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Erttes Blatt.

Campbell-Bannermann.

Der Rücktritt des britischen Premierministers, der seit Monaten mit Sicherheit erwartet wer­den konnte, ist nunmehr erfolgt. Campbell-Ban­nermann hat um seine Entlassung gebetem weil er sich, selbst wenn er den letzten schweren Krank­heitsanfall völlig überwindet, den Aufgaben, die das Amt des leitenden Staatsmannes stellt, nicht mehr gewachsen fühlt. Es kommt ihm zu statten, daß er in einem Zeitpunkte in das Privatleben zurücktreten kann, wo die Schwierigkeiten, mit denen die liberale Regierung zu kämpfen hat, noch nicht übermächtig und unüberwindlich ge­worden sind. So kann der Vorwurf, mit dem die politischen Gegner bei dem Verzicht eines Staatsmannes so leicht bei der Hand sind, der Vorwurf nämlich, daß er abgewirtschaftet habe, gegen Campbell-Bannermann nicht erhoben werden. Denn die Probleme, an denen er mög­licherweise gescheitert wäre, sind eben noch Pro­bleme, sind noch in der Schwebe, und niemand kann voraussagen, wie ihre Lösung, ihr Schicksal sich gestalten wird. Trotzdem wird sich der aus­scheidende Staatsmann selbst nicht verhehlen können, daß von den Hoffnungen und Erwartun­gen, mit denen er zu Beginn des 1 ahrcs 1906 ins Amt trat, nicht wenige als zu weitgehend erkannt sind oder bereits Schiffbruch gelitten haben. Das gilt i *r allem von jenem Teil des Programms Campbell-Bannerlanns, der die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf ihn lenkte, von seinem Plan eines energischen Kampfes gegen das Oberhaus. Als die liberale Regier- «ng ans Ruder kam, war fte entschlossen, dem Unterhaus« diejenige Machtbefugnis zu verschaf­fen, zu der der Ausfall der letzten allgemeinen Wahlen zu berechtigen schien. Die Mitglieder des Kabinetts überboten sich in flammenden Protesten gegen die bevorzugte Stellung des Oberhauses, und der Chef des Kabinetts ver­pflichtete sich, als mehrere Regierungsvorlagen an dem Widerstande der Lords gescheitert waren, durch eine bestimmte Erklärung der Oeffentlich- keit gegenüber, daß er mit seinem Vorgehen gegen das Oberhaus nunmehr Ernst machen wolle und im Unterlaufe eine Aktion eingeleitet werde, die den Kampf um das Vorrecht der bei­den Häuser des Parlaments zur Entscheidung bringen solle. Dabei ist es geblieben. Camp­bell-Bannermann ist selbst auf diese seine Er­klärung nicht mehr zurückgekommen, und von seinen Kollegen im Ministerrate bat der eine oder der andere sich zu der Ansicht bekannt, daß die Aktion gegen das Oberhaus auf unbestimmte Zeit vertagt sei und kaum vor Ablauf mehrerer Sessionen erneut in Angriff genommen werden

13 'Nachdruck verboten.»

Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth.

l Fortsetzung.)

Der Regen hatte inzwischen nachgelasien und so wurde beschloffen, noch einen Gang ins Freie zu machen.

Frau v. Schmettwitz ärgerte sich unbeschreib­lich, daß Hugo heute ihren Tee verschmähte. Sie schalt auf ihn, noch mehr aber auf Sylvia, die sie eine faule Prinzessin nannte.Ja," eiferte sie, wenn ihr eine Million zur Verfügung stände, wie ihrer Freundin, bann könnte sie den ganzen Tag die Hände in den Schoß legen! Aber leider besitzt sie kaum das Notwendige! Es ist doch ein Jammer mit dem Mädchen! Da läuft sie nun wieder stundenlang im Wald herum und gearbeitet wird rein nichts!"

Die beiden Mädchen wanderten indeffen Arm In Arm unter lebhaftem Geplauder dem nahen Walde zu. Zwischen den hohen Bäumen webte und wallte noch der Nebel, aber schon versuchte die Sonne, die dichten Wolken zu zerreißen. Hie und da blitzte ein rasch wieder verschwindender Strahl hindurch, um sekundenlang die gelben Blätter aufleuchten zu lasten wie blinkendes Gold. Ein Raunen und Rauschen zog leise durch den sonst so stillen Wald. Hie uno da schlüpfte ein scheues Eichhörnchen rasch und behende an dem Stamm einer Buche hinaus in das sichere versteck und lugte von dort mit neugierigen Aeuglein herab.

Es ist doch schön bei Euch hier außen, auch jetzt, wo die Blätter fallen," meinte Maja.

Aber der Herbst stimmt mich immer trau­rig," sagte Sylvia.All das Sterben ringsum, «ll da» Vergehen dessen, war einst fo frühlings­

MM

an,

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 29.

würde. Bei dieser Attion eine Niederlage da­vonzutragen und daraus die notwendigen Kon­sequenzen ziehen zu müsten, ist also dem »cheiden- den Premierminister erspart geb.ieben. Sein Nachfolger, der bisherige Schatzkanzler Asquith, scheint noch mehr als Campell-Bannermann der Ansicht zuzuneigen, daß gegenwärtig die inner­politische Lage mit Schwierigkeiten aller Art auch ohne den Streit zwischen den beiden par­lamentarischen Körperschaften genugsam belastet ist, und so dürfte die Oberhausfrage vorläufig überhaupt erledigt sein. Auch sonst hat sich Campbell-Banuermanr mit seinen Wünschen und Absichten beschränken mästen. Die beiden wichtigsten Vorlagen, die seine Amtsführung ge­bracht hat, das Schulgesetz und die Schankrechts­bill, sind über die ersten Stadien der gesetz­geberischen Behandlung noch nicht binausgekom- men. Ein Mißerfolg hätte auch hier leicht ein« treten können, darf es doch schon ; ' t als ausge­macht gelten, daß die Vorlagen so, wie die Re­gierung sie gestaltet hat, nicht Gesetzeskraft er­langen, sondern erhebliche Abänderungen durch Kompromißanträge erfahren werden. Endlich ist die Amtsführung Campbell-Bannermanns zu Ende gegangen ohne daß die Tarifreformbe­wegung an einem entscheidenden Punkt ihrer Entwickelung angelangt ist, obwohl die sich häufenden Wahlsiege der unionistischen Partei den Premierminister nicht darüber im Zweifel lasten konnten, daß sich in der Stimmung der Be­völkerung ein Umschlag zu Ungunsten des Libe­ralismus zu vollziehen beginnt.

Um so erfolgreicher war die liberale Re­gierung unter feiner Führung in der auswärti­gen Politik. Abgesehen von dem Mißerfolg, den die englischen Delegierten auf der zweiten Haager Friedenskonferenz bei der Behandlung ihres Abrüstungsvorfchlages hinnehmen mußten, ist in den letzten zwei Jahren die auswärtige Politik Großbritanniens fast überall von ge­schickter Hand und vom Glück begünstigt ge­wesen. Im besonderen gilt das von der festeren Gestaltung des britisch-französischen Einverneh­mens und von dem Abschluß eines Abkommens mit Rußland über mittelasiatische Fragen, die Jahrzehnte lang ungelöst geblieben waren und unausgesetzt einen Gegenstand der Beunruhig­ung gebildet hatten. Einer der letzten aber sicherlich nicht der kleinste Erfolg der Geschäfts­führung Campbell-Vannermann« ist sein Ver­dienst um die bessere Gestaltung der deutsch-eng­lischen Beziehungen ein Verdienst, das neuer« dings durch die vornehme Art, wie das englische Parlament den Fall Tweedmouth vorbildlich be­handelt hat, noch sehr wesentlich erhöht worden ist Deshalb wird auch in Deutschland der nun abgeschlossenen politischen Tätigkeit Campbell- Bannermanns aufrichtige Anerkennung und Hochachtung nicht fefjlen

Die Mädchen sahen einander überrascht sie wußten plötzlich beide, wer der Sänger war. Er trat jetzt au» dem Gebüsch. Di«

mit i>cm Krcisbtatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

»nd de« Beilagen-.Merarischer Arqeiger«,«--»wirtschaftliche Keilag.« «adzu«ftri-rte, Kmmt-g-dl-M.

Die Aufstellung der Bismarck-Lüste t» der Walhalla bei Regensburg soll, wie dieT. R." mitteilen kann, nach dem Willen des bayeri­schen Prinzregenten zu einer grctzartigen allge« gemeinen patriotischen Kundgebung benutzt werden, zu der Einladungen im ganzen Deut­schen Reich erfolgen. D*e Aufstellung der Büste soll Mitte August erfolgen.

Schluß des Landtages. Berlin, 9. April. Heute Nachmittag um 4 Uhr fand in Gegenwart sämtlicher in Berlin anwesenden Staatsminister die gemeinsame Schlußsitzung beider Häuser des Landtages statt. Ministerpräsident Fürst Bülow verlas die Königliche Botschaft, durch die der Landtag geschloffen wird. Der Präsident des Ab­geordnetenhauses v. Kröcher brachte ein drei­faches Hoch auf den Kaiser aus, in das die An­wesenden begeistert einstimmten.

Wechsel im württembergischen Ministe­rium. DerStaatsanzeiger" veröffentlicht die Zurruhesetzung des Staatsministers der Finan­zen, Dr. v. Zeyer, und zugleich ein Königliche» Handschreiben, worin seine langjährigen aus­gezeichneten Dienste anerkannt werden. Der König hat dem Minister seine Büste in Bronze zugehen kaffen. Zum Nachfolger v. Zeyers ist der Präsident der Hofdomänenkammer, v. Eeß- ler, ernannt worden.

Bereinsgesetz und Börsengesetznovelle vor dem Bundesrat. In der gestrigen Sitzung ,des Bundesrates wurde der Entwurf des Vererns- gesetzes in der vom Reichstage beschloffenen Faffung und der Entwurf des Gesetzes, betr. die Aenderung des Börsengesetzes in der vom Reichstage beschloffenen Faffung die Zustimm­ung erteilt. , , , , .

Das Reichskaffenscheinwesen hat in der letzten Zeit bekanntlich eine völlige Umgestalt, nng erfahren. Die Kaffenscheine zu 50 und 20 Mark sind Banknoten geworden, neben dem 5 Markschein ist ein neuer Kassenschein typ tm Betrage von 10 Mark eingeführt worden. Am 7 März 1908 hat die Reichsschuldenkommrssion eine Prüfung der Reichskaffenscheine vorgenom- men. Danach waren an diesem Tage für IJ) Millionen Mark Reichskaffenscheine im Umlauf und zwar in Stücken zu 50 Mark noch für 40,4 Millionen Mark, in solchen zu 20 Mark noch für 3.2 Millionen Mark, zu 10 Mark für 46 4 Mill, und zu 5 Mark für 30 Millionen Mark. Die noch aus früheren Jahren umlaufenden Stucke zu 50 und 20 Mark werden durch neue Scheine zu 10 Mark umgetauscht werden. Der Umtausch dürste nicht mehr lange Zeit in Anspruch neh­men Dann wird entsprechend einem Bundes- ratsbeschluffe das Reichskaffenscheinwesen so ge. regelt sein, daß von den gesetzlich zugelaffenen 120 Millionen Mark 90 Millionen in 10 und 30 Millionen in 5 Markscheinen in Umlauf sein werden.

Eine Freisprechung auf Grund des neue« Majestätsbeleidigungsgesetzes. Breslau 8.April. Die erste Strafkammer des Landgerichts verhan. beite gegen den Arbeiter Paul Beiler aus Kanth wegen Majestätsbeleidigung. Der Es- richtshof war der Ansicht, daß der Angeklagte weder böswillig, noch mit Ueberlegung gehan- Freundinnen huschten gerade in diesem Augen« blick zwischen die dichten Haselnußstauden und duckten sich, eng an einander geschmiegt, um nicht gesehen zu werden.

Da klang der Gesang wieder, nur noch lautet und Übermütiger denn zuvor:

Und lieben tuts mich, sapperlot, Das weiß, was lieben heißt, Und küffen funns, Schockschwerenot, Ich mein manchmal, es beißt"--

Ein leises Lachen ließ den Sänger aufblicken, er stand jetzt direkt vor der Haselnußstaude. Doch unterbrach er seinen Gesang nicht. Mles wat wieder still. Als er das Liedchen schloß mit der letzten Strophe:

Doch weiter bringt ihr nichts heraus Und fragt ihr früh und spat Es kratzt mir sonst die Augen aus, Wenn ich noch mehr verrat--

Da rief es aus dem Haselbusch: ,,Kuckuck!" Na warte nur. Du loser Vogel, ich glaube, ich kenne Dich!" rief der junge Mann lachend.

Da tauchten auch schon zwei reizende, schel- mische Mädchengesichter auf und wie aus einem Munde erklang der Ruf:Guten Tag, H«r Zipfel!" t

Ueber Sylvias Gesicht flog eine ttefe RS^, als der Angerufene ihr lebhaft die Ha^ ent­gegenstreckte. Sie legte zögernd ihre Finget- spitzen in die dargebotene Rechte. Dennoch fühlte sie den festen innigen Druck, womit et ihre Finger umspannte.

Ich preise meinen guten Stern und ve- trachte es als ein günstige» Zeichen, daß ich heute, am ersten Tage meines Hierseins, Ihn« begegnet bin." begann er heiter.

* (Fortsetzung folgtZs

Aus den Parlamenten.

Abgeordnetenliaus.

Auf der Tagesordnung stehen Petitionen. Die Petition des Vorstandes des Verbandes der Berg­arbeiter Deutschlands auf Ausdehnung der Bestrm- frisch und hoffnungsfroh blühte und duftete, das macht mich ganz melancholisch. In der Stadt merkt man das kaum, aber hier auf dem Lande beobachtet man alles viel genauer. Mir ist so bang als stünde mir schweres bevor. Ich weiß nicht' ist es die herbstliche Stimmung ober etwas anbei es. Ich muß immer an ben Tod denken!"

Aber Sylvia, wer wird sich denn von seiner Stimmung so beherrschen laffen," versuchte Maja abzulenken.Das Leben liegt doch noch vor Dir und wenn Du erst verheiratet bist

O still still davon!" unterbrach Sylvia fast"hefttg die Freundin,ob ich überhaupt hei­raten werde, wer weiß es?

Sylvia," mahnte Maia ernsthaftDu machst mit bang. Welche Kämpfe stehen Dir da bevor!"

Sylvia senkte traurig ben Kopf.

Ich weiß es unb Hugo tut mir auch furcht­bar leib, denn er liebt mich wirklich."

So beabsichtigst Du, das Band wieder zu lösen?" fragte Maja ängstlich.

Warst Du es nicht, die mir dazu riet?" ent­gegnete Sylvia heftig.Sagtest Du nicht vor ganz kurzer Zeit, es gäbe ein Unglück, wenn ich es nicht täte? Erinnerst Du Dich deffen nicht mehr?"

,So liebst Du Deinen Bräuttgam wirklich gar"nicht ein klein wenig?"

Nein" kam es fest unb hart von Sylvias Lippen. 'Seine Liebkosungen stnb mir eine Qual! Nur mit Mühe kann ich mich überwin­den sie zu bulben; sie zu erwidern vermag ich nicht. Wie soll es werden, wenn ich an ihn gebunden bin mit unauflöslichen Fesseln? Ich ertrage dieses Leben nicht, Maja rate, hilf mit doch!"

Diefem leidenschaftlichen Ausbruch stand Maja völlig ratlos gegenüber.

mungen des allgemeinen Berggesetzes auf den Kali­bergbau wird durch Uebergang zur Tagesordnung er­ledigt. Die Petitionen der Diözesansynode Geln­hausen-Schlüchtern und des Diözesan- und Shnodal­borstandes in Hanau um Ueberweisung eines Hause» in Hanau an das Konsistorium oder an die Diözesan­verbünde werden nach kurzer Debatte an die Kom­mission zurückverwiesen. Die übrigen Petitionen werden ohne wesentliche Debatte nach den Anträgen der Kommissionen erleoigt.

Hobrecht (natlib.) dantt dem Präsidenten sodann namens der Mitglieder des Hauses für seine treue Ausdauer, mit der er auch in dieser Session die Ge­schäfte des Hauses geleitet hat.

Präsident Kröcher dankt auch namen» der Vize­präsidenten, der Schriftführer und der Quästoren für die gütige Worte, und schließt die Sitzung mit einem Hoch auf den König, in welches die Abgeord­neten dreimal lebhaft einstimmen.

Herrenhaus.

Am Regierungstische die Minister Frhr. v. Rhein- haben und Dr. Holle.

Vor Eintritt in die Tagesordnung kam Prof. Dr. Küster-Marburg auf die Aeußerung des Professor» Schmoller über die Enteignungsvorlage in derTäg­lichen Rundschau" zurück. Er ersuchte das Haus, die peinlichen Empfindungen, die dieser Artikel hervor, gerufen habe, solange zurückzustellen, bis sich Prof. Schmoller persönlich dazu äußern könne. Darauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein. Der Antrag de» Oberbürgermeisters Knobloch auf Einsetzung einer besonderen Unterrichtskommisfion wird mit großer Mehrheit angenommen. ,

Es folgte die Beratung des von dem Abgeordneten­hause mit einigen Abänderungen angenommenen Nachtragsetats.

Das Gesetz wird debattelos in der Faffung des Ao- geordnetenhauses angenommen. Der Rechnungskaffe der Oberrcchnungskammer für 1906 wurde Ent­lastung erteilt. , .

Alsdann wurde die ausgesetzte Beratung über die Erweiterung des Stadtkreises Kiel wieder ausgenom­men. Nach kurzer Debatte wurde die Vorlage mit großer Mehrheit abgelehnt. Es folgten Kommtsston»- berichte über die Petitionen über die zum Ten zur Tagesordnung übergegangen wird, und deren anderer Teil der Regierung als Material überwiesen wird.

Damit ist die Tagesordnung erledigt. Vizepräsident Becker brachte ein Hoch auf den Kaiser aus.

Man abonniert auf die täglich erscheinend-Oberhessische Die JnsertionLgebÜhr beträgt wr die 7gespaltene Zeil«

-/» Zeitung" bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in MdlVUly oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. h»

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Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expeditron 2 Mk. T ________

Deutsches Reich.

Zur ftaiferreife. Messina, 9. April. Die Hohenzollern" mit ben Majestäten an Bord, bie heute Vormittag von Palermo in See ge­gangen ist, passierte nachmittags um 4 Uhr un­ter bem Donner bet Geschütze bet Forts bie Meerenge von Messina unb setzte bie Fahrt in bet Richtung auf Korfu fort.

Die Vermählung be» Prinzen August Wilhelm von Preußen wirb, wie bieB. N. N " hören im Herbst ftattfinben. Villa Liegnitz, wo auch Prinz unb Prinzessin Eitel Friedrich zuerst gewohnt haben, wirh ;üt bas junge Paar in Stanb gesetzt. m ,

Hebet die Ostetteise des Reichskanzlers wird berichtet, baß Fürß Bülow nach kurzem Besuch am Sonntag in Rom nach Venebrg über» siebelt. Wenn keine Aenberung in ben Reise­dispositionen des Kaisers eintritt, wird er auch einen kurzen Besuch in Korfu machen.

Staatssekretär Dernburg ist um 3 Uhr 45 Minuten von Darmstadt nach Italien abgereist.

^Weshalb hast Du Dich denn überhaupt mit Hugo verlobt?" fragte sie zögernd.

Weil ich es mit nicht so furchtbar schwer gedacht habe, ihn lieben zu lernen. Ich glaubte, bas würbe mit bet Zeit von selbst kommen. Unb reich zu sein, meinte ich, sei auch ein Glück. Aber ich wäre tausenbmal lieber arm, als baß ich mich an einen Mann ketten lasse, ben ich nicht liebe! Ich will wieder frei sein, frei unb nicht Gefühle heucheln muffen, bie ich nicht empfinde! O bie fortgesetzte Lüge, wie sie mir zuwider ist! Aber eines Tages sage ich ihm alles, mag dann kommen, was da will! Ich lasse mich nicht zwin­gen von meinem Schicksal, ich beuge mich ihm nicht! Ich war heute fchon nahe daran, Hugo alles zu gestehen, ich war nut so erbärmlich feige, o hätte ich es doch getan!"

Sie hob trotzig das von rötlich schimmern­dem Haar umrahmte Gesicht in die Höhe. In ihren Augen funkelten zornige Tränen. Maja blickte bewundernd auf bas schöne Mädchen. Sie fühlte, daß ein außerordentlicher Mut dazu ge­hörte, ein derartiges Vorhaben auszuführen.

Eine Pause wat eingetreten. Schweigend schritten bie Mädchen auf bem moosigen Wald­boden dahin, als sie plötzlich lauschend stehen blieben. In geringer Entfernung von ihnen ertönte lustiger Gesang. Es wat eine weiche, wohllautende Stimme der man sofort anhörte, daß sie geschult wat. Aber seht LbermÜttg klang bas Liebchen:

Rothaarig ist mein Schätzelein, Rothaarig wie ein Fuchs, Unb Zähne hats wie Elfenbein Unb Aeuglein wie ein Luchs.--