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mit dem ^reisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
m» bet K,llage«: ^Literarischer A-z-ia-r», „x-mbwirtschastliche K-U-gr« unb „IU-strirrt-, z-mlta,»bl-tt«.
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Man abonniert auf die täglich erscheinende „Oberhesflsche Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition — Markt21. — Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. lohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.
Marburg
Sonntag, 19. April 1908.
Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gegoltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Slug. Koch, Unwersitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. E. H itzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
43. Jahrg.
Erstes Blatt.
Polen und Ruthenen.
Ein blutiger Schatten fällt auf das jetzige Osterfest, auch auf die mit dem bevorstehenden Wiener Besuch Kaiser Wilhelms und deutscher Bundesfürsten anhebende Reihe der Festlichkeiten des österreichisch-ungarischen Kaiserjubiläums: die entsetzliche Ermordung des in der Blüte des Lebens hinroeggerafften gali- ztschenStatthaltersErafenPotocki durch den ruthenischen Studenten Siczinski. Nicht um die Untat eines Einzelnen handelt es sich hier, sondern um eine bis zur Siedehitze getriebene Spannung zwischen zwei benachbarten Nationalitäten des österreichischen Kaiserstaates, um den Ausbruch des glühenden Haffes, des leidenschaftlichen Fanatismus eines sich unterdrückt fühlenden Volksstammes, der nur damit, daß einer seiner Söhne die verbrecherische Bahn der von den Anarchisten Rußlands eingeführten „Propaganda der Tat" beschritt, viel von den berechtigten Sympathien eingebützt hat, die sich ihm bisher zugewendet hatten. Es würde zu weit führen, hier auf die verhängnisvolle Rolle einzugehen, welche der mit viel diplomatischem Geschick, aber ohne jede Spur von Staatsbewußt- fein geleitete Polenklub des österreichischen Reichsrates in der Politik der westleithanischen Hälfte des Donaustaaies gespielt hat. Indem er sich der Negierung in schwierigen Lagen nützlich, ja unentbehrlich zu machen wußte, erreichte er es, daß ihn: die kleinere, ruthenische Hälfte der galizische» Bevölkerung auf Gnade und Ungnade ausgeliefert wurde. Die vormals deutsche Universität Lemberg, in der es früher ruthenische Lehrstühle gegeben hat, als polnische, wurde in «ine polnische umgewandelt. Vergeblich suchten die Ruthenen wenigstens die Gleichberechtigung ihrer Sprache in Lemberg zu erzwingen. Anfang 1907 kam es zu schweren Ausschreitungen der ruthenischen Studenten im Universitätsgebäude, zuletzt sogar zu Straßenkämpfen. Reunundstebzig ruthenische Studenten wurden gefangen gesetzt und ohne Verhör und Urteil solange ihrer Freiheit beraubt, bis sie durch den berühmten „Hungerstreik" ihre Auslieferung an ein Wiener Gericht erzwangen. Das die Herrschaft der polnischen Schlachta in Galizien, trotz der großen wirtschaftlichen Bevorzugungen, der Zuwendungen und Vorteile, die sie unablässig der Wiener Regierung abzuringen wußte, das Land arm gemacht und besonders die schwerbedrängten ruthe- nischen Bauern wiederholt zur Zusammenrot- 8=— ---ItSiStT,
(Nachdruck verboten)
Um Ostern war es ... .
Novellette von Reinhold Ortmann.
(Schluß.)
~ Aus jedem anderen Munde würde er das für Spott genommen haben. Und ein wenig — nun, ein wenig verdroß es ihn auch aus dem ihrigen. So daß er entgegnete:
„Wenn Sie es so ansehen, Fräulein Hanna, haben wir vielleicht noch auf einen weiteren Gesellschafter zu rechnen. Oder wird der, dem Ihre Seele gehört, nicht ebenso lebendig bei uns sein, wie meine Liffy?"
Sie hatte den Kopf abgewendet, so daß er ihr Gesicht nicht sehen konnte. Ihre Antwort aber kam ruhig und ohne Zögern:
„Noch viel lebendiger, Herr Reimann! — Glauben Sie mir: ich ginge nicht, ohne seines Schutzes gewiß zu sein."
Diese unumwundene Bestätigung verdroß ihn nun noch viel mehr — wiederum, ohne daß er so recht eigentlich gewußt hätte, warum. Jedenfalls empfahl er sich früher und gemeffener, als es sonst wohl geschehen wäre, und die Freudigkeit, mit der er diesem Osterausflug entgegen gesehen hatte, war zum guten Teil dahin.
Sonniger und lenzesheller, als diesmal der Ostermorgen anbrach, war auch jeagr Frühlings- tttg nicht gewesen, der dem armen Lehramtskandidaten sein Lebensglück gekostet hatte. Als Johannes Reimann auf dem Bahnhofe ankam, den sie zum Stelldichein bestimmt hatten, sah er sich von Fräulein Hanna bereits erwartet. Und alle verloren gegangene Freudigkeit kam ihm merkwürdigerweise in demselben Augenblicke zurück, da er ihrer ansichtig wurde. Vielleicht, weil er -um ersten Mal bemerkte, wie hübsch sie war. Sre hatte sich ihm noch nie in einem Hellen, duftigen Kleide gezeigt, noch dazu in einem mit demselben niedlichen Halsausschnitt, der ihn an
tung und zum Landfriedensbruch getrieben hat, ist bekannt. So ist denn in Galizien das Merkwürdige, höchst Widerspruchsvolle geschehen, daß unter einer deutschen Regierung ein slawischer Stamm den andern entrechtet, teilweise ent- nationalisiert hat. Mit welchem Recht beklagen sich nun die Polen im preußischen Osten über eine Regierung, die zwar mit gesetzlichen Mitteln das Vorrecht der Staatssprache zu wahren bemüht ist, das Land aber zu einer geistigen und wirtschaftschaftlichen Blüte gebracht hat, die es vorher niemals besessen? Nie ist einem preußischen Polen Gewalt oder Unrecht angetan worden, nie ist er auf einen anderen Boden verwiesen worden, als auf den des Gesetzes. Den Ru- thenen aber kann nur dringend geraten werden, jede Gewalttat, jedes Verbrechen aus dem Kampfe um ihr nationales Recht zu verbannen und sich streng in den gesetzlichen Schranken zu halten, die auch ihnen seit der bedeutenden Vermehrung der ruthenischen Mandate durch die letzte österreichische Wahlreform günstigere Aussichten geöffnet haben.
Deutsches Reich.
— Der Kaiserbesuch aus Korfu. Achilleion, 16. April. Heute vormittag nahm die kaiserliche Familie das heil. Abendmahl, welches Militäroberpfarrer Eoens austeilte. Das Wetter ist sehr schön. Gestern abend waren in Korfu aus Anlaß der AnrMenheit des Königs und der kaiserlichen Majestäten die Spianata und viele Privathäuser glänzend illuminiert. Castello Vecchio war mit Buntfeuer beleuchtet, auch ein großes Feuerwerk wurde abgebrannt. — Hier verlautet, daß demnächst der Prinz von Con- naught, der Bruder des Königs Eduard, in Korfu eintrifft, und im königlichen Sommer- schloß „Monrepos" Aufenthalt nimmt. Auf besonderen Wunsch der Kaiserin ist die ursprünglich für den 28. April festgesetzte Abreise auf Anfang Mai verschoben worden. — Wien, 16. April. Einer Zeitungsmeldung zufolge wird Kaiser Wilhelm die österreichisch-ungarische Eskader, die am 25. April von Tunis in Korfu eintrifft, besuchen, während der projektierte Besuch des Kriegshafens Pola unterbleibt. — Achilleion, 17. April. Der gestrige Spaziergang des Kaiserpaares dehnte sich bis hinter Beniffe aus. Die Rückkehr erfolgte in Automobilen. Die kaiserliche Familie und die Umgebungen verbrachten die späteren Abendstunden aus den Terraffen des Schlosses im Vollmondschein. Das Wetter ist auch heute sehr schön und warm. Die Naturschönheiten der reich gesegneten Insel treten von
Liffys Toiletten imme- so sehr entzückt hatte. Er war vor lauter Bewunderung ganz verlegen, als er sie begrüßte. Und seine Verlegenheit wurde nicht geringer, da er bemerkte, daß auch sie schwarzes Haar zu blauen Augen, ein allerliebstes Näschen und schön geschwungene, kirschrote Lippen hatte.
„D6 das nur die Beleuchtung macht?" dachte er. „Ich habe doch bis jetzt gar nichts davon wahrgenommen."
Während der Fahrt sprachen sie nicht all zu viel, denn sie waren mit einem Dutzend anderer Ausflügler zusammengepfercht und die kurze Reise wäre eine abscheuliche Tortur gewesen, wenn nicht als unsichtbarer Paffagier auch die Festtagsfröhlichkeit mit im Coups gewesen wäre und die glückliche, erwartungsvolle Frühlingsfreude, von der all diese jungen Herzen bis zum Ueberfließen voll schienen.
So aber geschah es, daß Johannes Reimann beinahe bedauerte, mit seiner Begleiterin schon früher aussteigen zu müssen als die anderen, da er für ihren Ausflug ein Ziel gewählt hatte, das abseits lag von der großen Heerstraße, die die Vergnügungszügler zu wandeln pflegten. Immerhin hatte er einiges mitgenommen von der Stimmung, die da in dem überfüllten Abteil auf ihn eingewirkt hatte, und wie dann auf dem schmalen Pfade, der zu dem nahen Wäldchen emporführte, Fräulein Hanna leichtfüßig vor ihm herschritt, da geschahs ihm seit sieben langen Jahren zum ersten Mal, daß er sich an dem schönen Wuchs und den anmutigen Bewegungen eines jungen weiblichen Körpers freute, ohne zugleich in seinen Gedanken Liffys vermeintliche Elfengestalt daneben zu stellen.
Ja, das war ein Ostermorgen, so recht, wie man sich ihn an stürmisch rauhen Wintertagen erträumt. Ein großes Auferstehungsfest der Natur mit schwellenden Knospen, unzähligen Blumen im zartgrünen jungen Rasen und lieblichem
Tag zu Tag mehr in die Erscheinung. Heute vormittag hielt Pfarrer Eoens Gottesdienst in der Schloßkapelle ab, an dem auch die Kron- prinzeffin von Griechenland teilnahm: die Kronprinzessin war auch zur Mittagstafel geladen. Am Nachmittag unternahm die kaiserliche Familie und das Gefolge einen Spaziergang.
— Fürst Bülow in Rom. Rom, 16. April. Fürst und Fürstin v. Bülow waren heute zum Frühstück bei der Königin-Witwe Margherita geladen. — Am Nachmittag machte der Fürst einen Spaziergang mit Prof. v. Renoers. — Die „Köln. Ztg." bestätigt die Angaben der „Frkf. Ztg.", daß bei dem Gespräch des Fürsten Bülow mit dem Papste die polnische Frage gar nicht und die Zentrumsfrage nur soweit berührt wurde, um erkennen zu lassen, daß man sie im Vatikan verständnisvoll als eine innerpolittsche Angelegenheit betrachte. „Die Jntereffen Preußens wie der Kurie", so heißt es im Diplomatenstil, „decken sich hier vollständig." Der Empfang des Papstes habe einen herzlichen Charakter getragen und Bülow den persönlichen Eindruck empfangen, daß die Eigenschaften des Papstes in Deutschland vielfach unterschätzt werden, daß es namentlich unrichtig sei, in ihm ein Werkzeug in Händen anderer zu sehen, da er sehr genau wiffe, was er will, und daß die Quelle seines gesamten Handelns ein ernster, manchmal unerbittlicher Elaubenseifer ohne irgend eine politisch; Beeinflussung ist. — Rom, 17. April. Fürst Bülow wohnte heute vormittag dem Gottesdienst in der Botschaftskapelle bei. Der Fürst und die Fürstin nahmen dann das Frühstück beim deutschen Botschafter Grafen von Monts ein. Es waren geladen der bayerische Gesandte am Quirinal, Freiherr von und zu der Tann-Rathsamhausen, Profeffor Renvers, Gesandter v. Flotow, Lega- tionsrat Bergen, Geheimrat Stock und der Attaches Oberleutnant Beyersdorf.
— Anstellungsverhältniffe der Kandidaten des höheren Schulamtes. Wie aus der neuesten vom Kultusministerium herausgegebenen Statistik hervorgeht, hat die Befferung der Anstellungsverhältniffe der Kandidaten des höheren Schulamts, soweit das Lebensalter in Frage kommt, auch im Jahre 1905/06 angehalten. Das durchschnittliche Lebensalter der Kandidaten betrug zur Zeit der ersten Anstellung im Jahre 1896/97 noch 34 Jahre 2 Monate, im Jahre 1898/99 sogar 34 Jahre 4 Monate. Von da ab war ein stetiges Sinken zu beobachten. 1903/04 betrug das Lebensalter aber immer noch 31 Jahre. Dann fiel es 1904/05 auf 29 Jahre 6 Monate und hat sich für 1905/06 etwas höher, auf 29 Jahre 7 Monate gestellt. Gegenüber den
Lenzgesang der von wonnigen Hochzeitsgedanken erfüllten kleinen Vögel! Hatten die beiden Ausflügler bisher nicht viel mit einander gesprochen, so verstummten sie jetzt bald vollständig. Aber es war nichts Verlegenes in ihrem Schweigen, und nichts, das sie bedrückt hätte. Wenigstens nicht, soweit es sich um Johannes Reimann handelte. Dem keimte vielmehr immer stärker und fühlbarer ein ganz seltsames Glücksgefühl im Herzen empor — eine Empfindung, die nichts mehr gemein hatte mit jenen schmerzlich süßen Schauern der Erinnerung, wenn et im Geiste vor feinem Reliquienschrein gekniet. Und so leicht war ihm zu Sinn, so lebensfreudig und unternehmungsmutig — wahrhaftig, er hatte garnicht gewußt, daß er noch so jung sei.
„Ach, die reizenden Blumen!" rief Fräulein Hanna plötzlich, am Rande einer Wiese stehen bleibend, die in der Tat ganz übersät war mit Himrnelsschlüffeln und anderen Kindern des Frühlings. „Wenn Sie das Warten nicht verdrießt, möchte ich wohl ein Sträußchen für meine kranke Wirtin mitnehmen."
Nein, es verdroß ihn nicht. Aber dann kam etwas sehr Häßliches. Als Fräulein Hanna nämlich fast vor seinen Füßen niederkauerte, um Blumen zu pflücken, wurde er eines feinen silbernen Kettchens gewahr, das sie um den Hals geschlungen hatte, und deffen Enden sich im Ausschnitt ihres Kleides verloren. Da gab ihm eine unselige Regung ein zu fragen:
„Ist es das Bild des bewußten Herrn, das Sie da als Heiligtum auf dem Herzen tragen, Fräulein Hanna? — Ich meine, das Bild deffen, den Sie lieben?"
Sie blickte nicht auf, aber er hatte deutlich gehört, daß sie Ja sagte. Und da war es, als ob sich mit einem Mal ein trüber Schleier über all die Frühlingsherrlichkeit gelegt hätte. Der Himmel war nicht mehr so blau wie zuvor, der junge Rasen nicht mehr so lachend grün, »ud bet Lia-
früheren Zahlen ist heute immer noch ein günstiges Anstellungsverhältnis zu konstatieren. Unterschiede im Anstellungslebensalter der Kandidaten in den verschiedenen Provinzen gibt es allerdings immer noch. Im Jahre 1905/06, für das die letzte Statistik vorliegt, wiesen die Provinzen Brandenburg mit 30 Jahren 8 Monaten und Heffen-Naffau mit 30 Jahren 7 Monaten die schlechtesten Anstellungsverhältniffe in der erwähnten Beziehung auf, die besten mit 26 Jahren 8 Monaten die Hohenzollernschen Lande, mit 28 Jahren 5 Monaten Sachsen und mit 28 Jahren 7 Monaten Hannover.
— Das Nord- und Ostsee-Abkommen. Einem Berliner Telegramm der „Köln. Ztg." zufolge dürsten die beiden Erklärungen über die Nordsee und Ostsee, die erste in Berlin, die zweite in Petersburg, nach Ostern und zwar möglicherweise noch vor dem 1. Mai gezeichnet werden, unter der Voraussetzung jedoch, daß die vor der Zeichnung zu erfüllenden Förmlichkeiten 'n den beteiligten einzelnen Staaten glatt erledigt werden. Die Faffung der Erklärungen ist für die Ostsee von Rußlano und für die Nordsee von Deutschland entworfen. Die Entwürfe laufe» gegenwärtig bei den Zeichnungsmächten um. Wesentliche Aenderungen sind nach dem bisherigen Ergebnis der Verhandlungen nicht mehr zu erwarten.
— Das Deutsch-Französische „Annäherungs- Komitee", das sich bereits im Mai vorigen Jahres in Berlin gebildet und sich am 21. März des laufenden Jahres unter dem Vorsitz des Präsidenten des Herrenhauses, Freiherr von Manteuffel und des ersten Vizepräsidenten des Reichstages, Geheimer Regierungsrat Prost^oi Dr. Paasche, konstituierte, hat nunmehr einen Arbeiterausschuß gewählt, dem folgende Herren angehören: Profeffor Dr. med. I. Boas, Kommerzienrat Dannebaum, Direktor der Preußischen Pfandbrief-Bank, General der Infanterie von Fetter, Chefredakteur von Huhn (Köln. Zeitung), Geheimer Kommerzienrat Emil Jacob, 1. Vorsitzender des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller, Profeffor A. Kampf, Präsident der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin, Siegfried Karo, Dr. Krons- beiu, Chef-Redakteur („Die Post"), Generalmajor von Loebell, Freiherr von Manteufel, Landesdirektor von Brandenburg, Dr. Mantler, Direktor ton Wolffs Telegraphenbureaü, Geheimrat Rens, Chefredakteur H. Rippler (Tägl. Rundschau), Redakteur Samosch (Nationalzeitung), Redakteur August Stein (Frankfurter Zeitung), Bankdirektor Leopold Steinthal Rentier Felix Simon, Chef-Redakteur Karl Vollrath (Volkszeitung), Chef-Redakteur Theodor Wolff (Berliner Tageblatt). Den Vorsitz im Arbeitsausschuß führt Geheimrat Profeffor -!«>» i ■■.. .' .. -------Tjg
besgesang der kleinen Vögel war nur noch ein eintöniges, unharmonisches Gezwitscher.
„So sagen Sie mir auch noch das, Fräulein Hanna: werden Sie ihn immer lieben — ihn, der es so wenig verdient, wie jene Liffy es verdient hat, daß ich mir um ihretwillen sieben lange Jahre hindurch mein Leben verdorben?"
Er gitterte vor ihrer Erwiderung. Aber sie war schlimmer, als er's gefürchtet.
„Ja, ich werde ihn immer lieben. Und Sie sollen nicht sagen, daß er es nicht verdient. Niemand darf in meinem Beisein anders als gut von ihm reden."
Johannes Reimann stieß ein höchst unmotiviertes rauhes Lachen aus. Dann preßte er die Lippen zusammen und sagte nichts mehr. Eine Minute später richtete Fräulein Hanna sich wieder auf. Da aber, wo sie gekniet hatte, lag im Grase ein silbernes Medaillon. Es mußte aus dem Ausschnitt herausgeglittcn sein und sich infolge einer heftigeren Bewegung der Trägerin von dem Kettchen gelöst haben. Sie selbst hatte den Verlust nicht bemerkt, Johannes Reimann aber gewahrte den kleinen glänzenden Gegenstand, und er stürzte sich auf ihn wie ein Raubvogel, der auf seine Beute stößt. Die junge Lehrerin wurde auf sein Gebühren erst aufmerksam, als er einen sonderbaren Schrei ausstieß, und wie mit Blut übergoffen wollte sie hastig die Hand nach ihrem Besitztum ausstrecken. A» Stelle seiner Rückgabe aber mußte sie erleben, daß Johannes Reimann sie mit einem Frcuden- jauchzer in seine Arme nahm, und daß er glückstrunken ihre roten Lippen küßte.
Es war ja fein eigenes Bild gewesen, das er in dem Medaillon gefunden. —
Nun war der Himmel plötzlich wieder bla». Und als ein seliger Mann feierte Johannes Reimann an diesem wonnevollen Ostertag die glor» 1 reiche Auferstehung feines Herzens. — ;