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bro ^til0Bro: ^ziterarischer »njeiger**,Kimdwirtsch-stUch, K-il-g-« undJUnstrirrk, Kmmtag-blatt".

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Zweites Blatt.

Ist die Abnahme der Geburten bedrohlich für Deutschland.

Man schreibt uns:

Es ist unbestreitbar, daß im letzten Menschen­alter die Zahl der Geburten in Deutschland, rvenn auch nicht absolut, so doch relativ stark ab­genommen hat. In dem Jahrfünft 18721876 kamen auf 1000 Einwohner noch nahezu 42 Ge­burten jährlich, im folgenden Jahrfünft nur 40, im nächsten 38%, von 18871891 nur noch 37/5, im darauffolgenden Jahrfünft 37%, im nächsten 37 ustd endlich im letzten Jahrfünft 19021906 nur noch 354/s. Die relative Abnahme ist also recht beträchtlich und da sie in den letzten fünf Jahren besonders stark war, so ist es wohl er­klärlich, daß ängstliche Gemüter uns bereits von dem Schicksale Frankreichs, dem Bevölkerungs­stillstand, bedroht sehen.

Ganz io schlimm ist die Sache nun nicht. Zunächst ergibt sich aus dem soeben erschienenen ersten Hefte der offiziellen Statistischen Jahr- Hefte für 1908, daß im Jahre 1906 34,08 Ge­borene aus 1000 Einwohner kamen gegen 34 im Jahre 1905. Dies ist allerdings nur ein sehr kleine: Fortschritt, der doch aber zum mindesten dafür spricht, daß in dem Rückgänge ein Still­stand eingetreten ist. Bleiben wir aber auf dieser Ziffer stehen, so stehen wir zwar damit relativ an der Zahl der Geburten hinter Ruß­land, Ungarn und den christlichen Staaten der Balkanhalbinsel zurück, aber wir übertreffen die übrigen Länder Mittel- und Westeuropas, sowie die beiden wichtigsten Mächte außerhalb Europas, nämlich Japan und die Vereinigten Staaten. Deutschland hat also noch immer hin­sichtlich der natürlichen Bevölkerungsvermehrung durch Geburten viel mehr und von Rußland und Ungarn abgesehen vom politischen und wirtschaftlichen Standpunkte aus viel wich­tigere Staaten hinter sich als vor sich.

Ein anderes wichtiges und für uns sehr tröst­liches Moment wird von den Aengstlichen mit Vorliebe übersehen: die Tatsache nämlich, daß der Rückgang der Gestorbenen viel größer ist, als der der Geburten. Während im Jahre 1872 auf 1000 Einwohner mehr als 30 Sterbefälle kamen und 10 Jahre später immer noch mehr als 27, waren es 1892 nur noch 25%, im Jahre 1902 nur noch 20% und endlich 1906 nur noch 19*/,. Dieser gewaltige relative Rückgang hat sogar zu einem absoluten Rückgänge geführt,

Die Turnvereine in Marburg.

: Eine Erinnerung von L. Müller.

(Fortsetzung.)

Folgendes war das Programm bei der Fah­nenweihe: Halb 4 Uhr: Versammlung auf dem Turnplätze; 4 Uhr: Uebergabe der neuen Fahne: a) Lied: Sei gegrüßt Du Tag der Freude; b) Festrede; c) Lied: Grüßt Turngebrüder all­zumal; Frei- und Riegenturnen; um 8 Uhr: Fesiball im Pfeiffer.

Moritz Lederer hatte für den Verein ein großes Zimmer erbauen lasten, in welchem nun die regelmäßigen Zusammenkünfte stattfanden; am 20. Oktober 1861 wurde es mit einer Mustk- kneipe eingeweiht. Hier haben wir schöne und heitere Stunden verlebt, darunter auch eine Kaiserkrönung. Der Turner PH. S.....

hatte nämlich seinen Geburtstag. Am genann­ten Tage wurde Philipp auf Veranlastung von El. Schneider durch eine Deputation abgeholt und auf die Kneipe gebracht, die extra für diesen Tag bestimmt war. Dorten empfing ihn unser Hauptspaßmacher, der Turner Nikolaus Eckhard. Philipp mußte einen erhöhten Sitz besteigen und bekam nun in Ermangelung eines Purpur­mantels eine schwarz-weiß-rote Fahne umge­hängt, eine Krone mit Goldpapier wurde ihm auf das Haupt gesetzt, in die Hand bekam er ein Szepter, das aus einer alten Treppensäule hergestellt und vergoldet war, und in die andere Hand den Reichsapfel in Gestalt einer halben Handel. Dieses alles hatte El. Schneider be­sorgt. Nun ernannte Philipp, ähnlich wie bei dem Fürst von Thorne, sein Ministerium und verteilte die Aemter. Nikolaus Eckhard trat nun hinter Philipp, holte aus seiner Tasche ein Fläschchen mitSalfett", goß es dem Philipp auf den Kopf und sagte:Wenn ein Kaiser gekrönt wurde, so mußte er vorher immer ge­salbt werden", und schüttete so das ganze Glas »oll Inhalt dem Philipp auf den Kopf und Mlvte ihn mit seinem Parfüm, so daß sein

denn während 1872 über 1% Million Sterbe- fälle zu verzeichnen waren, waren es im Jahre 1906 nur etwa l1/, Million. Das ist ein ver­blüffend günstiges Resultat, wenn man bedenkt, daß das Deutschland von 1872 nur wenig mehr als 40 Millionen Einwohner hatte, während e« 1906 über 60 Millionen zählte. Bei einer Zu­nahme der Bevölkerung um gut 50 Proz. der ursprünglichen Ziffer eine absolute Abnahme der Todesfälle das ist ein Resultat, das un­seres Wissens kein anderer Staat zu verzeichnen hat und auf das Deutschland mit Recht stolz sein kann.

* Wenn man nun den Jahresabschluß einer Bank oder eines großen industriellen Unterneh­mens liest, so fragt man sich zuerst nicht danach, wie die Einnahme oder wie die Ausgabe ge­wesen ist, sondern wie sich die Gesamtbilanz stellt, d. h. welcher Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben erzielt worden ist. Aehnlich muß man bei der Beurteilung der Bevölkerungs­bewegung in einem Staate zu Werke gehen. Nicht die Zahl der Geburten, nicht die der Sterbesälle ist enscheidend, sondern auf den Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle kommt es an. In dieser Hinsicht aber hat Deutschland allen Grund, zufrieden zu sein. Trotz der starken Bevölkerungszunahme seit 1872 ist der Ueberschuß, also die natürliche Bevöl­kerungsvermehrung, heute relatw und deshalb natürlich erst recht absolut stärker als damals. Vor 30 Jahren betrug er ungefähr 12% auf 1000 Einwohner und sank in den nächsten 10 Jahren sogar auf ll1/, herab. In den letzten 20 Jahren aber ist er fast andauernd gestiegen und er betrug im letzten Jahre nahezu 15. Rund 2 085 000 Geborene, rund 1175 000 Ge­storbene zählte Deutschland im Jahre 1906, so daß der Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle mehr als 900 000 betrug, eine Ziffer, di« auch in dem bis dahin günstigsten Jahre 1902, nicht ganz erreicht worden ist.

Die ängstlichen Gemüter, zu denen sich letzt­hin auch der sonst von patriotischen Beklemmun­gen ja ziemlich freieVorwärts" gesellt hat, können sich also beruhigen. Wenn nicht was ja aber doch nicht zu erwarten ist fürchterliche Heimsuchungen durch Seuchen Deutschland bevor­stehen, so wird es in den nächsten Jahrzehnten an Rekruten und an Arbeitskräfte» dem Vater­lande nicht fehlen. Gewiß gibt ein Rückgang an Geburten zu denken und zwar nicht nur vom volkswirtschaftlichen, sondern auch vom sittlichen Standpunkte aus, aber ernstlichen Sorgen braucht man sich, wie die vorstehenden Ziffern ergeben, für die nächste Zeit noch nicht hin­zugeben.

ganzes Gesicht glänzte. Nun ernannte Nikolaus den Philipp zumKaiser von Petersilien". Philipp war über die Ehre so gerührt, daß er das Faß Bier, was bei dieser Gelegenheit ge­trunken wurde, bezahlen wollte; er war ein gutmütiger Mensch.

Mit dem Turnverein zu Gießen standen wir in freundschaftlichem Verkehr; oft kamen Sonn­tags die Gießener Turner nach Marburg und wir nach Gießen. Bei einer solchen Gelegenheit gab ein Gießener Turner, namens Schlatter, dem Schenkmäüchen in der Ledererschen Wirt­schaft,der Anna", das Geld zu 3 Glas Bier, di« sollte sie später dem Nikolaus bringen, denn dieser war manchmal schlecht bei Kaste. Als die Anna dem Nikolaus frisches Bier bringt, zapft sie auch die von dem Gießener gespendeten drei Schoppen und bringt sie ihm. Dieser ftagt sie nun,was sie mit den vier Glas wolle, er habe nur eins bestellt".3a," sagte sie,die hat ein Gießer Herr für Sie bestellt und bezahlt." Na," sagte der Nikolaus,dann schütten Sie sie in meinen Rocksack" und hielt diesen auf. Ge­treulich dem Befehl goß die Anna nun die drei Schoppen, einen nach dem anderen, in die Tasche des Nikolaus, daß das ganze Lokal schwamm. Einen besonderen Wohltäter im Turnverein hatten wir an Claudi Schneider. Alljährlich feierten wir seinen Geburtstag bei einem Faste Wein, wozu er seine Freunde und Bekannte resp. diese ihn einluden und zwar folgendermaßen: Gewöhnlich besorgte diese Einladung mein Freund Wilhelm $r? indem er sich zu Elaudi in seine Wohnung begab und ein großes Faß Wein bestellte, er ließ sich darüber Rechnung ausstellen und bezahlte diese gegen Quittung. An genann­tem Geburtstage wurde nun Elaudi von seinen Freunden zu einem Glase Wein eingeladen. Nach abgehaltener Weinpartie, bei welcher der reich­lich vorhandene Wein kaum alle getrunken werden konnte, erstattete dann Claudi das bezahlte Geld wieder zurück. Frau Schnei­der durfte es nicht gewahr werden, daß ihr Mann ein Faß Wein seinen Freunden zum

2)tarButß und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß 8 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe

Oberheff. Ztg." gestattet.)

Marburg. 31. März.

* Keine Trauungen in der Karwoche. Viel­fach unbekannt ist die Bestimmung, daß in der stillen Woche vom Palmsonntag bis Oster- Sonnabend und ebenso am ersten Ostertag in der evangelischen Landeskirche keine Trauungen stattfinden dürfen. Ausnahmen kann nur in besonders dringenden Fällen und unter der Be­dingung einer stillen Hochzeitsfeier der zustän­dige Superintendent bewilligen.

)( Dringend zu beachten. Morgen (Mitt­woch) zwischen 11 und 12 Uhr soll vor der Rat- hausschirne eine Schutzimpfungs-Desinfektion sämtlicher zahmer Hunde, Katzen und Kanarien­vögel mit dem neuerfundenen Schutzimpfungs- Desinfektions - TötungsmittelBuftistrudel- schnackterin" stattfinden. Sämtliche in Betracht kommenden Tiere sind um diese Zeit an dem be­wußten Platz vorzustellen.

* Vereinfachte Auszahlung von Zeugeng«- bühren. Der preußische Justizminister hat eine Verfügung erlassen, di« gleichzeitig eine Er­leichterung der Geschäfte des Richters und eine Bequemlichkeit für das Publikum bedeutet. Bei der Anweisung von Zeugen- und Sachverstän­digengebühren in Straf- und Zivilsachen war das Verfahren bis jetzt derart, daß ein Sekretär den Zeugen- und Sachverständigen die Liquida- tion aufstellte, worauf der Eerichtsvorsitzende durch seine Unterschrift die Gebühren anwies, die dann an der Kaste ausgezahlt wurden. Vom 1. April ab hat, wie gemeldet wird, der Sekre­tär die Gebühren zu berechnen und anzuweisen, die darauf an der Kaste zu erheben sind. Da­durch wird dem Vorsitzenden die Störung in der Verhandlung und dem Publikum der nochmalige Gang zur Gerichtsstelle erspart.

* Für Forstbeamte. Dem VereinWaldheil" zu Neudamm stehen im Jahre 1908 33 Stipen­dien zu je 100 J*. zwecks Verteilung an Söhne seiner Mitglieder aus dem Stande der Forst- und Jagdbeamten zur Verfügung. Davon sollen fallen 18 an Söhne von Privatforftbe- amten und 3 an Söhne von Gemeindeforstbe­amten. Die Stipendien werden gegeben zum Besuche von Forstlehrlingsschulen, Waldbau­schulen, sowie auch von höheren forstlichen Lehr­anstalten. Anträge auf Bewilligung eine, Stipendiums sind von den gesetzlichen Ver­tretern der vorgenannten Forstbeamtensöhne Vater, Mutter, Vormund oder Pfleger bi, zum 1. Mai d. I. an die Geschäftsstelle des Ver­einsWaldheil" zu Neudamm (Bezirk Frank­furt a. O.) einzureichen.

* Hausschlächter find invalidenoerficherungs- pflichtig. Diesen bereits in der Anleitung über

besten gab, und um den ehelichen Frieden nicht zu stören, wurde es auf diese Weise gemacht. Fm Jahre 1877 war es zum letztenmal, als wir zu­gleich mit der Geburtstagsfeier die Feier der silbernen Hochzeit des Claudi in fröhlicher Weise im Turnergarten verlebten. Im folgenden Jahre trugen wir ihn zu Grabe.

Zur Unterstützung des Vorstandes wurde ein Turnrat, der meist aus Turnfreunden bestand, gebildet. Im Winter 1861/62 bekamen wir von Stallmeister v. Bardeleben die Erlaubnis zur Benutzung der Univ.-Reitbahn einzeräumt, um darin die Turnübungen abzuhalten; dieselben fanden wöchentlich zweimal statt. Da nun außerordentliche Ausgaben entstanden waren, wie für Vermehrung von Turngeräten, Neubau eines Gerätehauses am Kämpsrasen, gab der Verein unverzinsliche Aktien an seine Mitglie­der aus. Die Turnfahrten nach außerhalb waren keine Seltenheiten, und es verging wohl kein Sonntag, daß wir nicht unterwegs waren, so nach Wetter, Amöneburg, Kirchhain, Staufen­berg, Gladenbach und anderen Orten. 1862 waren wir in Gladenbach zur Einweihung des dortigen Turnplatzes eingeladen worden. Auf der Höhe vor Gladenbach empfingen uns dre Dillenburger Turner, welch« Turnjacken von grauem Leinen trugen; wenn später jemand eine schmutzige Jacke an hatte, nannte man ihn einen Dillenburger. Wir marschierten nun gemein­schaftlich mit diesen, zwei Trommler voran, in geschlossenem Zuge nach Gladenbach, es war am Weiten Ostertag gegen Mittag. Auf einmal kommt der Bürgermeister von Gladenbach aus seinem Hause gestürzt und faßt die beiden vor­deren Turner am Kragen mit den Worten:Ihr verdammten Hunde wißt Ihr nicht, daß heute Feiertag ist?" Unser Stiftungsfest feierten wir in diesem Jahre im Schwanerschen Garten (jetzt Pfaffrath). Bei der Jubelfeier der Leipziger Völkerschlacht am 18. Oktober 1863 stellte der Turnverein die Ordnungsmannschaft bet dem Festzuge. Auf dem Rückmarsch vom Cappeler Berg nach der Stadt führte» 16 Turner mit

den Kreis der nach dem Jnraliden-Versicherungs- gesetze versicherten Personen vom 6. Dez. 1905 vertretenen Standpunkt hat das Reichs-Ver­sicherungsamt neuerdings auch in einer von ihm getroffenen Entscheidung über eine Streitsache eingenommen. Eine untere Verwaltungsbehörde hatte sich dafür ausgesprochen, daß Versicherungs­pflicht nicht vorliege, weil die Hausschlächter al, selbständige Unternehmer anzusehen seien. Da, Reichsversicherungsamt ist, nachdem es von der Landes-Versicherungsanstalt gemäß § 155 des Invalidenversicherungs-Gesetzes zur endgültigen Entscheidung angerufen worden war, der rechts­irrtümlichen Auffassung der Vorinstanz mit der Begründung entgegengetreten, daß die Haus­schlächter auf dem Lande sowohl ihrer Vorbil­dung als der gesamten Art ihrer Tätigkeit nach nicht als selbständige Gewerbetreibende, sondern vielmehr als versicherungspflichtige Lohn­arbeiter in der Landwirtschaft anzusehen seien; daß es sich dabei selbstverständlich um solche Per­sonen handele, die auf Grund ihrer Erfahrungen im Schlachten und Zerlegen der Schweine beson­ders geeignet seien, sei für die Frage der Ver- sicherungspflichtigkeit ohne Belang. Auch der Umstand, daß ein Hausschlächter selbst Lehrlinge ausbilde, sei nicht geeignet, ihn von der Ver­sicherungspflicht zu befreien, da um deswillen seine Tätigkeit noch nicht als die eines sebstän- digen Gewerbetreibenden erscheine; denn e, handele sich hierbei nicht um eine handwerks­mäßige Ausbildung von Lehrlingen auf allen Gebieten des Schlächtereibetriebes, wie dies sonst in Gewerbebetrieben üblich ist, sondern haupt­sächlich nur um die Heranziehung ton Hilfsper­sonen, die ihm zur schnelleren Erledigung seiner Arbeit Handlangerdienste leisten mit der aus­gesprochenen oder stillschweigenden Nebenabsicht, bei dieser Gelegenheit selbst das Hausschlachten zu erlernen. Wer in weniger als in 10 verschie­denen Wochen jährlich als Hausschlächter tätig ist, handelt sehr in seinem Interesse, wenn er zu den Pflichtmarken, die er für die Beschäftigungs­wochen von seinen Auftraggebern zu bekommen hat, einige Marken freiwillig hinzuklebt. Denn nur dann, wenn in einer Quittungskarte jedes Jahr wenigstens 10 Marken zur Verwendung kommen, kann die Anwartschaft auf Invaliden­rente erlangt werden.

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Amöneburg, 27. März. In einer vorgestern Abend einberufenen Versammlung der holz- nutzungsberechtigten Ortsbürge: kam ein Schrei­ben des Herrn Oberförsters Croß zur Verlesung, wonach mitgeteilt wurde, daß sich di« Ansprüche der nutzungsberechtigten Bürger auf § 53 der Städteordnung nicht stützen könnten. Außerdem

Kreuzfackeln den Festzug an. Verbunden mit dem Stiftungsfest feierte am 31. Juli 1864 der Verein sein erstes Turnfest auf dem Turnplatz auf dem Kämpsrasen. Die Festordnung war folgende: 1 Uhr:Turntag im Schmidtschen Saale am Varfüßerto-; 3 Uhr: Aufstellung des Feit- zuges auf der Ketzerbach, im Zuge durch die Stadt nach dem Turnplatz, hier Gesang des Lie­desHerbei, herbei, du deutsche Turnerschaft" und Festrede, gehalten von Dr. V. Schmidt. Dann folgte: Ordnungs- und Freiübungen, Ge­räteturnen, Kür- und Wetturnen; von hier im Zuge zurück nach dem Schmidtschen Saale, da­selbst Abendesien und Ball. Montag morgen 8 Uhr: Versammlung im Vereinslokal und Partie nach Spiegelslust.

Das Stiftungsfest im Jahr« 1865 wurde verbunden mit einem Ball, der im Saale des Englischen Hofes" gefeiert ward. Etwas Un­liebsames sollte der Verein in diesem Jahr« erfahren. Seitens der Universität war ihm di« Benutzung der Reitbahn als Turnhalle gekün­digt worden, und man entschloß sich zu einem Neubau, der in dem städtischen Garten neben dem Holzmagazin errichtet werden sollte. Eine Abordnung, bestehend aus K. Heuser, L. Müller und Architekt G. Gutmann, wurde nach Fried­berg gesandt, um die dortige Turnhalle, nach deren Muster unsere gebaut werden sollte, ein­zusehen. Die Ausführung der Turnhalle in Marburg wurde dem Architekten Gutmann über­tragen. Der Bau sollte so gefördert werden, daß man ihn im Winter benutzen konnte. Er kam aber nicht zur Ausführuna, aus welchem Grunde, ist mir unbekannt geblieben. Da Gutmann schon eine Anzahl Handwerker mit dt.i Vorar­beiten beschäftigte, so kam Gutmann und diese zu Schaden, der nie ersetzt wurde. Inzwischen war das Jahr 1866 gekommen, Kurhessen war preußisch geworden, und als die Garnison auf­gelöst wurde, übernahm der Turnverein auf einige Zeit die Wache auf dem Rathaus« »rt sorgte für die Sicherheit der Stadt.

(Fortsetzung folgt.)