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i Nachdruck verboten.)
So unterließ
wwic wi||en oocy, oax tznn. — also jetzt — Later, wir können dan
Marburg
Dienstag, 5. Mai 1908.
Jeder von den Kästen ward zunächst al> Brust- und Kniestück
Aügemalt, dan» qab es Toaste mit Paradefrühstück ;
Mittags Toast und Prunkmahl, später Toast und Prunkbankett.
Und mit einem Toast bracht' man sie in« seidene Bett.
Feierte man die Scholaren wie die Herr'n der Welt.
Inzwischen wurden Hummern gesotten und Sekt kaltgestellt.
Magistratsfest, Botschaftsfete, Walzertraum und Hugenotten;
Inzwischen wurde Sekt kaltgestellt und Hummern gesotten.
Vive la rdpublique! in einem fort, e» lebe der Kaiser I
Endlich ging's nicht mehr, die dreißig waren heiser.
Jeder kriegt' noch 'nen Brillanten, daß er in Scheiben .
Dresiels seinen Namen zur Erinnerung sollt' schreiben.
Auf der Heimfahrt sagte einer: Tag« üppigen Strotzens
Waren'« ja, doch ungemütlich ist's bei Protzens!
Und der andere sprach: An ihrem Reichtum seh ich mit Vergnügen, Daß wir unsere fünf Milliarden doch vielleicht mal wiederkriegen!
Sprach der dritte: Sollt' der Kaiser einmal nach Paris gelangen.
So wie unsereiner in Berlin würd' er nicht empfangen!
Und der vierte meint: Man schenkt anständiger-
Studentisches.
Eigenartige Verhältnisse bestehen zur Zett an der Universität Lausanne. Am 15. April wies zum erstenmal die „Tägl. Rdsch." darauf h-n, daß an dieser Universität, die den Vorzug genießt, daß dort verbrachte Semester in Deutschland angerechnet werden, von gewisier Seite auf die jungen deutschen Studenten im Sinne der Verherrlichung russisch-revolutionärer Ideen eingewirkt werde. Diesem Treiben, als deren Urheber besonders der Profesior für tönt. Recht und Nachfolger des nach Münster berufenen Prof. Erman, Herzen, ein Enkel des russischen Revolutionärs Alex. Herzen, bezeichnet wurde, traten die Professoren Kulenbeck und van Vlen- ten entgegen. So entstanden Reibereien, in denen die deutschen Studerften z.T. für z.T. gegen Kulenbeck, der sein Deutschtum in den Vordergrund stellte, Partei nahmen. Von anderer Seite wird behauptet, daß es sich bei den Streitigkeiten, die auch zu feindseligen Kundgebungen führten, um nichts als kollegialische Neidsucht handele. Jedenfalls gibt der Vorfall Gelegenheit sich die z. T. skandalösen Zustände an der Lausanner Universität etwas näher zu betrachten und führt hoffentlich dazu, daß die deutschen Studenten dieser Mode, denn um etwas anderes handelt es sich bei dem Besuch der schweizerischen Universität nicht, möglichst wenig huldigen.
Anscheinend offiziös schreibt jetzt die „Köln. Ztg.", indem sie zunächst feststellt, daß Preußen kein Recht des Einspruchs für die Besetzung der Lausanner Lehrstühle für deutsches Recht habe: Wohl aber ist zu betonen, daß zurzeit, wie nicht nur der Verlauf des vorigen Semesters, sondern auch die wüsten Vorfälle beim Beginn des neuen Semesters ersehen lassen, die Disziplin aus der Universität Lausanne vollkommen gelockert erscheint. Im bisherigen Verlaufe des Streites zwischen den Studenten und Professoren haben sich überhaupt keine Behörden gefunden, die eine vernünftige, beruhigende Wirkung auf die streitenden Parteien auszuüben vermochten. Hinzu kommt, daß sich das revolutionäre russische Studententum augenblicklich auf der Lausanner Universität breit macht und, wie der Fall Schirro beweist, selbst vor den
„Herrgott, mit Ihrem ewigen gnädiger Herr - gnädiges Fräulein," rief Maja ungeduwig, wissen doch, daß Papa das nicht leiden
hätte niemand Freude gehabt.
ich es ganz."
„Sie versprachen sich wohl etwas ganz besonders Eroßattiges, als Sie fottgingen, was?"
„3a,“ nickte Reinau, „Ihre Mutter ist tot!" „Tot?" wiederholte Leon, als könne er nicht sogleich fassen,, was da ausgesprochen wurde. Er legte einen Augenblick die Hand an die Augen. Als aber Anton jetzt mit der Suppe erschien, hatte er sich schon wieder gefaßt und schielte interessiert nach der gefüllten Schüssel. Man nahm am Tische Platz und Leon ließ sich di« aufgetragenen Speisen und den Wern kräftig munden.
„Wie lange waren Sie denn nun fort von hier?" fragte Reinau im Laufe des Gespräches.
„So etwa zwölf Jahre."
„Und warum hat man in der ganzen Zett niemals etwas von Ihnen gehört ?"
Er zuckte die Achseln.
„Je nun, Gutes gab es nicht zu berichten und an all dem Schlimmen, das ich erlebte,
Die Budgetkommifsion des Reichstags beriet «n Sonnabend den Nachtragsetat für 1908, durch den zur Gewährung außerordentlicher einmaliger Beihilfen (Teuerungszulagen) an alle etatmäßigen unb diätarisch beschäftigten Unterbeamten sowie mittleren Beamten, deren Gehalt 4200 M nicht übersteigt, 23 565 000 M gefordert werden. Die Beihilfen sollen betragen je 100 <K für die Unterbeamten, je 15 0 Jl für die mittleren Beamten. El kommen 128 571 Unterbeamte und 82 834 mittlere Beamte in Betracht. Allein an die unteren und mittleren Beamten der Reichs-Post- und Telegraphen- Verwaltung sollen 20 198 986 M zur Auszahlung kommen. In der Beratung wiederholt Schatzsekretär Dr. Sydow noch einmal ,-i"e Erklärung aus dem Plenum, daß die Regierung nicht in der Lage sei, über den Rahmen der Vorlage hinaus zu gehen. Von konservativer Seite wird dies lebhaft bedauert und darauf hingewiesen, daß der Reichstag berechtigt sein müsse, zu allen Vorlagen des Bundesrats Abande-
„Allerdings," gab jener zu. „Vor allem muß ich die Verzeihung meines Vaters zu erlangen suchen. Und nimmt er den reuigen Sohn wieder an, so ist schon manches gewonnen. Ich werde ihm dann meine Pläne oorlegen. Es böte sich mir gerade günstige Gelegenheit, ein gutes Geschäft zu machen. Ich könnte ein schönes Vermögen erwerben und mir eine Zukunft aufbauen, so daß ich Zeit meines Lebens gesichert wäre. Aber natürlich ohne Geld läßt sich so etwas nicht anfangen — Geld ist eben überall die Hauptsache. Und da dachte ich,,--
„Da dachten Sie das nötige Kapital von Ihrem Vater erhalten zu können?" fiel ihm Reinau etwas scharf in die Rede.
»3«, ich hoffe, er zerstört mir durch fernen Starrsinn nicht meine ganze Zukunft."
„Da werden Sie allerdings eine große Enttäuschung erleben, Herr v. Schmettwitz."
„Sie meinen, der alte Herr wird nicht bei» ausrücken wollen?" lächelte der andere. „Unbesorgt, Herr Reinau. Mein Plan ist wohldurchdacht. Es läßt sich nichts dagegen einwenden. Und außerdem, mein mütterliches Erbteil muß er herauszahlen, wenn meine Mutter tot ist. Wenn er sich weigert, — nun, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als daß ich eben das Gericht in Anspruch nehme. Laßt er mir keine andere Wahl, so muß er selbst di« Folgen tragen. Doch das wäre allerdings der äußerste Fall. Ich hoff«, mein Vater läßt es nicht so weit kommen."
„Wenn Ihr «ater aber nichts herauszahle» kann, was dann, Herr v. Schmettwitz?"
Der redliche Reinau war im Innerste« pött Über biß Pläne und Ansichten diese» «U* *<* '(Fortsetzung folger '
Die Freundinnen.
Originalroman von Irene v. Hellmuth.
(Fortsetzung.)
Leon war wie geblendet. Er rechnete sich im stillen aus, was diese Einrichtung wohl kosten mochte. Wie unendlich reich mußte der Mann s. in, der sich so etwas leisten konnte!
Maja hatte mit ihrem Begleiter schon ver- 'chiedene Gemächer durchschritten und öffnete fetzt die Tür zum Speisezimmer. Der Tisch stand bereits reich gedeckt und das junge Machen wandte sich an einen Diener, der eben be- ichüftigr war, ein paar Vasen mit Blumen zu füllen. Sie gab ihm die Weisung: „Legen Sie noch ein Gedeck auf, Anton, wir haben heute einen Gast zu Mittag."
Anton musterte den seltsamen „East", der B.nter dem Fräulein ins Zimmer trat, mit krt- Lschem Blick. Er schien ein wenig verwundett -oer das Aussehen desselben, denn er schüttelte üit einer allerdings kaum merklichen Bewegung t«n Kopf, beeilte sich aber zu antworten: „Sehr Hohl, gnädiges Fräulein!"
Maja warf Hut und Handschuhe auf den nächsten Stuhl und fragte: „Ist mein Vater Üoch nicht da?"
„Der gnädige Herr kam bereits vor einer Viertelstunde und hat schon mehrere Male nach dem gnädigen Fräulein gefragt!"
frechsten Gewalttaten nicht zurückschreckt. (Bei einem Industriellen Schirro erschienen vor einiger Zeit russische Studenten und Studentinnen und verlangten mit vorgehaltenem Revolver 4000 Rubel zu gunsten der russischen Bewegung. Schirro gab soviel er hatte, machte aber keine Anzeige sondern reiste ab nach Paris. Durch den Hauswirt Schirros erfuhr die Polizei von der Sache. Es gelang ihr, die Verbrecher in Haft zu nehmen; in nächster Zeit wird ihnen der Prozeß gemacht. Die Verhafteten sollen Freunde Herzens sein, was dieser allerdings bestreitet; 18 Mitschuldige sind inzwischen ausgewiesen worden, während sieben wegen Erpressung und Paßfälschung vor den Richter kommen.) Wenn, wie es nunmehr den Anschein hat, aus der Universität sowohl vom Standpunkte der Disziplin, wie der Gesellschaft unhaltbare Zustände eingetreten sind, so ist es die Pflicht der zuständigen deutschen Behörden, die deutschen Studenten an der Aufsuchung der Lausanner Universität möglichst zu hindern. Das ist sehr richtig und kommt hoffentlich bald zur Ausführung. Die Regierung braucht bloß dahin zu wirken, daß die Semester nicht mehr angerechnet werden.
Ein heitereres Bild gewährt die in voriger Woche abgeschlossene Studienfahrt von etwa 30 französischen Studenten nach Deutschland. Ueberall festliche Empfänge, Ealaopern, besondere Vorträge, Verbrüderungen großen Stiles. Man kann es nur begrüßen, wenn freundschaftliche Fäden hinüber und herüber gesponnen werden und man wird von uns Deutschen unbedingt erwarten können, daß wir das Gastrecht ehren, die Form des Empfanges der 30 jungen Studenten dürfte aber doch das gewöhnliche Maß überstiegen haben. Man wird ja nun abwarten müssen, wie der Empfang des geplanten Gegenbesuches ausfallen wird. Etwas mehr Zurückhaltung würde aber sicher den gefeierten Studenten und ihrem Vaterlands mehr imponiert haben. Wir haben es ja nur zu oft erlebt, daß unser etwas stark einseitiges Liebeswerben bei andern Völkern nur von diesen als Schwäche ausgelegt wird und in ihnen falsche Vorstellungen von uns weckt. Die Kunst höflich und zugleich zurückhaltend zu sein, wie es Angehörigen einer Nation gegenüber geziemt, die trotz allem die Wunde, die wir ihr geschlagen, nicht vergessen kann, ist hier zweifellos nicht geübt worden.
Nicht uneben persifliert Ealtban im „Tag" diese ganze Festerei, wenn et schreibt:
Als die Herren Studiosibus die Grenze übertraten,
Wurden alle Weinvorräte aufgetauft und alle Ochsen gebraten.
Ei, das war von früh bis abends ein Schmausen und Geprüfte!
Wirkliche Geheime Räte hielten die Ver- brüdrungstoaste.
«nd'd-n Vriltgro:H-rarisch-r „z-m»wirtsch.Mch. s-u-g-« --d K-m-t»g-bl»tf
. . , ■ rasch, rufen Sie meinen
Later, wir können dann essen!"
„Ja, sogleich!"
Der Diener verschwand geräuschlos unb nach wenigen Minuten erschien Reinau unter der Türe, blieb aber überrascht stehen, als er den Freu den gewahrte, der sich bescheiden im Hintergründe hielt.
,Ita — Mädel, wen hast Du denn da mitgebracht?"
Das klang nicht eben sehr freundlich.
„Sieh ihn Dir nur einmal genau an, Papa, vielleicht errätst Du es,“ lächelte das Mädchen.
Reinau schüttelte den Kopf und betrachtete seinen East mit ziemlich mißtrauischen Blicken. Der junge Mann schien sehr verlegen.
„Verzeihen Sie, daß ich es wagte, zu stören," sagte er, „Ihr Fräulein Tochter war so gütig, mich tzinzuladen. Ich hoffe, Sie halten mich nicht für unbescheiden."
Er wandte dabei den Kopf ein wenig zur Seite, und dabei trat die Ähnlichkeit mit Sylvia deutlich hervor. Das fiel auch Reinau auf.
„Ah," machte er überrascht, „jetzt weiß ich es, — Sie sind, — Sie —"
' „Leon v. Schmettwitz," vollendete Maja, als der Vater stockte.
„Na, seht mal an," lachte dieser, „richtig, Leon, der Ausreißer! Also wieder glücklich gelandet in der allen Heimat! Das wird eine Ueberraschung geben! Wissen Sie schon, daß Ihr Vater jetzt in Neunlinden wohnt? Ja? Sie werden viel gut zu macken haben an dem alten Mann, er litt schwer unter Ihrer Flucht. Es ist seitdem so manches Über ihn hereingebrochen, was er wohl nie mehr ganz verwindet. Das Schicksal hat ihm Übel mitgespiett. Seit seine Frau ihm genommen wurde--“
„Meine Mutter?" fragte Leo«, hastig auffahrend.
Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhessische Futuna" bei allen Postämtern und unjetn Rettungsstellen m Vo 105 öirchbaknund Wetter sowie bei unserer Expedition - Markt 21
-«Vi» _ mer Be-uasoreis betragt durch die Post 2,2o Mk. (ebne
Bestellgeld), bei unsern Zeitungsstellen und der Expeditton 2 Mk.
„Ja, das tat ich! Leider hat sich keine meiner Hoffnungen erfüllt."
„Sie haben nichts erreicht da draußen?"
Leon schüttelte den Kopf.
„Nein — nichts. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf; es muß sich zwingen lassen — das Glück. Ich werde eben Geduld haben — und warten."
Er schielt« dabei auf Maja, die sich schweigend verhielt und ihn kaum ansah.
„Und jetzt" — nahm Reinau wieder das Wort — .strerzeihen Sie die Frag« — welche Pläne Haven Sie für die Zukunft? Was führt« Sie gerade jetzt in die Heimat zurück? Habe« ßN bestimmt« Absichten?"
Deutscher Reichstag.
Nach Erledigung mehrerer Rechnungssachen setzte am Sonabend der Reichstag zunächst die zweite Lesung über den Versicherungsvertrag-Gesetzentwurf (Schlußvorschriften) fort. Gegen den sozialdemokratischen Antrag auf Beseitigung der Wohlfahrtseinrichtungen der großindustriellen Werke erklären sich alle bürgerlichen Parteien. Abg. Dove (frf. Vag.) hält eine gesetzliche Regelung der PensionSkassensrage für notwendig, will aber die private Wohltätigkeit, in deren Dienst sich das deutsche Unternehmertum in sehr weitgehendem Maße gestellt hat, keineswegs ganz ausgeschaltet wissen. Ihm pflichtet Abg. Cuno (frs. Vp.) bei, indem er feftftdlt, daß die Sozialdemokraten die zweifellos vorhandenen guten Seiten solcher Pension s- und Wohlfahrtseinrichtungen absichtlich nicht sehen und nicht anerkennen wollen. Er betont ferner, daß nur sehr wenige Menschen von sich sagen können, sie befänden sich nicht in einer abhängigen Stellung. In gewissem Sinne abhängig ist schließlich jeder. Trotz dieser vollinhaltlich zutreffenden Ausführungen treten die sozialdemokratischen Redner, drei an der Zahl, „unentwegt" für ihren Antrag ein, dabei von der vorgefaßten Meinung ausgehend, daß die Millionen, mit denen jene Kassen arbeiten, „zurückbehaltene Arbeitslöhne" seien. Darauf wird der Gesetzentwurf mit den ihn begleitenden Vorlagen und die Resolution
Die JnsertionSgebühr Beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — «n cy
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unwersttätsbuchdruckerei
Inhaber Tr. S. Hitzeroth »Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Bestellungen
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„Oberh «ssische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanitaiten und Landbriesträgern ent- gegengenommcr..
der Kommission angenommen; der Antrag Albrecht wird mit großer Mehrheit abgelehnt.
Der nun folgende Gesetzentwurf betreffend di« Erleichterung des Wechselprotestes wird nach unerheblicher Debatte unverändert nach den Beschlüssen der Kommission angenommen.
Nachdem darauf der Gesetzentwurf betreffend Aenderung des 8 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches (Haftung des Tierhalters) auf Antrag des Berichterstatters von der Tagesordnung abgesetzt ist, folgt die dritte Beratung der Novelle zum Unterstützungswohn« sttzgesetz, die gleichfalls nur ganz kurze Zeit in Anspruch nimmt und mit der endgültigen Verabschiedung oer Novelle endet.
Letzter Gegenstand der Tagesordnung ist bi« ®<* Werbeordnungsnovelle (Befähigungsnachweis). Di« Kommission hat zahlreiche Aenderungen im Sinne einer schärferen Fassung der Bestimmungen für bie Ausbildung unb Die Lehrzeit von Lehrlingen vorgenommen. Im besonderen hat sie dem § 1266 Abs. 3 folgende Fassung gegeben: Aus Lehrlinge in staatlich anerkannten Lehrwerkstätten finden dieBesttmmungen über Lehrlingshaltung keine Anwendung. Das Gleiche gilt für Lehrverhältniffe zwischen Eltern unb Kindern mit der Maßgabe, daß das Bestehen eines Lehrverhältnisses durch eine schriftliche Willenserklärung der Eltern zu erweisen ist, die den Tag des Btt ginns und die Dauer der Lehrzeit enthalten muß unb bei der Ortspolizeibehörde zu hinterlegen ist. Der 8 129 soll folgende Fassung erhalten: In Handwerksbetrieben steht die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen nur denjenigen Personen zu, welche das biet« undzwanzigste Lebensjahr vollendet und eine Meisterprüfung bestanden haben. Haben solche Personen die Meisterprüfung nicht für dasjenige Gewerbe oder denjenigen Zweig des Gewerbes bestanden, in welchem die Anleitung der Lehrlinge erfolgen soll, so haben sie die Befugnis dann, wenn sie in diesem Gewerbe oder Gewerbszweige entweder bie Lehrzeit (§ 180e) zurückgelegt unb die Gesellenprüfung bestanden haben, oder fünf Jahre hindurch persönlich das Handwerk selbständig ausgeübt haben oder während einer gleich langen Zeit als Werkmeister ober in ähnlicher Stellung tätig gewesen find.
Die anfänglich ruhig und fachlich geführte Debatte läuft schließlich auf ein hitziges Wortgefecht zwischen den Abg. Ri-seberg (wirtsch. Vgg.), Irl (Ztr.) und Lehmann-Wiesbaden (Soz.) hinaus. Gegenstand des Streites ist wieder einmal die Ausbeutung der Lehrlinge. Es stellt sich heraus, daß eine schlimmere Ausbeutung als in gewissen sozialdemokratischen Betrie- ben kaum betrieben werden kann. Das Gesetz, daS am 1. Oktober d. I. in Kraft treten soll, wird unverändert nach den Kommifsionsbeschlüffen angenommen. Nächste Sitzung: Montag 12 Uhr. Ostmarkenzulage, Maß- und Gewichtsordnung, Teuerungszulagen, Petitionen.
Uns Elsaß-Loihringen bet der nächsten Studien, reif«
h.