MchM JeilMg mit »em Krkisblatt kür die Kreise Marburg uns Kirchhain „ri> »en Beilagen: „Werarischer Anzeiger«, „z-ubmirtschastlich- K-U-g.« und „Illustrierte» »blatt«.
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Marburg
Sonnabmd 11. April 1908.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Ioh. Äug. Koch, Universttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C.Hltzeroth, Marburg, Markt21.— TelephonSS.
43. Jahrg.
Zweites Blatt.
Monte Pincio und Monte Sacro.
Römische. Spaziergänge im Vorfrühling von A. I.
Der 29. Januar war einer der schönsten Muttertage, die wir in Rom erlebt hatten. Nach einer kalten Nacht, in der einige Eiszapfen entstanden waren, schien die Sonne in ungetrübter Pracht vom Aufgang bis zum Niedergang, erwärmte den Erdboden bereits wieder so behebend, daß sie an günstigen Stellen sogar schon Veilchen und andere bescheidene Frühlingsblumen hervorgelockt hatte und auch in uns die Sehnsucht erweckte nach frischer Luft und nach freiem Ausblick ins offene. Land, nachdem wir seit einigen Monaten in den schmutzigen und staubigen Straßen der ewigen Stadt emsig von einem der r^'ühligen Wunderwerke jahrhun- dertjähriger Kunst zum anderen gepilgert und davon gründlich ermüdet und abgespannt waren.
Wollen wir den schönen Nachmittag, statt immer wieder auf den Pincio zu gehen, nicht lieber benutzen, um uns vor einem der Tore umzusehen und den Sonnenuntergang außerhalb der Stadt genießen? fragte mich Helene. Einverstanden? Aber wohin wollen wir uns wenden? Nach dem Monte Sacro, meinte sie; von dort werden wir der Karte nach vermutlich eine gute Aussicht auf die Berge haben. Ich kannte den heiligen Berg nicht, um so mehr stimmte ich zu. Ich gestehe, daß ich dem latenten Vorwurf „immer wieder" auf den Pincio seine Berechtigung nicht absprechen konnte; aber ich will mir keinen Vorwurf daraus machen lassen, bekenne vielmehr ganz offen meine besondere Vorliebe für den Vincio, und daß ich während unseres mehrmonatlichen Aufenthaltes in Rom fast jeden Tag mindestens einmal dort gewesen bin. Und das geschah nicht nur, weil wir in der Nähe wohnten, sondern hauptsächlich, weil der Ort selbst auf mich dauernd eine starke Anziehungskraft ausübte. Schon der Weg dahin, von dem Obelisken über der spanischen Treppe beginnend, welchen Hochgenuß gewährte er immer von neuem in seiner feierlichen Stille gegen den chaotischen Spektakel der unten wimmelnden und lärmenden Großstadt, wenn ich ihn des Morgens zu einem Spaziergang aufsuchte. Rechts — den Blick beschränkend — der aufsteigende Berg mit seinen Gärten, dicht an der Straße die interessante Front der Kirche Trinita bei Monti mit ihren beiden Türmen, dann die Villa Medici, die reizende Felsennische mit der kleinen Fontäne und den zierlichen mit rosa Früchten wie mit Korallenperlen bedeckten Pfefferbäumen; links der über schroff abfallendes Gestein sich immer weiter entwickelnde herrliche Fernblick über die ewige Stadt! Noch um 11 Uhr pfl-gte ich dort oben fast ganz allein zu sein, böchstens fanden sich spielende Kinder ein mit ihren Wärterinnen oder einzelne Engländer, die auf den Eartenbänken ihre Zeitungen studierten; und so konnte ich ungestört den herrlichen Park durchstreifen und die ausgesuchten Schönheiten von Anlagen studieren, wie Kunst und Natur sie an keiner Stelle der Welt großartiger und anmutiger zugleich geschaffen haben. Der Totaleindruck ist der eines weit südlicher gelegenen Ortes; denn man sieht fast lauter immergrüne Gewächse. Riesige Palmen mii ihren langen Wedeln bilden den Mittelpunkt in der Hauptgruppe auf dem großen Spielplatz, die immergrünen Eichen, die Pinien und Eypressen; Citronenbäume und Lorbeergebüsch erfcheinen mit vielen anderen südländischen Pflanzen als Unterholz, mancherlei früchtetragende und blühende Sträucher sind da vertreten und während des ganzen Winters fehlt es selbst nicht an Blumen: späte Herbstblumen, zu denen hier auch die Rosen gehören, werden alsbald von den frühesten Frühlingsblumen abgelöst. —
Wie verschieden hiervon sind die Bilder, die sich an den Nachmittagen auf dieser Stelle entwickeln. Der Monte Pincio ist der Endpunkt der täglichen Corsofahrten, hier wird umgekehrt und wieder nach der Piazza Venetia zurück oder nach Hause gefahren. An besonders schönen Tagen ist die Reihe der von der Piazza del Popolo auf den prachtvollen Zickzackwegen langsam und bedächtig heraufströmenden und pilgernden Wagen und Fußgänger unabsehbar, sie wächst gelegentlich an zu tausenden, die alle Herkommen, um das öffentliche Konzert mitanzuhören, welches — mit Ausnahme von ganz schlechtem Wetter — jeden einzigen Tag hier im Freien gegeben wird. An solchen Tagen ist der -roße Platz vor dem kleinen Tempel der uniformierten Musikanten so dicht besetzt, daß man nur mit größter Mühe sich durch das stehend« und fitzende Publikum durchdrängen kann, während jenseits desselben die Equipagen und geringeren Fuhrwerke sich zu förmlichen Wagenburgen stauen, wenn sie oben still halten, bi« da«
mittelbar hinter derselben erhebt sich der Monte Sacro, mehr ein bescheidener Hügel, als ein Berg. Aus seinen breiten Rücken gelangt man bequem auf einem serpentinisch gewundenen Fußpfade. Oben fanden wir nichts aL einige Gruppen einfacher Holzbänke von einigen kunstlosen Brettern, welche Tische vorstellen sollten. Ueber diesen, ein Dach bildend, hingen auf einem Gerüst von Hopfenstangen sehr durchsichtige Fetzen von Matten aus Rohr, die im Sommer einen schwachen Schutz gegen die Sonne abgeben mögen, jetzt aber nur den Eindruck der Verkommenheit und Vernachlässigung des Ortes verstärkten. Hier waren wir ganz allein, weit und breit kein Mensch zu sehen.
Der freie Ausblick in die Campagna, auf das schneebedeckte Sabiner-Gebirge im Norden und auf die Albaner-Gebirge im Osten war herzerquickend und erfreulich, um ihn recht befriedigend finden zu können, dazu standen wir trotz des Berges zu tief im Terrain. Der wellige Charakter unserer nächsten Umgebung deckte zu viel von der Ferne, war nur in der Richtung des Flußtales, nach Frascati hinüber, unbeschränkt, und die untergehende Sonne beleuchtete soeben mit ihren rosigsten Strahlen die toskanischen Höhen. Das uns zunächst liegende Gebiet erwies sich als ein kräftiges Weideland von verblüffender Kahlheit. Einige ruppige Pferde, mehrere Kühe, Ziegen und Schafe, ein paar durch Abhacken der Neste verunstaltete Bäume und Sträucher war alles, was wir dort entdeckten konnten.
Jetzt aber drängte sich mit immer dringender die nahe liegende Frage auf: wie kommt dieser Berg zu dem Beinamen eines heiligen Berges? Wie erklärt es sich, daß eine heilige Stätte so nahe bei Rom existieren kann, ohne durch Kreuze, Kurzifire oder andere kirchliche Embleme als solche bezeichnet zu sein? Weil wir diesmal nicht auf gelehrte Studien ausgegangen waren, hatten wir Freund Bädecker zu Haufe gelaßen, nach einigem Nachdenken mußte ich mir indessen selbst sagen, daß hier von einem christlichen Heiligtum nicht die Rede sein könne, daß wir also auf einem Denkmal des vorchristlichen Rom stünden. Ich weiß nicht mehr, mit welchem Eedankensprunge ich darauf gekommen bin, plötzlich war mir klar: es ist dies der mons sacer der alten Römer!
Dank der vortrefflichen römischen Eeschichts- ' schreibet ist die Geschichte bet römischen Republik seit Jahrhunderten bet ganzen gebildeten Welt bekannt und geläufig, sie ist fast ausschließlich erfüllt von den Kämpfen bet Proletarier mit ben Patriziern, unb es ist gewiß nicht uninteressant. barem zu erinnern, baß am Anfang wie am Enbe bieser funbamentalsten aller welthistorischen Epochen ber Name „Shakespeare" steht mit feinen Dramen: „Cotiolan" unb „Julius Cäsar"! ___
Das ist Rom! Jebe Phase seiner Geschichte ist Weltgeschichte? Selbst ein so armseliger Flecken Erde wie dieser kahle Berg verkündet den unsterblichen Ruhm der ewigen Stadt allen, die Augen und Ohren und einen Sinn für die Entwicklung der Menschheit haben.
A's anderen Blättern
Zn Sachen des „Simplizifsimus" schreiben die „Hamburger Nachrichten": Die Zeiten, wo der „Simplizifsimus" mit seinen bildlichen Darstellungen und Witzen auf Schwächen dieser oder jener öffentlichen Einrichtung, dieses ober jenes Standes innerhalb ber Grenzen berechtigter Satire hinzuweisen und dadurch auf Besserung hinzuwirken suchte, sind längst vorüber. Heutzutage handelt es sich für das Blatt fast nur noch darum, jede Autorität, göttlicher wie menschlicher Natur, zu verspotten und herabzuwürdigen, namentlich aber durch grobe Blasphemien das Empfinden jedes religiös gesinnten Menschen zu verletzen. So begeht das Blatt in feiner neuesten Nummer wieder eine Gotteslästerung verwerflichster Art. Es bttngt nämlich auf der Titelseite drei Postkarten aus dem Himmel. Auf der einen macht Gott zu Pferde Parademarsch mit einer Engelschar, auf der zweiten ist er in Schlafrock und Zipfelmütze, ek lange Jmportzigarre rauchend und mit einem geflügelten Dackel an der Seite, abgebildet, während er auf der dritten, mit der langen Pfeife versehen, in der,, Ahnengalerie" vor Zeus, Wotan und Allah sitzend zu erblicken ist. Der Text zu diesen Bildern, so albern wie blasphemisch, trägt obendrein die Unterschrift „Gott" oder „Liebergott". Wir sind die letzten, welche die politischen Rechte der Satire, in Wort und Bild zum Ausdruck zu kommen, ihre Nützlichkeit, ja ihre Notwendigkeit bestreiten, und ihre Beschränkung durch die Gerichte wünschen. Dagegen müsien wir es als eine bedauerliche Ueberspannung des Begriffes vom Rechte bet Satire bezeichnen, wenn versucht wird, mit Berufung auf biefe» Recht die Gesinnungslumperei und die Lesudeluug alle« dessen, anderen
beliebte Stück zu Ende gespielt ist. Lauter enthusiastischer Beifall belohnt schließlich die Musiker. Dazwischen feiert die Schönheit der in ihren Gefährten erscheinenden Damen und deren Toiletten ihre wohlverdienten Triumphe, nicht minder auch das Geschlecht der ihre Säuglinge an den Busen legenden Ammen in ihren kleidsamen und meistenteils sehr kostbaren Nationaltrachten. Denn nicht nur die Aristokratie ganz Rom ist bei diesen Konzerten vertreten. Nach der Beendigung wird der Park schnell verlassen, da inzwischen der Abend heran- gekommen ist, und die Pforten des Elysiums nach Sonnenuntergang von städtischen Beamten unbarmherzig geschloßen werden. Kaum behält man noch Zeit von dem weltberühmten, unvergleichlichen Aussichtspunkt auf der Höhe des Berges das herrlichste Naturschauspiel zu beobachten, wenn die Sonne hinter der gewaltigen Kuppel der Peterskirche verschwindet, während die ewige Roma mit ihren 450 Kirchen und anderen wunderbaren Baudenkmälern uns zu Füßen liegt, und der Himmel von Farben erstrahlt, wie sie der Nordländer nur selten zu sehen bekommt.
Der Blick vom Pincio über Rom ist mit Recht berühmt, aber er ist insofern doch beschränkt, als et nicht über die Stadt hinausreicht nichts von der Umgegend sehen läßt. Die landschaftlich schönere Aussicht auf Rom und das so nahe großartige Sabiner-Gebirge mit seinem ewigen Schnee und die lieblichen Albaner-Berge kann man nur von der Südseite der Stadt genießen, und zwar hauptsächlich von zwei Stellen von den Höhen des Janiculum und von der Restauration im Castello di Constantino auf dem Aventin. Diese wundervollen Ausstchts- puntte werden jedoch nur von Fremden aufgesucht, die Römer zeigen dafür kein Jnteresie. Augenfcheinlich gilt auch ihr Besuch des Monte Pincio, wenn nicht ausschließlich, so doch weit mehr der Musik und der Gesellschaft, als dem Park; für die Schönheit und Erhabenheit der Natur haben sie weder Liebe noch Verständnis. Außer auf dem Pincio sieht man sie selten im Freien; vor den Toren ihrer Stadt haben sie sich an keiner Stelle einen öffentlichen Aufenthalt geschaffen, an dem man die Natur genießen oder auch nut einen herzerquickenden Spaziergang machen könnte. Einen Spaziergang darf man freilich einem Römer ober gar einer Römerin nicht empfehlen, wenn es sich um ein Vergnügen fianbeln soll. Dem Italiener erscheint bas zu Fuß geben als eine unerhörte Strapaze; „Fahren" ist ihre Leidenschaft, dabei buldigen sie dem Grundsatz: besser schlecht gefahren, als gut gegangen.
Trotzdem wir uns daher von einem Ausflug in das Land nicht eben große Illusionen machen konnten, sollte Helene doch recht behalten; schon der Wifsenschast wegen wollten wir bei ihrem Vorschlag bleiben. Wie beschloßen, machten wir uns auf den Weg nach dem Monte Sacro und verließen die Stadt bei der Porta Pia. Die Strecke ber Via Nomentana bis zu unserem Berge erforbert für ben Fußgänger eine gute Stunbe, ben ersten Teil betreiben kann man auf bet Trambahn zurücklegen unb wir taten gut, sie zu benutzen: denn bie lange, fast gerabeaus nach Nordost führende Straße bietet — wie alle von den Toren auslaufenden Straßen — keine andere Ansicht, als auf hohe, häßliche Mietskasernen, von denen manche kaum aufgebaut, schon wieder verfallen sind. Eine Unterbrechung bildete nur auf der rechten Seite die neue Parkmauer ber Villa Torlonia, hinter der man den wohlgepflegten Garten unb bas moderne Haus mehr ahnen, als sehen kann, unb links eine alte Klostermauer, burch welche bie uralte Kirche ber heiligen Agnes verdeckt wird. Vor 14 Tagen hatte diese Heilige ihren Jour" gehabt und ganz Nom in Trapp gesetzt durch die Kundgebung daß an jenem Tage bei ihr die Lämmer gesegnet würden, von deren jungfräulicherWolle bie Pallien für bie Bischöfe angefertigt werden.
Als Stadtstraße endet die Via Nomentana an dem Ponte Nomentano und läuft jenseits des Flüßchens Teverone als Landstraße weiter. Das letzte Stadthaus links diesseits der Brücke ist eine Osteria. Aus deren ödem Vorgarten verlockten uns die Klänge einer zwei Mann starken Kapelle und die Hoffnung auf eine Tasse Kaffee zum Halt machen. Hier drehten sich auf dem winterlichen Rasen vor einem stark gemischten Publikum im Walzertatt einige tanzende Paare niedlicher Mädchen, die nach ihrer Vorstellung mit dem Teller herumgehend das Geld für die Musikanten zusammen bettelten. Besonder« erhebend waren jedoch weder der Kunstgenuß noch der Kaffee, beides wurde nur dadurch für uns denkwürdig, daß wir es in dieser Jahreszeit hatten im Freien genießen können. Die Brücke über den Teverone liegt in der Tiefe eines recht schmalen Tales, st« ist von Steinen erbaut und besteht aus einem einzigen Bogen von ziemlich ansehnlicher Konstruktion; Teile davon sollen noch aus dem Altertum herstamm«. Un
Menschen heilig ist, als erlaubt und straflos hinzustellen. Das Nämliche gilt von den Bemühungen des „Simplizifsimus", in der unverantwortlichsten und scheußlichsten Wttse denKlaßen» haß zu fchüren und Einrichtungen, die für, unser Vaterland von größter Wichtigkeit fmd, in bet Öffentlichkeit systematisch lächerlich unb verächtlich zu machen ober berabzuwürdigen. Ein Recht ber Satire auf betartige f i che wird kein vernünftiger unb anstänbiger Mensch anerkennen. Wir können unseren Artikel nicht schließen, ohne nochmals barauf hinzuweisen, baß sich je- ber, ben ben „Simplizifsimus" *ält ober regelmäßig kauft, zum Mitschuldigen aller der Schändlichkeiten macht, die bas Blatt gegen bie öffentliche Ordnung, gegen Zucht unb Sitte begeht. Der „Simplizifsimus" würde sein schamloses Treiben seht bald einstellen, wenn et seitens des Publikums keine Unterstützung mehr fände. Aber leider erweist sich ja bie Spekulation auf bie zweifelhaftesten Instinkte bet menschlichen Natur, auf bie Lust am Skandal, auf höhnische Schadenfreude, auf Cynismus, auf bas hämische Behagen am Herunterreißen und in ben Schmutzziehen jeber Autorität, noch immer als bie erfolgreichste. Das wirb wohl auch bann erst wieder besser werben, wenn wir aus bem bedenklichen Zustande, indem sich unset deutscher öffentlicher Geist von heute befindet, in unsanftester Weise aufgerüttet werden. Dann wird es mit dem „Simplizifsimus" und der Zeitströmung, die ihn trägt, ein schnelles Ende nehmen. Früher kaum, wenn nicht eben die Gesetzgebung einschreitet. Dazu ist ja wohl keine Aussicht.
Di« „Kr«UU«itung" veröffentlicht einen Brief den der kürzlich bei dem kühnen, siegreichen Vorstoß in die Kalahari gefallene Hauptmann v. Erckert an einen seiner zurückgekehrten Kriegsgefährten geschrieben hat:
Gochas, 5. Februar 1908. Aus bekannter Gegend Ihnen vielen Dank für die freundlich« Uebersendung des Buches.*) Wir sind im Begriff, ihm ein neues Kapitel anzufügen: Kalahari. Am 5. März marschiere ich vor: 500 Mann, 700 Kamele, und Wasser nur das, was wir mitführen. Bohrungen bisher vergeblich, trotz 56 Meter Tiefe. Es bleibt ein Vabanque« Spiel trotz siebenmonatiger angespanntester Vorbereitung. Die „Kolonialzeitung" nennt unseren Gegner eine „Räuberbande"; baffür ist bie Aufmachung ziemlich umfangreich. . . . Aus ben Zeitungen erfahren Sie bas Weitere, Gutes ober Schlimmes. Das steht in ber Welt bes Ringen« unb besonbers in diesem konditionalen Erdteile stets auf des Messers Schneide. In alter Kameradschaft Ihr ergebener Erckert.
Di« Zeitungen hatten Erckerts großen Erfolg und seinen Tod schon gemeldet, als dieser Brief einen letzten, herzbewegenden Gruß brachte.
*) Es war Divisionspfarrer Schmidts Buch „Aus unserem Kriegsleben in Südwestafrika".
Bücke: ickau.
•• In anschaulicher Weise schildett uns Profeßor ftnöpfler in der vor uns liegenden Lieferung 3 der „Deutschen Gedenkhalle", Bilder aus der vaterländischen Geschichte in dem Kapitel: Der heilige Bonifatius und die Bekehrung Deutschlands, wie bie ersten Christen in Deutschland und die ersten germanischen Stämme, die jedoch nicht innerhalb der Grenzen des heutigen Deutschland, sondern in den verschiedenen Provinzen des damaligen römischen Weltreiches wohnten, zum Christentum bekehrt wurden. Irische und schottische Mönche wanderten und predigten, und der heilige Bonifatius, der Sohn eines angelsächsischen Großen brachte in ganz Deutschland im Anfang des 8. Jahrhunderts die einheitliche, christliche Organisation und Verfassung. Er erhielt den Ehrennamen „Apostel der Deutschen". Ferner bringt uns noch das Heft als literarischen Beitrag den Schluß des Kapitels: „Die Franken", von Felix Dahn. Eine meisterhafte Gravüre schmückt diese Fortsetzung, welche die „Schlacht im Teutoburger Walde", 9. bi« 11. Sept. 9 n. Chr., von Friedrich Gunkel gemalt, darstellt: Der edle Cheruskerfürst Hermann dringt auf einem herrlichen weißen Rosse an der Spitze der Germanen auf die Römer ein, deren Führer in voller Bestürzung sich selbst den Tod gibt. Man sieht auch aus diesem neuen Heft der „Deutschen Gedenkhalle" (Preis jeder Lieferung * 2.—), welche unter der Leitung des Archivrats Professor Dr. von Pflugk-Harttung und des Direktors der National« Galerie Professor von Tschudi herausgegeben wird, deutlich, daß die Herausgeberin Verlagsanstalt „9$a# terland" Berlin voll bemüht ist, ein nationales Meisterwerk und eine Kunstsammlung, die bleibenden Wert behält, zu schaffen, welche man nur wärmsten«, namentlich für Jung-Deutschland, empfehlen kann.
*• Amerikanisches G es ch a ft s l eb e« von H. Cassel. Preis des sehr geschmackvoll ausgestatteten Bandes in fester Cartonnage M 1.50. Verlag von ft. Curtius, Berlin SB. 35. Auf dem Geschäfts- leben ruht zu einem guten Teil die wirtschaftlrche Entwickelung eines Landes; um diese recht zu verstehen, ist er deshalb unerläßlich, dem Ersteren eingehendere« Interesse zu widmen. Kein Land der Erde kann auf eine, auch nut ähnliche, die Grenzen des möglich et» scheinenden in der Tat übersteigende Entwickelung }■* rückblickrn. wie Ämerita. Da« «affelsche Buch dürst«