Der Reichstag
nimmt heute feine Arbeiten wieder auf. Auf der Tagesordnung fleht ein Schock von Vlli'wn? -richten. Die Verhandlungen börsten also r <' -.ade aufregend sich gestalten, zumal ia auch i.• - ■■ > aus eine gute Besetzung des Hauses wird gerechnet werden können. In den folgenden Sitzungen wird mit hem übrigen, von den Kommissionen vorbereiteten Stoffe aufgeräumt werden. Eine ganze Rübe von kleineren, aber wichtigen Vorlasen werden unter Dach ’U bringen fein. So in erster Linie der, die sogenannten Teuerungszulagen für die Beamten enthaltende Nach, tragsetat, dann der kleine BeMiguiwsnackweis, die Btünzaesehnovelle. der koloniale 3b’d-tra seist bett, die Ei>enbahnbauten in bett SwuHa b n , das noch immer nicht erledigte Vogelschutzge! V. die Unter« stühnngswohnsihgesetznovellr. die Entwürfe betr. den Versicherungsvertrag und die Mechselptoteste u. a m. Schwierigkeiten dürsten diese Vorlagen kaum bieten, doch wird imm-rhin fleißig gearbeitet werden muffen, wenn sie, wie es beabsichtigt sein soll, l is zum 9. Mai sertiggestestt sein sollen Man -r cht davon daß auch noch zwei S-tzun-....... P it werden möchten,
um Schwerinstare a zu. .. n, oa in bcr lausenden Session die Beratung der Iuitiatiasnträze zu kurz gekommen sei Dieser Wunsch wird Wohl aber kaum erfüllt werden können; denn die Wahlen zum vreußi« schen AbgeordnetenHauie dürsten Mir, möglichsten Einschränkung der Reichstagsardeiten nötioen. Zudem ist ja auch der größte Teil des in den Initiativ» anträgen niedergelegten Materials in Resolutionen verarbeitet und zur Sprache gebischt worden.
** Feierlichkeiten bei Campbell Banner» manns Tode. London, 27. April. Heute früh fand in der Westminsterabtei ein Eedächtnis- gottesdienst für den verstorbenen Premierminister Campbell Bannermann statt, dem der Prinz von Wales in Vertretung des Königs, alle Minister und die leitenden Politiker beider Parteien, sowie das diplomatische Korps beiwohnten. Botschaftsrat v. Stumm legte in Vertretung des deutschen Kaisers einen großen Kranz zu Füßen des Sarges nieder. Minister- präfident Clemenceau fuhr gemeinsam mit dem französischen Geschäftsträger nach der Westminsterabtei und überbrachte einen Kranz mit weißen Blumen. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich vor der Abtei angesammelt. Nach dem Eedächtnisgottesdienst begab sich das Trauergefolge durch die zahlreich herbeigeeilts
wissen, begonnen haben — «ns in irgend einer Weise hineinzumischen.
— 8 Monate Gefängnis. Der Redakteur einer sogenannten humorist.-satyrischen Wochenschrift „Duo's Elsaß" wurde wegen Beleidigung des Offizierkorps des 22. Dragoner-Regiments und der elsässischen Lehrer zu einer Gesamtstrafe von acht Monaten Gefängnis verurteilt. Zislin wurde sofort verhaftet. Der Verleger Baby wurde zu 100 Mark Geldstrafe oder 10 Tagen Haft verurteilt wegen Verbreitung einer Zeitschrift unsittlichen Inhalts, wodurch Aergernis erregt wurde. Die betreffenden Blätter wurden beschlagnahmt.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblalt Nr. 34.
Residenzschloß den Staatssekretär des Reichsschatzamtes Sydow und im Anschlüsse daran in Gegenwart der Prinzeffin Mathilde den Statthalter von Elsaß-Lothringen Grafen v. Wedel nebst Gemahlin in Audienz. An die Audienz schloß sich eine Frühstückstafel.
— Zum Fall des Fürsten Eulenburg. Vom Fürsten Eulenburg ist bei der Berliner Staatsanwaltschaft jetzt ein Schreiben eingegangen, worin er seine früheren, eidlichen Aussagen in vollem Umfange aufrecht erhält. Ueber den Inhalt des Schreibens, sowie über anderweitige Maßnahmen der Staatsanwaltschaft verweigerte Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel jede Auskunft. — Herr Harden läßt sich interviewen. Einem Berichterstatter hat er nach der „Frankfurter Zeitung" in zwei langen Spalten seine Meinung über den Münchener Prozeß mitgeteilt und dabei wieder nach seiner Art geheimnisvoll mit weiteren „Enthüllungen" gedroht. Heraus mit eurem Flederwisch, Herr Harden! Diese Art Sttmmungsmache ist höchst bedenklich. Inzwischen wird Herr Harden einen zweiten billigen Triumph feiern. Es wird gemeldet: Wegen Beleidigung des früheren Vorsitzenden des Schöffengerichts Berlin-Mitte, Amtsrichters Dr. Kern, der den im Oktober 1907 verhandelten ersten Beleidigungsprozeß Moltke-Harden leitete, werden sich in nächster Zeit die ehemalige Wirtschafterin des Amtsrichters und za ei mit dieser befreundete Herren zu verantworten haben. Die Angeschuldigten sollen die Behauptung verbreitet haben, Amtsrichter Dr. Kern hätte sich von Harden bestechen lasten. — Selbstverständlich denkt kein Urteilsfähiger daran, daß Dr. Kern von Harden bestochen sein könnte. Herr Harden aber erscheint wieder in der Pose des übel Verleumdeten, der doch so unschuldig ist, das Beste gewollt hat usw.
— Auswahl der Rektoren und Hauptlehrer. Rach der schon erwähnten Aussührungsan- weisung des Kultusministers zum Volksunterhaltungsgesetze sind in die Aemter der Rektoren, Hauptlehrer usw. nur solche Lehrer zu berufen, welche die in den Prüfungsordnungen bestimmten Prüfungen abgelegt, sich in mehrjähriger Tätigkeit bewährt und durch ein tadelloses dienstliches und außerdienstliches Verhalten ausgezeichnet haben. Die Bestimmung, daß bei der Berufung von Rektoren pp. auch die im Schuldienst außerhalb des Schulverbandes an- gestellten und bewährten Lehrpersonen, insbesondere Hauptlehrer und Präparandenlehrer angemesten zu berücksichtigen seien, verfolgt das Ziel, den Lehrern auf dem Lande und in kleinen Orten eine Laufbahn zu eröffnen. Die Schulaufsichtsbehörden werden sich, soweit sie geeignete Kandidaten zur Verfügung haben, rechtzeitig mit den wahlberechtigten Schulverbänden in Verbindung zu setzen haben, um bei angemestener Berücksichtigung der Jnteresten der am Orte bereits angestellten Lehrkräfte doch dem Gesichtspunkt einer ausreichenden Laufbahn auch für die in kleinen Orten, auf dem Land» u. f. f., angestellten Lehrpersonen Gelt-
Marburg
Mttwoch. 29. April 1908.
ung zu verschaffen und die Wahl der Schulverbände auch auf solche Personen zu lenken.
— Beröffentlichungen. Das „Reichsgesetzblatt" veröffentlicht den Text der drei internationalen Abkommen über die Behandlung des Zuckers, da nunmehr alle beteiligten Staaten außer Jtal'en, dem für 1902 eine Sonderstellung eingi mt ist, die Ratifikationsurkunden in Brüste! ! -terlegt haben. Für Italien bleibt die Möglim!-it offen, die Ratifikation später nachzuholen. - Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Vereinsgesetz vom 19. April 1908.
— Aus Hessen. Darmstadt, 27. April. Die von auswärtigen Blättern gebrachte Meldung, daß die jetzige Regierung durch Entschließung vom 22. ds. Mts. drei zu Bürgermeistern oder Gemeindevorstehern gewählten Sozialdemokraten die Bestätigung versagt habe, ist falsch. Es liegt zur Zeit nut ein solcher Fall zur Erledigung vor, über den noch keine Entscheidung getroffen worden ist.
— Gebrauch telegraphischer Kurzwörter. Die „Köln. Ztg" meldet aus Berlin: In kaufmännischen Kreisen erregt in der letzten Zeit die Nachricht Beunruhigung, daß zu Ungunsten des Verkehrs der Gebrauch telegraphischer Kurzwörter im internationalen Verkehr eingeschränkt werden solle. Von amtlicher Seite erfahren wir demgegenüber, daß bis jetzt keine der an dem internationalen Telegraphenkongreß beteiligten Regierungen den Antrag stellte,, den Gebrauch von Kurzwörtern einzuschränken. Auch ist hier nichts darüber bekannt geworden, daß bei irgend einer Verwaltung die Absicht besteht, einen derartigen Antrag bei dem Kongreß einzubringen.
— Bon Gerlachs Zukunft. „Demokratischer Verein", so nennt sich jetzt der Sammelpunkt der Barth-Eerlach-Eruppe in Berlin, dem Sitz der freisinnigen Weisheit, mit der die Provinzen gespeist werden sollen. Der früher „soziallib. Verein" hielt vorgestern eine Versammlung ab, in der er mit 96 gegen 22 Stimmen, „stürmischem Beifall und Fußtrampeln", wie ein Berliner Blatt sich ausdrückt, den Austritt aus dem „Wahlverein der Liberalen" (Freisinn) erklärt. „Das Resultat rief stürmischen Beifall bei der Mehrheit hervor. Es war ein bewegter Anblick, als die alten Freunde von einander Abschied nahmen. Man versprach, sich gegenseitig mit Achtung zu behandeln. Jeder strebe ja in seiner Weise die Demokratisierung Deutschlands an, auf die man zum Schluß ein Hoch ausgebracht hatte." Man sieht, die Herren haben Gemüt. Das beste ist jedenfalls das Versprechen gegenseitiger anständiger Behandlung! Also die neue Partei ist fertig. Aus, Marburg, rüste dich, den Unentwegten festlich zu empfangen! Ob alles so glatt geht?! Wir haben keinen Grund, in die nun folgenden Auseinandersetzungen der Marburger Gefolgschaft Gerlachs über seine politische Haltung — die freilich nicht er st jetzt, wie wir bestimmt
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Deutsches Reich.
— Der Kaiser auf Korfu. Achilleion 27. April. Gestern nachmittag machte der Kaiser mit Familie und Gefolge einen Spaziergang. — Heute morgen sprach der Kaiser den aus Neapel hierher berufenen Botaniker, Kunstgärtner Sprenger, wegen der in Aussicht genommenen gärtnerischen Neuanlagen im Park von Achilleion. Um halb 12 Uhr wohnte das Kaiserpaar dem Vorbeizug der kirchlichen Prozession vom Balkon des Schlaffes bei. Die Prozession wurde zum Schloßgitter eingelassen; die Geistlichkeit hielt Gebete ab, worauf die Prozession durch den Schloßpark abzog. Der Kaiser hörte den Vortrag des Gesandten Frhrn. v. Jenisch und begab sich um 12 Uhr mit dem Eeneraladjutan- ten General v. Plessen, dem Chef des Marinekabinetts, Admiral v. Müller, dem Flügeladjutanten Kapitän zur See v. Rebeur-Paschwitz und dem Gesandten Freiherrn v. Jenisch in Automobilen nach der Stadt Korfu zum Besuch des österreichischen Geschwaders. Er frühstückte bei Kontreadmiral v. Ziegler auf dem Flaggschiff „Erzherzog Karl". Zur Frühstückstafel bei der Kaiserin auf Achilleion waren geladen: die Kronprinzessin von Griechenland und eine Reihe von Offizieren der drei deutschen Schiffe. — Bei der Besichtigung des österreichischen Flaggschiffs „Erzherzog Karl" wurden dem Kaiser auch Exerzitien der Eeschützmannschaft vorgeführt. Bei dem Frühstück toastete Kontreadmiral v. Ziegler auf Kaiser Wilhelm. Der Kaiser antwortete, indem er seiner großen Freude Ausdruck gab, das österreichische Geschwader besucht zu haben. Er schloß mit einem Hurra auf Kaiser Franz Josef. Der Kaiser kehrte nach Achilleion gegen 4 Uhr nachmittags zurück; um 5 Uhr fand ein Tee bei der Kaiserin an Bord der „Hohenzollern" statt, zu dem die Mitglieder der griechischen Königsfamilie geladen waren.
— König Otto von Bayern vollendete gestern sein 60. Lebensjahr. In diesem Jahre sind .30 Jahre verflossen, seit dem Tage, an dem der König in geistiger Umnachtung das Schloß Fürsienried bezog.
— Herr Sydow auf Reisen. Dresden, 27. April. Der König empfing heute mittag im
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Die Freundinnen.
Originalroman vcn Irene«. Hellmuth.
k Fortsetzung.)
Walter schloß das Mädchen, das aufmerksam und ohne ihn zu unterbrechen, zugehört hatte, fest in die Arme.
..Ach, leider haben wir noch manchen Kampf ju bestehen, ehe wir am Ziele find," sagte Sylvia beklommen. „Du kennst meinen Vater nicht, er wird nicht einwilligen wollen!"
„Was kümmert mich jetzt noch der Widerstand Deines Vaters!" unterbrach Walter ungestüm die Rede des Mädchens. „Du bist mein unwiderruflich für alle Zeit, und ich mochte den sehen, der uns trennen wollte! Keine Macht der Erde vermag das! Deinen Vater fürchte ich nicht. Ich werde zu ihm gehen, und ihm alles sagen! Und zwar noch heute."
„Nein, — o, nein das darfst Du nicht!" wehrte Sylvia ängstlich.
„Nicht dürfen? Weshalb nicht? Ich sage Dir, ich g-he doch zu ihm!"
.Hermann!"
Der Name, den Sylvia jetzt zum ersten Male aussprach, hatte eine ungeheuere Macht. Beinahe demütig neigte der junge Mann das Haupt. Seine vorige Zuversicht schien geschwunden und leise begann er: „Nun gut — ich werde warte , bis Du mich rufst; aber sage mir, Liebling, was kann denn Dein Vater gegen mich haben? Glaubst Du, daß et mich abweisen würde?"
»Ganz gewiß!"
»Aber weshalb?"
„Vor allem, weil Du — Sänger bist."
Et lachte laut und übermütig.
„Ja, das bin ich und hoffe es noch lange zu bleiben. Ich habe, um das zu erreichen, sehr viel aufgeben muffen und ich tat es ohne Bedenken. Frage mich nicht warum? Einfach weil ich mußte weil es mich mit aller Gewalt zu diesem Berufe trieb. Ich Hebe meine Kunst, und so lange meine Stimme ausreicht, werde ich ihr treu bleiben, oder wolltest Du, daß ich sie aufgebe?"
„Nein — nein! Ich gehe mit Dir, wohin Du willst! Und mein Vater wirv sich erweichen kaffen, wenn er erst erkannt hat, daß wir zu- sam::..1 gehören und nicht von einander lassen können. Aber wir rnüffen Eedu.d haben. Mein Ül "i ist krank und bedarf der Schonung. Er ist dazu ein alter, verbitterter Mann, der wenig Glück hatte im Leben. Von aller Welt ver- geffen lebt er nun zurückgezogen in diesem abgelegenen Winkel und murrt wider sein hartes Geschick. Hätte er in der Sonne gestanden, vielleicht wäre alles anders gekommen. Aber er mußte immer im Schatten stehen und dadurch wurde er verbittert und verschlossen. Seine letzte Hoffnung hatte er auf meine Verbindung mit Hugo v. Trostberg gesetzt. Das war in seinen Äugen eine standesgemäße Partie. Nun schlug auch dieser Plan fehl. Er zürnt mir noch, daß ich diese Fesseln abstreiste, daß ich es wagte seinem Willen entgegen zu handeln. Er muß das er.' verwinden lernen und deshalb, Geliebter, dürfen wir nichts zu erzwingen suchen. Wir würden alles verderben."
„Aber wie lange soll denn dieser Zustand dauern?,"
„Das läßt sich jetzt noch nicht bestimmen." „Nr ja, so werde ich eben warten, weil Du es so willst! Doch, das sage ich Dir, noch ehe ich von hier fortgehe, mußt Du meine Frau fein! Denkst Du, ich werde nochmals die Qual bet Sehnsucht aushalten? Daraus wird nichts und sollte ich Dich mit Gewalt von hier fortschleppen."
Sylvia lächelte.
»Ich gehe ja freiwillig mit Dir?"
Sie fühlte erst jetzt, daß ihr der feuchte Nebel durch die Kleider drang und schauerte leicht fröstelnd zusammen.
Baller bemerkte es und fuhr auf: „Es is unverantwortlich von mir, daß ich Dich in diesem abscheulichen Wetter hierhersetzen ließ. Wie leicht kannst Du Dich erkälten. Komm, mache Dir eia wenig Bewegung, dann wird Dir wärmer!"
An sich selbst dachte er nicht.
„Wo nur Maja so lange bleibt!" sagte Sylvia. Hermann zog ihren Arm durch den seinen und wanderte langsam mit ihr auf und ab.
„Ach laß sie, ich habe Dir noch so viel zu erzählen/' Maja war beinahe erschrocken zurück- getreicn. Zeit und Stunde, alles um sich her vergessend, hatte sie hier gestanden und den Gesprächen da unten gelauscht. Sie wollte sich jetzt vorsichtig, um nicht gehört zu werden, entfernen. Leise schlich sie auf den Zehen die wenigen Stufen wieder hinab, denn wenn Lilly eine Ahnung davon bekam, daß sie hier war, dann kam sie so rasch nicht los. Und sie hatte jetzt keine Zeit mehr. Doch da hörte sie drinnen die erregte Stimme des Herrn von Brandt und unwillkürlich hemmte sie ihren Schritt. Er schien mit bet Haushälterin zu verhandeln, denn eben hörte
Maja ihn sagen: „Nein, Kathrine, die Abrech- nung hier stimmt nicht! Wir hatten doch schon zweimal junge Hühner auf dem Tisch, wo steht denn etwas davon? Ich finde es richt!"
„Ach gnädiger Herr, — die paar Hübner — die kosten ja nicht viel, ich habe sie bei den Frauen im Dorf billig erstunden — und vergeßen, sie aufzuschreiben," klang es halb zögernd zurück.
„Wir sollten aber doch sparsamer leben, Kathrine, — Hühner brauchten wir eigentlich nicht zu effen, das ist doch die reine Verschwendung." , ,, .
„Aber unser Lillychen sieht immer so blaß aus, sie ist im Wachsen und muß kräftige Kost haben, — und da dachte ich--"
„Ach was — dachte — dachte —“ klang es unwirsch. „Sie verziehen mir das Kind, daß man glaubt, es sti mindestens eine Prinzessin. Lilly kann nicht frühzeitig genug lernen, zu entbehren. Man muß ihr es sagen, daß sie ein armes Mädchen ist, deshalb soll sie sich an Schwarzbrot gewöhnen, davon bekommt sie rote Backen. Aber noch eins, Kathrine, ich finde ja in dem Haushaltungsbuch auch nichts von dem Hafen, den wir jüngst hatten."
„Dm Hasen? — Ja, — den schickte der Jagd- pächter. gnädiger Herr, — ich glaube der hat nichts dafür verlangt!"
„Der geizige Müller, — nichts verlangt? Kathrine, das ist gelogen! Um Cotteswillen, bin ich denn wirklich schon so weit, daß meine Wirtschafterin ihren kargen Lohn zum Haus- halt bergeben muß? Also dahin ist es schon gekommen! Und das alles wegen ihr — •. wte soll ich so ein Leben ertragen!"
(Fortsetzung folgt.)