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und den Beilagen:Literarischer Anzeiger-.Landwirtschaftliche Beilage« undJünstriertes Smmtagsdlntt-.

JVo 82

Man abonniert auf die täglich erscheinendeOberhessische Zeitung- bei allen Postämtern und unfern Zeitungsstellen in Kirchhainund Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Sonntag, 5. April 1908.

Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile ober deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 90 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Bug. Koch, Universttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43 Jahrg.

Zweites Blatt.

Bestellungen

für das zweite Quartal 19*18

;<> aus die

»vberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- fuin, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstatten und Landbriesträgern ent­gegengenommen.

Der Dreibund und der Balkan.

Fürst Bülow ist von dem Besuch, den er dem Minister des Auswärtigen des engstbefreunde- ten Staates in Wien abgestattet hat, mit den besten Eindrücken, wie offiziös erklärt wird, nach Berlin zurückgekehrt. Der Kaiser ist in Venedig mit dem König Viktor Emanuel, dem italieni­schen Minister des Auswärtigen Herrn von Tittoni und den Admiralen der italienischen Marine zusammengetroffen. Fürst Bülow wird um Ostern herum, wie angekündigt wurde, in Rom eintreffen und bei dieser Gelegenheit eben­falls mit Tittoni sprechen können. Der Kaiser wird auf seiner Rückreise von Korfu Wien be­rühren, um dort seinen greisen Freund und Ver­bündeten aufzusuchen. So schließt eine Drei­bundbegegnung an die andere,' und die poli­tische Kraft, die in diesem alten vielverspotteten, aber nicht zu unterschätzenden diplomatischen Gebilde verborgen liegt, wird den Politikern Europas durch äußere Manifestationen ins Ge­dächtnis zurückgerufen.

Gleichzeitig kündigt sich im Balkan, wo noch vor einigen Wochen die Situation verwirrt ge­nug war, eine Lösung an, die einen Ausweg aus den Verlegenheiten, in denen sich die Tür­kei auf der einen, die Großmächte auf der an­deren Seite befanden, bedeuten dürste. Auf den rufstfchen, vor kurzem in Wien überreichten «nd dann durch die Petersburger Telegraphen­agentur veröffentlichten Vorschlag ist von Wien aus eine, wie gemeldet wird, im wesentlichen zustimmende Antwort ergangen. Der russische Vorschlag, auf dessen Einzelheiten wir hier nicht mehr eingehen wollen, sieht auch die Erfüllung gewisser formaler für die Pforte unerläßlicher Zugeständnisse im Interesse der Souveränität des Sultans vor und steht hiermit auf dem Bo­den realer Durchführbarkeit, auf dem nicht alle Forderungen aller Großmächte in der mazedo­nischen Frage zu stehen pflegen.

8 lNachvruck verboten.),

Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth.

(Fortsetzung.)

III.

Der alte Fritz war, nachdem die beiden jungen Mädchen ihn verlassen hatten, auf sei­nem Baumstumpf sanft eingeschlafen. Er nickte mehrmals mit dem dicken Kopfe; ein gutmütiges Lächeln spielte um seinen bartlosen Mund; denn der Traumgott gaukelte ihm bunte Bilder vor: Ihm war, als sähe er seine geliebte junge Her­rin immer vor sich herlaufen, sie rief ihm zu, er solle sie haschen, doch da kam Herr v. Brandt und schlang den Arm um sie und küßte sie. Das wollte Fritz nicht leiden, er versuchte das lachende Mädchen wegzuziehen, und plumps lag er mit der Rase im Sande. Verwundert, im ersten Augenblick kaum wissend, wo er sich befand, richtete er sich schwerfällig auf und kratzte sich mit leisem:Hm, hm, ich habe ge­träumt," hinter dem Ohr. Dann blinzelte er nach allen Seiten hin und da sich ringsum nichts regte, setzte er sich beruhigt wieder auf seinen Platz. Bald verkündeten die tiefen Atemzüge, daß er fest eingeschlafen war.

Er hörte auch nicht, daß ein Wagen in schnel­lem Tempo den Berg herauffuhr und gleich dar­auf dicht bei den Linden Halt machte. Er fuhr erst erschrocken empor, als ihn jemand heftig an den beiden Schultern rüttelte und eine ihm be­kannt erscheinende Stimme in sein Ohr schrie:

Du sitzest hier und schläfft wie ein Murmel­tier! Wo ist meine Tochter? He! So wach doch endlich auf, alte Schlafmütze Du!"

Fritz stand im Nu auf den Füßen, als Herr Ferdinand Reinau lauter und ungeduldiger denn zuvor seine Frage wiederholte:Wo meine Tochter ist, will ich wissen!"

Fritz legte wie sich besinnend die Hand an ie Stirn. Er mochte dabei allerdings kein be- wnder, geistreiches Gesicht machen, sonst wär« »ein Herr doch schwerlich zu der schmeichelhaften

Gewiß nun besteht zwischen den vorerwähn­ten Dreibundbegegnungen und den mazedoni­schen Reformfragen kein diretter Zusammen­hang. Die Staatsmänner der drei Staaten haben sich nicht begegnet, Um eine Lösung der Valkanschwierigkeiten im gemeinsamen Be­mühen herauszuklügeln; aber bei Gelegenheit ihrer Begegnungen haben sie sicher auch über diese Schwierigkeiten miteinander gesprochen, ihre Ansichten ausgetauscht und vielleicht gegen« fettig revidiert. Das Faktum ihrer Einigkeit wird nicht verfehlen können, einen gewissen moralischen Einfluß auf die Abwickelung der mazedonischen Streitfrage auszuüben. Man hat insbesondere den Italienern gern Sonder- interessen und Sonderpläne im Balkan, die im Gegensätze zu den deutschen und namentlich zu den österreichischen Auffassungen der türkischen Frage stehen sollen, eingeräumt. Nun mag allerdings richtig sein, daß es in Italien Grup­pen von vielleicht etwas abenteuerlichen Poli­tikern gibt, die in mazedonischen Dingen gerne im Kielwasser der englischen Politik segeln wollen; wahrscheinlich, weil sie glauben, daß diese Politik, die wohlwollender gegen die christ­lichen Nationalitäten, feindlicher gegen die Pforte gesinnt ist, zu Verwicklungen im Balkan führen wird, bei denen auch die betreffenden italienischen Politiker im Trüben etwas zu er­fischen hoffen; indessen darf man wohl anneh­men daß diese Auffassung der italienischen In­teressen in verantwortlichen und deshalb vor­sichtigen Kreisen nicht geteilt wird einfach des­halb, weil in jedem Falle für Italien die Ge­fahr eines solches Experimentes größer ist, als der Gewinn. So wird eine kluge italienische Politik nichts anderes tun können, als sich den Bestrebungen Deutschlands und Oesterreich- Ungarns, die auf Aufrechterhaltung des status quo und vernünftige Reformen gerichtet sind, anzuschließen.

, Deutsches Reich.

Vereinsverband akademisch gebildeter Leh­rer Deutschlands. Zu der Oster-Tagung des jetzt fast 17 000 Mitglieder zählenden Verban­des akademisch gebildeter Lehrer Deutschlands, die am 13., 14. und 15. April dieses Jahres in Braunschweig unter der Leitung des zeitigen Vorsitzenden Prof. Dr. Wernicke-Braunschweig stattfindet, sind bereits zahlreiche Anmeldungen aus allen Teilen des Deutschen Reiches einge­gangen. Auch die Regierungen von Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen, Mecklenburg-Strelitz, Hamburg und Lübeck haben schon offizielle Ver­treter angemeldet, ebenso das Reichs-Kolonial- Amt und das Preußische Kadetten-Korps solche in Aussicht gestellt. Die endgültige Tagesord­nung ist folgende: Montag, den 13. April, 4 Uhr: Vertreterversammlung; 6 Uhr: Festvor-

Bezeichnung gekommen:Fritz, Du bist aber doch ein rechtes, altes Schaf, gib doch endlich Ant­wort, wo ist Maja--?"

Das Fräulein ging dort hinauf!"

Mehr brachte der Alte im Augenblick nicht heraus, so sehr war er erschrocken.

Dort hinauf," ahmte Reinau mit boshafter Uebertreibung nach,Du mußt doch wissen, wo ich sie finden kann!"

Nein, das weiß ich wirklich nicht!"

Herrgott ist das ein Kreuz, wenn der Mensch so alt und so dumm wird!" eiferte Reinau.Deinetwegen könnte Maja freilich mit dem ersten besten Landstreicher eine Lieb­schaft anfangen, Du stehst und hörst doch nichts davon!"

Fritz wußte sich nicht zu erklären, wohin sein Herr zielte und so zornig hatte er den sonst so ruhigen Mann lange nicht gesehen. Fritz konnte natürlich nicht ahnen, daß man seinen Herrn aufgestachelt hatte. Derverschuldete Offizier", von dem Herr Stolze senior gesprochen, war dem biederen Mann in alle ©lieber gefahren. Das wollte Reinau nicht, daß er fein gutes Geld dazu hergab, um für einen anderen Schulden zu be­zahlen, lieber mochte Maja den dummen Albert, wie Reinau den jungen Stolze titu­lierte, vom Fleck weg heiraten. Der besorgte Vater beschloß daher, der Sache sogleich auf den Grund zu gehen. Bei Fritz hoffte er am ehesten Aufklärung zu erhalten; denn dieser begleitete das Mädchen ja stets nach Neunlinden. Reinau sah jedoch, daß der Alte völlig niedergeschmettert war durch den barschen Ton. Er versuchte sich daher gewaltsam zu beherrschen.

Sag' mal, Alter," begann er deshalb in verändertem Ton,mir ist heute etwas zu Ohren gekommen, was mich sehr aufgeregt hat. Maja soll da außen oder sonst auf ihrem Wege öfters mit einem Herrn zusammentreffen und sich mit ihm unterhalten. Du mußt da» doch bemerkt haben! Was ist denn eigentlich <m der Geschichte? Sag' mal, was Du weißt!"

Jetzt wurde es plötzlich hell in Fritzen» Kopfe. Also darauf ging e» hinan»! Aber wenn «an

stellung im Herzoglichen Hoftheater (Herostrat von Ephesus von Löser); 9 Uhr: Begrüßungs- Abend. Dienstag, den 14. April, Sy2. Uhr: Vor­versammlung; 11U Uhr: Hauptversammlung; 7 Uhr: Festmahl. Mittwoch, den 15. April: Be­sichtigung der Stadt Braunschweig und ihrer Sehenswürdigkeiten und Ausflüge nach Helm­stedt, Königslutter und Wolfenbüttel, sowie nach Goslar und Hildesheim; 7 Uhr: Agamem­non-Aufführung.

Landwirtschaftliche Vorträge für Soldaten, lleber die von verschiedenen Staaten eingeführ­ten landwirtschaftlichen Vorträge für Soldaten veröffentlicht der Begründer des landwirtschaft­lichen Unterrichts für Soldaten im Königreiche Bayern, Oekonomierat Maier-Bode (Augsburg), inFühlings Landwirtschaftlicher Zeitung" einen Aufsatz, in dem er über seine Erfahrungen auf diesem Gebiete spricht und sein Urteil darüber abgibt. In diesem Aufsatze wird auch berichtet, wo im letzten Winter nach dem Augsburger Vor­bilde Vortragskurse eingerichtet worden sind. Die Kurse wurden eingerichtet in Ansbach (50 Teil­nehmer), Eichstedt (130), Erlangen (384), Fürth (200), Nürnberg (120), Neumarkt i. Oberbayern (35), Amberg (172), Passau (120), Landshut, Straubing, Bamberg Regensburg (521), Sulz­bach (127), Landau, München (800). In diesen 15 bayerischen Garnisonen wird der Unterricht ausschließlich von geprüften Landwirtschafts­lehrern erteilt. Außerhalb Bayerns sind der­artige llnterrichtskurse noch eingerichtet in Gum­binnen, Darmstadt (197), Worms (88) und Mainz (87).

Eine intereffante Charakteristik von Karl Marx. Zur fünfundzwanzigsten Feier des To­destages von Karl Marx, dem Verfasser derso­zialdemokratischen Bibel", hat die sozialdemo­kratische Presse ganze Nummern voll verhim­melnder Artikel über diesen Parteiheiligen ge­schrieben. Als Gegensatz zu dieser allgemeinen Verhimmelung hat, wie dieNeue Züricher Zeitung" mitteilt, die schweizerische Monats­schrift der äußersten sozialistischen LinkenPo- lis einen Artikel über Marx erscheinen lassen, der den Verfasser desKapital" in einem nichts weniger als schmeichelhaften Lichte zeigt. Es heißt dort:3n Marx sehen wir die Tragödie der hohen Intelligenz, die sich selbst aufgibt um die Menge zu gewinnen. Um zu herrschen, nimmt er die Instinkte der Menge in sich auf und baut aus ihnen das Wahngebilde, das diese Masse von ihrem technischen Verstände verlangt und verteidigt es mit den Instinkten dieser Menge... So begreifen wir die Solidarität von Marx und die der zurückgebliebenen Masse: Er verteidigt ihre Jnstintte und dafür vertei­digen sie seinen Willen zur Macht . . . Und wenn gewisse Schichten all die Verleumdungen,

glaubte, er werde etwas verraten, so täuschte man sich gründlich. Wohl hatte er gelegentlich Blicke hin- und herfliegen sehen, die ihn» zu den­ken gaben, er verstand sich gar gut auf der­gleichen, man war ja auch einmal jung ge­wesen. Aber etwa» verraten? Nein, das tat der alte Fritz nicht. Er machte sein pfiffigstes Gesicht und erwiderte:Ich weiß gar nicht, was Sie meinen gnädiger Herr. Ich habe noch niemals <twas bemertt."

Ach was, gnädiger Herr, ich bin kein gnädiger Herr! Wie oft habe ich Dir das schon gesagt! Das ist auch wieder eine von den neu­modischen Schnacken, die Du in Neunlinden auf- gefangen hast; aber jetzt rede, ich sehe es Deinem Gesicht an, daß Du doch etwas weißt. Schau, er­fahren werde ich auf jeden Fall, was ich wissen will, also ist es besser. Du sagst es gleich."

Ich weiß von nichts," behauptete Fritz mit Würde.

Du bist ein alter Esel, ein Spitzbube obendrein. Warte, ich will Dir helfen!" erboste sich Reinau und schien nicht übel Lust zu haben, den Alten am Ohr zu packen, als ein sich rasch nähernder Schritt ihn aufblicken ließ. Frau von Schmettwitz, die im Garten gewesen und die laute Unterhaltung zum Teil mitangehört hatte, ohne jedoch zu wissen, um was es sich handelte, fragte interessiert:

Was wollen Sie denn wissen?"

Wo meine Tochter ist," fuhr Rsinau die Dame grob an,und was sie überhaupt da außen treibt! Der Geschichte werde ich bald ein Ende machen!"

Welcher Geschichte?" äußerte Frau von Schmettwitz gereizt.Glauben Sie vielleicht, daß hier ein Ablagerungsplatz für Ihre Grob­heiten ist? Da irren Sie doch sehr!"

Was ich glaube, geht Sie gar nichts an! schrie Reinau, immer zorniger werdend,stecken Sie vielleicht unter einet Decke mit jenem sau­beren Patron, der meine Tochter kapern will, um mit ihrem Selbe seine Schulden zu bezahlen, dann sagen Eie ihm, er kriegt fte nicht! Da»

die Marx in die Welt schleuderte, aufnahmen und weiterverbreiteten gegen Leute z. B. wie Bakunin, so entsprang dies dem echten Gefühl des Hasses gegen einen Menschen, der die Frech­heit hatte, von ihnen Opfermut zu verlangen. .* . . . Marx in seiner Klugheit wußte sehr wohl, daß bei einer wenig differenzierten Mass« die Verleumdung das beste Ueberzeugungsmittel sei, diese Masse vor Infektion mit Ideen zu schützen, die der Masse sehr sympathisch (ein müßten, wenn sie ihren Inhalt erst erkannte... Er wies auf denschwarzen Mann" hin, die ge­wohnte Taktik aller Politiker, die wohl ver­stehen, daß ungebildete Massen am ehesten jU packen sind, wenn man an ihre Furcht und ihre schlechten Instinkte appelliert. Gewiß waren diese Massen leichter für die Ideologie der Staatssozialisten zu gewinnen, weil sie nichts aus eigener Kraft vermochten. Um so leichter, je mehr man die Gewerkschaftssozialisten ver­leumdete und karikierte. Diese Taktik wurde, nachdem sie sich einmal bewährt, die der Erben des Marxismus." Wenn diese Charakteristik Marx' auch von den anarcho-sozialistischen Widersachern der marxistischen Sozialdemokratie ausgeht, so dürfte die sozialdemokratische Presse doch Anlaß haben, diese Auslassungen nicht un­widersprochen zu lassen. In gewisser Hinsicht dürfte möglicherweise ein beweiskräftiger Widerspruch keine ganz leichte Arbeit fein.

Naumann und v. Gcrlach.

In einem Artikel derHilfe" schreibt der be­kannte Pfarrer Dr. Naumann, der Begründer der nationalsozialen Partei, folgendes;

Der Protest der Herren Dr. Barth, v. Ger- lach und Breitscheio gegen die Fraktionspolitik war längst vor dem Vereinsgesetzkompromiß vor­handen, und die Frage unserer Abstimmung ist nur der Anlaß, aus dem fichzweiStrömun- genscheiden.die trotz aller Vandwandtschaft der Ideen nicht mehr innerhalb -rer- selben Organisation werden Polt« tikmachenkönnen. Wir sehen es kommen, daß sich eine Anzahl unserer Parteifreunde von allem Zusammenhänge mit der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft wird lossagen wollen. Es gibt auch Zuschriften, die in mich drängen, daß ich dasselbe tun soll. Ich werde es nicht tun; ich bleibe bei der Fraktionsgemeinschaft, und zwar aus folgendem Grunde: Wenn irgend ein Mensch darüber eine praktische Erfahrung hat sammeln können, ob es möglich ist, zwischen So­zialdemokratie und bürgerlichen Liberalismus eine neue Partei einzuschieben, so bin ich es. Ob sich die neue Partei sozialliberal nennt oder deutsche Demokratie oder sonstwie, das macht

wäre noch schöner Maja ist ein Kind, eie richtiges Kind!

Frau von Schmettwitz wußte gar nicht, was sie sagen sollte. Sie kannte Reinau wohl unb hatte stets einen unbegrenzten Respekt von sei­nen Millionen gehabt. Doch jetzt äußerte sie sehr respettwidrig:So ein Grobian! Setzen Sie Ihre Tochter doch in einen Elasschrank, dann brauchen Sie derselben nicht nachzulaufen! Wenn ein Mädchen nicht selbst weiß, was es zu tun hat um so schlimmer! Es vor Dumm­heiten behüten ist schwer!"

Damit wandte sie ihm den Rücken zu. Reinau hatte ebenfalls eine bissige Bemerkung auf der Zunge und es war daher gut, daß in diesem Augenblick Sylvia und Maja unter den Bäumen sichtbar wurden. Maja führte Lilly an der Hand. Die Kleine, welche es doch noch möglich gemacht hatte, zu der geliebtenTante Maja" zu kommen, schaute mit glücklichem Lächeln zn dem jungen Mädchen auf. Reinau blickte finster auf die Gruppe. Blitzschnell fuhr es ihm durch den Kopf daß Stolze auch von einem Töchterchen gesprochen hatte. Wenn dieses kleine Mädchen das Kind jenes Mannes wäre? Als Maja ihren Vater erkannte, lief sie, Lilly mit sich fort» ziehend, eilig auf denselben zu.

Vater Du hier?" rief sie überrascht,was führt denn Dich nach Neunlinden?"

Das wirst Du noch zeitig genug erfahren, brummte Reinau,doch vor allem sage mit, wem gehört dieses Kind?"

Maja war so betroffen von dem strenge« Ton, daß sie gar nicht gleich eine Antwort finden konnte. Deshalb wandte sich Reinau barsch und ungeduldig an die Kleine:

Wem gehörst Tu? Wie heißt Du?"

Lilly schaute erschrocken drein.

Tante Maja," wandte sie sich kläglich « diese,wer ist der böse Mann?"

Ich bin kein böser Mann!" fuhr der Er­zürnte Lilly noch heftiger an.

Diese vezog weinerlich das Mündchen und schmiegte sich wie ein verschüchterte» VögelcheM in die Falten von Majas Kleid. (Forts, folgt.) )