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.. .... lf 4nAO Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unwerfitätsbuchdruckerei

. 10. ?Iprtl 1908. Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Erstes Blatt.

Die Bevorzugung Berlins.

Bei der Etatsberatung im Herrenhaufe hat Professor Dr. Hillebrandt einen Mitzstand zur Sprache gebracht, auf den zwar schon wiederholt hingewiesen worden, der aber mit der Zeit im­mer unerträglicher geworden ist: die Bevorzug­ung Berlins gegenüber den Provinzen, insbeson­dere was die Universitäten und Museen betrifft. Niemand wird ein Wort darüber verlieren, datz in gewissem Maße die wissenschaftlichen und Kunstinstitute der Reichshauptstadt reicher au», gestattet und freigebiger bedacht werden als die der Provinzialstädte: aber die jetzige übermäßige Bevorzugung Berlins ist nicht gerechtfertigt. Daß die Berliner Universität naturgemäß mehr Studenten anzieht als andere Hochschulen wird ihr gern gegönnt werden; allein datz der Staat diesem Zuge nach der Zentrale von Deutschland noch künstlich nachhilft, fordert zum Widerspruche heraus. Wenn beispielsweise wie Professor Dr. Hillebrandt hervorhob, für das Berliner philologische Seminar, für das Institut für Al­tertumskunde, das Seminar für osteuropäische Geschichte und das historische Seminar zusammen 7300 JA aufgewendet, während für die ähnlichen Institute Greifswalds und Königsberg nur 1200 JA flüssig gemacht werden, so ist das eine unver- hältnismätzige Bevorzugung Berlins, ein ge­wisser Zwang, namentlich für die Studierenden höherer Semester, ihre Ausbildung in die reichs- hauptstädtische Universität zu verlegen. Das gilt in noch höherem Matze für die naturwisien- wiffenschaftlichen Institute. Wenn der botanisch« Garten Berlins 261 000 JA erhält, wozu das botanische Institut noch mit 6000 JA hinzutritt, so sticht davon Königsberg mit 19 000 JA und Bonn mit 30 000 JA entschieden zu stark ab. Oder wenn das geographische Institut in Berlin mit 10 600 JA dotiert wird, so steht Bonn mit seinen 800 JA und Königsberg mit seinen 500 JA viel ju sehr zurück. Dazu kommt in Berlin noch das Institut für Meereskunde, das eigentlich in Kiel «n einem richtigeren Platze gewesen wäre.

Dasselbe Mißverhältnis tritt auch bei den außerordentlichen Ausgaben hervor. Während etwa Münster mit 6600 JA figuriert, zeigt Berlin einen Aufwand von 1700 000 JA. Und unter allen den einzelnen Titeln für Berlin findet sich im Gegensätze zu allen anderen Universitäten noch eine Summe von Fehlbeträgen von insge- sammt 109 000 JA. Das ist ein höherer Betrag, als ihn Göttingen überhaupt an Zuschüssen be­kommt. Die Bevorzugung der Reichshauptstadt zeigt sich auch bei den Bibliotheken. Im Extra- ordinarium für 1906 war zur Ausfüllung von Lücken in der Königlichen Bibliothek von Berlin eine Summe von 350 000 JA bewilligt worden, für sämtliche UniversttätsVibliotheken einschlietz- lich der Berliner nur 40 000 JA. Für 1907 be­trägt die Bewilligung für die Berliner Universi­tät 20 000 Jl, für alle übrigen Bibliotheken nichts. Insgesamt ist also in den Jahren 1906/07 für die Berliner Universität als Lückenfonds die Summe von 374 000 JA aufgewendet worden, während für alle übrigen Bibliotheken z u s a m- m e n nur eine Zuwendung von 36 000 JA also noch nicht 10 pCt. übrig blieb.

Diese Bevorzugung Berlins, womöglich noch in erhöhtem Matze, macht sich auch bei den Auf­wendungen für Kunst und Wissenschaft bemerk­bar. Hierzu machte bi. Redner die folgenden be­herzigenswerten Ausführungen: ,Lch möchte da­vor warnen, die Provinzen zu sehr auf lokale Aufgaben zu beschränken. Man kann weder in der Kunst noch in der Weltgeschichte die Provin­zen zu sehr einengen und sie von dem großen Gange der Dinge trennen und ebenso wenig die Forschung. Ich möchte also bitten, nicht zu viel in Berlin zu vereinigen. Je mehr man wissen­schaftliche und künstlerische Zentten schafft, desto höher der gesamte Stand unserer Kultur. Schon Fontane hat gesagt: Tun Sie mir doch den Ge­fallen und schicken Sie nicht alles nach Berlin, die dortigen Museen find so überlastet, datz man die Altertümer ganz flüchtig int Vorbeigehen sieht.

Die Eefichtspuntte, die zu verfolgen find, find zu verschieben bei ben verschiedenen Museen, beim prähistorischen Museum anbere als bei bet Rationalgalerie, bei bet Nationalgalerie anbete als bei dem Münzkabinett und hiet miedet an­bere als bei den übrigen Museen in Berlin. Run sagt man, was in den Provinzen sich befinde, »erde nicht soviel gesehen. Gewiß nicht von so

vielen, dafür aber vielleicht um so eingehender und mit viel mehr Liebe. Ich habe schon früher gesagt, man möchte doch Wanderausstellungen in ben Provinzen machen, man solle nicht nur die Böcklinsche Insel der Seligen nach England, nicht nur die Menzels nach St. Louis schicken, sondern auch in die Provinzen, und dem Publikum die vielen Schätze zugänglich machen, die in den De­pots jetzt ungenossen und ungesehen liegen."

Man wird nicht nur in den Provinzen dem Breslauer Hochschullehrer für seine höchst beach­tenswerten Darlegungen Dank wissen, sondern auch in Berlin selbst sie als berechtigt anerken­nen müssen. An der Staatsregierung wird es fein, in ben geschilberten Mißverhältnissen Wan­del zu schaffen und die Bevorzugung Berlins auf Kosten der Provinzen fortan aus ein gerechtfer­tigtes Matz zu beschränken.

Aus ben Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

In der 143. Sitzung wurde zunächst die dritte Beratung der Vereinsgesetzvorlage vorgenom­men. Dre Generaldebatte nahm über 4 Stunden in Anspruch, sie wurde von dem Abg. Eroeber sZtr.) eingeleitet. Der Redner griff namentlich die Freisinnigen an, nannte aber die Vorlage schließlich eine Uebertragung der preußischen Ge­waltpolitik auf das Reich. Abg. Fürst Hatzfeld (Reichsp.) hob die großen Vorzüge des Gesetzes hervor, dem seine Freunde nur zusttmmen konn­ten, wenn es den Sprachenparagraphen und den Ausschluß der Jugendlichen enthielt. Abg. Fürst Radziwill (Pole) wandte sich namentlich gegen den Abg. v. Payer, bet ben Polen vorwarf, daß sie zwar alle Rechte der Deutschen beanspruchen, aber nicht deren Pflichten erfüllen wollen. Abg. Dietrich (kons.) sprach besonders dem Zentrum wegen seiner unverständlichen Haltung in der Polenpolitik ins Gewissen. Er machte dabei auf einen, die Polengefahr betonenden Aufsatz des Professors Dr. Spahn, desSohnes des Zentrums­führers, aufmerksam, meinte jedoch, wenn aus bet Rede Groebers auf die Stimmung des Zen­trum« geschlossen werden solle, so müsse daran gezweifelt werden, datz in bet jetzigen Genera­tion noch eine Einigung im Guten stattfinben könne. (Beifall rechts.) Die konservative Par­tei habe seit langen Jahren ben Grundsatz ver­treten, datz die deutschen Stämme tn Nord und Süd zu verschieden seien, um in einem Vereins­gesetz-behandelt zu werden. Der Ausschlutz der Jugendlichen unter 18 Jahren sei so natürlich und vernünftig, datz et weder konservativ, noch liberal sei. Die Konservattven dienen gern jedem Fortschritt und haben stets das Staats­interesse und das Reichswohl über ihr Partei- Interesse gestellt. (Starker Beifall.)

Nach einer weiteren Darlegung des Abg. Dr. Junck (natl.) hat das Haus eine lange bis­sige Rede des Abg. Heine (Soz.) über sich ergehen zu lassen, in der besonders der Freisinn, dann aber auch die Regierung scharf angegriffen wurde. Es folgte unter großer Unruhe des Hauses eine Entgegnung des Abg. Schrader (frei). Vgg.), der sich noch einmal Mühe gab, die freiheitlichen Errungenschaften, die in der Vor­lage zu erblicken seien, ins beste Licht zu setzen. Die Generaldebatte wurde durch Annahme eines Schlußantrages beendet und in die Spezialbe­ratung eingetreten. Die §§ 1 bie 8 wurden de­battelos angenommen, zu § 3a lagen einige An­träge von sozialdemokratischer und elsässischer Seite vor, zu denen die Abg. Preitz (Els.), Dr. Müller-Meiningen (stets. Vp.), Severing (Soz.), sowie Staatssekretär ». Btthmann-Hollweg das Wort ergriffen. Hierauf erfolgte tn namentlicher Abstimmung die Annahme des $a unter Ablehn­ung der Veränderungsanträge. Die folgenden Paragraphen bi« § 6 werden debattelos ange­nommen, zu ß 7 ergriff Abg. Ledebo«r(Soz.) das Wort. Nachdem nach Abg. Seyba (Pole) ge­sprochen, erklärt Abg. Behrens (Wirtsch. Vgg.), et halte seine Erklärung aufrecht, batz er von einer Aeußetung bes Reichskanzlers nichts ge­hört habe, wonach § 7 auf Wunsch industrieller Kreise in da« Gesetz aufgenommen worden fei. Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg gab eine Erklärung bes Reichskanzlers, er habe mit keiner Silbe gesagt, batz § 7 auf bte Einwirkung ober auf bie Wünsche inbustrieller Kreise, speziell rheinisch-westfälischer Inbustrieller, zurückzu­führen sei. (Höri! Hört!) Eine solche Aeutzer« ung konnte bet Reichskanzler schon deshalb nicht machen, weil eine derartige Einwirkung oder Anregung in keiner Form an den Reichs­kanzler herangetreten war. Rach Ablehnung der Abänderungsanträge wurde § 7 in einfacher Abstimmung angenommen.

Bei § 10a betonte Krank-Mannheim (Soa.1, mit diesem Paragraphen wolle man nut bte Bllbungsbestrebung« der proletarischen Jugend unmöglich mach«.

Die Eesamtabstimmung übet das ganze Gesetz ist eine namentliche. Mit Ja sttmmten 194, mit Nein 168 bei 5 Stimmenthaltungen. Das Gesetz ist somit in dritter Lesung angenommen. (Lau­tes Bravo! und Pfuirufe!) Ferner wurde an­genommen bie Resolution Gregoire, Gebrauch bet französischen Sprache in dem französischen Sprachgebiet.

Hieran schlotz sich bie britte Lesung des Bör­sengesetzes. Abg. Singer (Soz.) führte in der Generaldebatte aus das Börsengesetz sei bet Prets^ der an die Linke gezahlt werde für die Revision der bürgerlichen Grundsätze. Die Korn- mtssionsbeschlüsse machten seiner Partei die Vor­lage unannehmbar. Das Börsengesetz sei ein Ausnahme- und Versteuerungsgesetz für die Ar­beiter. Das Börsen- und das Vereinsgesetz be­deuteten den moralischen Zusammenbruch des Freisinns. Darauf schloß die Generadebatte. Das Gesetz wurde dann in namentlicher Ab­stimmung mit 203 gegen 168 Stimmen ange­nommen.

Der Präsident wünschte den Abgeordneten, datz sie in den Osterferien die nötige Erholung finden und gestärkt die Arbeit wieder aufnehmen mögen. Nächste Sitzung Dienstag 28. April, 2 Uhr: Petitionen. Schluß 8% Uhr.

Torisches Reich.

Der Kaffer in Palermo. Palermo, 8. April. Heute vormittag begab sich bas deutsche Kaiser- paar mit den übrigen Herrschaften an Land und zu Wagen zum Dom, wo sie von der Geistlichkeit empfangen wurden. Die Abfahrt nach Korfu ist auf morgen früh 8 Uhr festgesetzt. Die An­kunft erfolgt Freitag, 10. April, gegen Mittag. Die Majestäten nahmen heute Nachmittag den Tee in der Villa Florio ein und machten bann eine Spazierfahrt nach ber Villa Favorita. Der Kaiser besuchte später denFerruccio". Der Kaiser hat den beiden Kommandanten desFer­ruccio" und desVarese,, sowie den Offiziers­messen beider Schiffe sein Bild geschentt und fer­ner an die älteren Offiziere desFerruccio" Orden verliehen. Zur Abendtafel an Bord waren geladen Graf Tosca, Graf und Gräfin Mazzarino, Donna Florio, Lady Crewe, Mr. Whiteker, Legationsrat Baron Schauenburg und Gemahlin und Kapitän Principe di Vilello.

Zur Kaiserreife schreibt dieSüddeutsche Reichskorr":Man hat es als unbefriedigt em­pfunden, daß über den Verlauf der Südlandfahtt Kaiser Wilhelms nicht fortgesetzt im voraus zu­verlässige Angaben veröffentlicht werden. Die Erklärung liegt einfach darin, datz der Monarch auf dieser Reise kein bestimmtes Programm ab­wickelt, zu dessen Einhaltung er in einem ober bem anberen Sinne verpflichtet wäre, sondern sich vorbehalten hat, Über bie Verwendung feiner Erholungszeit im einzelnen unterwegs selbst das Nähere anzuordnen. Abänderungen des Reise- planes, wenn von einem solchen überhaupt ge­sprochen werden darf, können unter diesen Um­ständen durch äuherliche Anlässe, wie beispiels­weise Witterungswechsel, herbeigeführt werden. Amtliche Vorberichte über die Fortsetzung der Reise lassen sich daher auf mehrere Tage hinaus nicht gut feststellen. Als sicher kann aber gelten, daß der Kaiser am 10. oder 11. April auf der Insel Korfu eintrifft, und daß er im ersten Drit­tel des Monats Mai mit der Kaiserin zum Be­such des Kaisers unb Königs Franz Josef nach Wien kommen wirb. Den bisherigen Bestimm­ungen zufolge ist für diesen Besuch der 7. Mai in Ausstcht genommen."

Ordensverleihungen von der Äaiferreife. Palermo, 8. April. Der Kaiser verlieh ben Roten Ablerorben erster Klasse bem Präfekten Marchese be Seta; ben Kronenorben zweiter Klasse mit Stern bem Sinbaco Tesauro unb bem Quästor Casola; ben Kronenorben zweiter Klasse bem Direktor bes Königlichen Hauses Picarbi; bett Kronenorben erster Klasse bem Generalleut­nant Cericelli unb ben RotenAblerorben zweiter Klasse bem Kommandanten der Carabinieri, Obersten Morra.

Zum Briefe des Kaisers an Lord Tweed- mouth. Aus demEtendard Egyptien" ent­nimmt dieTägl. Rdsch." auch noch einiges über die Umstände, wie dieDimes" von dem Kaiser­brief an Lord Tweedmouth Kenntnis erhielt. Danach hätten sich die Dinge wie folgt abge­spielt: Lord Tweedmouth erzählte, ohne an etwas Böses zu denken, in einem intimen Kreise, daß er soeben einen langen Brief von Kaiser Wilhelm erhalten habe, welcher sich über die Haltung der englischen Presse gegenüber dem deutschen Marinebudaet beklagte; in scherzhafter Form erwähnte er die Stellen übet Lord Esher und bie Wasserrinnen von Windsor. Alle Welt lachte. In diesem Freundeskreis befand sich ein I junget Lord, der von ein« schönen Fran bet

englischen Hocharistokratte stark eingenommen ist; biefe traf et einige Tage später bei einem Diner. Hier erzählte et ihr die vertraulichen Mitteilungen be« Lord Tweedmouth. Et gab die Anekdote so weiter:Wissen Sie, was der Kaiser von Deutschland von Lord Esher bentt? Er solle sich mehr um die Wasserrinnen in Schlotz Windsor kümmern, als um Panzerschiffe!" Und et nannte die Quelle, woher seine Geschichte flammte. Wenige Tage später, am 28. Februar, hatte die Dame den Oberst Repington, den mili­tätischen Redakteur betTimes", als Tischherrn. Diesem erzählte bie Dame bie Geschichte weiter. Aber, gnäbige Frau, bet Kaiser hat nicht an Lotb Tweebmouth zu schreiben brauchen, um ihm nur bas zu sagen!"Nein, et hat auch geschrieben, bah bie englische Presse ungerecht sei in bezug auf Deutschland, daß bas deutsche Flot­tenprogramm durchaus nicht gefährlich sei, und einige andere solche Sachen." Die Geschichte wat nicht vor taube Ohren gekommen. Repington hinterbrachte sie am 29. Februar dem leitenden Times"-Redatteur Moberly Bell, und acht Tage später, wohlberechnet zum Beginn der Ma« rinebebatten im Unterhause, erschien dann der berüchtigt gewordene Artikel derTimes" mit der ÜberschriftUnter welchem Könige?"

Landtagsschlutz. Der Präsident des Staats­ministeriums, Fürst v. Bülow, erlaßt heute fol­gende Einladung:

Berlin W. 8, Wilhelmstr. 63, den 8. April 1908.

Eure Exzellenz beehre ich mich ganz eigebenft zu ersuchen, die Mitglieder des Hauses der Abge­ordneten zu einer vereinigten Sitzung beider Häuser des Landtages zur Entgegennahme einer Allerhöchsten Botschaft auf Donnerstag, den 9. d. M., nachmittag 4 Uhr in den Sitzungssaal des Hauses der Abgeordneten gefälligst einladen zu wollen. Fürst v. Bülow.

An den Herrn Präsidenten des Hauses d« Abgeordneten.

Der Termin der Landtagswahl. Für die Wahlen zum Abgeordnetenhause sind vom Mi­nister des Innern festgesetzt: der 3. Juni und nötigenfalls die folgenden Tage für die Wahl der Wahlmänner, der 16. Juni und bte folgen« ben Tage für bie Wahl ber Abgeordneten. Die Schlußsitzung bet beiben Häuser des Landtages zur Entgegennahme einer Allerhöchsten Bot­schaft ist auf den 9. April 1908, nachmittags 4 Uhr, im Sitzungssaale des Abgeordnetenhau­ses anberaumt.

Bon hinten herum. Die beiden freisinnigen Fraktionen des Abgeordnetenhauses haben fol­genden Antrag eingebracht: Das Haus der Ab­geordneten beschließt, die Staatsregierung zu er­suchen, für den Fall, daß ein Reichsvereinsgesetz in der vom Reichstag in zweiter Lesung be­schlossenen Fassung zu Stande kommt, auf Erund der darin enthaltenen Ermittelung schleunigst durch Vorlage eines Lsnbesgesetzes oder im Wege einer allgemeinen Anweisung an bie nachgeorb- neten Behörben bafür Sorge zu tragen, batz ber fremdsprachliche Teil der Arbeiterschaft nicht durch Anwendung bet Bestimmungen bes Para­graph 7 in bei Verfolgung gesetzlich zulässiger Bestrebungen auf bem Gebiete bei Lohn- unb Arbeitsbedingungen sowie sonstigen Berufsange­legenheiten behinbett werben.

Aliösgich.

** Befestigung Venedigs auf ber Landseite. Rom, 7. April.Eiornale d'Jtalia" zufolge gip­feln die Schlußfolgerungen des Berichts des Aus­schusses für Heeresenquete in dem Vorschläge, Venedig auch auf der Landseite zu befestigen unb eine Reihe von Sperrfort« an der Ostgrenze an- zulegen.

** Ein Polizeichef für Barcelona. Madrid. 8. April.Eaceta be Madtib" veröffentlicht eins Verorbnung, welche in Barcelona bas Amt einet Polizeichefs einführt, bet an bie Spitze des gan­zen Polizeikotps ber Provinz gesetzt wird.

* Der Wechsel im englischen Ministerium. Biarritz, 8. April. Nach mehrfachen Besprech­ungen mit König Eduard übernahm Asquith bie Bilbung bes neuen Kabinetts. Asquith wirb erst in fionbon bie enbgültige Wahl seiner Mit­arbeiter treffen, wohin er morgen abreist. König Ebuatb verläßt Biarritz am 15. April, um am 16. April einer Versammlung bes Geheimen Ra­tes beizuwohnen.

** Aus Marokko. Tanger, 8. April. Gestern speiste Raisuli beim Kriegsminister Gebbas. Die beiben umarmten sich mit ber Erklärung, das Vergangene solle vergessen sein, benn so wolle es Gott. Raisuli beabsichtigte, rasch nach Rabat zu reisen, um sich bem Sultan zur Verfügung zu stellen, Gebbas bat ihn aber, bie Ermächtigung fettens bes Sultans Abbul Afis abzuwarten. In