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mit dem Areisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

«nd den Beilage«:Literarischer Anzeiger-,Zandwirtschaft'iche Beilage" «udIllustriertes Ssnntagsblatt-.

Dian abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Ho yy Kirchhain und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21.

,Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

OB3H

Marburg

Mittwoch, 15. April 1908.

Die Jnsertionsgebübr beträgt für die 7gehaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unwersttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg.

Zweites Glatt.

Die Sozialdemoüaiie und die ^andtagswahlen.

Die Sozialdemokratie eröffnete den preußi­schen Wahlkampf in einer durchaus würdigen Weise. Sie sucht durch Verdrehungen die preu­ßischen Beamten unzufrieden zu machen und auf ihre Seite zu ziehen. Dazu benutzt sie merk­würdiger Weise die in Aussicht stehenden Ge­haltsaufbesserungen. Das sozialdemokratische Zentralorgan will nämlich den preußischen Be­amten einreden, daß ihre Gehaltsaufbesserung durchaus noch nicht selbstverständlich, sondern daß sie von der Durchführung der Reichsfinanz­reform abhängig gemacht sei. Die letztere sei «rrchaus nicht sicher. Run sei aber von den Vertretern der Regierung ganz ausdrücklich und kategorisch verneint worden, daß die Gehaltsauf­besserung der Beamten in Preußen möglich Väre, bevor die Reichssinanzreform durchge­führt sei. Da die letztere nicht sicher sei, so sei es auch nicht gewiß, daß die Gehaltsaufbesserung der preußischen Beamten tatsächlich erfolgen werde. Und wenn der preußische Finanzminister es alsselbstverständlich" bezeichnet habe, daß im Herbst die Besoldungsverbesserungsvorlagen an den Landtag kämen, so sei diesWahl- schw-.ndel". rin diese und ähnliche lieblichen Ausdrücke wird man sich bei der sozialdemokra­tischen Presse nun schon wieder gewöhnen müs­sen. Rur steht ihre Wahrheitsliebe nicht im Einklang mit der Fähigkeit der Erzeugung von Kraftworten. Die ganze auf den Beamtensang angelegte Deduktion desVorwärts" ist darauf basiert, daß die Regierungsoertreter erklärt hätten, fis hielten die Aufbesserung der preußi­schen Beamtengehälter vor der Durchführung der Reichssinanzreform für unmöglich. Der auf dem Finanzgeoiete zuständigste Regierungs­vertreter ist doch wohl in diesem Falle der preu­ßische Finanzminister. Freiherr v. Rheinbaben hat sich gerade auch über den Zusammenhang zwischen Reich und Preußen geäußert. Er führte in der Abgeordnetenhaussitzung vom 11. März d. I. nach dem stenographischen Berichte wört­lich folgendes aus:

Mehrere der Herren haben dann gefragt, was daraus werden sollte, wenn im nächsten Herbste im Reiche aus der Vesoldungsfrage, aus der Frage der Sanierung der Reichsfinan­zen nichts wurde. Meine Herren, das halte ich für eine cnra posterior (Unruhe und Heiter- keit) meine Herren, bitte hören Sie mich

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u, (Nachvruck verboten )

Um Ostern war es ... .

V Ikovellette von Reinhold Ortmann.

Diegroße Liebe" seines Lebens, die erste gewaltige Leidenschaft, die nach seiner heiligen Ueberzeugung nie eine Wiederholung von gleicher Köstlichkeit erfahren konnte, sie war nichts anderes gewesen als ein holder Früh­lingstraum. Oder auch, um es richtiger auszu­drücken, ein liebliches Wintermärchen. Denn in den ersten Januartagen hatten sie begonnen, die Tiefen seiner Seele aufzuwühlen, und an einem lenzhellen Ostermorgen hatte et sie für alle Ewigkeit begraben.

Bor sieben langen Jahren war es gewesen. Als blutjunger Lehramtskandidat hatte er auf den dringenden Rat des Arztes einen Kurort im südlichen Tirol aufsuchen müssen, um seine durch all zu eifriges Studium angegriffene Gesundheit vor ernstlicher Gefährdung zu bewahren. Und auf einem seiner ersten Spaziergänge schon war T 'hr begegnet dem süßesten, reizendsten, be- zaubernsten weiblichen Wesen, das die weite Gotteserde trug. Tage und Wochen lang hatte «r sie in seiner jugendlichen Schüchternheit nur aus bescheidener Ferne angebetet, hatte wachend und träumend nichts anderes mehr gesehen als ihre lachenden blauen Augen, ihr entzückendes Naschen, ihre Rosenlippen, ihr seidenglänzendes schwarzes Haar und ihre gertenschlanke, bieg­same Elfengestalt. Noch heute konnte er sich HW anders als unter leisen Wonneschauern der Etunde erinnern, da er zum ersten Mal den Klang ihrer glockenhellen Stimme vernommen» als sie ihm lächelnd für die Wiedergabe eines verlorenen Taschentuches dankte. Und all das, was dann weiter geschehen war, die gemein­samen Spaziergänge auf einsamen Waldwegen, das liebliche Rasten an verschwiegenen Plätzen' ine Erklärung, der unvergeßliche erste Kuß mit icinen zahllosen Nachfolgern, all das war in Lohannes Reimanns Gedächtnis verwahrt wie tn einem ReUauienschrein, vor dem er in diesen

aus und, wie ich hoffe, für eine unnütze Sorge. Denn ich kann mir nicht denken, daß der Reichstag, der selber die Vorlegung eines um­fassenden Planes gewünscht hat, sich der Er­ledigung eines solchen Planes entziehen sollte. Die Zustände auf finanziellem Gebiete im Reiche erfordern doch im eigensten Interesse des Reiches und im Interesse des Ansehens des Reiches nach außen so dringend eine Abhülfe, daß wir doch alle wahrscheinlich die Hoffnung hegen werden, daß im Herbste eine Verständig­ung im Reiche stattfirchen wird. Aber ich gehe weiter,' ich bitte mir noch ein Wort zu ge­statten. Ich bin allerdings der Ansicht, daß die Erledigung der Aufbesserung der Gehälter der preußischen Beamten, Lehrer und Geistlichen nicht gewissermaßen ad aeterna saecula vom Reiche abhängig gemacht werden kann. (Leb­haftes Sehr richtig!) Und wenn in der Tat, wie ich nicht hoffe und für ausgeschlossen halte, es nicht gelingen sollte, im Laufe dieses Etats­jahres im Reiche zu einer Verständigung zu ge­langen, dann würde uns allerdings nichts übrig bleiben, als für Preußen gesondert vorzugehen. (Bravo! rechts. Unruhe im Zentrum und link.)"

Also, der preußische Finanzminster hat vor dem Abgeordnetenhause ganz klipp und klar er­klärt, daß Preußen für sich die Beamtenbesold­ungsaufbesserung vornehmen werde, wenn die Reichsfinanzreform nicht zustande kommen sollte. Dem gegenüber will derVorwärts" glauben machen, daß Regierungsvertreter die Möglichkeit der Gehaltsaufbesserung der preu­ßischen Beamten vor der Durchführung der Reichsfinanzreform ganz ausdrücklich und kate­gorisch verneint hätten, ja er zitiert sogar zum Beweise dafür eine Stelle der erwähnten Rede des Finanzministers vom 11. März, unterdrückt dabei aber den obigen Passus. Nicht immer ist die sozialdemokratische Mache so nachzuweisen, wie an diesem Beispiel. Es gehör, aber ein ganz ungewöhnliches Maß von Unverfrorenheit dazu, den preußischen Finanzminister, der nach solchen Ausführungen mit vollstem Recht die Einbring­ung der Beamtenbesoldungsvorlage im preußi­schen Landtage während des Herbstes alsselbst- verständNch" bezeichnete, eines Wahlschwindels zu beschuldigen. Wenn hier schon ein Schwindel in Frage kommt, so ist er, da doch die obigen Worte des Finanzministers niemandem ent­gangen sein können, der sich mit der Frage der Beamtenbesoldungsverbesserung beschäftigt, auf sozialdemokratischer Seite zu suchen.

Die Tätigkeit des Abgeordnetenhauses in der Session 1907 08. Das Haus tagte vom 26.

langen sieben Jahren Tag für Tag gekniet hatte, um seine Seele in der Andacht schmerzlich süßer Erinnerungen zerfließen zu lassen.

Das Ende nur hätte weniger bitter, das Er­wachen aus dem wonnigen Traume weniger grausam sein müssen. Keine dunklere Erinner­ung lebte in Johannes Reimanns Geiste als die an den sonnigen Ostertag, da Lissy ihm erklärt hatte, daß sie morgen abreisen müsse und damit alles zwischen ihnen zu Ende fei Alles und für immer! Denn er hatte ihr nicht verschwiegen, daß er nur ein Lehramtskandidat sei, ohne nen­nenswertes Vermögen und mit sehr bescheidenen Aussichten. Sie aber war freimütig genug ge­wesen, ihm zu gestehen, daß sie mit ihren An­sprüchen an das Leben nur eines reichen Mannes Frau sein könne, und daß sie darum beide am besten täten, die liebliche Meraner Idylle so rasch und so vollständig als möglich zu vergessen.

An jenem Ostermorgen hatte er seine Glücks- Hoffnungen eingesargt in der Gewißheit, daß für sie nimmer ein Tag der Auferstehung kommen ''irbe. Und in dieser betrüblichen Gewißheit . Je er noch heute. Er fühlte sich ja nicht mehr so grenzenlos unglücklich wie in den ersten Mo­naten nach der großen Enttäuschung. Er haßte die Menschen nicht, und er empfand kein Bedürf­nis, in Wüsten zu fliehen. Er hatte sogar seine kleinen Freuden und seine vergnüglichen Pas­sionen, vor allem die Passion für die Musik, die er als geschickter Violinspieler in seinen Muße­stunden mit hingebendem Eifer ausübte. Aber die Frauen nein, die Frauen waren ein für alle Mal ausgeschaltet aus seinem Leben. Wie hätte er an einer von ihnen Gefallen finden können, nachdem er die göttliche Lissy geküßt hatte sie, die ihm ewig der Inbegriff alles weiblichen Liebreizes und aller weiblichen Voll­kommenheit bleiben würde!

Seinen Bekannten galt er geradezu für einen Weiberfeind. Aber daß er es nicht im schroffsten, häßlichsten Sinne des Wortes war, hätte ihnen sein freundschaftliches Verhältnis zu Fräulein Hanna Gerboth beweisen müssen, sofern sie eben

November 1907 bis einschließlich 9. April 1908. In dieser Zeit fanden statt: 74 Sitzungen des Plenums, 51 der Abteilungen, 108 der Kommis­sionen, 290 der Fraktionen und 8 des Senioren« Konvents, zusammen 531 Sitzungen. An Re­gierungsvorlagen gingen dem Hause zu: der Staatshaushaltsetat nebst Etatsgesetz, 34 Ein­zeletats, 1 Nachttag zum Etat, 20 Gesetzent­würfe,, 1 Staatsvertrag, 4 Verordnungen, 24 Rechnungssachen, Denkschriften und dergl. Die Etatsvorlagen, der Staatsvertrag, die Rech­nungssachen und dergl. sind erledigt worden. Von den 20 Gesetzentwürfen sind 18 von beiden Häusern des Landtages übereinstimmend erle­digt worden, 1 ist im Adgeordnetenhause uner­ledigt gebli^en, 1 wurde vom Herrenhause ab­gelehnt. Von den gesamten 85 Regierungsvor­lagen wurden 24 an Kommissionen zur Vorbe­ratung überwiesen. Darüber wurden 11 schrift­liche und 35 mündliche Berichte erstattet. Es wurden ferner 37 selbständige Anträge einge­bracht. Davon waren 4 auf die Annahme von Gesetzentwürfen gerichtet, von denen 3 durch Annahme in beiden Häusern des Landtages ihre Erledigung fanden und 1 unerledigt blieb. Von den übrigen 33 Anträgen blieben 13 unerledigt, 11 wurden erledigt durch Annahme von Resolu­tionen, 1 durch Ueberweisung an die Regierung zur Berücksichtigung, 2 durch Ablehnung, 2 durch Zurückziehung, 3 durch Anträge zum Etat ersetzt, 1 durch Erklärung des Antrages erledigt. 21 Anträge wurden an Kommissionen verwiesen, welche über 7 Anträge schriftliche, über 7 münd­liche Berichte erstatteten. Es wurden 11 Inter­pellationen eingebracht, die sämtlich beantwor­tet und besprochen wurden. Von 6397 einge­gangenen Petitionen wurden 6 zurückgezogen. Von den Kommissionen wurden über 80 Peti­tionen schriftliche Berichte erstattet, über 56 mündliche Berichte vorbereitet. Davon wurden 74 schriftliche und sämtliche mündlichen Berichte im Plenum erledigt. 6254 Petitionen wurden förmlich erledigt. Es wurden von diesen 97 als nicht zur Erörterung im Plenum geeignet er­achtet, 4989 durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt, 1120 der Regierung überwiesen, 52 durch Annahme von Gesetzentwürfen, Resolu­ttonen und dergl. für erlebigt erklärt. lieber 13 Petitionen haben die Kommissionen sich noch schlüssig gemacht und für 8 davon Anträge für die Plenarberatung gestellt. 124 Petitionen sind ganz unerledigt geblieben. Die Abteilungen haben 17 Ersatzwahlen von Abgeordneten ge­prüft und für gültig erklärt. Die Eeschäfts- ordnungskomnrission hat über ein Schreiben bett. Ermächtigung zur strafrechtlichen Verfolg­ung wegen Beleidigung des Abgeordneten­hauses und über 2 Schreiben betr. Genehmigung

von der Existenz dieses Verhältnisses etwas ge­ahnt hätten. Aber sie sahen wohl beide keinen Anlaß, viel darüber zu sprechen. Es war ja auch so harmlos und unverfänglich, so gänzlich frei von jeder erotischen Beimischung. Irgendwo hatte Johannes Reimann die junge Volksschul­lehrerin kennen gelernt, und er, den ein anderes Schönheitsideal in seinem Bann hielt, hatte sicherlich kaum bemerkt, daß sie sehr hübsch war. Nur an ihrer Klugheit, an ihrer verständigen Lebensauffassung und an ihrem ruhigen, gleich­mäßigen Wesen hatte er seine Freude gehabt. Und dann noch ganz besonders daran, daß sie sich nicht nur in ihrem warmherzigen Interesse für die Musik, sondern auch in ihrer Vorliebe für bestimmte Kompositionen auf eine fast erstaun­liche Weise begegneten. Nun ging Johannes schon seit drei Monaten allwöchentlich zweimal zu ihr, um zu musizieren. Und so lange sie ihre Duo für Klavier und Violine spielten, dachten sie ganz gewiß an nichts anderes als an die gött­liche Musik.

Aber man muß natürlich auch Pausen machen. Und in diesen Pausen, ja, da fingen sie allgemach an, auch von anderen Dingen zu reden. Von allerlei hohen und ernsten Dingen zuletzt sogar von der Liebel Aber es war nichts Ver­fängliches dabei. Denn von der Liebe reden, hieß für Johannes Reimann nichts anderes, als von Lissy und ihren unvergleichlichen Reizen schwärmen. Und er empfand es geradezu als Wohltat, endlich ein Wesen gefunden zu haben, dem er von ihr und seinem süßen kurzen Winter­märchen erzählen konnte. Das tat er nun auch, nachdem einmal die erste Verfangenheit über­wunden war, mit wahrhaft unerschöpflicher Red­seligkeit. Zwischen Himmel und Erde gab es nichts, das für ihn nicht eine nahe oder entfernte Beziehung zu Lissy gehabt hätte nichts, da­raus sich nicht wenigstens ein Vorwand hätte gewinnen lassen, ihren Namen zu nennen. Und Hanna Gerboth war eine freundliche, geduldige Zuhörerin. Dafür, daß ihr sanftes Gesicht immer ernster, um nicht zu sagen trauriger wurde, je

zur Einleitung von Strafverfahren gegen Ab­geordnete mündliche Berichte erstattet. Je 1 Mandat sind zurzeit für die Wahlbezirke 8 (Potsdam) und 7 (Merseburg) erledigt.

Die Fahrpreisermäßigungen auf unseren Staatsbahnen sind bekanntlich durch die Ver­kehrsordnung gesetzlich in der Weise geregelt, daß Kinder, mittellose Kranke, Blinde, Mitglie­der von Krankenkassen usw. für den halben Fahrpreis befördert werden dürfen. Die gleiche Vergünstigung ist auch den Vorständen derjeni­gen Vereine zugebilligt worden, weiche sich die freie Liebestätigkeit auf dem Gebiete der öffentlichen Krankenpflege zur Aufgabe gestellt haben, selbstverständlich nur für Reisei., welche sie im Interesse der Vereinstätigkeit unterneh­men. Von dieser Vergünstigung haben einzelne Vereine im letzten Etatsjahre einen so aus­giebigen Gebrauch gemacht, daß die Staatsba'hn- verwaltung sich genötigt sieht, diese Fahrpreise^ Mäßigungen streng auf die gesetzlich vorgeschrie­benen Fälle zu beschränken. Sie wurden bis jetzt beansprucht und auch gewähtt, nicht allein für den eigentlichen Vereinsvorstand, sondern auch für die zahlreichen Mitglieder der vom Verein eingesetzten Ausschüsse. Künftig werden nur die eigentlichen Vorstandsmitglieder jene Vergünstigung genießen, d. h. diegesetzlichen Vertreter" des Vereins. Die Mitglieder der Ausschüsse, Kommissionen usw. werden den vollen Fahrpreis erlegen müssen.

Erundsätze für die Besetzung der mittleren Kanzlei- und Unterbeamtenstellen. Die erste Kommission des Reichstages hat ihre Beratun­gen über die Grundsätze für die Besetzung der mittleren, Kanzlei- und Unterb.amten in fol­genden Resolutionen zusammengefaßt: I. Zu den Grundsätzen für die Besetzung der mittleren, Kanzlei- und Unterbeamtenstellen bei den Reichs- und Staatsbehörden mit Militäranwär­tern und Inhabern des Anstellungsscheins: 1) (§ 1) Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, An­ordnungen zu treffen, wonach im Falle der Ver­weigerung des Zioilversorgungsscheins dem Ka­pitulanten die Gründe der Verweigerung in angemessener Zeit mitgeteilt werden müssen. 2) (§ 2) Dem Reichstage tunlichst bald eine Denkschrift über die Zivilversorgung pensionier­ter Offiziere zugehen zu lassen. 3) (§ 11) a. Die »erbüubeten Regierungen zu ersuchen: dem § 11 Abs. 1 folgenden Zusatz zu geben: Ist das Anteilverhältnis der Militäranwärter usw. nicht erreicht, so kann zugunsten derselben von dieser Reihenfolge abgesehen werden; b. auf eine Verkürzung des Diätariats der Zivil­anwärter hinzuwirken. 4) (§ 14) Die erfor­derlichen Anordnungen behufs einer geeigneten Vorbildung der Militäranwärter für den Zivil-

länger ihr Musikpartner von dergroßen Liebe" feines Lebens sprach dafür hatte Johannes bald eine Erklärung gefunden. Es mußten eben die gleichen Saiten [ein, die et damit in ihrer Seele zum Erklingen brachte. Und einmal, als er sie geradezu darum befragte, hatte sie es ihm mit gesenktem Haupte und niedergeschlagenen Augen bestätigt. Ja, auch sie batte ihren Früh- lingstraum gehabt, und auch für sie gab es keine Auferstehungshoffnung für ein eingesargtes Glück. In diesem abgezwungenen Geständnis war ja nun eigentlich nichts, was Johannes Rei­mann hätte unangenehm fein müssen. Aber es war ihm doch unangenehm er wußte selbst nicht, warum. Und er vermied es beinahe ängst­lich, darauf zurückzukommen. Von Lissy aber sprach er immer, immer wieder, und seine ver­klärende Phantasie schmückte sie dabei mit tau­send Vorzügen, die sie nie besessen.

Wieder einmal stand jetzt das Osterfest vor der Tür, der Tag, der unauflöslich mit Johannes Reimanns traurigsten Erinnerungen verknüpft war. Er hatte ihn noch immer in der Stille ver­lebt wie den Gedenktag eines geliebten Toten. Diesmal aber hatte er sich nach langer und reif­licher Ueberlegung entschlossen, Fräulein Eer- both zu einem kleinen gemeinsamen Osterausflug einzuladen. Denn er wußte, daß sie ganz allein in der Welt dastand und wenig Umgang mit gleichgestimmten Menschen hatte. Als er mit einiger Befangenheit seine Einladung vor­brachte, hatte sie wohl erst ein wenig gezögert, dann aber war zugleich mit einem lieblichen Er­röten ein feines Lächeln über ihr Gesicht gegan­gen und sie hatte erwidert:

Warum sollte ich Ihre große Freundlichkeit zurückweisen, Herr oKllege? Ich liebe die Natur in ihrem Frühlingskreise Über alles. Und dann dann werden wir ja auch zu Dreien fein. Ihre Lissy, die noch immer bei uns war, wird uns auf diesem Ausflug begleiten."

.(Schluß folgt.)

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