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mit dem Meisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Mtd de« Beilage« ^»Literarischer Anzeiger".Landwirtschaftliche Beilage" und Illustriertes Somrtagsblalt".

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<x Zeitung» bei allen Postämtern und unsern Zeitungsstellen m ober deren Raum IS Pfennig, für Reklamen So Pfennig. ,o

J12. 79 ^irchhain und Wetter s°E be.uns-rer ExpedMon-Markt 2tt Q r)? .f 1QnQ Druck und Verlag: Joh. Bug. Koch, UniversitätSbuchdruckerei 43 Jghrg,

LL-ul'L?WZe'wnKstellen und NWL 2°K Donnerstag 2. Apnl 1908. Inhaber Dr. C. H itzeroth, Marburg, Markt 21. - Telephon öS.

Zweites Blatt.

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für da» zweite Quartal 1908 aus die

^Oberhessische Zeitung» nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstatten und Landbriesträgern ent- gegengenommen.

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Fleischpreije in England.

Es ist ein ebenso bekanntes wie beliebtes verfahren der Gegner der Landwirtschaft, im­mer wieder auf diebilligen Fleischpreise in England" gegenüber den teueren in Deutsch­land hinzuweisen, wobei dann wohl jedesmal das schon sattsam bekannte und beliebtePfund Hammelfleisch für 30 Pfennige" eine immer wiederkehrende Rolle spielt. Wohlweislich wird dabei, wie es bei solchenollen ehrlichen See­leuten" üblich ist. die Qualität des Fleisches ver­schwiegen, und am liebsten so getan, als ob man in England, speziell in London, gutes Hammel­fleisch für die bürgerliche Küche für 30 Pfennige das Pfund kaufen könnte. Leider wird nun aber dieses Märchen infolge seiner unausgesetzten Verbreitung auch in Kreisen geglaubt, die kei­neswegs immer der Landwirtschaft feindlich ge­sonnen sind. Wir denken hier z. B. an die Ve- amtenkreise, bei denen, wie man gelegentlich be­obachten kann, solche Gerüchte auch Glauben fin­den, und, wenn sie einmal erst geglaubt werden, dann auch die Betreffenden, die sich nicht der Mühe unterziehen, der Sache auf den Grund zu gehen (und das dürften wohl die große Mehr­zahl sein) leicht in eine unfreundliche Stimmung gegenüber der heimischen Landwirtschaft bringen rönnen.

Von landwirtschaftlicher Seite ist nun schon von jeher immer und immer wieder darauf hin­gewiesen worden, daß es sich bei derartigen billigen Fleischpreisen in England um nach unserm Begriff völlig minderwertige Ware han­delt, um eine Ware, die hier bei uns in Deutsch­land einfach niemand esien würde, nämlich ein Hammelfleisch, das aus Argentinien und Austra­lien in gefrorenem Zustande nach England ge­bracht wird, also eine recht weite Reise zurück- gelegt hat. Solches Fleisch muh eben, am Be­stimmungsorte angekommen, sobald als möglich zu jedem Preise verkauft werden. Auch stammt dieses billige Fleisch nicht etwa von Qualitäts­tieren, sondern bekanntlich von Weidevieh. Je­der aber, der englische Fleischnotierungen ein­mal zu Gesicht bekommen hat, dürfte wohl aus der Verschiedenheit der Preise für inländische

5 <?iacl)Dtuct üerboten.)

Die Freundinnen.

Originalroman von Irene v. Hellmuth.

(Fortsetzung, s

Sie müssen eben versuchen, das Werk anders­wohin zu verkaufen, gewiß gefällt es einem anderen besser," tröstete Maja freundlich.

Er schüttelte trübe den Kopf.

Ich habe nicht den Mut dazu und dann, begreifen Sie denn nicht, ich kann nicht so lange warten! Freilich, wie sollten Sie, die in Reichtum und Ueberflutz ausgewachsene Toch­ter eines Millionärs, der jeder Wunsch erfüllt wird, ehe er noch ausgesprochen wird, wie sollten Sie ahnen können, wie mir zu Mute ist!" rief Herr v. Brandt leidenschaftlich.Sie find überhaupt noch viel zu jung, um das zu verstehen und ich weih nicht, wie ich dazu komme. Ihnen gerade Ihnen das alles zu erzählen! Ich wollte mich rechtfertigen! Und andernteils, jemand muss man doch ha­ben, dem man sein Herz ausschütten kann. Ich bin ja immer so allein! Mit meiner alten Wirtschafterin mag ich dergleichen nicht bespre­chen und das Kind ist viel zu klein, um meine Sorgen und Leiden zu begreifen. Sie dagegen, Sie bewiesen mir und der Kleinen schon vom ersten Tage an, als wir uns begegneten, so viel Interesse und warme Teilnahme, daß ich ganz gegen meine sonstige Art sogleich Ver­trauen zu Ihnen fasste. Ich wundere mich eigent­lich über mich selbst, dass ich es tat. Sie werden Svohl manchmal lächeln über mich, dass ich so offen zu Ihnen spreche, ja, leugnen Sie es nicht," fuhr er rasch fort, als Maja eine ab­wehrende Handbewegung machte,wie sollte es Kch anders sein! Aber dass ich mich so rasch

Sie anschloß, daran ist wohl meisten» Lilly

und für gefrorene Einfuhrware ohne weiteres ersehen können, auch wenn er sich für gewöhnlich mit dergleichen Dingen nicht zu beschäftigen pflegt, dass in der Qualität dieser beiden Fleisch­sorten ein ganz gewaltiger Unterschied bestehen muss, und dass die Auslandsware eben wegen ihrer Billigkeit im Verhältnis zur andern nur ganz geringwertig sein kani.. Auch kann man aus diesen Notierungen ersehen, dass in England inländisches Fleisch tatsächlich recht hoch bezahlt wird.

In der diesmaligen März-Nummer des Journal of the Board of Agriculture in London stehen die Durchschnitts-Fleischpreise im Gross- Handel für den Monat Februar 1908 für die wichtigsten englischen Märkte. Wir greifen hier zunächst den grössten, den Londoner Markt her­aus. Dort kostet Hammelfleisch im Durchschnitt des Monats Februar 1908 in Shilling und Pence für den englischen Zentner (50,8 Klg ), sowie umgerechnet in Pfennigen für das deutsche Pfund:

Pfennige für

Schottisches:

engl. Zentner s d.

1. Qualität 79 0

das Psund

793

Englisches:

2

1.

74

73

0 0

743

73.3

2.

65

6

65,8

Gefrorenes aus Neu-Seeland:

1.

40

0

40,15

Argentinien:

1.

30

6

: 0,61

Aufrollen:

1.

29

0

29,19

Man kann also, nebenbei bemerkt, aus den englischen Notierungen die Umrechnung in Pfen­nigen per deutsche Pfund einfach ablesen.

Zu den vorstehenden Zahlen brauchte man eigentlich nichts hinzuzusetzen, da der Preis für importiertes gefrorenes Hammelfleisch, trotzdem es noch ausdrücklich als1. Qualität" bezeichnet wird, gegenüber demjenigen für inländisches Fleisch ganz augenfällig nachsteht. Bemerkens­wert ist auch der Unterschied zwischen dem gefro­renen Fleisch aus Neu-Seeland und dem aus Australie/r und Argentinien: ersteres steht schon ein Drittel höher im Preise als letzteres. Ham­melfleisch aus den Vereinigten Staaten und Kanada, von im Hafen getöteten Tieren wird in London nicht notiert, dagegen aber in Birming­ham, Manchester und Liverpool mit 70 Schilling 70,27 Pfennige für das deutsche Pfund.

Nochmals soll bemerkt werden, dass es sich hier um Grosshandelspreise für den Zentner handelt. In Berlin kostete im gleichen Monat das Kilogramm Hammelfleisch aber im Klein­handel 155 Pfa., macht für das Pfund 77,5 Pfennige:

So sieht es also in Wahrheit mit dem billi­gen englischen Hammelfleisch aus!

Ans den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag trat am Dienstag in die erste Lesung des Gesetzentwurfs betr. die Beschäftig­ung von Hilfsmitgliedern im Kaiserlichen Pa­

schuld. Ohne sie wären wir sicher stets fremd, höchstens mit einem kühlen Gruss aneinander vorbei gegangen; aber die lebhafte Kleine ver­mittelte schnell die Bekanntschaft. Und jetzt ist das Mädchen kaum mehr zu halten. Den ganzen Tag fragt Sie mich nach Ihnen. Kommt Tante Maja heute? Darf ich zu ihr? Wollen wir ihr entgegen gehen ? So quält sie immer fort, bis sie bei Ihnen ist. Ich kann nicht anders, ich muß ihr nachgeben, um nur endlich Ruhe zu haben."

Ach, ich wollte, ich dürfte Lilly ganz behal­ten," lachte Maja.Mir fehlt ordentlich etwas, wenn ich meinen Liebling einen Tag nicht sehe. Willst Du zu mir in die Stadt kommen?" wandte sie sich dann fragend an die Kleine, die mit leuchtenden Augen aufjubelte:

Ach ja, liebe, liebe Tante Diaja, wenn Papa es erlaubt," fügte sie etwas kleinlaut hinzu.

Nein, mein Kind, das erlaubt Papa nicht," entgegnete Herr v. Brandt ernst und bestimmt.

Und warum nicht?" fragte Maja halb ver­letzt durch den strengen Ton.

,^Jch habe meine Gründe! Lilly würde da­durch nur verwöhnt. Sie lernte den Reichtum und Ueberfluß kennen und das darf sie nicht!"

Immer die alte Geschichte!" seufzte Maja leise.Mir scheint, Sie hassen den Reichtum?"

Ehe der Gefragte eine Antwort geben konnte, trat aus dem Torweg, der zu dem alten Herren- hause führte, eine schlanke, hellgekleidete Mäd­chengestalt. Sie eilte mit einer freudigen Be­wegung auf Maja zu und streckte ihr lebhaft beide Hände entgegen.

Ach, da bist Du ja endlich! Ich dachte schon, Du würdest überhaupt gar nicht kommen, ich er­wartete Dich sehnsüchtig!" rief fie mtt hellem Lachen.

Her, v. Brandt verneigte sich artig, sÄy

tentamte. Nach kurzer Debatte wurde die Vor­lage gleich in der zweiten Lesung mit einer Aenderung nach dem Anträge Junck (natl.) an­genommen, nach der die in der Vorlage ausge­sprochene Ermächtigung des Reichskanzlers, im Falle des Bedürfnisses Personen, welche die Be­fähigung zum höheren Verwaltungsdienst be­sitzen, oder welche in einem Zweige der Technik sachverständig sind, mit den Verrichtungen eines Mitgliedes des Patentamtes zu beauftragen, nur bis Ende März 1911 erteilt werden soll. Es folgte die erste Beratung des Ergänzungsetats, betr. Einführung des Postüberweisungs- und Scheckverkehrs. Staatssekretär Krätke empfahl kurz die Vorlage und teilte mit, dass die Erricht­ung von neun Post-Scheckämtern beabsichtigt sei. Abg. Dr. Nöficke (kons.) sprach Bedenken gegen die Einführung des Postscheckverkehrs aus, da durch denselben den bei uns hoch entwickelten Genossenschaften, namentlich den landwirtschaft­lichen, die disponiblen baren Gelder entzogen würden, die bisher dem Handwerk und dem kleinen Manne dienstbar gemacht wurden. Die Abgg. Singer (Soz.) und Weber (natl.) waren im Prinzip mit der Vorlage einverstanden. Abg. Kämpf (frs. Vp.) hielt für ausgeschlossen, dass der Postscheckverkehr den Genossenschaften Konkur­renz machen werde. Aehnlich äußerten sich auch der Abg. Nacken (Zentr.), während sich Abg. Raab (wirtsch. Vgg.) gegen eine zu niedrige Be­messung der Gebühren zu ungunsten der Post aussprach. Abg. Arendt (Rp.) stand der Vorlage freundlich gegenüber, trat jedoch im Interesse einer Verbesserung von Einzelheiten für Kom­missionsberatung ein. Darauf ging die Vorlage an die Budgetkommission. Es folgte die erste Beratung der Novelle zum Münzgesetz. (Ein­führung von 25 Pfennig-Stücken, sowie Ver­mehrung der Silberscheidemünzen.) Gegenüber den Bedenken, die Abg. Speck (Zentr.) gegen die Vorlage äußerte, berief sich Schatzsekretär Sydow auf die vom Reichstage dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesene Petitton der Osna­brücker Handelskammer um Ausprägung von 25 Pfennig-Münzen, auf welche dann der Wunsch nach dieser Eeldsorte in verstärktem Maße in Landwirtschaft und Industrie laut geworden sei. Die Abgg. Orte! (natl.) Henning (kons.), v. Strombeck (Zentr.) und Dr. Arendt (Rp.) stan­den der Vorlage freundlich gegenüber. Abg. Kämpf (frs. Vp.) forderte eine Vermehrung der Silbermünzenausprägung nur nach Maßgabe des jeweiligen Bedarfs. Nach weiteren Bemerk­ungen wurde die Vorlage einer Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen. Das Haus ging über zur Beratung der Resolution Eamp (Rp.) betr. Ostmarkenzulagen für die mittleren Post­beamten in der Provinz Posen. Gegenüber dem Amendement Attaß (frs. Vp.) erklärte Abg. Schulz (Np.), seine Partei habe, um etwas zu­stande zu bringen, den Ausdruckaußerordent­lich" gewählt und stehe der Resolution sym­pathisch gegenüber.

Verzeihen Sie, Fräulein v. Schmettwitz, an der Verspätung Ihrer Freundin bin ich schuld. Wir kamen so ins Plaudern"

Ja, ja, ich weiß schon," unterbrach die An­geredete lächelnd seine Entschuldigung,ich habe das sehr oft erlebt; wer mit meiner Maja zu- sammentttfft, der möchte fie so lange als möglich für sich haben, fie ist eben ein Sonnenkind, nicht wahr?"

Sie schlang in aufwallender Herzlichkeit den Arm um den Hals der Freundin unb küßte fie leicht auf beide Wangen.

Herr v. Brandt hatte indessen Lilly aus dem Wagen gehoben und wollte sich mit ihr verab­schieden. Doch das Kind sträubte sich hefttg.

Ich will bei Tante Maja bleiben, bitte, bite, lass mich hier, Papa!"

Doch das half nun nichts obwohl die jungen Damen versprachen, die Kleine nach Hause zu bringen. Er zog das widerstrebende Kind mit sich fort. Noch ost wandte Lilly sich zurück, bis dieliebe Tante" ihren Blicken entschwand.

Ein sonderbarer Mensch," sagte Maja, den Beiden gedankenvoll nachsehend.Weißt Du Näheres über seine Verhältnisse, Sylvia?" wandte fie sich lebhaft an die Freundin.

Die Gefragte zuate die Achseln.

Er verkehrt ja zuweilen in unserem Hause, aber über die Vergangenheit spricht er sich nie aus. Ich glaube, er hat viel Schweres durchzu­machen gehabt. So viel ich aus nebenbei hinge­worfenen Aeußerungen entnehmen konnte, war er sehr unglücklich verheiratet."

Und seine Frau ist tot?"

Ja, ich denke seit etwa zwei Jahren."

Er hat aber doch das Kind, und das rei­zende, liebliche Eeschöpfchen muß ihm doch viele Freude machen. Trotzdem blickt er immer so finster drein. Hat er da ein Recht stets mit fei» Mm Geschick zu hadern? Weshalb sollten den»

Tkttljlhcs Reich.

Zu der Reise des grobherzoglichen Paare» nach Rußland teilt dieDarmstädter Ztg." noch mit: Der Eroßherzog und die Großherzogin reisen am Mittwoch, 9 Uhr 31 Min. abends, von Darmstadt nach Berlin. Von hier aus wird am 2. April, 10 Uhr vormittags, die Reise nach Wir- ballen fortgesetzt, wo ein kaiserlicher Hofzug für die Herrschaften bereitsteht. Zum Empfang in Wirballen sind vom kaiserlichen Hofe entsandt Eeneraladjutant Fürst Waseiltschikoff, Flügel­adjutant Graf Scheremetieff und Zeremonien­meister von Westman. Um 11 Uhr abends findet die Weiterreise nach Zarskoje Sselo statt, wo die Ankunft am 3. April abends stattfindet.

Angebliche Aeußerungen des Minister» von Podbielski. Durch d i e Presse, zn deren Repertoire es gehört, ständig in der Landwirtschaft Unfrieden zu säen und einen Gegensatz zwischen Groß- und Kleinbesitz in der Landwirtschaft ffu konstruieren, ging neulich eine angebliche Aeußerung des frü­heren Landwirtschaftsministers von Podbielski. In Oberingelheim hatte in einer liberalen Ver, fammlung nach derFrankfurter Zeitung" ein Redakteur Möglich-Wiesbaden Ausführun­gen des Herrn Podbielski wiedergegeben, die in dem Satze gipfeln sollten:

Es ist meine ganz feste Ueberzeugung, daß die Zukunft der deutschen Landwirtschaft im Großgrundbesitz ruht. Der kleinere Grundbesitz, noch mehr der mittlere, ist unbarmherzig an das Elend der Landarbeiternot gefesselt."

Die Ausführungen konnten gar nicht anders aufgefaßt werden, als ob von Podbielski sich als Großgrundbesitzer über die kleineren Besitzer und ihre Best- Zungen, vorwärts zu kommen (Genossenschaftswesen), lustig mache, und ihnen jeden Erfolg abspreche. Es war anzunehmen, daß die gesamte liberale Presse sich dies Agita- ttonsstückchen nicht entgehen lassen würde, ebenso sicher aber auch, daß Herr von Podbielski sich nicht so ausgesprochen haben konnte.

DerDeutschen Tageszeitung" hat jetzt Herr von Podbielskis auf eine Anfrage mitgeteilt:

Als ich jenen Artikel in derFrankfurter Zeitung" las, mußte ich herzlich lachen, so­viel Worte soviel Unsinn. Auf Berichtig­ungen dieser Zeitungen lege ich keinen Wert.

Der Hergang ist kurz folgender: Dieser Herr unterhielt sich mit mir über wirtschaftliche Fra­gen, nicht politische. Derselbe sagte mit, er sei von einer Reise aus Posen zurückgekehrt. Wir sprachen über die zukünftige Entwicklung der Städte, dann sagte ich, man habe im Westen eine ganz falsche Auffassung über den G r o ß - gründ besitz des Ostens, derselbe habe noch große kulturelle Aufgaben zu lösen, wie die Entwässerung des Ackers, Ent- und Bewässerung der Wiesen, Straßenbau usw. Solche kul­turellen Aufgaben wären unendlich schwer bet sehr zerstückeltem Grundbesitz durchzusühren; aller Wasserbau nütze vielleicht 8090 Prozent,

nicht auch für ihn wieder freundlichere Tage kommen?"

Sylvia drohte der lebhaft sprechenden Freun­din lächelnd mit dem Finger.

Mir scheint, Du interessierst Dich für diesen Herrn v. Brandt mehr als gut ist. Er ist auch ein stattlicher, schöner Mann, nur nicht mehr so ganz jung."

Maja war ein wenig rot geworden, doch schlug sie die Augen voll zu Sylvia auf. Ein schalkhafter Ausdruck lag aus ihrem reizenden Gesicht.

Na, höre mal, viel älter als Dein Verlob­ter ist er doch sicher nicht."

liebet Sylvias eben noch so heiteres Gesicht flog ein finsterer Schatten.

Und meinst Du. daß ich mich ihm angelobt hätte fürs Leben, wenn man mich nicht gedrängt, ja geradezu gezwungen hätte? Die Verbindung mit ihm ist doch eine glänzende Versorgung! Es ist eine der besten Pattien der ganzen Um­gegend! Was will ich denn mehr? Ich, das vermögenslose Mädchen, das nur von der Gnade anderer lebt! Da mußte ich doch zugreifen! Die Welt müßte mich ja für verrückt halten, wenn ich diese Heirat ausgeschlagen hüte! Ich hielt es anfangs ja selbst für ein großes Glück, einen reichen Mann zu bekommen! Nur heraus wollte ich, heraus so bald als möglich aus dieser Sphäre, die mich drückte wie eine schwere Kettet Jetzt Sylvia seufzte tief auf,bin ich freilich anderer Ansicht!"

Maja war aufs höchste erschrocken bei den leidenschaftlich hervorgestoßenen Worten der Freundin. Hatte fie auch längst geahnt, daß nicht die Liebe es war, die Sylvia veranlaßte, fich mit dem viel älteren Manne zu verloben, so erfuhr fie doch eben erst, daß Sylvia ihren Verlobten beinahe haßte.

. ^Fortsetzung feiet) >