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MchM Iälmg mit dem Hreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain «nd de« Beilage«: .Merarischee A«reigrr-. ^zmrdrnirtschastliche Beilage- «ud ^lLnstrierte» Smmlagsdlatt-.

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Man abonniert auf die täglich erschemendeOberhesslsche Zeitung- bei allen Postämtern «nd unfern Zeitungsstellen in »irch h a in und Wetter sowie bei unserer Expedition Markt 21. Der Bezugspreis beträgt durch die Post 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unser« Zeitungsstellen und der Expedition 2 Mk.

Marburg

Donnerstag, 2. April 1908.

Di, JnsertionSgebübr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Bug. Koch, llnwersitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. L. H itzrrath, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

43. Jahrg,

Erstes Blatt.

Bessere Versorgung der Kriegs- Veteranen.

Es tst schon seit Jahren das unausgesetzte Bestreben der konservativen Partei, die Ve­teranen, die für Ehre und Gut unseres Vater­landes Leben und Gesundheit eingesetzt haben, nicht darben zu lassen. Zeigt stch das Deutsche Reich auf sozialpolitischem Gebiete, also auch den sogenannten Veteranen der Arbeit gegenüber anerkanntermaßen generös, so hat es die dop­pelte Pflicht, sich den Kriegsveteranen gegen­über nicht knickerig zu zeigen. Man kann auch wirklich nicht sagen, daß die den nicht allen, sondern nur den bedürftigen und erwerbsun­fähigen Veteranen zustehende Beihilfe von 120 JA allzu reichlich wäre. Aber eben deshalb ist das Verlangen berechtigt, daß auch allen wirklich Bedürftigen ohne Schwierigkeiten dies« Beihilfe gewährt werde.

Leider wird jedoch jahraus jahrein mit Recht über schwere Härten und Ungleichheiten bei der Verteilung der Veteranenbeihilfen geklagt. Je nach den verschiedenen Ansichten lokaler Behör­den wird der Grad der Bedürftigkeit und da» Maß der Erwerbsfähigkeit sehr verschieden fest­gestellt, und die Anwärter auf Beihilfen haben vielfach so belästigende Untersuchungen und Rückfragen über sich ergehen zu lassen, daß zahl­reiche von ihnen es vorziehen, auf die Beihilfen zu verzichten und zu darben. Das ist aber ein Zustand, der des Deutschen Reiches, der de» stolzen deutschen Heeres unwürdig ist.

Die Konservativen haben schon im Jahr« 1905 gefordert, daß die Veteranenbeihilfe stet» zu gewähren sei, sobald das Einkommen der Kriegsteilnehmer nicht über 600 JA beträgt, und wollten im Februar 1907 den veränderten Ver­hältnissen gemäß die Einkommensgrenze auf 900 JA festgesetzt wissen. Es wurden damals im Reichsschatzamte Berechnungen angestellt und der ermittelten hohen Kosten wegen wurde die Erledigung dieser Sache verschoben, der Fonds für die Beihilfen selbst im Etat aber wurde ver­stärkt. So ist auch in dem neuen Etat di« für di« Veteranenbeihilfen zu verwendende Summe auf 21 Millionen Mark erhöht worden.

Eine Beseitigung der Härten und Ungleich­heiten bei der Gewährung der Beihilfen aber ist leider bis jetzt nicht erfolgt. Der konservative Abgeordnete Hufnagel hat sick um dieVeteranen- sache dadurch ein neues Verdienst erworben, daß er bei der diesjährigen Etatsdebatte mit aller Schärfe und Gründlichkeit die vorhandenen Miß­stände wieder klarlegte. Zu dieser Etatsberatung hatte sowohl die nationalliberale als auch die Zentrumsfraktion einen Antrag eingebracht, in dem die konservative Forderung auf Festsetzung einer Einkommensgrenze von 900 JA. übernom­men worden war. Diese Anträge aber unter­schieden sich dadurch voneinander, daß der der Zentrums einfach im Rahmen des Etats eine Aenderung des Veteranengesetzes herbeiführen wollte, während der nationalltberale Antrag ge­nau im Sinne der Konservativen nur einen Wunsch an die verbündeten Regierungen aus­sprach.

Die Annahme des Zentrumsantrages mußte aus etatsrechtlichen Gründen von der Regier­ung abgelehnt werden. Es geht nicht an, gel­tende Gesetze durch Bestimmungen im Etat ab­zuändern. Der einzig mögliche Weg, den Ve­teranen zu helfen, ist der zuerst von den Konser­vativen und dann von den Nationalliberalen eingeschlagene: von der Reoierung eine Abän­derung des Veteranengesetzes zu fordern. Und daß diese Forderung nun bewilligt werden wird, kann man nicht bezweifeln, wenn nur erst die Reichsfinanzen auf einen besseren Stand ge­bracht worden sein werden, was ja im Herbst geschehen soll.

Zurückgehen der Militärtauglichkeit.

Es ist eine längst offenkundige Tatsache, daß die Militärtauglichkeit der ortsgebürttgen Be­völkerung in allen Industrie und Großstadtbe­zirken zurückgeht. Neuerdings aber brachte der -Vorwärts" noch zwei besonders krasse Beispiele hierfür aus sächsischen Jndustriebezirken bei. Ar Ebersbach an der böhmischen Grenze wären von 224 Militärpflichtigensage und schreibe nur 45 Mann diensttauglich befunden." In Neusalza waren von 248 Militärpflichtigen auch nur 57 tauglich.

Das sozialdemokratische Zentralorgan meint Iran natürlich der Regierung die Schuld an dieser Verminderung der nationalen Wehrkraft zu- ßhieben zu dürfen, weil dieselbe die Arbeiter­bewegung zugunsten einer Verbesserung der Le- henshallung behindere, und weil st« bte Lebens- Mittel künstlich verteuere.

Um die Hinfälligkeit des letzten Vorwurfs zu erkennen, braucht man stch nur daran zu er­innern, daß die jetzt 20jährig«n Militärpflichti­gen bett bei weitem größten Teil ihrer Wach», tumsperiode unter der Aera der Tapriviverträg« verlebt haben, die mit so großem Erfolge die Herabminderung der Nahrungsmittelpreise an- gestrebt haben. Tatsächlich sind doch die Korn« und Viehpreise in dieser Zeit von 1892 bi» 1906 durchschnittlich sehr wohlfeile, meistens weit unter den Produktionskosten stehende gewesen.

Nach unserer Ansicht beruhen die besonder« ungünstigen Rekrutierungsergebnisse in den ge­nannten und vielen ähnlichen Bezirken daraus, daß im sächsischen Erzgebirge und in der Lausitz die Industrie, namentlich die Textilindustrie, einen so großen Aufschwung genommen hat. In dem letztgenannten Industriezweige werden Frauen und Kinder besonders zahlreich beschäf­tigt. Tausende von ihnen, die früher in der Landwirtschaft tätig waren, haben diesem durch die Eaprivi-Politik der Nahrungsverbilligung unlohnend gemachten gesunden Gewerbe den Rücken gekehrt und haben ihre Gesundheit bei der Jndustriearbeit untergraben. Frauen, die so beschäftigt find, Mädchen, die au» diesem Be­rufe heraus meistens noch allzu ftüh Mütter werden, find nach keiner Richtung hin im Stande, kräftige Söhne heranzuziehen, selbst wenn ihnen billige Nahrungsmittel zur Verfüg­ung stehen. Es fehlt ihnen nicht nur selbst ein lebenskräftiger Körper, sondern auch Zeit nud Verständnis für Zubereitung nahrhafter Spei­sen. Dazu kommt daß auch ein Knabe, der vom 14. Jahre an Jndustriearbeit leisten muß, nie­mals auch nur entfernt ähnliche Militärtauglich­keit erreichen wird, wie ein solcher, der mit land­wirtschaftlichen Arbeiten in freier Luft beschäf­tigt wird.

Aus den Parlamenten.

v Preußischer Landtag.

Abaeordnrtenhau».

Das Abgeordnetenhaus erledigt« in einer kurzen Sitzung zunächst den Rachtragsetat über die Teuerungszulagen für Beamt« und Lehrer. Abg. Graf v. d. Eroeben (konf.) bezeichnete es als Härte, daß die Lehrer mit mehr als 1200 JA Grundgehalt in der Vorlage unberücksichtigt bleiben, und Abg. Schmedding (Zentr.) be­dauerte, daß die mittleren Beamten mit mehr als 4200 Jl leer ausgehen. Finanzminister Frei­herr v. Rheinbaben und Kultusminister Holle erwiderten, eine Parallele zwischen Beamten und Lehrern lasse sich nicht ziehen, weil für bte Lehrer in erster Linie bie Gemeinden zu sorgen haben. Abg. Malkewitz (kons.) bat den Krei­der Lehrer, die eine Zulage erhalten sollten, zu erweitern. Die Vorlage wurde der Budgettorn- mission überwiesen. Die Vorlage auf Bau de« masurischen Kanal» wurde in zweiter und dritter Lesung angenommen. Es folgte bie Be­sprechung der ^Vorlage über die Rechtsverhält­nisse der Attlutheraner. Der Entwurf, bet bet Gesamtorganisation bet Altlutheraner bie Rtthte einer juristischen Berson verleihen will, würbe in erster unb zweiter Lesung angenom­men. Damit war bie Tagesorbnung erschöpft.

Herrenhaus.

Das Herrenhaus setzte am Dienstag bie Ein­zelberatung bes Etat» fort. Beim Etat be» Büro» des Staatsminifteriums kam es noch ein­mal zu einer fesselnden Wahlrechtsdebatte. Prof. Dr. Hillebrandt-Breslau begrüßte, daß da» Ab­geordnetenhaus die Ueberttagung des Reichs­tagswahlrechts abgelehnt habe, und betonte, ein großer Teil feiner Freunde lehne jede Aender­ung des preußischen Wahlrechts mindestens so­lange ab, bis auch die Schäden des Reichstags­wahlrechts beseitigt oder gemildett seien. In ähnlichem Sinne äußette fich Graf v. Mirbach. Hingegen beharrten Prof. Loening-Halle und Oberbürgermeister Struckmann-Hildesheim bei ihrer Auffasiung, das preußische Wahlrecht sei unwahr und ungerecht. Herr v. Luch und Frhr. o. Lucius mißbilligten den Beschluß de» Abge­ordnetenhauses, den Abgeordneten freie Fahrt auf allen preußischen Bahnen zu gewähren und baten die Regierung, diesem Beschlüsse nicht bei- zutreten. Beim Etat der Eisenbahnverwaltung stellte auf Anregung des Grafen v. Mirbach Eisenbahnminister vreiteubach baldige Reform bet Fahrkartensteuet in Aussicht, bat aber, ent- ?;egen bem Grafen ». Roon, die Arbeiterwochen­arten aus sozialen und wirtschaftlichen Grün­den beizubehalten. Beim Justtzetat empfahl Prof. Zorn-Bonn eine Reform der Vorbildung unserer Juristen. Pros. Loening befürwortete J die Einführung von Klausurarbeiten für die erste juristische Prüfung. Justtzminister Beseler hielt eine Revision der Prüfungsordnung für angezeigt. Der Etat des Innern wurde nach längerer Erörterung bewilligt. Darauf trat Vertagung ein, obwohl der Etat verfaffungs- gemäß am 1. April fertig sein sollte.

An» be» Kommissionen bes Reichstags.

Die »udgettommisfio« bes Reichstages setzt« bie Beratung be» Ergänzungsetat» für bie Schutzgebiete fort unb nahm die von Staats­sekretär Dernburg begründete Regierungsforder- ung auf Bewilligung von zwei Millionen Mark zur Fottführnng bet Usambarabahn von Mombo bis zum Panganisluß an unb ferner 325 000 Mark zur Vermehrung bes Fuhrparks bet Usam­barabahn unb bet Aufstellung eines Drehkrahn» in Tanga unb nahm schließlich ben ordentlichen Etat an.

Die vörsengesetzkommissio» begann am Dienstag bie mit Spannung erwartete zweite Lesung der Regierungsvorlage, welche bekannt­lich in erster Lesung so abgeändert worden ist, daß die Regierung sie für unannehmbar erklätte. E» liegen zur zweiten Lesung Anträge bet na- tionalliberalen Kommisstonsrnitglieder, be» Zentrums und bet wirtschaftlichen Vereinigung vor. Die Beratung über das Börsenregister wird zunächst zurückgestellt. Die Paragraphen 86 (Zulassungsstelle), 88a (Prospektfreiheit der Reichs- und Staatsanleihen), 38h (Sicherheits­bestellung), 48 (Zulassung zum Terminhandel durch den Börsenvorstand) und 49 (Ausschluß verbotener Termingeschäfte) werden nach den Beschlüsien erster Lesung angenommen, wie die» auch von den Rationalliberalen beantragt ist. Paragraph 50 wird in der Fassung der ersten Lesung abgelehnt und nach dem nationallibera­len Anttag, wie folgt, angenommen:Ein Bör­sentermingeschäft, das nicht gegen ein durch dieses Gesetz oder den Bundesrat erlassenes Ver­bot verstößt, ist nut nach Maßgabe der Para­graphen 51 bis 54 wirksam." Zu einer längeren Debatte kommt e» bei Paragraph 51. Das Zen­trum verlangt die Wiederherstellung des ersten Absatzes der Regierungsvorlage. Dieser Antrag wird gegen Zentrum, wirtschaftliche Vereinig­ung und Sozialdemokraten abgelehnt. Schließ­lich wird Paragraph 51 nach dem nationallibe­ralen Kompromißantrag angenommen, ebenso Paragraph 52, der von der Eicherheitsbefriedig- ung handelt. Der Paragraph 51 hat nun fol­genden Wortlaut:Das Geschäft ist verbind­lich, wenn aus beiden Seiten als Vertrag­schließende Kaufleute, di« in das Handelsregister eingetragen find, oder deren Eintragung nach Paragraph 36 bes Handelsgesetzbuches nicht er­forderlich ist, oder eingetragene Genossenschaften beteiligt find. Den in Abs. 1 bezeichneten Kauf­leuten stehen ferner gleich 1. Personen, die zur Zeit des Geschäftsabschlusses oder früher berufs­mäßig Börsentermingeschäfte oder Bankier- geschafte bettieben haben, oder zum Besuch einet bem Handel mit Waren bet bei bem Geschäft in Frage kommenden Art, oder einet dem Handel mit Wertpapieren dienenden Börse mit der Be­fugnis zur Teilnahme am Börsenhandel dauernd zugelassen waten; 2. Personen, die im Inland« zur Zett bes Geschäftsabschlusses weder einen Wohnfitz noch eine gewerbliche Niederlassung haben." Darauf wurde die Weiterberatung auf Donnerstag, den 2. April, vertagt.

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Deutsches Reich.

Bo» der Kaiserreise. Die .Hohenzollern" wird, um das Interesse der Bevölkerung nicht von dem am 7. April stattfindenden Nationalfest abzulenken, erst nach diesem Tage, voraussichtlich am 8. oder 9. April, in Korfu eintreffea.

Beim Reichskanzler fand gestern abend ein Diner statt, zu dem u. a. der amerikanische Bot­schafter Tower, der französische Botschafter Tarn- bon sowie verschiedene Minister und Parlamen­tarier geladen waten.

Zum Besuch Bülows i» Wien schreibt die offiziöse WienerPolitische Korrespondenz": Der zweitägige Besuch des Fürsten Bülow in Wien, der seinem äußeren Anlaß nach die Erfüllung einer Pflicht freundschaftlicher Höflichkeit war, ist in mehrfachem Betrachte als ein belangloses Ereignis zu würdigen. Bei dem Gedankenaus­tausch trat hinsichtlich der Zwecke der gemeinsam zu verfolgenden Politik, sowie ber zu ihrer Ver­wirklichung anzuwendenden Mittel volle Har- r.umie zutage. Zu den Momenten, welche die Bedeutung dieser Begegnung erhöhen, gehören das vorausgehende Zusammentreffen des Deut­schen Kaisers mit dem König von Italien und die demnächst zu erwartende Reise des deutschen Reichskanzlers nach Rom. Äne Symbolik, in der fich die besondere Innigkeit des Verhältnisse» zwischen Wien und Berlin wiederspiegelt, liegt in dem Umstande, daß der hiestge Aufenthalt bes Fürsten Bülow in gewissem Sinne das Vorspiel des in einigen Wochen erfolgenden Besuchs Kai­ser Wilhelms bildete, bet mit ber Kaiserin Auguste Viktoria in Wien erscheinen wird, um dem Kaiser Franz Josef anläßlich des sechzig, jährigen Regierungsjubiläums feine Glück­

wünsche darzubringen. DiePolitische Korresp." meldet weitet: Wie von berufener Seite mitge­teilt wird, hat es dem Fürsten Bülow zur beson­deren Genugtuung gereicht, daß ihm die Möglich­keit gegeben war. Seiner Majestät dem Kaiser seine Verehrung zu beze^en.. DieNeue Freie Presse" schreibt: In hiesigen diplomatischen Krei­sen wirb bet Anwesenheit des Fürsten Bülow in Wien große Bedeutung zugesprochen. In ben Konferenzen zwischen Bülow und Aehrenthal habe die mazedonische Frage die Hauptrolle ge­spielt.

Keine weiteren Handelsverträge. Man schreibt uns: Als der jetzige Reichstagungsab­schnitt begann, hegte man in weiten Kreisen der Geschäftswelt die Ansicht, daß in ihm auch ein« Weiterführung der mit den Tarifverträgen ein­geleiteten Handelsvertragspolitik vor sich gehen würde. Die Tagung ist bereits weit vorgeschrit­ten, eine Vermehrung der Handelsverträge, di« Deutschland mit dem Auslande abgeschlossen hat, ist aber nicht erfolgt, dürste auch kaum noch dem­nächst zu beobachten sein. Namentlich hatte man an eine Umgestaltung der Handelsbeziehungen zu Dänemark gedacht. Dänemark befindet sich ja gegenüber Deutschland im Meistbegünstigung», Verhältnis, es waren aber bekanntlich weit­gehende Vorbereitungen getroffen, um aus die­sem Verhältnis zu einem Handelstarifvertrage überzugehen. Von der Verfolgung des Plane« ist es ganz still geworden. Früher verlautet^ daß die Verhandlungen im laufenden Frühjahre wieder aufgenommen werden sollten. Von Vor­bereitungen dazu hat man aber jetzi noch nicht» gehört. Wie immer sich die Sachlage in bisset Beziehung gestallen mag, soviel darf gegen- wärtig als sicher angesehen werden, daß bei Reichstag in seinem jetzigen Tagungsa^ schnitt mit einem Handelstarifvertrage nicht mehr be­faßt werden wirb. Die Aera bes Abschlusses von Handelsverträgen, die viele Jahre hindurch ge- währt hat, wird eine Unterbrechung erfahren.

Skrupellose Demagogie. Unter diese» Ueberschrift schreibt dieFreis. Ztg.":Nach einem Vortrag des Abg. Potthof (frs. Vgg.) im Liberalen Verein für Steglitz und Umgegend (frs- Vgg.) ist ein einstimmiger Beschluß gefaßt worden, der es beklagt,baß bte deutsche Be­amtenschaft im Parlament von allen Parteien nicht die erwartete entschiedene Vertretung ihrer berechtigten Forderungen gefunden hat." Wie Abg. Dr. Potthoff, der doch unseres Wissens dem Beamtenausschuß der freisinnigen Fraktions- gemeinfchaft des Reichstages angehört, einem solchen Antrag zustimmen kann, ist schwer be­greiflich für jeden, der an politische Aufrichtigkeit glaubt." Diesem Urteile derFreis. Ztg." über den Frattionsfreund läßt stch nichts hinzufügen, höchstens ein Hinweis darauf, daß der Abg. Pott­hoff mit dieser Att nicht ganz allein steht.

DerVorwärts" al» Erbe. Ein sozialdemo­kratischer Zahnarzt, der kürzlich in Wiesbaden verstorben ist, hat demVorwärts" 1900 Mk. vermacht. Der vorwärts" hat die Erbschaft angetreten.

Der Hill-Mischensall.

Washington, 31. März. Um den Hill- Zwischenfall zum Abschluß zu bringen, besucht« der deutsche Botschafter Freiherr Speck v. Stern­burg gestern abend auf Verabredung den Prä­sidenten Roosevelt. Als Ergebnis der Konferenz wurde folgende Note ausgegeben:

Im Anschluß an bie bereits vom deutschen Auswärtigen Amt veröffentlicht: Mitteilung hat auch der deutsche Botschafter der Bundes­regierung die Versicherung übermittelt, daß nie­mals eine Aenderung in dem Standpunkt gegen­über Hill und der herzlichen Bereitwilligkeit, Hill in Berlin willkommen zu heißen, einge­treten sei. Offenbar sind einige Aeutzerungen, die in gelegentlichem Gespräch gemacht wurden, entstellt und übertrieben worden, so daß ein voll­ständig irrtümlicher Eindruck von der ganzen Angelegenheit hervorgerufen wurde. Die beide» Regierungen haben niemals an diesen Miß­verständnissen teilgenommen. Bei der Wahl Hills ist die Erwägung ausschlaggebend gewesen, daß er unter allen Beamten des diplomatischen Dienstes als der am meisten geeignete erschien für diese besondere Stellung, eine Stellung aller­ersten Ranges an Ehren sowohl wie an Verant­wortlichkeit, bei welcher man deshalb auch wohl darauf achtete, daß dorthin ein erfahrener Diplo­mat und bewährter Redner, eine Autorität in Sachen des internationalen Rechts und «in Kenner des Deutschen gesandt würbe, der nttt.