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Ihr« Liebenswürdigkeit dauerte ja allerdings nicht lange, aber mich entzückte sie doch; den« icy glaubte mich auf dem besten Wege, ihre Gunst zu erringen. Aber als ich einige Tage später Besuch machte, da zeigte sie sich so kühl und un. nahbar, so wortkarg und verschlossen, daß mir der Mut völlig sank."

»Nur nicht so schnell verzagen," tröstete d» TanteEs wird schon kommen mit der Zeit. Die Hauptsache ist, datz Maja ihr Herz noch nicht an einen andern verschenkt hat. Da hast Du doch leichtes Spiel. Sie ist ja noch ein halbes Kind, und wenn Du die Sache nur geschickt an« packst dann mutz es gelingen, die Kleine zu er­obern. Wenn Du den Goldfisch aber erst ge­fangen hast, dann bist Du aller Sorgen ledig, dann bist Du geborgen und die Deinen mit Dir! Dann erlebt Dein alter Vater auch noch gute Tage, und das ist ihn» zu gönnen.« .

Leon lachte laut auf.

Du bist schlau, Tante! Du möchtest de« Alten gern Jos sein, was? Na, ich verdenke es Dir nicht im mindesten. Za, wenn wir nur schon so weit wären. Aber ich meine dazu mußte ich vor allen Dingen anders aussehen. Zn dem abgetragenen Anzug kann ich ja dem veMohnten Mädchen nicht gefallen, meinst Du nicht auch? Sie sieht mich manchmal so so geringschätzig an. Und der Alte will gar nicht herausrucken. Wie wärs wenn Du mir bte Mittel vorstreck- test, damit ich mich vorteilhafter kleiden kann? Ich denke Du riskierst nichts dabei, Tante. Zch werde Dir alles mit Zinsen zurückzahlen, wen»

ich dazu in der Lage bin.«

(Fortsetzung folgt.)

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Deutsches Reich.

»er Reichskanzler wieder in der Heimat. Berlin. 5. Mai. Der Reichskanzler Fürst Bülow mit Gemahlin ist, begleitet von dem Gesandten v. Flotow, hier eingetroffen.

Ordensverleihung. Stuttgart, 5. Mai. Der König hat dcm Statsminister und Mitglied des Kgl. preußischen Staatsrates, Dr. von Beth- mann-Hollweg, das Grohkreuz des Ordens der württembergischen Krone verliehen.

Geadelt. München, 5. Mai. Dem Justiz­minister v. Miltner und dem Kultusminister v. Wehner ist der erbliche Adelstand verliehe» worden.

Gestorben. Köslin, 5. Mai. Der Regie­rungspräsident von Köslin Graf v. Schwerin ist heute Morgen in Bad Soden im Taunus, wo er zu zweimonatigem Kurgebrauche weilte, im Alter von 55 Jahren gestorben. Der Verstor­bene war früher Polizeipräsident von Hannover und stammt aus Vorpommern.

«ertagung des Reichstages. Wenn kein besonderer Zwischenfall eintritt, wird Donners­tag, den 7. Mai der Reichstag vertagt werden. Am Mittwoch sollen noch Wahlprüfungen er­folgen und Donnerstag die verschiedenen rück«

Marburg

Donnerstag. 7. Mai 1908.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7oefpaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. in Druck und Verlag: Joh. Bug. Koch, Unioersitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. L. Hetzerath .Marburg, Markt 21. Telephon SS.

Kaiser Franz Josef.

(Zum 60jährigen Regierungsjubiläum.*)

Das deutsche Land erstreckt sich im Südosten «eit über die Grenzen des Deutschen Reiches. Auch Wien, bis zum Jahre 1806 der Sitz des Kaisers desHeiligen Römischen Reiches deut­scher Nation", ist eine deutsche Stadt und auf einem Durch den Hsrrschergeist Kaiser Karls des Großen gewonnene»;, durch die Heldenkraft der Babenberger und irr Habsburger behaupteten Boden werden der Deutsche Kaiser und deutsche Bundesfürsten dem greisen Herrscher von Oesterreich-Ungarn ihre Glückwünsche zu seinem bevorstehenden sechzigjährigen Regierungsjubi- iäum darbringen, «hm die Hand zur Erneuerung und Bekräftigung des Bündnisses entgegen­strecken, das seit nun bald dreißig Jahren an die Stelle des am 14. Juni 1866 zu Frankfurt a. M. zertrümmerten Deutschen Bundes getreten ist.

Seit Bismarcks staatsmännischer Genius die zwischen dem jungen, ruhmbeglänzten Deutsch­land und dem alten, ehrenreichen Oesterreich entstandene tiefe Kluft vorausschauenden Blickes langsam mit freundschaftlichen und ver­söhnenden Handlungen ausgefüllt, konnte das Donaureich aus den schweren Gegensätzen und Konflikten des Berliner Kongresses als einzige der sechs Erotzmächte einen ansehnlichen Land­gewinn auf europäischem Boden davontragen und für das verlorene Venetien Entschädigung in Bosnien und dec Herzegowina suchen, konnte am 7. Oktober 1879 diejenige feste Verbindung zwischen den beiden stammverwandten Völkern geschaffen werden, die, 1883 zum Dreibund er­weitert, Europa Oen Frieden, uns den unge­störten Besitz Elsatz-Lothringens gesichert, den Oesterreichern die Tür nach dem Balkan offen gehalten, den Italienern eine starke Rücken­deckung für alle ihre handelspolitischen Unter­nehmungen gegeben hat.

Kaiser Franz Zosef beherrscht heute eine kaum geringere Ländermasse, als er sie im Jahre 1848 übernommen, und die politische und militärische Unterstützung, die ihm der stets von widerstreitenden Interessen zerrissene Deutsche Bund nicht zu geben vermochte, hat er im Bünd­nis mit dem Deutschen Reiche gefunden. So wächst allmählich und unauffällig wieder zu­sammen, was auf »wig getrennt und zerspaltet erschien. Wenn Deutschland und Oesterreich- Ungarn sich auch nicht mehr zu einem Staats­körper zusammensch-ietzen können, ko bleiben sie doch Freunde, Brüder, die, vom Bewußtsein der Blutsverwandtschaft und der Zusammengehörig­keit erfüllt., gut nachbarlich nebeneinander Hau­sen, einander nie mehr in feindlicher Absicht und mit der Waffe in der Hand entgegentre­ten werden.

Als Kaiser Franz Josef am 2. Dezember 1848 an Stelle se-nes regierungsmüden Oheims Ferdinand I. das Steuer des leckgeschlagenen, auf stürmischen Wogen dahintreibenden Staatsschis- fes ergriff, da war der ganze Himmel über ihm in den blutroten Wetterschein der Revolution ge­taucht. Unmittelbar vorher waren unter furcht­baren Anstrengungen und schweren Opfern Wien

*) Bei der Feier am 7. Mai werden neben St. Majestät dem Deutschen Kaiser die meisten deutschen Bundesfürsten in Wien anwesend sein.

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOb erh e ssisch « /. .4/1« Zeitung« bei allen Postämtern und unfern Zeltungsstellen rn Äfo 107 Kirchh ain und Wetter sowie be» unserer Expedition - Markt 31.

_ Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

gen, ergriff zunächst der Abgeordnete Pachnick« (freis. Vgg.) das Wort, um einen Antrag be­treffend die Ausschaltung der Unteroffiziere aus der Zulagengewährung zu befürworten. General Sixt von Arni« erklärte den Antrag als un­erwartet und unerfreulich und ersuchte um An­nahme der Vorlage. Staatssekretär Sydow ant­wortete auf eine Frage Pachnickes, daß gegebe­nenfalls in kommenden Jahren in der Gewähr­ung von Ostmarkenzulagen nach denselben Grundsätzen verfahren werden solle. Als Gegner der Vorlage trat Abg. Eroeber (Zentr.) auf, ihm widersprach Staatssekretär Sydow.

Darauf wird in namentlicher Abstimmung der Nachtragsetat im einzelnen und das zuge­hörige Etatsgesetz angenommen.

Bei der zweiten Beratung des Gesetzent­wurfs bett, die Haftung des Tiethalters em­pfiehlt Gäbel (D. Refotmp.) einen Antrag, die Bienen zu den Haustieten zu rechnen.

Staatssekretär Rieberding erklärte: Die »er« bündeten Regierungen erkennen die volkswirt­schaftliche Bedeutung der Bienenzucht an und sind bereit, alles zu tun, was zu deren Förder­ung dient aber bei Annahme des Antrages be­stehe die Gefahr, daß ein Widerspruch in die Gesetzgebung komme; denn auch in anderen Be­stimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches sei von Bienen die Rede.

Der Antrag Gäbel wurde abgelehnt, ebenso die sozialdemokratischen Anträge. Die Vorlage wurde angenommen.

Es folgte die zweite Beratung des Gesetz­entwurfes zur Aenderung des Paragraphen 63 des Handelsgesetzbuches (Weiterbezug des Ge­halts der Handlungsgehilfen in Krankheit«- f SD^ne weitere Debatte wurde die Fassung der Komnrisfion angenommen.

Damit ist die Tagesordnung erschöpft.

Deutscher Reichstag.

Dampfer-Eubventio». Kolonialeisenbahnen.

Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 11 Uhr und teilte mit, daß der Abgeordnete Schwabach sein Mandat niedergelegt habe. (Hei­terkeit.)

Zunächst wurde das Berner internattonale Abkommen über das Verbot der Nachtarbeit der gewerblichen Arbeiterinnen sowie übet das Vet- ot bet Verwendung von weißem und gelbem Phosphor zur Anfertigung von Zündwaren in zweiter Beratung genehmigt, ebenso in brittet Lesung bie Vereinbarung mit bet Schweiz übet bie Verlegung bet Grenze bei Lepoldshöhe. Es folgte bie erste Beratung von btei am 17. Juli 1905 in Haag unterzeichneten Abkommen über bas internationale Privatrecht a) übet gewisse eherechtliche Bestimmungen, b) übet Entmün- bigungen, v) über Zivilptozeß.

In bet einlehenben Rebe sprach Staatssek­retär von Schoen bie Zuversicht aus, daß es ge­lingen werde, auch andere Rechtsmaterien, wie Erbrecht Konkursrecht, Wechselrecht u. a., inter­national zu regeln. Der Abgeordnete Giese (kons.) begrüßte die Abkommen mit ©enugtuung, et bedauerte nur, daß es nicht gelungen sei, alle Auslandsstaaten zum Beitritt zu bewegen. Das Zenttumsmitglied Kitsch pflichtete dem Vorredner bei und sprach ebenso wie die Abge­ordneten Zunck (natl.) und Dove (freis. Vp.) Hoffnungen auf Erweiterung dieser Abmachun­gen aus. Nach einigen Bemerkungen des Abg. von Ditcksen (Rp.i wurde das Abkommen ein- stimmig genehmigt. Es folgte die zweite Be­ratung der Vorlage betreffend Subventton für Postdampfer, deren Annahme von bet Budget­kommission empfohlen worden wat. Graf Ka. nitz (kons.) meinte, wenn eine Dampfetlinie einmal vorübergehend nicht rentabel sei, solle das Deutsche Reich sie gleich subventionieren. Neu-Guinea erforoere jetzt übet eine Million Reichszuschuß, dem Norddeutschen Lloyd habe das Deutsche Reich bisher übet 110 Millionen Mark Subvention gezahlt. Eine solche Kolonialpoli- ttk mit riesenhaften Ausgaben könne et nicht mitmachen. Er erklärte sich dagegen für einen Antrag Liebermann von Sonnenberg, der die Subvention von 500 000 Mark auf 230 000 Mark herabzusetzen vorschlug. Abg. Hotman« (steif. Vp.) sprach sich lebhaft für, Abg. Noske (Soz.) ebenso scharf gegen die Vorlage aus. Staatssek­retär Dernburg legte die Notwendigkeit bet Sub­vention vom kolonialpolitischen Gesichtspunkt bar. Nachbem bet Abg. Liebermann von Son­nenberg (Wirisch. Vgg.) seinen Antrag em­pfohlen, bet Zentrumsrebner Erzberger an seine Seite getreten war unb Molkenbuhr (Soz.) ver­künde hatte, daß seine Partei jede Bewilligung ablehnen werde, erfolgte die Ablehnung des Kommissionsvorschlages und die Annahme des Entwurfes mit der durch den Liebetmannschen Antrag vorgeschlagenen Einschränkung. Hier­auf wurde in die zweite Beratung bet kolonialen Nachtragsetats und Kreditvorlagen eingetreten. Die Debatte konnte balb geschlossen werden, da verschiedene Wortmeldungen zurückgezogen wurden. Die kolonialen Vorlagen wurden glatt angenommen. Bei der zweiten Lesung des Nach- tragsetats, betreffend die Ostmatkenzula.

und Prag unterworfen worden, dagegen standen Ungarn und bie Lombardei in Waffen gegen Krone und Reich. Durch Radetzkys Heldenmut und strategisches Geschick wurde Oberitalien wie- detgewonnen, das Eingreifen Rußlands bän­digte schließlich auch die Losreißungsgelüfte der Magyaren. Aber noch hatte der jungt, im Alter von achtzehn Jahren auf den Thron gelangte Herrschet den Kelch der Prüfungen und Leiden erst zum kleinsten Teil geleert. Bei Magenta und Solferino sank Oesterreichs italienisihe Machtstellung in den Staub. Dann erdröhnten die Kanonen von Königgrätz, bie weißunifor­mierten Truppen des Kaisers verließen die deutsche Erde und mußten auch das letzte, so hartnäckig behauptete Stück Italiens, Venedig mit seinerTetra fitma", dem Einheitsdrang der Römetenkel überlassen. Aber wie einst bet bei Pavia gefangene Franzosenkönig Franz I., konnte auch Kaiser Franz Josef seinen bitteren Schmerz butch bas stolze Wort lindern:Alles verloren, nur die Ehre nicht!" Der österreichische Waffentuhm war nicht, gleich Sieg und Kriegsbeute, in nichts zerronnen, und in der Nacht nationaler Trauer strahlten Ehrentage wie Trautenau, Eustozza, Lissa um so hellet, klangen Namen wie Eablenz, Erzherzog Al­brecht, John, Tegerthoff um so voller und schönet.

Es begannen nun bie Iahte wirtschaftlicher Treibhausblüte unb raschen Zusammenbruches, parlamentarischer Kämpfe unb Reibungen, na­tionaler Gegensätze unb ihrer oft versuchten, niemals aber völlig geglückten Versöhnung unb Ausebnung. Nicht einmal bet Ausgleich mit Ungarn hat zu banernbem Frieden zwischen den beiden Reichshälften geführt. Doch ist es dem festen, gesetzlichen Sinne des Kaisers unb Kö­nigs bet besonderen Staatskunst des west- leithanifchen Ministerpräsidenten Frhtn. von Beck zu danken, wenn Ungarn unter einem Mi­nisterium, dem Franz Kossuth, der Sohn des republikanisch geeinten Diktators, angehört, die Fortdauer des bisherigen staatsrechtlichen Ver­hältnisses durch dis Uebernahme neuer Lasten üt bie gemeinsamen Ausgaben erkaufte, nur um ich für eine Reihe ton Jahren noch ben Staats- redit Oesterreichs unb bie Vorteile des gemein- arnen Zoll- und Wirtschaftsgebietes zu sichern. Der Kaiser soll, als der jüngste Konflikt mit Ungarn begann, betrübt geäußert haben:Ich habe keine glückliche Hand!" Doch zeigte sich bald, wie glücklich, gesegnet und stark die Hand wat, welche die beiden auseinandetsttebenden Reichsbalften mit so sicherem und unerschütter­lichem Griff wieder zusammenzufügen wußte.

Ein tragisches Geschick raubte dem durch ein besonders warmes Gefühlsleben ausgezeichneten Herrschet die liebsten seiner Angehörigen durch jähe und blutige Katastrophen. Erzherzog Fer­dinand Max verblutete als Kaiser von Mexiko auf den: Richtplatze von Queretaro, Kronprinz Rudolf fand in Meyerling einen erschütternden Tod b'e schöne, verehrungswürdige Kaiserin Elisabeth fiel in Genf dem Wahnwitz eines anarchistischen Buben zum Opfer. Aber treu und unverdrossen fuhr der greife Herrscher fort, den Pflichten des »hm durch eine höhere Hand aufertegten verantwortungsvollen Amtes nach­zuleben vom Unglück getroffen, aber niemals gebeugt und gebrochen!

81 «Nachdruck verboten.)

Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth. (Fortsetzung.);

VIII.

Der Winter war gekommen mit Schnee unb Eis. Auf betn Laube fühlte man sich jetzt dop- pelt einsam. Kein Wunder, baß bie Bewohner des alten Herrenhauses verdrossen unb mürrisch hetumgingen. Seit Leon hier weilte, schien es beinahe, als sei bie Stimmung noch trüber ge­worden. Still unb einförmig flössen bie Tage dahin, ohne Abwechslung ober Zerstreuung. Leon saß mehr bei bet Tante, als oben bei bem Vater dessen Anblick er nicht ertragen konnte. So alt und verfallen hatte er sich ben einst so kräftigen Mann doch nicht vorgestellt. Was war in den zwölf Iahten seit Leons Abwesenheit aus ihm geworden! Wie ein Greis von siebzig Iahten sah et aus.

Die Heimkehr des Sohnes rüttelte ihn zwar etwas aus dem trüben Hinbrüten auf, aber das dauerte nicht lange. Am ersten unb zweiten Tage hatte er sich lebhaft interessiert für das, was Leon draußen erlebt, was er gearbeitet unb gelernt in der langen Zeit. Immer kehrte die Frage «Hebet:Hast Du auch nichts getan, Pas auf bie Ehre unseres Namens irgenb einen Schatten werfen könnte? Haft Du Dich rein gehalten von bem Schmutz, bem Laster?"

Unb babei sah et ben Sohn so durchdringend <ht, al« wollte er dessen geheimste Gedanken er­raten. Leon bunte de« forschenden Blick nicht

standhalten. Dennoch glaubte bet Batet seiner eifrigen Versicherung:

Aber gewiß, Papa, wie kannst Du glauben, baß ich bie Grundsätze, die Du mich von Jugend auf gelehrt hast, jemals außer acht ließ?"

Der Alte atmete dann sichtlich erleichtert auf. Aber er machte sich Sorge um den Heim- gekehrten, denn ost fragte er:Was willst Du denn eigentlich jetzt beginnen?

Leon zuckte sorglos die Achseln.

,D>as wird sich finden, Papa, warten wir es ab. Vorerst möchte ich mich ein wenig aus- ruhen."

Nach einigen Tagen verstummten die ängst­lichen Fragen des Vaters wieder.

Auch Sylvia hatte schon so manches von dem Bruder zu erfahren gesucht. Ob er in Berlin gewesen wäre, wollte sie wissen und noch so Ver­schiedenes. Sie wurde natürlich kürzet abgefet- tigt als der Batet. Was ging denn sie feine Vergangenheit an? Et liebte derartigeVer­höre" nicht. Daß Sylvia mit einer wahren Herzensangst in feinen Zügen forschte, bemerkte er nicht ohne Groll.

Was stehst Du mich denn immer so an? fragte er bann barsch.

Unb als sie einmal wissen wollte, wie er zu der Narbe auf seiner Stirn gekommen sei, lachte er gezwungen auf unb tief:Ich werde mich gestoßen haben! Wie soll ich bas heute noch wissen? Das kann Dir doch ganz gleichgilttg sein!

E» war aber etwas in dem Wesen des Bru­ders, bas ihr nicht gefiel. Er konnte mitunter so roh auflachen unb führte Rebensatten, bie beinahe abstoßend wirft«». Wenn er von dem

Vater sprach, so geschah dies meist in sehr te- spettwidtiget Weise. Nut wenn Maja babei war, nahm er sich zusammen. Dann versuchte er, einen anbeten Ton anzuschlagen.

Eben saß et am Fenster bes Parterrezim­mers. Seine Tante, grau v. Schmettwitz, ihm gegenüber mit einer fjanbarbeit beschäftigt.

Wie Ihr ba» so aushaltet, begreife ich nicht," äußerte er unmutig.Das i|r doch kein Leben was Ihr hier führt, man sieht ost tage­lang keinen Menschen, ich komme mir wie ein Gefangener vor!"

O, wir sind es so gewöhnt, da geht es ganz gut," äußerte die Dame ruhig.

Ich werde es aber nie gewöhnt", fuhr Leon ungestüm auf.

Geduld Geduld, mein Sohn," beschwich­tigte sie, die merkwürdigerweise seht gut mit ihm auskam.Denke an unseren Plan; ich meine, der wäre es wert, daß man einige Zeit auf dem Lande aushält."

Leon seufzte. ,Zch bin noch um keinen Schritt vorwärts gekommen, Tante!"

Vor einigen Tagen sagtest Du anders," lä­chelte Frau v. Schmettwitz.

Ja, da glaubte ich auch es ginge ganz gut. Die kleine Maja ließ sich herab, mit mir spa­zieren zu gehen. Als wir drüben am Waldrand, wo das kleine, einsame Häuschen steht, neben einander herschritten, ba war sie so liebenswür­dig und nett zu mir da lachte und plauderte sie in einem fort. Dabei blitfte sie mich mit den Schelmenaugen so neckisch an, daß mir ganz heiß dabei wurde. Ich hätte sie am liebsten gleich' auf der Stelle geküßt. Aber man muß bei ihr sehr vorsichtig sein, sie ist ein gar scheuer Bogel.