die Pflichten eines hohen Amtes zu üben. Uns allen haben Eure Majestät in sechzigjähriger Arbeit ein herrliches Beispiel aufgestellt, woran fich noch die Kinder und Enkel der Jüngsten unter uns erbauen werden. So find wir denn, die treuen Freunde und Verbündeten Eurer Kaiserlichen und Königlich-apostolischen Maje­stät, und mit uns Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, meine Gemahlin, hierhergeeilt, um Zeugnis abzulegen von den herzlichen Ge­fühlen inniger Freundschaft und Anhänglichkeit, die uns für Eure Majestät beseelten. Aus be­wegten Herzen bringen wir unsere Huldigung dar dem edlen Herrscher, dem tieuen Bundes­genossen, dem mächtigen Hort des Friedens, auf dessen Haupt wir den reichsten Segen Sotten herabflehen. . ;

Kaiser Franz Josef erwiderte:

Eure Kaiserliche und Königliche Majestät haben im Verein mit Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzregenten von Bayern, Ihren Maje­stäten den Königen von Sachsen und Württem­berg, den hier anwesenden Durchlauchtigsten und Durchlauchtigen deutschen Bundesfürsten und dem Vertreter der freien Hansestädte den liebenswürdigen Entschluß gefaßt, mir aus An­laß der Erreichung meines 60. Regierungsjahres persönlich Ihre Glückwünsche darzubringen. Dieser Beweis Ihrer mir überaus teuren Freundschaft, der zu den kostbarsten Erinne­rungen meines Lebens gehören wird, hat mein Herz auf das freudigste berührt und ich bitte Sie, hierfür meinen innigsten, tiefempfundenen Dank entgegenzunehmen. Ich darf in diesem mich in so hohem Maße beglückenden Akte herz­licher Zuneigung wohl eine feierliche Kund­gebung des monarchischen Prinzips erblicken, dem Deutschland seine Macht und Größe ver­dankt. Auch Oesterreich-Ungarns Kraft liegt in diesem Prinzip, und in der treuen und unwan­delbaren Liebe meiner Völker habe ich stets neue Zuversicht geschöpft, um den mir obliegenden schweren Pflichten gerecht zu werden. Die Tat­sache, daß es mir heute vergönnt ist, eine so große Anzahl deutscher Fürsten um mich versam­melt zu sehen, ist auch die ausdrucksvollste Be­stätigung des zwischen uns feit beinahe 30 Jah­ren bestehenden engen und unerschütterlichen Bundesverhältnisses. Dieser Tag bestärkt mich in der frohen Erwartung, daß dieses nur fried­liche Ziele verfolgende Bündnis dem gleichen Bestreben der anderen Mächte wirksam zur Seite stehen und seine Aufgabe bis in die fernste Zukunft wohl erfüllen werde. Ich bitte die gött­liche Vorsehung, sie möge Eure Majestäten und alle deutschen Bundesfürsten, sowie auch Ihre Majestät die Kaisettn und Königin, deren An­wesenheit mich tief rührt und zu wärmstem Dank verpflichtet, für alle Zeiten in ihren gnä­digen Schutz nehmen.

Bald nach der Ankunft in Schönbrunn emp­fing Kaiser Wilhelm den Minister des Aeußern Frhrn. v. Aehrenthal in Audienz. Kaiser Wil­helm schenkte dem deutschen Botschafter von Tschirschky u. Bögendorf seine Büste in Bronze. Staatssekretär v. Schön frühstückte heute beim Minister v. Aehrenthal.

Ordensauszeichnungen.

Der deutsche Kaiser verlieh zahlreiche Aus­zeichnungen: Das Kreuz der Komthure des Hausordens von Hohenzollern an den Erzherzog Franz Ferdinand. Ernannt zum Chef des 27. Infanterie-Regiments wurde Erzherzog Leo­pold Salvator. Der Kaiser verlieh die Brillan­ten zum Schwarzen Adlerorden dem General­adjutanten Grafen Paar, den Schwarzen Adler­orden dem Minister des Auswärtigen Frhrn. v. Aehrenthal, dem Feldzeugmeister Frhrn. von Bolfras und dem ersten Obersthofmeister Für­sten von Montenuovo, den Verdienstorden der preußischen Krone dem Feldzeugmeister Fiedler, die Brillanten zum Großkreuz des Roten Adler­ordens dem Feldzeugmeister Frhrn. v. Stei- ninger, das Eroßkreuz des Roten Adlerordens dem Reichskriegsminister Schoenaich, usw. Wie dieNordd. Allg. Ztg." erfährt, hat Kaiser Franz Josef dem Reichskanzler Fürsten Bülow die Brillanten zum Eroßkreuz des Stephans- ordens verliehen. Die erste Mitteilung hier­über ging dem Reichskanzler in einem sehr herz­lich gehaltenen Glückwunschtelegramm des Mi­nisters Baron Aehrenthal zu, in dem es heißt, daß die Allerhöchste Auszeichnung erfolgt seiin Erinnerung an den heutigen denkwürdigen Tag, an dem durch die Anwesenheit Kaiser Wilhelms und einer großen Anzahl deutscher Bundesfür- sten in Wien dem monarchischen Prinzip und dem Bündnisgedanken in so erhebender und prägnanter Weise Ausdruck verliehen wird."

König Viktor Emanuel und Kaiser Franz Josef.

Wien, 7. Mar Vom König von Italien ist an Kaiser Franz Josef folgendes Telegramm eingelaufen:

Im Laufe des Jahres, in welchem Eure Maje­stät das 60jährige Jubiläum Ihrer glorreichen Regierung feiern, vereinigen alle Herrscher und Staatsoberhäupter ihre Glück- und Segens­wünsche mit den loyalen Kundgebungen der Völker der Monarchie. Beseelt von der alten und tteuen Freundschaft, die ich für Euere Maje­stät empfinde, nehme ich den innigsten Anteil an diesem freudigen Ereignis und schließe mich den herzlichen Gefühlen an, welche Ihnen heute Keine Majestät der deutsche Kaiser, unser er­

habener Bundesgenosse und Freund persönlich aussprechen wird.

Die telegraphische Antwort des Kaisers Franz Josef lautet folgendermaßen:

Ich bin außerordentlich gerührt von der gro­ßen Aufmerksamkeit Euerer Majestät, mir Ihre Glückwünsche anläßlich der Erreichung meines sechzigjährigen Regierungsjahres an demselben Tage auszusprechen, an welchem Seine Majestät Kaiser Wilhelm, unser erhabener Bun- desgenosse und Freund, und die beut« schen Fürsten um mich versammelt sind. Indem ich Euerer Majestät herzlich danke, beglück­wünsche ich mich zu diesem neuen Zeichen der engen Bundesgenossenschaft und der innigen Freundschaft, die uns ver­bindet.

Wien, 7. Mai. Kaiser Wilhelm machte nachmittags einen dreiviertelstündigen Besuch beim Erzherzog Franz Ferdinand und Gemah­lin, der Fürstin Hohenburg, und nahm eine Einladung nach Konopischt an. Er kam daher erst zum Tee beim deutschen Botschafter, als die Kaiserin und die Bundesfürsten bereits fortge­fahren waren. Kaiser Franz Josef überreichte der Kaiserin Auguste Vittoria zur Erinnerung an den heutigen Tag ein von ihm bestelltes Aquarell, welches einen Blick von den Zimmern der Kaiserin in Schönbrunn auf die Gloriette darstellt. Bei der Serenade der Gesangvereine spielten sich skandalöse Prügelszenen seitens des Publikums ab, um Einlaß in den Schönbrunner Park zu erhalten.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 7. Mai 1908.

Am Bundesratstisch die Staatssekretäre von Bethmann-Hollweg, Dernburg und Sydow

Nach Erledigung von Petitionen wurde der Antrag auf Vertagung des Reichstages bis zum 20. Oktober ohne Debatte angenommen.

Darauf wurden mehrere Anträge auf Straf­verfolgung von Abgeordneten auch im Plenum wie schon in der Kommission genehmigt.

Die internationalen Abkommen über bas Verbot bei Nachtarbeit bet gewerblichen Arbei­terinnen unb bas Verbot bet Verwendung von weißem Phosphor bei Zündhölzern wurden in britter Beratung enbgiltig angenommen ebenso bie drei Abkommen, bie am 19. Juli 1905 rm Haag über bas internationale Privatrecht unter­zeichnet würben. , ,

Der Gesetzentwurf bett. Stempelabgaben von Erlaubniskarten für Kiaftfahrzeuge aus. limbischer Besitzer gelangte in butter Lesung zur «mbgiltigen Annahme.

Bei bet britten Lesung bet Munzgesetznovelle führte Staatssekretär Sydow aus, bie Mehrheit bet »erbünbeten Regietungen habe ein Be­dürf n i s zur Einführung des Dreimarkstückes nicht anerkannt. (Lebhafter Lärm.) Daß die große Mehrheit der Handelskammern und eine Reihe anderer Korporationen sich gegen tue Einführung des Dreimarkstückes ausgesprochen hätten, lasse erkennen, daß in werteren Kreisen des SSanbels bie Einführung nicht für notig ge­halten werde. Andererseits sei anzuerkennen, dast die Landwirtschaft und das Handwerk die Einführung wünschen, dies fei aber nur ein Heu n»r Teil. Eine wettete Vermehrung der Scheidu münzen fei um so mehr zu vermeiden, als durch ds 25 Pfennigstück ohnehin eine neue Scheide- Trüiue hinzukommt. Zudem würden die Be­strebungen, dem Fünfmarckftück eine handlia^re Form zu geben, erschwert werden. (Stürmischer Widerspruch und anhaltende Bewegung.)

Abg. Camp (Rpt.) erklärte sein lebhaftes Be. dauern Über den Beschluß des Bundesrates Den Berliner Bankiers möge das Dreimarkstück unbecuem sein, aber das sei nicht maßgebend. (Stürmischer Beifall und große Unruhe.)

Für den Taler traten ebenfalls Kirsi) Zent.) und Raab (Wirtsch. Vgg.) ein.

Abg Ablaß (frs. Vp.) beantragte Stteich- ung des Dreimarkstückes.

Adg. Ledebour (Soz.) sprach sich zu Gunsten des Antrages aus. m , .

Abg. v. Kanitz (kons.) erklärte, ferne Patter werde gegen den Antrag stimmen. Wenn die Vorlage daran scheitere, so hätten die verbünde­ten Regierungen bie Verantwortung.

Die namentliche Abstimmung übet den An- trag Ablaß vollzog sich unter tosendem Lärm. Dis Streichung bes Dreimarkstückes wurde mit 178 gegen 94 Stimmen abgelehnt. Das Ergeb­nis würbe von der Mehrheit mit bemonftratröem Jubel ausgenommen.

Hierauf würbe auch bie übrige Vorlage nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen.

Der Nachtrag zum Reichshaushaltsetat be­treffend Teuerungszulagen wurde in dritter Lesung ebne Debatte angenommen, ebenso der