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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

»e« K-ilag---^rit.rarisch« A^-ig-r«.z-udmirtschastlich- KrUa-e" n°d Sanut-g-blatt«.

Wahlaufruf.

Die konservative Partei veröffentlicht fol­genden Wahlaufruf:

Die Abgeordnetenwahlen stehen vor der Tür! Es gilt für unsere Parteigenossen, alle Kraft zusammenzunehmen, damit die Partei in alter Zahl und Macht in das Abgeordnetenhaus wieder einzieht.

Wir haben Gegner ringsum; auf unserer eigenen Wahlarbeit beruht allein der Erfolg!

Unsere Gegner wollen unser bewährte» Wahlrecht beseitigen und durch eine anderweit« Einteilung der Wahlkreise das politische Ge­wicht des platten Landes und der Kleinstädte verringern und zugleich auch den letzten Ein- flutz, den der Mittelstand heute in der Volks­vertretung noch besitzt, schmälern und im Inter­esse der Großstädte beseitigen.

Wir stehen gegenüber allen Angriffen fest auf den christlichen und religiösen Grurtdlagen unseres Volkslebens und insbesondere auch in unserer Volksschule.

Auch wir Konservative wollen einen Fort­schritt auf allen Gebieten unsere» Wirtschafts, lebens und unserer Kultur, aber wir wollen nicht das Alte, Bewährte ohne zwingenden Grund umstürzen in dieser unruhigen Zeit, son­dern wir wollen erhalten, was der Erhaltung wert ist und wollen darum unter voller Wahr­ung der verfassungsmäßigen Rechte des Volkes eintreten

für die Erhaltung der immer mehr schwindenden Autorität in Haus, Wirt­schaft, Gewerbe, Regierung und Staat.

Ohne die berechtigten Interessen der In­dustrie aus dem Auge zu verlieren, wollen wir vor allem der Landwirtschaft, dem Handwerk und dem Kleingewerbe treu in ihren Wünschen zur Seite stehen.

Wir wollen uns unseres tüchtigen Beamten-, Geistlichen und Lehrerstandes in seinen Vesol- dungsintereffen tatkräftig annehmen und, unter Schonung der ohnedies aufs äußerste ange­spannten Leistungsfähigkeit der Steuerzahler und der Gemeinden, aus Staatsmitteln dazu das Nötige bewilligen. Ueberhaupt wollen wir die Jnteresien jedes redlichen Arbeiters, auch des nur auf seiner Hände Arbeit Angewiesenen, sorgsam wahrnehmen.

Wir wollen eine solide und sparsame Finanz­wirtschaft aus allen Gebieten, überhaupt dem Staate und der Staatsgewalt geben, was das

Deutsches Reich.

Der Kaiser in Korfu. Achilleion, 28. April. Die Kaiserin gab gestern nachmittag eine Teegesellschaft. Diese wurde aber nicht, wie beabsichtigt war, auf derHohmzollern" abge­halten, da das Schiff wegen des hohen See­ganges nicht zu erreichen war, sondern in dem Königlichen Palais in Korfu. Der Kaiser hörte ^gestern nachmittag die Vorträge des Chefs des Militärkabiyetts Grafen Hülsen-Häseler und des Geh. Regierungsrates v. Berg aus dem Zivilkabinette. Zu dem gestrigen Diner im königlichen Palais waren auch der österreichisch­ungarische Admiral und die Kommandanten ge­laden. Im Verlaufe des Mahles brachte König Georg das Wohl des Kaiserpaares aus. Die Musik spielte die deutsche Hymne. Der Kaiser erhob hierauf sein Glas und trank auf die Ee- Königspaares, worauf die Musik die griechische Königspaares, worauf die Musik die grieäische Hymne spielte. Nach dem Diner hielten der Kaiser und der König Cercle ab. Der Kaiser nahm vormittags in Begleitung des Kunst­gärtners Sprenger eine nochmalige Besichtigung des Schloßgartens vor. Es sollen noch einige Bäume beseitigt werden, um für das Wachstum der übrigen Licht und Luft zu schaffen und einige Durchblicke nach dem Meere herzustellen. Später hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Marinekabinetts Vizeadmiral von Müller. Zur Mittagstafel waren der griechische Schiffs­kommandant Kapitän zur See Schauris, Konsul Spengelin und desien beide Söhne geladen. Der Kaiser verlieh den österreichischen Marineoffi­zieren mehrere Auszeichnungen. Auch den grie­chischen Offizieren und Beamten wurden zahl­reiche Auszeichnungen verliehen. König Georg von Griechenland verlieh mehrere Auszeichnun­gen an die Herren des deutschen Gefolges, darunter das Eroßkreuz des Erlöserordens dem Gesandten Dr. Frhrn. v. Jenisch, dem Chef des Marinekabinetts Vizeadmiral von Müller, dem Kammerherrn der Kaiserin Vizeoberzeremonien­meister v. d. Knesebeck. Das Kaiserpaar und seine Umgebungen machten heute nachmittag einen Ausflug in Automobilen nach Lakones oberhalb der Palais Kastrizza und nahmen da­selbst den Tee. Zur Abendtafel im Achilleion waren die Kronprinzesiin von Griechenland, der österreichisch-ungarische Admiral und die drei Schiffskommandanten geladen.

Der Kaiser wird, wie dieTgl. Rundsch." hört, im Achilleion an Stelle des Heine-Denk­mals einen dem Andenken der Kaiserin Elisa­beth geweihten Erinnerungstempel durch den Berliner Profesior Ernst Herter erbauen lasten. Auf der zweiten Terrasse, dem Meere zugewen­det, soll sich ein eherner Achilles erheben, den Prof. Götz bilden wird. Sonnabend abend wird die kaiserliche Familie das Achilleion verlasten und nach derHohenzollern" übersiedeln; deren Abfahrt erfolgt in der Nacht auf den 3. Mai

besonder» teuer bekannten Städte Frankfurt tt M., Wiesbaden und Mannheim um 2 Pfennig mit dem 1. April 1909 erhöhen sollten. Sie haben indesten, um die Einstimmigkeit de» Schiedsspruchs zu wahren und seine Annahme nicht zu gefährden, beschlosten, von let ausdrück­lichen Vorschrift dieser Erhöhung abzusehen und ich darauf zu beschränken, sie dem betreffenden Arbeitgeberverbande nachdrücklich zur freiwilli­gen Durchführung zu empfehlen.

Bestellungen

für di« Monate Mai und Juni auf die

.Oberhessische Zeitung« nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition j(Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstatten und Landbriesträgern ent­gegengenommen.

oder bei ungünstigem Wetter erst am 3. Mai. Die kaiserliche Familie wird mit derHohen- zollern", deren Mittelmeerfahrt am 6. Mai in Pola endet, voraussichtlich von Korfu aus die jonische Insel Santa Maura, früher Ceutas, die nach Forschungen Dörpselds das eigentliche Ithaka und Heimatland des Odysteus ist, auf­suchen und vielleicht auch Olympia besuchen. Der Kronprinz von Griechenland und Profestor Dörpfeld werden auch auf der Insel eintreffen. In Pola wird der Kaiser einen Tag zubringen und alle Bauten besichtigen, die für die öster­reichisch-ungarische Kriegsflotte seit seinem letz­ten Besuch, also seit 10 Jahren, ausgeführt wor­den sind. Das österreichische Geschwader mit der Lacroma" an der Spitze wird vor Pola liegen. Die Fahrt nach Wien wird der Kaiser voraus­sichtlich schon von Pola aus in der Eisenbahn zurücklegen.

Vom Bundesrat. In der heutigen Ple­narsitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf des Gesetzes zur Ergänzung der Gesetze betref­fend die Postdampfschiffahrtsverbindungen, die Zustimmung erteilt.

Matrikularbeiträge. Dem Reichstage ist die Berechnung der nach dem Reichshaushalts­etat für 1908 aufzubringenden Matrikularbei­träge zugegangen. Danach sind von den deut­schen Einzelstaaten im ganzen über 318 Milli­onen Mark Matrikularbeiträge aufzubringen, das sind fast 27 500 000 Mark mehr als nach dem Etat für 1907.

Harden. München, 28. April. DenM. N. N." zufolge legte nunmehr auch Harden ge­gen das Urteil in seinem Prozeß wider die Neue Freie Volkszeitung" Berufung ein. Herr Harden versteht sein Geschäft. Jetzt schlägt man sich in München um eine alberne Verleumdung, in Wirklichkeit meint man einen Dritten, den Fürsten Eulenburg. Das Reichsgericht hat den Termin über die von Harden gegen das Urteil der Strafkammer eingelegte Revision für den 22. Mai festgesetzt. Die Revifionsver- handlung findet vor dem zweiten Strafsenat statt.

Zu den Lohnstreitigkeiten im Baugewerbe. Berlin, 28. April. Das von den Bevoll- niächtigten und sämtlichen Beteiligten einstim­mig erwählte Schiedsgericht für die Lohnstreitig­keiten im Baugewerbe fällte heute einen Schieds­spruch dahin, daß in keinem Lohngebiete irgend eine Verschlechterung der Lohnbedingungen ein- trrten dürfe und daß ferner in Lohngebreten, wo nach dem 1. April 1906 keinerlei Lohnerhöh­ungen vorgenommen und auch nicht zum 1. April 1909 vorgesehen find mit dem 1. April 1909 der Stundenlohn um 1 Pfennig zu erhöhen sei. Für jeden Bezirk soll ein Schiedsgericht eingesetzt werden, das die außer der Lohnfrage bestehenden Streitigkeiten bis zum 16. Mai d. I. endgültig entscheiden soll. In der Begründung des Schiedsspruches wird namentlich darauf hinge­wiesen, daß die Unparteiischen lange im Zweifel waren, ob sie die im Verhältnis zu anderen Städten auffallend niedrigen Löhne für sie als

Aus dem Reichstage.

Die Wiederaufnahme der Reichstagssitzungen nach den Osterferien fand bei schwach besetztem Hause statt. Da die Tagesordnung der 144. Sitzung nur Petitionen aufwies, waren die Bundesratsplätze fast ganz teer geblieben, und auch der Besuch der Zuhörertribünen war ein schwacher. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde das Andenken des während der Ferien verstorbenen Abgeordneten Zindler, Mitgliedes der deutschkons. Fraktion, in üblicher Weise ge­ehrt. Nach dem Vorschläge des Präsidenten Gra­fen zu Stolberg wurden die Petitionen in zwei Gruppen geschieden, in solche, zu denen keine Wortmeldung vorlag diese wurden zuerst hintereinander glatt erledigt und in solche, zu denen sich Redner gemeldet hatten, über die sodann die Debatte eröffnet wurde. Mehrers Pe­titionen, worin verlangt wird, daß die Jn- tereffenten im Streitverfahren das Recht haben sollen, in Geschäftsbücher Einsicht zu nehmen, wurden nach einigen Worten des Sozialdemo­kraten Lehmann-Wiesbaden dem Reichskanzler als Material überwiesen. Eine Petition wegen Ausdehnung der Arbeiterversicherung auf das Bühnenpersonal wurde, nachdem sie Abg. Pfeif­fer (Ztr.) mit dringlichen Worten empfohlen und die Sozialdemokraten BrLhne und Hilden- brand ihm zugestimmt hatten, zur Erwägung Überwiesen. Eine Petition betr. Abänderungen des elsaß-lothringischen Berggesetzes veranlaßte eine mit großer Unruhe aufgenommene Debatte, an der sich Abgg. Giesberts (Ztr.), Emmel (Soz.) und in deren Widerlegung der elsaß-loth­ringische Bundesratsvertreter Halley, ferner die Abgg. Behrens (christl.-soz.), Erzberger (Ztr.), Sachse (Soz.) beteiligten. Die Aussprache er­öffnete in keiner Weise neue Gesichtspunkte, son­dern spitzte sich schließlich zu gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen oder zu persönlichen Zän­kereien zwischen den Vertretern der verschiede­nen Arbeiterorganisationen zu. Man hatte wieder einmal Gelegenheit, die Beobachtung zu machen, in welch hohem Maße die Führung der parlamentarischen Geschäfte durch jene Sonder­politiker beeinträchtigt wird. Die ganz über­flüssige Bergarbeiterdebatte bei der elsaß-loth­ringischen Petition hat verschuldet, daß eine ganze Reihe anderer Petitionen in dieser Session unerledigt blieben.

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M 101 Doim-rst-g. 30. April 1908.« JüÄ'ÄSS

Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Cxpedition^Mk._______________

27 !Nachdruck verboten.!

Die Freundinnen.

Originalroman vcn Irene v. Hellmuth.

l Fortsetzung.)

Ach, gnädiger Herr," wagte Kathrine ein» »uwenden,ich brauche meinen Lohn ja nicht, rch orauche ja wirklich gar kein Geld!"

Und da geben Sie es mir? Als Almosen? O mein Gott, das ist zu viel zu viel!"

Es klang wie ein Stöhnen aus totwunder Brust. Mit lautern Poltern wurden drinnen Stühle gerückt, und deutlich klang der wuchtige Schritt des Aufgeregten bis heraus zu dem er­schrockenen Mädchen.

Maja stand regungslos auf ihrem Platze. Sie sann und grübelte darüber nach, ob sich nicht ein Mittel finden ließe, um hier helfend einzu­greifen. Wie gern hätte sie von ihrem Ueber- fluß etwas abgegeben! Aber sie durfte ja nicht wagen, derlei auch nur anzudeuten.

Aus diesen Gedanken riß sie plötzlich Lilly- feines Stimmchen:Papa, wenn nur Tante Maja tarne, wollen wir ihr entgegen gehen? Ich möchte zu ihr!"

Ach laß mich endlich mit Deiner Tante Maja zufrieden," tönte es laut wie im höchsten Unwillen und Zorn zurück.Immer und im­mer wieder dieser Name! Ich wollte, ich hätte ttn nie gehört! Mein Gott, wann wird diese Guat aufhören! Ich will Deine Tante nicht mehr sehen hörst Du nie mehr!"

Haft Du denn Tante Maja gar nicht mehr lieb, PoP«?"

. -Steüi nein! Du sollst jetzt aushören» sollst mich In Ruhe taffen^ schrie der Erregte,

Lieb _ ha, ha, lieb! Was so ein Kinder­mund nicht alles zusammenschwätzt!"

Ein grimmiges Auflachen folgte diesen Wor­ten dann das bitterliche Weinen des Kindes.

Maja war sehr blaß geworden. Sie gitterte heftig und lehnte sich an das hölzerne Treppen­geländer. Plötzlich wurde heftig die Tür auf- aeriss-' und Herr v. Brandt stürmte heraus. Sein Gesicht schien völlig verändert, ein Aus­druck von verhaltener Qual lag darauf. Maja butte sich unwillkürlich hinter einen Mauervor­sprung um nicht gesehen zu werden doch das war unnötig. Der stattliche Mann bedeckte aus- stöhnend die Augen mit der Hand. Crne Wette i erharrte er in dieser Stellung, dann stürmte er hinaus ins Freie. Maja wartete, bis die Schritte verhallt waren, dann huschte sie rasch bar' t. Sie war augenblicklich nicht tn der Stimmung, mit dem Kinde zu scherzen. Das Herz tat ihr weh und um dm kleinen Mund zuckte es wie von verhaltenen Tränen. Als Sylvia die Freundin in dieser Verfassung traf, rief sie erschrocken:Um Gott, Maja, was ist Dir? Du bist blaß und zitterst, ist Dir nicht wohl?«

Was fällt Dir ein? war die rasche Ent­gegnung,mir fehlt nichts, Du träumst, meine Liebe!"

Doch Sylvia ließ sich nicht täuschen. Sie fühlte es daß der Freundin etwas besonderes zugestoßen sein mußte, wenn sie es auch nicht eingestehen wollte. _ , _ , w

Maja drängte bald zum Aufbruch. Doch da Walter seiner geliebtm Sylvia immer noch sehr viel zu sagen hatte, lehnte er da» Anerbieten, in dem Wagen Platz zu nehmen, mit der Be­gründung ab daß er lieber zu Kutz gehe.

So fuhr Maja allein nach Hause. Sie emp­fand es als Erleichterung, daß sie ihren Gedan­ken ungestört nachhängen durfte.

VIL

Am folgenden Tage ging es wie eine frohe Botschaft von Mund zu Mund, daß Walter wie­der auftrete.

Walter singt wieder, wisien Sie es schon?" fragte der Intendant mit vergnüglichem Lä­cheln dm Regisseur. Ich hörte es soeben," gab dieser zurück.

Möchte nur wissen, was ihm eigentlich ge­fehlt hat, denn es wurde mir berichtet, daß er durchaus nicht heiser war."

Der andere zuckte vielsagend ie Achseln.

Künsilerlaunen! Er kann sich so etwas er­lauben! Einer seiner Launen verdanken wir ja überhaupt sein Hiersein. Wie ich aus sicherer Quelle weiß, hat sich der berühmte Sänger fast mit Gewalt von dem Kontrakt befreit, der ihn schon für diese Saison an das Hoftheater.... verpflichtete."

Was Sie sagen! Das ist mir neu! Aber weshalb wurde gerade uns das Glück zu teil, ihn herzubekommen? Ich begreife das nicht. Was mag da bestimmend eingewirkt haben? Wir konnten ihm doch nicht die Gage bezahlen wie ein Hostheatec, das immer auf bedeutenden Zuschuß rechnen kann."

Das läßt sich natürlich schwer sagen. Aber sehen Sie nut, die Leute drängen sich bereit» an der Kasse um die Karten. Da» gibt hmte ein volle» Haus.«

In der Tat entstand am (Eingang am Stielt» schauer ein bedenkliches Hin- und Herschieben. Im Publikum war es ebenfalls bekannt gewor­

den daß der so rasch berühmt gewordene Walter singen würde und man eilte sich einen Platz zu sichern. Am Abend war das Theater voll­ständig ausverkauft.

Man gab WagnersSiegfried". Das ge­waltige Werk war längst auf das Sorgfältigste vorbereitet und schon vor WaltersErkrankung« zur Aufführung angekündigt gewesen. Zum großen Leidwesen aller Theaterfreunde hatte die Vorstellung einen langen Aufschub erleiden muffen. Kein Wunder, daß jel.t der weite Rau dicht gefüllt war. Die Gestalt des Sän­gers paßte so recht für den Helden, der dem Dichterkomponisten vorgeschwebt haben mochte. Die kraftvolle hochgewachsene Erscheinung nahm schon, fi bald sie sich auf der Bühne zeigte, das Auge des Zuschauers gefangen. Die hohe Be­geisterung für seine Kunst prägte sich deutlich tn jedem Zug dieses schönen Männerantlitzes aus. Atemlos lauschte die Menge dem Gesänge Jung- Siegfriels. Die Töne käme:: so leicht nnd frei von den Lippen des Künstlers, als roste es ihm nicht die geringste Anstrengung. Er schien völlig aufzugehen in seiner Rolle und dennoch wollten einige scharfe Beobachter bemerkt haben, wie sein leuchtender Blick mehrmals eine kleine Seitenloge im ersten Rang streifte. Dort saßen eng aneinander geschmiegt zwei junge Mädchen in weißen Kleidern. Auw aus der Menge der Zuschauer richtete sich manche» Opernglas auf die reizenden Gesichter. Die eine der beiden Damen saß mit leuchtenden Augen und glühenden Wangen weit vorgebeugt, wah­rend die andere mit gleichgültigem Ausdruck sich wie müde i» den Sessel zurücklehnte.

ee.6,*,. (Fortsetzung folgt.) .