mit dem Meisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
«nd den Beilagen: Literarischer Adriger-. „Kandwirtschaftliche Beilage- und „Illustriertes Sauutagsdlatt-.
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Marburg
Sonntag, 26. April 1908.
Die JnsertionLgebühr beträgt für die 7gefpaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Unwersitütsbuchdruckerei Inhaber Dr. E. Hitzeroth .Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Zayrg.
Erftes Blatt.
Das Börsengejetz.
Herr Dr. Böhme schreibt uns:
Von einer Reise zurückgekehrt, sehe ich mich genötigt, gewissen Anwürfen von sattsam be- kantlter Seite, soweit sie wenigstens das sachliche Gebiet streifen, entgegenzutreten. Es handelt sich im wesentlichen um die Stellung der deutschsozialen Partei, beziehungsweise der Wirtschaftlichen Vereinigung zum Börsengesetz. Gewiß ist es richtig, daß die Vorlage der Regierung von der Partei in ihrer Ee amtheit wie von mir in der Dörsenkommission und in öffeevudM» Versammlungen scharf bekämpft worden ist. Von einem Umfall wäre aber nur zu red«, wenn das Gesetz in der von der Regierung etngebrachten Form auch zur Verabschiedung gebracht wäre. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Das Börsengesetz des Jahres 1896, das bis zur Gegenwart in Kraft war, bedeutete gegenüber der früheren Zeit, jener Periode wilder Spekulation und Preisschwankungen in Getreide sowie der Ausbeutung des unerfahrenen Publikums gewiß einen gewaltigen Fortschritt, der herbeigeführt wurde gegen die Stimmen des Freisinns und der Sozialdemokratie. Dieses Gesetz hatte aber auch ohne Frage seine Mängel. Das Termingeschäft in Getreide war verboten, wer es aber doch trieb, den traf nach dem Gesetz weder eine Geld- noch eine Freiheitsstrafe. Ferner war durch das Terminregister und den damit verbundenen Differenzeinwand das Publikum zwar möglichst vom Spiel ausgeschlossen. Trotzdem bestand aber ohne Frage, wie ich es in meiner Börsenrede hervorhob, der Mißstand, daß Leute in unerlaubter Weise spielten, Gewinne einstrichen und bei Verlusten sofort den Differenzeinwand erhoben, lleberaus bedenklich war ferner die Bestimmung, das der Differenzeinwand 30 Jahre hindurch erhoben werden konnte. Gewerbsmäßige Spieler wurden somit privilegiert, die Entwicklung des ruhigen Geschäftslebens aber durch den 30 Jahre drohenden Differenzeinwand bedroht. Diese Mißstände sind auch von so scharfen Gegnern der Ausschreitungen der Börse, wie Graf Kanitz, niemals bestritten worden. Man hätte nun erwarten können, daß die Regierungsvorlage sowohl die Beseitigung der von der Landwirtschaft wie der von den Börsenbesuchern beklagten Mißstände bringen werde. Das geschah aber nicht, den Vörseninteressenten war zwar entgegengekommen, aber die Landwirtschaft ging leer aus. Die Mehrheit der Kommission beschritt den umgekehrten Weg, Konservative beider Richtungen, Zentrum und Wirtschaftliche Vereinigung gestalteten das Gesetz so, daß zwar der bisher auch verbotene Terminhandel in Bergwerksanteilen frei gegeben wurde, die Landwirtschaft aber durch
Die Turnvereme in Marburg.
-L JEinc Erinnerung von L. Müller.
(Schluß.)
^. Als uach zehn Minuten langem Warten immer noch keine Fortsetzung erfolgte, ward es allmählich bekannt, was stch zugetragen hatte. Ein Augenzeuge, ein Marburger, der in der vorderen Reihe stand, sagt folgendes davon:
Bei dem ersten Aufleuchten der Raketen wurden im Publikum Stimmen laut, daß die Leuchtkugeln noch brennend zur Erde fielen; in Wirklichkeit hatte auch eine die Reutlingersche Bierhalle in Brand gesetzt. Nun aber ertönte eine Detonation über den ganzen Platz, die über das gewöhnliche Maß hinausging und mit der stch ein zweiter Feuerwerkskörper wie eine Feuergarbe über die Menge verbreitete, qualmte aus dem llnglücksmörser eine schwarze Rauchwolke hervor. Man wartete über zehn Minuten, als man die Feuerwehr in kleinen Abteilungen bald hier und dorthin mit Tragbahren und Krankenwagen eilen sah. Erst nach Verlauf einer halben Stunde bekam man eine Ahnung von dem Schrecklichen, in die fröhlichen Älänge der Musik mischte stch das Schmerzensgeschrei der Verwundeten, der Wehruf der Angehörigen. Von allen Seiten strömten die Aerzte -u Hilfe herbei, doch erwies stch das auf der Krankenstation vorhandene Material für unzureichend, so groß war die Anzahl der Opfer 40 Personen waren mehr oder minder verletzt' davon 14 schwer und die anderen leicht verwundet, zu welchen auch der Feuerwerker gehörte. 5 Personen waren tot, darunter der Feuerwehrmann E. Fr. Hoch, 27 Jahre alt. Eisenteile von dem Mörser waren bis auf 500 Schritte nach Bornheim in ein Haus geflogen. Ein Fräulein Söhnlein, 19 Jahre alt, wurde in einer Entfernung von 380 Schritten von einem
Einführung von Strafbestimmungen bei lleber- tretung des Verbotes des Terminhandels in Getreide befriedigt, die vorher gerügten, mit dem Terminregister in Verbindung stehenden Mißstände aber nicht beseitigt wurden. Die Regierung erklärte darauf, das so gestaltete Gesetz nicht annehmen zu können. Die Kommission vertagte sich darauf für längere Zeit, während welcher auf Anregung der Regierung zwischen Konservativen, Nationalliberalen und Freisinnigen ein Kompromiß zustande kam. Dieses Kompromiß hielt die von der Landwirtschaft gewünschten Strafbestimmungen aufrecht, ermöglichte durch andere Bestimmungen das reelle Lieferungsgeschäft in Getreide, wie es von den landwirtschaftlichen Genossenschaften verlangt wurde, gab die Möglichkeit der Nachprüfung der einzelnen Geschäfte, um sestzustellen, ob es sich um reelle Lieferungsgeschäfte oder Termingeschäfte handele, gab ferner entsprechend den Kommissionsbeschlüssen der ersten Lesung den Terminhandel in Bergwerksanteilen frei, ersetzte schließlich das Börsenregister durch das Handelsregister. Es durfte also jeder Börsengeschäfte treiben, der ins Handelsregister eingetragen war. Hierin sah ich das Hauptbedenken der neuen Beschlüsse und stellte den Antrag, Kleingewerbetreibende, auch wenn ste in das Handelsregister eingetragen seien, nicht zum Börsenspiel zuzulassen. Dieser Antrag wurde jedoch in der Kommission gegen Zentrum, Sozialdemokraten und meine Stimme abgelehnt, ähnlich erging es einem zweiten Anträge, der die Zulassung des Terminhandels mit Bergwerkspapieren mit gewissen Kanteten umgeben sollte. Die Kompromißvorschläge gelangten somit zur Annahme, aber die Regierung wußte, daß die Mehrheit der Kommission nicht der Reichstagsmehrheit entsprach, sie mußte unsere Zustimmung haben. Zu diesem Zwecke bat der Reichskanzler den Vorsitzenden der Fraktion, Herrn v. Liebermann, zu einer Besprechung, nicht zu einem Frühstück, zu sich. Eine Einigung kam nicht zustande, Herr v. Liebermann erkürte, daß wir unter allen Umständen am Ausschluß der Kleingewerbetreibenden vom Börsenspiel festhalten müßten. Erst am nächsten Tage kam der Handelsminister zu Herrn v. Liebermann und erklärte, daß sowohl die Regierung wie die Kompromißparteien zum Nachgeben bereit seien. In der darauf statffindenden Fraktionssitzung der Wirtschaftlichen Vereinigung wurde nunmehr die Zustimmung zum Gesetz be- schlossen, der zweite Antrag zurückgezogen. Das Plenum nahm darauf meinen Antrag nebst den Kommissionsbeschlüssen an, das Gesetz kam zustande. Der Abgeordnete Singer aber charakterisierte Börsen- und Vereinsgesetz in seiner Schlußrede mit folgenden Worten: „Beide Gesetze sind erfüllt von reaktionär-agrarischem Geiste, politisch zu Gunsten der Reaktion, wirtschaftlich zu Gunsten der Agrarier, und der Frei-
Eisentetle, das ihr in den Rücken drang, getötet, während die in der nächsten Nähe des Feuerwerkes stehenden Personen von dem ganzen schrecklichen Ereignis gar keine Ahnung hatten.
Daß mit dieser entsetzlichen Katastrophe die Festesfreude ihr Ende erreicht hatte, ist selbstredend. Alle geplante Lustbarkeit unterblieb und die große gewaltige Festhalle stand nun verödet da.
In diesem Jahre findet abermals das deutsche Turnfest in Frankfurt statt, wünschen mir, daß ein solches Unglück niemals die Festesfreude wieder stören möge. — Ein grauenvoller Anblick war es, wie bei Fackelbeleuchtung die Feuerwehr die einzelnen Opfer und die abgeschlagenen Glieder derselben auf dem Festplatz zusammen las und in die Krankenstation aus dem Feftplatz brachte. —
Ein amtlicher Polizeibericht besagt:
„Als Resultat der seitherigen Ermittelungen kann mitgeteilt werden, daß der Feuerwerker Dünges zu dem hier abzubrennenden Feuerwerk einen neuen, vor seinem Gebrauch nicht probierten Mörser benutzt hat. Dieser neue Mörser ist explodiert. Der eiserne Zylinder dieses Mörsers war 40 cm hoch, hatte 25 cm Durchmesser und 9 mm Eisenstärke. Das Eisen der Zylinders ist Walzeisen. Die Ladung soll aus 10 Lot Pulver und 5 Pfund Leuchtkugeln bestanden haben.
Es ist richttg, oaß ein Stück Eisen in das Dach des Hauses Bornheim Nr. 61 in gerader Richtung — etwa 500 Schritte von der Explosionsstelle — eingeschlagen hat und daß das Fräulein Söhnlein in einer Entfernung von ca. 120 Schritten von dieser Stelle getötet worden ist. Da auch die anderen Opfer der Explosion mehr oder minder entfernt von dem Explosionsplatze von den weit hinaus geschleudetten Eisenteilen getroffen worden find, so darf wohl angenommen werden, daß das groß» Unglück
sinn hat nur die Ehre gehabt, dabei al» Hausknecht der Reaktion mitzuwirken." Einer der besten Kenner des Börsenwesens, der frühere Sozialdemokrat, jetzige freie Schriftsteller Georg Bernhard kennzeichnete das Börsengesetz in seiner jetzigen Form ebenfalls als einen Erfolg der rechten Seite. Trotzdem spreche ich es offen aus, daß für die Erledigung des Börsengesetzes eine andere Kombination der Parteien mir nützlicher im Volksinteresse erschienen wäre. Immerhin hat die Wirtschaftliche Vereinigung es durchgesetzt, daß die kleinen Gewerbetreibenden vom Börsenspiel ausgeschlossen bleiben, und es war daher sehr wohl zu verstehen, daß nach diesem Erfolge sich die große Mehrheit der Fraktion für die Annahme des Gesetzes aussprach. Diejenigen Mitgieder, die wie ich der Ansicht waren, daß es tattisch wohl möglich gewesen wäre, in Verbindung mit dem Zentrum und den Rechtsparteien das Gesetz noch weiter zu verbessern, waren darin mit der Mehrheit einig: Hing von der Annahme dieses Gesetzes das Verbleiben des Reichskanzlers in seinem Amte ab, wir wären auch zu noch größeren Opfern bereit gewesen, nicht, weil wir die Politik des Kanzlers im Reiche billigen, da ist gar manches außerordentlich der Krittk bedürftig, aber wegen seiner zielbewußten und national durchaus notwendigen Polenpolittk.
Dr. Böhme.
Ausländische Preßstimmen zu dem Nord- und Ostsee-Abkommen.
London, 24. April. Daily Graphit schreibt: Die Abkommen über die Nord-und Ostsee werden von jedem Freunde des europäischen Friedens mit Genugtuung begrüßt werden. Sie werden dazu dienen, nicht nur die kleineren Staaten des Nordens von großer Besorgnis zu befreien, sondern auch aus den Beziehungen der Großmächte Befürchtungen und Verdachtsmomente auszuschalten, die geeignet waren, unfreundliche Gefühle gegen einander aufkommen zu lassen. Der Abschluß der Abkommen ist gleichfalls zu begrüßen als erstes praktisches Ergebnis der englisch-deutschen Annäherung, die während der letzten zwölf Monate so erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Großbritannien und Deutschland haben stch nunmehr in der Nordsee ein Feld des konservativen Zusammenwirkens gesichert, welches ganz dem Mittelmeer abkorn- men zwischen England, Frankreich und Spanien entspricht. So ist der Anfang zu einer wirklichen Entente gemacht, die, wie wir vertrauen, bald so eng und herzlich sein wird, wie die, welche uns mit unseren Partnern im Mittelmeer verbindet.
Petersburg, 24. Apttl. Alle heuttgen Refindenzblätter begrüßen die gestern unterzeichneten Verträge über die Ost- und Nordsee mit sympathischen Artikeln.
„Nowoje Wremja" sagt: Indern Rußland den Wünschen Schwedens wie vorher denen
auch dann nicht abgehalten worden sei, wenn die auf 50 000 Personen geschätzten Zuschauer weiter als geschehen war, von dem Feuerwerksterrain hätte entfernt gehalten werden können.
Frankfurt a. M . 31. Juli 1880.
Der Polizeipräsident: Hergenhahn.
Das sechste deutsche Turnfest fanb in den Tagen des 19. bis 21. Juli 1885 in Dresden ftatt. Heber 18 000 Turner waren anwesend, insbesondere war Deutsch-Offterreich stark vertreten. Mit diesem deutschen Turnfest mürbe zugleich eine Ehrung der seit 25 Jahren ununterbrochen für die Turnsache tätigen Turner Dr. Georgi (Eßlingen), des Vorsitzenden, und Dr. Götz (ßinbenau), des Geschäftsführers der deutschen Turnerschast, verbunden.
Dann kam das siebente deutsche Turnfest in München, über das der Prinz-Regent Luitpold von Bayern das Protektorat übernahm, indes Prinz Ludwig von Bayern als Ehrenpräsident fungierte. Bedeutungsvoll war die Rede, welche letzterer beim festlichen Empfang der Gäste an die versammelten Turner richtete, eine Rede, die damals nicht nur bei den versammelten Turnern begeisterte Aufnahme, sondern auch außerhalb weit Beachtung fand, da hier zum erftenmale von hoher Stelle das Turnen in feiner nationalen Bedeutung die ihm gebührende Anerkennung fand.
Dem Münchener Turnfeste folgte im Jahre 1894 das Breslauer Turnfest, das nicht minder glanzvoll sich in der alten Oderstadt abspielte. Das Hamburger Turnfest 1899, vom Wetter leider nicht sonderlich begünstigt, wird gleichfalls im Andenken seiner zahlreichen Teilnehmer unvergeßlich bleiben. Zahlreiche Turner nahmen damals an den Turnfahrten nach Helgoland teil.
Dann folgte das zehnte deutsche Turnfest im ßränkischen Nürnberg (1904). Gern zogen die
Norwegens entgegenkam, wurde es von dem natürlichen Wunsche geleitet, den Nachbar zu beruhigen, für den es die freundschaftlichsten und die besten freundnachbarlich^n Gefühle nährt." Das System der abgeschlossenen Ver- träge habe, wie das Blatt weiter meint, eher eine moralische als politische Bedeutung. Rußlands Nachbarstaaten hatten nochmals eine feierliche Bestätigung feiner friedlichen Ansichten und der Bereitschaft erhalten, jedem friedlichen Beginnen entgegenzukommen und das, selbe zu unterstützen.
Kopenhagen, 24. April. Das Reaier- ungsorgan „Danebrog" bezeichnet den Abschluß der Nord- und Ostsee-Abkommen als ein Glied in der Kette der allgemeinen Bestrebungen zur Sicherung des Friedens. Insbesondere die kleinen Staaten hätten Interesse daran, daß diese Bestrebungen gefördert würden und zu einem posittven Ergebnis führten. Seit dem Besuch des deutschen Kaisers in England im Herbst 1907 sei die Angelegenheit der Gegenstand ruhiger diplomatischer Verhandlung gewesen. Man gehe nicht fehl, wenn man Kaiser Wilhelm ein gut Teil der Ehre zuschreibe, daß diese Bestrebungen einer Friedens- und Verständigungspolitik zum Ziele führten. Keine direkt interessierte Macht und auch keine kleine Macht wie Dänemark hätte diese Forderung erheben können, um so weniger, als die abgeschlossenen Abkommen, vom Gesichtspunkt einer Machtpolitik aus betrachtet, in erster Linie für die kleinen, schwachen Staaten von Vorteil seien.
Paris, 24. April. Die meisten Blätter besprechen die Nord- und Ostseeabkommen als einen erfreulichen Beweis für die Friedfertigkeit der beteiligten Großmächte. Der „Temps" schreibt: Die Gesinnung, welcher die beiden Abkommen entspringen, ist noch deutlicher al» deren Bestimmungen; sie zeigt, daß das Bestreben, durch besondere Einvernehmen zum mindesten die Wahrscheinlichkeit der Erhaltung des Friedens zu vermehren, sich verallgemeinert. Die in Berlin und Petersburg unterzeichneten Erklärungen find ein Zeichen guten internationalen Willens. Die Einleitung des Schriftstücks betreffend das Nordseeabkommen, auf welchem die Unterschriften des Herrn von Schön und des Herrn Jules Cambon neben einander stehen, bekräftigt den gemeinsamen Wunsch Deutschlands und Frankreichs, die zwischen den beiden Ländern bestehenden Bande guter Nachbarschaft und Freun s -aft zu befestigen und dadurch zur Erhaltung des allgemeinen Friedens beizutragen. Diese Einleitung ist in ryrer Art ein Programm; sie betont die „Rückkehr zur Normalen" in den Beziehungen der beiden Nattonen, welche, ohne etwas von der Vergangenheit zu verleugnen, genötigt find, in der Eegenwatt zu leben.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser auf Korfu. Achilleion, 24. April. Der Kaiser ließ sich gestern Abend wieder aus dem Werk des Großen Generalstabes
deutschen Turner dahin, wußten sie doch, daß ihnen ein gastlicher Empfang sicher sei. Es galt auch Nürnberg gegenüber eine alte Schuld abzutragen. Nürnberg mar schon vordem einige Male zum Festort ausersehen worden, doch die Ereignisse hatten stets einen Strich dadurch gemacht.
Zum zweiten Male wird nun in diesem Jahre das deutsche Turnfest in einer Stadt ab. Gehalten, in der sich schon einmal die Jünger iai)ns festlich vereint haben: in Frankfurt a. M.
Diese sämtlichen Turnfeste hatten sich des Besuches der Marburger Turner zu erfreuen, bei einigen waren sie sogar in einer stattlichen Anzahl vertreten, z. B. in Leipzig uni in Frankfurt.
Die deutsche Turnerschaft ist in 17 Kreise geteilt. 1. Kreis umfaßt den Nord-Osten. 2. Kreis: Schlesien und Südpolen. 3. Kreis a: Pommern. 3. Kreis b: Die Mark. 3. Kreis c: die Provinz Sachsen. 4. Kreis: den Norden. 5. Kreis: Niederweser und Ems. 6. Kreis: Hannover. 7. Kreis: Oberweser. 8. Kreis: Niederrhein und Westfalen. 9. Kreise Mittelrhein (hierzu jvJjöri Marburg). 10. Kreis: Oberrhein. 11. Kreis: Schmal en. 12. Kreis: Bayern. 13. Kreis: Thüringen. 14. Kreis: Königreich Sachsen. 15. Kreis: Deutsch-Lester, reich. Jeder dieser Kreise ist in sich besonders organisiert, in Gaue gegliedert und hat an bet Spitze einen Kreisvertreter. Letztere bilden mH fünf vom Turntag zu wählenden Mitgliedern den Ausschuß der deutschen Turnerschast.
(Nachtrag.)
Am 80. Juli 1870 erließ der Vorstand de» Turnvereins folgenden Ausruf:
„~ie Zeit ist jetzt da, wo e» zu zeige« gilt, in wie wett wir di, uns gestellte Aufgab«