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Deutsches Reich.

Der Kaiser auf Korfu. Achilleion-Korfu, 21. April. Der Kaiser verweilte gestern bis gegen Mitternacht in angeregter Unterhaltung mit den Gästen. Heute Vormittag hörte er die Vorträge des Gesandten Dr. Freiherrn von Jenisch, des Chefs des Militärkabinetts, Grafen von Hülfen-Häfeler, des Chefs des Marinekabi­netts von Müller und des Geheimen Regie­rungsrates von Berg aus dem Zivilkabinett. Der Kaiser empfing um 12% Uhr in Gegenwart des Vertreters des auswärtigen Amtes die Ge­sandtschaft des Sultans, bestehend aus dem Mi-

fgt die Monate Mai und Juni auf die

^Oberhesfifche Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain. Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstaiten und Landbriesträgern ent­gegengenommen.

abonniert auf die täglich -rscheinend-O der Hess is<^e u X... -rr.- -.Ämtern und unsern Bertungssteuen M

mit dem KreMtatt kür die Kreise Marburg und Kirchhai»

Hamburg, demRauhen Hause" begann er mit seiner Mutter an 3 verwahrlosten Knaben seine rettende Liebesarbeit. Er unterrichtete sie, ar­beitete mit ihnen und teilte ihre Spiele. Bald wuchs das Werk, das heut zu einem ganzen Dorf, einer ganzen kleinen Ortschaft geworden ist. Um die Erziehung dieser gefährdeten Kru­der in kleinen Familienbänden zu ermöglichen, brauchte er Hilfskräfte. Er erzog sie sich in einem Bruderhause, das mit dem Rauhen Hause verbunden blieb uird den Anfang der männ­lichen Diakonie bildete, wie sie heute durch Brü­der und Stadtmissionare geübt wird. Der größte Tag seines Lebens aber war der 22. Sep­tember 1848, wo er mitten im Revolutionsjahr vor beu Vertretern der deutschen evangelischen Kirchen auf dem Wittenberger Kirchentage in flammender Rede ausrief zu einer großen Lie­besarbeit an den inneren Schäden des Volks­lebens, wie sie das Revolutionsjahr offenbar gemacht. Da legte er den Grund zu der großen Arbeit der Inneren Mission, die heut unser ganzes Volksleben umspannt. Es bildete sich sogleich derZentral-Ausschuß für Innere Mis­sion" der noch heut im Segen an dieser Arbeit steht.' Durch das Vertrauen Friedrich Wil­helms IV. in den preußischen Oberkirchenrat und in das Ministerium des Innern berufen, arbeitete er an der Besserung des Eefängnis- und Armenwesens und organisierte die evan- aelische Felddiakonie in den Feldzügen von 1864, 1866 und 1870/71. Den Lebensabend verbrachte er unter schweren Leiden in seinem Rauhen Hause und ging am 7. April 1881 heim.

Der Grundgedanke seines Werkes ist nach seinen eigenen Worten der, daß nur die Kraft des Evangeliums die tiefen Schäden unseres Volkslebens heilen kann und alles noch herd- nische Wesen in der Christenheit Hinwegtreiben. Die Kirche aber soll daran arbeiten durch dre Macht der aus dem Glauben geborenen Liebe, die pch überall helfend und dienend der Not­stände auf allen Gebieten annimmt. Vrel ist seitdem geschehen, unendlich Vieles ist noch zu tun übrig, immer neue Aufgaben tauchen auf. Möchten sie unter Gottes Beistand gelöst wer­den gemäß Wicherns Wahlspruch:

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat!"

Nister Turchan Pascha. Bjemil Bey und drei An- deren. Die türkischen Herren waren zur Früh- stückstafel geladen. Fürst v. Fürstenberg reist heute von hier ab.

Der Kronprinz hat, wie derInf." zuver­lässig erfährt, seine Studien auf der Technischen Hochschule beendet und den Profesioren feinen Dank für ihre Bemühungen ausgesprochen. Er wird dagegen nach Ablauf einer kleinen Oster- pause nach wie vor seine Ausbildung im Verwal­tungsdienste weiter betreiben und zu diesem Zweck im Ministerium des Innern arbeiten, so- wie bei den Vorträgen beim Minister v. Moltke, der gegenwärtig auf Urlaub weilt und Anfang Mai zurückkehrt, zugegen fein. Abgesehen von kleinen Unterbrechungen, wie sie durch die Teil­nahme des Kronprinzen an den Manövern der Flotte, sowie durch die im letzten Drittel be» Mai geplante Rheinreise notwenbig werden, soll der festgesetzte Ausbildungskursus bis zum 1. Ok­tober d. I. genau innegehalten werden. Bis zu diesem Termin ist auch der Kronprinz laut Ka- binettsorder von militärischen Dienstleistungen befreit worden. Er wird bann erwartet, baß bet Thronfolger ein Bataillon int 1. Garde-Regi­ment z. F. erhält.

Traf Posadowsky. Der ehemalige Staats­sekretär des Reichsamts des Innern, Graf von Pofadowsky-Wehner, ist, wie dasReich" meldet, anläßlich des Wichern-Jubiläums von der Ber­liner theologischen Fakultät zum Ehrendoktor der Theologie promoviert worden.

General Keim und der Flottenverein. General Keim hat in derDeutschen Ztg." einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er folgendes aus- führt:Ich vermisse in den Erörterungen über die inhaltlose und gerade deshalb charak­teristische Resolution des Eesamtvorstandes des Deutschen Flottenvereins vom 12. April die Hauptsache, und das ist die praktische Schlußfol­gerung über die zukünftige Leitung des Vereins. Diese kann aber m. E. in präziser, logischer und konstttutioneller Weise nur dahin gezogen wer­den, daß die Leitung in die Hände des Frei­herrn v. Würtzburg und des Admirals v. Holl­mann gelegt werden muß. Diese Herren sind die wahren Sieger in dem langen Streite und nicht die seit dem 12. April verflossene Mehrheit von Cassel. Ihnen gebühren deshalb auch von Rechtswegen die konsularischen Ehren und Wür­den. Sie haben dieselben in ihrer Art redlich verdient, denn sie sind sich konsequent und der von ihnen vertretenen Sache treu geblieben bis zuletzt. Rur von solchen Männern ist Festtgkett und Stetigkeit zu erwarten, beides unerläßliche Vorbedingungen für eine erfolgreiche Tätigkeit im öffentlichen Leben. Daß ich die von jenen Herren verfolgte Richtung in Flottenvereins- Angelegenheiten für eine falsche, ja geradezu für eine verderbliche halte, was die vom Flot­tenverein zu vertretenden großen nationalen Jnteresien betrifft, und daß ich diese Richtung

Johann Hinrich Wiehern,

der Bater der Inneren Mission.

Der Anfang des neuen Jahrhunderts ist wie eine Erntezeit, wo wir die Früchte der großen Arbeit des 19. Jahrhunderts, des Jahrhunderts der Inneren und Aeußeren Mission, in der Er­innerung der Gedenttage dankbar überschauen können. So brachte der 21. April d. I. die Er­innerung an den Tag, da vor 100 Jahren Johann Hinrich Wichern, der Begründer der Inneren Missiom bas Licht der Welt erblickte.

Von feinem Werk zu schreiben, ist kaum von­nöten, es ist mit lebendigen Lettern in das kirchliche Leben unserer Zeit hineingeschrieben. Es gibt heut keine Stadt, ja fast schon kein Dorf mehr im evangelischen Deutschland, das nicht von dem Lebenswerk dieses Mannes be­rührt worden wäre, und kaum ein evangelischer Christ dürfte davon unberührt geblieben sein. Die Krippen, Kinderschulen, Rettungshäuser, Kindergottesdienste, Jünglings- und Arbeiter­vereine, Herbergen zur Heimat, Magdalenen- stifte, Fürsorgevereine, Arbeiterkolonien, Flug­blätter «nd Schriften das sind Werke, die hin und her im deutschen Vaterlande von der Lebensarbeit dieses Mannes Zeugnis, leben­diges und lautes Zeugnis, ablegen. Welch un­berechenbarer Segen ist dadurch in unser Volks­leben ausgegangen!

Wie alle Werke Gottes hat auch Wicherns Arbeit in kleinem Kreise begonnen. Geboren war er iu Hamburg als Sohn eines Notars, und nur mit eiserner Energie und seiner Hände Arbeit konnte er nach dem Tode des Vaters die Bildung der höheren Schule und damit das Studium der Theologie in Göttingen und Ber­lin ermöglichen. Aus dieser harten Jugendzeit ist eine reiche Ernte ersprosfen. Als Kandidat in Hamburg an einer Sonntagsschule, der ersten Deutschlands, tätig, lernte er bei seinen Familienbesuchen die Verwilderung der Jugend kennen und wurde mit Schrecken gewahr, wie­viel tief heidnisches Wesen mitten in der Christenheit wucherte. Da faßte er den Plan seines Lebens, diesem Heidentum inmitten der Christenheit durchinnere" Mission zu wehren.

Er griff die Arbeit dott an, wo Gott sie ihm vor die Hände gelegt hatte. In einem ihm zur Verfügung gestellten kleinen Hause in Horn bei

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Bestellgeld)? bet unfern Zeitungsstellen und der Expedttton^LML

pflichtgemäß weiter bekämpfen werde, ist eine Sadje für sich. Aber ich bin gerecht und vorurteilsfrei genug, um anzuerkennen, daß jene Richtung sich immer mehr formal die Berechtig­ung erworben hat, die Zügel zu führen. Sie mag denn zeigen, was sie leisten kann. .

Alles dies natürlich unter der Voraussetzung, daß die Hauptversammlung in Danzig, welche Über die Geschicke des Vereins souverän zu ent­scheiden hat, die Resolution vom 12. April zu der ihrigen macht. Voraussichtlich geschieht das. Dann geht meine persönliche Ansicht dahin, daß ein Verein, der sich angesichts des neuen Ve^ einsgesetzes nicht dazu entschließen kann, sich frank und frei als ein national-politischer zu be-' kennen, obwohl jedes Wort des § 2 seiner Satz­ungen Politik bedeutet, keinen Anspruch mehr hat auf die Sympathien bet­te n i g en nationalen Krerse, denen das Wesen höher steht als die Form und welche die Unabhängigkeit des Vereins als die Grmrd- legung für sein Ansehen und erfolgreiches Wir­ken betrachtet." Durch dies Eingreifen kann sich General Keim die Sympathien, die er sich durch seine unzweifelhaften Erfolge in der Flotten­sache erworben hat, nur verscherzen. Nicht um ein Heraustreiben be» Trennenden und einen Streit in Definitionen handelt es sich, sondern um ein Zusammenhalten des Erreichten und Er­worbenen, was aöetbings oft schwerer ist, als das Erwerben selbst, jedenfalls mehr Ruhe al» Kampfeslust erfordert.

Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie trat gestern in Berlin zu ihrer siebenunddreißig- sten Tagung unter Vorsitz des Wiener Chirurgen Professor v. Eiselsberg zusammen.

Tagung der Bodenreformer. Stuttgart, 21. April. Heute Nachmittag wurde hier in» Landesgewerbe-Museum die 18. Hauptversamm­lung des Bundes der deutschen Bodenreformer unter starker Beteiligung aus dem ganzen Reiche eröffnet. Im Namen der württembergifchen Ministerien des Innern, der Justiz und der Fi- nanzen begrüßte Direktor v. Scheurlen die Ver­sammlung. Er teilte dabei mit, daß gegenwär­tig über die Einführung der Wertzuwachssteuer Verhandlungen zwischen den Ministerien des Innern und der Finanzen schweben, sowie daß das Ministerium eingehende Erhebungen über das Erbbaurecht neuerdings veranstaltet hätte. Hauptgegenstand der heutigen Beratungen ist die staatliche Zuwachssteuer, über welche Ge­heimer Regierungsrat Profesior Adolf Wagner- Berlin das Referat erstattet.

Ein Nachspiel zumJournalistenstreik". DieRh.-Westf. Ztg." hatte bei dem Ausbruch des Streiks ihrem Korrespondenten in Berlin die Weisung zugehen lassen, weiter Berichte übei die Reichstagssitzungen zu liefern. Sie Haiti zwar diese Weisung nach genaueren Erkunbig- ungen zurückgenommen, gleichzeitig aber dem Korrespondenten gekündigt. Der Herr sah sich nun alsOpfer der Wahrung seiner Standes-

^«en^RE Pfennigs 43, Jahrg.

Donnerstag, 23. April 1908. gS&exHfct. etoti),^Naickurg^MarttLI Tetiphon55.

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21 «Nachdruck verhören.!

Die Freundinnen.

Originalroman vcn Irene v. Hellmuth.

(Jortfetzung.)

Fritz erinnerte sich der verschiedenen Auf­träge, die ihm Fräulein Maja erteilt hatte und drängte:Ich muß jetzt wirklich eilen, habe mich ohnehin schon zu lange aufgehalten!"

Aber so pressant wird es doch nicht sein."

Franz hielt den wiedergefundenen Freund am Aermel fest.

Da hab' ich nun vor tautet alten Erin­nerungen die Hauptsache »ergeben, Hub er wie­der an.Also, was mich am meisten interessiert: glaubst Du nicht, daß mein Herr in Dein Fräu­lein verliebt ist? Ich vermute nämlich, daß et­was derartiges dahinter steckt."

Fritz machte sein pfiffigstes Gesicht.

Verliebt kann der Herr Walter schon fein, aber ob er gerade in Fräulein Maja Reinau, das bezweifle ich, denn bei unserem Hause sah ich ihn nie. Eher könnte ich glauben, daß--

Nun, was?" drängte Franz, als der anbete schwieg.

Ach, ich weiß doch nicht, ob ich darüber sprechen darf."

Mir kannst Du alles anoertrauen, ich bin stumm wie das Grab," beteuerte Franz.

Na ,na," machte Fritz. Er mochte in frü­heren Zeiten wohl gegenteilige Erfahrungen ge­sammelt haben, denn er schwieg hartnäckig.

Ich möchte nur wissen, wie Du zu dieser Frage kommst?" begann er endlich ablenkend.

Ja, siehst Du, irgend etwas ist da passiert! Als wir hierherkamen, ba war mein Herr so vergnügt, so lustig und übermütig, wie ich ihn nut selten gesehen. Das hat aber nicht lange gedauert. Eines Tages kommt et heim mit einem so finsteren Gesicht, daß man sich rein

hätte fürchten können; wirft den Hut in die eine, den Stock in die andere Ecke, fährt sich durch die Haare und brummt unverständliches Zeug vor sich hin. Dann setzt et sich seufzend aufs Sofa und schreit mich an:Wenn jemand kommt, ich bin nicht zu Hause, hörst Du? Ich bin für keinen Menschen zu sprechen!"--

Ist recht, gnädiger Herr," sag' ich drauf. Halt's Maul," schreit bann er wieder.

Ich sage Dir, was ich seitdem alles gewesen bin, in keinem Lexikon ist es zu finden! Und seit dem Tage sitzt er, guckt ins Leere und er» klärt, nicht singen zu können; trotzdem wir alle Tage das halbe Theaterpersonal im Hause haben. Vom Theaterdiener aufwärts bis zum Herrn Intendanten, Regisseur und wie sie alle heißen mögen, waren sie alle schon da. Herr Matter aber erklärt einfach, vollständig heiser zu sein obwohl es gar nicht wahr ist. Denn wenn er heiser wäre könnte et nicht so schreien und ich hätte längst den Doktor holen müssen. Du kannst Dich darauf verlassen, dahinter steckt ein Weib, ich verstehe mich auf solche Geschichten. An dem Tage, wo mein Herr so kreuzfalsch nach Hause kam, da muß etwas passiert sein, aber was? Das bring ich nicht heraus, wenn ich auch noch so sehr aufpaffe. Aber so kanns nicht weiter gehen. Ich habe nicht Lust, fortwährend Blitz­ableiter zu sein, und wenn ichs nicht der gnä­digen Frau zu lieb täte, dann wäre ich fajon lange auf und davon."

Fritz machte nach den letzten Motten des Freundes einen solchen Satz, daß die Vorüber­gehenden ihn verwundert und kopfschüttelnd be­trachteten. Offenbar glaubten sie, daß es in dem Oberstübchen des Alten nicht ganz rtch- tig fei

Sone Schlechtigkeit, sone Niederträchtig­keit, das will ich aber meinem Fräulein stecken, dieser Zipfel, der will uns Hasenftatz und Zietbalg schimpfen," täsonniette « aufgebracht.

gehst Du, suchst meinen Sohn auf und bleibst bei ihm. Und von Zeit zu Zeit berichtest Du mir, wie es ihm geht und wo er sich befindet, ^ch muß doch wissen, was er treibt, er ist ja mein Einziger!" Die Gnädige hat ja zwar noch eine Tochter, aber der Hermann ist halt der (Erbe unb Stammhalter und er war von jeher ihr Lieb,, ling. Ich konnts ihr nicht verdenken baß sie sich um ihn gesorgt unb gegrämt hat. So packte ich denn mein Bündel und seitdem bin ich bet Herrn Hermann Walter. Er korrespondiert ja auch mit seiner Mama, aber der Papa will immer noch nichts von ihm wiffen, trotz der großen Er, folge, die wir zu verzeichnen haben."

Es klang sehr viel Selbstbewußtsein aus den Worten des Alten. Fritz ließ sich offenbar da­durch imponieren, denn er schaute den Freund bewundernd an. Dann ttennten sie sich mit dem Versprechen, sich gegenseitig zu besuchen, um alte, liebe Erinnerungen auszutauschen.

lFoiifetzung folgt.)

Aber was ist denn los, was hast Du denn eigentlich?" fragte Franz, selbst aufs Höchste er­staunt über das settsameEebahren des Freundes.

Na, Du sagtest doch eben von der gnädigen Frau? Also der Mensch hat eine Frau und wagt es, andern nachzuschleichen? Na, mein Fräulein soll sich wundern!"

Franz lachte laut auf über das Mißver­ständnis; dann beeilte er sich, es aufzuklären.

Aber nein, nein, mein Herr ijt ja noch so jung, ex war noch nie verheiratet

Nun, und die gnädige Frau?"

Das ist doch seine Mutter!"

So, so kennst Du denn die?"

Na, natürlich!"

Fritz schaute sich etwas ängstlich um, ob nicht etwa wieder so ein ,/Dradje" wie vorhin in der Nähe sei; denn Franz fuhr eifrig fort:Das muß ich Dir in aller Eile noch schnell erzählen: Nämlich, mein Herr, der heißt gar nicht Walter; so stehts nur auf dem Theaterzettel. Ich stand bei seinen Eltern in Diensten schon seit langer Zeit. Und der Herr Hermann, was mein Herr ist, der wollte durchaus Gänger werden. Der Herr Papa aber wollte davon nichts wiffen. Es kam zu argen Streitigkeiten. Der Alte glaubte, sein Sohn beziehe die Universität, derweil aber befand sich der Herr Hermann auf dem Konser­vatorium, wo man Musik und Gesang studiert. Wie der Alte das erfährt, ist er furchtbar wütend und erklärt, von dem ungeratenen Kind nichts mehr wiffen zu wollen. Die Gnä­dige bekommt Krämpfe, fällt in Ohnmacht, bittet und fleht für ihren Liebling, aber bas hilft ihr alles nichts, es bleibt dabei, daß Hermann nicht eher wieder vor den Augen des gestrengen Va­ters erscheinen darf, bis er etwas Vernünftiges gelernt hat. In ihrer Not wandte sich die ge­ängstigte Mutter an mich.Franz," hat sie ge­fügt,Du bist allezeit ein treuer Diener gewesen, auf Dich kann mau sich verlassen. Also, jetzt

Ostern im Schnee.

Ich wache auf ,Zst heute nicht Ostermorgen? Ein Schneegefild zeigt ja den Blicken sich.

Des Himmels Blau hält Wolkengrau verborgen. Und Flocken;.ui; gar wild begrüßet mich.

Wo ist da Sieg! Du Sonnenball vom Süden; Erquickst Du so bet Frühlingskinber ©tun? Durch Schnees Last sie gleichen Lebensmubeu Unb möchten boch so gerne fröhlich blüh n. Verzehr' beshalb sofort bes Schnees Bürde; Erwärme schnell der rauhen Winde Weh'n. Send' Frühlingshauch! Zeig Dich in ganzer Würde!

Nicht Swnee und Eis, den Lenz wir möchte» feh'n,"

Goßfelden. Ä,

Fritz Hebeler, Lehre»,