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Papst Sixtus V. ein Privilegium der Familie Brasca in San Remo wird. Kenner der altorientalischen Kulturgeschichte Haden darauf hingewiesen, daß die volkstümlichen Ursprünge des Palmenfestes im fernen Indien wurzeln, und daß selbst so anstößige Bräuche, wie die in manchen Gegenden Europas bis ins 19. Jahrhundert hinein üblich gewesene Umherführung des Palmesels von dem Eselsritt Herkommen, mit
steckten, geweihten Palmbäume ir- die einzelnen Häuser getragen. Der erste Knabe trägt ein hölzernes Christusbild, der zweite den zu verteilenden Vorrat an Palmen, ein dritter einen mit bunten Bändern geschmückten Korb zum Eiereinsammeln und der vierte eine versiegelte Geldbüchse, deren Füllung ja nicht der letzte und «unwichtigste Zweck des Rundgangs ist.
Sinniger ist die niederrheinische Sitte, am Palmsonntag die Grabhügel mit blühenden Weidenzweigen zu schmücken. In London geht man frühmorgens aufs Land „palming", um Palmkätzchen zu holen, mit denen man Hüte und Knopflöcher schmückt. In Italien sendet man demjenigen, mit dem man lange in Feindschaft gelebt hat, die Friedenspalme ins Haus zum Zeichen, daß man sich mit ihm versöhnen möchte.
Palmzweigen den Sieg des Frühlings über den Winter feierte.
Ganz allgemein ist in den späteren Zeiten des Altertums der Palmzweig eine Auszeichnung des Siegers. Palmen schmücken zurzeit der Ptolemäerherrschast den Zug der aus dem Felde mit Ruhm bedeckt zurückkehrenden Feldherren, und mit Palmenzweigen statt Schwertern in den Händen geleiten den siegreichen Führer seine Legionäre im Triumphzuge zum Kapitol. Bald aber stntt die Palme in der Wertschätzung. Schmückt man in Hellas die Sieger im Pentathlon mit Fichten- und Lorbeerkränzen, mit Preisen, die höher geschätzt werden als Gold und Edelgestein, so findet das nachahmungssüchtige Rom gar bald auch das Sklaven- und Freigelassenengesindel der Histri- onen der Palm« für würdig, die ihnen auf der Vorbühne (dem Proskenion) überreicht wird.
Bis zur heiligen Verehrung aber erhebt sich der Palmenkult bei den tropischen Völkern im Bannkreise Brahmas und Buddhas. Weil die Palme der Baum ist, der dem Menschen alles zum Leben Notwendige beut, der ihm Datteln, Nüsse und Pflanzenmilch, Bastfasern für Geflechte unb Stoffe zu Kleidern und Gerätschaften, Holz zum Häuserbau spendet, opfert er von ihm, als dem besten, was er hat, im Glück wie in der Not und Bedrängnis den Göttern. Die Frucht der Kokospalme, die nach der indischen Sage aus dem Blute des Sohnes entfproffen ist, den sein Vater Jrora in eifersüchtiger Verblendung getötet, soll mit ihrer Milch die schwersten Krankheiten heilen. Wenn der Bedrängte sie den Göttern opfert, sänftigen sie ihren Zorn. Die Springflut des Meeres, der angeschwollene Strom treten zurück, wenn man Kokosnüsse in die wütenden Wogen wirst. Feld und Wald werden durch solche Opfer vor der Wut der Elemente geschützt, und der Muhame- daner glaubt sogar, daß das Land, wo er Kokospalmen gepflanzt hat, dauernd im Besitz des Islams bleiben werde.
Als das Christentum seinen Siegeszug nach den nördlichen Ländern antrat, war guter Rat teuer, wie die dort nicht gedeihenden Palmen bei der Palmsonntagsfeier würdig zu ersetzen seien. Man begnügte sich, wenn auch junge Olivenzweige nicht zu haben waren, mit jedwedem dort gedeihenden Grün, selbst wenn auch nur, wie es so oft bei zeitig in den März tref-
DeutjcheS Reich.
— Einkommensteuerermäßigungen nach dem neuen Gesetze. Gemäß Paragraph 19 Absatz 1 des preußischen Einkommensteuergesetzes neuer Fassung, wonach den Steuerpflichtigen mit nicht mehr als 3000 M Einkommen für jedes Kind oder jeden anderen Familienangehörigen, dem sie auf Grund gesetzlicher Verpflichtung (Paragraphen 1601—1615 V.G.V.) Unterhalt gewähren, der Betrag von 50 -K von dem an sich steuer- pflichttgen Einkommen in Abzug zu bringen ist, sind im Steuerjahre 1907 325 470 Steuerpflichtige, und zwar in den Städten 140 598, auf dem Lande 184 872, von der Steuer freigestellt und 1359 797, und zwar in den Städten 737649, auf dem Lande 622 148, auf eine niedrigere Steuerstufe herabgesetzt 1 orden. Der hierdurch bedingte Ausfall an Steuer, welcher durch die Berücksichtigung von insgesamt 6 379 863 Familienangehörigen entstanden ist, beträgt 8 811098 M, insbesondere in den Städten 4 512 334, auf dem Lande 4 298 765 M. Dagegen wurden im vorangegangenen Steuerfahre 1906 auf Grund des Paragraph 18 des Einkommensteu ergesetzes alter Fassung, nach welchem bei den Steuerpflichtigen mit einem Einkommen von nicht mehr als 3000 M. für jedes Familienglied unter 14 Jahren 50 vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen wurden, 312137 Steuerpflichtige, und zwar in den Städten 136153, auf dem Lande 175 984, freige.cellt und 1068 438, und zwar in den Stödten 562 322, auf dem Lande 506116, ermäßigt. Der hierdurch veranlaßte Steucrausfall betrug 6 705 009 insbesondere in den Städten 3 316 058, auf dem Lande 3 388 951 M.
— Arbeitgeberverbände im Handelsgewerbe. Wie die „Soziale Praxis" mitteilt, beginnen die alten kaufmännischen Korporationen, dem Zuge und Drucke der Zeit folgend, sozialpolitische Interessenvertretungen gegenüber der Handlungsgehilfenbewegung aus den bestehenden Organi-
ankam, wollte Maja die Kleine behutsam niedersetzen. Doch diese schlang beide Aermchen um den Hals des Mädchens und bat schmeichelnd:
„Komm doch mit, liebe, liebe Tante, bitte, bleibe doch ein wenig bei mir!"
Da Maja nicht los kommen konnte, und da sie bemerkte, wie die Augen des Herrn v. Brandt in stummer Bitte die ihrigen suchten, so entschloß sie sich, nachzugeben. Mit einigen entschuldigenden Worten verabschiedete sie sich von den ändern, nahm Lilly bei der Hand und trat, wenn auch zögernd, über die Schwelle. In dem Häuschen war alles ungemein gemütlich und nett eingerichtet. Man gelangte zunächst in das Arbeits- und Wohnzimmer des Hausherrn. An der' einen Wand stand ein zierlicher Schreibtisch, auf dem Hefte, Bücher, Papier und Federn in bunter Unordnung herumlagen. Ueber dem Tisch hing das Bild einer sehr schönen Frau. Doch die Augen blickten den Beschauer kalt und stolz an, ein verächtliches Lächeln schien um die vollen Lippen zu spielen.
Dem Schreibtisch gegenüber befand sich ein bequemer Divan, der rasch mit Hilfe der herbei- geeilten jammernden Wirtschafterin zu einem Lager für Lilly hergerichtet wurde. Nun brachte die Alte weiches Linnen nebst frischem Wasser und Maja begann die Wunde behutsam auszuwaschen und halte Umschläge zu machen. Herr v. Brandt stand unbeweglich dabei und schaut« nur immer auf die schlanken, weißen Hände de» jungen Mädchens, die alles so geschickt anzupacken wußten, als hätten sie nie etwas andere» getan. Und doch war es das erste Mal, daß die verwöhnte Tochter des Millionärs solche Arbeit verrichtete. Sie war auch nicht wenig stolz, als die alte Katharine sie lobte:
„Mein, Fräulein, das muß ich sagen, fehl Doktor könnte es geschickter machen! Wer hat Ihnen denn das alles gelernt?"
„O, niemand, das lernt man in der Not von selbst; was ist denn auch weiter dabeik* lächelte Maja.
lFortsetzung folgt.)
Die Palme im Volksglauben der Jahrtausende.
Palmsonntagssttzze
von Dr. Kurt Rudolf Kreuschner.
Der Palmsonntag siebt in der Karwoche wie ein Stück lachenden, blauen Frühlingshrmmels neben einer dräuenden schwarzen Wetterwand, aus deren finsteren Wolken bereits die Schrck- falsblitze hervorzucken, die das furchtbare Ereignis auf Golgatha vorauskünden. Vom Volke als Erlöser bejubelt, als jener Mann gepriesen, der die nationale und religiöse Sehnsucht der Jahrhunderte dem Ziele entgegenführen soll, zieht er heute in die heilige Stadt ein. Wenige Tage darauf führt man den denn schmählichsten Verrat zum Opfer Geiallenen zum martervoll- ften Tode, und wiederum eine kurze Spanne Zeit hernach, da die Frauen am Tage nach dem Sabbath zum Grabe wallen, spricht zu ihnen der Engel, der in schneeweißem Kleide und in Gestalt dem Blitz vergleichbar aus dem Schlußstein des geöffneten Grabes fitzt: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden."
Die katholische und die orientalischen Kirchen halten sich bei ihren Feiern eng an den Bericht des Johannesevangeliums, wo es im 12. Kapitel heißt: „Als am anderen Tage die große, zuni Feste zusammengekommene . Volksmenge hörte, daß Jesus gen Jerusalem ziehe, nahmen sie die Zweige von Palmen und gingen heraus ihm entgegen und schrien: „Osanna, gepriesen sei der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel." Sie weihen deshalb am Palmsonntag Palmzweige oder in Ermangelung solcher Olivenzweige oder Vuchsbaum, blühende Weidenkätzchen, Aeste von Silberpappeln oder andere um diese Zeit blühende Baumreifer und Sträucher und ziehen um die Kirche in festlicher Prozession, nach deren Beendigung der Subdiakon mit dem Schaft des Kreuzes dreimal gegen das inzwischen geschlossene Kirchentor klopft, um symbolisch anzudeuten, daß Christus nahe, um den Menschen die Pfotten des ewigen Lebens zu erschließen.
Die Palmenwsihe tritt in der griechischen Kirche erst um das Jahr 400 nach Christus auf, von welchem Zeitpunkt ab die Konsekration unter Benetzung mit Weihwasser und Verbrennen des im Orient üblichen Räucherwerkes vorgenommen wird. Später wurde dieser Brauch endgültig in das Ritual ausgenommen und von Gregor VIT. dahin erweitert, daß bei der von ihm eingeführten großen Prozession in Rom nur echte Palmzweige zur Verwendung kommen, deren Lieferung durch eine Verordnung von
Marburg
Sonntag. 12. April 1908.
diese beinahe aufschrie, außerdem bedeutete ihr eine heftig abwehrende Bewegung, daß sie schweigen sollte.
Der Begleiter der jungen Damen schien den kleinen Zwischenfall nicht beachtet zu haben. Gedankenvoll schritt er neben ihnen her. Endlich sagte er, an Sylvias Bemerkung anknüpfend:
„Ach, das tut mir leid, — und darf man vielleicht wissen--?"
„Es ist kein Geheimnis — wir haben bei dem Zusammenbruch der Kreditbank unser ganzes Vermögen verloren!"
„O, — wenn es weiter nichts ist," lachte jener, „wozu brauchen Sie denn Geld? Sie besitzen Jugend und Schönheit, — ist Ihnen das nicht genug?"
„Leider wird man davon nicht satt," erwiderte Sylvia bitter. Sie schien noch etwas hinzufügen zu wollen, doch da hegegnete ihr wieder so ein aufleuchtender Blick vor vorhin. Dies machte sie so verwirrt, daß sie kein Wort weiter hervorbrachte. Es war gut, daß sich in diesem Augenblick eine jubelnde, Helle Kinderstimme vernehmen ließ.
Die kleine Lilly stürzte mit dem Rufe: „Tante Maja, liebe Tante Maja!" eiligst herbei.
Sie achtete weder der Baumwurzeln noch der Steine auf ihrem Wege, deshalb lag sie plötzlich am Boden. Der Kopf schlug im Fallen hart an einen Baumstamm.
Maja sprang hinzu mit dem erschrockenen Rufe: „Ach mein armer Liebling, — hast Du Dir weh getan?"
Das Kind schüttelte zwar verneinend das Köpfchen, doch verzog sich der rote Mund schmerzlich, während die Augen sich mit Tränen füllten. Lilly suchte anscheinend gewaltsam den Schmerz zu unterdrücken.
„Siehst Du, das kommt von Deinem wilden Tollen und Laufen," zürnte Lillys Vater, der rasch näher getreten war.
„Nicht schelten Herr v. Brandt," bat Maja sanft und drückte die Kleine innig an sich. Jetzt
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
«n» »en Keilszen: „zit-r-rischer A-r-ig-r". „r«.»«irtfch»stlich. K-ll-g-« .0» „IU-stri-rt-,
senden Ostern der Fall ist, die ersten grünen Spitzen und silbern schimmernden Blütenkätzchen durch die Rinde der Zweige hervorbrechen. Mit Recht reimt deshalb Goethe:
Im Vattkan bedient man sich Palmsonntags echter Palmen; Die Kardinäle beugen sich Und fingen echte Psalmen. Dieselben Psalmen singt man auch Oelzweiglein in den Händen, Muß im Eebirg' zu diesem Brauch Stechpalmen gar verwenden. Zuletzt, man will ein grünes Reis, Da nimmt man Weidenzweige,.
Damit des Frommen Lob und Preis Auch im geringsten zeige.
fen, und ein jeder bemüht sich, ein Zweiglein davon zu erhaschen.
Der geweihte Zweig der Palmenweide bewahrt das Haus, an dessen Giebel er angeheftet ist, vor Blitzschlag, auch ist derselbe gegen Kopfweh und Fieber nützlich. Die Wöchnerin, die einige Blätter davon, bevor sie den ersten Kirchgang unternimmt, in die Schuhe legt, ist auf dem Wege zur Aussegnung vor den Anfechtungen des Satans geschützt. Am Hochzeitstage in der Tasche getragen, find geweihte Palmkätzchen ein unfehlbares Mittel gegen ehelichen Zank und Zwistigkeit. Hühner, denen man etwas davon ins Futter streut, find gegen Raubvögel geschützt und legen fleißig Eier. Das Kind, über dessen Bett sie angebracht sind, hüten die Palmkätzchen vor Gefahren. Bricht Feuer im Orte aus, so stellt man die Palmen allenthalben an die Fenster, um das Umsichgreifen der Feuersbrunst zu verhindern. Einige Svänchen vom Palmzweige in einem Säckchen auf der Brust getragen, sichern den Träger vor der bösen Schratt und dem Alpdrücken. Im Viehstall verhindern sie das Ausbrechen von Seuchen und befördern die Fruchtbarkeit der vor dem Besprechen geschützten Tiere.
In Schlesien steckt man hier und da Palmzweige in die Felder, um sie vor Mißwachs und Hagelschlag zu schützen. Im Bayerischen Walde werden von den Ministranten der Pfarrkirche die mit zahlreichen Buschen, d. s. Buketts, be
„Man will ein grünes Reis." Das ist ... Hauptsache, mag es nun ein blühender Zweig des Haselstrauchs oder der Palmweide oder ein winziges, zierliches Tannenbäumchen sein, wie man es in den Alpenländern mit Aepfeln und bunten Bändern geschmückt aus jedem Gehöft zur Kirche trägt, um es vom Priester weihen zu lassen; denn auch auf ihm liegt der vom Geistlichen vermittelte göttliche Segen. Und wenn es bis zum Morgen des Ostersonntags eine ganze Woche lang draußen in Feld und Garten seine Schuldigkeit getan hat ist seine wunderwirkende Kraft noch lange nicht erschöpft. Es ist noch zu vielem anderen im Laufe des Jahres beru-
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erst bemerkte sie, daß das Kind eine klaffende Stirnwunde davongetragen hatte. Das Blut sickerte in großen Tropfen daraus hervor. Maja preßte erschrocken ihr feines Vattisttuch darauf, doch das dünne Gewebe war bald ganz durchtränkt.
„Wir müssen rasch frisches Wasser haben," sagte das junge Mädchen ängstlich, wo nehmen wir nur solches her?"
„Ich muß eilen, mit dem Kinde nach Hause zu kommen; glücklicherweise ist es nicht sehr weit." versetzte Herr v. Brandt.
Die anderen waren indessen hinzugekommen und die erschrockenen Gesichter mochten die Kleine nun erst ängstlich gemacht haben. Sie brach in bitterliches Weinen aus.
„Muß ich jetzt sterben, Tante Maja?" fragte sie in kläglichem Tone.
„Nein, — nein, mein Herzenskind," tröstete diese, „Du mußt Dich jetzt nur gleich ins Bett legen und ganz stille liegen bleiben. Deine alte Kathrine macht Dir dann kalte Umschläge, und Du wirst bald wieder gesund."
„Aber dann kann ich ja gar nicht zu Dir kommen," jammette Lilly.
„Nun, die paar Tage wirst Du doch ohne Tante Maja fein können?" warf Sylvia ein.
Es war merkwürdig, — aus Sylvia machte sich Lilly gar nichts, nur an Maja hing sie mit einer geradezu schwärmerischen Liebe; sie empfand es als höchstes Glück, wenn sie bei der „Tante" fein durfte.
Maja hatte das Kind auf den Arm genommen und eilte mit ihm so rasch als möglich vorwärts. Sie beachtete es nicht, daß das herabrieselnde Blut ihr Kleid beschmutzte.
Herr v. Brandt protestterte eifrig: „Ich bitte, — gnädiges Fräulein, Sie werden sich überanstrengen, die Last ist zu groß für Sie! Bitte, lassen Sie Lilly doch mich tragen!"
„Aber nein — das Kind ist ja leicht wie eine Feder," lächelte Maja.
Als die Gesellschaft an dem von wildem Wein umrankten Häuschen des Herrn v. Brandt
Die Freundinnen.
Originalroman von Irene v. Hellmuth.
(Fortsetzung.)
„Wie kommen Sie nur bei dem schlechten Wetter da heraus?" fragte Maja.
„Ich liebe den Wald leidenschaftlich, mein Fräulein. Wenn ich in eine fremde Gegend komme, so suche ich immer zuerst den Wald auf."
„Aber bei Regenwetter--?“
„Ja, da gefällt es mir eben erst recht! Gerade das zieht mich an! So ein Gang durch den regentriefenden Wald, — ach, wie das raunt und flüstert, — ich kann gar nicht sagen, was ich da empfinde. Ich bin nun mal solch ein sonderbarer Schwärmer. Im Walde, in der grünen Wildnis, da fühle ich mich am wohlften!"
„Was führt Sie denn aber in unsere Gegend?" forschte Maja weiter.
Er zuckte die Achseln und zitierte halb ernst, halb scherzhaft:
„Errötend folgt er ihren Spuren
Und ist von ihrem Gruß beglückt.
Das Schönste sucht er auf den Fluren, Womit er seine Liebe schmückt!"
Er blickte dabei Sylvia an, die unter dem feurigen Strahl rasch die Augen sentte. Sie war wieder recht ernst und still geworden.
„Es kommt mir vor," wandte sich der junge Mann direkt an diese, „als ob Sie sich seit unserer letzten Begegnung sehr verändett hätten. Damals waren sie ein lustiges, übermütiges Äinb, und heute — sind Sie eine ernste junge Dame. Der herbe Zug um Ihren Mund will mrr gar mcht gefallen. Auch die Augen blicken so ganz anders als damals. — Ist Ihnen etwas Unangenehmes begegnet?"
„O ja sehr viel," entgegnete Sylvia, ohne den Blick zu erheben.
Maja fiel rasch ein: „Meine Freundin hat sich in der Zwischenzeit--“
Das letzte Wort blieb unausgesprochen, denn vylvia drückte den Arm Maja» so heftig, daß
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